Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 84 (21.10.1938)
- Date
- 1938-10-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. B4, 21 X. 1y38 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 [paula Ollendorff ״Quck dir die Frau dort gut an!“ sagte meine Mutter zu mir, als ich ein kleines Mädchen war und noch in die unterste Klasse der Mädchenschule ging, wenn wir Paula Ollendorff in den Straßen von Breslau begegneten, ״Denn das ist vielleicht die klügste Frau, die ich je kennengelernt habe!“ — Und ich guckte, was ich nur gucken konnte — wie cs damals und hinterher viele mit mir taten: auf die einfach gekleidete mittelgroße Frau mit den ausdrucksvollen, scharfgeschnittenen Zügen und dem dunkeln Lockenkopf — es war ein Kopf, dem weder Zeit noch Krankheit etwas anhaben konnten und der bis zuletzt im Schmucke der weißer! Haare denselben eigentümlichen Reiz behielt wie nur je zuvor. — Wir waren alle stolz auf sie, wir Jüdinnen aus Breslau; war sie doch eine der Ersten, so schien es uns, die in jener frühen (ieneration der Vorkämpferinnen für Frauenbildung und Frauenarbeit neben aller leidenschaftlich erstrebten und erkämpften Geistesbildung niemals die Arbeit für die Gemeinschaft vergessen hatten. Ans dem kle:en Orte Kostenblut bei Kant in Schlesien gebürtig, war sic als eines vc 1 fiint Geschwistern, an denen sie mit einer naturbestimmten Liebe hing, die eine Geistesverwandte, die Rahel Levin einmal ״Fascrnlicbc“ nannte, aufgewachsen; scho.n als Kind träumte sie davon, wie sie einmal erzählte, später Kinderheime zu begründen. Das Leben und ihre eigene Arbeit haben ihr diesen Wunsch später in reichem Maße erfüllt; das Breslauer Jüdische Jugendheim, das Lclirlingsheim, das Mädchenheim, die Paula-Ollendorff-HaushaHuiigsschule und manch anderes Heim zeugt von ihjfer Tatkraft und ihrem Ideenreicht 11 m. — Als junge Lehrerin hatte sic Jahre in England zugebracht; und sie verdankte jener Zeit nicht nur wertvollste menschliche Bindungen, die spater nicht nur sie selbst, sondern viele ihrer Freunde beglücken sollten, sondern and! jene seltene und fast meisterhafte Beherrschung der englischen Sprache, die sie in der Folgezeit befähigte, bei vielen internationalen Tagungen und Kongressen die fremdsprachlichen Reden mit überlegener Schnelligkeit und Wahrhaft künstlerischem Einfühlungsvermögen derart ins Deutsche zu übertragen, daß, wie man scherzend sagte, manchmal ihre Uebertragung viel packender wirkte als das Original selbst. Paula Ollendorff hatte den bittersten Schmerz des Frauenlebens erfahren müssen; sie mußte zwei blühende Kinder begraben und verlor den Gatten in frühen Jahren (1911). Alle diese Herzensnot überwand sie durch ihre Arbeit für die Gemeinschaft. Bald nach dem Tode des jungen Sohnes war sie in den Vorstand des Jüdischen Frauenbundes eingetreten; und erst ihr letzter Brief, von ihrem Krankenlager in jerusalern datiert, meldet ihren notgedrungenen Abschied aus dem Kreise der Mitarbeiterinnen durch i’hre Uebersiedlung nach Palästina. Dort bekennt sie auch, daß sie geglaubt hatte, dieser Arbeit ״bis ans Ende ihrer Tage anzugehören“ — das Schicksal hat ihr diesen Wunsch erfüllt. Die Mitarbeiterinnen werden ihren Abschied aus ihrem Kreise erst nach der Kunde Von ihrem Abschied vom Leben erfahren. Paula Ollendorffs soziale Arbeit ist durch die Eindrücke bestimmt worden, die sie in ihrer Jugendzeit in England von der sozialen Arbeit empfing, jugendwohlfahrt und Jugendpflege blieben wohl ihre eigensten Schöpfungen; sie gründete das Kleinkinderheim in Breslau-Krietern, das Kmderlandlieim in Flinsberg neben den schon erwähnten Breslauer Heimen und man hatte ihr eine lange Reihe von Jahren als Vorstandsmitglied der Breslauer Jüdischen Gemeinde das Dezernat für das Wohlfahrts- und Jugendamt übertragen. Soziale