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Jüdische Rundschau · 1938-10-14 · Heft 82-83 (14.10.1938) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 82-83 (14.10.1938)
Date
1938-10-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 82/83 / Jahrgang 43 wm «11» Radaktion, Vor lag aad AB1«!smverwaltang1 Bairlln W15, Malntk e>tr.!0 Fernruf: 919031, Telegramm ■Adrt ■*et Orghlp. ־־׳ In Fallen höhere! Gewalt besieht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebuhren. Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat FM 2,—, je Viertel• Jahr RM 5,75: bei Abholung RM 1,88 bzw. RM 5,39 (einschließlich Postzeitungsgebühr von 10,96 Rpf je Monat). —־ Postscheck - Konten der Vertriebs *Abteilung für Groß• Serlini Berlin 31373, für das übrige Reicht Berlin 17393 Preis 25 Rpf. RUNDSCHAD BERLIN י״ט תשרי תרצ״ט FREITAG, 14. OKTOBER 1938 Erscheint Jeden Dienstag and Freitag. Gültig ist die Aacelgenprelallste Nr. 5 vom 1. April 1936. Die zwolfgespaltene nun-Zeile 20 Rpf, für Familien•׳ Nach richten 15 Rpf. Keine Gewähr für Aufnahme von Anzeige in bestimmten auf *Postscheck - Konto Berlin 71618 oder ba» Montag bis Frritag 9—18 Uhr, Attnahmeschluß für die Dienstag״ Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag Ausgabe : Mittwoch 15 Uhr. Familien * Anzeigen an Tag vor Erscheinen 16 Uhr Der Zionismus erstrebt für da• indische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Entscheidende Tage Die letzten Tage waren in London mit Verhandlungen über die Behandlung des Palästina-Problems aus gefüllt. Der High Commissioner Sir Harold Mac Michael beriet mit dem Kolonialminister Malcolm Mac Donald die Probleme militärischer und politischer Natur, deren Lösung in Palästina bevorsteht. Der Außenminister des Irak, Seid Tauf ik es Suwaidi, verhandelte mit mehreren englischen Ministern und unterbreitete ein Projekt zur Behandlung der Palästinafrage. Er batte auch eine Konierenz mit Dr. Weizmann, der in diesen Tagen vom Kolonialminister Malcolm MacDonald empiangen wurde. Nach Abreise des irakischen Außenministers ist Nuri Pascha zur Fortführung der Verhandlungen in London geblieben. Die britische Regierung beschloß, weitere erhebliche Truppenverstärkungen nach Palästina zu entsenden, die zum Teil bereits im Lande eingetroüen sind. Dadurch wird die Stärke der Truppen auf über 20 000 Mann ansteigen• Nach Berichten aus London ist anzunehmen, daß der High Commissioner mit weitgehenden Vollmachten zum Einsatz der Truppen gegen die aufständischen Araber nach Jerusalem zurückkehrt. Der Bericht der Woodhead-Kommission dürfte Ende Oktober erscheinen. Malcolm MacDonald kündigte im Parlament an, daß die Stellungnahme der Regierung sodann beschleunigt erfolgen wird• — In Kairo trat ein Kongreß arabischer Delegationen aus einer großen Reihe arabischer Länder zusammen, der sich mit der Palästinafrage beschäftigte und in seinen Resolutionen weitgehende Forderungen stellte. — Die Exekutive der Jewish Agency erließ eine Erklärung, in der sie sich gegen denVersuch wendet, die Rechte des jüdischem Volkes auf Entwicklung in Palästina zu schmälern. Der Waad Leumi telegraphierte entsprechend an Dr. Weizmann. Die Londoner Verhandlungen Die letzten acht Tage waren in London mit Verhatidlungen über das Palästinaproblem angefüllt. Wir haben bereits in unserer vorigen Ausgabe kurz über den Flug des High Coinmissioners von Palästina, Sir Harold Mac- Michael, nach London berichtet und auch die Erklärung des Kolonialministers Malcolm MacDonald im Unterhaus erwähnt. MacDonalds Unterhauserklärung In dieser Erklärung beschäftigte sich der