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Jüdische Rundschau · 1938-08-23 · Heft 67 (23.8.1938) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 67 (23.8.1938)
Date
1938-08-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 tnrmcHF RUNnerwati Nr. 67, 23. VIII. 1938 Die Disziplin der Vielen Ein Beitrag zum Thema ״Normalisierung“ Mord in Jerusalem Jerusalem, 17. August. (Palcor.) Der 21iährige Meir Mordechai Gottfried wurde heute Nachmittag im Sanhedria-Viertel im Norden von Jerusalem tot aufgefunden. Gottfried war gesteinigt worden. Er stammle aus Rzeezosv in Westgalizien und studierte an der Jescliiwa Sfath Entcth in Jerusalem. Jerusalem, 18. August. (Palcor.) Ein arabischer Omnibus, der vom Flugplatz in Liuid nach Jaffa fuhr, wurde in der Nahe von Jaffa von bewaffneten Terroristen angehalten, die von uem mitfahrend :ה arabischen Polizisten verlangten, daß er sein Gewehr aushandigen möge. Auf seine Weigerung hin wurde er erschosstn. Bomben - Attentate Auf einen Omnibus, in dem Angestellte der Pale st ine Electric Corporation an ihren Arbeitsplatz in Haifa befördert wurden, ist heute Morgen eine Bombe geschleudert worden. Sechs Juden wurden verwundet, drei davon schwer. Die Namen der Letzteren sind: .Mosche Junis, Rafael Tilkoltln, David Waldmann. Um 7 Uhr abends explodierte eine Bombe im Grenzbezirk zwischen Jaffa und Tel A w i w, Der achtjährige Schabbatai P a r i e n t a wurde tödlich, sein zwölfjähriger Bruder Joseph schwer verwundet. Drei weitere Ju e 1, darunter ein zwölfjähriges Mädchen, wurden leicht verletzt. Vor einigen Taget! libcrficicn vier mit Revolver b:\vaffnetc Araber das Urund bti c I! a m t (T a b u I in T ulke re m und forcierten die Auslieferung;!Her Bücher und Akten. Der Leiter des Amtes kam dieser Forderung nach. Die 'i erroris!cn packten das Aktenmatc:iai und drei Schreibmaschinen in vier Sicke, die sie auf einen Autobus ohne Nummernschild luden, der am Eingang des Gruudbnchamtes wartete. Die Täter entkamen mit ihrer Beute. IV.i/ei und Mi'itär nahm die Untersuchung auf. Ge echt bei Akko Zu euiein Gefecht k:1 nt es heute nachnrttag in der Nahe von Akko, wo drei Mihturkoionnen, die von Flugzeugen unterstützt waren, eine staike, gut bewaffnete Terroristengruppe stellten. Zwei engl,sehe Soldaten fielen in dem Kamof, ein Offizier und sTbeit Gemeine wurden verwundet. Die Terroristen verloren insgesamt Ti Mann, \ nt! denen 27 durch das Feuer vor! den Flugzeugen und Kl vom Md't.ir getötet und 2 verwundet und gefangen!:cm mmen wurden. 5 Gewehre und ein Revolver wurden v.,m crln utet. Gleich nach Sonnenaufgang wurde in Nablus mit umfangreichen Haussuchungen begonnen. 201׳ Personen wurden verhaftet, lieber die Stadt ist ein 2lstm1;l׳;:es Ausgehverbot verhängt worden. Auch im Samariter-Vierte! ir Nablus wurden Haussuchungen vorgenoinmen, wobei acht Araber verhaftet Würden. Jerusalem, Id. August. (Palcor.) Geber die Chaussee lerusalern—Nablus ist im Umkreis von drei Kilometern an beiden Seifen der Ausnahmezustand verhängt worden. Die Tätigkeit des ,Militärs in Nablus wird fortgesetzt. Gef ec!