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Jüdische Rundschau · 1938-11-04 · Heft 88 (4.11.1938) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 88 (4.11.1938)
Date
1938-11-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 88, 4 XI. 1938 Berufs Umschichtung: in Ungarn Von unserem Korrespondenten Die Einwanderungsquote ״New York Times“ über britische Palästinapläne Als ein Resultat der amerikanischen Proteste gegen die Meldungen über britische Absichten zur radikalen Revision des Palästina-Mandates will nach einer Meldung der ״New- York Times“ aus London die britische Regierung zu dem Prinzip der w i r t s c h a f 11 i e h e n A11 i n a h m e i ä h i g - keit Palästinas bei der Regulierung ■der jüdischen Ein- Wanderung zuriiekkehren. Wie die ״New York Times“ weiter meldet, soll eine Ein w ander ungsq not e, die z w i - scher! 12 (KW b i s 25 000 P e r s o ne n pro Jahr liegt, bei der endgültigen Regelung des Palästina-Problems festgelegt werden.״Ferner beabsichtige die britische Regierung, separate jüdische und arabische Gebiete unter britisch er Kontrolle zu schaffen, und zwar soll den jüdischen Gebieten zusteher, die Einwanderung selbständig zu reguliere«. Arabische Erwartungen Der Jerusalemer Korrespondent des Londoner ״Daily Telegraph and M o r n i 11 g Post“ berichtet am 31. Oktober über die zukünftige Palästinapolitik Englands, ־wie sie ihm in Jerusalem von einem prominenten palästinensischen Araber dargestellt worden ist. Dieser Araber behauptete, interne Informationen zu besitzen, ans denen sich etwa folgendes Bild ergehen würde: Die britische Politik wird wahrscheinlich in erheblichem Umfange auf einer Besehränkung sowohl der jüdischen als auch der arabischen Aspiraticmen beruhen. Der Teilungsplan wird fallen, und das Mandat wird weiter in Kraft bleiben mit dem Ausblick auf die spätere Begründung einer unabhängigen Landesregierung, an der alle Elemente der Bevölkerung Anteil haben. Die Errninnm־ einer solchen Regierung kommt im Augenblick überhaupt’ nicht in!-־rage, und zwar nicht nur wegen des (iegensatvts zwischen Arabern und Juden, sondern zen ״Glauben Sie nur nicht־׳, so'sagte der Araber zu dem eng!:sehen Korrespondenten,^ .,dal» 111c palästinensischen^Ara- Die Einwanderung würde, so heißt es weiter, nach dem R ec ei i |< e r m! cg v e r I in i f r 1 der beiden Volker begrenzt werden, und zwar wahrscheinlich so, d.1־li 50 0״ der Ein- und 10 ״.״ eien sonstigen Gemeinschaften. Wo die Juden jetzt leben, weiden we eine kommunale und kulturelle Auto- 110 nue entwickeln können, und die Araber werden den wärt 1g durch ihren Bevölkerung*,■inteil dominieren. Landverkaufe an Juden werden Ehnschrankungeii unterworfen sein. Man wird ferner, so fahrt der Bericht fort, einen Gesetzgebenden Rat wählen lassen, 111 dem Araber und Juden rn dem Verhältnis von 5 zu •I vertreten sein, an dem aber Beamte der Mandatarmacht ebenfalls teilnehmen werden. Dieser gesetzgebende Rat wird größere Befugnisse haben, als 1955 von der Regierung vorgeschlagen ־war. — Nach einer angemessenen Zeit, etwa nach zehn Jahren, würden Araber und Juden erneut die Möglichkeit haben, sich aut eine Form von Landesregierung unter britischer Oberaufsicht zu einigen. Noch später würde dann mit England ein ähnlicher Vertrag geschlossen■ werden, wie er heute zwischen England und dem Irak besteht. Die britische Verbindung mit Palästina würde in einem solchen Vertrage jedoch enger gestaltet werden als mit dem Irak, da der dauernde und aktive Einfluß Englands in Palästina für die Wohlfahrt des Landes und das Glück aller seiner Bevoluier wesentlich ist. Eine grolle Anzahl von Arabern erwarte, daß die britische Politik gemäß diesen Grundsätzen