Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 76-77 (23.9.1938)
- Date
- 1938-09-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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JöDlSCHE RUNDSCHAU Nr. 76/77, 23. SEPT. 1938 t Eine Chaluza erzählt Besorgnis und Trauer Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel Awi w, 15. September 1938 Zum ersten Male seit dem Beginn der Unruhen konzentrierte sich das Interesse in Palästina in diesen Tagen so stark au! die internationale Situation, daß die lokalen Ercignisse in den Hintergrund traten. Seit Tagen klingeln in den Zeitungsredaktionen die Telephone, drängt man sich in Privathäusern und in allen öffentlichen Lokalen um die Radioapparate und nicht wie sonst wegen der Palästinaberichte, sondern in gespanntester Beachtung des Weltbarometers. In diesen lägen der Ungewißheit erschien die arabische Presse, die als Protest gegen die Neuordnung der Nachrichten durch die Regierung gestreikt hatte, von neuem. Die arabische Presse hat in diesen Monaten keinen leichten Stand. Sie befindet sich, ebenso wie die gesamte arabische Oeffentlichkeit, unter dem Druck des arabischen Terrors, der von ihr eine mehr oder weniger offene Unter- Stützung verlangt, und mit dem Moment, wo diese — sei es aus Ueberzeugting, sei cs unter dem Eindruck der Regierungsfordermigen — nicht gewährt wird, eine schwere Bedrohung der Redakteure bedeutet. Diese Presse bringt bei ihrem Wiedererscheinen eine Rekapitulation dessen, was sich jn letzter Zeit im Lande abgespielt hat, aber sie wendet sich vor allem der europäischen Situation zu. Sie ruft England ins Gedächtnis, daß Araber an den verschiedensten Stellen der Imperittmswege wichtige Positionen besetzt halten, wo ihre Freundschaft den Engländern wichtig, ihre Feindschaft ihnen unangenehm sein kann. Kaum je haben die Araber in so offener Weise auf die Zusammenhänge der pal ■1stimm ׳;isehen Ereignisse mit den allgemeinen polnischen Entwichlungen hingewiesen. * Der gestrige Tag hat eine große Zahl von jüdischen lind arabischen Opfern gekostet — auch das Militär hatte einzelne Verluste. Zu dem Schmerz über das sich ausbreitende Unglück kam der Verlust einiger der besten Menschen, die der Jischnw׳ je besessen hat. Der Tod von Chajim Sturmann aus Ejn Charod, von Etkin aus Gcwa, die Ermordttng des bekannten Nervenarztes Dr. Rosenthal aus Jerusalem haben einen erschütternden Eindruck im Jisehuw ge- 'macht. Sturmann und Etkin, beide alte Pioniere und Gründer des Emek, sind mit der Siedlungsgeschichtc der letzten zwanzig Jahre aufs engste verbunden. Sturmanu gehörte zu dem Typus der alten ״Schomrim“ und zu den Gründern von Ejn Charod. Etkin war einer der Gründer von Gewa. Beide waren bekannt für ihre Kenntnis des Landes, der arabischen Sprache und Sitten. Beide haben sich viele Jahre hindurch 11m die Schaffung von guten nachbarlichen Beziehungen zwischen den neuen Siedlungen des Emek und der arabischen Nachbardörfer bemüht. Sie haften einen hervorragenden An- ־teil an der Organisation und dem Wachstum ihrer Heimat- Siedlungen. Seit die Unruhen atisbrachen, haben sie all ihre Kraft und Zeit der Verteidigung des Emek und der neuen Kolonisationsgebicte in der Jordansenke gewidmet. Sie waren typisch für die vorbildliche Art, in der unsere besten Mensehen ohne einen Tag der Ruhe, ohne äußere Ehren und ohne jeden Zwang Tag und Nacht für Arbeit und Verteidigung bereit standen. Es liegt eine unermeßliche Tragik darin, daß diese Menschen auf einer ihrer Dienstfahrten einer Mine zum Opfer fallen. Es gibt im neuen Palästina sehr viel zu kritisieren. Und gerade die Besten im Lande sind sich der bestehenden Mängel immer bewußt gewesen und haben sie