ז t bei Kalkiiie lm Südosten von K a I k 1 1 : c kam es gestern nachmittag zu einem Gefecht zwischen inner Abteilung des Irish Gtiards Regimentes und Terroristen. Es begann mit der Beschädigung eines!Militär-Lastautos durch eine Landminenexpioskm. Die Truppen riefen durch Signale Flugzeuge herbei. Wahrend des Gefechtes stürzte eines der Flugzeuge zu Boden, wobei zwei Flieger ums Leben kamen. Zumindest zehn Terroristen wurden getötet und eine beträchtliche Anzahl verwundet. Ein Gemeiner der Irish Gtiards fiel, fünf erlitten Verletzungen. Weitere Tote Hans Ff e i 11 i g e r (70 Jahre alt) w urde von einem Araber auf dem Wege von Kfar Sirkin nach Petach Tikwa e-tötet. Ferner wurde Anschelm Aaron (32 Jahre all) et der Arbeit in einem Orangengarteii in der Nahe von Ra an a n a getötet. Der Grund ' seines Todes ist noch nicht rtlft Sicherheit festgestellt, und es besteht die Möglichkeit, daß er infolge eines Unglücks!alles getötet wurde. Beide Tote sind Einwanderer aus Deutschland. Jakob Meir (30 Jahre alt) Würde in Jerusalem in der Nahe der Evelina de* Roiiisi iiiid-Sdiub■ seit wer verwundet. iakob VV a t 7 m a 11 n ()0 Jahre ah), ein!!׳.׳amter der׳ (Tie'.vra iadischa in Jerusalem, wurde schwer verwundet und starb später. Ein weiterer brit'seher Soldat erlag seinen bei dem Gefecht bei Akko erLttenen Verletzungen.'’ Ein jüdischer Autobus, der von Haifa ins Emek fuhr, wurde von Arabern ange :1 iffen. Abraii.ain Weinstein (28 |a!1re alt) aus Fel Josef wurde schwer verwundet, ähaffirmr trafen auf den! Schauplatz de- Uebcrfalk ein, und es entstand ein Gefecht, be: dem die Terroristen sechs Mann verloren. Der Giiatfir Abraham 1. i c h t e 11 s t e! 23) ח Jahre alt), aus dem Kibbuz Ah mim, fiel be: dem Kampf..Fünf Passagiere des Autobus wurden veriet/1, darunter bif.mkn sich Mosche Esserson, der Leiter der Tnuwa in lladn, und Nhduhe Tabenkin aus Ejn Cliaroil, die Seit west er des!),׳kannten Arbeiterfuhrers Ji/.rbak Tabenkin. ferner Raphael B u b e r, e;!1 Sohn. .Martin Bubers, der Siedler in Gewa ist. Entführte Kinder zurückgekehrt Jerusalem, 20. August. (Palcor.) Heute kamen die 3 Kinder des jüdischen Poii/eiinspektors L e i s e r o w i ts c h, die mit ihren Eitern aus dein Gefangenenlager i!1 A th 1 i t von arabischen Terroristen entfuhrt worden waren, nach Mischniar Haemek. Die Kinder, ein Mädchen von 13 Jahren, und zwei Jungen von <) und 3 Jahren, trugen arabische Kleider. Sie erzählten, daß zwei Araber sie auf den Weg nach Mischmar Haemek gebracht hätten. Das Schicksal ihrer Eltern ist nicht bekannt. Weiter wird gemeldet, daß die Kinder einen Brief des Terroristenführers Abu Dtirrah mit sich brachten, in dem dieser ״als Ehrenmann mitteilt, daß d e Kinder wühl bewahrt worden sind und ihnen kein Schaden zugefügt wurde“. Er gab den Kindern ein Pfund, damit sie den Brief als Annonce in der hebräischen Presse vcröffent'khen. Die Kinder erzählten, sie seien von ihren Eltern von Anfang an getrennt worden und seien ununterbrochen umhcrgcrclst, aber nicht schlecht behandelt worden. Sie erzählten auch, 8ie hätten unter den arabischen Terroristen einen europäischen Arzt gesehen. Jehoschua Du bno, ein Vorarbeiter der Regierungs-Abteilung für öffentliche Arbeiten, der am 11. August am Scliaron während seiner Arbeit bei Ausbesserung der Straßen von Arabern entfuhrt wurde, ist nun freigclassen worden und am Sonnabend in Nathanla eingetroffen. Er war voll- Ständig w o h 1 b e h a 11 e n und erzählte, daß er während der zehn Tage seines Aufenthaltes mit den Terroristen gut behandelt worden sei und mit ihnen, gekleidet wie einer