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Jüdische Rundschau · 1937-01-08 · Heft 2 (8.1.1937) · page 17

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
42 (1937)
Issue
Heft 2 (8.1.1937)
Date
1937-01-08
Page
– (sequence 17)
Language
German
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JODISCHE RUNDSCHAU SCHAU Nr. 2, 8. JANUAR 1937 11 Menschen in Weiß" Kulturbund-Theater Das Schauspiel von S i d n e y K i n g s 1 e y, das in New York entstanden ist und von da die Reise um die Welt angetreten hat, ist mit einem Umwegüber den Breslauer jTj t \ f . .' «df f.v . (• «<• V- Ja ) «fe-* . ■: V IC iV " --Ji^-i Von linl!S nach rechts: Evelyn (Gerda Klcin-Wcißmann) — Prof. I'crrins (Fritz Wisten) und Dr. Georges (Hans Karl Rosenberg) Kulturbund in Berlin angekommen, wo es, wie wir gleich saßen können, seinen Ruf als Erfolgsstück wieder gerechtfertigt hat. Menschen in Weiß: das sind die A e r 11 c, die ihren Kittel ange/iogcri haben, und wir wissen, daß jede Art von Amtstracht die größere Autorität verleiht. Früher gingen die Aerzte in Schwarz und noch mit anderen Zeichen der Würde, sei es bei Moüere, sei es noch bei Beaumarchais —Mozart, und sie waren auf der Bühne jahrhundertelang einer besonderen Satire ausgesetzt, eben als komische Figuren, die viel ürandez/a brauchen, um ebenso viel Unwissenheit dahinter zu verbergen. Als die moderne Milieuschilderung abwechselnd nach allen Ständen griff, kamen die sogenannten Aerztestücke auf, aber für den modernen Autor lag die Sache nicht mehr so einfach. Was Arthur S c h n i t r. 1 e r, der selbst zu den Menschen in Weiß gehörte, oder was Bernard Shaw, der sein eigener Natmnrzt ist, auch noch an Satire aufgebracht haben, sie mußten auf die wahren inneren Verhältnisse des Berufes eingehen, auf die Konflikte in der Existenz von Menschen, die von der hohen Kunst auch leben wollen, für die sie leben, und die als Ideal genommen Priester der Humanität sein sollen. Wenn der Kulturbund nach diesem Stück griff, so wird auch in Betracht kommen, daß die Juden seit Jahrhunderten in die Geschichte der Medi/in ein sehr bedeutendes Kapitel eingetragen haben. Es ist eben eine Wissenschaft und eine Praxis, die iiiren menschlichen oder humanen Anlagen besonders erreichbar scheint. Mitten im Stück spielt eine Szene, in der eine Operation bis zum Letzten vorbereitet wird, und die, wie es sich gehört, von einem zuverlässigen l achmann beaufsichtigt zu sein scheint. Uie Aerzte rüsten sich zum Entscheidimgskampfc gegen Leiden oder Tod, und sie werden von den Krankenschwestern gerüstet, die ihnen die aseptischen Schutzwaffen, Masken, Binden, Gummihandschuhe anlegen. Diese sachlichen Vorbereitungen zu «hier chirurgischen Handlung (die wir aber nicht mehr sehen) wurden vom Publikum mit höchstem Interesse verfolgt, und es war ins Moderne und Humane übersetzt ungefähr so, als oh da Ritter, die in den Kampf gehen, von ihren Frauen eingekleidet werden, die mit allen Umständlichkeiten ihrer Rüstung Bescheid wissen. Das war alles sachlich und echt. Weniger wahrscheinlich die Tatsache, daß der autoritätsvollc Chefarzt Dr. P e r r i n s einer Laiin den Zutritt und das Zusehen erlaubte. Die Unerfahrene soll wissen, worum es sich handelt und vor dem Dienst der Menschen in Weiß Respekt