freimütig gerügt. Immer wieder in den letzten schweren Jahren sind‘uns die Felder der Vergangenheit stark zum Bewußtsein gekommen. Wir lernten mehr und mehr über Unterlassungssünden in der Politik, überall trafen wir auf versäumte wirtschaftliche Oelegenheiten, immer wieder wurde es uns deutlich, daß die Juden auf der Welt eine große Chance, die ihnen gegeben wurde, nicht in dem Maße ausgenutzt haben, wie es möglieh war. Aber gerade in den letzten schweren Wochen, die die Anarchie im Lande in einem Maße zeigen, wie wir sie nie für möglich gehalten hätten, kommt auch die Zähigk e i t und die Festigkeit des Jisehuw zu erstaunliebem Ausdruck. Die Ruhe, mit der auch heute noch die überall gefährlichen Wege befahren werden, ohne daß irgend jemand, weder Passagier oder Chauffeur, Aufsehens davon macht; die fast stoische Ruhe, mit der die Nachrichten über neue Opfer aufgenommen werden, die doch alle einen großen Kreis der Angehörigen, Freunde und Bekannten aufs tiefste treffen; die Selbstverständlichkeit, mit der Geschäfte lind alle Art von Arbeit weitergeführt werden, die Zähigkeit, mit der man der Panik die Türen verrammelt — all das sind Zeichen einer großen und dabei ohne Demonstration geübten Entschlossenheit, die einen tiefen Eindruck machen muß. Die ansteigende Terrorweile jedoch bedeutet eine Warnuiig an die Regierung. Es muß eine endgültige Wendüng kommen, wenn ihr Prestige nicht ühermiißig verletzt werden soll. In einem Lande, in dem Regierimgsbeamte in ihrem Büro erschossen werden, in dem die Eisenbahnlinie von der Hauptstadt nach der Küste eingestellt werden muß, weil sie vor Terror nicht zu schützen ist, in dem eine kleine an der Hauptchaussee liegende Stadt wie Ramleh Wochen hindurch den Verkehr bedroht, muß die Stellung der Regierung auf die Dauer unhaltbar werden. Die Engländer haben gestern neue Truppen in Haifa gelandet. Man hat mit größtem Interesse hier von dem Kabindtsbcschluß Kenntnis genommen, daß Palästina Verstärkungen erhalten soll. Wir brauchen diese neuen Truppen und die Verstärkungen, und zwar so rasch als möglich. Kurse palästinensisrher Wertpapiere, fn Tel Awiw notierten am 16. September, wie Ellern’s Bank, Ltd., mitteilt. Allgemeine Hypothekenbank: 5 ׳ ige Pfandbriefe 951/2 ״ 6 ,(0/0!'/97) 0׳״'oige Pfandbriefe 101 ״׳״1011/2) 0'״), 6 ״oige Vorzugsaktien lO-IT! 106) <>'״ °V>), Stammaktien 107 «0 (108! ׳״ 1׳»). P a 1 e s t i n e Land Development Co. Ltd.: 6 ״,oige Vorzugsaktien 87'.> ״ י/!90) ״'״»), Stammaktien 81 »•0 0 85) סי), B i z 11 r, 6 0 0 i g e Obligationen Ser. 2: 98 °/0 (98 0/0). Mir Ltd. 4 «oige Obligationen Ser. 1: 85'! "״ (85!;:, 0 0), 4 ״׳״ jge Obligationen Ser. 2: 85 ׳״ 5 ,(«־<> 85) 0'״oige Vorzugsaktien 62■ «0 (63 IV0), Para 4 " n i g e Obligationen: 76'2״n (76* ״ ">). Pa lest ine Potash: 5! 2 ״'oige Vorzugsaktien sh 15 (sh 15 6). — In der letzten Woche war ein größeres Angebot zu verzeichnen. Die Pfandbriefe der Genera! Mortgage Bank of Palcstine Ltd. gingen weiter zurück bis zu einem Ticfstkurs von 95 ״'« Brief und schließen heute!»ס״ höher. Zum Wochenende trat eine erhebliche Beruhigung ein. Die meisten Kurse konnten wieder Steigerungen verzeichnen. Bei P. L. D. C. ist ein Abschlag von 3 </0 für die zahlbare Interimsdivkiendc zu beriicksichtigen. Zu den Erinnerungen von ltta Yellin Yehosclitia Yellin verdanken wir das schöne und wertvolle Buch ״Erinnerungen eines Jerusalemers“, das sich über die Zeit von 1834 bis 1918 erstreckt, und nun hat uns die Frau seines berühmten Sohnes David mit dem ersten Teil ihrer ihrer Erinnerungen beschenkt. .