Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 16 (26.2.1937)
- Date
- 1937-02-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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-1.3.1^7 Hr. 16 / Jahrgang 42 Preis 25 Rpf. JUDISCHE RUNDSCHAU •chrlftUitangiVerlag o. Anx«!g*nVerwaltung! Berlin W15, M«ln»k«»tr.lO Fwnrnfi linmal-Nnnm« Jl (BUmarcfc) MSI, — Bezugspreis einscblieBlidi B«*tallt*l<l i« Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,76. bei Abholung RM 1,88 bzw RM 5,39. — Portucliedc - Konten der Vertrieb» - Abteilung: Berlin 71573 (für Groß Berlin), Berlin 17392 (für das iibrijre Reich). In Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung o<ler Erstattung etwa schon srerahlter Betu jragebühren. — Erscheint Jeden DtaniUl nnd F r e 11 ■ (. BERLIN T*s"in VD FREITAG, 26. FEBRUAR 1937 Gttltlfft AnzetgenpreUHiite Nr.!S. Di« 12?espn!tcn« mm-Zeile 20 Rpf., für Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für di« Aufnahme von Anifijrcn in t.f stimmten Ausgaben oder an bestimmten Plätzen wird kein« Gewähr jjeteistet. Gelc^fnheits- •nzeig-en nur jfeg^en Vorauszahlung auf Postscheck * Konto Berlin 71618 oder har Montajr h i a Freitag 9—18 Uhr. Annahmeschluß für Hie Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitnjj' - Aushub« Mittwoch 13 Uhr. (Für Familien - Anzrig-cn am Tay vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseier Programm) Eine Million Pfund Militärkosien Unterhausdebatte über die Palästina-Unruhen Im englischen Unterhaus brachte Kolonienminister Ormsby-Gore einen Antrag auf Bewilligung des Budgets für die im Jahre 1930 durchgeführten militärischen Aktionen in Ostafrika und im Mittelmeergebiet ein. Dabei kam es am 22. Februar zu einer eingehenden Debatte über die gegenwärtige Lage in P a 1 ä s t i n a. An der Palästina-Regierung wurde scharfe Kritik geübt, weil es ihr nicht gelungen ist, die Unruhen /u verhüten. Es wurde betont, daß mit einem Wiederaufleben der Unruhen gerechnet werden müsse, falls nicht sofort energische Malinahmen getroffen werden. Minister Ormsby-Gore erklärte, der Hauptposten des vorgelegten Ergänzungsetats betreffe die Kosten für die großen zusätzlichen Truppen Sendungen nach Palästina anläßlich der Unruhen bis zum Oktober des vergangenen Jahres. Diese Kosten seien zum größten Teil von Palästina rückerstattet worden. Die britische Regierung habe von den Gesamtkosten von 1 105 000 Pfund von Palästina 1 084 410 Pfund zurückerhalten. Der Unterschied zwischen diesen beiden Beträgen rühre daher, daß die Erhaltungskosten der Garnison zu gleichen Teilen zwischen Palästina und Transjordanien aufgeteilt werden, wobei jedoch dem finanzschwachen T r a n s j o r d a n i c n die Kosten der Luftwaffe kreditiert worden sind. Obwohl das Geld von Palästina rückerstattet wird, habe das Haus Anspruch darauf, zu erfahren, wie es zu dieser großen Summe gekommen ist, und wie groß die zusätzlichen Kosten sind, die die zeitweilige Verstärkung der Garnison seit Oktober 193b bedingt; diese Garnison wird auf die jetzt in Palästina befindlichen sieben Bataillone beschränkt. Von den Gesamtkosten entfällt der größte Einzelbetrag, nämlich 2S4 000 Pfund, auf die Beförderung der Truppen auf dem Seewege. An zweiter Stelle kommen die Kosten für die Unterbringung: 283 000 Pfund. Für Kriegsvorräte und Remonten wurden 153 000 Pfund, für zusätzliche Löhnungen 183 000 Pfund ausgegeben. Man wird verstehen, sagte der Minister, daß die Kosten der jüngsten Unruhen