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Jüdische Rundschau · 1938-08-19 · Heft 66 (19.8.1938) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 66 (19.8.1938)
Date
1938-08-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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22. 8 1833 Preis 25 Rpl« JÜDISCHE RUNDSCHAU JH Redaktion, Verlag and AntcljjenverwaUimgi Berlin W15, Meloekeatr. 10 Farnrnlt 9190 31, Telegramm •Adresae 1 Orghlp. - In Fällen höherer Gewalt beaiehl kein Anspruch «ul NatMielerun!? oder ErMnttunp etwa achon j,r7Jvhtttr Beiujairebühren. Be1U([«prei* einschlieBlicli Bcitel^eld je Mona( RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75! bei Abholung RM 1,88 brw. RM 5,39 (einschlieBIich Postzeitung«• oebühr von 10,% Rpf je Monat). — Postscheck - Konten der Vertrieb« -Abteilung lür Groll-Berlin Berlin 71573, für da» übrige Reich! Berlin 17393 Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die BERLIN כ״ב אב ת ר צ"ח FREITAG, 19, AUGUST 1938 Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Gültig isi dio Anzelgenpraisllst• Nr« 5 vom le April 1936, Di« zwölfgespaltene mm-Zeile 20 Rpf, für FamUlan• Nachrichten 15 Rpf. Keine Gewahr für Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder ta bestimmten Platzen. Einzelanzeig־en nur £egen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9 — 18 Uhr. Annahmeschluß ifur die Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag Ausgabe * Mittwoch 15 Uhr. FamUIen ־■ Anzeigen am Tag vor Erscheinen 16 Uhr Helmitdtta in Palästina. (Baseler Programm) Die Teilungskommission * V 1 / Neue politische Kombinationen m L10I1CI0H / über das Teilungspröjekt Die P a 1 ä s t i ת a - T cilungskommission begann am Montag in London mit ihren Beratungen._ Die erste Sitzung dauerte mehrere Stunden. Sie war geheim und befaßte sich mit verschiedenen eingereichten Denkschriften. Ferner hörte die Kommission den Earl of Lytton an, der bekanntlich Vorsitzender des Venvaltungsrates der Palestine Potash Co. ist. Man vermutet, daß bei dieser Sitzung insbesondere wirtschaftliche Fragen erörtert worden sind. Der diplomatische Korrespondent der ״Times“ erklärt, angesichts des Palästina-Besuchs des Kolonial 1 ninis;ers MacDonald und seines Drängens auf rasche Eniseheidung sei es unwahrscheinlich, daß der Bericht der Kommission lange aufgeschoben wird. Mit der Reise, die der Kronprinz von Saudi Arabien, der zugleich Außenminister seines Landes ist, nach London unternommen hat, werden politische Konibinatiouen verbunden. Offiziell ist mitgeteiit worden, daß Die Delegation aus Saudi Arabien. In der Mitte der Kronprinz bei der Ankunft auf der Victoria Station in London. Amiandsfoto die Europareise des Kronprinzen nach Paris und ■England rivaten Zwecken diene. Man vermutet jedoch, daß er in ondon auch politische Fragen zur Sprache bringen wird und 11. a. den in Frage kommenden englischen Stellen die Haltung Ibn Sauds in tier Palästinafrage schildern soll. (Vgl. hierzu auch den Artikel ״Falsche Verhandlung.?- basis“.) Inzwischen hat der diplomatische Korrespondent des Londoner ״Evening Standard4‘ einen etwas sensatio- Hellen Artikel veröffentlicht, worin er behauptet, Informationen zu haben, daß der Palastina-Teilungsplan in der bisherigen Form überhaupt fallen gelassen sei. Man befürchte, daß die Gefahr einer allgemeinen Erhebung der arabischen Welt gegen Großbritannien wachse, wenn in einem Teil Palästinas ein selbständiger arabischer Staat geschaffen werde. Außerdem habe Ibn Saud England zu verstellen gegeben, daß er bei einer Teilung Palästinas die Herausgabe des Hafens von Ak aba, den er von jeher beansprucht bat, verlangen werde. Die aus diesem Grunde in Aussicht genommene neue Lösung beruhe darauf, dal! das englische Mandat über Palästina auf rechter 11 alten werden soll, während man zugleich ein autononies