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Jüdische Rundschau · 1938-08-05 · Heft 62 (5.8.1938) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 62 (5.8.1938)
Date
1938-08-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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jüdische Rundschau PALÄSTINA-BLATT Nr. 62, 5. AUGUST 1938 Aufklärung tut not Nach Abreise der Kommission Die ״Times" zur Lage in Palästina Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl., Haifa, 29. Juli 1938 Es gibt heute nur ein Thema in Palästina, das ist die Frage der Sicherheit und der politischen Situation, die ja untrennbar miteinander verknüpft sind. Ob man in Versammlungen geht oder in kleine Zusammenkünfte, ob man den Unterhaltungen in den Autobussen lauscht oder in irgendeinen Familienkreis hineinkommt, überall werden Nachrichten vermittelt — oft so viel falsche wie wahre — und überall wird das Problem diskutiert, das für das Leben des Landes ausschlaggebend ist. Man sollte annehmen, daß diese Einstellung, das brennende Interesse für öffentliche Fragen, das heute ausnahmslos überall zu finden ist, ein fruchtbarer Boden sei für Aufklärung, eine gute Grundlage für entsprechende F ü h r u n g. Es ist jedoch nicht abzulcugncn, daß die Unterhaltungen und Diskussionen, denen man überall begegnet, zu einem guten Teil einen unerfreulichen Eindruck machen. Das gilt vor allem für die Städte, die trotz aller Terrorakte nicht halb so stark von den Unruhen berührt sind wie die Siedlungen. Es will fast scheinen, als ob die Unklarheit und die Richtungslosigkcit desto mehr ansteigen, je mehr man sich von der ״Front“ entfernt. Front — das heißt in diesem Falle ein doppeltes: Front sind alle bedrohten Punkte, wo sich die Verteidigung in den letzten Wochen verstärken mußte, und Front sind alle Stellen, die in irgendeiner Weise mit der politischen Arbeit und damit mit den Sicherheitsfragen zu tun haben, also die Jewish Agency und ein Teil der lokalen führenden Institutionen. Gerade in den Kreisen, besonders in den Städten, die sozusagen in der Etappe sitzen und den Kampf nicht direkt am eigenen Leibe spüren, ist vielfach die Verwirrung am stärksten. Hier kann man gerade in letzter Zeit vielfach typische Fragen hören, die als Beschwerden gemeint sind. Man beklagt sich über die ״Passivität“ des Jisclmw, darüber, daß er keine Möglichkeit erhalte, sich aktiv zu wehren, daß man keine politische Führung spüre, daß man den Dingen erlaube, sich hinzuschleppen und nichts zu ihrer radikalen Acnderung tue. Man könnte vielleicht über diese Erscheinungen in der ״Etappe“ zur Tagesordnung übergehen, wenn sie nicht so häufig wären und wenn sie nicht auf die Dauer sich in eben jener Vcr- Wirrung und Ratlosigkeit auswirken würden, die heute für das jüdische Palästina die größte Gefahr bedeuten. So wie aber die Dinge heute liegen, verdienen diese Beschwerden Aufmerksamkeit. Es ist ein vermutlich unvermeidliches Charakteristikum der anormalen Zeit, die wir durchleben, daß die Presse heute nur zu einem geringen Teil mit diesen Beschwerden und Stirnmungeit rechnen kann. Die Presse ist gebannt von immer drohenden Verboten, von inneren und äußeren Rücksichten verschiedenster Art. Nichts würde vermutlich mit der ganz irrigen Auffassung, der Jisdniw erleide die Unruhen in ״passiver“ Weise, schneller aufräumen als eine