Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 84 (21.10.1938)
- Date
- 1938-10-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2653549-2653619--32792-2684539- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 84, 21 OKTOBER 1938 Palästinas Reaktion auf London Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel Avvi w, 11. Oktober 1038 Seit mehreren Monaten beklagt sich das Publikum bei verschiedenen Gelegenheiten über mangelnde Anleitung durch die verantwortlichen Institutionen, in erster Reihe die Exekutive. Diese Kritik wurde besonders stark in den Wochen der Verwirrung, die der Hinrichtung von Ben-Josef folgten und die berühmte Diskussion Uber die ״Hawiaga“ entfachten. Die feste Stellung der Exekutive gegen jeden jüdischen Gegenterror und die Aufklärimgskampagnc, die — freilich etwas spät — unternommen wurde, zeigte schlagend, daß das Publikum durchaus gewillt ist, einer kühl abwägenden Führung zu folgen, auch wenn es kurz vorher scheinen wollte, als siegten die Instinkte der Hitzköpfe. 111 der letzten Woche wird von neuem der Ruf nach einer klaren und einheitlichen Leitung laut, nach gründlicher Aufklärung des Publikums, nach einer politischen Vorbereitung für den kommenden Kampf. Kaum hatte sich das jüdische Palästina aus den Aufregungen der internationalen Krise wieder aufgerafft, als von allen Seiten die beunruhigendsten Gerüchte über das künftige politische Schicksal des Landes aufzutauchen begannen. Zugleich mit mündlich weitergegebenen Einzelheiten, die zum Teil die lächerlichsten Dinge enthielten, kamen durch Radio und Telegraph Ausschnitte aus der englischen Press«, die zu schwerer Beunruhigung Anlaß gaben. Tage hindurch wußte die Menge nur dunkel, daß in London die Palästinafrage wieder in ganzem Umfange aufgerollt war; man verirrte sich in einem Labyrinth von widersprechenden Nachrichten, die viel Unruhe und übermäßige Befürchtungen wachriefen. Unterdessen hat sich durch klarere Zusammenfassung in d«r Presse und durch zusätzliche Nachrichten aus England auch für den Mann auf der Straße das Bild mehr geklärt. Ueberzeugt, daß wir in nächster Zeit vor wichtigen Beschlüssen stehen, verlangt man von der Exekutive eine genaue Darstellung der Situation zugleich mit der Angabe der Richtung, die heute die jüdische Politik zu nehmen iiat. Die Erklärung der Exekutive, daß die Juden unter keinen Umständen dein Minoritätenstatus zustimmen wurden, empfindet man vielfach als zu allgemein gehalten und daher ungenügend. Heute tritt in Jerusalem das ״Engere Aktions-Comiic" zusammen, jene Körperschaft aus den Vertretern aller Gruppen bestehend, die von Zeit zu Zeit in Jerusalem tagt und die Exekutive in wichtigen politischen Fragen berät. Es ist fiir die Stimmung auf der Straße notwendig, daß diese Sitzung den Boden für eine umfassendere Mitteilung der Exekutive vorbereitet, welche die Atmosphäre klärt utnd eine Richtung weist . , Es ist eine Folge nicht nur der palästinensischen, sondem auch der internationalen Entwicklung, daß das Publikum in den letzten Wochen mehr als je vorher an politischen Dingen Interesse zeigt. Auch jetzt findet man dichte Gruppen an den Radios, und nicht so sehr der Terror als die politische Zukunft ist das durchgängige Thema aller Diskussionen. Die Analyse der Situation, die überall versucht wird, leidet jedoch vielfach an ungenügender Inf-ormation. Im Zentrum des Interesses stehen augenblicklich drei Momente: der Kampf zwischen Militär und Terroristen, die Verhandlungen zwischen dem Kolonialamt and dem High Commissioner in London, sowie die Besprechungen zwischen W eizmann und dem irakischen Außenminister; und schließlich die Kairoer Konferenz. Was den Terror anbetrifft, so teilen viele im Lande die heute in vielen englischen Zeitungen verfochtene Ansicht, daß sich die Lage verschlechtert habe und durch die Bedrohung der zentralen Verbindungen und den starken Ausfall der arabischen Polizei eine sehr prekäre Situation geschaffen sei. Das sfimmt auch zu einem gewissen Grade, aber cs wird dabei vielfach übersehen, daß sich die Dinge durch die schweren Verluste der Araber in den letzten Wochen wieder gewendet haben und daß dabei Polizei und Militär kaum Opfer zu beklagen hatten. Ebenso wird übersehen, daß die Juden von den Engländern mehr und mehr zur Verteidigung herangezogen werden und bereits einen beachtlichen Faktor in der Sicherheitspolitik des Landes darstellen. Nimmt man noch dazu, daß die Engländer für die nächsten zwei bis drei Wochen neue größere Truppen- Sendungen erwarten, so scheint die Niederwerfung des Terrors heule näher als je in den letzten Monaten. , Freilich bleibt es eine offene Frage, ob die Engländer entschlossen sind, die gesamten Kräfte, die sie hier zusaim: nzichen, in vollem üewicht einzusetzen — spricht man