Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 66 (19.8.1938)
- Date
- 1938-08-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 0ו JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr, 66 19 VIII. 1938 Palästinensische Typen Schäften der größeren Type-Größe — 10—15 ht — und von den Keillektiwvi rHchaftcn versorg. Unstreitig bewegt sich die fernere Entwicklung der palast inen 1י sc hei! I andwirtschnft in der Richtung der Kleinrar m;1 u f b e w;1 s s e r t, e m I! ״ den, die hochwertige Produkte erzeugt: (!ein 11-e, Obst, Geflügel, Eier, Honig. Die Orangenkultur wird in den letzten Jahren infolge zu schneller Entwicklung \n11 dt in Obst- und Weinbau (Tafcltrauben) zurückpedrängt. Diese!Achtung findet ihre Erklärung einesteils in den licduigiingei! des Klimas und Landbesitzes: Palästina ist klein, der Boden wird immer teurer. Andererseifs gestattet ilas subtropische Klima die Kultivierung wertvoller Produkte־, bei Bcw ä-serun g natürlich, die nicht nach ihrem Kaloricnmiialt, sondern nach ihrem Cieschmack und der Zeit ihrer I lm־«rhringung (1 riili- und Spätgcniüse, Obst, Trauben) bewertet werden. Und ganz besonders wichtig, ja entscheidend ist unser M e n s c 11 e n m a t e r i a 1: Juden aus der Stadt, Intcllektuelie, die früher nicht manuell gearbeitet haben, die höhere Bedürfnisse haben, können Farmer werden, aber nur in seltenen Ausnahmefallen —- Bauern. Die Umschichtung, d. 11. der Berufswechsel eines Städters, der aufs Land ziehen soll, und dort von der Arbeit seiner Hände, aber auch seines Kopfes leben soll, geschieht am besten durch die Artsiedlung von Earmcrwirtschalten, wo der Uuisdiiehter z.war individuell seine Parzelle bearbeitet, aber durch Kooporativen seine Erzeugnisse verwertet. 111 großen Siedlungen, die dem Um- Schichter möglichst bequem die Umstellung gestatten, d. h. von ihm und seiner I ran keine schweren Opfer, geistige und körperliche, fordern, gelingt die Ucberfiili rung des Stadtn!mischen aufs I and fast lückenlos. In Palästina sind die Fälle vercinzelt, daß ein Siedler in einer Siedlung des escliilderten Typ-- nach der Stadt fortzieht. Umgekehrte ,alle — der f ,cbergang von der palästinischen Stadt aufs Land — sind!läufiger. Mordechai Schwartz hingerichtet Geständnis vor der Exekution J <1. ־ 11 ׳1 ־ I 1 ui. 1״. Aiigu-t. (I’alcor.) Der ehemalige jiidisehe Poli/i-t ,Mordechai Schwartz wurde heute morgen in Akku luagcriditet. Die Beerdigung hat in Haifa stattgefunden. .'.׳h\\ 111/ wurde :111־ Wochenende von einigen Freunden im < u 1.1!־:׳no 1״n Akk״ lu-uclit. Er sagte dabei, er sei gegen 1,' :1 c h c a k t e. Er werde sterben infolge eines primdui! ehk:־- und wünsche nicht, daß aus seinem Tode politi-ches Kapital gi -chlagen werde. Palcor erl'alut, dal! iwlnvart/ dem Rabbiner KanicI aus Haifa, der Hin '׳c-tuhte. seine Schuld gestanden hat, Auf (11 und eilt sc:- Fiesta mliiisscs liat die Palästina- Regierung den Fall 11״cl1 einmal nbcrpriift, gelangte jedoch 711111 Sein 11 h. duli!Ir t ’!teil all f 1 eehterhalteil bleiben müsse. Ein Oesiicb um B e g n a 11 i gu 11 ß, das vom Obcrrabbinat an den König ״, richtet worden war, wurde mit dem Hinweis darauf beantw ort! 1, daß die׳ Fntscheiduug in den Händen des High Con!