Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 20 (12.3.1937)
- Date
- 1937-03-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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-4 t:; o * r, n . I ^J. \J u J t ffr. M / Jahrgang 43 Frei« 29 Rpf» JÜDISCHE RDNDSCHÄD Mui'tlaltnng,Verlag n. AoralgenraTwalttinfii BarUn W1S, Melnakotr.l* Fanimf i Sammel - Nnmmar Jl (Bismarck) 9031. — B«zugapreii einichlieBÜch Bestellgeld ja Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75, hm Abholung RM 1,88 btw. — Po«l»check - Konten der Vertrieb» . Abteilung: Berlin 71573 (für Groll - Barlin), Berlin 17392 (für dai übrige Reith). In Fallen höherer Gewalt besteht kein Ansprach auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebühren. — Knehalnt Jeden DUattae and Fr111■ |, BERLIN fsnn n« D"D FREITAG, 12. MÄRZ 1937 GMtigi Atnzelgenprelilleta Nr. 5. Die 12 gespaltene mm - Zeile 20 Rpf, für Familien - Nachrichten 15 Rpf. FSr die Aufnahme »on Ameisen in bestimmten Ausgaben oder «n bestimmten Plätzen wird keine Gewähr geleistet. Gelejenheit». anzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9—18 Uhr. Annuhmewhltifl für die Dienstag Aasgabe Montag 10 Uhr, für die Freitajr - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien-Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Per Zionismus er«trebt fOr das Jüdisch« Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstatte In Palästina. (Baseler Programm) Judenfrage und Politik Zu den Vorgängen in Rumänien und Ungarn Die Ereignisse der letzten Tage in Rumänien (und in einem gewissen Grade auch in Ungarn) zeigen, in welchem Maße die J u d e n f r a g e heute in manchen Landern geradezu in das Zentrum der Staatspolitik gerückt ist. Große Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Gruppen vollziehen sich zum Teil in der Form von Angriffen auf die Juden, obwohl dies häufig nur ein Mittel zum Zweck zu sein scheint, um die Macht in dem betreffenden Lande zu erobern. Die herrschende Partei, die die Ordnung im Staate aufrechtzuerhalten hat und daher judenfeindliche (wie alle anderen) Ausschreitungen auch dann unterdrückt, wenn sie selbst keine besondere Vorliebe für die Juden hat, soll — so wünscht die Opposition — in die Rolle eines „Schützers der Juden" gedrängt und dadurch unpopulär werden. Denn besonders ein Teil des Mittelstandes und vor allem die studentische Intelligenz, die übermorgen die leitenden Stellen besetzen wird, ist radikal antisemitisch, und andere Teile der Bevölkerung sind zumindest leicht infizierbar. Taiarescu greift durch In Rumänien hatte die Spannung einen hohen Grad erreicht, da die von der Regierung illegal erklärte rechtsradikale Organisation „liiscrne Garde" sich in der letzten Zeit wieder sichtbarer zu betätigen begann. Außer einigen anderen Vorfällen hat (wie aus den Tageszeitungen bekannt ist) ein Ueberfal! unbekannter Attentäter auf den Rektor der Universität Jassy, Trajan Bratu, das größte Aufsehen erregt. Rektor Bratu hatte kurze Zeit zuvor einige Studenten, die schwere jiidetifeindliche Ausschreitungen hervorgerufen hatten, relegiert. Der rumänische Ministerrat hat daraufhin vorübergehend alle Hochschulen geschlossen und ein neues Hoch Schulgesetz erlassen, das Studenten die Zugehörigkeit zu Parteien verbietet und außerdem alle diejenigen Studenten, die mit einer Prüfung drei Jahre im Rückstand sind, exmatrikuliert. Die Zuspitzung der Beziehungen