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Jüdische Rundschau · 1937-02-12 · Heft 12 (12.2.1937) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 12 (12.2.1937)
Date
1937-02-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 12, 12. FEBRUAR 1937 Ben Gurion zur Lage Kritik des arabischen Nationalismus J c r Ii s a I c m, 8. Februar. (JTA.) In der Rede, die der Vorsitzende der Exekutive der Jewish Agency, David Ben Ourion, auf der Versammlung des Hauptrats der Histadruth in Tcl-Awiw am Sonntag gehalten hat, erörtert er auch die B e z i e h ti n g e n z \v i s c h e n j u d e n u n d Arabern in Palästina und die Ziele der arabischen Bewegung. Von den arabischen Nationalisten Palästinas, so führte er aus, werde die Vorherrschaft im Lande angestrebt, obwohl die palästinensischen Araber nur das Recht hätten, als nationale Einheit in Palästina zu bestehen. Die letzten Unruhen hätten ihre Ursache hauptsächlich in dein primitiven und unkonstruktiven Charakter des arabischen Nationalismus, der nicht einmal davor zurückgeschreckt sei, Banden aus dem Ausland zur Teilnahme an dein Aufruhr aufzufordern. Der b i n a t i o ii a 1 e O e d a n k e entstelle das Wesen des Zionismus, dessen Aufgabe der Ausbau des jüdischen Palästina sei. (Diese Antithese "ist nicht recht verständlich, und es ist nicht ersichtlich, w e I c h e s polnische Programm der Redner nun eigentlich empfiehlt. •— A. d. R.) In der Sitzung erklärte tler Vorsitzende, dal! die Histadruth in den nächsten Tagen mit der Herausgabe einer Zeitung in arabischer Sprache beginnen wird. In der Sitzung wurden ferner die Fragen des Arbeitsmarktes und der wirtschaftlichen Lage ausführlich besprochen. Flerr F r u m k i n betonte, daß die Wirtschaft einer neuen Entwicklung entgegengehe, und daß trotz der Unruhen eine Depression keinesfalls zu erwarten sei. „Vergessene Kongreßbeschlüsse" Zu den Arbeiterkrawaflen Zu den Zusammenstößen /wischen Arbeitern der llistadruth und Revisionisten schreibt die , ages/eiümg „i I a a r e z.": Kaum hat die Royal Commission das Land verlassen und schon brechen an unserer inneren Front Zwistigkeiten aus. Ohne auf die Einzelheiten der Arbeitsstreitigkeiten zwischen den revisionistischen Arbeitern und denen der Histadruth beim Bau der Universitätsklinik in Jerusalem und bei einem Bau in Tel-Awiw eingehen zu wollen, muß doch festgestellt werden, daß das Recht auf Arbeit jedem Arbeiter zustehen muß, welche politischen Ansichten er auch immer vertreten mag. Die Arbeiterorganisation ist eines der wichtigsten Instrumente bei der Verwirklichung des Zionismus. Die Arbeiterorganisation muß deshalb alle jüdischen Arbeiter ohne Unterschied ihrer politischen oder sozialen Ansichten umfassen. Es darf in dieser Frage nur einen Weg geben: den Weg der Zusa m m e n a r b e i t im Geiste der obersten nationalen Interessen. Die Frage der Arbeitsregelung gehört zu den Problemen, deren Behandlung der Z i o n i s t e n k o n g r e ß der Leitung aufgegeben hat. (Zu diesen ,,vergessenen" Kongreßbeschlusscn gehört auch die Errichtung eines Wirtschaftsbeirats.) Bei den Zusammenstößen, so fährt „Haare/" fort, handelt es sich nicht um die üblichen wirtschaftlichen Arbeitsstreitigkeiten. Der Konflikt ist ein politischer; seine Ursachen liegen in politischer Sympathie und Antipathie. Die Arbeiterorganisation behauptet, daß sich die Revisionisten mit gewissen Unternehmern zusammengeschlossen haben, um die Arbeiterorganisation zu zerschlagen. Die Revisionisten dagegen erklären, sie bekämpften nur das von der Flisiadruth i,n Anspruch genommene Monopol auf Arbeit. Tatsache ist, daß die Vertreter der Histadruth den Vorschlag des Distriktsoffiziers von Tel-Awiw, die Entscheidung einem Schiedsgericht zu unterbreiten, angenommen, die