Krankenhausfürsorge und Gefangenenfürsorge danken ihrer Aktivität und ihrem nie versagenden Optimismus neue Impulse. Früh hatte diese überaus wache Frau die Rolle erkannt, welche die Vereinigten Staaten von Amerika für Gegenwart und Zukunft des Judentums in Europa zu spielen bestimmt sind; in häufigen Reisen hatte sie sich auch dort Freunde und Bewunderer erworben. Dem Aufbau Palästinas aber hatte sie wie so viele ihrer Generation lange Zeit fern und fremd gegenübergestanden. Aber sie verstand das Geheimnis unserer alten Weisen: viel von den Lehrern, mehr von den Freun«- den, am meisten von den .Schülern zu lernen. Von der Jugend ihres Hauses und ihres Volkes lernte sie die Bedeutung. des. Heiligen Landes kennen und lieben: dann aber nahm sie die neue Erkenntnis auch mit ganzer Seele auf, wie es ihre Art war. In den letzten Jahren lebte sie lange bei ihren Kindern in Jerusalem; auch dort nicht als ,.kalt staunender Besuch", sondern voller Anregungen für die Arbeit dort und hier. Sie war es, die den Anschluß des Jüdischen Frauen-Bundes an die Jewish Agency beantragte; sie war auch jetzt voller Pläne für ihre eigene Zusammenarbeit mit der Wiza, für die sie schon ein Programm ent- Worten hatte. In Jerusalem ist sie, 78 Jahre alt, gestorben... ein Lebensziel, wie es unsere Mütter einst ersehnten, Bertha Badt-Strauß Wiener Notizen Von unserem Berichterstatter Wien, 16. Oktober in der Zeit vom 2. bis 7. Oktober hat die AuswauderungsabUilung der Israelitischen K u 11 u s g e - m e 111 d e 377 Personen zur Auswanderung verholten. Insgc- «amt sind demnach bisher 10 178 Personen von der Auswanacrungsabtcilung abgefertigt worden. Am 11. Oktober fand eine Besprechung der Vertrauensleute. der einzelnen Bezirksverbände und der sonstigen Zionistischen Organisationen Wiens und der Provinz über die in Ang:irf zu nehmende Schekelarbeit auf Grund einer von! Zionistischen Landesverband an sie ergangenen Einladung statt. Bei dieser Besprechung, der auch der Leiter der Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Josef Löwenherz, beiwohnte, wurde auf die Wichtigkeit der in Angriff zu rchtnenden Sch.kelarbeit hingewiesen, da durch ihren Erfolg die Judenheit Oesterreichs den Beweis dafür erbringen müßte, wie sie sich der Bedeutung Palästinas zur Behebung der Juden• not bewußt sei. Jüdisches aus Stockholm Von unserem Berichterstatter H. R., Stockholm, 16. Oktober Der erste schwedisch-jüdische Film wurde von seinem Hersteller, Oberkantor Leo Rosen blüth, bei der ersten Zusammenkunft des Winterarbeitsjahres im Stockholmer ״Jüdischen Jugend-Klub“ vorgeführt. Der Film zeigt wohlgelungene Aufnahmen des Jugend-Lagers, das im Sommer hier stattfand. Der Verwaltungsdirektor der Hebräischen Universität Jerusalem, Alfred Berger, sprach in der Stockholmer Zionistischen Vereinigung über ״Die aktuelle Lage in Palästina“. Hilfsarbeit in Belgien J Von unserem Berichterstatter Brüssel, 16. Oktober Aehnüch wie in Brüssel haben in Antwerpen die lokalen Institutionen, Centrale und Ezra, die Fürsorge für die Weitenvanderting von Auswanderern übernommen, während ein vornehmlich aus Emigranten gebildetes Komitee sich mit den in Belgien verbleibenden beschäftigt. Es wurde ursprünglich unter dem Vorsitz von N. Torczyner, dem Vorsitzenden der zionistischen Föderation Belgiens, 1933 gegründet und hat, von der Hieem unterstützt, bedeutende Summen für die Emigranten aufgebracht. Mit dan Nachlassen der Einwanderung ging allmählich auch die Tätigkeit des Komitees zurück. Seine Neuorganisation, die vor etwa zwei Jahren erfolgte, ist Frau Dr. Rosenzweig und Frau Men ko Max Hirse 11, der Gattin des bekannten Großindustriellen, zu verdanken. Der Grundgedanke war auch hier ebenso wie in Brüssel, von den Eingewanderten selbst, soweit sie sich in günstigen Verhältnissen