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Jüdische Rundschau · 1938-08-26 · Heft 68 (26.8.1938) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 68 (26.8.1938)
Date
1938-08-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 68, 26 AUGUST 1938 Das Haifaer Technikum Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Mitte August 10:38 Das Haifaer Technikum ist eines der ältesten Wahr- Zeichen der Nordstadt und zahlt auch heute noch, mehr als zwei Jahrzehnte nach seiner Gründung, zu den reprasentativen Bauten, obwohl seit jener Zeit ein vollkommen anderes und neues Haifa entstand. Damals, im jahre 1012, war Haifa eine kleine, fast durchweg arabische Stadt von 10000 Einwohnern; von einem Hafen bestand keine Spur, die heute sich so rasch entwickelnde Haifa-Bay war ein kaum bewohnter, von schütteren Palmen durchsetzter Küstenstrei- •feil, das Hinterland zwischen Milteimeer mul Jordansenke, heute eines der wichtigsten Zentren der jüdischen Kolonisation, war eine primitiv bestellte, stark von Malaria verseuchte Ebene. Der Gedanke, ein Technikum in Haifa zu schaffen, entsprang vor dem Kriege nicht so sehr den Notwendigkeiten ries Tages, sondern der Idee, die der gesamten zionistischen Kolonisation zugrunde lag, eine eigenständige jüdische Wirt- Schaft in Palästina aufzubauen. Diese verlangte Menschen, die die nötige technische Ausbildung besahen. Von der Gründung des Instituts im Jahre 1012 bis zum Beginn des Unterrichts verging eine lange Zeit. Der Krieg brachte jene grolle Stillstandsperiode in Palästina, die _ erst mit der F.inwamtenmg nach der Mamiatserteiluii״ abschlob, und das eiste Lehrjahr im Technikum in Haifa fiel mit dem Beginn der gröberen Einwanderung im Jahre h)2l 25 zusaninieii. Seit dieser Zeit hat sich das Institut immer melfr entwickelt, zugleich mit dem zionistischen Koioinsationswcrk lind der Stadt Haifa, die aus einer stillen Kleinstadt am Mit!eimeer zu einein der bedeutenden Häfen des Nahen Ostens wurde. Jedoch konnte das Technikum eien immer wachsenden Anforderungen, die die Entwicklung des Landes stellte, nicht immer gerecht werden. Sowohl Palästina selbst als auch die Diaspora verlangte von dieser einen technischen Hochschule, die Palästina besitzt, von Jahr zu Jahr die Bearbcitmig eines gröberen Gebietes. Die Forderungen, die au das Technikum gestellt wurden, stammten und stammen aus einer doppelten Quelle: dein Charakter Palästinas als eines Kolouisations- Landes und der Lage der jüdischen Jugend in der Ci 0 1a. Es galt, in Palästina, einem primitiven Lande, eine moderne Wirtschaft aufzubatien, die europäischen Vorbildern entsprach. Zugleich aber konnte man das europäische fixe inpel nicht einfach übernehmen, sondern muhte es - inshesondere aus klimatischen Gründen — der neuen Umgebung anpassen. Der Bau von Häusern, die Anlage von Stralieii, die Durchführung von Drainage und Bewässerung, — um nur einige wenige der Aufgaben zu nennen ~ muhten unter Bedingungen ausgefiilut werden, wie sie Europa in seinen großen Zentren!licht kannte. Die Architekten standen vor der Frage, die Häuser, die sie den Einwanderern bauten, dem Klima eines subtropischen Landes und zugleich den Bedarf- Hissen eines dort lebenden Europäers an/upasseii, von der Einfügung in die Landschaft ganz zu schweigen. Straßenbau, Bewässerung stießen auf besondere, dem Lande eigene Pro- Meine, die es zu studieren und zu lösen galt. Später gesellten sich zu diesen genannten Problemen nndc.e, als sich eine Industrie im Lande entwickelte, die ebenfalls vielfach ihre Produktionsprozesse den speziellen Bedingungen anpassen muhte. Je weiter die Kolonisation fortschritt, je mehr sie sowohl auf dem Gebiete der Landwirtschaft als auch der Industrie neue Gebiete in Bearbeitung nahm, desto mehr erweiterten sich die technischen