sich orientiert, und würde das grundsätzlich akzeptieren. Nach der Meinung des arabischen Informanten ist die jetzt gewährte Ein warn! erungs-Selunlule nur eine letzte Konzession an die Juden, bevor eine radikale Einschränkung eintreten wurde, Man wird gut tun, diese Informationen mit Zurückhaitung atifzunehiuc'it. Wahrscheinlich sind sie dem Jerusalemer englischen Berichterstatter in der Absicht gegeben worden, die Bedingungen sichtbar werden zu lassen, unter denen, nach Ansicht gewisser arabischer Kreise, ein Abbruch des arabischen Widerstandes möglich wäre, Belgien und Palästina Von unserem Berichterstatter Brüssel, im Oktober 1938 Zum Aufbauwerk in Palästina haben die Juden Belgiens stats eine positive Stellung eingenommen. Dabei sind die lebhaften Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern nicht ohne Bedeutung. Allerdings überwiegt der belgische Export nach Palästina bei weitem. Ueberhaupt bleibt auf wirtschaftlichem Gebiet noch so manches zu tun; die bclgopalästinensische Handelskammer könnte sehr wichtige Arbeit leisten. Das belgische Kapital, das eine so bedeutende Rolle in Aegypten spielt, hat auch in Palästina Anlagemöglichkeiten gesucht. Auf der Weltausstellung in Brüssel konnte man sehen, wie der kleine palästinensische Pavillon beachtet wurde. Bei einer Reihe maßgebender belgischer Persönlichkeiten war stets reges Interesse für Palästina vorhanden. P. R. Budapest, November. Mit Beginn der Wintersaison hat die Pester Isr. Gemeinde ihre geplanten U m b i 1 d u n gskurse eröffnet. Zur _ Zeit dominieren noch die Sprachkurse; in 40 Gruppen mit je 20 Teilnehmern wird vor allem Englisch gelernt, aber auch für Französisch und Spanisch zeigt sich Interesse. Versuchsweise hat die Gemeinde in ihren Volksschulen englische Konservaticm ein geführt, in einer Spifelschule Englisch und Hebräisch, Für Hebräisch existieren neben den vielbesuchten Abcnden der Zionisten zwei Lehrkurse; außerdem wurden in den beiden Gymnasien praktische Sprechübungen eingeführt. .— Von Gewerbelehrkursen wurden Kurse für Weißnäherei (mit 30 männlichen und weiblichen Teilnehmern), für Damenschneiderei (20), Modistinnen (S), Haushaltung (20), Kosmetik (30), Konfiserie (26) eingerichtet; auch eine Diätküche, sowie eine Hühnerfarm wurden geschaffen. Knaben wurden in den verschiedenen Lehrgängen der Technologischen Gewerbeschule aufgenommen, wo sie in Metalldrccnslerei, Chemie, elektrische und Radiomontage, Behandlung landwirtschaftlicher Maschinen u.a.m. ausgebildet werden, Mädchen in der Verfertigung von Kunstblumen, Seidenschirmen, Spitzen und Handarbeiten. Im Hospital der Gemeinde wurden 11 Mädchen zu Krankenpflegerinnen ausgebildet. Zur landwirtschaftlichen Ausbildungsteht der seit nahe 100 Jahren bestehende ״läng. Isr. Gewerbe- und Landwirtschaftsverein“ zur Verfügung, der aus eigener Kraft dieses Jahr seinen Rahmen erweitern konnte. In seinem Leliriingsheiin wohnen zur Zeit 72 Internisten, unter ihnen 12 Abiturienten, im Gärtnerheim 60 Internisten, denen sich noch 50 Externisten anschlicßett. Die Pester Isr. Gemeinde hat in ihrem Knabengymnasium unter Leitung Prof. Salomon Widders eine zweite öffentliehe Gern eindebibliot lick eingerichtet. Palästina-Arbeit Die P r o - P a 1 ii s t i n a - V e r e i ui g u n g für Ungarn hat unter dem Vorsitz Dr. Josef Patais ihre erste Ausschußsitzung dieses Arbeitsjahres abgehalten. Der Vorsitzende re- Jüdische Tagungen Warschauer Palästinakonferenz Die Warschauer Pro-Palästinakonferenz des Judentums Polens wurde am 31. Oktober eröffnet. Ansprachen hielten der Vizebürgernieister von Jerusalem, Daniel Auster, und David R e m e z. Für die Agitdas Jisroel sprach J. M. L « w i n. Eine Begrüßung