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Jüdische Rundschau · 1938-10-28 · Heft 86 (28.10.1938) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 86 (28.10.1938)
Date
1938-10-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 86, 28. OKTOBER 1938 Das Beispiel der Altstadt Von unserem palästinensischen Korrespondenten g I. T e 1 A w i w, 23. Oktober Vor der ״Eroberung" •Vor zwei Wochen ungefähr sprach man an vielen Stellen davon, daß die Situation in der Altstadt in Jerusalem kritisch würde. Es hatten sich innerhalb der Mauern zahlreiche Mitglieder der Terroristengruppen gesammelt, wieviele, darüber gingen die Berichte stark auseinander. Ls war offensichtlich, daß diese Zusammenballung der Terroristen im historischen Jerusalem einen zentralen Angriff ankiüidigtc. Ohnedies war die Umgebung der Hauptstadt in letzter Zeit mehr und mehr unter den Einfluß der Terroristen gekommen. fn den umliegenden Dörfern waren sie stark spürbar, in Rarnalla, der christlich-arabischen Stadt im Gebirge, hatten sie die Oberhand, der Führer der Aufständischen im Jerusalemer Kreis zog die arabischen Bemittelten der Hauptstadt mehr und mehr zu Zahlungen heran, und niemand wagte, sich den Befehlen zu widersetzen. Die Ermordung von Hassan Sidki Dajani, des arabischen Stadtrats von Jerusalem, warf ein Licht auf die Macht der Terroristen. In der Woche, die dem Mord folgte, wurde die Anwesenheit Bewaffneter in der Altstadt immer deutlicher. Es schien sich hier dasselbe zu vollziehen, was sich bereits in manchen anderen Städten, die freilich rein arabisch waren, abgespielt hat. Die Geschichte von Tulkerem und Hebron, zu einem Teil auch von Jaffa, konnte lehren, daß sich in der Altstadt ein Zustand der Anarchie vorbereitete. Es war von vornherein klar, daß die Regierung dieser Entwicklung in Jerusalem anders gegenübertreten mußte als anderswo. Hier handelte es sich nicht mehr um diese oder jene kleine arabische Stadt. Der Name Tulkerem oder Jaffa bedeutet für die große Welt Europas und des Islam wenig Oder nichts, wahrend das Wort Jerusalem die weitesten Assoziationen und Interessen erweckt. Dieses weltweite Interesse war es auch vermutlich, was die Terroristen zu dein Entschluß brachte, die Altstadt zu besetzen. Hier war ein unübertreffliches Propagandamittel gegeben. Außerdem wußte man, daß die Regierung sich innerhalb der Mauern der Altstadt, wo so ziemlich jeder Stein mit historischen und relipiösen Erinnerungen gesättigt ist, nur mit äußerster Vorsicht bewegen konnte, daß ihre militärischen Pläne durch die verschiedensten Rücksichten behindert sein würden. Alles drängte dazu, möglichst viel auf die Karte von Jerusalem zu setzen. Vorbereitungen des Militärs Man wird es als eine der zahlreichen Unterlassungssünden der Regierung zu buchen haben, daß sie angesichts dieser Lage die Zusammenziehung der Terroristen in der Hauptstadt zuiteß. Nachdem es jedoch erst einmal so weit gekommen war, demonstrierte das Militär und mit ihm seine politischen Berater, daß sie fähig seien, auch eine so komplizierte politisch-militärische Aufgabe auf gute Weise zu lösen. Der Transport umfangreichen Nachschubs nach Jerusalem, die Einkreisung der Mauer durch die Truppen, alles ging rasch und ohpe Schwierigkeiten vor sich. Wie genau die einzelnen Beitritte beacht wäjen, zeigt ein solches Detail wie die Ausrüstung der einzieiienden Truppen mit gumnubesohlten Schuhen, die das Gehen auf den feuchte« groben Püastersteinen der Basare erleichtern. Aber die Vorbereitungen bezogen sieb nicht nur auf technische Details der Ausrüstung. Man gab den Truppen genaueste Instruktionen mit, wie sie sich beim Einmarsch zu benehmen hätten. Man machte sie darauf aufmerksam, daß der