Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 42 (1937)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1937)
- Date
- 1937-01-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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JODISCHE RUNDSCHAU AUS DEM REICH Nr. 1, 5. JANUAR 1937 Künstlerisches und geistiges Leben Dortmund. Die Bildiingskurse der Jüdischen Rcligionsgemeindc wurden am 21. Oktober eröffnet, wobei Oberrabbiner Dr. Carle b ach (Hamburg) iiier das Thema sprach: „Väter und Söhne: wie stehen die Generationen zur Religion?" — Arn 6. Dezember sprach Eduard Strauß (Frankfurt) über „Franz Rosenzweig und wir" und entwarf ein Kntwicklungsbild von der Persönlichkeit und dem System Rosenzweigs. Am Vormittag hatte Strauß eine Lcrntagung über „Schrifttexte zur tieschichte vom Propheten Elijahu" abgehalten. — Die eigentliche Bildungsarbtit wird jedoch in den Kursen und Arbeitsgemeinschaften geleistet, von denen bisher außer zwei hebräischen und drei englischen Sprachkursen folgende begonnen haben: Von Dr. Kurt Herz (Düsseldorf) über Epochen jüdischer Geschichte, von Rabbiner Dr. Appel (Dortmund) ein Bibclkurs, eine Vorlesung über jüdische Gegenwartskunde, in der Georg Guthm a n n (Düsseldorf) die soziale Struktur der Juden, Dr. Josef Neubörger (Düsseldorf) die Lage der Juden in der Welt, und Dr. Kurt Steinberg (Essen) Gegenwartsprobleme der Juden in Deutschland behandeln. In den nächsten Lehrabschnitten sollen auch Themen aus den allgemeinen Wissensgebieten behandelt werden. Frankfurt a. M. Die erste Veranstaltung des Kulturbundes, ein Beethoven-Vioiinsoiiaten-Abend, galt einem Willkommen und einem Abschied: Prof. Julius P r ü w c r, der neue künstlerische Leiter, stellte sich dem Publikum als Kammermiisikspielcr vor, Prof. Hans Bassermann konzertierte zum letzten Male vor Antritt seiner Genfer Konzertmeisterstelle. An der Spitze des Kulturbund-Orchesters vermittelte Pru« er Werke von Mendelssohn, Mozart und Beethoven. Die Instruuientalgemeinsehaft hat unter dem der >pitze Werke von Mendelssohn, Instruuientalgemeinsehaft hat starken Personahvechsel erfreulicherweise nicht ernstlich gelitten, vielmehr dank der erzieherischen Fähigkeiten Prüwers den Stand früherer Leistung wieder erreicht. Zu einem vollen Frfolg winde die Auffuhrung der ,,Z a u b e r f 1 ö t e", die in letzter Minute ans einer szenischen in eine konzertmaßigi' umgewandelt werden mußte. Mozart hielt der ungewohnten .Metamorphose in jeder Hinsicht stand. Man glaubte die rein musikalischen Reize nie stärker erlebt zu haben als diesmal, „ungestört" von der Szene. Der junge Musiker Richard K a r p, bisher Solobratscher im Orchester, erwies in der stilvollen, lebendigen und feingetönten Wiedergabe eine echte, mitreiiknide Dirigierbegabung. Die solistische Besetzung war bis in die kleinsten Rollen hinein gut. In den Haiiptoartien waren Fmmy Lußheimerj o s e p h, Marianne C a u I a, Edith Eise u h e i in e r, Walter Ries, Frust (irasso, Kurt R a h m e r, Hans Assenheim und Max I. ipmann beschäftigt. — Ein Liederabend von Ernst W o 1 f f - L e w i n (mit dem meisterlichen Begleiter Paul M e v e r) überzeugte von dem großen Können des Sänger«. In der Vortragsfolge fielen zwei eigenartig bearbeitete judische Volkslieder von Herbert Fromm auf. — Für willkommene Entspannung sorgten heitere Abende von Ciaire E c 1 d m a