׳וסויסס-ססו liege. Vor der II iiiriehfung imnTv, hrieh der Verurteilte fn Gegenwart des Rabbiners und eines Pnli/eioffi ziere eine Erklärung; in dieser heißt cs, daß er den Mord, dessen er beschuldigt wurde, in einem Anfall von Wahnsinn begangen habe, Mordechai Schwartz, der 25 Jahre alt war, stammte laus der Tschechoslowakei und kam 1933 nach Palästina. Die Vakanz in der Exekutive Um die Nachfolge von Dr. Rottenstreich Durch das Ableben von I>r. Fischel R 0 11 c 11 s t r e i c 11 ist ein Sitz in der Exekutive der jewish Agency freigeworden. Bekanntlich wurde bei dem letzten Zionisten-KongreB in Zürich im Sommer ID 37 die Exekutive auf Grund einer K o a 1 i t i o n von Parteien gebildet, ehe־ ungefähr gemäß ihrer Kongreßstärke in der Exekutive vertreten sind. Dabei ist Dr. Rottenstreich von der ,,(!nippe B“ vier Allgemeinen Zionisten delegiert worden. Fr halteiti vier Palästina-Exekutive das Ressort für Handel und 111 Ju-trie inue. I >ie zionistische Presse ver* schivdcnvr!,.ander befaßt sich nun mit der frage seines N a c!1 f o 1 g v r.s. Dabei sind verschiedene Gesichtspunkte zu berück Meli! ig'en: erstens der Wunsch, das wichtige Indastricressort nidu langer verwaist zu lassen, zweitens die Uebcrlcgtuig, Maß durch den An-fall des Vertreters einer der Koaiiticn-grtippeii das (ilr icligvwicht in der Exekutive gestört ist, ein Zust!1111, der m< ׳L,pi־ehsi bald behoben werden soll. Rot* tenstreich entstammte• dem polnischen (gaü/ischen) Judentum, und daher i,M vs naheliegend, wenn cm anderes führendes Mitglied der n<ß;1!>, he!1 Gruppe B vprgeschiagcn wird. Ls heißt, daß die Ihinnleitmig die-er Gruppe sich auf Dr. Emil Sclunorak (1 cmbvtg) geeinigt hat. Von anderer Seite wird geltend gemach! daß dm Au.-.wahl eines Exekutivmitgliedrs ident 1־ a--eh'n ß!i, 1! Sache der betreffenden Koalitionspartei Kt, muhE!:1 :10: dwi anderen Gruppen beraten werden muß, weil ja (.!;■■ Exekutive als sn'ehe keine Parfrivertrctung ist, sendimi t l:!e Lwouig der Ges a m t Organisation. Die Nachwahl wir! v1;:״ Ale!־ et-f aoidte vm genommen , das wohl im Okt<>h־־r -. n:!:h ״ <!.־a Woodhead-Bericht — zusammentreten durfte. Die ..!> a I f s 1 i 11 1• Post", die in englischer Sprache erscheinende jiuli-'clie Tage-/(jititig in Jerusalem, set/t sieh in diesem Zusammenhänge dafür ein, daß das neue Mitglied der Exekutiveaus den Kreiser, der englischen oder amerikanischen Zionisten entnommen werden möge. Die Zeitung weist darauf bin, daß in unserer Zeit eine große Verschiebung des Schwergewichtes der Judenbeit vor sich geht. Das mitteleuropäische Judentum ist im Verschwinden begriffen, das osteuropäische Judentum wird wirtschaftlich und organisatorisch immer schwächer, so daß die Hauptverant worttmg für die gesamt jüdischen Aufgaben auf die westeuropäische und amerikanische Judenheit fällt. Wenn das aber der Fall ist, dann sei cs ein Anachronismus, nach wie vor die Funktionäre der zionistischen Leitung nur aus den Kreisen der östlichen Judenheit zu entnehmen und nicht auf jenen Kreisen, die für die zionistische Arbeit immer maßgebender werden müssen und auf deren Mitarbeit der Zionismus den größten Wert legen müsse. Wir glauben, daß diese Argumentation viel für sich hat und daß — unabhängig von der Frage der jetzigen Exckutiv-Nachwahl — bei allen organisatorischen Handlungen der Wunsch, eine stärkere Verbindung mit der westeuropäischen und amerikanischen Judenheit herzustcllcti, auch für die zionistische Organisation maßgebend sein sollte. Neue Siedlung Jerusalem, 16. August. (Palcor.) Der Allgemeln-Zionistische Kibbuz. Akiba wird morgen früh auf 1250 Dunam Keren Kajemctli Boden im nördlichen Scharon zur An- Siedlung gelangen. Die neue Siedlung wird zur Erinnerung