größte Teil der Bewohner der Altstadt mit den Terroristen nichts zu tun hätte, man verbot ihnen das Schießen aut den Tempelplatz in jedem Falle und das Schießen auf die Minaretts der Moscheen, außer im Falle der Provokation. Das Militär wollte zweierlei vermeiden: eine Beleidigung der religiösen Gefühle, die auf der ganzen Welt mit der Alt- Stadt verknüpft sind, und einen langdauernden Straßenkampf, der in den engen, verwinkelten Gäßchen und Höfen zu grauenhaften Ergebnissen hätte führen müssen. Beides ist in vollem Umfange gelungen. Geringer Widerstand Will man der Frage tiachgehen, warum sich die ״Eroberung“ der Stadt so relativ glatt vollzog, so findet man als Begründung nicht nur die ausgezeichnete Vorbereitung des Militärs und die wohlüberlegte und disziplinierte Durchführung der Operationen, sondern auch den geringen Widerstand, der von den Arabern geleistet wurde. Nachdem die Altstadt Tage hindurch unter ihrem Terror gestanden hatte, nachdem sich niemand von den Notablen hätte weigern dürfen, den Befehlen der arabischen Führung nachzukommen, weil er sein Leben dadurch gefährdete, zerschmolz die in den Mauern gesammelte Macht unter der Drohung militärischer Okkupation. Es kam überhaupt nicht zu dem gefürchteten Straßenkampf, sondern hier und da gab es Widerstand aus einzelnen Häusern und Schüsse aus dem Hinterhalt. Man könnte angesichts dieser Tatsachen leicht zu der Ansicht gelangen, daß die Zahl der in der Altstadt konzentrierten Aufständischen viel geringer war, als man angenommen hat, daß der Schrecken der Terroristen viel weiter reicht als ihre tatsächliche bewaffnete Macht. Eine zweite Erklärung ist die, daß die in der Altstadt sielt befindenden Terroristen angesichts der Uebermacht es vorzogen, sich zurückzuziehen, das Jerusalemer Experiment m liquidicren. Ein Teil der Verdächtigen wurde freilich getötet, aber die Zahl ist nicht groß; ein anderer wurde verhaftet; der Rest flüchtete. Er flüchtete an den Ort, der stärkste Sicherheit und zugleich die größten politischen Koinplikatioiicn versprach: in die Otnarraoschee. Der Brief der Scheichs Am Donnerstag erhielt der Distriktkommissar von Jerusalem ein Schreiben von zwei Mitgliedern des Obersten Moslemischen Rates, von denen einer der Direktor des Wakf, der andere ein Prediger in der Omarinoseliee ist. Beide verurteilen jedes Schießen aus dem Bezirk der Moschee und erbieten sich, besondere Hilfspolizisten zu ernennen, die die Eingänge zu den Minaretts bewachen sollen, damit kein Unbefugter in sie eindringe. Der Brief enthält außerdem eine Zustimmung zu der militärischen Okkupierung von Häusern, die an den Tempelplatz grenzen, wenn es im Interesse der öffentlkhen Sicherheit geschieht. Eine Illustration zu dem Brief erhielt das Land am folgenden Tage, als von einem der Minaretts auf die Truppen geschossen wurde, wie in dem offiziellen Communiaue mitgeteilt wird, anscheinend aus einer ״automatischen Waffe“. Die Flüchtlinge begnügen sich nicht damit, in der dem gesamten Islam heiligen!stelle Zuflucht zu suchen, wohl wissend, daß die Regierung hier Durchsuchungen vermeiden wird, sondern sie benutzen auch die hochgelegenen Minaretts als Auslug und Schießstand. Auf der anderen Seite beweist der zitierte Brief, daß mit dem Die Produktion der jüdischen Landwirtschaft Die jüdische landwirtschaftliche Produktion hat in den letzten Jahren in raschem Tempo starke Steigerungen erfahren, die bisher auch von der Depression kaum aufgehalten wurden. Das beruht vor allem auf der von Jahr zu Jahr erfolgenden Vergrößerung der Zitrusernte auf Grund der An- Pflanzungen früherer Jahre. Im übrigen ist der Zitrusabsatz von den wirtschaftlichen Verhältnissen im Lande kaum irgendwie abhängig, da der