Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 88 (4.11.1938)
- Date
- 1938-11-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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f Jahrgang 43 Prei* 25 Rpf. JÜDISCHE RUNDSCHAU B*4aktt0f1, VwU| nnd Anielgenverwaltanj« B#»Un W15, IW.lniU •■t». 10 Farnrat■ 919031, Talaxramm-Adrcua! Orghlp. - 10 Fällen höhere■ Cew.lt besteh« kehl Anspruch auf NeAliefenmr oder Erstattung■ etwa ichon gesahHer Barugrgebühren. Betugtpreia «inichUeBUch Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Viertel• Jahr RM 5.75; bei Abholung RM 1,88 bnr, RM 5,39 («'nsdilieSlidi Postieitungs• gebühr ron 10,96 Rpf je Monat). — Postschedc » Konten der Vertriebs •Abteilung für GroB-Berlin: Berlin 71573, für das Übrige Reich: Berlin 17SW BERLIN י* ח^זון תרצ״ט FREITAG, 4. NOVEMBER 1938 Kndhelnt jeden Dienstag and Freitag. Gültig ist die Anxelgenprelallste Nr. 5 vom 1• April 1936. Die swölfgespaltene mm. Zeile 20 Rpf, für Familien. Nachrichten 15 Rpf. Keine Gewähr für Aufnahme von Anzeigen ln bestimmten auf Postscheck Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9 — 18 Uhr. Annahmeachluß für die Dienstag - Auagnbe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe! Mittwoch 15 Uhr. Familien ■ Anzeigen am Tag vor Erscheinen 16 Uhr Dar Zionismus erstrebt fOr das JQdlsctie Volk dl• Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) W anderungs- Was tut das Londoner Büro? Am 6. Juli d. J. traten die Vertreter von 32 europlischen und überseeischen Staaten auf Qrund einer Initiative des Präsidenten Roosevelt zur Konferenzvon Evian zusammen, um das Problem der jüdisehen Emigration aus Deutschland zu erörtern. Am 3. August verhandelte der auf dieser Konferenz eingesetzte engere Ausschuß in London und ernannte den Amerikaner Georges Rublee zum Direktor des ständlgen intergouvernernentalen Büros, das zur Durchführung der Beschlüsse der Evianer Konferenz in London gebildet wurde. Am 15 .August traf Rublee in London ein und nahm seine Dienstgeschäfte auf. Seitdem sind viele Monate ins Land gegangen, hier und da hörte man von Sitzungen und Reisen, die von den Mitgliedern des Londoner Büros zur Behandlung der Frage gemacht wurden. — Ergebnisse dieser Bemühungen sind aber nicht bekannt geworden. Im Gegenteil: Die jüdische Wanderungssituation hat sich in den seitdem verstrichenen Monaten erheblich verschlechtert. Eine Reihe von Ländern verschloß ihre Tore, andere führten erhebliehe Erschwerungen für die Aufnahme von Einwanderern ein, und es scheint manchem Beobachter, als ob die Tatsache de! öffentlichen Erörterung des Problems in seinem ganzen Umfange zwar mancherlei Sympathie- Erklärungen hervorgerufen hat, aber zugleich an vielen. Orten den Wunsch stärkte, möglichst wenige oder gar keine Einwanderer aufzunehmen. Nun muß man gewiß dem Kreis der an der Durchführung der Evianer Beschlüsse besonders Interessierten zugute halten, daß der Beginn seiner Tätigkeit in eine ungünstige Zeit fiel. Die Welt wurde von schweren Krisen erschüttert, das Interesse der Staatsmänner und der Regierungen richtete sich auf Probleme von unabsehbarem Ausmaß, hinter denen eine Frage wie die der jüdischen Emigration selbstverständlich zurücktreten mußte. Dennoch finden wir, daß zwischen der Ent- Wicklung unserer Sorgen und der Bemühung um ihre Be- •eitigung oder Erleichterung eine unverständliche und unerträgliche Diskrepanz besteht. Der Wanderungsdruck, der auf dem jüdischen Volke lastet, wächst unaufhör- Hell. Neue Gruppen werden in diesen Prozeß mit einbezogen, und zugleich wird bei denen, die schon seit längerem zur Wanderung gerüstet sind, der Wunsch immer stärker, den Weg in eine neue Heimat an zu- Amerikanische Politiker für freie Palästina-Einwanderung New York, 31. Oktober. (Palcar.) Anläßlich des21. Jahrestages der Balfour-Deklaration wurde heute Präsident Roosevelt ein Memorandum überreicht, das von 51 Senatoren, 194 Kongreßmitgliedern und 30 Staats gouverncuren unterzeichnet ist Unter den Unterzeichnern befinden sich Vertreter aller amerikanischen Parteigruppierungen. Das Memorandum billigt die Vorstellungen, die die USA.