der ihren, herumwanderte. Sic zogen von den Nabluscr Bergen zum Jordan. Nach Bezahlung des I ö<egekls wurde er in einem Taxi,-begleitet von drei Arabern, nach Nathania gcbracht und freigclassen. Die Siedlung Tel Schalem in der Nähe von Cbcdera wurde 111 der Nacht von Terroristen angegriffen. I;c bi edler Mosche Lederer (33 Jahre alt) wurde getötet. Die Hälfte der Juden und sicherlich ein noch viel größerer Prozentsatz der Zionisten Deutschlands lebte in Großstädten, und in dem zionistischen Rut nach der Normalisierung des jüdischen Volkes steckte viel von der Sehnsucht des gehetzten, nervösen Großstädters nach der Ruhe und Ausgeglichenheit ländlichen Lebens. Der Chaluz, der tagsüber in der Semitenglut in Sümpfen und beim Straßenbau arbeitete und abends philosophische Werke las und hitzige Diskussionen führte, war ganz gewiß bei all seiner großartigen menschlichen Leistung nicht ״normalisiert“. Allen diesen freiwillig zu Handarbeitern gewordenen S.udenten war etwas Verkrampftes eigen, das sie befähigte, Ueberdurchschni.tliclies zu leisten. Den einfachen Bauern, den leidenschaftslosen Kleinbürger, der seinem Beruf und seiner Familie lebt, lern den Idealen der Weltverbesse ung zieiben ußt und ausdauernd nrc'.i dem eig.neu Häuschen strebend, diesen Menseuen v־p kannten wir trüber kaum unter uns. Um so häufiger ist er heilte in Palästina. Diejenige», die am lautesten nach ״Normalisierung“ gerufen hatten, sind nun am meisten entsetzt. So ernst hatten sie es gar nicht gemeint. Sie hatten sich einen I d e a 1 m e n s c Ire n ausgemalt, der singend sein Feld best eilt, den Hammer ,schwingt, Lasten schleppt und dabei doch auf der Höhe der abendländischen Kultur stellt: ein Vo.bi d, das jeder Fremde auf den ersten Blick erkennen nuiß.c. Zweifellos gibt cs in Frcz Jisrael großartige Gestalten ~ unendlich mehr als in irgendeiner anderen Judcnheit — die ungemiite Bewunderung verdienen. Aber sie bilden natürlich Ausnahmen, und die meGtcn sind eben doch nur Menschen von durehsehniltlicher Veranlagung und Befähigung, und sie sind bereits eharakieristiscli für unser Leben. In dem Maße, wie die Verwirklichung des Zionismus eine Angelegenheit von Massen wurde, mußte das Niveau ״verflachen“ oder, um es weniger abfällig und genauer aiis/.udrücken: es kam zu einer N'ivdlierun _׳.( seiner Anhänger, Cs kam nicht mehr nur auf die heroische Leistung weniger Einzelner an. Ausschlaggebend wurde die Treue und Einsatzbereitschaft der Vielen. Andere Faktoren wirk teil in gleicher Richtung. Die altem ,,Chaluzim" waren Revolutionäre, die Traüi ion und Karriere von sich geworfen und mit ihren Familien gebrochen hatten. Sie verließen ihr Land 11 ml zogen aus, eine neue Heimat zu erbauen, von Grund auf neu, dort wo es wüst und leer war. Um die Gründlichkeit zu kennzeichnen, mit der sie die Umstellung Vornahmen, muß auch der unerhörte Versuch, eine seit 20f)ü Jahren tote Sprach.: wieder zu spiueheii, hier ei wähnt werden. Ich weiß nicht. wann jemals ein vergleichbar grunclstürzender Neubegimi des Lebens versucht wurde. Selbst die stärksten religiösen Bewegungen wollten niemals gleichzeitig alle herkömmlichen Verhältnisse und Bindungen des Lebens (Familie, Religion, Sprache, Land, Beruf) so griindlieh ändern. Es konnte nicht anders sein: nr eine winzige Zahl aus unserem lb-Mi'llonen-Volk konnte die außerordentlichen menschlichen Voraufsetzungen für ein Leben unter dieser Umwertung aller Werfe au'bringen. Auf der Grundlage, die diese Pioniere, die Elite einer Genera'ion, schufen, entwickelte sich schnell ein großes Werk, So breit wurde es, daß es immer mehr Menschen brauchte. Auch die neuen Einwanderer imißt11:.