Probleme, die zu bewältigen waren. Das Haifaer Technikum konzentrierte seine Aufmerksamkeit darauf, Techniker zu erziehen, die den Ansprüchen europäischer Hochschulen entsprachen, zugleich aber auf die speziellen Bedingungen des Landes eingestellt waren und sich in seinen besonderen Aufgaben zurechtfinden konnten. (Lieber die einzelnen Abteilungen des Technikums, ihre Ent- Wicklung und zukünftige Planung orientiert eine 193S erschiencne ausführliche Broschüre.) Aber nicht nur das jüdische Siedlitngswerk, wie es im Lande wuchs, beeinflußte die Arbeit der Hochschule, sondern auch die Lage der Juden draußen. Und der wachsende Druck, der auf der Judenheit heute lastet, stellte an das Technikum neue Anforderungen. In einer Zeit, wo sich mehr und mehr die Tore der Hochschulen für die jüdische lugend schnellen, ist es eine Notwendigkeit, ihnen leer in!»alästina Möglichkeiten zum Studium zu eröffnen. Hierzu gehört jedoch eine Erweiterung des gesamten Betriebes, und diese kann nicht so rasch erfolgen, wie die Umstände es notwendig machen. Bei einem Besuch in dem großen Viereck, in dem die verschiedenen Gebäude untergebracht sind, findet man augenblicklich überall c i 11 s c 11 11 e i d c n de V' e räuderungen. Man muß vergrößern, neue Abteilungen cinführcn, für die größeren Ansprüche des Unterrichts Raum Große Umsätze der PLDC. Zeiten langsamer Entwicklung, kleinerer Ein Wanderung und verminderter Unternehmungslust sina in gewisser Hinsicht einer planvollen Bodenpolitik günstiger, als Zeiten fieberhafter Gnindiingstätigkeit und stürmischer, oft auch spekulativer Nachfrage nach Böden. So ist es zu verstehen, daß die Palestine Land Development Company, deren Hauptatifgabe in dem planvollen Erwerb neuer Beiden für die jüdische Siedlung, ihrer lirsehlieung und Weitergabe bestellt,!in ersten Halbjahr 1638 Umsätze erzielen konnte, die in Anbetracht der sonst so geschrumpften Wirtschaftstätigkeit als recht hoch bezeichnet werden können. Die folgende Tabelle soll einen Malislab zur Beurteilung dieser Größenordnung geben: B o d c 1 Dunain Ganzes Jahr 1036 12 425 Ganzes Jahr 1037 17 351 Erstes Halbjahr 1038 16 400 kaufe ß o d e 11 k ä 11 f e CP Dunam EP 60 206 16 500 08 105 200 614 16 017 220 702 75 000 18 400 04 000 Der Fläche nach war der Rodenumsatz. in diesem halben Jahr also größer als im ganzen Vorjahr und auch als im ganzen Jahre lQ'Jö, dem Werte nach wurde die Ziffer von 1036 überschritten, die Ziffer des Vorjahres tlagegen nicht erreicht. 1111 Jahre 1037 wurde im wesentlichen teurerer städtischer Boden gekauft, wahrend im Jahre 4038 fast ausschließlich ländlicher Boden erworben wurde.!111 laufenden Jahre wurden erhebliche Flächen im Süddistrikt von Beersehewa sowie in den Bezirken der Pioniersiedlung wie Beth Sdu.au und im Galil, in der Gegend von Chanita, erworben. Zum Teil handelt es sich 11 in Böden, die zwischen hcstellenden jüdischen Siedlungen lagen und — wie aus der Siedlungsgesdiichte der letzten Monate bekannt ist — sofort besetzt wurden, um dieses Siedlungsgebiet zij Stehern und die Arbeit zu intensivieren. Unter diesen Gesichtspunkten sind auch im Scharon größere Käufe erfolgt. Die Gesellschaft erachtet die gegenwärtige Zeit für günslig, 11m auf ihren Reservehöllen die F. r s c 1! I i e ß 11 n g sarbeiten vor/unehinen, die bin steigender Nachfrage eine möglichst schnelle Verwertung der Böden ermöglichen sollen. So hat die Gesellschaft bei llaibi mit der Durchführung eines Arhcitsprogran-mes begonnen, das Inves'itioneu von insgesamt .EP 10 000 Vorsicht. Gemeinsam mit anderen Partnern begann sie mit dem Hau von Straßen, die ihren Bodenbesitz bei Glieder;! und I lef/i-Bah mit dem Meere verbinden. Weitere Straßenbauten auf dem Boden bei Molcdetli und Kiriath Awoda — iin Süden von Fel Aw'w — bilden einen Teil eines