n n und Dela L i p i n s k a i a. — Da Theaterauffulirungen zur Zeit mangels eines geeigneten Raumes nicht möglich sind, mußte das Hamburger ccnsemble unter Dr. Hans Ruxbaum seine mit einem „Bunten Abend" unterhalten. Dr. N. Ehrenreich Die Frankfurter Aufführung des Mcndelssohnschen Oratorium „Elias" durch die „Jüdische Chorvercinigung" und den „Kammerchor" unter der Leitung Dr. N. E h r e n r c i c h s war ein großes Erlebnis. Zweifel, äußere und innere Not unseres Volkes in längst entschwundenen klassischen Zeiten, das Ringen des volkstumlichen Propheten mit dem schwankenden Volke und dem fordernden Gottc, zugleich das Ergriffensein von der späten Tragik, die um die Gestalt des jüdischen Tondichters wettert -- all dies schuf für die Hörer eine Beziehung zum eigenen Ich und zeitliche Nähe der musikalischen Schöpfung. Als Hermann Schey sein „Herr, Gott Abrahams... schenk' deinem Volke Gnade" aus ergriffener Seele flehte, waren die Hörer tief ergriffen. Bruno Ucko ersetzte durch gute Phrasierung und Charakterisierung, , # f RAN KFU RT a M. Schauspiel- Hörerschaft was seinem lyrischen Tenor an sinnlichen Reizen abgeht, und Paula L c v y s dunkler Alt trug trotz merklicher Indisposition namentlich in den Ensemblesätzen viel zur Fülle der Harmonik bei. Die Chöre gestatteten durch Reinheit der Tongcbung, Kraft und Innigkeit des Ausdrucks, aber auch Weichheit der ruhigen Stellen ganz großen Maßstab. Am packendsten wirkten die Szenen mit den Baals-Priestern. Hier war auch der tonmalerischc Beitrag des durchweg, auch bei den Bläsern, gut spielenden Kulturbund-Orchesters am stärksten, lieber dem Ganzen waltete mit schlichter Gestik, tiefem Verständnis und großer Hingabe, anfeuernd und abdämpfend, Dr. Ehrenreichs hohe Musikalität. Er und alle Mitwirkenden wurden am Schlüsse mit stürmischem Danke gefeiert. G. L. Köln. Die Jüdische Kunstgemeiiischaft veranstaltete ein Konzert mit Herta Fürst (Sopran) und Adelheid Heß (Alt). Beide Sängerinnen, die Lieder und Duette von Mendelssohn, Wolf, Brahms und Blech zu Gehör brachten, wurden nicht ohne Zugaben entlassen. Ella Cohn begleitete geschmackvoll. — Das Orchester der Jüdischen Kulturbünde besuchte mit seinem neuen Stabführer Prof. Julius P r ii w e r zum erstenmal den Rhcin-Ruhr-Spielkreis. Zur Aufführung in Köln gelangte die Ouvertüre „Meeresstille und glückliche Fahrt" von Mendelssohn in eindrucksvoller, differenzierter Klangwirkung. Liebevoll nahm sich Prüwer der kleinen C-Dur-Symphonie von Mozart (Kochel Verz. Nr. 338) an und verhalt ihr zu einer klaren, wohltuend beschwingten Wiedergabe. Zuletzt hörte man Beethovens 2. Symphonie, an der der Dirigent seine geistige Ueberschau und seine musikalische Durchdringung in der ihm eigenen vornehmen Zurückhaltung erweisen konnte. — Dr. Anneliese Landau, die sich den Pianisten Wolfgang Rose als Interpreten der von ihr angeführten musikalischen Beispiele mitgebracht hatte, plauderte vor den Mitgliedern des Kulturbundes über ,.Ungetanz.te Tänze" — genau genommen über Walzer, ihre Entstehung, ihre Entwicklung innerhalb eines ganzen Jahrhunderts. Wolfgang Rose bewährte sich als vielseitiger Ausdeutcr am Flügel. -a- München. In einem Synagogenkonzert bot das Kulturbund-Orchester Beethovens Große Fuge D-Dur op. 133 und Tschaikowskys eingängige, freilich im Gotteshaus vielleicht nicht in allen Sätzen angebrachte