Revisionisten und die Unternehmer dagegen diesen Vorschlag abgelehnt haben. Welches immer auch die Beweggründe in diesem Konflikt sein mögen — keinesfalls sind die Formen zu billigen, in denen dieser Kampf von Seiten der Histadruth geführt wird. Die Regelung der Arbeitsverhältnisse muß auf dem Wege der nationalen Oberhoheit erfolgen. Die Führer der Histadruth tragen nicht zuletzt die Verantwortung und die Schuld dafür, daß wir eine solche Arbeitsordnung noch nicht erlangt haben. Besonders beklagt die Zeitung den Uebcrfall auf den Unternehmer F e I d in a n n, der von einigen Burschen verletzt wurde. Dieser Vorfall sei eine schwere Schädigung der Sache der Arbeiterorganisation. * Nachdem die Revisionisten den Schiedsspruch der Tel-Awiwcr Stadtverwaltung in Sachen des durch Einlassung von Mitgliedern der Histadruth und deren Ersetzung durch revisionistische Arbeiter verursachten Streites a h g e I e h n t hatten, kam es bei einein Neubau am Tel-Awiwer Strand wieder zu einem Zusa m m e n s t o ß zwischen Rev:s!onisten und Histadruth-Mitgliedcrn, Ein Arbeiter wurde ve Dtzt, zwei wurden in Haft genommen. Zertifikate für Revisionisten Das Im migrations -Departement der Jewish Agency in Jerusalem veröffentlicht eine Erklärung, in der die Behauptung, daß keine Einwanderungs-Zertifikate an Mitglieder» des „Betar" ausgefolgt werden, entschieden in Abrede gestellt wird. Seit Austritt der Revisionisten aus der Zionistischen Organisation sei das Recht des „Betar" auf Zuteilung von Kollektiv-Zertifikaten verfallen, da dieses Recht nur Körperschaften zuerkannt werden könne, die sich der Kontrolle der Jewish Agency unterwerfen. Nichtsdestoweniger hätten die Palästina-Aemter wiederholt von Jerusalem aus den Auftrag erhalten, einzelnen Mitgliedern des „Betar", im Verhältnis zur Anzahl der Betarim auf Hachscharah, Zertifikate zu erteilen. Tafsächlich hätten einzelne Mitglieder des „Betar" in Polen, Gaüzien, Litauen, Lettland und anderen Ländern Zertifikate erhalten, was auch gegenwärtig der Fall sei. Diese Erklärung ist wohl die Antwort auf die Krawalle in Warschau, wo die „Bctar"-Leute das Palästina-Amt überfallen und demoliert haben. Chronik der Tagesereignisse Von unserem palästinensischen Korrespondenten Die Arbeiter-Vorstadt Kirjath Awoda Am 5. Februar wurde in der südlich von Tel-Awiw gelegen neuen Arbeitervorstadt Kirjath Awoda der Grundstein zu dem Schulgebäude gelegt, eine neue Straße nach der .Nachbarsiedlung Bajit Wegan eröffnet und eine Feier anläßlich der Fertigstellung des ersten großen Wohnhauses veranstaltet. In der Siedlung, mit deren Anlage im März. 1030 begonnen wurde, leben jetzt 75 Familien in 45 Einzelheimen. Im Monat März sollen zwei große Wohnbauten mit 15 bzw. 24 Wohnungen fertiggestellt werden. Das Gebiet der Vorstadt ist 0600 Dunam groß und bietet Raum für 1500 Eiuz.elheime und 1200 Wohnungen in großen Häusern. Mit den anschließenden Siedlungen ist es doppelt so groß wie das von Tel-Awiw. gl., Tel-Awiw, 1. Februar 1037 Und wieder das Problem der öffentlichen Sicherheit Es herrscht Ruhe im Lande. Seit den Oktobertagen, in denen die Unruhen nach der Dauer eines halben Jahres abbrachen ist der Aufstand der Araber liquidiert worden. Wir sind zu einigermaßen normalen Verhältnissen zurückgekehrt. Die Pessimisten, die für den Tag der Abieise der Peel-Kommission den Neubegirin der Terrorbewegung prophezeiten, haben glücklicherweise unrecht behalten. Wer heute durch die palästinensischen Städte geht, wird außer dem vermehrten Militär, das überall licrvo-tril', nichts Ungewöhnliches im Straßenbild entdecken, und eine Fahrt über Land zeigt überall den arabischen und den jüdischen Farmer wie in „Friedenszeiteii" an der Arbeit. Wie anormal dennoch die Atmosphäre ist und wie überall im Lande nach