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Jüdische Rundschau · 1938-10-25 · Heft 85 (25.10.1938) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 85 (25.10.1938)
Date
1938-10-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 25 Rpf. 8^. Nr. 8P Jahrgang 43 JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion, Verlag and A ureigenveryfaltangi BerlinW IS, Melnekestr.10 Fernrufi 919031, Telegramm-Adreue 1 Orghlp. - In Fallen höherer Gewalt Bezuglgebähren" Beiugepreii eimehließhch ßMleUgeld je Monat RM 2,-, je^Vlertel. jahr RM 5,75* bei Abholung RM 1,88 brw. RM 5,39 (einachließlich PoaUeltongagebühr von 10 Rpl je Monat). — Poslichedc Konten der Vertrieb» - Abteilung für Groß-Berlin Berlin 71S73, für da» übrige Reich: Berlin 13392 BERLIN ל׳ רושרי תרצ״ח DIENSTAG, 25. OKTOBER 1938 Erscheint jeden Diensteg und Freitag. Gültig ist die A&zolgeaprolillste Nr. 5 vom 1. April 1936. Die *wottjfeapaltene mm ■Zeile 20 Rpf, für Familien•■ Nachrichten 15 Rpf. Keine Gewahr für Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Platzen. Eiozel&axet?en nur?*gen Vorauszahlung auf Postscheck. Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9 — 18 Uhr. AnnahmeschluB für die Dienstag •Ausgabe: Montag 10 Uhr, für d!o Freitajf - Ausgabe : Mittwoch 15 Uhr. Familien •Anzeigen am Tag vor Erscheinen 16 Uhr Der Zionismus erstrebt (Or das jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In PalSstlna. (Baseler Programm) Vor einer Rede Weizmanns Versammlungen englischer Zionisten Das gesamte englische Judentum tritt in diesen Tagen, während das Kabinetts-Komitee die Palästinafrage vom politischen Gesichtspunkte aus berät, für Palästina und den Zio* nisnuis ein. In der Stunde vor der Entscheidung soll die Entschlossenheit des englischen Judentums und die Einheit seines Willens im Kampfe für die jüdischen Rechte in Palästina bekundet werden. Vom Sonntag, dem 23. Oktober, bis. Mittwoch, den 2. November, finden in ganz England große Kundgebungen statt, die von der Zionistischen Föderation* für Großbritannien und Irland veranstaltet werden. Sie stehen unter dein Motto ״Zionismus, die einzige radikale Lösung des jüdischen Problems“. Die Kundgebungen sollen der englischen Oeffentlichkeit die Meinung der Juden des Landes vor Augen führen. Den Höhepunkt der Veranstaltungen wird eine Massen- Versammlung im Londoner Westen am 25. Oktober bilden, die unter Dr. Weizmanns Vorsitz stehen wird. Bei dieser Kundgebung werden u. a. sprechen: Chief-Rabbi Dr. Hertz, Lord Rothschild, Abgeordneter Herbert Morrison, Norman Angeli und Prof. Brodetsky. In den letzten Tagen ist eine Bewegung in England entstanden, die der Regierung eine Petition für unbeschränkte Einwanderung unterbreiten will. EineVcr- Sammlung, die in voriger Woch« einberufen worden ist, und bei der Berl Locker und Dow Hos aus Palästina über die politische Lage in Palästina sprachen, beschloß, eine Kampagne zur Sammlung von Unterschriften für diese Petition einzuleiten. Komplikationen für Syrien Der Staat der Alauiten ist ein Teil der syrischen Republik. Er liegt irn Norden des Landes, seine Hauptstadt Latakieh ist besonders durch ihren Tabakexport bekannt, darüber hinaus aber wissen nur geographisch gut bewanderte Ausländer etwas von der Existenz dieses Staates. Der Alauiten- Staat, der an die nun von Syrien abgegrenzte neue Republik Hatay, also an das ehemalige Alexandrette, stößt, scheint nun ähnliche Wege wie Hatay gehen zu wollen Soeben kommt aus Damaskus die Nachricht, daß die Parteiführer der Alauiten der Zentralregierimg in Damaskus ein Metnorandum überreicht hätten, das folgende Forderungen enthält: Entfernung aller, nicht aus dem Alauiten-Staat stammender Beamten, Festlegung der Grenzen gegen das übrige Syrien und Autonomie auf allen Gebieten. Diese beinahe ultimativ gestellten Forderungen komplizieren die Innere Lage Syriens stark, denn der Staat der Alauiten ist nun die fünfte Provinz, die Tendenzen