indisches Territorium in der Küstenebene des Landes schaffen werde. Dieses jüdische Territorium solle sich von Tel Awiw nach Norden in einem zirka 15 km breiten Landstreifen bis Athlit, 10 km siidlieh von Haifa, erstrecken. Das in Frage kommende Gebict werde schon jetzt zu 93 "ö von Juden bewohnt, und die verhältnismäßig nicht sehr zahlreichen Araber könnten in anderen Teilen Palästinas angesiedclt werden. ״Evening Standard“ sagt, daß man zwar mit einer energischen jüdischen Opposition gegen einen solchen Plan rechne, da dieses Territorium wesentlich kleiner sei als das in dem Teilungsplan der Peel-Kommission in Aussicht genommene jüdische Gebiet; jedoch glaube man, daß bei der Fortdauer des gegenwärtiger, Zustandes und auch bei der Durchführung des ursprünglichen Teilungsplaiics die Lage der Juden ungleich sc 111 echt er sein würde. Hohe britische Beamte und Mitglieder der Tcilungskommission seien darin einig, daß es gefährlich sei, neben dem jüdischen einen arabischen Staat zu schaffen, da zwischen diesen beiden Staaten ein ständiger Kriegszustand entstehen würde. ״Evcning Standard“ will ferner wissen, daß der neue Plan zugleich mit dem Bericht der Teiltmgskommission Anfang Oktober veröffentlicht werden soll, jedoch sei anzuneluncn, daß mail seitens der britischen Regierung schon vorher Untersuchungen in Palästina über die Durchführbarkeit des neuen Planes anstcllcn wolle. Auch der Jerusalemer Korrespondent des Pariser ״T e m p s“ weiß von neuen politischen Projekten zu bcrichten. In gemäßigten arabischen Kreisen Palästinas herrsche die Ansicht, daß die britische Regierung als Resultat der jiingsteil Besprechungen mit Emir Abdullah beabsichtige, eine Lösung des Palästinaproblems vorzuschlagen, die auf folgenden Prinzipien beruht: 1. Verhinderung des Landvcrkaiifes seitens der Araber an Juden, mit Ausnahme der Küstenzone zwischen Tel Awiw und Haifa. 2. B c s c h r ä n k u n g der j ü d i s c 11 e 11 Ei 11 w a 11 - de rung unter. der Voraussetzung, daß die Einwanderer sich in der gleichen Zone niederlassen und daß der Umfang der Einwanderung von der Aufnahmefähigkeit dieser Zone abhängt. 3. Einrichtung eines Legislative Council aus gewählten Vertretern, in Uebereinstimmung mit dem Prinzip proportioncllcr Vertretung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. ■1. Amnestie für alle politischen Gefangenen, Verbannte und Geflüchtete. 5. Verlängerung des britischen Mandatsreg im es für die nächsten 10 Jahre. Wie der Berichterstatter des ״Tcmps“ hinzufügt, habe der Mufti zu diesem Plan seine Zustimmung gegeben. * JR. Die Mitteilungen, die in der Londoner und Pariser Presse über neue Projekte zur Lösung des Palästina-Problems aufgetaucht sind, müssen unseres Erachtens mit größter Vorsicht aufgenommen werden. Nach den letzten offiziellen Aeuflcrungen seitens des Kolonialmin ist ers Mac Donald wie auch des Oberkommissars im Rundfunk hcharrt die englische Regierung auch weiterhin auf dem Gedanken der Teilung des Laudes, wie er im ״Peel-Plan“ prinzipiell niedergelegt worden ist. Wenn demgegenüber ein Projekt, wie es vom ״Evening Standard“ augekündigt ist, ernsthaft erwogen würde, so läge darin eine Abkehr von jener Linie, die von den Autoren des Peel-Plans eingehalten wurde und die davon ausging, beiden Partnern, Juden wie Arabern, ihre Hauptforderungen zu erfüllen, nämlich ihnen beiden cm hohes Ausmaß von nationaler Selbständigkeit zu gehen. Ohne Zweifel müßte es heftigen arabischen Widerstand hervorrufen, wenn die von England durch den Peel-Plan verheißene Selbständigkeit nicht gewährt würde, während man ein — wenn auch kleines — Gebiet den Juden zur autonomen Verwaltung tiberläßt. Auf der anderen Seite wäre — dies wurde vom ״Evcning Standard“ selbst sogleich erkannt — ein derartiges Angebot für die Juden völlig ti 11 a k z e p t a b e 1, würde es doch bedeuten, daß die jüdische