Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 72 (9.9.1938)
- Date
- 1938-09-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2653549-2653610--32641-2684379- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 72, 9. SEPTEMBER 1938 Stadtkinder ins Dorf Von unserem palästinensischen Korrespondenten g 1. T c 1 A w i w, 2G. August 1038 Die Frage der öffentlichen Sicherheit stellt seit Monaten so stark iin Zentrum des Interesses, daß für die üblichen Sorgen und Arbeiten wenig Aufmerksamkeit übrigbleibt. Wie weit das gellt, kann man am besten an der hebräischen Presse erkennen, die mehr und mehr durch die Nachrichten filier Ueberfälle ausgefüllt ist. Selbst die so schwerwiegenden w־ i r ts c h a 111 i c 11 e n P r 0 b I e m e w erden erst in zweiter Linie erörtert; inan nimmt die Krisenerscheinungen hin, bemüht sich um AufrecliterlialUmg der Positionen, kiunpft tim Erleichteruiigcn für die Arbeitslosen, die jeden Monat stärker unter ihrem Schicksal leiden, aber auch hier hat der Guerillakrieg alles andere überschattet. In dieser Situation wird vielfach übersehen, wie trol/ aller Gefahren, trotz aller Un- Sicherheit, trotz der ungewöhnlichen Anforderungen, die heute an alle gestellt werden, alle ii bl i c h cn Arbeit e 11 w eiter gehen, wie man darüber hinaus an den verschiedensten Stellen bemüht ist, Wunden zu heilen, die du.ch die politische Lage und die Arbeitslosigkeit geschlagen werden. In diesem Zusammenhang ist ein Aufsatz interessant, den F.lischewa Kaplan, ein Mitglied des Arbeite׳innenrates, im ״Dawar Lepoelct“, einer der Arbeiterinnenbewegung gewidmeten Monatsschrift, veröffentlicht. Der Aufsatz hat den Titel ״Stadtkinder i 11 s I) o r f“ und schildert die Bemühungen, auch in diesem Sommer Kinder aus der Stadt, die Erholung brauchen, in ländlichen Siedlungen unter/ubriiigen. Den Ansloli für diese Versuche gab die steigende Arbeitslosigkeit. Die Kinder der Arbeitslosen waren körperlich und psychisch in schwerer Gefahr. In einer städ’isdien Umgehung, ohne entsprechende Ernährung und Aufsicht, konnte man sie nicht lassen, und es war nur na.ürlich, daß inan auf den Gedanken kam, sie für die Ferien in die Siedlungen zu überführen, wo es Arbeit, Brot und ein erzieherisch wirkendes Milieu gab. Die ״Moazath Hapoaloth“ (der Arbeiterinnenrat) hat sich noch im vorigen Winter mit einem Plan beschäftigt, Kinder für die Ferien aus den Städten in Siedlungen zu überführen (der Plan selbst stammte von einer der Frauen aus Nahalal); nachdem in Moschawim und Kibbuzim die Idee positiv aufgenommen wurde, begann man mit den entsprechenden Vorbereitungen, an denen sich andere l-'raucnorganisalionen (Wizo, die Verbände der arbeitenden Mütter usw.) beteiligten. Niemand konnte im Winter Voraussagen, daß sich die Lage im Lande so verschlechtern würde, dal! die Sicherheitsverhältnisse die Unterbringung von Kindern draußen nicht überall gestalten würden. Zugleich aber wurden mit dem Beginn der Ferien und' der Sommerhitze die Notwendigkeit, die Kinder entsprechend unterznbriiigen, immer dringender. Die Pläne wurden den geänderten Verbäldiissen entsprechend abgewandclt, aber nicht aufgegeben. In dem erwähnten Artikel gibt E. Kaplan einen Bericht über die Anzahl der Kinder, die zur Erholung untergebracht wurden, und ihre Verteilung. Und diese Zahlen hinterlassen den Eindruck eines bedeutsame״ Werkes, das gerade in unserer schweren Zeit nicht gering zu achten ist. Im ganzen wurden 2200 Kinder erfaßt. Hierbei sind auch diejenigen mitgerechnet, die in den Städten seihst (z. B. in Tel Avviw 450) zur Erholung unter entsprechender Aufsicht und mit genügender Ernährung zusammengefaßt wurden. In der Liste der Orte, die Kinder aufuahmen, findet man die verschiedensten Typen, von den alten jüdäischen Kolonien bis zur sogenannten neuen Kolonisation im Scharon, Kibbuzim «ml Moschawim. Und es bedarf keiner besonderen Phantasie, um sich vorzustellen, was es für!las Kind eines Arbei sloseti bc* deutet, lu-ute für ein paar Wochen aus den engen Straßen der Stadt hinaus aufs Land zu kommen, in ein geordnetes regelmäßiges Leben der Arbeit mit entsprechender Fürsorge und Ernährung.!