zwischen der „Eisernen Garde" und der Regierung trifft, wie ein Bericht der „Frankfurter Zeitung" vom 9. März besagt, auch die Beziehungen zwischen der „Eisernen Garde" und der Krone, da Tatarescu in erster Linie als Vertrauensmann des Königs betrachtet wird. Eine Flugschrift der „Eisernen Garde" gibt dem Unbehagen darüber, daß die Krone sich gegen sie gestellt habe, in recht scharfer Weise Ausdruck. Der Korrespondent der „Frankfurter Zeitung" meint, daß infolgedessen die Stellung der Regierung Tatarescu gefährdet sei. Inzwischen greift jedoch Tatarescu scharf durch. Er hat auch, wie wir einem Bericht der JTA. entnehmen, im Zusammenhang mit den judenfeindlichen Ausschreitungen, die in der vergangenen Woche in Bacau stattgefunden haben, eine Erklärung veröffentlicht, in der festgestellt wird, daß bei Unruhen nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die zum Schutze der öffentlichen Ordnung berufenen Organe, die diese Unruhen nicht verhütet oder unterdrückt haben, zur Verantwortung zu ziehen sind. Er habe deshalb den Rücktritt des Präfekten des Departements Bacau, Leonida Dumitrescu, angenommen und eine Untersuchung gegen alle Angehörigen der Polizei von Bacau durch einen Disziplinarausschuß angeordnet. Während der Untersuchung wird das gesamte Poliz-eipersonal von Bacau versetzt. Justizminister S a s s u hat an alle Kreisstaatsanwälte ein Rundschreiben gesandt, in dem energisches Einschreiten gegen Unruhestörer gefordert wird. Der Minister betont, daß ohne Rücksicht auf Parteizugehörigkeit und persönliche Motive gegen jeden, der die Gesetze verletzt, mit voller Schärfe vorzugehen sei. Die Kehrseite Hat man somit den Eindruck, daß die Regierung sich den antisemitischen Verbänden energisch entgegenstellt, so hat die Sache auch eine Kehrseite. Wir erleben hier dasselbe Schauspiel, das wir auch anderwärts kennen: eine Regierung, die den radikalen Antisemitismus bekämpfen will, sucht ihrerseits durch gewisse gemäßigte Einschränkungsmaßnahmen gegen die Juden der antisemitischen Bewegung den W i n d laus den Segeln zu nehmen. Achul iclicn Motiven begegneten wir in allerletzter Zeit bei dem Einwanderungsgesetz in Südafrika und in zahlreichen Handlungen der polnischen Politik. Die rumänische Regierung hat einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, in dem vorgesehen ist, daß 75 «o aller Angestellten in Handels-, Industrie-, Finanz- und sonstigen Unternehmungen „ethnisch-rumänischer Abstammung" sein müssen. Auch die restlichen 25 «o müssen rumänische Bürger sein, können aber den jüdischen, ungarischen, deutschen, russischen oder bulgarischen Minderheiten angehören, die die rumänische Staatsangehörigkeit nach dem Kriege erworben haben. Ob diejenigen Juden, die als Einwohner der altrumänischen Gebiete schon vor dem Kriege rumänische Untertanen — nicht aber gleichberechtigte rumänische Staatsbürger — waren, den Angehörigen des Mehrheitsvolkes gleichgestellt werden sollen, geht aus dem Entwurf nicht klar hervor, ist aber nach seiner ganzen Tendenz und der bisherigen Haltung der Behörden in dieser Frage zu bezweifeln. Ausländer sollen nach dem neuen Gesetz nur dann beschäftigt werden dürfen, wenn es sich um Spezialisten handelt, für die es im Inland keinen Ersatz gibt. Der von den großen jüdisch-politischen Organisationen in Rumänien eingesetzte Zentralrat der Juden Rumäniens hat in einer unter dem Vorsitz von Dr. Wilhelm Filderman abgehaltenen