einfache aber umfassende Darstellung der jüdisch-englischen Verteidigungsmaßnahinen. Der j ii d i s c h - e n g 1 i s c h e n: denn wir sind ja längst über die Zeit hinaus, da die Juden vergeblich um das Recht kämpften, sich zu verteidigen, sie haben dieses Recht in beträchtlichem Umfange erhalten, und man braucht nur einmal in irgendeine Kolonie zu gehen, die in der gefährdeten Zone liegt, um von den Abwehrmaßnahmen einen Begriff zu bekommen, von einem Besuch im Norden des Landes ganz zu schweigen. Eine derartige detaillierte Dar- Stellung der Vertcidigungsinaßnnhmen ist jedoch aus einleuchtenden Gründen unmöglich. Dazu kommt, daß die im tiefsten selbstverständliche Regel, die sich der Jiscliuw gegeben hat, aktive Verteidigung nicht mit der Erschießung Unschuldiger gleichzusctzen, mit dem etwas unglücklichen ln der ״Times“ vom 3. August, erörtert der Jerusalemer Korrespondent des Blattes die palästinensische Situation im gegenwärtigen Zeitpunkt. Nacli Ski/zierung der Tätigkeit der Technischen Untersuchungs-Kommission und einer Schilderung des verstärkten Terrors während ihrer Anwesenheit meint er, es bleibe abzuwarten, inwieweit diese Unruhen die von der Peel-Kommission so zwingend dargelegte Notwendigkeit, beide Völker vollständig voneinander zu isolieren, unterstrichen haben, oder wie weit sie die Kommission zu dem Eindruck geführt haben, daß die Teilung den Arabern tinmöglich aufgezwungen werden könne. In jedem Falle würden die Mitglieder der Kommission den Ernst und die Dringlichkeit des Palästinaproblcins voll und ganz empfunden haben. Man habe darauf hingewiesen, daß infolge der strengen Auslegung des Auftrages, die technischen Möglichkeiten einer Teilung zu untersuchen, die Kommission nur die gehört hat, die in irgendeiner Weise einer Teilung günstig gesonnen sind, und daß sic nicht in der Lage war, das Gewicht gegnerischer Meinungen abziisehätzen. Da alle Araber, eine Anzahl wichtiger Juden in Palästina und nicht wenige Juden in England und Amerika die Teilung als unnötig und unausführbar verwerfen, müsse ein Platz gefunden werden, um auch sie hören zu können. Selbstverständlich werde die Regierung nach Empfang des Berichtes der Kommission die Verantwortung auf sich zu nehmen haben, zu beurteilen, ob er ״gerecht und ausführbar“ ist, bevor sie ihn an den Völkerblind zur Beschlußfassung weiterleitet. Unterdessen, so fährt der Berichterstatter fort, liegt in der Haltung einer Minderheit der Juden in Palästina eine Gefahr. Seit jeher haben die jüdischen Führer verständigerweise den Standpunkt vertreten, daß arabische Angriffe durch keinerlei Vergeltung beantwortet werden sollten. Die Juden erreichten hingegen die Erlaubnis, exponierte Siedlungen zu schützen, und ein großes Kontingent jüdischer Hilfspolizisten Wort der ״Hawlaga“, der Selbstbeherrschung und Disziplin, bezeichnet wurde. Es ist damit an vielen Stellen der völlig irrige Eindruck entstanden, als ob diese Regel des Jischmv hedeute, einfach nicht zu schießen, sich gegenüber dem Terror passiv zu verhalten. Das ist ein. grundlegender Irrtum, der gar nicht scharf genug zurückgewiesen werden kann. Er mutet besonders sonderbar an in diesen Tagen, wo der Jischmv alle verfügbaren Kräfte zur Verstärkung der Verteidigung aufruft, wo sich in allen Sportorganisationen und in den Rekrutierungsbüros die Menschen melden, junge