bekommen. Damit sind wir schon in dem Drama, das Sidney Kingsley angerichtet hat. Die sehr reiche Evelyn Hudson ist mit dem jungen Assistenzarzt Dr. Ferguson verlobt und bei aller Liebe von ihrem Bräutigam sehr enttäuscht, der wenig Zeit für sie hat, der noch mehr der Wissenschaft als ihr gehört und der Lehre noch manche Jahre strengen Dienstes schuldet, um es vor den Menschen und vor sich selbst zu etwas zu bringen. Damit wäre schon ein Konflikt gegeben, wie er zwischen Mann und Frau normal ist, zwischen den Ansprüchen des Werkes und denen des Lebens, das sich auch selbst genießen will. Dieser Konflikt, der vielleicht, weil er normal ist, für ein Erfolgsstück beider Welten nicht ausreicht, wird noch einmal verschärft. Die Patientin oder der „Fall", der da vorgeführt wird, ist eine Krankenschwester, die ein werdendes Kind beseitigen wollte und dabei verunglückt ist. Im Delirium verrät sie ihre Beziehungen zu Dr. Ferguson; sie hatten sich bei einer gemeinsamen Nachtwache gefunden, da die beiderseitige Einsamkeit die zusammen eingesperrten jungen Menschen zueinander zog. Dr. Ferguson will, wie es sich gehört, das Mädchen heiraten, wenn er auch damit die höhere Vorbereitung aufgeben und nur ein kleiner Arzt werden wird. Dieser Entschluß wird ihm abgenommen, da das Mädchen stirbt, und ob die Verlobten sich über dieses Opfer hinweg noch die Hand reichen können, diese Entscheidung wird am Schluß des Stückes vertagt. Das wäre nun eine Handlung, die ordentlich an den Nerven oder an den oberflächlichen Gemütsfaden reißt, aber es ist dennoch mehr oder weniger als ein „Reißer", weil die Darstellung des Aerztewesens sich sehr sachlich und fachlich vollzieht, weil das rein Flandlungsmäßige sich unter dieser Decke nur in leiseren Akzenten abspielt. Wir haben es da mit einem Verfasser zu tun, der das Gut des Taktes hat und darum bei einem bereitwillig mitgehenden oder mitgezogenen Publikum seiner Sympathie sicher blieb. Der Regisseur Ii a n s Buxbaum hat auch eine leise Regie versucht, hat die Aeußerungen alles Menschlichen, da wir nun mal in einer Klinik sind, durchgehend abgedämpft. Gegen diese Sachlichkeit schienen mir die Liebesszenen etwas konventionell und nach alten Mustern gestellt. Als junger Ar/t und Liebhaber hatte H. K. Rosen berg die ausgedehnteste und verwortungsvollste Rolle. Wenn auch für klare Artikulation und plastischen Satzbau ein Rest zu wünschen übrig bleibt — man hat den Eindruck, daß er lieber Verse als bürgerliche Prosa sprechen würde —, es geht etwas von ihm aus, es ist eine innerliche Bewegtheit jugendlich männlicher Art, die sich auch ohne Worte mitteilt. Uebcrdies würde man an seine Berufung glauben, auch wenn er nicht am Krankenbett und im entscheidenden Augenblick über einen älteren zurückgebliebenen Kollegen mit einem verantwortungsvollen Entschluß den Sieg davontrüge. Für seine Braut Evelyn würde es genügen, wenn sie irgendein verwöhntes reiches Girl wäre, das aus ihrem kindischen Eigensinn zum erstenmal an den Ernst des Lebens hei angenötigt wird. Gerda Klein tat wohl zu viel für die Rolle, sie schien mir mit einer allzu interessanten Maske mehr Frau als Mädchen und wirkte damit, als ob sie schon einige Erfahrungen hinter sieh hätte. Ruth Mannheimer als die verunglückte Krankenschwester