außerordentlichen Sitzung, an der auch der Vertreter der jüdischen Religionsgemeinschaft im rumänischen Senat, Oberrabbiner Dr. I. Niemirower, und Delegierte der jüdischen Bevölkerung sämtlicher Provinzen des Königreiches teilnahmen, beschlossen, an König Caroi II. den Appell zu richten, die vom rumänischen Kabinett geplanten Maßnahmen zur Beseitigung jüdischer Angestellter aus Privatunternehmungcn nicht zuzulassen. Inzwischen hat nach letzten Meldungen Handelsminister Pop der Presse mitgeteilt, daß die bisherige Darstellung des Gesetzentwurfes ungenau war. Und in Ungarn Lieber die Vorgänge in Ungarn liegen ausführliche Darstellungen der deutschen Presse vor. Uns Juden interessiert vor allem, daß auch hier a n t i j ü d i s c h e Ausschreitungen und antisemitische Motive im Zusammenhang stehen mit Bewegungen, die die ganze Staatspolitik in Mitleidenschaft ziehen. Unsere Nachrichten über die antisemitischen Studenten-Demonstrationen in Fünfkirchen, Budapest, Debreczin, Szegcdin usw. sind unseren Lesern bekannt. Das „Berliner Tageblatt" berichtet am 9. März über einen Ucberfall der rechtsradikalen Studenten auf ein»n Mitarbeiter der liberalen Budapestcr Zeitung „Esti Kurir", der in dem Bericht des „B. T." als „ein Sohn des bekannten jüdischen Schriftstellers Ignotus-VeigelsbeTg" bezeichnet wird. Weiter ist die Rede von Versammlungen in Szegedin, wo die Vereinigte christliche Partei in nicht weniger als sechs Versammlungen eine scharfe Front gegen den ungarischen R c c Ii t s r a d i k a I i s m u s nahm. Da die Sprecher dieser Versammlungen — so schreibt das „B. T," weiter — sich in der einseitigsten Weise gegen den Rechtsradikalismus gewendet hatten, vcranlaßten die Szegediner national und sozialistisch gesinnten Pfeilkreuzler sofort die massenhafte Verbreitung eines Flugblattes, worin der Szegediner Bürgerschaft warnend zur Kenntnis gebracht wurde, daß es in der Hauptsache Juden gewesen seien, die den Sprechern der sechs Versammlungen Beifall gespendet hätten. „Wenn die herren Sprecher", so hieß es laut „B. T." in dem Flugzettel, „von einem Import fremder Ideologien gesprochen hätten, so hatten sie vor allem nicht des Massenimports von Juden in Ungarn vergessen dürfen, durch den Hunderttausende von Ungarn ihres Brotes und Bodens beraubt wurden." Di e darauffolgenden Vorgänge in l'ngarn, wo anseile inend eine große Erregung und widersprechende Gerüchte entstanden waren, wurden abgeschlossen durch eine Erklärung des ungarischen Ministerpräsidenten Daranyi, der den umlaufenden Gerüchten über einen angeblich geplanten Putsch in aller Schärfe entgegentrat. Daß auch bei diesen Gerüchten die Judenfrage im Spiele ist, beweist ein Bericht des Berliner „Angriff" vom 8. März, der unter Bezugnahme auf die falschen Gerüchte in folgender Weise auf die Judenfragc in Ungarn hinweist: „Vurm in it geu>! -im ui Janhdie b' > den-ta n! ige Rcvcikcrung gegen die iiidis, he!; ebcn.vuc! lern i ig umfS'Au olunderutig der s.haffe-nden Schichten Stellung nimmt, wenn, wie in den letzten Jainen wdeeictholt, die nicht jüdische l'nivetdt 11iii:;crn 1 geren das Vitrdi mjr.-n der Juden ,ra -di in den freien Ueuilcn in dir der Jugind eigenen snirrm-ehen und i;n|m!-iven Wci-e ibote I ediebt, wenn vmi;;e .dl/u iieeh provozierende Ju len in vei sohiedonen c-ut <m.e -eben Staaten vet|uugrit werden, yi ist nach der intrTn.it renalen 1 b 'Upre.