an den verstorbenen Dr. Jo-un Thon Kfar Jchosc 11 ua heißen. Zaun, Wachtturm mit Scheinwerfer sowie zwei Baracken werden von den Siedlern und freiwilligen Helfern aus der Nachbarschaft morgen errichtet werden. Die Siedlung wird aus 50 Familien bestehen. Gestalten aus einem Kibbuz Von C. Z. Klootzel, Jerusalem Als der Verfasser vor einiger Zeit an dieser Stelle einige ,,Gestalten aus Jerusalem" zeichnete (siehe ״Jäd. Rundschau" Nr. 52), erhielt er eine ganze Reihe von Zuschriften, die ihn ermunterten, die Schilderung der trotz allem vorhandenen heiteren Seile des palästinensischen Lebens gelegentlich forlziisejzcn. Der verständnisvolle Leser 1 vir 11 wohl auch durch die nachfolgenden Skizzen nicht in Gefahr geraten, unser gegenwärtiges Dasein ah besonders lustig an- Zusehen, noch wird er verkennen, welcher Ernst und welche Kraft hinter den Menschen steckt, die hier von ihrer hurnorvollen Seite aufgenornmen sind. Chajim, ba'ai hakitor ״Besuch mich bd der Arbeit!“ sagte Chajim, in dessen Zimmer man sich ei!!quartiert hatte, weil seine Frau gerade zur Erholung in Jerusalem ist. Dabei verzog sich sein ausdrucks voll es Schauspiclcrgesicht zu einem Grinsen und in seinen Augen blitzte es wie Spott. Seine Einladung stürzte mich in einen schweren Konflikt. Es war der erste Tag meines Aufenthalts in dieser Kwuza im Jordantal, 200 m unter dem Meeresspiegel, ich kam aus dem kühlen Jerusalem, und hier waren 45 Grad. Vorläufig hatte ich nur das Bedürfnis, dauernd unter der Dusche zu sfehen. Und nun sollte ich Chajim besuchen — im Kesselhaus! Denn khajim ist ״ba'ai hakitor -- der Herr des Dampfes“, ohne ihn kann im Kibbuz weder gekocht noch gewaschen werden. Ich rechnete mir aus: 45 Grad Außentemperatur plus Kesselhitze — nein, das kann kein Mensch verlangen! Andererseits wiederum: ich war Gast, und man hatte die Erwartung eines Anstandsbesuchs deutlich zmn Ausdruck gebracht. Und wenn man in die gesellschaftlich geläuterte Sphäre eines Kollektivs kommt, will man natürlich nicht gleich ain ersten Tage anstoßeti. Also nahm ich mir ein Herz und Richtung auf den cinzigen langen Schornstein der ganzen Gegend, fest entschlossen, diese Visite zur kürzesten meines Lebens zu machen. Schon von weitem sah ich Chajim freundlich grinsend aus einem Fenster schauen, ein rotes Taschentuch nach Hcizermanicr um den Hals geknotet. Als er mich erkannte, tauchte er im Dunkel des Kesselhauses unter, erschien aber gleich wieder und winkte mit einet Flasche. ״Sch,110m, Chajim", sagte ich und trat ans Fenster; vielleicht ließ sicli der ganze Besucli auf diese Weise abmachen. ״Trink!“ antwortete Chajim und hielt mir die Flasche hin. Ich nahm sie, und fast hätte ich sie fallen lassen. Sie war — eiskalt! Eine ganze Flasche voll herrlichen, eiskalten Wassers, hervorgezaubert aus einem Kasten dicht neben dem Dampfkessel. Denn Chajim war nicht nur ״ba’al hakitor“, sondern auch ״Abu kerach — Vater des Eises“, Direktor, Ingenieur und kaufmännischer Leiter der Eisfabrik des Kibbuz in einer Person. Danach habe ich jede Gelegenheit walirgenommen, Chajim zu besuchen. Und jedesmal öffnete er den großen Be- Halter, in dem riesige Zinkgefäße voller Wasser in einer Gefrierlösung schwammen — und in den Zwischenräumen ein Dutzend Flaschen für Oliajims Freunde und Freundinnen. Wenn er vom Dienst nach Hause kam, geschah es seilen, ohne daß er ein großes Paket eisgekühlter Trauben oder eine gefrorene Melone mitbrachte. Habt ihr schon mal gefrorene