Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 6 (22.1.1937)
- Date
- 1937-01-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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JODISCHE RUNDSCHAU PALÄ Nr. 6, 22. JANUAR 1937 Lord Peel reisi ab Die leizic Woche der Kommissions-Arbeit Der neue Oberrabbiner von Palästina Nach einer Arbeitsperiode von etwas mehr als zwei Monaten hat Lord Peels Royal Commission (die von der englischen Regierung entsandte Königliche Kommission zur Untersuchung der Ursachen der Unruhen des Jahres 1936) ihre Arbeiten beendet und verläßt dieser Tage das Land. Sie wird nun an die Ausarbeitung ihres vermutlich umfangreichen Berichtes herangehen. Der Zeitpunkt der Ablieferung b/w. Veröffentlichung dieses Berichtes ist noch nicht bekannt. Die Arbeit der Kommission hat in der letzten Woche eine unerwartete Wendung genommen, da die Araber ihren Beschluß, nicht vor der Kommission zu erscheinen, umgeworfen haben und doch aussagten. Die Erklärungen der Araber waren, soweit man den Berichten entnehmen kann, durchweg auf den extremen Ton gestimmt. Sie haben die Kommission die Kraßheit des Gegensatzes der Auffassungen der beiden Völker mit aller Schärfe fühlen lassen. Obwohl man mit Urteilen unter den vorwaltenden Umstanden sehr vorsichtig sein muß, ist doch das (Jefiihl stark verbreitet, daß die Araber durch die Art und Weise, wie sie ihre Forderungen der Kommission präsentieren, nicht viel Sympathien erworben haben. Für die jüdischen Beobachter war die Tatsache interessant, daß die Kommission auch den arabischen Zeugen mit der objektiven und häufig ziemlich unfreundlichen Haltung eines Tribunals entgegentrat. Mehrmals wurden die arabischen Zeugen auf Widersprüche ihrer Aussagen aufmerksam gemacht und einmal machte ein hervorragendes Mitglied der Kommission die Bemerkung, daß Araber und Juden sich über dasselbe beschweren, nämlich daß die Administration den anderen Teil begünstige. Der Berichterstatter der Londoner „T i m e s" sagt abschließend: Sowohl Juden als auch Araber seien, so gut erwartet werden konnte, befriedigt, daß sie die Möglichkeit erhalten haben, ihren Standpunkt vorzutragen und daß sie geduldige und verständnisvolle Aufmerksamkeit gefunden haben. Eine der Hauptaufgaben, die sich die Kommission gesetzt hatte, bevor sie nach Palästina abfuhr, nämlich eine Vermittlung zwischen den beiden Völkern zu versuchen, ist freilich unausgeführt geblieben. Die Oeffentlichkeit kennt nicht den Inhalt der geschlossenen Sitzungen, und es ist möglich, daß die delikate Frage eines Kompromisses, die durch öffentliche Erörterung im gegenwärtigen Stadium nur verdorben werden könnte, in den geschlossenen Sitzungen besprochen worden ist. Sicherlich dürfte der High Commissioner über seine Meinung in dieser Hinsicht befragt worden sein. Zur Entlastung der Kommissionsmitglieder, die vor ihrer Ernennung zu diesem Amt von Palästina nicht viel mehr gewußt haben mögen, als aufmerksame Zeitungsleser wissen, muß gesagt werden, daß sie sich vor Beginn der Arbeit die Aufgabe nicht so schwer vorgestellt haben. Sie haben dies dem „Times"-Korrcspondenten zum Abschied offen gesagt. Erst in der letzten Sitzung scheint das Wort „Kompromiß" einmal in einer etwas positiveren Form aufgetaucht zu sein. Auni Abdul H a d i, wahrscheinlich der klügste und politisch erfahrenste unter den arabischen Führern (er hat schon 1919 den damaligen Emir Feis.il zur Friedenskonferenz nach Versailles begleitet), wünschte seine Aussage insofern zu modifizieren, als er zwar eine „Beilegung" („scttlement") für unmöglich halte, aber nicht ein Kompro m i ß. Die ihm von der Kommission vorgelegte Frage habe er verneint, weil der Dolmetscher irrtümlich „scttlement" statt „compromise" übersetzt habe. Die Berufung auf den Dolmetscher dürfte in diesem Falle, da Auni ausgezeichnet englisch versteht und nur aus Demonstrationsgründen überhaupt den Dolmetscher zuziehen ließ, nur ein Vorwand sein; vielleicht darf man daraus schließen, daß seine nachträgliche Erklärung als politischer Schritt zu deuten ist. Nach dem Bericht der „Times" sagte er, die Araber seien stets zu einem Kompromiß bereit gewesen, obwohl sie den Zionismus nicht anerkennen; wenn ein Vertrag beabsichtigt sei, so würden die Araber bereit sein, sich mit den Juden zu Verhandlungen hinzusetze n und ihren Anteil als einer Minorität im Lande auf einer u n z i o n i s t i s c Ii e n Basis (soll wohl heißen: ohne Anerkennung besonderer politischer Rechte) anzuerkennen. Man kann verstehen, daß Auni, wenn er überhaupt von Kompromiß spricht, sich zunächst durch scharfe Vorbehalte sichert, aber vielleicht kann man die Tatsache, daß doch noch zum Schluß ein solches Wort gefallen ist, als ein hoffnungsvolles Symptom entgegennehmen. Außerdem