ולצאצאי. זכרונותי. מאת אטה ילין ירושלים, תו־צ״זז Der Band ist dem Andenken ihres innergcßlichen, in diesem Jahr ermordeten Sohnes Avinoam gewidmet und trägt als Motto vier Zeilen von Adam Häkchen auf den frühen Tod seines Sohnes, des Dichters Micha Joseph Lcbcnson, die auf Deutsch etwa lauten: ״Wer hat meinen Vogel ans seinem Nest verjagt? Wer hat meinem Haus mein Lied versagt? Wer sprach zu meinem Anmutsvollen: Gell von hinnen! 7.11 all meinen Hoffnungen: iin Nu sie zerrinnen!“ So ist das Tor ilircr Erinnerungen für die Mutter wie mit einer Trauerfahne verhängt. Aber nachdem sie das Tor durchschritten hat, stellt sic hellen Blickes wieder im Garten ihrer Kiiulhut. Bis ins fünfte Lebensjahr führt sie ihr dedächtnis zurück, und mit kurzen Strichen zeichnet sie die zuerst spärlichen, dann ־sieh dichter aneinander reihenden Eindrücke auf. Lebendig steht das von Tora lind Hilfsbereitschaft erfüllte Elternhaus vor ihr, in dem kleinen Städtchen im Gouvernement Grodno, wo -sie 1869 geboren wurde, ihre Mutter war eine Linie, der Vater Jcchirl Michael Pin es war als religiös-nationaler Schriftsteller In der russischen Haskala hervorgetreten uiut wurde eine der glänzendsten Gestalten des neuen Jisehuw. Aus jener Frühzeit sind ihr vor allem die Feste im Gedächtnis geblieben, aber auch der Cheder, wo die Fünfjährige zehn Stunden täglich zuhrachte, um dann noch abends vom Vater verhört zu werden, bis er ihr und den Geschwistern einen Hauslehrer nahm. In der großen, angesehenen Familie ereignete sich vielerlei, und alles wird treu verzeichnet: die ersten Anleitungen zur Hausarbeit, die ersten Ohrringe, ein Rauhüberfall bei Verwandten, ein neu crschie- ע euer Roman ״Der schwarzer junger Manntschik", die lieber- Siedlung nach Moliilew, die ersten Berichte aus Jerusalem von der Großmutter Lurie und der vom Ranzen Ort angestaunte Granatapfel, abendliche Diskussionen des Vaters mit Studenten, Sommerfrischen am Dnjepr, die Verbannung eines Vetters nach Sibirien, das Attentat auf Alexander II. Eines Tages kam dann die alles überschattende Nachricht: die Verwalter des Moses Montefiore Trust waren auf Pincs aufmerksam geworden und trugen ihm die Verwaltung in Jerusalem an. Er wurde nach London berufen, übernahm die Aufgabe und reiste sofort nach Palästina. Es dauerte zwei Jahre, bis die Familie nachkommen konnte. Fine jüdische Erzieherin war nicht zu finden, lind so nahm man eine Russin mit, deren größter Wunsch cs war, am heiligen Grab beten zu können. Am Abschied nahm die ganze Stadt teil, und alle hatten Aufträge: daß man an den heiligen Stätten für sie bete, daß man ihnen Erde vom Oelberg schicke, und besonders begehrt war, als Mittel gegen Krankheiten, ein roter Faden mit dem Maß von Mutter Rahels Gfäb. In einem großen Wagen, mit Raum für die sieben Seelen und ihre erheblich mehr als sieben Sachen, fuhren die Auswanderer zunächst nach Bobruisk, lind von da — zum erstenmal in der Eisenbahn — nach Odessa. Hier warteten sie zwei Wochen auf ihr österreichisches Schiff, das sie über Konstantinopcl nach Jaffa brachte. Die erste Zeit in Jerusalem war schwer: ein kleiner Bruder starb, Moskitos, Malaria und Augenkranklieiten suchten die Familie heim, dazu die Schwierigkeiten des Lebens unter ungewohnten lind primitiven Verhältnissen — all dies gibt der Verfasserin Anlaß zu interessanten Berichten über die damaligen Zustände. Das häusliche Leben in der Stadt, die eigene Herstellung von Mehl, Brot und Wein, die Erziehung der Kinder, und immer wieder die Intrigen der Chaluka-Kreise, bei denen die Brisker Rebbezin ״Sonitschka“ eine führende Rolle spielte, dazu die genauen Beschreibungen von Trachten, Schmuck und Kosmetik, von Krankheiten, Aerzten und Heilmittein, die beginnenden ״Mischehen“ zwischen sefardiselicn und aschkcnasischen Familien —, von all dem weiß die