>se immer wieder 1 )euu< Idand schuld."' Ueber die Haltung Deutschlands zur Juden - trage in Ungarn wird dann im „Angriff" noch folgendes hinzugefügt: „Wer die juli-.-he Fieeliheit kennt, deeigenen S;mr<ui zu verwischen und den Ved:--zoni auf eine lab'he 1'dutc zu loeken, wi;d darüber flieht \ e? n un lert sein. dalS von. d< r Kehrum; de-- |iidenlii:ns in Und»™ und. vini der juiIUch-n l'i <•■..«• heut «.•Main! dalur vertunwortlirh nein.teilt ward, dab sieh «eile Kici-e riet Magyaren nii hr weiterhin \;>n d< m in l derart! alhn.n ht igen Jüdin au-pbi;idern!a~*-n wollen. Als ob die absolut korrekte Halt n n; Drul sc h- 1 a n il s a I! e n i n it e n |> o 111 ist h c n A ti g e legen heitrn Ungarns gegenüber auch für die Juden in Engarn nicht atirh schon daiari zu erkennen wate, daG die größten Nutzniefer des stark angeva. h«encn dcutseh-uneaii-ehen Außenhandels leider gM.i!e sie vir.d. Die Wirtsehatt IVutv hluniU kann allerdings Mittel und Miig'i dihrirrti finden, das ■ u d i e h e Handelsmonopol in I 'tojut wet-ig-ien. an. dem II.tu M mit dein Keieh sa-/,« .haben, wenn c-, u: >i di.ei: >t ietnak ern-tich de,in denken wurde, .sieh auch nur iai gering :eu in imie.itmga isehe Ang'-le tenheken einztnnt-eben. Ks scheint u>-.,, dali die-e ab.olute, »citilHi eingebadene Korrektheit Deutschlands von den Juden in Eiijam als Freibrief dalur aufgehißt wird, Deuts bland als Verwand zu bcüü'zcn. um in Ungarn da i tri m er schärfer w e nie utl e n a n t i j u d i - e h e n I! e ■ wegttng in-bf-ondc-re I«! den mal'gf-' -reden Regicriitigdakhceii der, Boden ab/ienahen und mit dem llsnweiauf angebliche idnuiisehungi n 1 »etitsi 1 i'.iriih in ts in innere unga i-chc Aneelegcnhtitcti den jüdischen Kaub imgc-KÜrzt zu erhalten.'' a Wenn man die Gesamtlage der Juden in großen Teilen Ost- und Südeuropas überdenkt, so empfindet man mit aller Schärfe die Notwendigkeit einer grundsätzlichen Lösung der Judenfragc. Maßnahmen dieser oder jener Art können die Lage wohl mildern, und es ist nicht zu verkennen, daß die gegenwärtigen Regierungen in Rumänien und Ungarn ein Hereintragen der Judenfrage in die Staatspolitik ablehnen und radikal-antisemitische Vorstöße zurückweisen. Aber das Problem bleibt. Die Situation ist für die Juden allenthalben überaus gefährlich, weil bei den verworrenen politischen Verhältnissen und bei den scharfen inneren Gegensätzen innerhalb verschiedener Staaten die Judenfrage immer wieder als Kampfobjekt benutzt wird. Diese Vorgänge sind ein neues Mahnzeichen für alle Juden, ihre geistigen und materiellen Kräfte für eine würdige Lösung der Judenfrage einzusetzen. Assimilation« Dissimilation — und neue Assimilation Eine Erwiderung I. H.F, In Nr. 8 der „C. V.-Zeitting-" v. 25. Februar 1Q37 setzt sich der Vorsitzende dieses Verbandes, Dr. ilerzfeld (EbSen), mit den Hegriffen Assimilation und Dissimilation auseinander. Die Diskussion zwischen den Zionisten und Nichtzitmisten hat angesichts der Wirklichkeit in den letzten Jahren an Hedeiittin^ verloren. Diejenigen, die jede Auseinandersetzung jüdischer Weltanschauungen als einen „Parteiermvist" ansehen, sind mit diesem Zustande, daß eine echte Ausnnandcrsel/ting zwischen Zionismus und Nichizionismiis kaum noch existiert, sehr zufrieden. Alle die aber, denen an einer wirklichen Klärung gelegen ist, und dir' auf der Grundlage jüdischer Solidarität die echte Auseinandersetzung und Zwiesprache als ein gemciiiscliaft-bildendes Mittel ansehen, müssen diesen