zeigt, sich von Damaskus loszulösen. Die Djesireh, das Drusengebiet und der Hauran überreichten ahnliehe Forderungen, und Damaskus weiß genau, daß nach der Abtrennung Alexandrettes keine dieser Provinzen bei der Autonomieforderung stehen bleiben, sondern trachten wird, eine eigene, von Syrien unabhängige Republik, zu gründen. Diese im syrischen Lebensraum immer unverkennbarer zutage tretende Tendenz zur Gründung von Teilstaaten mit national homogener Bevölkerung, welche sich von der arabisehen Herrschaft befreien will, ist nicht nur ein schwerer Schlag für die in Damaskus zentralisierte pan-arabische Bewegung, sondern beginnt die Existenz Syriens überhaupt in Frage zu stellen. Von der Mandatskommission Von unserem Berichterstatter y Genf, 22. Oktober 1938 Am 24. Oktober tritt die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes zu ihrer ordentlichen (XXXV.) Herbsttagurig zusammen. Die Palästinafrage steht nicht auf der Tagesordnung dieser Session, da der Jahresbericht der britischen Mandatarmacht in Palästina bereits während der Juiiitagung der Kommission geprüft wurde. Während der kommenden Tagung wird die Mandatskommission in erster Linie den Jahresbericht der Mandatarmacht für Syrien und den Libanon zu prüfen haben. Wie erinnerlich, hat die französische Regierung, unter Berufung auf die wegen des Sandschak-Konfüktes und der Verhandlungen mit der syrischen Regierung ungeklärte Lage, die Unterbreitung ihres Jahresberichtes im Juni d. J. verzögert und die Mandatskommission ersucht, die Prüfung der Lage in Syrien bis zur Herbsttagung hinauszuschieben. Die französische Regierung wird durch Robert de Caix, früheren Generalsekretär des französischen Oberkommissariafs in Syrien und im Libanon, vertreten sein. Die Mandatskommission wird überdies die Jahresberichte der Mandatarmächte aus einer Reihe von ״B“- und ״C“• Territorien zu prüfen haben. Unter den der Kommission vorliegenden Petitionen befinden sich auch solche — teils von arabischer, teils von jüdischer Seite —, di« das Palästinamandat betreffen. Auf ein« Prüfung dieser Pctitionen wird aber die Kommission kaum eingehen können, da dieser Tagung kein beglaubigter Vertreter der britischen Regierung für Palästina beiwohnen wird. Es ist hingegen nicht unwahrscheinlich, daß die Mitglieder der Kommission — wie das schon anläßlich der letzten Tagung der Fall war — im Zusammenhang mit der Prüfung der Lage in Syrien und im Libanon den Vertreter Frankreichs wieder über die Maßnahmen befragen werden, die die französische Mandatarmacht getroffen hat, um der offensichtlichen Unterstützung der arabischen Terroristen in Palästina durch den früheren Mufti von Jerusalem und durch das syrische ״Verteidigungskomitee“ in Damaskus ein Ende zu setzen, De Marte! abberulen Der französische High Cominissioner in Syrien, Conte de Märtel, ist von der französischen Regierung abberufen worden. Zu seinem Nachfolger wurde der französische Diplomat Puaux ernannt. Fr emdenkontr olle Sn Frankreich Von unserem Berichterstatter K. Paris, im Oktober 1938 Der Zustrom von Einwanderern nach Frankreich hat in den letzten Wochen erheblich zugenommen, obwohl die französischen Konsulate im Auslande angewiesen wurden, Visen nur noch in Ausnahmefällen zu erteilen. Teilweise, beabsichtigten diese Einwanderer, sich nur vorübergehend In Frankreich aufzuhalten, sind aber dann, da sich eine Weiter- Wanderung als unmöglich erwies, Ln Frankreich geblieben. In einigen Gewerben haben bereits die Berufsverbände gegen die billige Ausländer-Arbeit protestiert. Angesichts der Probleme, die sich daraus ergeben, hat die französische Regierung den Grenzbehörden erneut Anweisung gegeben, die Ueberwachung der Grenzen zu verschärfen. Die Polizei* behörde wird ferner eine Verteilung der Einwanderer über das ganze Land vornehmen und vor allem keine neuen Zuwanderer mehr in der Pariser Region zulassen. Nach den neuesten Verordnungen müssen die Einwanderer einen Wohnsitz