Streicher-Serenade. Zwischen beiden Werken sang Walter Ries (Baß) die Mendelssohnsche Arie aus „Elias" „Es ist genug..." Erich Eisners Führung des Orchesters bewährte sich auch in diesem 7. Symphoniekonzert als hingebend und beschwingend. — Wie im Vorjahr vergnügte an drei Abenden Dela L i p i n s - k a j a das Münchencr Publikum. In ihren Chansons, vor allem aber in ihren russischen Liedern und den Figurinen aus ihrem Album erwies sie sich als erste Künstlerin ihres Fachs. Mit virtuoser Beherrschung gab Walter Lajtai Proben moderner Musik. H. L. Hirsch Friedmann (jidd. Lieder), am Flügel Lotte Srhoeps- Ropsintki und Annemarie l.oewc umrahmten den Vortrag. Chemnitz. Am 12. Dezember veranstaltete die Talmrnl-Thora- Religiimsseliule in den Räumen der ZOG. vor zahlreich erschienenem Publikum eine Chanukkahfcier, bei der die Schülerschaft in allen Zionistisches und Gemeindeleben Breslau. Im überfüllten Ctcrhnrt-Hauptmann-Theater veranstalteten die Breslauer „Werkleute" einen Elternabend. In eiix>r Germinschaflsleislung stellten sie einen Weg vnn. der d c u t s e h - j ü d i - .sehen Jugendbewegung über die Erlebnisse und Erschütterungen junger Vergangenheit zum c h a I u i i s c h f ti Bund dar. Li. a. gelangte „Die Entiebeiilung" 7.ur Aufführung, in der ein Architekt nach l'eberwindunR innerer, durch lierut" und <icsell-chaft. bedingter Schwierigkeiten den Weg zum larelatlieitenden Jisehuw findet. Die Darstellung in den einzelnen Szenen — neben den selbstverfnßten Texten, der Spielleitung und den ausgezeichneten Bühnenbildern — durch Menschen des Bundes war im ersten Teil von tiefem Emst, im zweiten Teil von einer Karikaturfahigkeit. — Professor Dr. lleinemann sprach bei einem Teeabend der Wizn und der Misraehi-Frauengnippe über die Auffassung der Ktllturatiseinandcrselzung zur Zeit der Makkabäcr. Rudi ilennig (Mezzosopran), Altersstufen abwechselnd hebräische und deutschsprachige Sienenbiider und Rezitationen mit großem Erfolg zur Aufführung brachte und starken Beifall bei allen Anwesenden auslöste. Einleitend sprach der Schulleiter, Kabb. Ahr. G o I d b erg. über den Sinn des Chanukkahfe«tes. Die harmonische Zusammenarbeit, zwecken Lehrern und Schülern, die sieh aus dem Gesamtbild ergab, nicht zuletzt die zwanzig Minuten dauernde hebräische Ansprache eines der größeren Schüler legte Zeugnh daiür ab. daß die Arbeit der Schulleitung keineswegs vergeblich gewesen ist. Elblng. Rabbiner Dr. Neufeld veranstaltete für die Mitglieder der Gemeinde einen Gescliichtszyklus über die neueste Geschichte des jüdischen Volkes, einen hebräischen Sprachkursus für Fortgeschrittene, sowie an jedem Freitag im An.schluli an den Abemlgoücsdienst einen Oneg Schabbai für die heranwachsende Jugend. Emden. Am 15. Dezember veranstaltete die ZOG. eine Chanukkah-Feier. Die Festrede hielt, Landrabbiner Dr. Blum. Gießen. Am 28. Dezember fand auf Veranlassung der ZOG. ein Lichtbildervortrag von Li ebner, Frankfurt am Main, statt. Der Vortrag behandelte „Palästina in der Gegenwart'. Hamburg. Das Orlskoniitec der Jcwish Ageney veranstaltete anläßlich der Kcren-I lajessod-Aktion einen Vortragsabend mit Dr. Michael T r a u b. Berlin, der über das Thema: „Vor der Royal Oommbsion — Prüfung und Bewährung" sprach. Der ausgezeichnete Vortrag wurde von den zahlreichen Anwesenden mit großem Beifall aufgenommen. Im Namen des Ortsausschusses dankte Herr OLG.