Zustand aufs tiefste bedauern. Infolge der veränderten Stellung der Nichtzionisten zum Aufbau Palästinns sind die Gegensätze weitgehend gemildert, aber auch verwischt worden, so daß es möglich ist, daß heute liberal-religiöse Juden, die den zionistischen Vorstellungen durchaus fernstehen, aber mit dein Palästina-Aufbau unter „religiösen" Aspekten sympathisieren, von sich sagen, daß sie ja „auch Zionisten" seien. Der Beitrag zur Diskussion von Dr. Herzfeld kann daher von zionistischer Seite als Wiederaufnahme einer echten Diskussion nur begrüßt werden, und man muß die Hoffnung aussprechen, daß es dieser Diskussion gelingen wird, klärend zu wirken. II. Dr. Herzfeld untersucht zunächst den Begriff der Assimilation und weist mit Recht darauf hin, daß Assimilation dann von selbst entsteht, wenn ein Organismus sich veränderten Verhältnissen anpaßt. Wir haben in einem früheren Aufsatz diese Assimilation als eine ungewollte bezeichnet, und sie ist ganz gewiß biologisch verständlich. Landschaft, Klima und Milieu formen den Menschen und beeindrucken sein Wesen, seine Sprache und sein Denken. Diese Assimilation hat der Zionismus in seinem Kampfe niemals gemeint, wenn er sich gegen Assimilation wandte. Wir unterscheiden biologisch ererbte und erworbene Figenschaften. F.s gibt aber auch erworbene Eigenschaften, die sich im Laufe der Entwicklung in vererbbare verwandeln. Ein russischer Jude hat im Laufe des Zusammenlebens mit dem russischen Volke soviel „Russisches" in Denken, Fühlen und Gehaben angenommen, daß er sieh weitgehend von dem englischen Juden unterscheidet, der eben nicht mir engü-ch spricht, sondern auch in vielem englisch assimiliert ist, Daß dort, wo Juden in Ma-sensiediungen gelebt haben und leben, diese automatische Assimilation weitgehend unterl>liel>fn ist oder nur ganz oberflächlich ihre Spuren bei dm Juden hinterlassen hat, ist gewiß kein Verdienst dieser jüdischen Massen, sondern biologisch ebenso erklärbar, wie das andere. Man wird der Auseinandersetzung zwischen Zionismus und assimilatorischer Haltung: nicht gerecht, wenn man nicht ganz deutlich zunächst einmal die ungewollte Assimilation aus der Diskussion herausnimmt. Sie war und ist für den Zionismus immer nur Bestätigung der Richtigkeit seiner Auffassung vom Wesen und der Entwicklung der Minorität, aber niemals Kampfobjekt. III. Die wirkliche Auseinandersetzung beginnt dort, wo es sich um Assimilation als Willensakt handelt. Hier versucht Dr. Herzfeld eine sehr merkwürdige l'nterschcidung zu machen, indem er unter Zitierung eines Artikels von Ludwig Tietz die „Assimilation im Akkusativ und im Dativ" unterscheidet*). Was die Assimilation im Dativ betrifft, so scheint es uns gar zu einfach und — sit venia verbo — anmaßend, die Möglichkeit für die Juden in Deutschland zu reklamieren, daß sie imstande waren, sich (sibi) Dinge der Umwelt zu assimilieren. Wir wissen sehr wohl, daß es in noch nicht ganz entjudeten Kreisen solche Versuche und Meinungen gegeben hat. Diese Versuche sind sämtlich *) Diese Formulierung stammt in Wahrheit von Rabb, Dr. B. Jacob, Dortmund; vgl. die Polemik, über Assimilation in der Zeitschrift „Der Morgen", Heft 3 und 6, Jahrg. III (I92S), zwischen Dr. Jacob, W. Michel, H. Kohn und R. Weltsch, und dazu die Bemerkungen von Buber im Sonderheft „Der Jude", 1<J28. Vgl. ferner den Leitartikel der „Jüdischen Rundschau" Nr. 1, 1928; „Eine grammatische Frage". — Ad. R.