חסי Artikel erwähnt — leider nur in allgemeinen Andeutii 'gcn —, daß cs bei diesem Werk auch eine ganze Reihe von Schwierigkeiten gab und daß man beim nächsten Male aus diesen Fehlern lernen würde. Gerade diese Sch wierigkeiten sind vermutlich von besonderem Interesse, denn sie würden uns näher zeigen, unter welchen außerordentlichen Umständen eine derartige soziale Hilfsarbeit heute gemacht werden muß. Trotz allen Kornp'ikationen jedoch ist die Tatsache, daß ■es diesen Stellen ge’ingt, auch in diesem Sommer Tausende von Kindern für einen Monat oder mehr aus ihrem schweren Dasein herntiszubringen und ihnen einen guten Start für das nächste Jahr zu geben, von großer Wichtigkeit. Es ist gut, daß sich die Frauen im lischuw durch nichts davon zunkkhalten lassen, die nächs'e Generation vor dauerndem Schaden zu bewahren. Es ist gut, daß diese Dinge bekannt werden, da sie ebenso Zeugnis ablegen für Verantwortungsgefühl und Unerschrockenheit wie die Berichte über die Verteidigung angegriffener Siedlungen. Ausder Jerusalemer Stadtverwaltung Kooperation von Juden und Arabern Jerusalem, 0. September. (Palcor.) Gestern fand die erste Sitzung des־ Jerusalemer Stadfratcs statt, bei der der neue Bürgermeister, i)r. M u s t a p 11 a Klialdi, den Vorsitz tührte. Sowohl er wie Daniel A uster, der frühere amtierencle׳ Bürgermeister, sprachen ihre Bereitwilligkeit aus, ohne Rücksicht auf nationale Differenzen z u s a m m e :1 z 1! a r - beite!1. Auster erklärte, daß die Juden, die in Jerusalem in der Majorität seien, nicht von ihrem Recht abgehen würden, einen j ii d i s c 11 e nß 111־ g e r 111 c i s t e r zu verlangen; sie seien jedoch nichtsdestoweniger zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit den arabischen Stadträten bereit. Die arabischen Stadträte drückten in. ähnlicher Weise ihre Bereitwilligk e i t zur Zusam 111 e 11 arbeit aus. Waad Leumi-Treffen in Tel Awiw In Tel Awiw fand eine Versammlung von Vertretern der verschiedenen jüdischen Gemeinden und Siedlungen und anderer Institutionen unter der Leitung des Waad L e u in i statt. Schcrtok gab einen umfassenden Ueberblick über die politische Lage, wobei er betonte,!laß der Jischuw jetzt einen zweifachen Kampf führe, den um die unmittelbare Sicherheit und um die politische Zukunft Palästinas. Die Starke und der Zusammenhalt der Juden beweise, daß sie nicht weichen würden. Be/üglich der 1 rage der P i 11 w a 11 d e r 11 11 g im Zusammenhaiig mit der!luchsten Seher 1111e betonte Schcrtok, daß ungeachtet der Depression in vielen wirwhaltlicheti Zweigen eine Vorwartseiitwicidimg im Gange sei, besonders in der Landwirtschaft, wo viele zusätzliche Arbeiter benötigt würden. Weiter sprachen I. R o k a c h, Bürgermeister von Tel Awiw, Zisling und Rcim-z. Der letztere berichtete über den ״Kofcr I iajiscbuw". tr berichtete, daß Beitrage nicht mir in Geld eingingen, sondern auch iu I orm von Juwelen und anderen Wertgegenständen. Die Sitzung befaßte sich dann mit Plänen für die kommenden sechs Monate und stellte eine Summe von C 230 000 für Sjcherheitszwccke zusätzlich zum Budget der Jewish Agency für dieses Gebiet zur Verfügung. Neues aus Tel Awiw li’s * 0-^1■ jj, "jjzi ’S ■ 1/ . j " * mm. ' י - - 1 mm -, jn a 111 >m11n 11SI1S ■ äs Bild links: Die \\ e<1h! cuzum* der AUenhv- und Jafjast• ußc ist ,.׳־'׳ uir HunJccr ehr t!n1׳eh1:1t werden und tun einen srhiJt.cn vj.ntii //'7s׳׳?! mit einem S^rin^hruntien erludirn. Der Platz heißt Kikar Moschaivoth. — Bild rechts: Der Keren Kajvmeth l)aut in Tel Awiw ein eigenes I et walfungst•■.׳■bände in der Iteclunv Prof. Schaf)ira in der Sähe der Heehow Dizengoff :r &1v »■*Hk, *, A►* 1׳- 4 £v «י* ן4 ,i « ■%■ S’ **?׳ lii.d Un: Un.■ eisl.e neue i'ohzeiwjeh.>, u,e .'׳< s ., . . . , ., .,׳ in der Rechow Dizengojf im Norden der S.udl cibaut. Mädchen Steine. Die Arbeiten dienen der Entladung des Arbei, :,innrkles Hiid rechts; Hei den Cilr u/,,1׳d)tu1tn bdtt n "י nu : KKL ■igClH 1