von Dr." W e i z m a n 11 wurde verlesen. In einer Resolution wurde die historische Verbindung des jüdiselten Volkes mit Palästina zum Ausdruck gebracht. KKL-Konferenz In England Am 30. Oktober tagte in London die 15. Jahreskonferenz, des Keren Kajemeth Lejisrael für Großbritannien und Irland. Die Konferenz nahm eine Resolution zur politischen Lage Palästinas am, Angesichts der Tatsache, daß^jn. Kürze ent- Scheidende Maßnahmen Dir Bfslimituing deK künftigen poiitisehen Gestalt Palästinas getroffen werden würden, sei zu fordern, daß die Verpflichtung zur Begründung eines Nationalheims für das jüdische Volk weiterhin u 11 gemindert anerkannt bleibe. Die Konferenz widersetze sich jeder Politik, die künstlich den Bodenerwerb für das jüdische Siedlungswerk in Palästina erschwere. Die Haltung der Jewish Agency und die sie unterstützende Entschließung des Board of Deputies for British Jews wurde begrüßt. Auf der Konferenz sprachen Prof. Samson Wright, Rev, M. A. P e r 1 z w e i g, ferner der Vizebürgermeister von TelAwrw, Dov Hos und Prof. Brodetsky. Der Konferenz ging ein Begrüßungsschreiben von f>r. Weizmann m, das die Notwendigkeit verstärkter Tätigkeit für den KKL betonte. Tagung der Hadassa Die 22, Jahrestagung der Hadassa ־wurde in St. Louis am 1. November eröffnet. Die Konferenz nahm ein Budget von 244500 Dollar für die medizinische Arbeit der Hadassa und 51 000 Dollar für Kinderfürsorge an. Präsident Roosevelt sandte ein BegrüSlungstelegramm. Nach dem Berieht von Mrs. Lamport wurden int letzten Jahre durch die Hadassa 1 250 000 Dollar nach Palästina überwiesen. Anläßlich der Jahrestagung der Hadassa hielt die frühere Präsidentin der Hadassa und Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Mrs. Edward Jacobs, eine Rundfunkrede aus London, in der sic für Gerechtigkeit für das jüdische Volk in Palästina appellierte. Vom amerikanisch-Jndiscben Kongreß In New York wurde am 30. Oktober die Konferenz des amerikanisch-jüdischen Kongresses eröffnet. Die Eröffnungsansprachen hielten Stephen Wise und Louis Lipsky. Weiter sprachen Dr.Cioldmann und Baruch Zuckermann. Die Palästina frage wurde in einer besonderen Kotnmission behandelt, vor der Senator Robert Wagner sprach. Es wurde eine Resolution an die britische Regierung mit der Forderung der Aufrechterhaltung des Mandates und der Balfour-Deklaration gerichtet. Zum Präsidenten des amerikanisch-jüdischen Kongresses wurde Dr. Stephen S. Wise wiedergewählt. ferierte über die aktuelle Lage in Palästina. Nach Kenntnisnähme der von A. M a r er unterbreiteten Berichte der nationalen Fonds nahm der Ausschuß 440 neue Mitglieder auf, von denen er 18 in das KKL-Komitee entsandte. — Auch in der jüngsten Wjzo־Sitzu!1g konnte Frau Dr. Nissan K a - han von Erfolgen in der Propaganda berichten. Diese werden es ermöglichen, daß in den paläst. Instituten 150 neue Lehrstellen geschaffen werden. Aas dem geistigen Leben Während der Feiertage wurden es 60 Jahre, seitdem der Oberrabbiner von Szeged, Oberhait-smitgiied Dr. Immanuel Löw, das Rabbinerarnt von seinem Vater, Leopold Löw, übernommen hat. Da sich der Jubilar jede öffentliche Feier verbeten Hatte, erinnerte nur der Vorsitzende der Chewra kadischa an die Verdienste, die sich ltnm. Löw״ erworben hat. In Nagyvärad (Großwarein) verschied, nur 50 Jahre alt, der als Lyriker, Chansons- und Lustspieldichtcr bekannte Schriftsteller Tarn äs Emotl. In Großwardein als Ernst Fleischer geboren, schloß er sich jung den literarischen Kreisen um Ady an, feierte seine größten Erfolge aber später bi der Hauptstadt. Im Nemzeti S7alon waren jüngst die zum engeren Wettbewerb für das Madäch- Denkmal (den Dichter des Dramas; ״Die Tragödie des