doch dramatisch von einer Neueroberung Palästinas — oder ob sie nicht zu gleicher Zeit versuchen wollen, das P.ohietn politisch zu lösen, mit Militär und Polizei im Hintergrund. In dieser Beleuchtung gebührt (len arab chm polnischen Bemühungen der letzten Zeit die größte Aufmerksamkeit. Heute oder morgen wird in Kairo die arabische Konferenz abgeschlossen, die sich ,,interpariamentarische arabische Konferenz“ nennt und allein der palästinensischeri Frage gewidmet ist. Man bringt diese Veranstaltung — mit einem gewissen Recht — in dieselbe Linie wie die vom Mufti geleitete BIudan-Konfercnz des vorigen Jahres. Aber es besteht doch ein großer Unterschied zwischen dem libanesischen Städtchen Biudan und der tlauptstadt Acgyptens, und auch das Fehlen einer Reihe moslemischer Länder, die zur Konferenz geladen waren, kann uns nicht darüber hinwegtäiischcn, daß diese Versammlung einen bestimmten und wichtigen arabischen Block repräsentiert, der sich in Verhana'umgen und Beschlüssen hin.er die aufständischen Araber stellt. Man hat nicht nur die Abwesenheit einer Reihe von islamischen Ländern in Kairo vermerkt, sondern auch di« abseitige und feindliche Stellung des Wafd, der bisher größten und populärsten Partei Aegyptens. Aber hier spielen inner¬ DAS HAIFAER TECHNIKUM י* י־ JMHM» *4 ff(«• *# * f *«#,•# -A 'ir׳: ' Sb pM* f ■; ül* ״1 ’:****!iiM pWיין ־*•• .... •»1< . | Hill«! -y, W "0$■■ Ifflj Das obenstehende Flugbild gibt eine Uebersicht über die Anlagen des Hebräischen Technikums in llttifa in diesem ■Sommer. Im 1Mittelpunkt des Bildes ist das Hauptgebäude des Techniltums za sehen. Rechts i:n Bild hegt die hebräische Realschule, während im Vordergrund in der llerzlstrafie die Gebiimie des KH und des KKL stehen, die im Erdgeschoß Läden haben. 1 ״1״: Z, Klug״ ägyptische Konflikte die entscheidende Rolle und die Gegnerschaft des Wafd gegen die Konferenz oder ihre Veranstalter könnte nur dann etwas für die Juden Wichtiges besagen, wenn der Wafd bereit wäre, die intransigente Stellung der Konferenzteilnehmer zu dämpfen, und davon kann unter den heutigen Umständen kaum die Rede sein. Bei allen Mängeln Kairos haben wir es hier also mit einer politischen Demonstration zu tun, die in England stark ausgebeutet werden kann und wird. Dabei kommt es nicht im einzelnen auf die Beschlüsse an, sondern auf den Geist der Verhandlungen, der sich kurzweg mit den arabischen Extremisten kn Lande identifiziert. Die Vorschläge des irakischen P r e m i e r m i n i - sters in London ebenso wie die Kairoer Beschlüsse bringen Hirsdi-Pelze auch Tauenfziensfr.4 Reparaturen Telefon: 24 82 00 im Grunde nichts Neues zu dem seit Jahren bekannten arabischen Programm: man verlangt die Schaffung eines arabischen Staates, der — nach irakischem Vorbild -— mit England ein Bündnis eingcht, Einberufung einer konstituierenden Versammlung, Sperrung der Einwanderung; und verspricht den Juden Autonomie. Es ist interessant, daß auf der Kairoer Konferenz ein Vorschlag auftauchte, der eine jüdische Einwanderung von 10—20 IKK) Mensehen pro Jahr zuzulassen wünschte, aber auf Gegnerschaff stieß und von der Tagesordnung verschwand. Hier und da taucht jedoch auch die Idee auf, das Problem nicht auf den altbekannten ausgefahrenen Wegen anzupacken, sondern die Umformung des Nahen Ostens, wie er nach dem Kriege entstand, ins Auge zu fassen. Die Forderung der Syrer, eine Vereinigung mit Palatina herbeizuführen, gehört in diesen Rahmen. Und hier streifen wir einen weiteren Faktor, der in den nächsten Wochen und .Monaten der Entscheidung das palästinensische Geschick bestimmen wird mul der viel undurchsichtiger ist als alle anderen: die interna:.onale Situation. 111 voller Erkenntnis, daß sein Schicksal nicht nur in Jerusalem und London und nicht nur im Nahen Osten entschieden wird, greift der palästinensische Jude in diesen Tagen nach jeder Zeitung, lauscht er den Radioberichten. Mehr als je ist Palästina heute eine Funktion der internationalen Kräfte und ihrer Rückwirkungen. Rückkehr MacWichaels Der High Commissioner von Palästina, Sir Herbert Mac Michael, traf am 16. Oktober in Jerusalem in Beglcitung von D. Q. Harris ein. Er kam im Flugzeug von Alexandrien. Er wurde vom Chelsckrctiir B a 11 e r s 11 i 11 und dem Direktor der Palestine Airways, E I i a s h a r, begrüßt. Nach Presseberichten aus Palästina hat der Kolonialminisler nach seinen Besprechungen mit dem High Commissioner beschlossen, die Wiederherstellung der Ordnung in Palästina als Voraussetzung fiir jede allgemeine Lösung des Problems zu betrachten. Mau erwarte, daß die Verstärkungen, die in Höhe von 6ÜD0 Mann in Palästina eintrafen, die Hoffnung auf größere Ordnung und Sicherheit geben. PMIIANI* N ■ R Z I Silberfüchse. SHmll. PtlurliR B ■ R L I N W S t Augsburger Strasse 45 f t 1 i