wie vor die Funken knistern, zeigen die verschiedentlichen T e r r o r v e r s u c h e, die hier und da vorkommen, manchmal mißlingen und manchmal Menschenopfer fordern. Erst vor wenigen Tagen hatte Haifa zwei Araber als Opfer terroristischer Kugeln. In der letzten Nacht wurde auf der Chaussee ein Jude erschossen. Von verschiedenen Seiten häufen sich die Meldungen über Einschüchtern n g s v e r s u c h e, um Einzelne oder auch ganze Dörfer den Terroristengruppen gefügig zu machen. Man darf diese Anschläge nicht mit dein Baiulitismus verwechseln, der uns von den Unruhen zurückgeblichen ist. Die Dinge liegen sehr durchsichtig und lassen die Aktionen extremer nationalistischer Gruppen erkennen, die durchaus gesonnen sind, ihrer allen Kompromissen feindlichen Politik mit Gewalt die Oberhand zu verschaffen und jedes Abgleiten der Fuhrer von der Bahn der absoluten Intraiisigen/ zu verhindern. Es setzt sich heute das fort, was wir in den Monaten der Unruhen zur Genüge kennen gelernt haben: die jugendlichen extremen Elemente sind mit allen Kräften und Mitteln dabei, ihren radikalen Anschauungen Gehör und Gefolgschaft zu verschaffen, und die Führerschaft, ganz gleich, wie sie gesinnt ist, und ganz gleich, welcher Partei sie zugehört, muß sich dieser Situation anpassen. Tut sie es nicht, so ist sie 7 Tage in Palästina Große Mittelmeerreise mit 2 4000 to Motorschiff VULCANIA Näheres siehe Anzeige auf der letzten Seite einerseits in Gefahr, ihre Stellung bei den Massen zu verlieren, lind andererseits persönlichen Angriffen ausgesetzt, wie das zweite Attentat auf den Bürgermeister von Haifa, S h n 1< r i B e y, beweist. „Der friedliche Bürger dieses Landes, sei er Moslem, Christ oder Jude, sieht mit einer Besorgnis, die in manchen Kreisen bereits an Verzweiflung grenzt, wie sich die öffentliche Sicherheit dauernd verschlechtert." Mit diesen Worten definiert die Jerusalemer „P a I e s t i n e Post" die Lage. Es war in der Tat ein halbes Jahr der Unruhen notwendig, um den palästinensischen Durchschnittsbiirger so au den Terror zu gewöhnen, daß er ihn fast schon als selbstverständlich betrachtet. Aber jedes neue Opfer vergrößert die N i e d e r g e s c h 1 a g e n heit der B e v ö I k e r u n g, die sich vergeblich nach dem ausreichenden Schutz der Regierung umsieht. Es gelingt beute ebensowenig wie vor sechs Monaten, die Attentate zu verhindern. Und auch die Fassung der Schuldigen bereitet anscheinend umiberstci'diche Schwierigkeiten, wie die Erfahrungen der letzten Zeit beweisen. Daß es sich bei diesen Attentaten nicht allein um die ausführenden Elemente, sondern vor allem um die Organisatoren aus den Kreisen tler arabischen Intelligenz handelt, weiß im Lande jedes Kind, und es hat somit nicht überrascht, daß tler llaifaer Korrespondent der arabischen Zeitung „A - I) i f a a" nach einem Attentat in Haifa in der Redaktion des Blattes verhaftet wurde. Die Regierung ist vermutlich der Meinung, daß sie „die Lage beherrsche". Und es kann auch kein Zweifel darüber bestehen, daß sie im Ernstfalle neue Unruhen sofort drosseln kann. Unterdessen aber übt der Terror weiter seine blutige Arbeit, im ganzen Laude knistern die Funken und erhalten die Erinnerung an den letzten großen Brard des Sommers ebenso wie die Befürchtung eines neuen Ausbruchs aufrecht. Das Problem der öffentlichen Sicherheit ist leider im Lande nicht unaktuell geworden.... Wer wird der neue ChefsekretSr? Vielleicht einer der wichtigsten Akte der Regierung in der letzten Zeit ist der Wechsel in der palästinensischen Beamtenschaft, der zu Beginn des Jahres angekündigt wurde und jetzt durchgeführt wird. Eine Reihe der höheren Stellen des Regierungsdienstes sind neu besetzt worden oder stehen unmittelbar vor einer Neubesetzung. Der Oberrichtcr