war das Gegenteil, sehr mädchenhaft, sehr rührend in einer Not der Einsamkeit, aus der sie eben in jener gefährlichen Nacht fast willenlos in die Arme des Mannes flüchtete. Das Stück spielt bis auf ein kleines Bild mit allen dre>t Akten in der Klinik. Wir sind dauernd unter den Menschen in Weiß, die der Verfasser kennerisch und fein abgestuft hat. Barbara und Dr. berg) Dennin (Ruth Manhcimer) Georges (Hans Karl Rosen- Fotoi: J. Abraham Januar 9. Sonnabend — Jüdlsehejr Kulturbund Barlin I.V. Kleinkunstbühne Künstler!.*« Leitung, MAX EHRLICH Sdiumonnsaa!, IGtiowstraß« 76, 20.30 Uhr Die unwiderruflich letzten 2 Vorstellungen Musik: Willi Rosen „Vo-iUcuta auf! ' 22 Bilder von Willy Rotan u. Max Ihrllch mit Max Ehrlich VenMPMttl der Karlen von KM 1,- bii 3,- beim Philo-Vertag. Pariser Str. 44; Zeitungsstand i.Cafe Leon, Kurfüritendamml55|J7 4229)) Kulturbundtheater, Kommondantenstr. 57. tintritt BUCtl für rlleMmltgtiefllir UM KUHtirBumJeS mit der HM1 RetOMWrMMeMlfS (auoS an der Abendkasse erhältlich). Jüdischer Kulturbund Berlin e.V. Donnerstag, 14. Januar 1937,20.15 Uhr, Bachsaal, LiltzowstraBe 76 MAVER-MAHR-TRIO M. Mayer-Mahr (Klavitr), Wladlalaw Waghaltatr (Violfna) Leo Roatal (Violoncello) RM1,— bli 3,—. Vorverkauf In den bekannten Vorverkauftitellen Eintritt auch ftlr Nichtmltgl. de« Kulturbünde« gegen Vorzeigen der R-Karte Ohne gUltlgen Auiwole kein EinlaO Konzert-Direktion L. Tau&o / Ruf: B 61775 Da Ist von Fritz Wisten der Chef der chirurgischen Klinik, mit der Miene der milden Autorität und mit dem gewissen Aerzieblick, der nicht nur die Krankheit, sondern auch den Leidenden sieht. Neben ihm und unter ihm die verschiedensten Typen: Der eine ältere Ar/.f, lief nicht mehr umlernen kann, der andere, der, obgleich zur Ruhe gesetzt, immer noch die dicksten Lehrbücher wäl/.t, um hinter der arrogant gewordenen Jugend nicht zurückzubleiben. Dann die jungen Leute, die sieh zwischen Leben und Pflichterfüllung je nach Temperament abfinden. Das wird von den Herren Arthur L e w in, S i g m u n d N u 11 berg, Fritz Ritte r, Martin Brandt, Alfred L i c Ii t e n s t e i n (etwas zu alt in der Maske) recht schicklich gemacht und von Alfred Berliner mit dem Humor, der sich ohne Anstrengung zu geben weiß. Dazu erschienen L i I y Kann und O i n a Frie dmann als Krankenschwestern, wie man sie sich nur wünschen kann. Etwas außer der Reihe noch der „reiche Patient" mit Fritz. Lions Ruridhcit und Routine. So wurde auf engem Raum das Bild der Menschen in Weiß recht vollständig und das Publikum ließ sich von den Zeichen ihrer Hantierung nicht abschrecken. Iin Gegenteil. War die Liebesgeschiclitc spannend, so erwies sich die Behandlung der ärztlichen Problematik als fesselnd. Und das ist noch mehr wert und wirkt sicherer nach. Mit groller Einmütigkeit und Beifallss'iimiiung wurde nach allen Darstellern gerufen, nach dem i'rgi-Miir Hans Buxbaum, nach dem Bühnenbildner Hans S n n d Ii e i in c r, der seine Klinik mit vorbildlicher Technik cingeruhtet hatte. Arthur F. I o c s s e r Festtag mit Leo Gollanin Die grobe Schar von Bc-uclurn, die; 1. Januar, in die Neue Synagoge kam. um 1 zu seinem tri. Geburtstag zu ehren, eiklgc gnadeten Menschen einen wahrhaften I estfa wieder erstaunlich und ein wirkliches Rieux Mann an der Schwelle des Alters noch i Fähigkeiten aufzuwarten hat, die Schatten stellen. Sein großartiges Ioiii.