Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 61 (2.8.1938)
- Date
- 1938-08-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 JODIS C HERII NOS CHAU Nr. 61, 2. VIII. 1938 Die Verteidigungsstärke der Juden Chronik des Terrors Schießereien und abgeschlagene Angriffe Jerusalem, 27, Juli. (Palcor.) Der Chauffeur Isaak Holt/ war de heute aus dem Hinterhalt unweit Saharaim angeschossen un-d verwundet. Zwei jüdische Frauen wurden in Haifa durch Steinwürfe leicht vcrlet/t. Ephraim Neumann (21 Jahre alt). Hilfspolizist des Kibbuz Haschomcr Hazair bei N'ess Ziona, der Arbeiter auf dem Heimwege von den OrangvM״:irtcn begleitete. wurde seit wer verletzt. Der 10jährige David Kal 1111, Hirt im Kibbuz Hulta bei. Jessod Hamrnaleh, wurde von zwei Arabern angeschossen und am Bein verletzt. Aus Rand di wurden zwei Anschläge auf jüdische Autos durch Steinwürfe gemeldet. Ein jüdischer Chauffeur wurde leicht verletzt. Eine arabische Demonstration in Jaffa wurde durch Polizei und Militär auseina/itlcrgetnebcn, wobei mehrere Teil• nehmer verletzt wurden. Die• arabischen Geschäfte in Jafta sind geschlossen. Die arabischen Frauen von Jaffa haben au den Bezirkskommissnr eine Denkschrift gerichtet, in der die Entwaffnung der Juden gefordert wird. Fünf Revisionisten, darunter O!'. Fubotzky, der Führer des Betar in Tel Awiw, wurden heute zu je zwölf Monaten Gefängnis verurteilt und sind in Akko interniert worden. Militär und Polizei veranstalteten heilte morgen in Nathania und Umgebung eine Suche nach Waffen, ohne i'edoch etwas zu finden. Der Bürgermeister legte bei den?ehörden Protest ein. Zwanzig־ junge Leute haben sich freiwillig zur Verteid igun g v >0 ח M 1 s c h in a r H a j a r d e n gemeldet. Sic sind Mittwoch von Tel Awiw in die Siedlung abgereist. Mittwoch vormittag wurde ein arabocher Angriff aut K I a r A11 a in der Haifa Bav י• an judi'vhcn 1 Ith'spoh/isten so lange aufgehalten, bis Truppen ankatm׳!! und die Angreifer zuruckschlugen. Jcnoal.ni, 2v Juli. fPalcor.) Die Explosion einer Bombe, di( heute nachmittag וו״ Grenzgebiet von Tel Awiw —Jaffa geworfen wurde, verursachte mir leichten Schaden. Dahha!'־ehern o w i 1 /. dm .!einjährige Tochter eines Beamten im Hauptbüro des Keren Kajemdh in Jerusalem, wurde heute c h m er v e r I 1 t 11, als das Auto, in welchem sie in Begleitung Erwach'eit er fuhr, in einem arabischen Dorfe auf der!,haiwsee Td Awiw—Jerusalem mit Steinen bombardiert wurde, Abdul kachlm, un arabischer Rechtsanwalt und Richter am Modemochen Gericht zu Akko. wurde heute nachmittag voti^ Terrori-tcii 1 r m o r 11 c t. Ucbcr Akko ist der Terroristen griffen ge־tcrn nacht eine aus fünf arabischen Polizisten bemühende Patrouille bei Bethlehem an. Ein Polizist wurde schwer, ein anderer leicht verletzt. Auf eine I a־!,mto.Karawane d.׳r Palestine Potash Company, die am 10H11 Meer u.k!1 Jerusalem fuhr, wurden aus dem Hinterhalt Schii-sc ה hc:1 geben. Die 25jährige Cella Straum, die neben dem Chauffeur des eskortierenden Autos saß, wurde leicht verletzt. Polizei und Militär waren sofort zur Stelle und verfolgten die Angreifer. Nach einer poli/ei'iichen Durchsuchung der Räume des Betar in der Jerusalemer Altstadt sind sieben Rcvisionisten verhaftet worden. Auch in den neuen Stadtvierteln wurden mehrere Revisionisten in Haft genommen. In Tel Awiw wurden 200 weitere jüdische Hilfs- Polizisten zwecks Verteidigung der Siedlungen ange- M o h a 111 e d Abdul Kader, der am IQ. Juli in Haifa mit einer Bombe in der Hand verhaftet wurde, ist vom Militärgericht zum Tode verurteilt worden. Jen! s;! 