-Regierung bei Großbritannien erhoben hat, um die Tore für eine breite jüdische Immigration nach Palästina zu öffnen. Es fordert den Präsidenten auf, alles zu tun, was in seiner Macht steht, um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen. Das Memoratidum erinnert an die Beschlüsse beider Häuser des amerikanischen Kongresses vom Jahre 1922, die die Balfour-Dekla- T&tion bestätigten und die amerikanische Sympathie für die Wiedererrichtung des jüdischen Nationalheims in Palästina aus drückten. treten. Es tut darum not, heute, wo sich die Konturen einer friedlichen Entwicklung am politischen Horizont stärker abzeichnen als in den letzten Monaten, auf diese Frage erneut mit größtem Nachdruck hinzuweisen. Dabei muß man einem Argument begegnen, das nur allzu leicht auf tauchen könnte: Neben den Jaden Deutschlands seien andere jüdische Gruppen erschienen, denen zu helfen not tue. Diese Aufgabe soll gewiß nicht verkleinert werden, aber wir dürfen nicht verkennen, daß die zentrale Frage des gesamten mitteleuropäischen Judentums auch heute die ist, wie man der Judenheit Deutschlands zu neuem Lebensraum und Arbeitsmöglichkeiten in den Ländern der Welt verhelfen kann. Es gilt erst einmal diese Frage zu lösen und die Kräfte, die überhaupt vorhanden sind, nicht ununnötig zu zersplittern. Es gilt überhaupt einmal anzu fangen, etwas Ernsthaftes zu tun und den Ver- Sorgen handhingen Taten folgen zu lassen. Denn diese haben wir bisher nur allzu schmerzlich vermißt! Gewiß gibt es auch manches, was zu Hoffnungen ermuntern kann. Die Vereinigten Staaten sind heute ein wichtiges Feld jüdischer Einwanderung aus Deutschland, aber wir wissen auch, daß die vorhandene Quote auf lange Zeit hinaus belegt ist, so daß neue Einwanderungskandidaten überhaupt nicht mehr registriert werden. Es mag schwer sein, diesen Zustand, der auf den gesetzlichen Bestimmungen der USA. beruht, zu ändern. Dennoch sollte erneut — worauf an dieser Stelle bereits früher hingewiesen wurde — die Frage erörtert werden, ob es nicht möglich ist, wenigstens die Wartezeit der nach USA. strebenden Mensehen ab zu kürzen, soweit die Voraussetzungen ihrer Einwanderung überhaupt gegeben sind. Das wäre dadurch möglich, daß die Quoten mehrerer Jahre in verhältnismäßig kurzer Zeit ab ge wickelt werden. Was dies für alle jene Tausende bedeuten könnte, die auf die Auswanderung und den Beginn neuer schaffender Arbeit jenseits des Ozeans warten, wird derjenige erkennen, der das Leben dieser Menschen kennt und ihren Wunsch empfindet, wieder sicheren Boden unter den Füßen zu haben. Auch von englischer Seite ist durch Lord Winterton, den Vorsitzenden des Londoner Büros, Mitteilung über ein Ansiedlungs- Projekt gemacht worden, das gewiß verhältnismäßig geringen Umfanges ist, aber dennoch seine Bedeutung haben könnte, nämlich in Kenya. Wir haben seit langern nichts mehr darüber gehört. Die Dinge müssen sicherlich gründlich fundiert werden, dennoch leben wir in einer Situation, in der eine allzu langsame Vorbereitung ihre Gefahren hat, weil man nur solche Mensehen als Siedlermaterial verwenden kann, die über starke seelische Reserven verfügen, die durch allzu langes Kolonisation in Uruguay Von unserem Berichterstatter. P. L. Montevideo, im Oktober 1938 Während das benachbarte Argentinien