nehmen, der mindestens 150 km von Paris entfernt ist. Ferner ist ein Aufenthalt in den Grenzgebieten nicht zugelasscn. Schließlich wird eine verschärfte Kontrolle des Arbeitsmarktes durchgeführt w׳erden, um zu verhindern, daß die Einwanderer zu illegalen Bedingungen arbeiten. Zionistische Arbeit Mit dem Herbstbeginn ist die zionistische Arbeit in Frankreich wieder aufgenommen worden. Die französische Wizo hielt in Paris eine Tagung ab, die als Auftakt zur Winterarbeit dienen soll. Sie stand unter dem Vorsitz von Yvonne Netter. Alle Redner und Rednerinnen wiesen auf die Notwendigkeit einer verstärkten Arbeit für Palästina unter den jetzigen Umständen hin. — Der ״Cercle Amical Feminin Pro-Palestitnien“ veranstaltet unter dem Vorsitz des bekannten Gelehrten Paul Langeviai einen Vortrag des palästinensischen Journalisten Ittmar Ben Avi über die jetzige Lage in Palästina. — Die Gruppe der deutschsprechenden Zionisten ״Ost und West“ eröffnet ihre Winterarbeit mit einer Besprechung über die zionistische Arbeit in der heutigen Lage des Judentums. — Im ״Centre de Ia Culture hebraique“ hielt Rosenfeld aus Tel Awiw eenen Vortrag über das hebräische Kulturwerk in Palästina. — Zur Unterstützung des Jerusalemer Krankenhaus ״Bizur Cholim“ hat sich in Paris ein Komitee unter dem Vorsitz von Prof. Weil- Hallg, und Dr. Leon Fildermann gebildet. Das Komitee führt eine Sammlung für das Krankenhaus durch. Das Schicksal der Emigranten in Belgien Von unserem Berichterstatter Brüssel, 22. Oktober Max Gottschalk, der Präsident des Brüsseler HilfskomLtees, teilt mit, daß die ersten Schritte zur Unterbringung von 5000 Emigranten getan worden sind. Das erste Kontingent ist bereits nach Merxplas abgegangen, weitere Gruppen werden folgen. Das Hilfskomitee hat der Regierung gegenüber sich zur vollständigen Aufbringung der Unterhaltskosten verpflichtet. Max Ciottschalk schätzt sie auf etwa 10 Millionen Francs pro Jahr. Erhebliche Summen sind bereits von Organisationen und Einzelpersonen gespendet. Die gesamten Maßnahmen werden auf Grund des Ein- Vernehmens der Suretö Publique und des belgischen Hilfskomitees durchgeführt. Außer dem vom belgischen Staat für die Unterbringung bereits überlassenen Gebäude werden voraussichtlich noch weitere Unterbringungsmöglichkeiten bereitgestellt werden. Alle Anstalten werden staatlich überwacht. Die Arbeitsgemeinschaft von Juden aus Deutschland hat einen erheblichen weiteren Fortschritt zu verzeichnen. Seit dem 15. Oktober bringt sie jetzt 14tägig erscheinende Mitteihuigen heraus. Die englische Miliiäi-Aktion Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel A w i w, 20. Oktober Wenn jemand nach den häufigen Schwankungen der englischen Politik in Palästina noch daran gezweifelt hat, daß die Engländer in großem Stile Truppen zur Unterdrückung des arabischen Aufstandes zusammenziehen, so konnte er sich in den letzten Tagen mit eigenen Augen die Beweise erbringen. Schlag auf Schlag lande(eit die Schiffe die Soldaten mit ihrer umfangreichen Ausrüstung. Ohne Aufenthalt verteilten sich die Bataillone über das Land. Auf den Höhen bei Jerusaiein wachsen Truppenbiwaks aus dein Boden, auf den hochgelegenen Häusern arabischer Dörfer sieht man die Maschiiiengewehre auf den Dächern, neben eben errichteten Zeltstädten stehen in Reihen die kleinen gelbbraunen Autos in langen Kolonnen. Vor zwei Tagen brauchte man vier Stunden, um von Jerusalem nach Tel Awiw zu kommen (in der Rege^ genügt jetzt eine zu der raschen Fahrt), weil eine niciitendenwollende Reihe von Anneeautos nach der Haupt- Stadt hinausfuhr und die übliche Waffensuche in den Wagen gründlicher war als je. Die Vorbereitungen sehen in der Tat nach einer ״Ncueroberung des Heiligen Landes“ aus. Die Zeitungen, die nach wie vor unter Zensur stellen*, berichten wenig über diese neuen Lager und die Bewegungen der Soldaten. Aber eine Fahrt durch die Städte und über Land genügt, um die g r o ß e U!1! w ä!zun g