-miii wie sein unübertreffliches Pianissiui", das Ecke <ies gewaltigen Raumes dringt. Die Ki von Gollanin ausstrahlt, zwingt den Hörer stchlichen Bann, so daß man anderen Welt gewesen zu sein Dr. :k. im l ieitag, den Leo Gollanin. mit diesem beg. Es ist immer mieii, wie dieser tut gesanglichen Jüngeren in den > ist ebenso iiisch bis in die letzte Hl des Betens, die in einen unwideriis zürn Schluß in einer völlig glaubt. Den Empfindungen der cu v a n e :- / v in einer aus- Gemcindc gab Rabbiner fuhrlichen Prediget Aiisdruc Lange h?it Gollanin aus persönlichen Gründen sich vom öffentlichen Leben zurückgezogen; wir hoffen, daß er nunmehr wieder als Vermittler des jüdischen Volkslieds hervortreten, und seine große Kunst von neuem der Sache widmen wird, die er wie kein anderer meistert. —nn. Von der Jüdischen Winterhilfe Die nächste Sammlung der Eintopfspende findet am Sonntag, dem 10. Januar, statt. Zugunsten der Jüdischen Winterhilfe findet am 24. Januar, 16.30 Uhr, im Brüdervereinshaus eine Teeveransralfimg statt, Kartenvorbestellungen: Jüdische Winterhalfc, C 2, Rosenstraße 2-4 (I) 1 (.711 Apparat 00). Die Ausgabe der Januar-Pfuridspendenpakefe findet ab 13. Januar statt. Die Ausgabezeiten und Orte sind aus dem Gemeindeblatt ersichtlich. Für eine Kranke wird dringend eine Chaiselongue benötigt. Meldungen erbeten: Jüdische Winterhilfe (Abteilung Betreuung), Rosensir. 2-1 (D 1 6711 Apparat 41). Postscheckkonto der Jüdischen Winterhilfe: Berlin 93446. Familien - Nachrichten . <-, .,. VW 37, \V,:>,.vw!.rr.tr. 3, h'c^ht an» Frau Rfginr | ., . 1> ., 8. Januar dfn 75. ' ',, >■ i:; e, 1 lerr I.oni, J n e n 1: o vv i 11. Januar dea 70. < lol.'.irt-t., Frau Johanna \Y a s e r m a am 15. Januar den 70. (..•' NW 21, lieg, nk.ig! :ear. 4, begeht am an, geh. Feige, Lü'zmv *r, <19, begeht Bar Mizwah-Termine Am 9. Januar 12e. ie«iiht: V -rn l,e\ \ , > ..[, \,,n >c aaavin Fcvy, Aupgburger W. 23. — An 16. Januar it. S. Su-aU: Hermann P c n rl; e 1, v,,j,„ von Kmamad rvn<!»4, NO (.rr a -.w-jlder Mr. 191. Jfft «JOSEPH Schmidt singt Montag, [Ts] Jan. Bach-Saal, 20.15 Uhr Am Flügel: LeoTaubmann »WEITES KPNIEBTi Ionnta9. a«. Jawiiar I» nTEM im ''rl"0'v,r'l"9'K«d«m /Foppelauer/Laehl\ A III EN mann / Telephonleehe Bestellung. B6 1775 Sonnabend, 16. Januar 1937, 20.30 Uhr Logen haus, Berlin W 62, Kieiststraße 10 Gesellschaftsabend zugunstan der notlaidandcn jüdischen Brite und der jüdischen Winter- und Kunatlerhilia Mitwirkende: Dr. Leo Bsrezintkl / Frau Dr. Joaef-Luaehelmer / Freu Summ» Löweniteln / Frau Rita Storch und das Orcheiter der KUnatterhitfe. AnaehlieBend: Mltternechteballett: Condell-Hlrlh Tanr — Bar — Tombola Eintrittskarten «u RM 6,— erhältlich im R*i(teb«ro Atlantic-Express, Friedrirh- RtraS« 100; Frau Elsnrr, Zehlendorf, Herderctr. 15; Frau Glaser, NO 18, Landsberger Str. 98; Frau Gliksman, Pt-tershunrer Str. 66; Frau l.ewin, Lutrowpltttir 27; Frau I.ipschitz, Mansteinstt.il; Frau London. Charlhjj, 2. Joachim «Ihn ler Str. 7'S; Frau Dr. Rosenow, B*H**.AMtance-Str. 23; Dr. Ryiw^ewski, GerichUtr. 52; Portier d«r Jüd. Gemeinde, Oranienburger Str. 7% u. Abteil^. 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