Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 10 (5.2.1937)
- Date
- 1937-02-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 10, 5. II. 1937 Jüdische Wissenschaft Volkslieder Enpel Lund's Book of Folk-Songs. With Pianoforte Aocon. paniments by Fcrd. R a u t e r. — Oxford University Pres». London. Wer Engel I. u n d ist, bedarf keiner längeren Einführung. Als unnachahmliche Interpretin von Volksliedern fast aller Nationen ist ihr Name in den Konzertsälen Europas bekannt. Aus ihrem umfangreichen Repertoire hat sie nun 25 Lieder der verschiedenen Lander ausgewählt und sie mit ihren Originaltexten in einer handlichen Sammjung herausgegeben, deren praktischer Wert sowohl für das Heim als auch öffentliches Musizieren nicht genug betont werden kann. Die Auswahl dieser Lieder war nicht zuletzt durch die Erfahrungen bestimmt, die die Künstlerin mit ihnen im Laufe ihrer langjährigen Konzertiätigkeit gemacht hatte. Wenn man so sagen darf, stellt dieser Band eine musikalische Anthologie von erprobten Beispielen europäischer Folklore dar. Vertreten sind darin Island (Lunds Heimat), Norwegen, Schweden, Dänemark, Deutschland, Schweiz und das Volkslied der Ostjuden mit vier Beispielen. Das erste, „Arum di Lichtelach", stammt von einem vor dem Krieg nach Dänemark eingewanderten polnischen Juden, der es unter dem Eindruck und der Stimmung des Chariukkahfcstes verfaßt hatte. Sein musikalisches Idiom ist ganz im Charakter des Volksliedes jüdischer Provenienz gehalten. Das zweite Lied, „Pinchosl un Chantschcle", in seiner Melodik stark an den Romanzenton der älteren russischen Liedliteratur gemahnend, ist ein heiteres Liebeslied eines jungen Paares mit der reizvollen Schlußpointe, daß die Liebe den beiden den „Schadehen" erspart hätte. Die letzten zwei Lieder sind das bekannte „Die Chossid beim Bojn di Suke" und „Ai, ai, der Rebe geit". Interessant in diesem Zusammenhang sei von dieser Sammlung noch das dänische ,,Dic zwölf heiligen Dinge" erwähnt, deswegen, weil es ein sogenanntes „Zähllied" ist, das ganz nach dem Muster der bekannten Zähllieder aus der Hagada gebaut ict. Sem Anfang „Zwölf sind der Apostel all, eif die Schüler, zehn die (kbote ..." sei hier nur als kurzes Berging für die enge Verbindung mit der hebräischen Vorlage zitiert. Im Vorwort zu dieser Sammlung erfahren wir einiges sehr Instruktive über die spezielle Technik, mit der Frau Luiici an cias Studium und Interpretation der Volksweisen herantritt. Linter anderem versucht sie, sich, die reale Situation zu vergegenwärtigen, aus der ein bestimmter Volksliedtext wohl hätte entstehen Minnen. Darin liegt ein Teil des Geheimnisses, das die so lebendige und ursprünglich natürliche Darste!lniig«weise dieser Künstlerin erklärt. Die Klavierbegleitungen stammen von Ferdinand Rautcr, ihrem ständigen Begleiter und Mitai heiter, dem es gelang, das delikate Problem einer im Geiste des Volkslieds gehaltenen Instrumentalbegleitung in din uec-leii Falten glucklich zu lösen. An einigen Stellen, wo mau vielleicht eine etwas substantiellere Stützung durch das Klavier erwartet hätte, dürfte Rauter zu diskret gewesen sein. Dr. M. Garne r Jugendbücher Die Wunschkiste (Phiio-Verlng G.m.b.H. Berlin 1036) ist eine Zusammenstellung von Heiträgen, die im Kinderblatt der „CV.