Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 88 (4.11.1938)
- Date
- 1938-11-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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J0OISCHE RUNDSCHAU Nr. 88, 4. NOVEMBER .yJ8 Tag des ״Kofer Hajischuw“ Eindrucksvolle Kundgebungen Jerusalem, 31. Oktober (Palcor.). Der gesamte Jischmv beteiligte sich mit Begeisterung an dem heute durchgefulirteii Zensus für den Kofer Hajischmv. Im ganzen Lande wurde nachmittags um 2.30 Uhr die Arbeit eingestellt; eine Ausnahme bildete der Tel Awiwer Hafen, wo eine nur viertelständige Ruhepause eingeschaltet wurde. In 300 Orten wurden 400 Versammlungen abgehalten, davon 17 in Tel Awiw, 12 in Jerusalem und 10 in Haifa. 450000 Zeugnisse, die als Beweis dafür dienen sollen, daß der Besitzer seine Verpflichtung gegenüber dem Kofer Hajischuw erfüllt hat, sind zur Verteilung gelangt, darunter besondere Bescheinigungen für diejenigen, die schon vor einem Jahr zum Arbeitslosenfonds beigesteuert haben. Alle Veranstaltungen würden auf freiwilliger Basis durchgeführt; 100«) Personen, darunter führende Persönlichkeiten des jischmv, meldeten sich, um bei der Zähhing zu helfen. Ueberdies waren 5000 Freiwillige mit den Vorbereitungen beschäftigt. Ein Manifest des Waad Leuml richtet sich an Jeden juden, der in Palästina lebt. Es ruft die Bevölkerung auf sich hi die Reihen der Kämpfer um das Recht des Jüdischen Volkes auf Rückkehr und Aufbau zu stellen. Der Aufruf appelliert an die Jugend, sich für die Verteidigung der kleineren Siedlungen zur Verfügung zu steiler», wahrend der Jischuw im allgemeinen aufgefordert wird, den Kofer Hajischuw durch Beschäftigung jüdischer Arbeiter und Kaut einheimischer Erzeugnisse zu unterstützen. Der Waad Leutni erklärt, daß die Juden unter allen Umständen und zu allen Zeiten fortfahren würden, nach Palästina einzuwandern. Der Jischuw habe auf England vertraut und fordere, daß in dieser kritischen Stunde der jüdisehen Geschichte dieses Vertrauen durch die Erfüllung der gegebenen Versprechungen gerechtfertigt werde. Die Nachmittagsausgaben der hebräischen Zeitungen, die *pater als sonst erschienen, widmen dem Aufruf des Waad leumi große Aufmerksamkeit und weisen auf die Bedeutung der Aktion des jischuw hin. Vom frühen Morgen an gingen freiwillige Mitarbeiter des Kofer Hajischuw von Haus zu Haus und sammelten im ganzen Lande Spenden für dem Fonds. Das Manifest des Waad Leumi an den Jischuw und die Ansprachen bei den Versammlungen wurden mit großer Begeisterung aufgenommen. Die Straßen Jerusalems, TelAwiws und Haifas ■waren mit Menschen dicht gefüllt, die Abzeichen trugen, die zeigten, daß sie ihre Verpflichtung gegenüber dem Kofer Hajischuw erfüllt hatten. Lange Menschenschlangen warteten vor den Banken und besonderen Büros, die eingerichtet worden waren, um die Gaben, darunter auch Juwelen, abzunehmen. Der Waad Leumi übermittelte sein Manifest der Regierung. In einem Begleitbrief wird ausgeführt, daß der Jischuw am Zählungstage seine unerschütterliche Entschlossenheit zeigte, den jüdischen Aufbau fortziiführen und auszudehnen und eine Front gegen jede Politik zu bilden, die darauf abzielt, die freie Entwicklung des Jischuw und die Heimkehr des jüdischen Volkes in sein Heimatland zu verhindern. Professor Fraenkel Rektor der Universität Professor Fraenkel, Professor für Mathematik an der Hebräischer» Universität in Jerusalem, wurde als Nachlolger von Dr. Hugo Bergmann zum Rektor der Universität gewählt. Haifas Stadt - Haushalt 1938/39 