schon seit einer Reihe von Jahren jüdische Siedlungen besitzt, die erst kürzlieh wieder von Vertretern der Regierung besucht wurden, ist es in Uruguay noch nicht gelungen, eine jüdische Groß- Siedlung zu schaffen. Begrüßenswerterweise nimmt der ״Banca Israelita del Uruguay“ ein schon seit vielen Jahren vorliegendes Projekt einer jüdischen Kolonisation wieder auf. Das genannte Bankinstitut, das außer einem Kapital von einer Million Pesos bereits über stattliche Reserven verfügt, hat im jüdischen und darüber hinaus im allgemeinen Wirtschaftsleben bereits eine solche Bedeutung erlangt, daß zu hoffen ist, daß auch die beabsichtigte Kolonisation zu einem positiven Ergebnis führen wird. Die Judenheit Uruguays ist aufgefordert worden, durch Zeichnung von Anteilen von 5 bis 500 Pesos zum Aufbau beizutragen; es sind ziuiächst etwa 200000 Pesos m Aussicht genommen, von denen die genannte Bank die Hälfte bereits gewährleistet hat. Diese Summe scheint als Mindestbetrag erforderlich, um das Projekt gleich von vornherein auf eine Basis zu stellen, die den weiteren Aufbau sicherstellt. Wenn in einem hierauf bezüglichen Aufruf gesagt wird, <jaß die Schaffung einer solchen landwirtschaftlichen Siedlung in Uruguay zur Lösung des Berufs Problems wesentlich beitragen wird, daß durch die Gründung lebensfähiger Kolonien auf dem so reichlich vorhandenen Boden eine große Anzahl von Menschen, die heute noch im Handel tätig sind, in den landwirtschaftlichen Beruf überführt werden können, so wissen gerade wir aus unserer Erfahrung in Palästina, welche fundamentale Bedeutung die Lösung dieses Problems hat. Wenn die Juden in Uruguay praktisch beweisen können, daß sie Land zu bebauen, Viehzucht zu treiben verstehen, werden sich in Südamerika, das Koloriisatoren und Landwirten stets offene Türen bietet, und nicht zuletzt «1 Uruguay selber neue Einwandcrungsmögliclikeiten für Juden ergeben. Denn die eigentliche Ursache fiir die Erschwerung oder gar Sperre der Einwanderung ist ja die Tatsache, daß die Einwanderer sich überwiegend in Monte- Video oder Ln größeren Städten festsetzen und als Handeltreibende oder Handwerker — beide ßenifsgruppen sind stark übersetzt — zur Vergrößerung der Arbeitslosigkeit beitragen, so daß die Regierung keinen anderen Ausweg als den einer bereits früher angekündigten Restriktion der Ein- Wanderung findet. Hoffen wir, daß es gelingt, ■das Kolonisationsproi ckt in die Wirklichkeit umzuset/.en und damit neue Möglichkeiten für Einwanderer, wenn auch vielleicht erst in weiterer Zukunft, zu schaffen. In Buenos Aires fand ein Palästinakongreß der Jurten Argentiniens statt, um die gegenwärtige Situation in Palästina zu besprechen. Der britischen Botschaft wurde ein Memorandum mit der Forderung nach Aufrechterhaltung der Balfoour-Dcklaration überreicht. Warten auf die Auswanderungsmöglichkeit geschwächt werden. In England ist gerade jetzt eine seilen günstige Konstellation für die Behandlung dieser Frage gegeben. Der gleiche Mann, Malcolm Mac• Donald, verwaltet sowohl das Kolonialamt als auch das Ministerium für die Dominions, und er besitzt daher einen umfassenden Ueberblick über alle Möglichkeiten, die das britische Weltreich zur Erleichterung dieser Frage bieten kann, ln seiner Hand liegt sowohl die Behandlung der Probleme, Palästina wie auch die Möglichkeit der jüdischen Inmiigration in jene großen überseeischen Gebiete einen Zugang zu eröffnen, die heute mehr oder weniger menschenleer sind und für die ein williges, arbeitsames und kulturell hochstehendes Bevöikcrungsclcment zu schaffen, gewiß eine wichtige Aufgabe der Londoner Zcntralregierung wäre. Die Beschlüsse, die in Evian gefaßt worden sind, sehen zweierlei vor: Einmal sollte in