in Palästina eine sehr erhebliche Belastung der Landesfinanzen bedeuten. Palästina hat jedoch in den letzten Jahren einen bedeutenden Ueber schuß angesammelt und es ist natürlich, daß man unter den gegebenen Umständen von Palästina verlangt, die Differenz zwischen den Kosten der Erhaltung hier und der Erhaltung in Palästina zu tragen. Ich lehne es nicht ab, im Einvernehmen mit dem Schatzamt und der Palästina- Regierung die Möglichkeit einer nochmaligen Festsetzung des genauen Anteils an den Verteidigungskosten, der im nächsten Jahre und in den folgenden Jahren von Palästina einzuziehen sein wird, im Lichte der Finanzlage im kommenden Jahre zu prüfen. Die künftige finanzielle Situation Palästinas hängt von verschiedenen gegenwärtig nicht festgestellten und nicht feststellbaren Faktoren ab. In erster Reihe von der Entscheidung, die auf Grund der Empfehlungen der Kgl, Kommission getroffen wird. Ich kenne diese nicht. Sic können sich sowohl auf die Finanzen des Landes als auf die politische Lage auswirken. Mehr kann ich nicht sagen, da die Entscheidung über diese Fragen schwebt. Ich kann in diesem Augenblick nicht prophezeien, wieviel Cicld im nächsten Jahre notwendig sein wird, um die Verteidigung Palästinas zu finanzieren und ob die Kosten, wie jetzt, dem palästinensischen Steuerzahler zur Last fallen werden oder ob ich dem Hause einen Ergänzungsetat werde vorlegen müssen. Abg. Tom Williams beantragte die Kürzung des vorgelegten Etats um 100 Pfund. Er erklärte, es sei mit Rücksicht auf die Beratungen der Kgl. Kommission um so besser, je weniger in dieser Debatte gesagt werde. Jedermann wünsche eine möglichst günstige Lösung, aber diese u n geheure Ausgabe von über einer Million bedeute eine schwere Last. Ueberschüssc, die zu Zwecken der Erziehung, der Sozialfürsorge, der Verbesserung des Verkehrs und der allgemeinen Landesentwicklung ausgegeben werden sollten, sollen jetzt zur Deckung dieser Ausgaben verwendet werden. Das bedeute eine schwere Strafe für die loyale Bevölkerung des Landes, die niemals die Hand gegen die Regierung erhoben habe und mehr oder weniger das Opfer anderer Bevölkerungsteile sei. Sir Percy Harris betonte die Notwendigkeit, den Feststellungen der Kgl. Kommission nicht vorzugreifen und jedes Wort bei der Erörterung palästinensischer Angelegenheiten genau zu wägen. Aeußcrungen, die in diesem Hause fallen, würden in der palästinensischen Presse oft entstellt wiedergegeben, irgendeiner unschuldigen Bemerkung könnte übertriebene B e d e u t u n g beigelegt werden. Es sei nicht leicht, diejenigen zu kritisieren, die die Verantwortung für die Verwaltung tragen; ihnen sei eine höchst schwierige, heikle Aufgabe gestellt, die ernstes Urteil, Takt und Klugheit erfordere. General Wauchope sei von beiden Seiten kritisiert worden, aber er habe sich bemüht, das Gleichgewicht zwischen den beiden Interessen zu wahren. Wenn an ihm ein Fehler gefunden werden kann, so der, daß er übermüßige Geduld gezeigt habe. Als die Unruhen im vergangenen April ausbrachen, fuhr Sir Percy fort, waren die Behörden ausgiebig gewarnt worden; man möchte wünschen, daß sich die Regierung nicht abermals überrumpeln lasse. Im vergangenen Jahre wurde nichts getan, um die Polizei zahlenmäßig zu verstärken. Ich möchte die Minister und die für die Verwendung von Truppen Verantwortlichen darauf aufmerksam machen, daß es weit besser, wirtschaftlicher und für die dauernde Befriedung des Landes zweckmäßiger ist, dafür w