Der Haushaltsvoranschlag der Stadt Haifa für das Haushaltsjahr 1938/39 schließt auf der Ausgabenseite mit £P 130 218 und auf der Einnahmenseite mit £P 129193 ab, läßt also ein kleines Defizit von £P 1015 offen. (Die entsprechenden Zahlen für 1937/38 lauten: Einnahmenvoranschlag £P 121071, Ausgabenvoranschlag £P 128 422; 1936/37; Einnahmen 125 331 und Ausgaben 135 311.) Bei den Einnahmen werden £P 65 000 aus Gebühren, Lizenzen und Steuern veranschlagt (gegen £P 60 000 Voranschlag im vergangenen Jahr und £P 45 847 effektiv im Jahre 1936/37), £P 35109 aus Amtsgebühren und eigenen Einnahmen, und £P 23 000 Zuschuß von der Regierung. Die wichtigsten Posten auf der Ausgabenseite sind: Gesundheitswesen £P 34500, Technische Abteilung £P 10 000, öffentliche Arbeiten £P 16 000, und außerordentliche öffentliche Arbeiten £P 39 000 (1936/37 waren letzterem Posten £P 51000 zage wiesen, vergangenes Khr £P 38 500). — Neben der Tätigkeit der ״Irija“ Haifa ist kanntlich die des ״Waad Ha dar Hacarmel“ für die jüdische Bevölkerung Haifas von großer Bedeutung. Sein Haushaltsjahr entspricht dem jüdischen Kalenderjahr, und sein Haushalt reicht zahlenmäßig an den der Stadtverwaltung fast heran, von dem er auch nicht unerhebliche Gelder für öffentliche Arbeiten zur Ausführung zugewiesen bekommt. Sein Aufgabenbereich hat die ursprünglichen Gebiete wie Wasserverteilung, Kanalisation, Straßenbereinigitng usw. längst überschritten und reicht heute in fast alle Sphären jüdischen öffentlichem Lebens hinein, Alfred Markus, Haifa. Eine Haifaer Tageszeitung. Haifa mit seinen über fünfzigtausend jüdischen Einwohnern und seinem bedeutenden Wirischafts- und Kulturleben hatte bisher das Fehlen einer eigenen Zeitung zu beklagen. Seine Einwohnerschaft blieb aur die Tel Awiwer Blätter angewiesen, die naturgemäß auf die Lokalbedürfnisse der Haifaer Leser nicht allzu viel Rücksicht nehmen konnten und durch den Transport an Aktualität verloren. I>ie Unruhen haben die Transportscliwicrigkeiten zeitweilig noch erhöht, und im schlimmsten Falle besteht sogar die Möglichkeit, daß Haifa einmal ganz ohne Zeitung bleibt. Der Wunsch einer eigenen Haifaer Zeitung wird nun erfüllt durch die Haifaer Tageszeitung .,Hacarmel“, die am 2. November erstmalig erschien. ״Hacarmel“ ist eine unabhängige Mittagszeilung, deren Verkauf um 1 Uhr nachmittags beginnt und so die Abendausgaben der Tel Awiwer Blätter vonvcgnimint. Sie erscheint siebenmal in der Woche, in vierseitigen! Format und ist speziell auf die Bedürfnisse Haifas und NordpalaMinas (Fmek) ziigeschnittcn. Die Druckerei ״Oth׳‘, die den Druck ausführt, hat eine (mit hebräischen und lateinischen Lettern ausgerüstete) Setzmaschine erhalten, die erste ihrer Art in Haifa. A.M. In der Kwuza Kinereth wurde der dreißigste Jahrestag ihrer Gründung gefeiert. Tausende von B ׳ .iic'icrn aus dem ganzen Lande fanden sich ein, um an den Fest!ichkeiten teilzunchmen. Mit Miß Szold nach Kirjath Anawim Das Problem beinahe jedes Erwachsenen, der nach Palästina geht, ist die schwierige Frage der Gewöhnung an die Bedingungen des Landes, das Problem der inneren und äußeren Umschichtung. Eine glückliche Ausnahme bilden die jugendlichen Menschen, die in einem Alter nach Palästina kommen, in dem sie ihre innere Reife und ihre berufliche Ausbildung noch nicht so stark an ihre Herkunft gebunden hat, daß nicht eine norntale Einord- .. nung in die Bedingungen Erez Jisracls möglich wäre. «, Geniale Ideen werden im allgemeinen erst dann als solche erkannt und anerkannt, wenn