befanden, Beträge für die in Not Geratenen aufzubringen. Mit Hilfe detatkräftigen Sekretärs der Centrale, Oscar T c i 11 e 1 b a 11 m, wurden die erforderliehen Räume von der Centrale zur Verfügung gestellt und auch eine erhebliche finanzielle Beihilfe gewährt. Das Komitee konnte eine ununterbrochene, sehr wirksame Tätigkeit entfalten. Es wurden täglich Mahlzeiten verabreicht — die Küche der Zentrale hat die Möglichkeit, 130 Menschen zu speisen —, es wurden Mietsgelder gezahlt, vor allem aber wurde eine produktive Hilfe für die Ergreifung eines neuen Berufes oder zur Fortführung des alten gegeben. So wurden die Mittel gegeben zur Einrichtung von Scliulimaeherwerk- Stätten, einem Emigranten wurde eine kleine Lederkissenfabrik eingerichtet, einem anderen eine Fahrradrenaraturwerksfätte, eine kleine Kürschnerei 11s\v. Ebenso konnten die Mittel aufgebracht werden, um einer ganzen Reihe von Immigranten das Erlernen eines neuen Berufes zu ermögliehen und sie so für die Weiterwanderung vorzuber eiten. Das Komitee hat zur Zeit etwa für SOG Personen in der Woche zu sorgen. Die Sprechstunden sind überfüllt. Es kommt vor, daß an einem einzigen Nachmittag über 200 Personen erscheinen. Die für die Speisung von 150 Menschen eingerichtete Küche wird für die fünffache Zahl in Anspruch genommen, die in mehreren Schichten die Mahlzeit erhalten; an Feiertagen werden zwei Mahlzeiten verabreicht. Um die Mittel aufzubringen, die der großen Notlage ent- Oppenheim Das bekannte Spezialhaus für Kleiderstoffe Charlotten bürg, Wllmersdorfer Str. 115*116 Wollstoffe — Samt — SeMenstoffp sprechen, bedarf es einer Heranziehung weiterer Kräfte. Das Komitee glaubt auch die Lage meistern zu können. Da seine Ausgaben wöchentlich jetzt annähernd 50 000 fres. betragen, hat es den Beschluß gefaßt, durch eine besondere Aktion 1 500 Ö00 fres. für das kommende Jahr aufzubringeu. Die Auswandererfrage beschäftigt weiter die belgische ()Öffentlichkeit, wie aus einer Reihe von Leitartikeln beigischer Tageszeitungen ersichtlich ist. Der belgische Justizminister, M. Phollien, hat verschiedene Maßnahmen in Aussicht genommen, um eine provisorische Abhilfe zu schaffen. Minister Phollien schlägt vor, zwei große Gebäude dem belgischen Hilfskomitee zur Verfügung zu stellen. Sie würden 650 ledigen Personen Obdach bieten. An Arbeitsmöglichkeit würden nur Erdarbeiten und andere Arbeiten in Frage kommen, die keine Konkurrenz für heimische Arbeiter darstellen. Die Behörden würden die Ueberwachung übernehmen. Jeder Verkehr mit der einheimischen Bevölkerung würde untersagt werden. Jeder Einzdne, der von dieser Maßnahme betroffen wird, kann sich frei entscheiden, ob er diesen Aufenthalt oder die Aus- Weisung vorzielit. Fr muH eine diesbezügliche Erklärung unterzeichnen. Die Kosten würden von dem belgischen Hilfskomitee getragen werden. Voraussichtlich wird sich das Parlament noch mit der Frage beschäftigen, Von den Emigranten sollen zunächst 1400 untergebracht werden, und zwar 650 in öffentlichen Gebäuden, in Merkplace und 750 in Marnette, iin Einvernehmen mit dem beigischen Hilfskomitee. Die Zahl derjenigen, die wieder über die Grenze z urückgcschafit worden sind, wird auf 100 angegeben. M. Karlin, der Mitbegründer der großen Tachkcmonischule in Antwerpen, die heute über 000 Schüler zählt, und verdienstvolle Förderer zahlreicher anderer jüdischer Anstalten, feierte seinen 80. Geburtstag. IN ALLER KURZE Der kanadisch-jüdische Kongreß und die verschiedenen zionistischen Gruppen in Kanada sandten an die britische Regierung ein Telegramm, in dem sie die Aufrechtcrhaltung der jüdischen Einwanderung nach Palästina und der Balfour- Deklaration verlangten. Am 23. Oktober wird ein Pro-Palästina-Kongrt ß der polnischen Judenheit in Warschau stattfinden, der die Unverletzlichkeit der jüdischen Rechte