sorgen, daß die Polizei genügend ausgestattet, organisiert und geschult ist für solche Situationen, als Militär in Anspruch nehmen zu müssen. Weil man fünf Monate gewartet hat, bevor man eine energische Aktion durchführte, war es notwendig, so bedeutende Kräfte in das Land zu schicken. Der Redner sprach seine Anerkennung für den Kommandierenden General und die Truppen aus, die ihre Aufgabe mit großer Umsicht erfüllt hätten, und fragte: Ist es wahr, daß die arabischen Banden, wie man mir mitteilt, ihre Waffen behalten durften? Ich erfahre, daß große Teile der Araber noch immer organisiert und mit Waffen und Munition versehen sind, und daß sie Zerstörung und Unruhe in dem Lande verbreiten können. Der Abgeordnete wies sodann darauf hin, daß noch immer Morde und Terrorakte in Palästina begangen werden, die sich nicht so sehr gegen die Juden, als gegen die gemäßigten Teile der arabischen Bevölkerung richten. Es heiße, daß die Möglichkeit neuer Unruhen nach der Beendigung der Orangen-Saison bestehe. Er hoffe, der Kolonienminister werde das Haus davon überzeugen, daß alle Vorsorge getroffen wurde, um die Einfuhr von Waffen zu verhindern. Der Minister werde nicht deutlich genug erklären können, daß Gewalt nicht geduldet werden würde. Das jüdische Volk, sagte Sir Percy, ist nach Palästina auf Einladung der britischen Regierung und unter den Auspizien des Völkerbundes gekommen. Ich glaube daher, daß wir dafür verantwortlich sind, daß es nicht dem Terror und den Greueln ausgesetzt wird, zu denen es in den ersten Monaten des vergangenen Jahres gekommen ist. Palästina, sagte der Redner zum Schluß, habe in doppelter Weise gelitten: einmal, weil seine Einkünfte infolge dieser Unruhen gesunken sind, und dann, weil dieses für die Entwicklung des Landes so notwendige Geld wegen dieses erbärmlichen Konflikts ausgegeben werden mußte. Gewaltanwendung sei eine Tragödie in einem Lande, das den Menschen aller Religionen und Rassen in der ganzen Welt das Heilige Land ist. Es sei zu hoffen, daß das Heilige Land tinter der Verwaltung des Kolonienmiiiistcrs ein Land des Friedens werden wird. Lord Winterton erklärte, er sei von hohen amtlichen Kreisen in Palästina dahin unterrichtet worden, daß eine der Haiiptursachcn für die Unruhen des vergangenen Jahres die einseitige Stellungnahme des Unterhauses (Anspielung auf die Unterhausdebatte am 21. März 1Q36, die sich gegen die Einrichtung des Legislative Council wandte, siehe „J. R." Nr. 25 — A. d. R.) gewesen sei. Das habe unter den Arabern Verzweiflung erregt. Es würde bedauerlich sein, wenn bei dieser Gelegenheit eine eingehende Debatte über die Lage in Palästina stattfände. Es würde dies ein Spiel mit dem Feuer sein. Der Redner erklärte sodann, es sei durchaus gerechtfertigt, daß die Einwohner Palästinas die Ausgaben für die zusätzlichen Truppen zu tragen haben. Es würde sehr unangcbi acht sein, wenn die Biitische Regierung, außer daß sie die zusätzlichen militärischen Kräfte stellt, auch noch die englischen Steuerzahler auffordern sollte, für diese bedauerlichen Zustände zu zahlen. Colonel Wedgwood war der Ansicht, daß die Beamten in Palästina fast ständig im Krieg mit dem Parlament lägen. Es sei IIir Widerstand gegen das Parlament, der Verwirrung stifte. Gegen diesen Etat, soweit er Palästina betreffe, habe er einzuwenden, daß das Geld verschwendet worden sei. Er wolle wissen, ob das Militär freie Hand erhalten habe zur Niederwerfung der Unruhen. Welcher Meinung sei General