-Zeitung" im Laufe von 3 Jahren erschienen sind. Das Buch, das schön gedruckt ist und eine große Zahl netter Illustrationen enthält, ist besonders für Kinder in den ersten Schuljahren als Lesestoff geeignet. Rabb. Dr. A. Michalskl: „Maimonides". —• Verlag Hamburger Rundschau. Hamburg 1936. Dieses kleine Büchlein, eine Skizze über die Gestalt des Maimonides für die Jugend, kommt als ein Nachzügler des Mainionides-Jahres erst jetzt in unsere Hände. Es wird insbesondere für den Schulunterricht gute Dienste leisten können. Karin Michaelis: Die Gormsenkinder. Mit Zeichnungen von Marie Hjular. — Humaiütas Verlag, Zürich 1936. Ein Ruch von solch erfrischendem Humor hat uns Karin Michaelis noch nicht gegeben. Dieses Jugendbuch, keineswegs nur für Kimler geschrieben, Erwachsene können viel von ihm lernen, liest man von Anfang bis zu Ende mit derselben Spannung und erfreut sich an der Köstlichkeit des Humors. Die Bewohner von Nybavcn Nr. 11, an der Spitze die vier Gormsenkinder, Smut, Lotte, Anton und Fylgja, gewinnt man lieb und möchte von ihnen am Ende des Buches noch viel mehr erfahren. Vielleicht wird man es auch. Im Mittelpunkt des Buches steht die Schilderung der grollen Gesellschaft, die die Kinder geben, da Anton durch einen Preis für eine richtige Kreuzworträtsellösung zu einem „Diner transportabel" gelangt ist — das muß man immer wieder lesen, einen solchen reinen Genuß hat man daran. .....- Die wunderschönen Zeichmingen Marie Hjulars geben dem Buch einen ausgezeichneten Rahmen. Ch. F. Alexis Garrel: Der Mensch. Das unliekannte Wesen (Deutsche Vcrlag-anMalt). Der Verfasser ist Mediziner, Biologe, einer der glänzendsten Nachfolger von Jacques Lotb an dem Rockefeller-l-orsthungsiiistitut und sein Buch mit dem vielversprechenden Titel hat in der englisch-amerikanischen Welt viel Aufsehen gemacht. Garrel sagt von dem „Unbekannten Wesen" alles, was er weiß, und das ist sehr viel, ist eine glänzende Uebersicht aller Entdeckungen, die sich auf unserem Mikrokosmos beziehen. Aber diese waren allzu abhängig von der rein naturwissenschaftlichen Methode, mit der wir bisher den Makrokosmos der äußeren Welt erforscht haben. So kommen wir dem Wesen des' Menschen nicht bei, von dem wir vor allem wissen, daß seine gepriesene Zivilisation ebensowohl Entartung und Verfall bedeutet. Was ist nach Garrel das Heilmittel? — Wieder Wissenschaft. Aber eine anders gesinnte, die sich auf unsere eigensten physiologischen Anlagen, auf unsere geheimen geistigen Energiezentren wirklich versteht. Von ihr aus soll eine Neubildung des Menschen, eine Rettung der Gesellschaft stattfinden. Das Buch ist glänzend, insofern es von einem Wissenschaftler stammt, andererseits aber angreifbar durch eine offene Steile, die uns gegen unerörterte Fragen sehr durchlässig scheint. Es ist hier von Grundkräften der menschlichen Seele, von religiösem Aufwärtssehen, von metaphysischem Jenseitsblick nirgends die Rede. A. E. Südafrika, Land, Leute, Leben und Möglichkeiten. Von Jim H. Croner, Johannesburg. — Jüdischer Buch- und Zeitschriftenverlag Robert Alter, Berlin SW 68. Diese Broschüre eines jüdischen Einwanderers aus Deutschland zeichnet sich durch ihre frische, zuweilen etwas unbeschwerte Schreibweise aus. Sie gibt einen guten Einblick in die Sorgen und Probleme, die der jüdische Einwanderer und besonders der junge Mensch in diesem Lande zu bewältigen hat, wenn sie auch nicht als umfassende Informationsschrift zu bezeichnen ist. Sie wird aber für all diejenigen, die «ich mit dem Gedanken einer Auswanderung in die Südafrikanische Union tragen, viel Interessantes bringen. Pädagogische Arbeiten aus Palästina EHeser Rieger und Menahem Arnon: 1"3 mro1? 