1 v m, 29. Juli. (Palcor.) Israel B a j e r a!1 0 (56 Jahre alt) wurde auf dem Wege zum Markt von Jaffa durch Schüsse t ״ d 1 i c h v «: r w u!1 d c t. Die Polizei, die au! dem jüdischen!Markt von Machneh Jfhuda in Jerusalem eine Durchsuchung unternahm, entdeckte in eirt-em Marktkorb, der auf den Rucken eines Esels geschnallt war, zwei Beruhen. Der Besitzer des Esels, ein Araber, wurde verhaftet, Jerusalem, dl Jul!, dlD!!cor.) Heute abend explodierten in der Nahe der leoimnin-S.vnagoge in Jerusalem, nicht weit von den Büros der |e\u־h Ageiiev, zwei Bomben. Drei Mädchen und ein Mann erhielten durch Splitter leichte Beinwunden. Die King Gcorge-Avt ״ue w ar nach Schabbathende mit Hunderten von Spa/ivre.ingern gefüllt, und eine Panik brach aus, die -ich jedoch wiedi r legte, als man hörte, daß niemand ernstlich verwundet wir. Hasrhnmrun bei Kar kur ein und setzten das'" Wächterhaus in Brand. Die Tochter dt - Wächter-, die Hiährigc Rachel Mizrachi. erlitt schwere Brandwunden. Eine Militärpatrouille, die 111 der Nahe von Tuikerem beschossen wurde, erwiderte das Feuer und tötete einen arabisehen Terroristen. Heute frühmorgens vcruhten 'Terroristen einen Ueberfall auf das Regierung-kranken hat!-• m Safe d. Sie entwaffneten die zwei Wache stehenden Polizisten und befreiten dann einen verwundeten Gefangenen namens Mohammed Zeituni, einen Angestellten der Quarantane-Station in Rosch Pinalt, der wegen Mordes an den! Farmer Chain! Grabovskv und seinem Sohn ,Menallem am 2b. Juli verhaftet wurde” J er« salem. 31־. Jnh. (Palcor.) Heule morgen wurde auf einen jüdischen Stadtomnihus in Haifa eine Bombe geworfen, durch die Sarah M i z r a c h i (18 Jahre alt), g e t ö - tet, Mendel Schudnovsky <10 Jahre), schwer verwundet, drei andere Passagiere verletzt und sieben leicht verwundet wurden. Eine Autopatrouille aus ,Militär und Polizei stieß gestern nacht in Umm Ajra bei B e i s a n auf bewaffnete Terro risten. Es kam zu einem Gefecht, in dein acht Terroristen getötet und vier gefangen genommen wurden. Histadruth - Tagung Jerusalem, 29. Juli. (Palcor.) Die Moeza der Histadruth Haovdim trat zu einer Tagung in Td Awiw zusammen. Remez eröffnet(.' die Sitzung mit einem Referat, das in der Hauptsache der Frage der Sicherheit und der Arbeitslage gewidmet war. Die Schlußrede der politischen Debatte hielt Ben Gurion. Es wurde eine Resolution angenommen, in der mit Genugtuung fcstgestellt wird, daß Tausende von jungen Arbeitern bei Tag und N'aclit den J i s c h u w b c w a c h e » und mutig Angriffe zurückschlagen. Versuche, die Grenzen der verantwortlichen Haitung des jischuw zu durchbrechen, müssen als Wahnsinn und Provokation gehrandmarkt werden. Die Resolution ruft den Jischuw auf, eiserne Disziplin zu wahren, und fordert von der Regierung, daß die jüdische Bevölkerung besser bewaffnet werde. Letztes Aufflackern des Terrors? Im ״Mosnajim‘‘ gibt Rabbi B i 11 j a m i n (Radler-Feldmann) seine Eindrücke von der letzten Stizung des Waad Leumi wieder und berichtet unter anderem: Der Mann der Straße weiß nichts über unsere Verteidigungskraft, wohl aber kennt er ihre brüchigen Stehen. Er weil! nicht, was für Wunder durch Abwehr Tag für Tag geschehen, aber er weiß, was nicht verhindert werden konnte. Und trotz dem, was erreicht wurde, ist der arabische Terror stärker geworden. Die Araber suchen jetzt nicht den offenen Kampf mit den Truppen, sondern sie treten in kleinen Einheiten auf. Die Terroristen sind keine gemieteten ausländischen Söldlinge mehr, sondern sic stammen in ihrer Mehrheit aus den tausend arabischen Dörfern Palästinas. Nach Beendigung der Ernte ,verstärkt sich ihre Aktivität. Auch die Tatsache der An- Wesenheit der Tcilimgskomuüssion hat sicher zur Vcrstär- Wung des Terrors beigetragen. Aber trotz der Unterstützung, die der arabische Terror bis in die Kreise der arabischen Polizei und Beamtenschaft hinein findet, steht er möglicherweise vor seinem inneren Zusammenbruch, wenn er nicht im jüdischen Gegenterror Stärkung und Stütze