Zusammenarbeit mit aller! beteiligten Faktoren die geordnete Aus- Wanderung erleichtert und ferner sollten Möglichkeiten für eine geordnete Einwanderung und Eingliederung gefunden werden. In der Tat kommt es in erster Linie darauf an, die Auswanderung geordnet abzuwickeln, die Qualifikation der Menschen im Interesse ihrer weiteren Zukunft in den einzelnen Län« dern bei ihrer Auswahl zu betrachten und die Einwanderung nicht zur heimlichen Infiltration werden zu lassen. Heute besteht vielfach die Notwendigkeit, daß unsere Menschen dort unierschlüpfen, wo sich noch eine Lücke bietet. Der Einzelne mag dadurch ein Unterkommen finden, der jüdischen Gesamtheit aber ist damit wenig gedient. Aus diesem Grunde muß erneut die Frage gestellt werden, welche konkreten Pläne und Maßnahmen zur Behandlung des jüdischen Emigrationsproblems bei den Mitarbeitern des Londoner Büros vorhanden sind bzw. erwogen werden. Wir hoffen auch jetzt noch — und mit uns viele Zehntausende, ja Hun« derttausende —, daß es den im Londoner Büro vereinigten Kräften gelingen wird, neue Wege zur Erleichterung der jüdischen Wanderungsnot zu beschreiten. K. L. Unterhaus-ErklärungMacDonalds ln der Unterhaussitzung vom 1. November gab Kolonialminister Malcolm Ma e Donald auf eine /Wahl von Anfragen über die Situation in Palästina eine Erklärung ab, in der er darauf hin wies, daß die britischen Streitkräfte in 11 Haubit/en- Batterie und eine'panzenvageii-Afiteilmig erhöht worden sind. Die Verstärkung der Poli/eikriiftc werde fortgesetzt. Das Oberkommando hat alle Vollmachten, die zur Wiederhersteilung der Ordnung notwendig sind. Was die Höhe der Verluste betrifft, so teilte der'Minister mit, daß vom 1. August bis zum 31. Oktober 231 Araber, TU Juden und 29 Engländer getötet, sowie 75 Engländer, 232 Juden und 179 Araber verwundet wurden. Die genaue Höhe der Verluste der arabischen Terroristen sei nicht feststellbar, wahrschein!ich betragen ihre Verluste über 100־ Tote und betrachtlieh mehr Verwundete. Malcolm MacDouald schilderte weiter die D u r c!1 f ü 11 r u n g der S ä u b e r u 11 g s a k t i o n in der Altstadt Jerusalem, die eine heilsame Wirkung gehabt habe. Er erklärte, daß die Regierung zur Zeit den Bericht der W oo •d h e a d - K o m m i s s i ו! ס p r rt f e. Der Bericht werde bald nach Eröffnung der neuen Parlaments-Session veröffentlicht werden, und die Regierung werde eine Erklärung über ihre Absichten abgeben. Zur Frage der Einwanderungsqxiote für Juden sagte MacDonald, daß er den kürzlich gemachten Mitteilungen über die Einwaiiderungsquote dieses Halbjahres nichts hinzuzufügen habe. Schließlich erklärte er, daß 600!) Juden in der Polizei und Hilfspolizei tätig seien. Moslemische Delegation in London Die Delegation de s P a ח a r a b i s c 11 e n Kong ress es, unter Führung von Aiuba Pascha, traf in London ein. Weiterhin gehören der Delegation an: Paris Bck el Khuri aus Syrien sowie Abclur Rahrnan Siddiqui und Abdul Klialik Zamart, Mitglieder der indischen Kongreßpartei. Die Delegation wurde bei ihrer Ankunft van den Gesundten von Saudi-Arabien und Irak, sowie vom ersten Sekretär der ägyptischen Gesandtschaft und dem Delegierten der palästinensischen Araber f)r. Izzat Taunous begrüßt. tote.*. Ue^etMidt Als Protc Reife י erkehrsi den lein 1 ’ erbe auf den nutzung von sehen Araber Streik erstreck Zitrusfrüchten, ln Jaffa wurde eine umfangreiche militärische Aktien unternommen, die zu einer völligen Durchsuchung der Stadt führte; auch an einigen anderen Orten wurden militärische Aktionen durchgeführt. In Palästina wurde am 31. Oktober unter großer Anteilnähme des Jischmv der Tag des Kojer Itaiischuw begangen. P In St. Louis fand die Jahrestagung der Hadassa statt.