3TO '"DO (Rechtschreibungshefte für das 2. bis 6. Schuljahr). — Verlag Omanut, Tel-Awiw 1935. Dieselben Verfassen ns'31 min1? HQ OTOn nxim- (Der Rechtschreibungsunterricht, was und wie ist zu lehren?) — Verlag Omanut, Tel-Awiw 1935. Um eine brauchbare Methode, die Rechtschreibung des Hebräischen zu lehren, bemühte sich Rieger schon in seinem früheren Werke HONT 1)170 "1S1K (vgl. „Jüdische Rundschau" Nr. 39 vom 15. Mai 1936). Mit ihm schuf er die Grundlage seines Systems: Er untersuchte den Wortschatz des Hebräischen auf statistischem Wege und ermittelte die 2000 in der Umgangssprache am häufigsten angewandten Wörter. Diese 2000 Wörter bilden den Unterrichtsstoff der Rechtschreibung, denn natürlich ist vor allem die Schreibweise der Wörter zu erlernen, die am häufigsten vorkommen. Auf dieser Grundlage beruhen die beiden neueren Werke von Rieger und Arnon. Die zuerst genannten *TTO 1")BD„ sind für die Schüler bestimmt und enthalten den Lernstoff. Er ist nach technischen und psychologischen Gesichtspunkten in fünf Jahrespensen autgeteilt. Die für je ein Schuljahr bestimmten Hefte gliedern ihn weiter in Wochenpensen und Lektionen. So entfallen auf jedes Stundenpensum 7 bis 14 zu lernende Wörter. Der Schüler findet in seiner Lektion die neuen Wörter, Sätze, die mit ihnen gebildet sind, und den durch Tests ermittelten Schwierigkeitsgrad der Wörter. Oft wird versucht, die Sätze in einen inneren Zusammenhang zu bringen. Das zweite Werk, 31I)Dn nK")W zeigt dem Lehrer die Methodik der Reehtschreibeübungen. Während in der Grundschule jedes Wort systematisch eingeübt werden soll, ist in den Mittelklassen an ein mehr selbsttätiges und individuelles Lieben der nicht beherrschten Wörter gedacht. Eine Reihe wichtiger Fragen wird besprochen, z. B. die äußere und innere Organisation des Unterrichts, seine Gestaltung, die Arten der Fehler, ihre Quellen und ihre methodische Bekämpfung, die Anwendung grammatischer Regeln, die Form von Wiederholungen, Gestaltung und Bedeutung von Probearbeiten und Prüfungen. Nach amerikanischen Vorbildern wollen die Verfasser die Leistungen des Schülers, soweit nur irgend möglich, statistisch berechnen und beurteilen, daher auch die Angabe der Schwierigkeitsgrade. Darum spielen Probearheiten und Prüfungen eine große Rolle. Den Verfassern schwebt vor, diese überall nach einem genau ersonnenen Plan vornehmen zu lassen, um so die Leistungen von Schülern, Klassen und Schulen zahlenmäßig ausdrücken und miteinander vergleichen zu können. Nun ist eine solche Arithmctisierung der Schularbeit zumindest umstritten. Ferner soll man Rechtschreibung nicht als ein Fach, losgelöst von anderem Unterrichtsstoff, betreiben, man soll nie eine Reihe von Wörtern ohne irgendeiner oder doch nur mit künstlichem Zusammenhang iiben, man soll die Schwierigkeiten systematisch ordnen und jeweils nur eine orthographische Eigentümlichkeit, e i n Gesetz, behandeln. Diese Forderungen hätten sich vielleicht bei