Verfasserin mit vielen Einzelheiten zu berichten. Wie fremdartig muß es z. B. den heutigen Leser berühren, daß die fromme Mutter öffentlich beschimpft wurde, weil ihre europäische Tracht das Kommen des Messias verzögere! Die Geschichte des Jisehuw spiegelt sich in den Erzählungen vom Kreis der Freunde, die alle mit ihren heute historisch gewordenen Namen aüfgeziihlt werden, und von den Gründern der ersten Siedhingen. Zu den ständigen Gästen des Hauses gehörten die ersten Biiuim, Nissim Beliar, Elieser Ben-Yehuda, der 1882 Palästina-Pavillon in Smyrna /*׳ fft(ff® 116׳ mir in Ar, 69 berichteten, war die jüdische Wirtschaft Palästinas auf der Internationalen Messe in Smyrna mit einem eigenen Pavillon vertreten, der viel beachtet wurde Ausland die ersten Wochen nach seiner Ankunft hei Pines wohnte, N. H. Irnber, der Dichter der ״I latikwa“, dazu die Kreise des älteren Jisehuw wie J. Yol Hin,’ Joel Salomon, die Riwlins und Meyuhas, M. I. Goklsclimidt, Dr. Iler/berg (Verfasser der ״Famiiienpapiere“) und viele andere. Ein besonderes Ereignis war der Besuch von Colonel Goldsmid, von dem die Verfasserin 50 Jahre später seiner Tochter, I.adv Swavtliling, erzählen konnte. Halbvengessene Episoden tauchen auf, wie das gescheiterte Kolonisationsprojekt von Lawrence Oliphant in Cypern, die Gründung einer Ziegelfabrik in Mot/a durch Yellin und [3ines, die Gründung der ersten Gewerbeschulen u. a. n1. Fast wie ein Märchen wirken heute die Berichte von den Sommerfrischen in Co'onia, wo man sich mit den llusseinis traf, oder die dreizehnstündige Fahrt per Dreigespann nach Jaffa mit Unterkunft bei moslemischen Arabern. Lebendig und ganz!!»literarisch fiieltt die Erzählung, hier und da dramatisch oder humorvoll, wie in der Geschichte von den vier Diebstählen oder von dem Sendboten, der unter Androhung des ״Cherem״ von Ihnes die Schlüssel seiner neuen Schule verlangte. Der erste: Teil der Leheusgcschichte schließt mit einem giiirklicheu Ende, der Verlobung der fünfzehnjährigen ltta. Ein hübsches Bi Ul am Schluß des Bandes zeigt uns die ernste ״jüdische Tochter“ und neben ihr sitzend einen klugen jungen .Mann im Tafbnseh namens David Yellin, beide am Eingang eines von Freud und l eid und gesegneter Arbeit erfüllten I.iTh׳iis. Nach diesem Kapitel aus einer Zeit, in der auch das städtische Lebet! seine heroischen Zuge liatle, kann man nur w imscheii, daß es der Verfasserin bcsdiiedcn sei, die Nieder- Schrift des I lauptteiN du es l; bro-biichr,., der mehr als ein halbes Jahrhundert umspannt, zu vollenden. Es fehlt ihr weder an Er/äiiiergabe no.'h an Stoff, um in die Reihe der Gliickel von Hameln und der Ikmitne Wcngemft einzutreten. I' ti g c 11 M aycr In Memoriam Der palästinensische Jisehuw wurde in tiefe Trauer versetzt durch die Nach׳ icht '׳<!:! dem Attentat, dem Chajim Sturmanu, Aharon Etkin und Dr. David Mos sinsolin auf den! Wege von Tel Atinl nar 11 Ti rat 11 Zwi zum Opfer fielen, als sie von der Besi.Titiguug eines Keren Kajenieth-Terrains ziiniekkeh 1 den. auf dem in Kürze ein neuer Siedlungspimkt errichtet werden soll. Ich kannte Sturmann und |)r. M o s s i rt s o h n nicht persönlich; die Begcgnttngen mit Etkin habe» sich mir unauslöschlich eingeprägt. Vor etwas mehr als einem Jahr, int Sommer 1937, hegegtiefe ich Ethin erstmalig in einem kleinen Restaurant in Tiberias, auf dem Wege ztt eien damals jüngsten Siedlungen des Emek Betli Schau und Emek Hajarden. Etkin half mir heim Studieren der Landkarte, zeichnete die neuen Punkte ein, gab Auskunft über die Wege und ihre Sicherheit und bot schließlich seine Führung und Begleitung an. Wir fuhren zu zweit im Wagen, Etkin den entsicherten Revolver zwischen den Knien, den Kinereth-See entlang, an Deganiah vorbei, über die Jordanbrüeke in Richtung der transjordani.