auf ein jüdisches Nationalheim in Palästina propagieren wird. An dem Kongreß werden alle jüdischen Gemeinden Polens, die Zionistischen Organisationen und die Agudas Jisroel teihiehmen. Eine Erklärung zahlreicher jüdischer Organisationen in Polen beschäftigt sich mjt der historischen Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina. Die Erkiärung■ ist von Vertretern aller zionistischen Parteien und Gruppen in Polen einschließlich derjenigen aus West- und Ostgalizien, der polnischen Sektion der Jewish Agency, der Agudatli Jisrael, der Rabbiner-Vereinigung, der .Vereinigung der ־fortschrittlichen Rabbiner, der Zentralvcrcinigung der jüdischen Kaufleute und der Vereinigung der jüdischen Kleinnändler unterzeichnet. Unfer den Kandidaten, die für die polnischen Sejmwählen am 16. November vorgeschlagen werden, befinden sich in Warschau vier Juden, nämlich der frühere Senator Trockenheini, M. Schalom Kaminer von der Agudath Jisrael, Advokat Simon S e i d e m a n n von den Allgemeinen Zionisten (Gruppe B) und M. Mieczislaw Kohn von der Kleinliandels-Organisatiob. In Krakau wurde als jüdischer Kandidat Dr. Ignaz Schwarzbard aufgestellt, in Wilna Rabbi Rubinslein und in Lodz der frühere jüdische Sejm-Deputierte Leib Minzberg. Der amerikanisch-jüdische Kongreß voranstaltet in New York vom 29. bis 31. Oktober eine Tagung von Vertretern von 133 jüdischen Gemeinden aus 27 ameri» kanischen Staaten. An der Tagung werden 55Ü Delegierte teilnehmen. Der italienische Minister der Korporationen hat in einem Rundschreiben an die Präfekten bestimmt, daß Handels- Konzessionen an Juden künftig nicht mehr erteilt werden dürfen. Danach dürfen Juden in Italien Kaufläden, Cafes oder Wirtschaften nicht mehr eröffnen. Ebenso ist künftig jede Genehmigung zu versagen für Anträge, nach denen im öffentliehen Dienst stehende Einrichtungen von Juden übernommen werden sollen. Die jüdischen Börsenmakler, Börsenkommissare und die jüdischen Börsenbesuchcr ■sind, von den italienischen Börsen ausgeschlossen worden. Nach einer amtlichen Mitteilung sind 98 Hochschulprofessoren aus dem Amt geschieden. 30 Jahre Beelitz. Das Jüdische Erziehungsheim Beelitz (Wilhelm- Auguste Viktoria-Stiftung) kann auf ein dreißigjähriges Bestehen zurikkblicken. Am 23. Oktober 1908 wurde es seiner Bestimmung übergeben, ein Heim für alle die Kinder zu sein, die schwach und hilflos sind, und die durch Erziehung und heilfördernde Unterweisung dem Leben und der Gemeinschaft zugeführt werden sollen. In Beelitz finden wir das einzige jüdische Institut in Deutschland, das durch heilpädagogische Arbeit die geistig gehemmten Kinder zur bestmöglichen Entwicklung zu bringen versucht. Der Frohsitu! und die Lebenslust der Kinder beruht auf der Pflege der Individualität und dem herzlichen Verhältnis, das die Kinder mit Herrn und Frau Direktor Bein verbindet. Sie beide, die dem Heim seit seiner Gründung vorstehen, und die nur Arbeit für die ihrer Obhut anvertrauten Kinder kennen, haben durch ihre grenzenlose Liebe und ihr großes Verständnis der armen Kindesseele wahrhafte Menschlichkeit geübt. Die Berufsausbildung steht im Mittelpunkte der Erziehung, und von den 250 Knaben und 140 Mädchen aus allen Teilen des Reiches, die in den dreißig Jahren durch das Heim gingen, ist heute ein großer Teil in den verschiedensteti Berufsarten untergebracht, und die Briefe und Karten, sogar aus Uebersee, zeugen von der Anhänglichkeit der Kinder zu den Leitern des Heimes. Nicht nur im Inland ist das jüdische Erziehungsheim Beelitz bekannt und geachtet, sondern auch aus dem Ausland und Palästina kamen Konimissiötien und Erzieher, um von hier Anregungen für ihre eigene Arbeit mitzunehmen. K. E. G. Zum brasilianischen Einwanderungsgesetz Von unserem Berichterstatter Sao Paulo, Ende September Die im August dieses Jahres