lind ältere, um hinaus aufs Land zu gehen und die Positionen in den gefährdeten Siedlungen zu verstärken. Vom passiven Ertragen der Unruhen kann auch nicht im geringsten die Rede sein, und wer davon spricht, zeigt, daß er am wirklichen Puls des Landes heute vorbeilebt. Der Ruf nach aktiverer Politik hat eine tiefere Grundlage. Er erwächst aus der in Allen steckenden U n g cd u i d , diesem heute herrschenden unerträglichen Zustand ein Ende zu setzen, und aus der richtigen Voraussetzung, daß reine Gewalt den palästinensischen Knoten nicht zerhauen wird. Man vcrlangt stürmisch nach einer aktiven politischen Füllr 11 n g, die es fertig bringt, einen Lichtstrahl in das Dunkel fallen zu lassen, das den politischen Horizont des Landes verhüllt. Und man fragt in dieser Ungeduld nach den Aktion eil der Exekutive. Nun wissen wir jedoch, daß alle unsere Ungeduld bisher nicht imstande war, die Lug- Länder zu einem rascheren politischen Vorgehen zu bewegen, daß keine Entscheidung fallen wird, che nicht der Bericht der Technischen Kommission vorliegt, daß die Arbeit der Exekutive in diesen Monaten sich auf die zahllosen Detailfragen zu konzentrieren hat, die unser tägliches Leben ausmachen. Das wird auch vielfach verstanden und cingeschen, verstanden, daß alles darauf ankommt, bis zu dieser so lange ist ausgcbildct und bewaffnet worden. Alles dieses war rein defensiv. ״I lawlaga“, d. 11. Selbstbeherrschung, ist gepredigt und bis vor kurzem allgemein innegehaltcn worden. Die Havlnga droht mm ztisammcnzubrcchcn, da das Vertrauen der Juden auf den Wert der ״I lawlaga“ erschüttert worden ist. Die Juden beobachten, daß die Araber durch Gewalttiitigkeit die Aufmerksamkeit gewonnen haben, und sie inrehteil, daß die gegenwärtige Kampagne eine Verschlechterung sogar des Peel-Planes bedeuten könnte. Sie hören Menschen, die erklären, daß (iroßbrilaimicn wie alle Regierungen nur aut diejenigen hört, die ihre Bitten durch Tätlichkeiten erganzen. Man sagt ihnen, die Araber wurden ihre Angriffe auf Juden sofort einstelle״, wenn sie sähen, daß mit Gegenterror geantwortet wird. Die Ostjuclen, die eine Zeitlang England als den besten Freund der jmlen betrachteten, fangen an, die Reinheit dieser Freundschaft in Frage zu stellen. Sie argumentieren, daß 11 i e englische Macht den T e rror in P a I ä s t i!1 a leie!11 hätte liquidieren können, wenn sie nur gewollt hätte. Viele von ihnen beschuftigen sich mit der Geschichte des Vorderen Orients und kommen zu der zynischen Schlußfolgerung, daß Großbntamiieii immer seine Freunde im Stich' läßt, — z. B. die Armenier und Assyrcr. Die Feindseligkeit gegen Lngkind i-d im Wachsen. Der kürzliclic Prozeß und die I Iinncluuiig von Ben loset' wegen eines Akts der Vergeltung bezeielmcteii eine attsgespröchelte Krisis. Die Flugblätter, du■ in den Tagen der I liitriehtuiig von den .,Bnc 1 lakaiiaim״ (Söhne der Zeloten) zirkulierten' waren_ Verherrlichungen seines Opfeitmlcw Aufforderungen •1• Juli ereigneten siel) Vorfälle, die bestimmt jüdische Vcrgeltungsakte zu sein schienen. Die Reaktion der jüdischen Gemeinschaft war nicht einheitlich. Die offiziellen Instanzen erwarteten Entscheidung unsere Positionen zu halten. Aber die Kritik an der Leitung wendet sieh auch vor allem dem inneren Gebiet zu: das erregte, vielfach verwirrte Publikum vermißt mein־ denn je den engeren Kontakt