- sehen Berge auf staubigem, schwarzem Weg, zwischen halbverdorrten kniehohen Distelkniufern. Besuchter! Massadah, Ejn-Hakoreh. Wieder auf den Feldweg, Rechts und links schwarze Zelte der Beduinen. Eine Schafherde sperrt plötzlieh den Weg. Die Araber stellen mit undurchdringlichen Gesichtern fünf Me'e־ vom Wagen entfernt. Ein Kind wirft einen Stein, der ni/lit trifft. Etkin ruft ihm auf arabisch etlwas zu, nicht aufgebracht nur mit energischem Ton, Weiter nach Betli Josef. Dann: lieth Schau, wo kurz vorher der, einzige jüdische Einwohner ermordet wurde‘. Durch die enge Hauptstraße, die gleichzeitig Bazar und Markt ist. Einzelne Araber grüßen 1 etkin: wir halten eine Minute, da einer von ihnen an den Wagen lieraniritt. Etkin spricht mit ihm in seiner Sprache, i lassadeli, Tel Amai, Schatta, Ejn Charod. Abschied und Dank an Etkin, den ich wenige Wochen später wieder sehe. ,׳Es ich einige der Siedlungen — auch. das von ihm geleitete Gewa . wieder und diesmal für längere Zeit besuche. Etkin war ■10 Jahre alt, vor 27 Jahren aus Polen ins band gekommen, lebte in Rechowoth, Beer Tttwia, seit 11 Jahren in Gewa. Er war einer der leitenden Kräfte des ganzen Emek-Bezirks. Mit Stur m a 11!1, dem Muehtar von Ejn Charod, verband Ilm - wie im Tode so im Lehen — rege Kameradschaft. Die relative Rübe, die in den ex־ponierten jüdischen Bezirken von. Gewa Iris Reth Schau, nördlich und südlich davon, in lei/ler Zeit herrschte, war vor allem dieser Beider Werk. Sie sorgten nicht nur für die etwa notwendige Abwehr, sondern vor allem auch für die Aufrcchterhalttiiijg guter Be/׳!■!!!mg( 1׳ /u den arabischen Nachbarn. Etkin war groß, kräftig, das offene, gebräunte Antlitz war von feinen l'a'ten du reit zogen. ()11 ne einsilbig ztt sein, sprach er kein Wort zu viel, Ruhe und Sicherheit strahlte von ihm aus und teilte sich jedem sofort mit, der mit ihm in Berührung kam. Seine Aufmerksamkeit und Eürsorge für Gäste war geradezu rührend. Die jungen Menschen in den ״Vorpostcn"-Siedlungen vereinten ihn. Er hatte ihnen den Weg gebahnt, hatte stets Rat und Hilfe bereit. Er war der Prototyp dessen, was wir als den ״neuen palästinensischer» Juden“ bezeichnen. Einen Tag vor der Katastrophe fragte ihn ein Chawer: ״Mußt du wirklich jeden Tag zu den netten Kibbuzim fahren?“ Etkin antwortete: ״Wenn wir nicht fahren, wer soll zu ihnen kommen?" Etkin, Sturmann, Mossinsohn und viele, die, in voller Kenntnis der Gefahr, ihr!.eben einsetzten ftir unser Volk, sind nicht mehr. Ihr Andenken sei gesegnet und zum Segen! M anfreil Geis Torf in Palästina. An sielt ist Palästina arm an Mineralien. Allerdings hat die Ausnutzung der Salze des Toten Meeres das Bild in letzter Zeit etwas verändert und es bestehen auch Aussiruten, I■' e t r o 1 e 11 m > 1 finden. Jetzt kommt als neuer Bodenschat/ Torf hinzu. Dieser wichtige Stoff findet sich im Htile-See auf jüdischem Gebiet, und zwar nicht in privatem, sondern in öffentlichem Besitz. Die Kon- Zession ist in den Händen der Pica, der Palcstine Land Development Company und des Keren Kajcmcth. Man schützt das Torfvorkmnmen auf zwei Millionen Tonnen. Die Hebung dieses Bodcnschatz.es ist nicht schwer. Wenn man den Preis der Tonne mit etwa 1,5 Pfund ansetzt, so zeigt sich die Wichtigkeit dieser Entdeckung ftir die palästinensische Wirtschaft. Wenn es sieb bewahrheiten sollte, daß man den Torf zum Düngen verwenden kamt, so würde das Torfvorkommen auch von großem Einfluß auf die Landwirtsehaft sein. ITie Ausnützung des Torfsdiatzes wird sich natiüTich Jahrzehnte hinziclten und zu einem wichtigen Faktor 1(010 im Wirtschaftsleben des Landes werden. J