Dill über die Verwendung der Truppen? Sei es richtig, daß das Militär Refehl hatte, niemals zu feuern, wenn es nicht vorher beschossen wurde, und hatte General Dill die nötigen Vollmachten, um die Unruhen zu unterdrücken? Der Redner erklärte, er glaube, daß die Unruhen in viel kürzerer Zeit und mit viel geringeren Kosten hätten unterdrückt und die Ordnung wiederhergestellt werden können, wenn man dem Militär freie Hand gelassen hätte. Der konservative Abgeordnete A. C. Crosslcy bemerkte, falls Unruhen in irgendeinem Teil des Britischen Reiches ausbrechen, müssen sie niedergeworfen werden. Colonel Wedgwood: Aber sie wurden nicht niedergeworfen. (Fortsetzung auf Seite 2) Lloyd George über die Judenfrage Llovd George nimmt in einem Aufsatz, der in der New-Yorker Zeitschrift „Liberty" erschienen ist, zu der Frage „Warum wird der Jude verfolgt?" Stellung. In diesem Aufsatz erklärt Lloyd George, die Juden seien „die bemerkenswerteste Rasse, die jemals auf Erden lebte". Die Verfolgungen, denen die Juden in neuerer Zeit ausgesetzt sind, seien letzten Endes auf den Willen der Juden zurückzuführen, sich als besondere Rasse zu behaupten. Der Verfasser schreibt weiter, der Jude sei ein wertvoller Bürger in jedem Lande, das ihm Schutz und gleiche Möglichkeiten wie den übrigen Bürgern gewährt. Dr. Chaim W e i z m a n n wird von Lloyd George in seinem Aufsatz als „der größte Staatsmann, den Juda in den neueren Zeiten hervorgebracht hat", gefeiert. Gleichzeitig betont der Verfasser seine Sympathien für die Errichtung des Jüdischen Nationalheims in Palästina. Draußen und drinnen Zwischen Scylla und Charybdia Das polnische Judentum durchlebt einen Prozeß, der nach dem Eindruck vieler Beobachter beinahe m einer völligen wirtschaftlichen Vernichtung zu führen scheint. Gewiß ist es unangebracht, die Lebensbedingungen der Juden Polens etwa mit denen der Westeuropäischen Judcnheit zu vergleichen. Der gesamte Lebensstandard in Polen liegt auf einem Niveau, das unvergleichlich tiefer ist als in West- und Mitteleuropa. Die Armut der 1 mdlu iien polnischen Bevölkerung selbst ist für westliche Menschen, die an ganz andere Lebensverhältnisse gewöhnt sind, nur .Himer \ or.sf eil bar. Dennoch Kann nicht verkannt werden, daß die Situation der polnischen Juden immer schwieriger wird, und daß der politische Einfluß aut die Gestaltung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse nunmehr auch in Polen einen Umfang annimmt, wie er selbst während der stärksten Entwicklung des sog. .,1 tatisiiius", als der Staat in die Wirtschaft regulierend einzugreifen begann, nicht vorausgesehen werden konnte. Die Erklärung des Obersten K o c, des Organisators des neuen polnischen Regierungslagers, wandte sich zwar mit großer Klarheit gegen Gewaltakte und judenfoimlliehe Ausschreitungen, aber sie betonte auf der anderen Seite das Streben der polnischen Gesellschaft, wirtschaftlich tt n a b Ii ä n g i g zu werden. Oberst H'oc hat dies insbesondere auch dahin gedeutet, daß er die Forderung aufstellte, polnische Bauern in die Städte zu iiherfuhren, um das Wirtschaftsleben der Städte zu erweitern und den polnischen Mittelstand zu starken. Es ist klar, daß eine solche Entwicklung zwangsläufig die Paupcrisierung der breiten Masse des polnischen Judentums weiter fördern muß. Auf der anderen Seite bedeutet der Versuch, der jetzt in Polen gemacht wird (mit Parallclentwicklungen in einer ganzen Reihe von Ländern), daß man gegenüber der anbrandenden