größeren Planes, der die Schaffung eines neuen direkten Strnßenzugcs von Rischon Lezion bis Tel Awiw bezweckt; auch diese Verbindung erscheint!geeignet, neue Bezirke einer baldigen Besiedlung zu erschließen. Die PLDC. ist in der Lage, solche Erschließung1«- arbeiten mit eigenen Mitteln iltirchzuführeii, so daß also der Bodenpreis nicht durch Aufnahme teuerer Kredite vorbelastet wird. Eitle Zwischenbilanz per 30. Juni d. J. zeigt verliültnismäßig geringe Veränderungen gegenüber der Jahreshiianz vom 31. Dezember. Insgesamt ist also ein geringer Schuldenabbau eingetreten. 111 den Verbindlichkeiten sind auch die beiden letzten Jahresraten rms dem 11 11 1 e - Engagement — je dreißigtausend EP enthalten. Da das Emica-Koiisortiuin, das die Option für die Uebeniahme der Hule-Konzession von der PLDC. erworben um! auch erhebliche Summen darauf angezahlt hat — noch immer mit der Palast in,•iregiernng über eine finanzielle Beteiligung des Staates an den Erschließung«- arbeiten verhandelt, wäre es denkbar, daß der Optionsvertrag nochmals provisoriwh um ein weiteres Jahr verlängert wird. 111 diesem Falle würde die Emira, eine Tochtergesellschaft der ICA, der PI I Hk eine weitere größere Anzahlung zu leisten!iahen. Sollte die Ikniea die < )[)tion danach nicht ausüben, so würde auch dieser Betrag, ebenso wie die früher geleisteten Anzahlungen, a's laiigf. idiges I ),־iHelum zu einem sehr niedrigen Zinsfuß der PLI)(:, überlassen bleiben. Die geringe VerüiHcrnu:!־ d:>.s I* od r n iu׳ s t a nd es erklärt sieh daraus, daß ein große!• T, il der im letzten Halbja 11 r erfolgten Umsätze aus Gc-ciulken behänd, die auf feste Bestellung und für IG ehniin!; Driiler durcligcliihrt wurden. 1.1:1 erheblicher Feil der Bodcm erkaufe ging an private, i 111 Siedlungswesen tätige (irupp!11׳; so wurden Boden im Süddistrikt von P,eer Sehewa von der Gruppe SmilansFi übernominell. Auel! für den Keren Kaimnetli wurden, wie stets, größere FrannkIIonen durch gefuhr'. Insgesamt lialnn die ersten sechs Monate 1638 einen Reingewinn ergeben, der die Aiissi hiiPung einer I lalhj,ihresdividcnde von ,,weder drei l’ro/ent auf Vorzugs- und Stammaktien ermöglicht. Es ist an zu lieh men, daß der Aufskrbtsrat demnächst über eine solche Triia11--sc!1iiiung, die voraus-• sichtlich im I lei bst dieses Jahres gezahlt werden dürfte, Beschluß fassen wird. \V. D ü s t e r w a I d schaffen. Die moderne Ladenstraße, die das alte Steinviereck beute nach dem Zentrum der Stadt abscliüellt, bietet ein t'-pisches Biisriel für die Entwicklung der Stadt, in den einzeliieii Rau.neu, die im Innern für die Arbeit i!11 Feennikum eingerie! tet werden, zeigen sich die Bemühungen, den Betrieb au■ ziibatien und zu erweitern, wie es heute notwendig ist. Bei einem Rückblick über das. was in den LI teil zehn Jahren erreicht worden ist, erkennt man mit großer Befriedigung eine Periode des Aufbaus und der Erfolge; bei einem Ausblick, was noch zu vollenden bleibt, wird es deutlich, daß das bisher Geschaffene erst die Basis für die weitere Expansion bildet. Neben der akademischen Ausbildung versucht das Technikum io letzter Zeib sieh auch der Forschungsarbeit /11/uweiidcii. Es gebt damit den umgekehrte» Weg wie die I iebi'äisehe Uni■,ersit.it in Jerusalem, die die ersten Jahre ihres Aufbau.