der Erfrlg sie bestätigte. Bei dem Gedanken einer großzügigen, planmäßig vorbereiteten und durchgefiihrten Jugend - Alija kann ein solcher Erfolg festgestellt werden. Im Monat Oktober hat die Zahl der Jugendlichen, die durch die Organisation der Jugend-Alija ins Land gebracht wurden, die Dreitausend erreicht und überschritten. In den meisten Siedlungen des Landes bestehen Gruppen, die unter Anleitung erfahrener Lehrer körperlich und geistig auf ein Leben im Lande und auf dem Lande vorbereitet werden. Nahezu jeden Monat vollenden solche Gruppen ihre Ausbildungszeit und bilden dann an neuen Punkten des Landes gemeinsame Arbeitsgruppen oder auch schon neue Kibbuzim. Vor kurzem hat die Jugend-Alija- Gruppe in Kirjath Anawim bei Jerusalem ihre Ausbildungszeit vollendet. Der größte Teil ihrer Mitglieder beschloß, gemeinsam zur Ansiedlung zu gehen. Ihr Ansiedlungspunkt ist jener Platz hoch über der Siedlung Kirjath Anawim, ■wo vor einem Jahre lünf Mitglieder des Kibbuz auf dem Wege zur Arbeit aus dein Hinterhalt erschossen wurden: ״Ma'alch Hachamischa“ heißt die neue Siedlung. 111 die freigewordenen Räume dieser Gruppe Herkunft von der gleichen kichtinig innerhalb der jüdischen Jugendbewcgimg. In diesem Falle aus dem Makkabi-Hazair. Dreitausend Menschen zu betreuen ist eine außergewohnliche Aufgabe. Im Falle der Jugend-Alija wird sie geleistet. Henrietta Szold und ihr Mitarbeiter Hans Bcyth sind nicht nur dauernd über den arbeitsmäßigen und lehrhl zu den Jugend! mäßigen Zustand jeder schritte informiert, sie von diesen jungen ,V an Miß Szold aus dei jungen Menschen in al *\;\ ‘ :.,*;״־'י''■־'. ‘ ■»,*־יי nzelnen Gruppe und über ihre Fort- ,uneri auch beinahe jeden einzelnen sehen persönlich. Täglich kommen ganzen Lande Briefe, in denen die Fragen ihres täglichen Lebens sich ihre Wunsche und ihre Beschwerden Vorbringen. Von den Fragen des persönlichen Lebens bis zu den Problemen, die das Land und die Gemeinschaft jedem Einzelnen stellen — es spiegelt sicli hier wohl das ganze Leben der jugendlichen im Lande wieder. So viele Briefe auch kommen, so ausführlich jeder einzelne auch sein mag: mit der schon berühmt gewordenen Pünktlichkeit des Jugend- Alija-Büros, die der Besucher um so mehr bewundert, als sie ihm selber nie so recht gelingen will, wird jeder Brief, jede Anfrage eingehend beantwortet. Und wenn die Probleme innerhalb einer Gruppe den Jugendlichen einmal gar zu --g- ־ I i?PALÄSTINA*TRINKT ,)ATARA"- KAFFEE sehr über dt befriedigende Bcyth selber in persönlich Vor allem; Jugendlichen über ihre er‘ Kopf wachsen und der schriftliche Weg keine -östing bringt, daun fahren Miß Szold und Hans 11s Land hinaus und besuchen die Gruppe, um II Kontakt beratend und ordnend einzugreifen, er gelten solche Besuche dem Empfang der III Lande und der gemeinsamen Unterhaltung 11 Findnicke und Wünsche. Der Besuch fernen ]״gen■ uns das Air Kirjath An: galt 1 cht 1 sind ebenfalls Steinmauern ci! in Judäa, auf getmng. Im W Die Wege sind durch hohe Sieintvälle geschiifzt kam min eine neue Jugend aus verschiedenen Städten Deutsch lands. Aus Linz und aus Breslau, aus Berlin und aus Graz, kommen sie. Den Prinzipien der Jugend-Alija entsprechend wurden sie nicht wahllos zusammengewürfelt. Wie jene jumr der neu teil Gruppe", naufbraclite, neu Punkte Che't\ f'i'^ :1 Häuschen mit hohen eine Festung esamte Um- . Am Abend mit' üiwatli VX'cgan, dem den Boden des Geam Boden genügend Text und Photos 1 Dr. N. Gidal, Jerusalem Ein Ausguckposten mit einem weiten Blich ins Land