der Anordnung des Stoffes noch viel mehr berücksichtigen lassen. Wenn auch das System als Ganzes in den so andersartigen Verhältnissen der Golah nicht ohne weiteres anwendbar ist, so enthält das Werk doch Belehningen, Anregungen und praktische Hinweise für unseren hebräischen Unterricht, für dessen Methodik doch noch so sehr viel zu tun ist. Wie es sich im Lande selbst bewähren wird, ist von hier aus noch nicht abzusehen. Dr. Gustav Ormann Eine neue Agadah-Sammlung Die A g a d a h ist ein Bezirk der jüdischen Seele, dessen Bedeutung für die Ausbildung des jüdischen Gefühls und der Welt- und Lebensanschauung des jüdischen Volkes noch immer nicht gewürdigt wird. Während die Halachah absolut und objektiv ihre Forderung, ihr Gebot und Verbot ohne Rücksicht auf die Schwere, mit der sie den einzelnen Menschen trifft, ohne Rücksicht auch auf das Verständnis, das sie bei dem einzelnen Menschen findet, geltend macht, bemüht sich die Agadah um die Zustimmung des Verstandes und Gemütes und und um die Versöhnung der Lehre mit dem Leben. Agadoth erscheinen oft rätselhaft, orakelhaft, weil den heutigen Menschen der Schlüssel fehlt, den unsere Weisen in ihrer Zeit voraussetzen durften. Die Verwurzelung mit der jüdischen Ueberlieferung, die geschichtlichen Erlebnisse, die noch die Seele des ganzen Volkes trafen, und die Sprache der Bibel und des Talmuds, die die Sprache des Einzelnen und der Gesamtheit waren, machten sie mit diesem Schlüssel wohl vertraut. Aus jenen Elementen den Schlüssel wieder zu finden, ist eine ernste Aufgabe unserer um das Flerz der verlorengegangenen, ringenden Zeit. Die Homiletik hat sich zu sehr auf gute Im Exil Pearl S. Buck, „The Exile". — Tauchnitz Edition, Leipzig, Vol. 5252. Keine jüdische Hand schrieb dies Buch, Auch begegnet uns auf seinen Seiten kein einziger Jude — noch wird der Judenfrage jemals gedacht. Und dennoch geht dies Buch uns Juden an; geht uns nicht nur darum an, weil es ein Buch von echter Menschlichkeit und Gestaltungskraft ist wie die anderen Bücher, die wir Pearl S, Buck, der Kennerin und Freundin Chinas verdanken — sondern diesmal auch darum, weil es fast von der ersten Seite bis zur letzten Seite von ernenn dem unserem ähnlichem Schicksal spricht. Hier ist zweimal von tfinem Exil die Rede, einem Verlassen des angestammten Geburtslandes mit aller seiner Behaglichkeit — bcidemale drängt den nur halb willigen Menschen ein großer Gedanke zum Entschluß, der dann sein ganzes Leben bestimmt. Zuerst ist es die Familie eines unabhängigen holländischen Kaufmanns Mynheer Stulthing, der, als das Edikt erlassen wird, das ihm und seinen Glaubensgenossen die Ausübung ihrer Rcligionsgebräuche verbietet, in der Kirche nach dem Gottesdienst sieh langsam aufrichtet und um sich schaut mit den Worten des Josua: „Ich und mein Haus — wir wollen dem Herrn dienen!" — Und sie stehen auf, dreihundert Menschen mit ihm, und sie verkaufen ihr Hab und Gut und ziehen nach Pennsylvania, dein Lande, das sie nur von der Karte her kennen; dort aber denkt mancher von ihnen nicht mehr viel an den großen Gedanken, der sie zur Auswanderung trieb ... so schwer ist der Kampf mit dem Sumpf und dem Feld, bis es endlich Frucht trägt, die sie und die Kinder ernährt. — Garne, die eigentliche Heldin des Buches, ist die Enkelin jener holländischen