Kolonialminister auf eine Anfrage des Abgeordneten Wedgwood zunächst mit den Vorgängen in Liberias und wies sodann auf die Verstärkung der militärischen Kräfte hin, die kn Lande vorgenannten worden ist. Er sagte in diesem Zusammenhange u. a., daß die Verfügung über die Polizeikraffe in Palästina dem militärischen Ober- Befehlshaber übertragen worden ist. Sir Charles Tegart ist nach Palästina zurückgekehrt und ist zum Stabe von General Hain ing getreten. Ferner seien Maßuahmen ergriffen worden, um die Aufgaben der Polizei neu zu verteilen. Die Anzahl der in der Polizei verwandten Juden ist vermehrt, die der Araber verringert worden, )er Minister wies weiterhin darauf hin, daß die Mitglieder der Woodhead-Kommission die Arbeit am Bericht beschleunigt hatten, und daß er hoffe, noch vor Ende dieses Monats im Besitz des Berichtes zu sein. Die Regierung werde den Bericht, sobald er in ihrer Hand ist, ohne Zeitverlust erwägen und politische Enfscheidüngen treffen. Auf eine weitere Anfrage erklärte Malcolm MacDonald, die Regierung sei immer der Ansicht gewesen, daß der ehemalige Mufti von Jerusalem einen erheblichen Anteil an der Schuld für die heutigen Zustände in Palästina trägt. Das Parlament werde zu etwaigen Entschließungen in bezug auf die zukünftige Palästinapolitik Stellung nehmen. Der Vorschlag der Regierung werde, wenn das Parlament ihn gebilligt habe, dann die Richtlinie der endgültigen Poli- Die Reise MacMichaels Der High Commissioner von Palästina, Sir Harold Mac- Michael, wurde auf seiner Reise von G. B. Harris begleitet, der sowohl der Peelals auch der Woodhead-Kommission als Berater zur Seite stand und sich in letzter Zeit in Palästina aufhielt, um die Durchführbarkeit des Teilungsplanes zu studieren. Sir Harold MacMichael hatte im Laufe der ganzen Woche zahlreiche Gespräche mit dem Kolonialminister, in denen Sicherheitsfragen wie auch die politschen Fragen Palästinas erörtert wurden. Der irakische Plan Ueber den Plan für die Lösung des Palästinaproblems, den der Außenminister des Irak Taufik Seid cs Suwaidi Begh in London vorgebiaclit hat und über den wir ebenfalls bereits in der vorigen Ausgabe kurz bcrichteten, sind inzwischen weitere Einzelheiten bekannt geworden. Der Minister wurde von England eingeladen, nach London zu kommen. Der Plan soll nach englischen Blätterineldungen die Zustimmung anderer arabischer Staat«! gefunden haben. Taufik Suwaidi hat den Plan außer mit dem Außenminister Lord Halifax auch mit dem englischen Kriegsminister Hore-Belis ha, dem Kolonialminister Ma.leolm MacDonald und Dr. Weizmann besprochen. Bei dem Gespräch mit Dr. Weizmann war General Nuri Pascha cs Said anwesend. Nach den Angaben des ״Daily Telegraph“ enthielt der Plan folgende Punkte: 1. Schaffung eines unabhängigen Staates auf Grund von Richtlinien, die von einer konstituierenden Ver- Sammlung niederzulegen sind; 2. Allmähliche Uebejgabe der Verwaltung durch die britische Regierung an die gationäle Regierung innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, wie das geschah, als der Irak selbständig wurde; 3. Garantie atler politischen und bürgerlichen Rechte an die Bewohner Palästinas, gleichgültig, zu welcher Religion oder Rasse sie gehören; 4. Alle Gemeinschaften sollen bürgerliehe Rechte erhalten, aber keine Gemeinschaft soll einer anderen übergeordnet sein; 5. Volle Rechte der Gemeinde Verwaltung sollen allen arabischen und jüdisehen Städten und Dörfern hinsichtlich der Vollmachten, der Ueberwachung und der Verwaltung bewilligt werden, aber ohne Beschränkung der bürgerlichen Rechte; 6. Die Z a h f d e r“ jüdischen Bewohner darf über die gegenwärtige Zahl nicht erhöht werden; 7. Alle bewilligten Rechte sind von der britischen Regierung zu garantieren; 8. Alle legitimen britischen Interessen sind sicherzustellen. Wie die ״Times“ hierzu meidet, soll dieser Staat nach dem Plan des Ministers schließlich in ein Bündnisverhältnis zu Großbritannien treten. Der Plan wurde auch mit Sir Harold MacMichael bei seinem Londoner Aufenthalt besprechen. Der irakische Außenminister hat London am 11. Oktober ׳wieder verlassen. Mit der Fortführung der Verhandlungen wurde der frühere Außenminister des Irak, General Nuri Pascha es S a i d, betraut, der durch seine früheren Vermittlungsversuche im Paliistinakonflikt bekannt gewor- Wiederherstellung der Ordnung Was die Frage der weiteren Prozedur anbetrifft, so steht im Vordergrund der an anderer Stelle unseres Blattes erwähnte Beschluß der englischen Regierung, weitere Truppenverstär kungen nach Palästina zu entsenden. Darin ist nach Meldungen aus London die bestimmte Absicht der englischen Regierung zu erblicken, die Ordnung in Palästina so nachdrücklich und so bald wie möglich wiederherzustellen, damit danach endgültige Beschlüsse zur Lösung des Palästina- Problems gefaßt werden. Wie ״Daily Telegraph“ meldet, isf der High Commissioner mit der vollen Ermächtigung der Regierung nach Palästina zuriickgckchrt, entschei- (lende Maßnahmen zur Wiederherstellung des Friedens durchzuführen. Der Mitarbeiter des Blattes meint, es sehe so aas, als ob England gezwungen sein werde, Palästina systematisch aut militärischem Wege wiederzuerobern. Er hält die Verhängung des Kriegsrechts in Palästina für wahrscheinlich. Bei den Beratungen zwischen Kolonialminister MacDonald und dem High Commissioner wurde auch der Chef des britischen Generalstabes Feldmarschall Lord Gort hinzugezogen; auch Dr. Weizmann wurde von Kolonialminister Malcolm MacDonald empfangen. Politische Perspektiven Ueber die politischen Gesichtspunkte der Besprechungen zwischen dem High Commissioner und dem Kolonialminister berichtet ein Artikel des ״Daily Telegraph“, in dem cs heißt: ״Es wird in Whitehall erhöhte Bemühungen für den Entwurf eines Planes für die Zukunft Palästinas und die dortige Verwaltung geben. Bevor Sir Harold MacMichael abreist, wird MacFtonald epjeut mit Vertretern der aratiischen und jüdischen Oeffentlichkeit in Fühlung getreten sein, Zu den Befragten werden der Leiter der Zionistischen Organisation, Dr. Weizmann, und der Außenminister des Irak gehören. Dieser hatte am Samstag eine längere Erörterung mit dem Direktor der Elektrizitäts-Gesellschaft von Palästina, Pinchas Rutenberg. Sie besprachen unter anderem die Haltung des nichtzionistischen Judentums gegenüber dem irakischen Plan. In Whitehall werden in der gegenwärtigen Woche unermüdlich Erörterungen des Problems stattfinden, damit möglichst große Fortschritte während der Vervollständigung des Berichtes der Teilungskommission gemacht werden können. Es besteht zunehmend die Ansicht, daß die Teilungspolitik als solche zugunsten eines Planes für die Schaffung eines geeinigten Palästinas mit nachdrücklichen Sicherungen für die Rechte aller Bürger auf gegeben werden wird.