« der Forschungsarbeit widmete und erst später ihre Tore der istiidente'ischiit öffnete. Die Forschungsarbeit am Technikum erwachst ebenso wie ihre Lehrtätigkeit ans den Laiidesbciiiiiguiigeii. Sowohl Bauwesen wie Landwirtsehaft und 111:111.4140 stellen, je mehr sie sich entwickeln, besondere Probleme, die wissenschaftlich untersucht werden müssen. Das Technikum macht jetzt die Vorbereitungsarbeiten für Forschungen auf verschiedenen Gebieten, braucht jedoch dazu besondere Ausstattungen und Einrichtungen, die langsam lind mit Mühe erworben werden. Je nach der Art und dem Zweck der Forschungsarbeit wird die Kooperation des Techniktims mit den anderen Lehr- und Forschungsinstituten im Lande notwendig sein. Es ist unvermeidlich, daß in Palästina diese ein/elnen Institute (Universität, Sieff-Institut in Rcchowotli, das neu geplante landwirtschaftliche College) so/usagen imabhäii'gig voneinander und gelegentlich auch ohne die nötige Kooperation aufwachsen. Je mehr sie sich jedoch entwickeln, wird die Anpassung ihrer Arbeiten mehr und mehr notwendig und selbstverständlich. Wie fast alle unseren größeren Anstalten, die mit Unterrieht zu tun haben, ist das Haifaer Technikum ein soziologischer Miniaturspiegel der Judenheit. Professoren kommen aus aller Herren Länder (wobei die Juden in Deut׳;•chland von 26 die Hälfte geliefert haben), ebenso die Studenten. Es ist keine ’einfache Aufgabe, aus diesem sehr verschiedenartigen Material, das sowohl in Sprache wie in Gewohnheiten, in sozialei־ Herkunft wie an Vorbildung alle denkbaren Typen umfaßt, den palästinensischen Studenten zu erziehen. Das Technikum hat hier im kleinen ebenso als Schniei/tiegel zu wirken wie i’aEtetin.i überhaupt. Die Studentenschaft lebt zudem — ähnlich wie auf der Universität Jerusalem — zu einem guten Teil von ihrer Hände Arbeit. Es fehlt einem bedeutenden Prozentsatz die Möglichkeit, sieh ganz ihren Studien zu widmen, sie müssen zugleich studieren und ihren Lebensunterhalt ganz oder zum Teil verdienen. Das Technikum versucht hier mit Stipendien Erleichterungen zu schaffeil, es bedarf jedoch kaum der Erwähnung, daß die Bedürfnisse sehr viel höher sind als das Angebot. Es entspricht durchaus dem Charakter Palästinas als eines Koloiiisat ionslamlcs, dal! immer mehr der Typ des Werkstudenten üblich wird, der Arbeit und Studium zu verbinden sucht. Andererseits muß der große Zudrang zu einer höheren Ausbildung unter den palästinensischen ArbeitsYc! hälinisscn mich Bedenken hervorrufen, da keineswegs sicher i-.t, einen wie große» Anteil akademisch ausgebik’eter Kräfte das Fand absorbieren!■:an 11. Das Problem liegt freilieh beim 1 eelinikiini vi• I leichter als bei der Universität, da Seine Studenten arbeiten und /!!parken lernen und, wenn nötig, sieh auch als Arbeite׳!• ernähren können. Immerliin wird diese Anstalt, die unmittelbar den praktischen Ausbildung'-bcdiirfüisscii des I.;indes dient, nach 11ml nach nicht nur Ingenieure für das!.and selb:״( aie-biiden, sondern mehr und mehr auch einen gewissen I 'ebersehuß für die Nachbar- Binder abgeben können. Wir, die w ir uns nid Palästina hcschädigen, sehen oft genug so f,!-/i 11 iert auf seine rasche Entwicklung, daß wir darüber verea. ,->en. dal! dir gesamte Nahe ()«len in einer :ilm'iehni, wann ,111.41 vielieirlit langsanieren Umbildung begriffen ist un i immer mehr die westliehe Technik braucht. Eine derartige I loehsGude wie die Haifaer könnte bei einer Normalisierung der Verhältnisse und dem entsprechenden Ausbau, den sie ansirebt, mehr und mehr zu einem S t 11 cl i e n mitte 1 p u n k t ircht nur Palästinas, sondern des Nahen Ost ms werden, wodurch alle daran heteiligten Faktorei! viel zu gewinnen hatten. immwiwwoHwtwwmwowwwwwWMWWMWwmwMWtwwnwtwwMHwtHWWwtuwowwmwMowwwwwwMKWwwmwmmmmmtiHiMmwoHtwwwiwiKwwwwwmiHmtwwwMwmw,» Kinder im Kibbuz Eine Freundin unseres!Halles sendet uns die nebenstehenden Amateur photrn, die sie während einer Palästinareise 1m Frühjahr 1938 i׳n Kibbuz gemacht hat. Auf dem Bi'd links sehen wir Kinder mit ihren Betreuern auf dem Hofe nach der Arbeit (Kibbuz /׳׳!■ tnessila bei S'ess /,iona); rechts Kinder beim Scheu cm und Saubermachen vor der ihnen als 11 idinung dienenden Baracke (Kibbuz Gitvnlh Bren nerj. tolo* Kaufmann?5?י׳ mdk'i t

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