Emigranten und liebt Amerika Einfälle verlegt, als daß von ihr eine systematische Hebung: der Geistesschätze der Agadah erwartet werden könnte. So ist jeder Versuch, einen Weg zur Lösung dieser Aufgabe zu zeigen, zu begrüßen. Als solcher bietet sich uns eine Sammlung voii Rabbiner M. Feuer werger an, zu der der Verfasser einer kleinen Broschüre: „Die Agadah. Eine neue Sammlung" eine Einführung geschrieben hat. Wie aus dieser Broschüre zu entnehmen ist, hat er ungefähr tausend Werke aus allen Jahrhunderten jüdischer Geistes« geschichte durchforscht und aus ihnen die schönsten Kapitel für eine Auslese, die zwei Bände umfassen soll, systematisch geordnet, gesammelt. Selbstverständlich gibt er sie nicht im Wortlaut. Die gedrungene Sprache unserer Altvordern ist doch vielfach zu archaisch, die schönsten Gedanken sind vielfach nur angedeutet. So ergab sich die Notwendigkeit, sie in einem flüssigen Hebräisch in deutlicher Ausführung zu bringen. Die Proben, die bis jetzt vorliegen „Gott und Natur", die „Renaissance des jüdischen Volkes", „Friede und Wahrheit" und „Die Hoffnung der Frauen" lassen erwarten, daß das Werk allseitigem Interesse begegnen wird. Jedes Stück knüpft der Quelle entsprechend, auf die es zurückgeht, an Worte der Weisen oder der Bibel an. Gelingt es dem Verfasser, sein riesenhaftes Unternehmen durchzuführen, die Agadahliteratur in dieser Weise durchzuarbeiten, so mag es wohl sein, daß eines Tages die Agadah aus der Stellung, die sie bei vielen bisher eingenommen hat, erlöst wird, daß sie als das erscheint, was sie ist, als ein klarer Spiegel der Seele und des Schicksals des jüdischen Volkes. Dr. M. E, Festschrift für Prof. Krauss 'rtw .na» o'jow lnix^ab <o*np imm wons1? I?3i,n ido D^flnT» <0a '1 -rr)T). Ein stattlicher Band mit Beiträgen von mehr als 30 Mitarbeitern, Freunden und Schülern ist in hebräischer Sprache soeben in Jerusalem zu Ehren von Professor Dr. Samuel Krauß (Wien) erschienen, als Ehrengeschenk zu seinem 70. Geburtstage. Die Beiträge stammen aus den Gebieten der talmudischen Archäologie, der Gebets¬ und Lieder-Literatur, der Taliuudkunde, der Geschichte, der Philosophie, der Agadah, der Responsenliteratur, der Mineralogie usw. Viele der Mitarbeiter können sich auf die viele und vielseitige Gebiete umfassenden Arbeiten des Jubilars berufen, und ehren ihn durch Fortführung und Ergänzung seiner eigenen Studien. Viele der Dozenten in Berlin, London, New York, Breslau, Wien, Budapest und der Professoren in Jerusalem haben Beiträge geliefert. Die Redaktion lag in den Händen von Professor Samuel Klein, der vor wenigen Wochen seinen 50. Geburtstag begehen konnte. Ihm ist es zu danken, daß die Aufsätze sachlich geordnet wurden und daß die Drucklegung in so schöner Form erfolgen konnte. Ueberall wird dieser Band freudig begrüßt werden als ein Zeichen wissenschaftlicher Arbeit und Anregung, die von dem hebräischen Zentrum in Jerusalem ausgeht: Rabbiner Dr. A. P o s n e r, Jerusalem Jüdische Bücher in Holland. Tin Verlag E. Mozcs Azn., Amsterdam, sind soeben eine Reihe neuer Publikationen erschienen. Zu erwähnen ist vor allem ein holländischhebräisches Wörterbuch, das etwa 15000 Wörter umfaßt. Im Anhang befinden sich Deklinationstabeüen. Es ist in Holland das erste Wörterbuch, das auch das moderne Hebräisch berücksichtigt