eindringlich zu machen, die sich in den letzten Tagen vollzogen hat. Schon einmal in den letzten zwei Jahren hat Palästina eine ähnliche Truppcnzusammcn/.iehung erlebt. Es war damals nicht nötig, das Militär wirklich «inzusetzen. Das demonstrative Zusammenziehen der Bataillone genügte, um — wenigstens für eine bestimmte Zeit — Ruhe im Lande zu schaffen. So ist es verständlich, daß die Juden, die die umfangreichen Vorbereitungen der Truppen genau verfolgen, sich fragen, ob wir vor ähnlichen Entwicklungen stellen wie damals. Niemand weiß eine Antwort, aber jeder weiß, dal! die Situation eine ganz andere ist als im Winter 1 93 6. Der Aufstand hat seit jenen Tagen einen ungewöhnlichen Umfang und starke Intensität angenommen. Es genügt nicht für eine dauernde Befriedung des Landes, daß die Araber für eine gewisse Zeit unter dem Druck einer Uebermacht die Waffen nicderlegen, um sie, sobald dieser Druck sich verringert, von neuem zu ergreifen. Vorläufig sicht es freilich so aus, als ob das Militär nicht demonstrieren, sondern wirklich cingreifcn wolle. Nach der Rückkehr des High Cominissioner aus London sind zwei Verordnungen publiziert worden, die den Truppen das Vorgehen wesentlich erleichtern: Die erste Verordnung vereinigt Polizei und Militär unter e i!111 e i 11 i c 11 e m Befehl, wobei die Polizei in allen ihren Teilen eigentlich zu einem Bestandteil der Armee wird. Damit wird ein einheitliches Vorgehen zwischen den beiden Organen der öffentlichen Sicherheit gewährleistet, was um so wichtiger ist, als das Militär gelegentlich Aufgaben der Polizei — und umgekehrt — zu erfüllen hat. Die zweite Verordnung sieht die Einsetzung militärischer I) i s t r i k t s k <> m m’i s s a r e vor, die die Verwaltung der Bezirke übernehmen. Sie werden zu den eigentlich ausschlaggebenden Verwaltungsstellen. Die bisherigen Distriktskoinmissare sind fortan nur noch für ״rein zivile“ Angelegenheiten zuständig. Mit dieser Neuerung wird ein Hindernis beseitigt, das fraglos im letzten Jahr hei der Unterdrückung der Unruhen eine beträchtliche Rolle gespielt hat. Nicht nur, daß die Zivilverwaltung die Dinge in der Regel von einem anderen Gesichtspunkt ansieht als das Militär; die Ziviladministration hat mehrfach gezeigt, daß sie der außerordentlich komplizierten Lage nicht gewachsen ist, und es wird niemand überraschen, daß sie einen guten Teil ihrer Befugnisse an das Miiitär_abtreten muß, also an die Macht, die jetzt in großem Umfange zur Unterdrückung des Terrors eingesetzt wird. Freilich bleibt den bisherigen Distriktskommissaren noch eine wichtige Funktion neben der Erledigung ״rein ziviler“' Angelegenheiten, was diese auch immer sein mögen: sie werden die po 1 i t i sc 11 en Berater der Militärgouverneure. Wer weiß, was für ein oft undurchdringliches Dickicht politische Fragen und Rücksichten in Palästina bilden, versteht, daß in der politischen Beratung der Ziviladministration auch heute noch ein nicht unbedeutendes Betätigumgsfeld bleibt. Es ist notwendig, darauf hinzuweisen, daß die Einsetzung Von Militärgouverneuren noch nicht die Erklärung des Kriegszustandes bedeutet. Das Oberkommissariat bleibt nach wie vor die oberste Behörde im Lande, während im Falle des Kriegszustandes die Regierung an den Oberkommandierenden übergehen würde. So weit sind wir heute noch nicht, und vielleicht werden wir auch nicht dahin gelangen. Die Engländer versuchen es vorläufig — wie sie es gelegentlich in Indien taten — mit einer Teilung der Kompetenzen. Vielleicht kommen sie damit durch, und wenn nicht, so bleibt ihnen die Erklärung des Kriegszustandes ■—I—■■■■. ...1.......■I ■I ■I ■I txsUh■ Ue&eA&Uck Bei den Terrorakten der letzten Tage fanden in Palästina vier Juden den Tod. In der Jerusalemer Ali - sladt ist nach der Durchführung der Militäraktion eine Beruhigung eingetreten. Für sämtliche Bezirke Palästinas wurden Militärkommandanten ernannt.

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