Palästinas, in den Unruhemonaten durch seine Urteile gegen die Regierung berühmt geworden, hat das Land verlassen, und sein Nachfolger tritt jetzt sein Amt an. Verschiedene andere einflußreiche Beamte sind vom Kolonialamt entweder in andere Kolonien des Imperiums versetzt oder in Pension geschickt worden (wenn sie nämlich das Höcbstnlter erreicht haben). Von besonderem Interesse ist der Wechsel im Chefsekretariat der Pakistina-Regierung. Hall, der in den letzten Jahren diesen Posten innehatte und von dem mit aller Hartnäckigkeit behauptet wurde, er unterscheide sich in seiner Politik stark von der des High Commissioners, ist nach Sansibar versetzt worden und wird in einigen Monaten die neue Stelle antreten. Im Lande gibt es eine ganze Reihe von Gerüchten, wer zum Nachfolger Halls bestimmt werden soll. Das besonders lebendige Interesse für diese Frage ist berechtigt. Hängt doch von der Besetzung des Postens des Chefsekretärs der Regierung in weitem Mafte die tägliche Politik des Oberkommissariats ab. Es ist in diesem Zusammenhang bedeutsam, daß ein weiteres Gerücht die Schaffung eines neuen Postens voraussagt, nämlich die eines politischen (im Gegensatz /um administrativen) Sekretärs im Obcrkonimissariat. Nach dieser Versi >n würde also die reine Vcrwalttingsarbeit von der politischen getrennt werden. Man muß abwarten, inwieweit sich diese Angaben bewahrheiten. Jedenfalls hängt das Schicksal des Landes in der nächsten Zeit mit /n einem holten Grade von der politischen Färbung und den Fähigkeiten des neuen Chtf.sekretürs ab. Ausgabe der Obligationen der „Pasa" „Pasa", das bedeutet Palestinc Agrictiltnral Settlement Association und ist die offizielle Bezeichnung der Kolonisatioiisgescllschaft, über deren Gründung der letzte Kongreß auf Vorschlag von Dr. Ruppin beschlossen hat. Die Gesellschaft, deren Kapital vom Kernt Hajessod investiert worden ist, geht jetzt an die Ausgabe von Obligationen in der Hohe bis 200 000 Pfund,die teils in Palästina, teils im Ausland abgesetzt werden sollen. Der Verkauf in Palästina hat sich bereits in den ersten Tagen außerordentlich günstig gestaltet (s. auch Seite 12). Mit dieser Kapitalbeschaffung wird der Weg für eine neue und großzügigere landwirtschaftliche Kolonisationsarbeit frei. Iis besieht die Alfeicht, hier eine große laufende Einnahmequelle und damit investitiansmöglichkciten zu schaffen, die die Siedlungsarhcit b>-MiiVii;ii"cii sollen. Das erste Projekt, das die Gesellschaft in Angriff nehmen will, umfaßt die B e w ä s s e r u n g größerer I lachen, die eine inten.-ive Bearbeitung neuer Böden ermöglicht. (jerade heute, in der Zeit der wirtschaftlichen Stagnation und der politischen Unsicherheit, wird im Laude diese Aktion, die neue landwirtschaftliche Möglichkeiten öffnet, besonders begrüßt. Um Organisation und Arbeitslohn Tel-Awiw ist in der letzten Zeit wieder Zeuge von Streitigkeiten zwischen bestimmten Unternehmern, die von revisionistischen Arbeitern gestutzt werden, und Mitgliedern der allgemeinen Arbeiterorganisation. Vor einem Gebäude in einer der 1 lauptstralien, das jetzt aufgeführt wird, stehen Streikposten, und es kommt häufig /wischen den gegnerischen Gruppen zu schweren Auseinandersetzungen, gelegentlich auch zu Tätlichkeiten. Arbeiter, die bei dem Bauunternehmer beschäftigt waren, sollten von ihm gezwungen werden, aut die Mitgliedschaft in der Arbeiterorganisation zu verziehten oder ihren Platz Revisionisten zu überlassen. Einer der Unternehmer wurde in den letzten Tagen auf der Straße angegriffen und verletzt. Die Konflikte halten das Interesse der Oeffentlichkcit in stärkstem Maße erregt. In der Presse spiegelt sich die Kontroverse wider, in Versammlungen der Bauarbeiter werden scharfe Resolutionen gegen die Versuche der