Zuckermelone gegessen, 200 Meter unter dem Meeres- Spiegel und bei 45 Grad. Nein? Ach, dann wißt ihr nicht, .was gut ist! Aber die Besudle bei Chajim brachten mir nicht nur GenuB und Kühlung, sondern auch tiefe Erkenntnis des U11wandelbaren in der menschlichen Natur. Da war nun dieser Chajim, einer der Aeltesten im Kollektiv, einer seiner Gründer, vom ersten Tage an dabei, der dreizehn Jahre lang ein Kibbiulebcn geführt hat — und im Augenblick, wo er zwei Monopolgiiter in die Hand bekommt, wird er zum — ״Ausbeuter". Ja, er riilimt sich dessen noch! Nicht nur, daß ״Chajims Ice-drink Bar" die hübschesten Chaweroth anzicht und sie ihm aus dem Küehengarten die zartesten Radieschen und die rötesten Tomaten bringen — eine Liebe ist die andere wert. Nein, er fordert regelrecht Triibut. ״Da kommen sie einmal aus der Küche gelaufen“ — erzählt er — ״und schreien; Chajim, wir haben Reinen Dampf! Wir können nicht kochen! Es nuiß was an der Leitung kaputt sein. — fch gehe hinüber und sehe auf den ersten Blick, was los ist. Sie haben beim Putzen den Haupthahn geschlossen, ohne cs zu merken. ״Das wird drei Stunden dauern!“ sage ich. — ״Um Gottes willen", schreit die Küche, ״wir müssen doch mit dem Essen fertig werden 1“ — ״Na, sage ich, wenn ihr mir heute abend einen großen Eierkuchen backen wollt, geht es vielleicht auch in fünf Minuten!“ Dann ging ich hin und drehte den Hahn auf, und abends bekam ich meinen Eierkuchen. ״Denn des Menschen Trieb ist böse von Jugend an“, dachte ich, ״und für einen Eierkuchen verleugnet man die höchsten Prinzipien“. Bis ich eines Tages zufällig auf diese Geschichte zu sprechen kam, als Vertreterinnen der Küche dabei waren. Und da erfuhr ich denn, wie schließlich das Koilekfivsystem doch gesiegt hatte. An dem Abend jenes Tages war Sitzung einer siebenköpfigen Kommission, zu der Chajim gehörte. Und als man gerade beim besten Beraten war, kam die Köchin vom Dienst und brachte den versprochenen Eierkuchen. Für Chajim allem wäre er ein reichlicher Bissen gewesen, aber fiir sieben...? Ich hätte Chajim gern gefragt, ob er damals satt geworden ist. Aber im Hnhliek auf alkoholfreie leedrinks und gefrorene Melone unterließ ich es . . . vielleicht frage ich ihn nächstes Jahr, wenn ein anderer zum ״Abu kerach“ ernannt worden ist. ״Abba“ benscht ״Abba“ sitzt ganz vorne am ersten Tisch links — am Diättisch. Er ist seinen Jahren nach der älteste Chawer des Kibbuz, aber der Anciennität nach einer der jüngsten — voriges Jahr erst hat man ihn gewählt. Zwar ist er erst 55 Jahre alt, aber sein graues Haupt ragt aus dieser Gesellschaft der im Durchschnitt Zweiunddreißigjährigen hervor wie ein Schneegipfel über grüne Hügel. Darum wohl auch nennt man ihn nicht bei Vornamen, wie es sonst üblich ist, sondern ״Abba“, was man wohl am besten mit ״Väterchen“ übersetzt. Bevor Abba ״Väterchen“ wurde, war er einfach ein Vater. Ein Vater von drei Söhnen, die nach Palästina gingen. Einer ist Ingenieur in Haifa, die beiden anderen gingen in versohiedene Kibbuzim, der jüngste ist io dem, von dem hier die Rede ist, Chauffeur. Abba, ein wohlhabender Kaufmann aus den Randstaaten, besuchte seine Kinder 1936. Kaum war er im Land, brachen die Unruhen aus, ״und man kann sie doch in so gefährlichen Zeiten nicht alleine lassen“. Er lebte ein bißchen in Haila, ein bißchen in Tel Awiw — und es wuchs ihm zum Halse heraus. Man bot ihm alle mögliche,! Geschäfte an, gute und weniger gute, schließlich war er dreißig Jahre lang