erlassenen Ausführungs- Bestimmungen zum brasilianischen Einreisegesetz vom Mai 1938 beziehen sich zu einem großen Teil auf die .Ein- Wanderung. Als Einwanderer wird danach derjenige Ausländer angesehen, der zwecks dauernden Aufenthaltes in Brasilien einzureisen gedenkt. Dem dauernden Aufenthalt wird jeder Aufenthalt über sechs Monate gleichgeachtet. Touristen, Geschäftsreisende usw. gelten nicht als Einivanderer. Bei den neuen gesetzlichen Bestimmungen sind nun zwei Grundsätze hervorzuheben: Erstens soll die Ein- Wanderung beschränkt bleiben, d.!1., cs soll verhitidert werden, daß eine unbegrenzte Anzahl Einwanderer nach Brasilien gelangt, und zweitens soll eine .Anhäufung von einwanderndeu Ausländern in Form von Gemeinschaftssiedhingen in Landbe/irkeü an möglich gemacht werden. Die Einstellung Brasiliens gegen eine unbeschränkte Einwanderung geht auf das erste Halbjahr 1934 zurück. Damals wandte man sieh gegen eine vom Völkerbund vorgcschlagcnc Einwanderung von Assvrern. Um keine Nation zu diskriminieren, einigte man sich auf die sögenannte Q 11 o 1 e n e i n w a n tl e r u n g. Danach durften nur von ein und derselben Nation 2 ".י der Gesamtsumme der Einwanderer der letzten 50 Jahre jährlich ins Land kommen. In der neuen Verfassung von 1937 bheb diese Beseliränkling der Einwanderung erhalten, und das neue Ausführilltgsgrsetz vom August enthielt einige weitere ßestiminungen. I bemach laufe״'’die fraglichen 50 Jahre vom 1. (anuar 1384 bis zum 31. Dezember‘ 1933. Sind also in dieser Zeit 7. B. 1000 Menschen einer bestimmten Staatsangehörigkeit eingewandert, so durften jetzt jährlich nur 20 Personen dieser berechnet sich die Quote für Deutschland' auf 4772 Personen. Allerdings bringen die Aiistiiliruiigslwstimniungei! noch eine einschränkende UnferteiJm!־״, Sie bestinmien nämlich, daß 80 9״ der Quote Landwirte' sein müssen und nur 20 <yn der Einwanderer andere Berufe haben dürfen. Es dürfen also nach den jetzt geltenden Bestimmungen nur 934 deutsche Staatsangehörige mit nidit-landwirtsdiaftliehem Beruf einwandern. Wer als Landwirt ins Land kommen will, muß dein Konsul den Befähigungsnachweis als Landwirt durch Zeugen oder durch Dokument erbringen, und er muß sich verpflichten, mindestens vier Jahre auf dem Lande zu bleiben. Die Ausführung dieser Verpflichtung wird durch die Polizei kontrolliert. Vorläufig sind die bereits veröffentlichten Ausführungs- Bestimmungen aber noch nicht in Kraft getreten. Dies soll erst vier Monate nach ihrer Veröffentlichung, also Ende Dezember, der Fall sein. Bis zu dieser Zeit sollen die Konsuln keine Dauervisen erteilen, sondern sie können nur Zeitvisen für Touristen und Gesclin fts-eisende geben. Hinsichtlich der später zu erteilenden Datiervisen sind bestimmte Vorschriften für Nachweis von Kapital, Verwandtschaft usw. in den Ausführungsbestimmungen nicht enthalten. Während früher die Chamada als Grundlage für das Visum erforderlich war und der Konsul grtmdsätzEeh daraufhin das Visum erteilen mußte, liegt, nach Fortfall der Einrichtung der Chamada, heute im weseutl'r’ien die Entscbeidüng über die Erteilung des Visums b e i m Kons 111. Wie die Verwaitungsanordmingeti in dieser Hinsicht lauten, und wie sieb die Praxis der Konsulate auswirken wird, ist noch nicht zu übersehen. Dr. Gert Caspare Zionistische Jugend In England In London traten die Bundesleitungen aller z i0־ nis tischen J tt g c n d v er b ä n d e Großbritanniens zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, die der Durchführttng einer großzügigen Aktion gewidmet war. H, F. Schild hielt ein Referat, in dem er einen sofo״t:;en Zusammensehluß der zionistischen Jugend forderte. Im November wird eine große Palästina-Konferenz, der englisch-jüdischen Jugend abgehalten und eine Massendemonstration in London durchgeführt werden.