Welle des Nationalismus und der Rechtsradikaien mit ihren extrem antisemitischen Forderungen einen Damm aus den gemäßigteren Elementen unter Einbeziehung der politischen Mitte errichten will. Die Juden dieser Länder befinden sich in einer Lage, für die man Verständnis aufbringen muß. Das gegenwartige Regime legt ihnen große Opfer auf, und es muß ihre Lebensbasis schmaler werden lassen. Die jüdischen Massen verlangen daher, daß ihre berufenen Vertreter immer wieder gegen all das protestieren, was geeignet ist, in Gesetzgebung und Verwaltung die jüdischen Lcbenstnöglichkciten einzuschränken. Andererseits stellt hinter der gegenwärtigen Not das Gespenst einer viel größeren Gefahr. Mit dem Siege der jetzt in der Opposition befindlichen Rechtsgruppen wurde ohne Zweifel eine weit radikalere Lösung der Judenfrage in Angriff genommen werden, die in politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht zu einer völligen Katastrophe führen müßte. Unter diesen Umständen sind die Juden daran interessiert, eine ruhige Entwicklung der Dinge zu unterstützen und auch ihrerseits die Mitarbeit an den drängenden Aufgaben des Staates an/uhieten. Würden sie sich in die Reihen der Opposition steilen, so mußte sich eine Schwächung der Regierung im I mit ifekt gegen sie seihst auswirken. Dort, wo die Juden durch ihre Millionenmasse einen ins Gewicht fallenden Teil der Bevölkerung ausmachen, wie es besonders in Polen der Fall ist, sind sie aus dem Gesamtlcbeit des Staates ja auch nur schwer fortzudenken. Aus diesem Grunde werden die Juden Polens es gewiß begrüßt haben, wenn Oberst Koc davon sprach, daß er die Verschiedenheiten der nationalen Minderheiten a n e r k e n n e, und sie werden auch dem zweiten Teil dieses Satzes zustimmen, daß sie nämlich ihrerseits die Interessen des Staates nicht beeinträchtigen wollen und von sich aus keine Mauer des Hasses zwischen sich selbst und der übrigen Bevölkerung; zu errichten gedenken. Die Juden sind im Gegenteil darauf bedacht, diese oft genug fühlbare Mauer niederzureißen und durch menschliche Beziehungen gegenseitiger Achtung und Anerkennung zu ersetzen. Es zeigt sieh bei all dem, wie delikat die Lage cier Judenheit in einer Welt ist, deren politische Tendenz in wichtigen Ländern jüdischer Siedlung auf eine allmähliche Eli minierling der Juden abzielt, wobei dennoch Klarheit darüber besteht, daß die Juden bei der gegenwärtigen allgemeinen Weitsittiation trotz ihrer starken Auswanderungsbereifsrbaft in ihrer überwiegenden Mehrheit in den jetzigen Wohn lindern verbleiben müssen und dort eine Linderung ihrer Nöte in Zusammenarbeit mit Staat und Gesellschaft anzustreben haben. Psychologie und Politik Eine Zeit, in der das Volk durch große Ereignisse erregt wird, ist stets geeignet, seine Psychologie und die tieferen Schichten seines Seelenlebens kennenzulernen. Die Unruhen des Jahres 1<JJ6 in Palästina gaben hierzu wieselten Gelegenheit. Die Anteilnahme des Jischuw an den Vorgängen im Lande und auch die Erregung des jüdischen Voikes in allen Teilen der Weit war außerordentlich groß. Man hat immer wieder — und mit Recht — die Disziplin gerühmt, die die Juden Palästinas in den schweren Monaten geübt haben und die sie mit ganz geringen Ausnahmen dazu veranlaßte, sich auf die Abwehr der auf ihr Leben und Eigentum gerichteten arabischen Angriffe zu beschränken, ohne selbst Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen. Es hat sich gezeigt, daß ein gesunder Instinkt im