findet. Sonst wäre es wohl möglich, daß dies ein letztes Aufflackern ist. Verstärkungen an Menschen aus dem Ausland haben die Arafier nicht mehr zu erwarten. Auch die Waffensendungen sind zum größten Teil gestoppt. Die Finanzierung ist erschwert. Die Geheimpolizei ist verstärkt, neue Truppen sind in Sicht. Der Stacheldraht/aun itn Norden bewährt sich in einem gewissen Grade. Wir selbst können durch innere Stärkung unserer Position viel zum Zusammenbruch des Terrors beitragen. Trotzdem kann man nicht mit der schnellen Wiederherstellung der Sicherheit rechnen. Wir müssen des- Halb bereit und geeint sein. Jedes Abweichen bringt größte Gefahren mit sich. Schon was bis jetzt an jüdischen Terrorakten begangen wurde oder was dafür gehalten wurde, hat unendlich geschadet. Haifa, das bisher verhältnismäßig ruhig war, ist unsicher geworden. Aus den arabischen Ländern kommen Nachrichten über die bedrohliche Läjgc der dortigen Juden infolge der Ereignisse. Das Heer und die Poliz.ei, die sich mit den Arabern befassen sollen, stehen unter dem Eindruck, daß beide Bevölkerungsteile in gleicher Weise regierungsfeindlich sind. Die große Schwierigkeit ist, daß die Stärke der in Zusammenarbeit mit der Regierung organi- Mütter in der frühen Kolonisationszelt Dwora Daj'an (Nahalal) erzählt über die Wandlungert der Einschätzung der Frau und Mutter und ihrer Steltung in der Zeit der frühen Kolonisation: Wir hatten gelernt, wie man eine Henne brüten läßt, aber wir standen unseren nackten neugeborenen Kindern hilflos gegenüber. Wir kotinten die Erfahrungen aus unserni Elternhause hier nicht vorwerten. Dort war die Mutter allein für das Kind dagewesen und die anderen Arbeiten hatten Hiifskriffte besorgt. Auch hier im Lande dienten Jemenitinnen und Araberinnen in den Häusern der russisch-jüdischen Intelligenz. Wir mußten einen anderen Weg suchen, aber es gab so wenig Kinder im jttngen Jischuw, daß dieses Problem der Gesamtheit noch gar nicht zu Bewußtsein gekommen war. In einer Sicdlungsgruppe rechnete rnan aus, daß eine Mutter, die ihre beiden Kinder versorgte und noch in der Wirtschaft arbeitete, nicht ihren eigenen Lebensunterhalt dabei erwarb — so wenig war damals die Verantwortung der Gemeinschaft für die Kinder anerkannt. Am schwersten war das Los der Frauen der Wächter. Nach der Gehurt des Kindes suchte die Familie häufig vergebens, irgendwo seßhaft zu werden. Aber auch dann war ärztliche Hilfe oft schwer zu erreichet! und die allgemeinen Bedingungen waren so hart, daß viele Kinder erkrankten und starben. Die Lebensverhältnisse der Wächter gestatteten die notwendige besondere Rücksichtnahme auf Mutter und Kind nicht, die Mutter fand, daß sic störte, und das war häufig Anlaß zu schweren seelischen Traödien bei den Frauen, die sich aus Idealismus dem Wachtienst angeschlossen hatten. Ein damals abgehaltcner Kongreß der jungen Mütter des Galil, die mit ihren Kindern auf den Armen sich versammelten, gab Zeugnis von ihrer Erbitterung. Sie wollten auf ihr Recht auf Mitarbeit nicht verzichten und gaben der Forderung Ausdruck, daß die Gemein- Schaft die Verantwortung für die Kinder übernehmen müsse. Nach dieser Zusammenkunft wurden die ersten nicht immer glücklichen Versuche zu einer gemeinsamen Kinder- Versorgung gemacht. Aus Gegensätzen in der Kinderfrage leiten sich die beiden neuen Kolonisationstypen her. Die Forderung von Müttern, ihre Kinder selbst zu versorgen, war einer der wichtigsten Faktoren für die Entscheidung des Mose ha w, während die Forderung der Frau, gleichberechtigt an der Arbeit teilzunehmen, im Kibbuz ihren Ausdruck fand. In der jungen Siedlung Gedera wurden die ersten Kinder in Stroithütten geboren und wurden dort groß. Das Wasser war schlecht und es gab viel Ungeziefer. Gelernte Geburtshelferinnen gab es