Menschen“) eingesandten _ Pläne und Modelle von 10 Bildhauern zu sehen, darunter auch je drei der gebürtigen Juden: Ed Teltsch und Nikolano Ligeti. ln denselben Räumen befindet sich zur Zeit die Kunstaussteliung der ״Neuen Gesellschaft bildender Kunstler“, in deren Reihen ebenfalls eine Anzahl von jüdischen Künstlern tätig ist. Die Vertreter der älteren Generation, W. Perl rott-Cs a ba, M. Vedres, O. Vörös, O. F. Beck haben ihre Studien und ersten Erfolge meist in Paris erlebt, auch von den Jüngeren sind Robert B e r e n y, B. Käd ä r, Armand Schönberger, Bokro s-Bicrmann, D. Jänky, Margit Gräber, Lili B r 6 d y - P o 11 a t s c h e k u. a. nicht unbekannt. Dr. A. F. Visumzwang in Schweden Von unserem Berichterstatter. Stockholm, 30. Oktober Laut Regierungsbeschluß wird ab 1. November der Visumzwang für Inhaber österreichischer Pässe aufgehoben. Inhaber dieser Pässe, die sich drei Monate oder länger im Lande aufhaften, sind verpflichtet, heim Sozialamt um Aufenthaltsgenchmigufig nachzusudien. Weiter wurde beschlossen, ab 5. November den Visumzwang für tschechoslowakische Staatsangehörige einzuführen. Tschechoslowakische Staatsbürger, die sich bereits im Lande befinden, sind verfiiehtet, am genannten Tage beim Sozialamt das Aufentaitsvisum zu beantragen. Laut Beschluß vom Q. September 1938 besteht überdies bereits die Vorschrift, daß Ausländer ohne Einreise- oder Aufcnthaltsvisum oder Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis an der Grenze abgewiesen werden, wenn die Annahme besteht, daß sie iitre Heimat verlassen haben, um nicht zurückzukehrer. H.R. Syrien und Palästina Bei der Behandlung des syrischen Mandats durch die Permanente Mandatskommission des Völkerbundes erklärte der französische Vertreter Robert de Caix, daß Frankreich nicht dulden werde, daß der ehemalige Mufti von Jerusalem das ihm gewährte Asylrecht durch Einmischung in die Palästina-Verhältnisse breche. Der französische Vertreter erklärte weiter, daß zwischen den französischen und britischen Behörden eine vollständige Zusammenarbeit zur Verhinderung des Waffenschmuggels und des Uebertritts von Terroristen nach Palästina herrscht. Die Grenzwachen seien zu diesem Zweck verstärkt worden. Die britischen Behörden hätten die korrekte Haltung der französisehen Verwaltung voll anerkannt. Dr. Hantke in Zürich. Um ihrer Freude über die An- Wesenheit von Dr. Arthur Hantke, Direktor des Keren Hajeßod, Ausdruck zu geben, veranstalteten die Zionisten Zürichs am 30. Oktober einen Empfangsabend, der gut besticht war. Nach Eröffnung durch den Vorsitzenden Dr. Erich Marx begrüßten Vertreter des Keren Hajeßod, des Centralkomitees des Schweizerischen Zionistenverbandes und der Landesorganisation des Misrachi den verehrten Gast, der dann selbst das Wort ergriff, um über die gegenwärtige Situation Palästinas und ihre Wirkung auf die Juden der Welt zu sprechen. Dem. Vortragsabend ging eine Sitzung der Keren-Haießod-Kominission für die Schweiz voraus, der bald die große Keren-Hajefktd-Aktion folgen wird, die zu Gunsten der Sammlungen für die Emigrantenhilfe zunächst zurückgestellt worden war. Verantwortlicher Redakteur (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern): Zur Zeit unbesetzt, I. V.: Kurt Loew enstein, Berlin W 15. Anzeigenleiler und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Erich Liepmann, Berlin W 15. Gültig Anzeigen-Preisliste 5 vom 1. April 1938. Verlag und Anzeigenverwaltung: Jüdische Rundschau. Berlin VV 15, Meinekestr. 10. D.A. III/1938: 25313■ — Druck: Max Lichtwitz (vormals Dmckereibetriebe Max Lichtwitx und Siegfried Schalem), ÜISMII DER GEDECKTE TISCH» 01c dtn- Im 1. r *

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