“ 111 anderem Zusammenhänge wies ״Daily Telegraph“ darauf hin, daß keine Rede davon sein könne, daß der Versuch gemacht werde, einen Plan für die dauernde Lösung des Palästina-Problems anzunehmen, solange nicht der Aufruhr bis zum letzten Glimmen ausgelöscht ist. (Fortsetzung siehe Seite 2) Wegendsr kommenden FeiertageerachsintdienSchsteAuagabe Nr. 84 am Freitag, dem 21. Okt. Fami I i an - Na c h r Ich ten nehmen wir bis zum Tage vor Erscheinen gegen Mittag entgegen Bis hierher und nicht weiter H. F. Die Zuspitzung■ der Situation in Palästina erfüllt jeden Zionisten mit großer Besorgnis. Alle Instanzen -- Jüdische und nichtjüdische — sind sich darüber einig, daß die Haltung des Jisclunv liöctistcs Lob verdient. Die Opfer an Leben und Eigentum, die die Juden Palästinas nunmehr seit so langer Zeit bringen, werden gebracht in der Hoffnung, daß sie nicht sinnlos sind, und daß sie den Beitrag des jüdischen Volkes in Palästina zur Lösung der Juden frage in der Welt für eine bessere Zukunft darstellcn. Die unerschütterliche Ruhe, mit der mitten in schwersten Kampfen das Aufbauwerk durchgeführt wird, neue Siedlungen gegründet, die Verkchrsverbindtingen aufrechterhalten־ werden und alles getan wird, um das normale Leben seinen Gang gehen zu lassen, sind der stärkste Beweis für die zionistische Idee, daß die Juden, mit ihrem Heimatboden verbunden, imstande sind, alles, was an lebensbejahenden und produktiven Kräften in ihnen schlummert, zu erwecken und einer großen Sache dienstbar zu machen. Während der Jischuw wie ein ״rocher de bronze“ sich verteidigt, reifen in England politische Ent- Scheidungen, die in tiefes Dunkel gehüllt sind. Der Bericht der Woodhead-Kommission wird erwartet. Die offiziellen Erklärungen zur Palästinafrage sind ausweiehender Natur. Immer wieder hören wir von englischen Truppenverstärkungen, die im Lande Ruhe schaffen sollen. Englische Zeitungen wie die ״Times“ veröffentliehen Berichte aus Palästina, in denen Vorschläge auftauchen, die die Beschränkung der jüdischen Siedlung auf das bereits Geschaffene nalielegen. Aus berufenem und unberufenem Munde gibt es Vorschläge und Meinungsäußertingen zur Palästinafrage. Alle nur denkbaren Möglichkeiten werden erörtert. Neben den verschiedenen Teilungsplänen, die einen größeren oder kleineren Judenstaat neben einem arabischen Staat und einem britischen Mandatsgebiet zum Inhalt haben, wird die Beibehaltung des britischen Mandats über ganz Palästina vorgeschlagen, daneben die Vereinigung Palästinas mit Syrien und Transjordanien, Kantonisierungsprojckte, jüdischarabischer Staat auf der Basis der Parität usv. Welches ist die Stellungnahme der zionistischen Bewegung zu allen diesen Vorschlägen? Ohne auf die Debatten des letzten Zionisten-Kongresses und die auf ihm gefaßten Resolutionen einzugehen, ohne ausführlich zur Vielfalt der Projekte und Vorschläge Stellung zu nehmen, ist eines klar und unzweideutig: Jede von uns zu akzeptierende Lösung muß zwei Voraussetzungen haben: kein jüdischer Minderheitenstatus im Lande, und Einwanderung entsprechend der wirtschaftlichen Aufnahme- Fähigkeit. In diesen beiden Forderungen konzentriert sich, abgesehen von allen politischen Entscheidungen, Sinn und Inhalt unserer Arbeit in Palästina. Das jüdische Volk in der Welt befindet sich in einer immer stärker um sich greifenden Katastrophe, wie sie in der langen Diaspora-Geschichte der Juden kaum erfolgt ist. Es kann nicht Aufgabe dieser Zeilen sein, einen Ueberblick über die Geschichte des jüdischen Volkes zu geben. Jeder Zionist und auch Nichtzionist weiß, daß die Ent- Scheidung über die Zukunft der Juden und ihre Errettung aus dem furchtbaren Degenerations;׳ rozeß, in dem sie sich befinden, nur in Palästina möglich ist. Jeder weiß, daß der großartige Beginn dieser Arbeit 11ns zeigt, daß wir auf dem reell ten Wege L ׳<!. Diese Arbeit kann nur fortgesetzt werden, wenn die jüdische Siedlung in Palästina die Möglichkeit behält, sich

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