-Rat May, der die Veranstaltung leitet. Der Vorstand der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg brachte durch ein an die Versammlung gerichtete. Schreiben seine besonderen Wünsche für den Erfolg der Veranstaltung und der Arbeit des Keren Hajessod zum Ausdruck. Mainz. Arn 2. Januar feiert: Herr Sicgniund Lazarus seinen 75. Geburt »tilg. Seit nahezu vierzig Jahren nimmt er Anteil am zionistischen bellen. 1898 gründete er mit Dr. Schmier und Lazarus Friedmann s. A. die Zionistische Orisgruppe, deren Vor-iti er zehn Jahre innehatte und deren Vorstand er beute noch angehört. Als Delegierter nahm er am VI. u. VII. Kongreß und an einer Reihe von Delegierten!ugen teil. 1922 rief er mit seinem Sohn den hiesigen Turnverein llakoah ins Leben. Seiner Verdienste wegen wurde er 1908 ins Goldene Buch eingetragen und vor zehn Jahren zum Ehrenvorsitzenden des llakoah in M.iinz ernannt. Witzenhausen. Der bisherige Vorstand der ZAG., Herr Otto K u g e 1 in a n n, bat sein Amt niedergelegt, da er nach Erci L,raei übersiedelt. Die Gruppe verliert in ihm tinen üulk-ist tüchtigen und bewährten Mitarbeiter, dem es gelungen ist, die zionistische Idee in die Gemeinde hineinzutragen und eine auf einem hohen Niveau stehende Arbeitsgemeinsi haft zu schaben. Ankündigungen Frankfurt am Main: Am 6. Januar Be.ien der Jüd. Winterhilfe, verai blindes (Dirigent: Richard Karp) Leitung von N. Ehrenreich. Solist 20 Ehr, im Sardbau, Konzert zum i.staltet vom Orchester des Kultur- und dem jüd. Kammerchor unter :n: Annie Steiger-Betzak (Violine), Hans Assenhcim (Bariton). Karten bei den üblichen Stellen. — München'. Jüd. Eebrhaus. Am 9. Januar, 20.30 Ehr, llauplsynagoge, Vortrag Prof. Dr. Martin Huben „Die Krwähliing Israels in der Bibel". Vorverkauf: Herzog-Max-Str. 7, I. Familien - Nachrichten be- Tlerr Fabel R i n d e r 1 i und Prau Rosa, gel). Meyer, Boehun gehen am 10. Januar die silberne Hochzeit. Frau Minna D i e b a c Ii, Nürnberg (zur Zeit Frankfurt am Main, Oberweg 4), begebt am 12. Januar den 70. Geburtstag. Die Fbelcutc Bernhard und Maiie Stark man n, geb. Salzmann, Breslau, Jahn<tr. 30, begehen am 17. Januar die diamantene Hochzeit. Bar Mizwah -Termine Am 16. Januar (4. S.hwal): Alexander Mayer, Sohn von Louis Mayer, Karlsruhe, Disinarek-.tr. 77. Am 9. Januar (26. Teweth): David W e r t h e i m, Sohn von Adolf Werlheim, Antwerpen, nie General Leinan 39 (früher Hamburg). Ihr Photo-Reisebegleiter eine LEICA von EHRENFELD FRANKFURT a. M., Zeil 104 Spezialgeschall flir^asche und Woilwaren ^Mlunu ReinecHstr. 3, Hanauer unosir. 87 Anzeigenannahme: FranKfurt a. m. Große Bockßnheimar Straß» 29, I Fernruf 23977 2wi> &eft. Beachtung,! Anzeigen müssen nach den Bestimmungen Des Deutsche« Werbegesetiet einheitlich nach Millimetern und nicht nach Druckteilen tierechnet werden 1 Druckzeile Bröße 1 (Nonp.) ist 2,25 mm hoch 1 Druckzeile Größe 2 (Petit) ist 3 mm hoch Verlingen Sie bitte * nie Ig en I arlf Zeilenmeseer und Sckrltlareba JÜDISCHE RUNDSCHAU *n»l,.n-¥.rw.itoi Wir haben einige Außenfilialen abgegeben und machen wiederholt darauf aufmerksam, daß alle unter der Firma Witwe Hassan geführten Geschäfte weiterhin in unserem Besitz bleiben. Inh.: Alfr. Mayer 3ul.Sommer Alle wichtigen —. wm%wm% m w Artikel des •I. Clftf TTJTLIEjII Hg). Bcdtrti. 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