kolonisatorische Arbeit auf einen winzigen Gebietsstreifen beschränkt bliebe, der uns in keiner Weise die natürlichen Möglichkeifen des Landes zur Entwicklung überläßt und auch unter noch so bescheidenen Gesichtspunkten keine ausreichende Einwanderung ermöglicht. Uns scheint, daß cs sich bei diesen Angaben weniger um einen konkreten Plan als um einen Versuchsballon handelt, der von gewissen an der Sache interessierten Kreisen ausgellt, um die Reaktionsweise von Juden und Arabern zu erproben. Darauf deutet auch der Jerusalemer ״Tetups"- Bericht hin, der zwar einen etwas anderen Vorschlag wieder• gibt, weil das Land als Ganzes unter Mamlatsrcgime bleiben soll, aber doch darin mit den Mitteilungen des ״Fveuing Standard“ übereinstimmt, daß die jüdische Arbeit auf die Küstenzone beschränkt werden soll. Wir glauben, daß gerade im gegenwärtigen Augenblick nach den eindeutigen Erklärungen von autoritativer englischcr Seite jede Nervosität überflüssig ist und alles geschellen sollte, um eine beschleunigte Durchführung eines verbesserten Tcilungsplanes zu erreichen, nachdem dieser als der einzige mögliche Ausweg proklamiert worden ist. George Rublee in London Der amerikanische Direktor des intergouverncmenfalen Büros für Auswanderungshilfe Mr. George Ruhlee traf in London ein und hat seine Amtsgeseliäfte aufgenommen. Er wird im Laufe der Woche das englische Auswärtige Amt besuchen, um mit Lord Winter ton, dem Präsidenten des Büros, sich zu beraten. A. Z. Idelsohn Der bekannte amerikanisch-jüdische Komponist Ahraham Zwi Idelsohn starb, wie uns soeben gemeldet wird, am 16. August in Johannesburg (Südafrika) im Alter von 56 Jahren. Idelsohn ist als Autor einer großen Zahl jüdischer Lieder und als jüdischer Musikforseher bekannt geworden. Er lebte von 1()(>6 bis 1921 in Jerusalem, wo er nach dem Kriege eine jüdische Musikschule begründete. Seit 1924 wirkte er als Professor für jüdische Musik und Liturgie am Hehrew Union College in Cincinnati. Voll seinen Werken sind am bekanntesten sein Hebräisch-Orientalischer Melodienschatz und seine zweibändige Geschichte der jüdischen Musik, idelsohn hat sich in unserer Zeit die größten Verdienste um die Wiederbelcbung einer echten volksmäßigen jüdischen Original-Musik orientalischen Charakters (wohl zu unterscheiden von der häti'ig als . j i ch“ 11׳ zeichneten golusgeborene« eklektischen Musik) erworben. Seme Werke und sein Wirken sind in der ״Jüdischen Rundschau“ oft besprochen worden. Falsche Verhandlungsbasis Die Anwesenheit der arabischen Prinzen aus Saudi-Arabien in London wird i!1 manchen Pressemeldtmgen auch mit der Palästina-Frage in Verbindung gebracht. Obwohl keine Anzeichen dafür vorliegen, daß die Prinzen aus diesem Grunde nach London fuhren, ist es immerhin möglich, daß bei den Unterredungen, die sie dort haben werden, auch Palästina zur Sprache kommt. Unter diesem Gesichtspunkt sind die Informationen von Interesse, die vor einiger Zeit in der ״New York Times“ über eine angebliche Intervention der arabischen Nachbarstaaten ver• öffentlich( wurden. Die ״New York Times“ berichtete, daß die Regierung des Irak im eigenen Namen sowie im Namen der Regierungeii von S a 11 d i ־ A r ,1׳ b i c n und J e tu e n einen Vorschlag zur Lösung der Palästina-Frage aiisgcarheitet hat, der durch einen Spcziaiktmer nach Jerusalem gebracht und dort dem einzigen gegenwärtig in Jerusalem an wesenden arabischen Führer R»glich Bev N a s c I! a sch i b i, Präsidenten der arabisdien Verteidigungspartui, vorgelegt worden sein soll. "Naschaschibi habe dem Vorschlag sofort zugestimmt und daraufhin seien Abschriften an den in Aegypten befindlichen Auni Bev Abdul Hadi, sowie an den im Libanon befindlichen Exmufti von Jerusalem geschickt worden. Die drei Regierungen schlagen als Basis für V e r 11 a 11 d 111;1 g e 11 folgendes vor: 1. Palästina ohne Trausjordamen soll ein unabhängiger S t a a t werden, 2. das g e g e n w ä r t i g e Verhältnis der B e v 5 1 k e r n n g s / a h I von Juden und Arabern soll als dauerndes Verhältnis bestehen bleiben. (Dies würde praktisch das Atifliörai einer jüdischen Ein Wanderung bedeuten. — A. d. R.) 3. Die Durchführung einer Lösung des Palästina- Problems soll z e h n J a h r c in Anspruch nehmen, und während dieser Zeit soll Großbritannien die Herrschaft weiter behalten. 