Revisionisten, die Fachverbände zu sprengen, gefaßt. Die Munizipalität Tel-Awiw hat sich in ihrer letzten Sitzung mit der Angelegenheit befaßt und beschlossen, durch ein Schiedsgericht die Streitigkeiten beizulegen. Der Vorschlag eines Schiedsgerichts ist schon vorher aufgetaucht, auch ohne weiteres von der Arbeiterorganisation akzeptiert, von den Revisionisten jedoch abgelehnt worden. Diese Art der Konflikte ist im Lande keineswegs neu. Zeiten der wirtschaftlichen Stagnation, wie wir sie gegenwärtig durchmachen, sind besonders geeignet, sie zum Ausbruch zu bringen. Die Revisionisten sehen jetzt, wo der Markt schwächer geworden ist, eine gute Möglichkeit, ihre Gegner zu schwächen, und die lInternehnterkrcise, die von diesem Konflikte zu profitieren hoffen, nutzen die Gelegenheit aus. Die Arbeiterschaft ihrerseits ist mit allen Kräften bemüht, ihre Organisation und damit das Lohnniveau zu Verteilligen. Ks braucht keiner weiteren Erklärungen, daß auch die Arbeiterkrei.se im jischuw in ihren verantwortlichen Instanzen und ihrer überwiegenden Mehrheit gegen jede Anwendung von Gewalt bei der Austragung dieser Konflikte sind und die Bereitwilligkeit, die Frage einem Schiedsgericht zu unterbreiten, spricht (iir sich. F's handelt sich bei diesen Bemühungen, das Lohnniveau aufrechtzuerhalten, nicht nur um die Interessen der einzelnen Bauarbeiter, sondern der gesamten Arbeiterschaft und darüberhinaus des ganzen Jischuw. Denn bei einem starken Sinken der Löhne verkleinert sich auch die ohnedies gesunkene Kaufkraft, und darunter müssen nicht nur die Arbeiter, sondern auch die Händler und die Fabrikanten, die keine Umsätze machen, leiden. Ohnedies sind im letzten Halbjahr die Löhne bereits stark gefallen und ihre Stabilisierung ist dringend notwendig. Es ist zu hoffen, daß es gelingen wird, die Konflikte auf dem Wege eines Schi e d s g e r i c h t e s bald friedlich beizulegen. Gerade beute, wo das I and ohnedies nervös und mit Spannungen geladen ist, können derartige Reibungen recht unangenehme Folgen haben. Hauranische und palästinensische Arbeiter Ein anderer Zwischenfall, der von anderen Gesichtspunkten betrachtet werden muß, aber ebenfalls geeignet ist, zu zeigen, wie kompliziert die Dinge im Lande liegen und wie schon kleine Anlässe Grund zu Konflikten geben, hat sich in Haifa zugetragen. Dort sind im Hafen mehrere Tausende Arbeifer beschäftigt, ein Teil davon | u d e n, ein anderer p a I ä s t i n e n s i s c he Ar a b e r, der dritte II a u - r a n e r. Für alle zusammen hatten die Hafenbehörden nur ein Einlaßtor eingerichtet, und dort stauten sich bei Beginn und bei Schluß der Arbeit die Mensehen, um durchzukommen. Bei diesen Ansammlungen begannen die Hauraner eines Tages die Juden mit Steinen zu bombardieren, es gab Verletzte, und die Polizei mußte eingreifen. Die Behörden ordneten darauf die Sache so, daß alle drei Gruppen gesondert eingelassen wurden. Es zeugt für den Mangel an Einsicht in die wahren Verhaltnisse und für das mangelnde Interesse, bestehende gute Beziehungen zwischen Juden und Arabern zu wahren und zu entwickeln, daß man zu dieser scheniatiselien Einteilung griff, ohne sich daran zu erinnern, daß gerade in Haifa zwischen jüdischen und arabischen Arbeitern gute Beziehungen besteben, daß hier der Kern einer gemeinsamen Organisation besteht und daß es keineswegs geboten ist, die Arbeitskameraden durch besondere Eingänge „behördlich" zu trennen. Es wäre einfacher gewesen, von vornherein genügend Eingangsmöglichkeiten für die stark angewachsene Zahl der Arbeiter zu schaffen, so daß der Grund für die Reibereien entfallen wäre. Nachdem aber schon Ordnung geschaffen werden mußte, schoß man ohne viel nachzudenken über das Ziel hinaus.

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