qualifizierte Teil der Ernte exportiert und nur die nicht exportfähige Frucht im Inland verwertet wird. Was die Produktion der gemischten jüdischen Land- Wirtschaft an betrifft (Milch, Eier, Gemüse, Früchte, Getreide und einige andere Produkte), so decken diese bisher nur einen kleinen Teil des Bedarfes, der von den konjunkturellen Bedarfsschwankungen nicht berührt wird. Auch ist der Nahrungsmittelkonsmn in seinem absoluten Umfang bis zum letzten Jahr durch die Depression nicht sichtbar betroffen worden. Tn diesem Jahr ergeben sich aus den Importziffern zum erstenmal Anzeichen v-on Verbrauchsbeschränkungen, von denen aber nicht ganz klar ist, inwieweit sie sich auf den jüdischen oder nichtjüdischen Bevölkerungsteil beziehen. Wahrscheinlich legt sich jedoch der jüdische Konsum gewisse Einschränkungen auf. In preislicher Beziehung hat die jüdische Landwirtschaft allerdings die depressive Wirtschaftslage in stärkerem Maße zu spüren bekommen, und zwar vor allem insofern, als die II MEYER <& ENGEL Herren-MoS - Schneiderei BERLIK, BEHRENSTR4SSE i4 II Fähigkeit und Bereitschaft des Publikums, für standardisierte und hochwertige Produkte der jüdischen Landwirtschaft lieberpreise über arabische und aus den Nachbarländern importierte Produkte zu zahlen, beeinträchtigt worden ist. Auf diesen Ueberpreisen beruhte vor allem der Absatz jüdiseher Milch und Milchprodukte, Eier, Früchte und Gemüse. Im Zusammenhang damit erklärt sich auch die Tatsache, daß die Produktion dieser Erzeugnisse der gemischten jüdischen Landwirtschaft in diesem Jahre zum erstenmal Anzeichen der Stagnation und z. T. sogar gewisse Produktionsrückgänge aufweist, die agrar- und ernährungswirtschaftlich nicht unbedenklich sind. Im Gegensatz zu vielfach verbreiteten Auffassungen hat die starke Entwicklung der gemischten Landwirtschaft dazu geführt, daß ihre Produktion wertmäßig die Zitrusproduktion annähernd oder ganz erreicht hat, so daß die jüdische Land- Wirtschaft nicht mehr als Monokultur angespro chen wfrden kann. Insbesondere hat sich in den letzten Jahren die Milchwirtschaft stark'entwickelt, sie bildet heute die wichtigste Grundlage der gemischten Wirtschaften. Um einen zusainrnenfassendetr Ucberblick über das Gesamtvolumen der jüdischen Agrarproduktion und ihre Verteilung auf die einzelnen Produktionsgebiete zu gewinnen, sind die nachstehenden Produktions Ziffern für das Jahr 1937 von besonderem Interesse, die auf Zusammenstellungen auf Qfflffd*'־der"verschiedenen Materialquellen seitens des Bulletins des Economic Research Institutes des Jewish Agency beruhen: £ Weizen 107 900 Anderes Getreide, Hölsenfrüchte, Futtermittel 238 300 Gemüse, Kartoffeln 126 200 Weintrauben lrntf andere Früchte 128 800 Milch, Milchprodukte 538 200 Eier 156 300 Viehbestandsrunahme 61 500 Fleisch, Fische 80 200 Verschiedenes _86900 Gemischtwirtschaftliche Produktion 1 524 300 Zitrusproduktion (F. O. B.-VPert) 2 267 400 Insgesamt 3 791700 Nach diesen Produktionswertziffern übersteigt die Zitrus- Produktion die gemischtwirtschaftliche Produktion noch um etwa die Hälfte. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dal! für die Zitrusproduktion der F. O. ß.