׳!•:a׳■־ ־׳i ׳'es, was Form und Inht't ilrcs bisherigen Lebens ausgemacht hatte. Unruhen in Hebron Das Post ge bä nde in Hebron wurde von Terraristen in der Nacht überfallen, ferner überfielen sie die P o 1 i /. e i s t a t i o n. siuh'en dort zwei Gewehre und setzten das Gebäude der Barel avs Bank in Brand. Die Bank hatte wegen der unruhigen Lage ihre Gesell :iftsräium• bereits geschlossen. Truppen trafen i;1 Hebron ein und stellten die Ruhe wieder her. Ein arabischer Polizist wurde g e t ö t e t und ein britischer Polizist verwundet. Ein Aus־ ׳ein׳ er bot von 24 Stunden wurde über den Stadtbezirk verhängt. Die Leitung der Barcbiys Bank hat beschlos׳ ec, ihre F:- Halen in H e b r 11 ״, Nablus und T u 1 k e r e m zu schließe!;, um allen weiteren Angriffen vorz.iibttigen. S o 11 n a b e n d wurde auf allen Pf a u p t s t r;1 ß e n Palästinas ein A u s g e 11 verbot von 6 Uhr abends lvs 4 Uhr früh Verhängt. Diese Verfügung gilt nicht für geschlossene Städte und Siedhutgen, Ahuwa Os t e rman!1, die bei dem A ׳■griff auf den Autobus bei Jaaroth hakarme! schwer verwundet wurde, starb am Sonnabend, so daß die Zahl der Opfer dieses l’eberfalls sich auf zehn erhöht. Von der Woche Die Großulem a, der Ausschuß der i;':mPcben Rechtsgelehrten Aegyptens, p otestierte nach einer Beratung in der El Azhar-Universität in Kairo gegen die Palästiua-Poijtik Eng'.inds. Alle .Muselmanen werden zur Zusammenarbeit für die Araber Palästinas atifgefordert. Von Kairo wird gemeldet, daß d:e Wafd-Akt'on für die Araber von Palästina, die von den Anhängern des Ex-Mufti von Jerusalem, die sich jetzt in Aegypten befinden, durchgeführt wurde, eine Summe v11״ C 50'l eingchrachl hat. Von diesem Betrag׳ gaben fünf ar.ab'sche Führer C 475. Mustapha Bev K h a hi i sr/1 seine Ernennung zum Bürgermeister von Jerusalem angenommen haben. In Tel Awiw wurde der Revision'st Jakob Koptik bei Untersuchung der revisionistischen Kiubräume wegen des Besitzes von zwei Mnu?e׳.׳pi:/o'cn und -IfHl Ktigebi v e r h a f t e t. Die Jewish Agency hat der neuen Sied'ung Kfar J e 11 o - schua, die vom APginnew.-ZioiPshschen Kibbuz Akiba gegründet wurde, eine Anleihe von € 233'.) für Häusi 1 bau bewiliigt. Das Regie ings - B ti d g e t des gegenwärtigen Fiskaljahres beträgt C 6 230 323, daru-ter sind C 1022.038 für Po’izei und Gefängnisse und L 203 304 für das transjordanischc Grenzkorps. Der Präsident der Zionis Gehen Organisa'ion von Amerika, Rabbi Solomon Goldmann, traf in Paias'uia ein. Michael A 1 e i n i k o f f, Vorsitzender des Rates von Hader Hakarinel, ist in Chamounix gestorben. Er war 38 Jahre alt und ließ sich im Jahre 1026 in PaläsUna nieder. Die Beerdigung wird in Haifa stattfinden. Bar IWzwah •Termine Barmizwah-Termin. Am 37. September (21. Mini!: J.1׳1-׳־ M;1 11 n - 11 c i m. Sehr, von Pr. Wöikhor Mannheim. K.!1n ,th!!,,.diav.im (Uiiher l-'r.inkiarl a. M.). — Am 17. Septem!