Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 74 (16.9.1938)
- Date
- 1938-09-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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t 9. S9P. 1938 Nr. 74 / Jahrgang 43 Praia 23 Rpf. JÜDISCHE RUNDSCHAD Redaktion, Verlag und knutgenvcrwaHaBgi Berlin W15, Main ekelt*. 10 Fernruf* 019031, Telegramm«Adrceaei Orghlp. — In Fällen höhere» Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa achon gezahlter ÖezugsgebCihren. Bezugspreis einschlieBlich Bestellgeld je Monat KM 2,-—, je Viertel• jahr RM 5,75; bei Abholung KM 1,88 b*w. RM 5,39 {einschtieSlich Postzeitungsgebühr von 10,96 Rpf je Monat). — Postscheck Konten der Vertriebs •Abteilung für Groß-Berlin Berlin 71573, für d*a übrige Reich» Berlin 17393 Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) BERLIN כ׳, אלול תרצ״ח FREITAG, 16. SEPTEMBER 1938 Inditlat jeden Dienstag ml Freitag. Gültig ist die AnzelgeuxprelelUte Nr. 3 vom 1• April 1936. Die *wolfgespaltene mm• Zeile 20 Rpf, für Familien• Nachrichten 15 Rpf. Keine Gewahr für Aufnahme von Anzeigen in bestimmtes Ausgaben oder an bestimmten Platzen. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung auf PosUchedc - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9—18 Uhr, AnnahmetchluS für die Dienstag ־ Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag Ausgabe: Mittwoch 15 Uhr. Familien Anseigen am Tag vor Erscheinen 16 Uhr Emigrations-Probleme 5000 Jaden nach Australien Nach einer Mitteilung des australischen Innenm i n i s t e r s hat die australische Regierung beschick en, daß während des laufenden Jahres insgesamt 5000 Juden aller Kategorien nach Australien einwandern dürfen. Wie man annimmt, beabsichtigt die australische Regierung im Laufe der nächsten zehn Jahre die Zulassung von insgesamt 50 000 jüdischen Ein- Wanderern. Die australisch-jüdische Wohifahrts-Organisation hat einen Aufruf an die australischen Juden gerichtet, C 50 0 00 zur Unters'üt/.iing der Wanderung aufzubringen. Einwanderungsregelung für Schweden Von unserem Berichterstatter H. R. S t o c k h o 1 m, den 12. September Ein neues Freindengesctz ist mit sofortiger Wirkung in Kraft getreten, wonach Ausländern die Einreise nach Scliweden ohne vorheriges Einreise- und Aufenthalts v i s u in sowie Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis nicht mehr gewährt wird, auch wenn sie in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehren. Das neue Gesetz ist insofern eine große Erschwerung, als bisher für deutsche Reichsangehörige keinerlei Visumzwang bestand und jeder Ausländer das Recht hatte, sich Palästina vor dem Völkerbund Das Generalsekrefariat des Völkerbundes hat dem Völkerbundsrat, der gegenwärtig in Genf versammelt ist, die B e - in e r k 11 n g e n der Permanenten ’Mandatskommission, deren 34. Sitzung im Juni d. J. stattgefunden hatte, zugeleitet. Die Bemerkungen über Palästina geben einen kurzen Ueberbiick über ״die. Beratungen betreffend den Jahresbericht der Palästinaverwaltung für das Jahr 1037. Die Erläuterungen, die seinerzeit Sir John Shuckburgh, stellvertretender UnterstaatssekKtar des Kolonialamtes, als akkreditierter Vertreter der englischen Regierung der Mandats- Jiommission gegeben hat, werden zur Kenntnis genommen, wobei lediglich in einem Punkte eine kritische Stellungnähme der Mandatskommission hervortritt. Es heißt in den Bemerkungen, daß die Königliche Kommission unter dem Vorsitz von Lord Peel gemeint habe, das gegenwärtige Mandat des Völkerbundes würde bis zum Vollzug der Tei- Iung die bestimmende Grundlage fiir die Verwaltung Palästinas bilden; tatsächlich jedoch müsse die Mandatskoni־ mission die Feststellung treffen, daß die Anwendung des Mandats zur Zeit teilweise suspendiert sei, nämlich insofern, als in der Interimsperiode zwischen Veröffentdrei Monate besuchsweise im Lande aufzuhalten. Der Grund zu der neuen Bestimmung ist in der erhöhten Auswanderung aus verschiedenen europäischen Ländern zu suchen. Für den normalen Reiseverkehr (Geschäftsreisende usw.) trifft das Gesetz nicht zu, jedoch ist es empfehlenswert, daß sich solche Reisende bei den zuständigen schwedischen Faß- und Visumslellen im Ausland diesbezügliche Grenzbescheinigungen verschaffen. Neue Anstrengungen in der Wanderungspolitik fn der Eröffnungssitzung der 19. Hauptversammlung des Völkerbundes sprach der Delegierte von N e u - S e c- 1 a 11 d, Mr. William Jordan, seine Sympathie mit den Bc- Strebungen Roosevelts aus, die durch die Schaffung des Intergouvernemcntalen Komitees auf den Konferenzen in Evian und London der Verwirklichung nähergekonimen sind. Die Genfer Institution werde bereitwillig mit diesem Komitee zusammenarbeiten. Es soll sodann vom Völkerbund aus ein ״Ständiges Internationales Komitee für Wanderung und Sied- Iung“ ins Leben gerufen werden, das sich nicht nur mit der technischen Seite dieser Aufgaben, sondern auch mit der Ausarbeitung von Finanz icrungspiänen hierfür bcfassen wird. Das Internationale Arbeitsamt hat bereits Entwürfe vorbereitet, nach denen die Wanderung landwirt- Schaft) ich ausgebildeter Menschen in s ii d a m erikanischc Länder gelenkt und gefördert werden kann. lichung des Peel-Berichtes und Bekanntgabe des Woodhead- Berichtes der Grundsatz der ökonomischen Aufnahmefähigkeit des Landes als Maßstab für die Bemessung der jüdisehen Einwanderung außer acht gelassen werde. Sir John Shuckburgh hat hierzu in einem Briefe an die Permsnente Mandatskommission geäußert, daß er die gegenwärtigen Bestimmungen über die jüdische Einwanderung nach Palästina nicht als teilweise Susuension des Mandats auffassen könne, da in der oben erwähnten Interimsperiode eine wesentliche Verschiebung der Bevölkerungsverhältnisse, auf Grund deren, die Pee'-Kommission die Teilung vorgeschlagen habe, vermieden werden müsse. — Der Völkerbundsrat wird sich mit den Bemerkungen der Permanenten Mandatskommission beschäftigen. Nach Meldungen aus London beabsichtigt der ägyptisciie Außenminister, der bei der Völkerbunds- Versammlung in Genf anwesend ist, die Palästinafrage dort zur Sprache zu bringen. Der irakische Außenminister hatte in Alexandrien eine Unterredung mit dem ägyptischen Außenminister. Man nimmt an, daß dieser einen neuen Plan für die Lösung des Palästina-Problems vorlegen will. Appell an USA In diesen Tagen der atemlosen Spannung und der tiefen Anteilnahme Aller an dem so schicksalsreichen Geschehen sind alle, die Menschen in Haus und Straße und die Staatsmänner, mit großen Sorgen beladen. Die Schatten schweren Leidens schweben über der Welt. Zugleich aber gehen die Dinge des täglichen Lebens weiter und auch in unserer jüdischen Sphäre hört das Denken und Sorgen um das Schicksal unserer Gemein- Schaft nicht auf, ebenso wenig der Versuch, in die notwendig gewordene Neuordnung der Dinge Stetigkeit und Planmäßigkeit hereiiizubringen. Wir Juden wissen, wie schwer es sich auswirken würde, wenn auch nur in dem kleinen Sektor des Lehens, dev die Juden betrifft, chaotische Zustände entstünden. Viel ist schon über die Planung der jüdischen Wanderung gesprochen worden. Eine Konferenz von 32 Staaten war diesem Thema gewidmet, auch die Völkerbundsversammlung in Genf wird sich in diesen Tagen wieder mit dem Gegenstand befassen. Aber wir werden allmählich dazu gedrängt, daran zu zweifeln, ob aus allen diesen Uebcrlegungen tatkräftige Hilfe kommen kann. Es zeigt sich jetzt klar, daß die in Evian vertretenen (.ander die Sache so auffassen, daß sie lediglich vor der Wahl stehen, ob sie die bisher gültigen Einwanderungsbestimmungen weiter bestehen lassen sollen oder oh sie angesichts des ungeheuren Andranges die Einwanderung noch weiter beschränken sollen. Kein einziges Land hat unter dem Eindruck der Verhandlungen in Evian und des unterbreiteten Materials, das ja in dem Buche von Sir John Hope Simpson eine klassische literarische Bearbeitung gefunden hat, sich bereit erklärt, der außerordentlichen Not durch ein außerordentliches einmaliges Entgegenkommen Rechnung zu tragen. Viele haben heute schon den pessimistischen Eindruck, daß die großzügige Initiative des Präsidenten Roosevelt und die Ingangsetzung eines beträchtlichen Appparates keine nennenswerten Früchte gezeitigt haben. Inzwischen spitzt sich die Lage der Auswanderungsbedürftigen immer mehr zu. Ihre Lage ist geradezu absurd: Sie haben alles zur Auswanderungvorbereitet, d. h. die Brücken hinter ihnen sind abgebrochen, viele Tausende sind auch im Besitz von Dokumenten, die die Voraussetzung für die Einwanderung in versehiedene Länder, besonders nach den Vereinigten Staaten von Amerika bilden, aber — in dieser Situation sind sie sozusagen eingefroren, sie können nicht vorwärts und nicht zurück. Man spricht davon, daß durch die zahlreichen Vormerkungen die E i n w a 11 d e r u 11 g s - quotc nach USA. nicht nur für das Jahr 193S, sondern auch schon für 1930 erschöpft zu sein scheint, und viele Juden mit einem vollwertigen Affidavit in der Hand werden jetzt schon auf das jahr 1940 vertröstet. Nun bedarf es keiner großen Phantasie, um sich vorzustellen, wie einem Juden zumute sein muß, der für sich und seine Familie die ordnungsmäßige Auswanderung anstrebt, seine Angelegenheiten an seinem bisherigen Wohnsitz rechtmäßig erledigt hat und nun vor der Aussicht steht, bis 19-10 warten zu müssen, bevor er das erforderliche Visum erhält. Es wird immer schwieriger, unter solchen Umständen eine geordnete Abwicklung der Dinge durchzuführen. Sir John Hope Simpson hat vor mehreren Wochen in einer englischen Zeitung in einem aufsehenerregenden Artikel die Ansicht ausgesprochen, daß jetzt ״alle Augen auf England und das Britische Empire gerichtet“ sind; es wurde bei dieser und anderer Gelegenheit viel von den ״leeren Räumen“ des Empire gesprochen und auch von jüdischer Seite fehlt es nicht an Vorschlägen, durch Pionierarbeit neue Gebiete zu erschließen und sich dem neuen Wohnland für die gastliche Aufnahme dankbar zu erweisen. Die Dinge sind aber über theoretische Diskussionen nicht hinaiisgekommen. Wir haben an dieser Stelle vor einiger Zeit den Gedanken einer ״Zw ischenlösung“ erörtert, der auch von anderer Seite aufgegriffen wurde; es würde sich darum handeln, für die Menschen, die begründete Aussicht auf Einwanderung in ein endgültiges Zielland haben, jetzt aber dorthin noch nicht gelangen können und auf der anderen Swtei Uele*UUU Bei den Terrorakten in Palästina wurden in den letzten Tagen elf Juden getötet. Die holländischen Juden nalunen an den Festlich• keiten anläßlich des Regierungsjubiiäums der holländisehen Königin regen Anteil. 1111111111111M!1!11N1111111111111111!1111111111H11H111111111111111M111111111111111111111111111111HHH111!11111111111111111111111H!111111111111111111111111!11111!11111!11111111H1111111111111t1111n111)1111m1«mNR111n1111nmn1Tmnnn1raKH(n11111<Hm«11111n11nnm1111n1<1)nram<nffi1(!u1! An die Juden in Deutschlandl Zehntausende von Juden verlassen das Land. Viele jüdische Gemeinde!! in Deutschland sind in der Auflösung. Aber sie sollen nicht vergessen werden. Wir wollen für kommende Geschlechter das Gedächtnis an diese lange und ereignisschwere Epoche jüdischer Entwicklung und auch an die Letzten, die sie abschlossen, bewahren. An der Schwelle eines neuen jüdischen Jahres rult der Keren Kajemeth Lejisrael zu einem schönen und großen Werk. Die Juden Deutschlands und ihre Gemeinden sollen sich in ein ״Buch der Erinnerung“ — Sefer Sikaron eintragen und gleichzeitig damit die Mittel für die Erlösung des Bodens schaffen, auf dem eine neue Siedlung von Juden aus Deutschland in Erez Jisrael stehen soll. Sie wird den Namen Tel Sikaron — ״Siedlung des Gcdenkenstf tragen. Tel Sikaron — Siedlung des Gedenkens — soll der Ausdruck einer gemeinsamen Kraft• anstrengung sein, durch die Vergangenes bewahrt und zugleich ein in die Zukunft weisendes Werk geschaffen wird. Wir treten diesem Plan, der würdig in seiner Absicht und kraftvoll in seinem Ziel ist, freudig bei und machen uns die Forderung, die der Keren Kajemeth Lejisrael aus diesem Anlaß an die Juden Deutschlands richtet, zu eigen. Reichs verband der Juden in Deutschland Dr. Leo Baeck Dr. Otto Hirsch Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Heinrich Stahl Zionistische Vereinigung iür Deutschland Benno Cohn Dr. Hane Friedenthal s.