Kaufmann gewesen. Er aber fand cs sinnlos, in Palästina ebenso zu leben, wie in Riga •oder Kowno. Und so ging er zu seinem jüngsten Sohn in den Kibbuz. Der Kibbuz war nicht sehr erbaut davon. Das Klima des Jordantals ist für ältere Herrschaften aus Nordeuropa kein Kuraufenthalt. Aber mau nahm ihn als Gast auf — und allmählich verwandelte sich der ״Vater“' in ״Abba“. Denn der alte Herr war rüstig, und er griff zu. Ein ganzes Jahr lang nagelte er Kisten. Ais das Jahr um war, gab inan ihm zu verstehen, daß eine Bewerbung um die vollberechtigte Mitgliedschaft im Kibbuz keine Ablehnung finden würde. Kurz vorher war in der Nähe eine neue Siedlung gegründet worden, ״zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang“, wie das [etzt so üblich ist. lind Abba war - Hitze her, Gefahr hin — mitgezogen Und hatte geschuftet wie ein Junger. Das gab den Ausschlag. Und Abba, der in seiner Heimat alle möglichen Ehrenämter bekleidet hat, ist auf keines von ihnen je so stolz gewesen, wie auf den Titel eines ״Chawer im Kibbuz“. Abba war von jeher ein frommer Mann, er blieb es im Kibbuz, und_er ist cs heute als Chawer. Das Schicksal hat ihn in eine Gemeinschaft verschlagen, die in religiösen Dingen radikal anders denkt, als er. Aber als sie ihn zum Genossen! machte, nahm sie . ihn b e cl i n g u n g s I os auf. Und so ist Abba der Einzige unter dreihundert Menschen, der nach dem Essen — benscht. ״Gehen Sic nicht manchmal in eine Synagoge?“ fragte ich Abba. ״Sic könnten doch leicht über Sehnhbath nach Tiberias fahren.“ — ״Nach Tiberias?“ rief Abba entrüstet, ״kennen Sie die Leute von Tiberias?!dieser Kibbuz stellt sechs Jahre, und seit _ sechs Jahren schimpfen sie in Tiberias über die ,poschcj jisrocP (Abtrünnigen), die liier leben. Aber glauben Sie, daß in allen diesen Jahren auch mir ein Einziger hierher gekommen ist, um sich selbst zu überzeugen, was hier geschiebt? Glauben Sie, daß jemand in Tiberias bei den Frontmen auch nur eine Ahnung ׳hat, wie hier Erez Israel aufgehaut wird? Und wenn sie schon nicht zu uns kommen wollen: da drüben liegt Tirath Zwi, und das ist ein religiöser Kibbuz . . . und der ist ihnen auch nicht ,koscher‘ genug. Nein, lieber Freund, ich werde wohl bis an das Ende meiner Tage alleine beten . . . mit den Menschen hier tat’ ich es gern, aber sie wollen nicht, und in Tiberias könnt’ ich es wohl, aber da will ich nicht... Mitja, der Muschik Mitja sicht aus, als sei er von Tolstoi entworfen. Ein russischer Bauernjunge, ein richtiger Muschik. Blonde Haare, die ihm meistens wild in die Stirn hängen. Eine Stubsnase zwischen roten Backen. Ein paar pfiffige blaue Augen. Eher klein, als groß, mit breiten Schultern. Gellt meistens barfuß. Würde man ihm außerhalb Palästinas begegnen, nie würde man ihn für einen Juden halten. In Rußland gibt es Millionen Mitjas ... Wie weit ist doch die Spanne zwischen den Menschen, die in einem Kibbuz leben können! Mitja ist ״Chawer“, und Chawer ist auch jenes Genie, das ich noch nicht kennengelernt habe, der ״Direktor der Kistenfabrik“. Seit ich im Kibbuz zu Gast bin, erzählt man mir Wunderdinge von ihm. Eines Tages überraschte er die Generalversammlung mit der Forderung, man solle ihn sofort nach Amerika schicken. Dort gäbe es eine wundervolle Maschine, die die Baumstamme schäle, wie man einen Apfel schält, ganz dünn, und eine zweite, die dieses dünne Holz zusammen ת ii 11 e, wie Tuch. Und wenn man diese beiden Maschinen hätte, dann könne man Kisten für die ״Tnuwah“ und für den Orangenexport fabrizieren in ungezählten Mengen und zu unerhört niedrigen Preisen. Nur müsse man sofort zugreifen, diese Maschinen würden in jedes Land nur in einem Exemplar verkauft, und eine privatkapitalistische Gruppe verhandle bereits über ihren Ankauf. Nun, um eine lange Geschichte kurz zu machen, der Kibbuz schickte sein ״Kisten•Genie“ nach Amerika, und jetzt baut man eine neue Maschinenhalle, um die Wumiorapparate aus USA. würdig zu empfangen. Noch ein paar Wochen, und die ersten ״genähten Kisten aus geschälten Bäumen“ werden auf dem palästinensischen ״Markt erscheinen. Ich ging bei meinem Studium des Kibbuz methodisch vor, und die Kistenfabrik war noch nicht ״dran“. Aber als man mir eines Tages wieder von ihr vorsclnvärmte, sagte ich: ״Zeigt mir doch mal dies Wunderkind, das ihr nach Amerika geschickt habt.“ Da wiesen sie auf einen breitschultrigen Rücken am Nebentisch. Und einer schlug ihm auf die Schulter, damit er sich umdrehte. Eis war Mitja, der Muschik. Aktion für die Olim aus Oesterreich Ein Aufruf der H. O. G. Die H i t ac 11 d u 111 OI e j Germania, vereinigt mit der Hitachdiitli Olej Austria (Einwanderer-Organisationen aus Deutschland und aus Oesterreich), veröffentlicht einen Aufruf, in dem sie darauf himveist, welche gewaltige Rolle Palästina als Einwanderungsland für Juden aus Oesterreich zu spielen berufen ist. Nachdem sich die frühere Hitachduth Olcj Austria jetzt mit der Hitachduth Olcj Germania vereinigt hat und diese neue Gesamtorganhsation von allen zentralen jiidisehen Instanzen als alleinige Vertretung der Einwanderer aus Deutschland und Oesterreich anerkannt wurde, geht diese Organisation mit allen Kräften daran, sich für die Einordnung der Olim aus Oesterreich einzusetzen. Sie wendet sich mit einem Aufruf an den Jischuw, die Mittel für diese Arbeit anfzti bringen. Unter Anerkennung der Tat- Sache, daß der Jischuw׳ gerade jetzt finanziell anderweitig stark in Anspruch genommen ist (z. B. durch den Verteidigungsfonds ״kofer Hajischuw“), appelliert die vereinigte Organisation ״Hitachduth Olej Germania“ an alle Juden Palästinas, nicht nur an die aus Deutschland und Oesterreich stammenden, sich an der finanziellen Fundierung dieser unaufschiebbaren, aus vielen Gründen brennend wichtigen Arbeit zu beteiligen. Gleichzeitig erhalten wir eine Darstellung der Vorgeschieh te der Vereinigung der beiden Organisafionen. Daraus geht hervor, daß zunächst gewisse Schwierigkeiten bestanden, weil eine Gruppe der Hitachduth Olej Austria die Selbständigkeit ihrer Organisation nicht aufgeben wollte und der Meinung war, daß fiir die Olim aus Oesterreich eine spezifische Arbeit geleistet werden müsse. Von den drei großen Ortsgruppen der Hitachduth Olej Austria stimmte Haifa geschlossen für die Fusion, Tel Awiw stimmte mit 62 zu 57 Stimmen für den gesonderten Fortbestand der Hitachduth Olej Austria und Jerusalem nahm eine vermittelnde Haltung ein. Das Gesamtverhältnis im Lande war 171 zu 69 Stimmen zugunsten der Fusion. Bei der Landes-Tagung vom 17. Juli erklärten die Vertreter der Gruppe Tel Awdvv, daß sie sich dem Fusionsbeschlnß nicht fügen, und verließen die Tagung. Die Hitachduth Olcj Austria hat daraufhin unter ZuwahT von Vertretern der •fusionsfrcundlicheit Minderheit der Gruppe Tel Awiws die Lanclesieitung ergänzt und sodann die Fusion vollzogen. In allen Institutionen der Hitachduth Olej Germania wird eine Vertretung der Alija aus Oesterreich hinzugezogen.