wird aus Palästina noch berichtet, daß eine arabische Gruppe von Gegnern des Mufti im letzten Moment der Kommission auf schriftlichem Wege ihre Bereitschaft zu V e r h a n d I u n g e n mitgeteilt habe. Um was für eine Gruppe es sich hier handelt, wird nicht gesagt, und mau wird diese Nachricht zunächst mit Vorsicht behandeln müssen. Jedenfalls ist aber u. E. der Moment gekommen, das Problem der Bezieh u n g e n von Juden und Arabern neu aufzurollen, um so mehr als die panarabi- Üherrubbiner Dr. Herzog (in der Milte des Hildes mil Stock/ begibt sieh nach seiner . Xnltunlt in Jerusalem in die SrrröRogf. Hunderte von Schulkindern bilden Spedier; int \ ordergrund der Zercmonienmcisler. f-'oio: lm«r Ummer scheu Ideen immer stärker zur Verwirklichung zu drängen scheinen und das politische Programm des Zionismus bisher noch keine Plattform hat, die mit dieser neuen Entwicklung rechnet. Es ergeben sich hier neue Möglichkeiten, und wenn Dr. Weizmann jetzt nach Amerika fährt, um die Hilfe der Judenschaft Amerikas bei bevorstehenden politischen Auseinandersetzungen zu gewinnen, so würde sich u. E. hier auch eine Handhabe ergeben, um mit Hilfe dieses mächtigsten Faktors innerhalb der heutigen Judenheit eine neue O r i e n t i e r u n g a u c h in der arabischen Politik anzubahnen. Denn so wichtig es auch ist, daß die UntersuchungskomniisMon in ihrem Berichte das jüdische Aufbauwerk und das Ziel des Zionismus bejaht, die meisten Juden verstehen doch jetzt schon, daß eine Einbettung der zionistischen P o 1 i t i k in die Realitäten des modernen Orients auf die Dauer eine größere Sicherung darstellt als Siege auf bloß diplomatischem Feld. Die letzten Sitzungen Am Montag vormittag hielt die Kgl. Kommission ihre letzte öffentliche Sitzung ab. Der Leiter der Quäker-Schule in Ramallah, Dr. Tot ah, ein christlicher Araber, beklagte sich darüber, daß die Regierung die arabische Erziehung vollständig kontrolliere und eine strenge Zensur der Lehrbücher ausübe, während es bei den jüdischen Schulen keine solche Aufsicht gäbe. Prof. C o u p I a n d erklärte darauf, dall die Juden, abgesehen von ihren allgemeinen Steuerleistungen, noch für ihre Erziehung selbst bezahlen, während die Regierung für die arabische Erziehung zahlt. Die Forderung des Zeugen würde daher darauf hinauslaufen, eine arabische Regierung zu schaffen, die die Erziehung leite; der Zeuge stimmte dieser Auffassung zu. Er sagte noch, daß die Erziehung der Jugend in Palästina wegen der hier herrschenden politischen Atmosphäre weit schwerer sei als irgendwo anders. Er klagte weiter darüber, dal! die Regierung zu wenig zur Bekämpfung des Analphabetentums tue. Als der Zeuge wieder die arabische mit der jüdischen Erziehung verglich, wurde er darauf aufmerksam gemacht, daß die Regierung für die jüdische Erziehung nur 371)1)0 Pfund, für die arabische aber 192 00« Pfund zahle. Jakob Fa ratisch, Vizebürgermeister von Jerusalem, erklärte, daß die a r a h i s e h en Christ e n in ihren Forderungen vollständig mit den Moslems einig seien. Er stellte dann der Kommission den Bischof Hadschar der griechisch-orthodoxen Kirche (der die meisten arabischen Christen angehören) vor. Der Bischof hielt eine lange arabische Rede, in der er die historische Verbundenheit der gegenwärtigen Einwohner mit dem Lande Palästina betonte. Die Balfour-Deklaration begünstige die jüdische Religion und mache dadurch die anderen Religionen zu fremden. Sir Horace R u m h o I d fragte, ob die Juden nicht als Volk zu betrachten wären, was der Bischof verneinte. Er brachte dann die V e r I e u m d u n g vor, es sei das Ziel der Juden, sich in den Besitz, d er a r a b i s c hon heiligen Stätten und insbesondere des Tcmpelplat7.es zu setzen; ohne diesen Besitz könnten sie die vorgeschriebenen religiösen Opfer nicht bringen, für die jetzt schon jüdische Priester berütstehen. Jetler Moslem, so erklarte er, werde die moslemischen Heiligtümer verteidigen. Als letzter arabischer Zeuge wurde tler christliche Rechtsanwalt Georg Antonius vernommen. Er äußerte sich über die auf arabischer Seite herrschenden Auffassungen über die Ursachen der letzten Unruhen und ineinte, die 1 lauptinsaclie sei darin zu suchen, daß die Regierung den Verwaltungsdienst nicht richtig organisiert habe und daß die Verwaltung phantastische (kTtlMinimen verschlinge. Der zweite Grund sei der, daß die Araber das tiefühl hatten, schlechter behandelt zu werden als die Juden. Lord Peel: Genau dasselbe behaupten die Juden von sich. Jaffa-Flüchtlinge werden angesiedelt Auf Sandboden bei Nachlalh-Jchuda werden Flüchtlinge aus Jaffa angesiedelt. Sie arbeiten selbst bei der Nivßllkrung des Bodens und beim Bau ihrer Häuser mit. Vorerst sind sie in einem Zeltlager untergebracht. rol0,. z. Klugeri T(l|.Awiw