und wird gewiß viel zur Verbreitung der hebräischen Sprache in Holland beitragen. — Zu erwähnen ist ferner eine Publikation „Schabbat Flamalka" (Königin Sabbat), in der 18 Melodien des „Lecho dodi" zusammengestellt sind von J. A. Lissauer, dem Kantor der Niederländisch-Israelitischen Hofsynagoge in Amsterdam. Es handelt sich nicht um neue Kompositionen, sondern um die Zusammenstellung von liturgischen Gesängen, die in Holland üblich, aber noch niemals gedruckt worden sind. — Weiter gab der Verlag ein kleines Büchlein „Dankgebeden" heraus und schließlich sei hingewiesen auf eine Publikation in englischer Sprache über Rembrandts „Judenbraut" von Zwarts, die schon vor einiger Zeit in dem gleichen Verlage erschienen ist. Zur Reform des Religionsunterrichts. Es sei kurz hingewiesen auf eine Broschüre von Dr. Benedikt Kurzweil „Zur Problematik des Religionsunterrichts" (herausgegeben vorn „Klub Politischer 7. i o n i s t c n" in B r ü n n), in der der Verfasser aus seiner Praxis heraus die Unhaltbarkcit des bisherigen Religionsunterrichts aufzeigt und die Forderung stellt, daß der Unterricht das ganze jüdische Leben umfassen müsse und daß er vor allem das Ziel habe, der Jugend eine „jüdisch-geistige Heimat" zu geben. Die Schrift enthält manche trefflichen Bemerkungen, geht aber der Sache insofern nicht auf den Grund, als sie für eine Beibehaltung des Religionsunterrichts eintritt, während die Forderung nach der jüdischen Schule nicht gestellt wird; in ihr aber würde sich das Problem des „Unterrichts in Religion" grundsätzlich anders gestalten, weil die t gesamte Erziehung den Menschen jüdisch erfaßt. * -nn. als ihr Vaterland. Und trotzdem entschließt sie sich, dem jungen Missionar zu folgen und ein Leben im fernen China zu verbringen, weil sie den Ruf des Herrn zu vernehmen meint, wie einst ihre Voreltern es taten. Wie dies Leben einer tapferen Frau sich abspielt, das ist der Inhalt des Buches. Kampf mit dem Leben; Kampf mit der unheimlichen Krankheit, die sie durch eisernen Willen zunächst noch überwindet — bei alledem allmähliches Hineinwachsen in die Aufgaben des neuen Landes und ihre Arbeit dort, ohne jemals der alten Heimat zu vergessen. Hier zum erstenmale scheint Pearl Buck uns ihr eigenes Leben, ihre eigene Jugend im amerikanischen Missionshause in China, zu erzählen. Und es kommt uns vor, als gäbe uns dies Buch fast den Schlüsse! zu allen ihren anderen Büchern. Denn der Zwiespalt zwischen Heimat und Exil — Exil, das zur Heimat sich wandelt, weil es zum Schauplatz der Lebensarbeit wird — ist vielleicht die Quelle aller ihrer China-Bücher geworden. B. B. St, Karl E. Kassowltzj Die Flucht um den Erdball. — Verlag Julius Kittls Nachfolger, Mäbrisch-Ostrau. Ein österreichischer Militärarzt, der im ersten Kriegsmonat gefangen wird, beschreibt seine abenteuerliche Flucht aus dem sibirischen Gefangenenlager über Mandschukuo, China, San Franzisko und New York nach Gibraltar, wo er zwar neuerlich festgenommen, dann aber wieder freigelassen wird. Das spannend geschriebene Buch zeichnet sich durch besonders gelungene Bilder aus, deren Zeichner leider nicht genannt wird. Wenn nicht an einer Stelle von der Sehnsucht nach der Feier des Weihnachtsfcstes die Rede wäre, so würde man annehmen, daß der Verfasser Jude ist. Oder sollte doch...?