«■!21) ׳. I'lid): Helmut Sa! u ו m Herz, Sühn v״n Abraham Herz, N'jh.udu, Kot Haifa P. 0. JJ. 573 (fi über Mannheim). über Bord werfen, als sie ins Land kamen. Mit ihrer Familie aber brachen sie nicht. Ganz im Gegenteil, sie brachten sie sogar mit. Ein großer Teil der Olim aus Deutschland hatte schon längst den festen Rahmen der jüdischen religiösen Tradition gesprengt, ihn vielfach gar nicht mehr kennengelernt. Er konnte also mit der Ueberlieferung nicht brechen, sondern empfand sogar ein starkes Bedürfnis nach einer festen jüdisehen Lebensform. Sehr viele konnten zweifellos dem Auftauw״rk am wirkungsvollsten dienen, indem sie die in Europa e:v>oiheuen Kenntnisse hier verwerteten, also nicht umschichteten. Diese ״normalen“ Menschen bestimmen heute den Typ des palusiitH'iis sehen Juden. Und zwar nicht nur in der Stadt. UebcraU gewinnt heu.e ״Rechnen“, das charakteristische Merkmal des ״Vernünftigen“!= Normalen, an Boden auf Kosten des ״Glaubens“. Siedlungen entstellen, nicht getragen von dem Willen einer Gruppe, um jeden Preis ein Gemeinschaftsleben auf eigener Scholle, eng verbunden mit der Natur, zu führen. Du gibt es Siedlungsgesellschaftcn mit Anwälten und Spezialisten, die ausführliche Pläne vorbereiten und dann die Men-clieit suchen, denen genau vorgerechnet wird, wieviel Kapital zu investieren ist, welche Reserven und welche In- Strukturen notwendig, welche Erträge unter den und den Umständen zu erwarten sind. Viele von diesen Siedlungen, 2u denen übrigens auch Kibbuzim gehören, entwickeln sich gut, und auch da י gesellschaftliche Zusammenleben ihrer Menschen ist /.11fräi'tlvnsielltnd. Diese Entwicklung macht sich auch in den alten Gruppensiedlungen bemerkbar. Die maßgebenden Menschen in den meisten Kibbuzim sind heute die Fachleute (Muuifhin!) und Buchiialter. In dem harten Kampf ums Dasein gilt dien Können und Kalkulieren mehr als Reden und Theord Pieren. Ahe-r es geht sogar noch weiter. Auch die exponiertesten Punkte sind heute von dem neuen Typ besetzt. Ich kenne Leute aus Chnnita, Wie fern liegt ihnen das Abenteuer um seiner seihst willen (selbstverständlich sind sie nicht stumpf für das Romantische und Erregende der Begründung von Siedlungen). Die Erkenntnis von der Notwendigkeit, unseren kargen Raum zu erweitern, führt sie hin. Die Situation bedingt dann Haltung und Verhalten. Selbstverständlich verteidigt man sich, so gut es nur irgend möglich ist. Aber das Entscheidende, was diese Menschen auszeiehnet, ist nicht Kühnheit, sondern Disziplin. Daß diese Disziplin en hohes Mali von Mut beinhaltet, braucht man nicht zu erklären. Viele alte russ'sche ״Chaluzim“ erkennt man von weitem, an Ha:1 ruaclü und Kleidung. Die Leute vom Drahtzaun und von Chanila fallen nicht auf; sie sind ״normalisiert“. Das Rechnen, das oben erwähnt wurde, darf nicht falsch aufgcfallt werden. Es bedeutet keineswegs ein egoistische» A!)Wäger, persönlicher Vorteile. Die Gefahren für den Einzelnen sind groß. Wo in der Weit ist Neuland kolonisiert worden ohne Spekulation auf persönlichen Gewinn? Wo haben die Kolonisatoren nicht wenigstens Würden und Ehren zu erwarten gehabt? Nichts aavon gibt es bei uns. Daß e• Hunderte, viele Hunderte ״Normaler“ Menschen gibt, die ständig ihr Leben für den Aufbau von Erez Jisrael und für unser Volk wagen, das zeigt uns, wie ungeheuer starke Kräfte in diesem alten Volk stecken. Erich Kwilecki, Ramath Gan Kindermund Dr. J. Rtwkay: Leber die Sprache unserer Kinder im Lande• (Verlag: Mefitz Hasscier, Tel Awiw). Jedem, der die hebräische Presse verfolgt, wird der eigenartige Stil des Kinderpsychologen Dr. Riwkay aufgefallen sein. Genauigkeit des Ausdruckes und des Denkens geht ihm über alles, er folgt dein Rate Achad Haams: Pflegt den Gedanke׳:!, er lieh} die Sprache empor! Er ist ein Wissenschaftler, der die Kunst besitzt, sich klar und volkstii.Tilich aus/udrückui. Diese Vorzüge waren deutlich bei Rlwkat s kürzlich erschienenem Buche ״Briefe an die־Eltern", sie gelten auch für vorliegendes Buch, das als zweiter Teil dieses Buch es gedacht ist, aber doch ein selbständiges Werk für sich tiarsteilt. R. hat langjährige Erfahrungen auf dem Gebiete der Kinderpsychologic aus Polen und Deutschland gesammelt, er kennt die Literatur darüber sehr genau, er kennt die Sprachenprobiente des jüdischen Kindes in der Gola. (Öhm: diese ErPilmmgen und Kenntnisse schematisch auf vorliegenden Fragenkreis zu übertragen, helfen sie mit, die spezifischen!־'ragen des palästinensischen K i 11 d e s herauszuarbeiten. Wie reagiert das jüdische Kind Pa ׳äs! Inas sprachlich? Spricht es schneller als andere Kinder? Veiwendet es mein׳ oder weniger Worte? Bleibt es in bestimmten Zeitspannen in‘׳seiner Entwicklung zurück gegenüber Kindern der Gola? Ist die übergroße Beweglichkeit des pa’üstüu usisehen Kindes schuld an der starken Vorliebe für Tätigkeitswort(:? Zwingt die Traditionslosigkeit des gesprach ert eil Hebräisch, die wohl ״Muttersprache sein kann, seiten jedoch ״Großn1utter״sprache ist, zur Verengung der Ausdrucksfähigke't oder zur Ungenauigkeit des Denkens? Wie wirkt die Vielsprachigkeit des Elternhauses (etwa hebräGch plus jiddisch) auf das Kind? Weicht das Kind in der Betonung von Worten und Namen vom grammatikalisch rieh‘, gen Sprachgebrauch ab? Alle diese Fragen versucht I’iwlv'iy;11 einer Reihe von Untersuchungen auf Grund jahrelanger’ Lkolnchtungen und .Aufzeichnungen — wobei Kindergär'tnerinrieii und Mütter Hilfe leisten konnten — dem Leser zu b •antworten. Diesen theoretischen Ausführungen des Buches gliedert sich als zweiter Teil die Abteilung Kindermund an, in dom e nc Fülle von charakteristischen Beispielen für die sprachschöpferische Kraft des Kindes beigebracht werden. (Der Rc1/׳.,o,ent hat in der ״Jüd’sehen Rundschau“ vom 8. Ndvemher 1035 auf solche Sprachschöpfungen aufmerksam geinacht.) Audi derjenige, der sich weder für hebräische rnilo'ogie, noch für’ K'nderpsychologie sonst interessiert, wird an diesen oft reizvollen Aussprüchen des Kindermundes sein Gefallen finden. Alles in allem: Das Buch Dr. Rivvkays ist eine sehr selbständige Arbeit, das Interesse hervorruft für weitere Arbeiten des Verfassers auf diesem Oebiet. Fritz Meir Frankel W.״■ r;;!:hre1 :■-:!2״.«ung. Der dritte Jahreskurs zur Ausbil- G1: : von Werklclirern beginnt Anfang September 1038 in |en:5;den1. Er umfaßt wie in den Vorjahren: Holzarbeit nach Werk/cP huung, Papparheit und Buchbinden, plastisches und dekoratives Gestalten, Lehrproben mit Kindergruppen, Vorksuugtn über den Werkunterricht, außerdem ist Keramik oder' Mela'larbcit vorgesehen. Anmeldungen und Auskünfte /wischen 1. b s 13. September bei Anselm Bing, Jerusalem, King <i״orge Av. Belli Saba (gegenüber Keren Rajcnte׳'•- Gc!)1.113. ). (Schluß des Paläslina .;$)

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