mit seiner Leitung, die Aufklärung durch seine berufenen Vertreter, eine Richtlinie von oben. Man will wissen, hören, dirigiert, ermutigt werden. Und hier sind fraglos unseren leitenden Institutionen Unterlassungssünden mnerlaiifeii. Ein bestimmter Kreis von Menschen versammelt sich in kurzen Abständen in Jerusalem, sei cs im W'aad Lemni, sei es in der erweiterten Kommission, in der alle Kreise des Jiscliuw vcrtreten sind. Hier erhalten sie Informationen von der politisehen Abteilung der Exekutive, hier wird über notwendige Schritte beraten. Von diesem engen Kreis geht die information bis zu einem bestimmten Radius, und es ist vielfach auch nicht tunlich, alles der Ocffentliehkeit vor/ulcgen. Dennnoch ist die Aufklärung und Bearbeitung viel breiterer Kreise gerade heute eine dringende Notwendigkeit. Hier wird auch versucht, in dem und jenem Kreise derartige Arbeit zu leisten, aber sic ist sowohl in ihrem Umfang wie in ihrer üründlichkcit durchaus ungenügend. Wie immer in kntiseiieii Zeilen, hangt jedoch das Srhicklichkcit der großen .Masse ab. Die beste Politik, die mutigste Verteidigung wird ungernigeml bleiben, wenn die Masse, auf die^sie sieh stig/t und stutzen muß, labil wird, und Erziehung. Gerade weil der Jmrbuw heute dabei ist, alle seine Kräfte in eien Dienst der aktiven Verteidigung zu stellen, gerade weil wir heute mehr als je unter dem Eingegenwärtigen Kampfes nahem, kommt auf die Bereitschaft der ״Etappe“ alles an. Ein Kibbuz ehemaliger Ben Sdiemener Das Symbol von Ben Schemen, eine Ach re (Hebräisch: Alttma), wurde zum Namen des Kibbuz Alumoth (Aehren), der sozusagen als Auffang-Station für fertig ausgebildete Ben Schcmcn-Schüler gedacht ist. Dieser Kibbuz Alumoth auf den Bergen bei Sichron Jaakow fällt auf durch seine gcschlossene und einheitliche Haltung in allen Fragen der Arbeit und des Lebens. Man merkt sofort, daß hier Menschen leben, denen von Kindheit an der Sinn des Gemeinschaftslebens in Fleisch und Blut überging. Alle Zweige der Landwirtschaft werden bewirtschaftet, Schafzucht, Bienenzucht, eine Bäckerei, die auch den Ort beliefert. Dann gibt es Außcnarbeit in den Ortschaften der Umgebung, in den Steinbrüchen und auch in Sichron Jaakow selbst. Ich war am 31. Dezember 1037 111 Alumoth; wir saßen um eine Petroleumlampe und besprachen das vergangene Jahr mit all seinen Sorgen. Roh hi, der Re.'luui :1 f 11 Irrer des vcrgangenen Jahres, und Yair, der des kommenden, zeigten und erklärten mir ihre sauber gctippte Jahresabrechnung, Jeder!’osten war belegt, jede Ausgabe mul jede Einnahme war genau verbucht und man wußte, wie hoch der Bedarf des Einzelnen an Schuhsohlen war, oder die Einnahmen des einzelnen Arbeitstages (zirka 20 Piaster pro Mann), und das erstauiilichstc daran war, daß ein Saldo blieb, ein Plus von zirka CP 200, das mit Freuden auf das neue Jahr vorgetragen wurde. Am nächsten Tage wurde ein neuer Stall für die vctgrößerle Schafherde gebaut. Gegen 9 Uhr wurde die erste Wand aufgestcllt, und als ich um die Mittagszeit von einem Spaziergang zurückkam, arbeiten die Jungen bereits hoch «Iren am Aufsetzen des Daches. Das Chadar Ochel von Alumoth Schafe und Schäfer von Alumoth Der Zaun wird erweitert. Der erste Schüler ei Text und Foto*! W«lt«r Michael Sd1w»n Ben Schemen (Yair) hält den Eisenpfosten.

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