-Wert eingesetzt ist, in dem die Verpackungs-, Transportspesen zum Hafen und Verladespesen enthalten sind, die eigentlich nicht mehr zum landwirtschaftlichen Produkt Ions wert gehören. Wenn inan diese in Abzug bringt, dürfte der Wert der gemischtwirtschaftlichen Produktion die Zitrusproduktion wahrscheinlich sogar übersteigen. Allerdings sind in dem gemischtwirtschaftlichen Produktionsvvert gewisse Doppelrechnungen enthalten (z. B. die Futterproduktion, die in der tierischen Produktion noch einmal erscheint.) Die Produktion der jüdischen Landwirtschaft Moment, wo die Engländer die Stadt besetzten, sich arabisehe Kreise fanden, die sich der Benutzung der Moschee als Kampfmittel wi'd ersetzten und diesem Widerstand offen Ausdruck gaben, ln einer Zeit, wo die Terroristen keine Meinung außer ihrer eigenen dulden und jedem Andersdenkenden mit der Pistole gegenübertreten, ist eine derartige AeuBerung der besonderen Erwähnung wert. Exempel für das Land Die Durchsuchungen in der Altstadt in Jerusalem dauern fort. Man ist bisher noch nicht sicher, ob nicht von Zeit zu Zeit neue Ueberfälle aus dem Hinterhalt kommen, und ebenso ist noch nicht zu sagen, ob die in die Moschee Geflüchteten nach und nach sich Ausgang verschaffen oder za einem dauernden Gefahrenherd sich entwickeln werden. Aber das sind nur Einzelheiten, die Hauptsache ist erreicht: die Herrschaft der Terroristen über die Altstadt ist nicht zustande gekommen• Man fragt sich jetzt allgemein, ob das Beispiel von Jerusalem ausschlaggebend fiir das ganze Land sein würde. Die großen Truppen!ager, die man entstehen sieht, lassen darauf schließen, daß es der Regierung mit der Wiederherstellung der Sicherheit dieses Mal ernst ist, und die Bestellung von Alilitärgouvemeuren für das ganze Land scheint wie ein Vorspiel zu dem eigentlichen Kampfe. Ein Richter in Palästina ließ schon in der vorigen Woche seinem Optimismus freien Lauf. Dabei, einen Verhandlungstermin für nächste Woche zu vereinbaren (nachdem Kläger und Beklagter wegen der Unsicherheit der Wege beide nicht erschienen waren), erklärte er in voller Oeffentliehkeit: ״Seit heute früh acht Uhr herrscht vollste Sicherheit in Palästina.“ Das im Saale versammelte Publikum und mit ihm die gesamte jüdische Bevölkerung möchte dieser apodiktischen Behauptung gerne Glauben schenken, wird jedoch auch heute noch durch häufiges Schießen aus der ״vollen Sicherheit“ aufgestört. hat im letzten Jahre ini ganzen den recht beträchtlichen ProduktionMvert von £P 3,8 Millionen erreicht, wenn man die erwähnten nichtlandwirtschaftlichen Versaiidspesen in Abzug bringt, einen Wert von schätzungsweise annähernd CP 3 Mil- Honen, von denen rund die Hälfte auf den Eigenkonsuin der Landwirtschaft und den inneren Markt, die andere Hälfte (Zitrus) auf den Export entfällt. Trotzdem deckt die jüdische Produktion bisher erst einen recht geringfügigen Teil des Bedarfes. Dieser Anteil stellt sich bei den' verschiedenen Produkten nach einer Aufstellung des Bulletins des Economic Research Institutes wie folgt: Getreide 16 n;0 Kartoffeln S «0 Gemüse 53 0/״ Obst 5"״ Weintrauben 66 <T1 Bananen 40 Mandeln, Nüsse 60 Rindfleisch, Geflügel 9 (i0 Fische 5 1׳o Milde, Milchprodukte 34 0׳״ Eier 37 ״., Lediglich bei Gemüse, Früchten. Milch und Milchprodukten und Eiern, bei denen es sich uni die I lauptproduktionszweige der gemischten jüdischen Landwirtschaft handelt, deckt die jüdische Landwirtschaft erhebliche ’feile des Bedarfes. Der E n t w i c k 1 11 11 g s s p i c 1 r a 11!11, über den die jüdische Landwirtschaft absatzmüßig noch verfugt, ist also ein sehr nährungsbilanz des ganzen Landes eine weseir.lich gi'mstigere ist, da ja die a r;1 h i s c h e I* r o d 11 k tion hiii/ukoin.nit, Der Schwerpunkt^ der arabischen * Pr< 'duktion '1' egt"’vor' allein bau.'' Auch liefert die nrublwlie Landwirt wnal't beträchtliche ten. Trotzdem'verbleibt aber immer 'noch ein sehr erheblicher Einfuhrbedarf vor allem an Getreide, Schlachtvieh und Fischen, Milchprodukten, Eiern, Früchten, Gemüsen, Oelfriichteil und solchen I'uxluktai, die in Palästina überhaupt nicht produziert werden (Zucker, Reis, Kaffee, Tee. Kakao). Der Importbedarf an Nahrungsmitteln, Oclinichten, Getränken und Tabak, der sich im letzten Jahre auf rd. £P 4(2 