4. Eine Volksvertretung ist gemäß der Proportion der einzelnen Bevölkcriings gruppen einzusetzen. 5. Alle Palästinenscr, unabhängig׳ von Volkstum und Religion, genießen gleiche bürgerliche und politische Rechte. 6. Araber und Juden genießen in den von ihnen bewohnten Gebieten volle Selbstverwaltung. 7. Die moslemischen, christlichen und jüdischen Gemeinden sind in ihren Oemcimleangelegenheiten völlig unabhängig. S. England soll dauernd der Sehutzherr aller Minderheiten bleiben. 9. Ein Vertrag zwischen Palästina und Großbritannien soll die strategischen und wirtschaftlichen Interessen Englands in Palästina sicherstellen. In der .Meldung der ״New York Times“ beißt es weiter: die drei genannten Regierungen der arabischen Staaten wiirden, sobald die palästinensischen Araber den Vorschlag gutgeheißen haben, Verhandlungen mit der britischen Regierung einleiten. (Unter diesem Gesichtspunkt wurde, wenn man die teilweist׳ Richtigkeit der Meldung unterstellt, die An* Wesenheit der saudischen Prinzen 111 I ondon in ein neues l ieht genickt. — A. d. R.) 1 )!׳!׳ Berichterstatter der ,,New York Times" meint, daß der F x in u ft i solchen Verhandlungen nicht zustiinmen würde, doch haben sich nach dieser Meldüng zwei Vertreter des Iraks zu dem Muiti nach dem l.ibanon begehen, um ihn zur Zustimmung zu bewegen. Ob dies Erfolg batte, ist nicht bekannt geworden. Ferner beißt es, daß eine Anzahl von englischen Parlamentariern und auch einige ,Mitglieder des Britischen Kabinetts für diesen Vorschlag eiutreten und daß der Britische Botschafter in Bagdad die Frage eingehend mit der Irak-Vertretung diskutiert hat. Emir Abtlulla von Transjordamen ist ans der ganzen Kombination ausgeschaltet worden. Die ״New York Times" fügt hinzu, daß die Zionisten diese V o r s c h 1 ä g e n i c tu a I s a k / c p t i e r e n würden. Manche aralaischeu Führer seien der Meinung, daß im Falle der Zustimmung der Araber England den Juden eine solche Lösung aufzwingen würde. Die Meldung der ״New York Times“ ist natürlich mit größter Vorsicht aufzunehmen, aber erfahrungsgemäß ist meist in derartigen Berichten ein Körnrhen Wahrheit, und es ist durchaus möglich, daß irgendeine arabische Stelle einen solchen Vorschlag propagiert. Die Vermutung, daß die Zionisten einen solchen Vorschlag ablehnen müßten, ist gewiß richtig; denn es ist völlig ausgeschlossen, von jüdischer Seite irgendeiner Lösung zu• z u s t i!11 men, die eine w eitere jüdische E i n w a n ■ d e r u n g verhindert. Während ein beträchtlicher Teil der jüdischen ()Öffentlichkeit der Meinung ist, daß über das Ausmaß der Einwanderung verhandelt werden könnte und daß eine Vereinbarung, die die Zustimmung der Araber findet und den Frieden im Lande wieder herstellf, auch mit Opfern und Verzichten (ideologischer und praktischer Natur) erkauft werden sollte, gibt cs wohl niemanden auf jüdischer Seite, der einer völligen Einstellung der jüdischen Ein- Oester Ue&&Mtik Im Scharon wurde mit der Errichtung einer neuen Siedlung begonnen. In den letzten Tagen kam es in Palästina zu einer Reihe von lieber fällen und Gefechten, die zahlreiche Opfer forderten. Bei einem Geher fall auf einen Autobus bei ״Jaarolh Imkarmel" wurden neun .luden getötet. Araber erbeuteten bei einem Postraub in Nahlus LP 2000. Der ehemalige Polizist Mordechai Sc hw a r l z wurde in Akko hingerichtet. e

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