nicht, und so übernahm eines der Mädchen diese Rolle. Wenn ein Kind gehören wurde, so verließen alle Frauen die Arbeit und kamen zur Wöchnerin, um zu helfen. Bei den Männern aber herrschte Freude. In der Baracke auf den Schlafpritschen versammelten sich alle mit Instrumenten, Fässern, Petroleumblechen und einer Laute. Eine Saite der Laute war zerrissen, aber das war kein Unlück, die anderen waren noch heil. Und wie zog matt das ind groß? Die materielle Not war groß, die nährende Mutter lebte in der Hauptsache von Brot, Oel und Tee. Zucker, gab es nicht. Hülsenfrüchte galten schon als Luxus, aber wir waren jung und froh und voll von Glauben. Jerusalemer Vorträge. Itn Sitzungssaal des Keren Hajeßod fand am 20. Tammus die traditioneile Hcrzl-Bjalik- Feier statt. Jizchak Grünhaum beleuchtete Herzls Bedeutung für den Gedanken des Judenstaates. Der Leiter der Kulturabteilung des Waad Leumi, Dr. Jeliuda Kaufmann, hielt die Gedenkrede auf Bialik. — Die führenden Kreise des Jischuw vereinigte eine eindrucksvolle Empfangsfeier für Rabbi Dr, Chajim Tscliernowitz (Rav hazair), den bekannten Dozenten für Talmud an! Rabbinerseminar in New York, der auch als zionistischer Publizist in der hebräischen Presse bekannt ist. — In der Jüdisch-theologischen Gesprächsrunde legte Dr. Arje Sborowitz Soren Kierkegaards Bedeutung für das Judentum dar. S. B. C. Vom jüdischen Offiziersverband. Die Generalversammlung der Ortsgruppe Tel Awiw des Verbandes ehemaliger Jiidischer Offiziere in Erez Jisrael wählte zum Obmann Uri Nadav, Stellvertreter Dr. Josef Färber, zum Kassierer Meir Glasel, zum Sekretär Dr. Hugo Erber, Beisitzer Dr. Marcell Blaustein, Dr. Robert Atlas und Benzion Berlin. Am 3. Juli fand die Delegiertenversammitmg des Landesverbandes statt. Nach den Rechenschaftsberichten wurde die neue Landesverbandsicitung gewählt, und zwar zum Obmann Konsul Dr. Viktor Grünwald, zum Stellvertreter Dov Czac/kcs, Sckretär Benzion Berlin, weiterhin Uri Nadav und Dr. Mordechat Felixbrodt, sierten und unterhaltenen Bewaffnung nicht öffentlich erörtert werden darf. Auf diese Weise sind unsere eigenen Massen von unserer Stärke und Schlagkraft nicht unterrichtet, und diese Tatsache ist der Nährboden für mangelndes Vertrauen zur Leitung und dem daraus erwachsenden Disziplinbruclt. Bei der Arbeit am Stacheldraht Das Informationsblatt des Kibbuz meuchad ״Zror michtawim“ veröffentlicht einen Brief von Arbeitern an dem großen Stacheldrahtzaun, der die Nordgrenze Palästinas sichern soll: Nach drei Wochen im Norden gibt es viel zu schreiben. Als wir noch in Rosch-Pina waren, lebten wir wenigstens zivilisiert: Wir wuschen uns ordentlich und aßen uns satt. Jetzt leben wir in einem Militärlager. Die Landschaft Galiläas ist sehr schön, aber cs gibt viel Staub, und manchmal rechnet man sich aus, daß cs steh nicht lohn♦, ■sich zu waschen. Wir stehen morgens um Viertel vor Fünf auf und gehen um Sechs zur Arbeit. Um vier Uhr beenden wir die Arbeit und warten bis Fünf, halb Sechs auf das Auto. Um sechs Uhr abends kommen wir ins Lager und stehen wieder bis um sieben Uhr Schlange für das Essen. Der Tee ist voll von Sand. Die Arbeiterschaft ist sehr vielartig zusammengesetzt. Es gibt hier solche, die meinten, hier Geld ersparen zu können und andere, die sich ein angenehmes Leben versprachen. Es arbeiten 600 Arbeiter, und die Arbeit geht sehr schnell vorwärts. Am Morgen fährt man an leeren Flächen vorbei und am Abend kehrt man längs einem langen und breiten Zaune zurück. Pfade, die von den Arabern durch Jahrhunderte begangen wurden, werden durch den Drahtzaun versperrt und sie müssen sich neue Wege suchen. Wir haben viele unruhige Nächte hinter uns. Ein Militärauto mit Radiosender und ein Militärflugzeug begleiten uns jeden Tag zur Arbeit und wieder zurück. