Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 73 (13.9.1938)
- Date
- 1938-09-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2651273-2653549-2653611--32653-2684392- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 73 13 IX 1938 Einheitskleidungder Schulkinder Förderung der Landesproduktlon Fn diesem Sommer wurde /um ersten Male in größerem Umfnr.g der Versuch unternommen, für die Schulkinder eine c i;1! ,׳ «;‘,liehe Bekleidung ein/uSulircn, die in allen TYik'1 1׳!!s Erzeugnissen der eiiiheimiscfien Industrie besteht, /er I!u’u'.lulirimg dieser Aktion verbanden sieh eine Reihe von!nst.u1/1.11: der Veibnml für Ila 1,1 s 1 ina-1,rodukfe, die Eabrik, 11׳;•. u-Vcri iiiigtmg, riet Einzelhandel, die Lehrerschaft, Stadtimd Kommunaivcnvaltungeii 1!s\v. Ci esc Sache hat von wirtschaftlichen und anderen Gesichtspinkteii aus selir erhebliche Bedeutung. Wirtschaftlich (.!gibt rieh bei voller I)uiiliiiilirting der Sotumerhleidung ein < >;,11111.1115a;/ von 1ui11dcs.cn!> cP 31) UüO. für die Belebung üer Viitsduft also cm recht aiiselmlicher Betrag. Die soziale 0:1,1 propagandistische Wirkung fad. nicht minder ins Ge- «.eilt, wiewohl :du :-ich!licht in Cield ausdi iicken läßt. Zugleich wurden durch diesen Gedanken eine Reihe von gnino.- it/liclicn und p ak isiic’1 I ra׳;en aufgeworfen. Die liinfuhr!,;1g einer solchen Kleidung bedeutet ein Stuck Planu!1 t-chafl mit einer I nde >.d1,v1c1״gcr oigani.satorischer Prohleme. Strnk Umfragen ״er Imiii -t!e und des Handels im ganzen und der eiii/el o :1 1’ st leb.׳ muH en geprüft werden; :o/iaU11׳ Lrwagungeii na111 ״ erheblichem Maße Raum zu t>ben. Mm! ging davon au-, dali die i 1 dicilskleidung den Min- «Jcrb1 .׳:.it 1 Beil kostenlos zur \ c gvicg gestellt werden soll, damit ärmere K;,i - , deren lil ern nicht in der Lage sind. die Kl idiing /;1 kaufen, vor ihren Kameraden nicht zu! i.ck-ti lien mii'Svii. Um diesen, sozial zweifellos gerechtfei tigteti Gedanken dm cli/ti!11111 eu, wurde von den ein/elneii ('eiiicindeii eine Abgabe erhoben, und zwar in der Form, <:■!;; dm!׳״tieflende Stadt oder K״״perscha1t dem Fabrikanten gegen Zahlung der \b;abe סייס׳ entsprechende Anzahl von I itea /;im!'!׳iii.iitea zur Verfügung stellte. Dieses Etikett ist d - ״I ,!1:ite!,'/1 iclii 1!׳• der Kleidung, durch welches best::. ־ v.;, J.! «esich 11111 ein /ugelassenes, einheimisches Li /■ . .: 11.111 , ־ I, it, mul die Kinder selbst sind hierüber arg- V Kl IC ,m;, c \\ .;Kltc: .!1er l־.:h:.k mt .einerseits durfte diese Abgabe nach einein L. - :1;-.::k.'mi /. lk auf semc .Abnehmer, Grossist Ui:,1 lk:v,k ״. veitciieii. Der G, uiulgcdanke dieser Abreue 11:1; d r, 1:111 y.ir iinmi/icrung dieses ״So/inibedarfs“!׳.ei׳: eine \! rteuerung für den einzelnen Verbraucher einfr,:,;!, so;:, im 11 dali da ich sie eine gerechte Besteuerung;dler;111 llei-teli'ing mul Vertrieb interessierten Firmen er-!.>;;•« 1, . [}:ז״!״ < ׳-׳ so.lte!die Spanne erfassen, weiche 1:1 Fa’׳::;:um und Ver:t i־ :> uureh kon/enfrierte Anfertigung 1: 1;1 \ 1 ״tJ'i.ug :;:״׳'!er ,Stengen gleichartiger Ware entsteht. Ir, r Vm'iiiuc.K'Ii׳, r soll a!»o zu dem Preis kaufen, den er .•׳!:,! :•■;■״־ . ate .deidir 1i7׳e Ware anlegt: dem Ikibrikanten l. u:! .:1 /־ h.!;1,111verh'cibt ein vorgi'schriebener, knapp be- 1::•’-■׳ :״ י X 1:/ca. Fs Xt klar, daß du־ Organisation eines so komplizierten App.rate.!1!.-;1t an:!Jen ersten Anhieb reibungslos lief lind daß in nt ■brta ׳h.׳r Richtung Kri׳ ik laut wurde, insbesondere riehfi־׳,• . h Jic.o gegen ,!110(‘-11 ״׳ di■׳■ Abgabe, die 7. B. in Tel Aס,., ׳!■: ״׳ Im iiaig. Am■'! die Organisation der Warenvertei- Um.; fand beredt:־: ׳te Kritik, I Fn-k-htb.-h d> r Kleidung selbst ist zu sagen, daß eine Tatsächliche K'o!1/1׳ntri:״ tmt; auf nur eine einheitliche Klei- «Um״, wie sie eigentüch dem Sinn der Sache entsprochen würde, noch n'dit mög'ieh war. Das kotnnit in erster Linie von di r b! ,oitderen Gestril!mg des palästjnen.-i'chen Schulwc.sins und der Ve.schiede iiartigkeit der Schulverwaltungen. Die Sommerkieidung bestand aus folgenden Teilen: Für Knaben: Hut, Hemd, f־losc, für Mädchen: Hut, Kleid bzvv. Rock und Bluse. Einheitliche Fußbekleidung konnte, für den Sommer noch nicht durchs׳• führt werden, Socken spielen des Klimas wegen keine große Rolle; als Schuh wurde eine halbgeschlossene Sandale empfohlen, jedoch noch nicht strikt Girthgefiihrt. Diese war itt der Form befriedigend, während ihre qualitative Ausführung im Gegensatz zu der .guten Dualität der anderen Erzeugnisse sehr zu wünschen übrigließ. Am meisten verwandt wurde für Knaben Khaki, für Mädciien blau. Der am häufigsten gewählte Stoff ist ein kräftiger khaki-farbiger Satin, der sich auch im Tragen sehr gut bewährt hat.' Für Kleider und Blusen fanden meist umfarbige P.״,p;:::nc- und Crvtonm ׳offe Verwendung, für Hemden und Bi״-.!׳! wurde auch vielfach Trikot in verschiedenen Wirk- I :!: m;1!!••range/ogen. So .!,׳!It .ich :1X0 die Khäilung der zwei größten Gruppen --!!:.(> :-;rk u:nl 1 ׳! i: ■>' z>V1! Ir! Awiw — fo'gendcrmaßen I, . ׳ H11!::l1.ch1!b-n-K1nhe11!1eklcldung: Hose aus khaki Sc,:!, 11:;,1,| an, ko-nbkiu in G.e’onne, 111 ciiraiubger Sonnenlue hu! U X XX) 1׳ So■': wie die i low. M.idrhetikh idiing: lo:X, -ei.!,hak■:arliigc■!! Kretonne, Bluse aus dem gleichen;,1! סי, :!':!׳•וי >; Tf wie da- IBumt der Knaben, Hut aus khaki >.!!:,■1 wie .brr Kn;1 heuhut. Irl'111-S־ h!!h1;׳ Tel Awiw׳. Knabenkleidting: Hose aus khaki c o::c tu- ־!•>!:ntereu Kk׳-!׳s׳׳n mit Trägern aus gleichem Stoff, ll׳m,j re.;- Ivi״r Rmgithkop Hut khaki Popeline. Mädchen- K'IHd au. h;!lb!1'1׳c!u BattmwoMkrepp mit weißem Kr׳:׳•.!!. Gr die untere!) «bissen einfacher verarbeitet, für;!־׳!1ס •י: י:;!!;;!it Giir'e: mH weitem Rock, Hut׳ aus weißem I׳, p;k:nr. Gesrh 111 Trküch war insbesondere die Kleidung der "1 :׳! Awiwer Srhul'iit׳■ ml 111 ■: roh ans befriedigend. Der Preis b :.11׳: ׳;;!׳ Dehn: für I)!1r1 hnittsgröße: bei Knaben für f!,־-׳•. H׳!!״.l, I lut 31t' miliiii, mit Socken und Sandale 645 mil,!■•ei Mi.i:;!!r11 für Kleid!!!ul I lut 400 militrt, mit Socken und Sוnי 1:1׳e 7)7 mil. Fier Durchschnittspreis entspricht also für die kompk'tTc Ausstattung zirka 8,50 RM., wobei man freiü.-n /er r!:b*igci1 Beurteilung den höheren Geldwert berücksiehkgen 1!n;ß. A11 der I ler.-fellung der verwandten Stoffe waren sechs Wt bi :•ihm um! die Trikot Industrie beteiligt. Die angeführten Siebs ר Stoff(., Wie sie in den beschriebenen Kleidungsstücken verwandt w urden, Italien 00 ׳ ״. des Gesarrdbedarfs auf sich vereinigt. Im ganzen aber wurden 25 Stoffe in 38 Farbstelluiigen feinsdillefliidt Trikot) benutzt; obwohl diese Zersplitterung bedauerlich und falsch ist, so erscheint es doch bemerk«]«• wert, welche Auswahl die junge palästinensische Textil-fndu.strie für!:inen solchen Zweck zur Verfügung zu stellen vermag. Fke Stoffe sind großenteils aus im Lande gesponnenen Garnen hergrstellt, und es wurde auch für Zubehör, Knöpfe 1;,.\v, auf möglichst weitgehende Heranziehung einheimischer Ik z!!;!;׳;!■.sc Wert gelegt! Die Qualität aller dieser Produkte ist durchaus befriedigend. Dir- Verarbeitung erfolgte sowohl durch die Konfekfto’t.betriebe wie auch durch private Schneiderinnen und Fi״! mmSerFgung ohne irgendwelche Beschränkung; zum Vertrieb waren alle interessierten Detailgesebäftc zugelassen. Die Aktion soll min durch Einführung einer. WinteTk I e i (I!1!1 g ihre Fortsetzung finden, und hierfür sind die Vorbereitungen int Gang. Vielleicht wird man auch dazu übergehen, eine Ganz-Jahres-Klcldung zu schaffen, welche im VVinter einfach durch Htnzufügung wärmerer Kleidungsstücke, wie 7. B. eines wollenen Pullovers, ergänzt wird. IX ■sf damit zu rechnen, daß sehr bald der Gedanke der Ein- II. >i.d.!e;d11njg voll durchgeführt werden wird, so daß sie tat- . DDh di׳■ Sebulkleidung aller palästinensischen Kinder '! 1 Rudi Bach ״Gan-Hachajoth“ Der Zoo In Tel Awiw zieht um Es ist erfreulich, daß in Tel Awiw eine Reihe von Instituten aus privater Initiative entstanden sind oder noch entstehen, die die Stadtbevölkerung mit der Tierwelt in Beziehung setzen. Da gibt es den Plan eines Gelehrten, der bereits wichtige Einleiümgssdtritte getan hat, 1111 ein Aquar i u m für Kenntnis und Forschung der Wassertiere, vor allem des Lebens in der See zu errichten. Ein anderer ebenso pädagogisch wie wissenschaftlich interessierter Balmbrecher bat die Grundlagen zu einem t i e r - b i o I 0 g i s c h e 11 Institut gelegt, in dem Lehrer und Schiller au Hand ׳lebendigen Werdens Belehrung über das tierische!.eben finden. Die Stadtverwaltung bat dafür volles Verständnis gezeigt und bemüht sich, dem Institut für die Datier die Existenz und die Entwicklung zu verbürgen. Einen verwandten aber doch ganz anderen Zweck verfolgt der 0״ a n - H a c h a j o t h", d. h. der werdende Zoologische Garten, der von einem fanatischen Freunde der Tierweit ins Leben gerufen worden ist. Ist das Biologische Institut für wissenschaftliche Erkenntnis bestimmt, so bat der Zoologische Garten, wie das überall in der Welt der Fall ist, die Freude an der Tierwelt zum Zweck und soll ihre Mannigfaltigkeit als Schaustück mit der Kenntnis der Tiere und ihres Lebens und zugleich mit einer Erholungsstätte verbinden. Man muß das Werden dieses Gartens mit seinen ungeheuren Schwierigkeiten beobachten, um zu verstehen, mit welcher Hingabe der Schöpfer dieser Institution ans Werk gegangen ist. Es ist ein Mann, der von Kindheit an mit Tieren vertraut war und ohne Zwang die wildesten Tiere sich zu persönlichen Freunden macht. In Deutschland war er ein alter Zionist, 13 Jahre lang Rabbiner in einer Großstadt. Einstweilen befindet sich dieser Tiergarten noch in ganz unzureichenden Räumen in der Yarkon-Straße. Das hatte einigen Tierschüt.zlern Veranlassung gegeben, durch Dentinziationen die Sache zu schädigen. Dagegen ha. die S.adtver- Walfang von Fei Awiw besseres Ve: s'ün iris. Sie ha! an bevorztigter Stelle ein g> öderes (ii undstück zur Verfügung gestellt, und dort werden auf Veian'a s!!ng des Direktors mal unter Unterstützung durch den ״Ver». in der Freunde des Zoologischen Gartens" augenblicklich die notwendigsten Bauten aufgeführt, um dun Garten und seinen Bewohnern, den tierischen wie den menschlichen, eine hygienische und würdigere Heimstätte zu errichten. Und in dieser Form ist der frühere konservative Rabbiner mit seinen Sehutzbcfohlcneu in das neue Heim tibcrgesiedclt, das alsbald neben Theatern und Kinos, aber in ganz anderer Weise, der bevorzugte Vergnügtmgsort der Tel Awiwer, vor allem aber der Kinder, werden wird. Demi es ist nicht übersehen worden, daß ein Zoologischer Garten, wenn er seinen Zweck erfüllen soll, zwar auch der Belehrung dient, aber vor allem eine Erholungsstätte, besonders der Kinder, sein muß. IDarum sind ein Spielplatz eine Esclreitbahn vorgesehen. Viel Freude macht es schon heute den Ktnacrn, wenn sie selten, wie. der Wärter mit den beiden Löwen spielt, oder wie der Direktor nicht fortgehen kann, ohne den Löwen die Pranken zu streicheln, weil sie so lange lärmen, bis ihnen diese Liebkosung zuteil wird. Da sind ein paar Hiim- I»y*-Bärwt, ein paar wunderschöne schwarze Tiere, von denen der eine sich der Milchflasche bedient, die er wie ein Kind zwischen den Vorderpfoten 11,'iP, während der andere in ähnlieber Weise, sich seine Speise aus einer Schüssel holt. Aber ein Institut gibt es freilich noch nicht in Tel Awiw, das noch entstehen muß. Das Ist der ״Botanische Garten". Bei dieser Sonne, die dauernd eine Bliiteiipraelit ohnegleichen entwickelt, muß ei eine Freude sein, dem Zoologischen Garten einen Botanischen Garten an die Seite zu stellen. Heinrich Loewe Lew! Lewin-Epstein Aus Jerusalem erreicht uns die Nachricht vom Hinschcidcn Lewi Lewin-Epsteins im Alter von fast 72 JIhren. Welchem Zionisten der älteren und mittleren Jahrgänge war diese patriarchalisch wirkende Gestalt unbekannt? Man begegnete ihm auf Kongressen und Konferenzen und freute sich, daß diese milde und gütige Persönlichkeit sich in unseren Reihen befand. Der Verstorbene war von reinster Liebe zu Tora, Volk und Land beseelt. Schon sehr früh fand er den Weg zu den Führern des religiösen Zionismus. Rabbi Samuel Mohilewer und Rabbi Jizchak Jaakobs Reines waren seine Lehrmeister. Obwohl er dem Verlagsunternclimen der Brüder Lewin- Epstein, einem Ins'itut von vornehmstem Bestreben, sehr viel Energie und Umsicht widmen nnißle, fand er doch noch Zeit, an Kongressen und Konferenzen teil/unehmen, in Misrachi, Keren Hajeßod, Keren Kajemeth und vielen anderen nationaljüdischen Institutionen sowie im Vorstande der Warschauer Jüdischen Gemeinde an führender Stelle inilzuwirken. Seit 1034 lebte er in Ercz Jisrael, atuch dort widmete er sich sehr eifrig der Keren Hajeßod-Arbeit. Fr versuchte noch, die Tradition der Verlagsfirma Lewin-Epstein in der heiligen Stadt fortzusetzen, es war ihm jedoch nicht mehr vergönnt, dieses Werk weiterzuführen. Mit Lewi Lewin-Epstein ging einer der edelsten Veteranen des Zionismus von uns. Auf'dem Friedhof in Rechowotli, der eine Stiftung der Familie Lewin-Epstein ist, fand er seine letzte Ruhestätte. ß. Kestenbaum | Jizchak Haberkorn" Auf der Fahrt zur Wacht fiel Jizchak Haberkorn, Chawer des Kibbuz Misch mar H a d a r o in, Gan Jawne, einem Ueberfall zum Opfer. Er kam vor drei Jahren mit der lugend- Alija aus Gleiwitz ins Land. Als einen der besten Arbeiter schickte man ihn zur Hafenarbeit nach Tel Awiw, dann war er in Ben Schemen. Erst vor kurzer Zeit kam er nach Gan Jawne; trotzdem war er bereit, zur Wacht in den Negew zu gehen. Auf dem Wege dorthin verloren wir ihn. Wir werden ihn nicht vergessen. Werkleute, Bund Jüdischer Jugend. JerusaTiner Vorträge. Der Kunsthistoriker Dr. F. Schi ff sprach im Atelier von lakob Steinhardt über das Thema der Freiheit der künstlerischen Produktion. — In der Jeschiwah Merkas Haraw fand anläßlich der Jahrzeit des Oberrabbiners von Erez Jisrael, Raw Kuk, eine Gedenkfeier statt, an der sich außer den Schülern des Verewigten weite Kreise des religiösen Jischuw beteiligten. — Dr. Baneth würdigte in einer von der Hebräischen Universität veranstalteten Gedenkfeier anläßlich der zweiten Jahrzeit des ermordeten Arabisten Dr. Levi Billig dessen wissensebaftliche Verdienste. S. B. C, Zionistischer Qruppanvarband ffir Baden, WQHtemberp, Pteli Tagung in Karlsruhe, Kriegsstr.154 am 80nntap, dam 18. Saptambar19S8 Programm: 10.30 Uhr pr«z. Dr. Paul Eppstein, Berlin Leiter der Wanderungsabteilung der RelOhsvertretung ,Bestand u, Auswanderung der Juden In Deutschland“ 15,00 Uhr pr*z. Dr. Kurt Licht, Berlin ,Die Arbeit des Keren Kajemeth Lej Israel hier und In Palästina‘ 16.30 Uhr prfiz. Dr. Hans Pomeranz, Frankfurt ,Die politische,wirtschaftlicheu.geistige Situation der Zionistischen Bewegung' Nach jedem Referat erfolgt eine Aussprache Zum 30. Todestag S. Hirszenbergs Am 13. September IdOS starb in Jerusalem Samuel Hirszeuberg. Hirszenbcrg gehört zu den Führern jener Generation jüdischer Künstler, deren betont jüdisches Kunstschaffen ans zionistischer (iriindeinstelhing erwachsen ist. Während andere jüdisch« Künstler derselben zionistischen Generation wie Ephraim Moses Lilien und Hermann Struck ihr Bestes in graphischen Arbeiten leisten, weiß Hirszenbcrg in Momnnentnlgemälden von jüdischem Leben und jüdischem Schicksal eindrucksvoll zu berichten. Sein bedeutendstes Werk und gleichzeitig die wichtigste Schöpfung jüdischer Kunst dieser Zeit war das sich jetzt im Jüdischen Museum in Berlin befindende Montimentalgemälde ״Sie watt- (lern‘‘. Der breite Strom der vertriebenen Juden, die an einem eisigen Wintertagte in die unendliche Ferne ziellos und preisgegeben wandern, ist mit erschütternder Tragik geschildert. Das Bild schlägt jeden Betrachter in seinen Bann. Die Kunst Samuel Hirszenbergs ist aus der Genremalerd erwachsen. Er begann mit Genreszenen aus dem jüdischen Leben_ wie ״Jeschiba“, ״Ein Stückchen Politik“, ״Sabbathnachmittag“, wie wir sie ähnlich auch von anderen jüdischen Künstlern, wie z. B. Isidor Kaufmann, kennen. In seinen Monmnen lalvverken voll tragischen Pathos ״Sie wandern“, ״Der ewige Jude“, legte er sein künstlerisches Bekenntnis zum Judentum ab. 1907 zog der aus Lodz stammende Künstler nach J erusalem, tun an der von Boris Schatz und E. M. Lilien gegründeten Bezalelschule als Lehrer zu wirken. Aus dieser Zedt stammen ausdrucksvolle Studienköpfe. Aber nur ein Jahr war es dem kaum 42jährige11 vergönnt, den jüdischen Menschestt auf dem alten Boden Palästinas studieren zu dürfen. Dr. Irmgard Schülei. Orthodoxie und Judemtaat. lieber die Problematik, die sich für die Orthodoxie an die Entstehung eines Judenstaates in Palästina knüpft, sprach in Jerusalem Dr, Isaak Breuer. Der Referent ging davon aus, daß, wie auch immer die staatsrechtliche Form der Gemeinschaft sein werde, die in .Ercz Israel entstehen werde, dein foratreuen Teil der Bevölkerung eine besondere Aufgabe gestellt sein wird. Das Gesetz Gottes, so muß die prinzipielle Forderung des toratreuen Judentums lauten, ist die Grundlage jeder Staatsverfassung, nach der eine jüdische Gemeinschaft sich zu richten hat. Das Toragesetz ist durchaus in der Lage, allen Be• diirfnissen eines modernen Staatsgebildcs Genüge zu tun, und es ist die dringendste Forderung der Stunde, daß jetzt schon von den dazu berufenen Männern die Arbeit geleistet wird, die die aktuelle Gültigkeit des Toragcsetz.es unter Beweis stellen wird. Die Allgemeingültigkeit des Anspruchs auf eine toratreue Staatsverfassung im Judenstaat schließt darüber hinaus grundsätzlich jede irgendwie gedachte Tren• nung von Staat und Kirche aus. Das Toragesetz verlöre seine wesentliche Bedeutung und Bestimmung, würde es zttnt ״Kirchen“-Gesefz degradiert. Andererseits aber scheinen dk besonderen Umstände unserer Gegenwart eine Trennung der politischen Staatsgewalt von der Verwaltung der gesellsehaft'ichen Ordnung im Volke selbst zu verlangen. Im antiken Judentum entsprach dieser Forderung die Trennung von Königtum und PriesterscTiaft. Es hat sich damals immer wieder erwiesen, daß die politischen Machthaber nicht in der Lage waren, die Tora in ihrer Reinheit zu vertreten, und auch heute müßte eine Verbindung von politischer Gewalt und Volksgerichtsbarkeit eine Gefährdung des Volkskörpers bedeuten, der, sollte die politische Staatsgewalt den Anforderungen nicht genügen können, in dieser Verbindung auch seinerseits schweren Schaden nehmen müßte. Das Hasmonäerhaus, das die Verbindung versuchte, liefert uns den Beweis für die Stichhaltigkeit der Forderung, ln unserer Zeit scheinen die Voraussetzungen für die Fusion der politischen und der volksvertreteuden Gewalt ebensowenig gegeben zu sein wie damals. Aus alldem ergibt sich die Forderung, daß das orthodoxe Judentum als Teil des jiidisehen Volkes im Volksgan/ett seine Stelle zu finden hat, Man kann aus einer Gemeinde austreten, um eine zweite daneben m gründen, aus einem Staate kann man nicht austreten, weil man selbst ein Teil dieses Staates ist. Man kann nur im Rahmen des Gegebenen werben und fordern. Die Forderungen, die das tora*reue Judentum von vornherein an den jüdischen Staat stellen muß, sind die folgenden: ausreichende Gewähr für die Reinheit der jüdischen Familie im Sinne des Torageset/es, Schutz der alten jüdischen Kulturgüter wie des Schabhath und der Scliechita, Verpflichtung zu einer Erziehung der Jugend im traditionell-jüdischen Sinn. Diese Forderungen sind die Grundlage für jedwede Einheitlichkeit des Lebens im Ju 'e ■'tan‘. Es ist die Au'gabe der Rabbirtcn und Sachverständigen, schon jetzt Entwürfe zu schaffen, nach denen diese Forderungen in ein zu schaffendes Staatsrecht aufgenommen werden. Hans G r ü n e w a 1 d, Jerusalem