Millionen belief, wurde durch den Export von Zitrusfrüchten und anderen landwirtschaftlichen Produkten ziemlich genau ausgeglichen. Von den erhöhten Zitrusenitesclntzimgen für die bevorstellende Sai.on 193S 39, die auf der Zunahme der fruchttragenden Fläche beruht, abgesehen, weist die Produktion der gemischten jüdischen Landwirtschaft aber in letzter Zeit, wie bereits erwähnt, z. T. eine Stagnation und sogar Riickbildüng auf. Dieser Stillstand der Entwicklung ist iin vvesentliehen als eine Folge der Prcisvcrliältnisse anzusehen, die sich besonders aut dem Gemüse- und Milchproduktenmarkt ergeben haben. Nach dem Ausbruch der Unruhen und der starken Einschränkung der Versorgung des jüdischen j^aiktls durch arabische Lieferungen wurde der jüdische Getjuiseanbatf im Herbst 1936 stark ausgedehnt, was im Jahre *W37 z. T. zu empfindliehen Rückgängen der vorher stark atigcstiegenen Preise führte. Diese Enttäuschung der jüdischen Gemüsepflan/.er hat dazu Veranlassung gegeben, die Gemüse- Produktion wieder einzuscliränken mit dem Ergebnis, daß jetzt der Markt knapp versorgt und die Preise stark gestiegen sind, zumal auch die Verschärfung der politischen Gegensätze iin Lande wiederum dazu geführt hat, daß die arabischen Lieferungen auf dem jüdischen Markt sehr stark zurücktreten. Auf dem Milch- und Milchproduktc’iunarkt ist es die geschwächte Kaufkraft der städtischen Bevölkerung, die auf die, allerdings ziemlich hohen, jüdischen Preise einem Druck ausübt, der die jüdischen Milchwirtschaften dazu veranlaßt hat, von weiteren Produktionssteigerunge 11 Abstand zu nehmen. Die in Konkurrenz zu importierter Hutter erzielbaren Markt- Faktoren erklärt sich dienachstehende 1:111 w i c k l'u n g der P r o d u k t i 0 n s z i f f e r n f u r M i I c h u n d G e m u s e während des 1. Halbjahres 1938, zu denen die F i e r n r o d u k - tionsziffern hinzugeiiigt sind, die in! Gegensatz zur Milch- und (ieimiseproeluktion ihre Aufwärtsentwicklung fort- Milch Produktion (Will. Liter) 17,19 17,24 10 Hauptgemüsearte״ (t) 5,471 6,49S Eier (Miil. Stuck) 25.09 21,49 Diese in letzter Zeit zu beobachtende Stagnation der gemisclitwirtschaftlidien Produktion, deren tiefere Ursache in der bisher noch nicht gelungenen Anpassung der l’rodukfionskosten an die erzielbaren Marktpreise bestellt, kommt auch sehr deutlich in den U 111 s a t / t i f f e r n der großen landwirtschaftlichen Ahsatzgcnossenscliaft ״Tnuva" zum Ausdruck, die etwa 70 0'״ des ganzen Absatzes an gcmischtvvirtschaftliehen Erzeugnissen erfaßt, und z.war besonders itn Vergleich zu der sprunghaften Entwicklung bis zum Jahre 1936; Geschäftsjahre (1. Oktober bis ».November) 1932/33 1934/35 1936/37 1937/38 3 790 135 000 210 000 12020 285 MX) 513 15 001 233־ 566000 309000 252 000 561 000 Bereits im Jahre 1936 37 sind die Erlöse aus dein Absalz von Milch und Milchprodukten infolge des Preisdruckes nicht mehr der quantitativen Absatzsteigerung entsprechend gesticgen. Diese Entwicklung hat nunmehr zum Stillstand geführt. In dem am 1. Oktober d. J. abgeschlossenen Geschäftsjahr —MAGISTER KIRSCH—ך Der gute Likör Magister-Llkörfabrik, München VII 1937/30 s׳nu die Erlöse .ms dem Milchabsatz n׳cht ׳merheblieh zuriiekgegangen. Quantitative Absatzziffern liegen fiir das soeben beendete letzte Geschäftsjahr noch nicht vor, es wird aber mitgeteilt, daß der Absatz mengenmäßig zuriiekgegangen ist, da die Siedlungen infolge der ungünstigen Preisverhältnisse atif Anraten der Absatzorganisatiou ihren Eigenverbrauch gesteigert haben. Das Problem der Anpassung der Produktionskosten an die zu erzielenden Marktpreise, das *) Milch und Milchprodukte in Liter Milch umgereclmet.

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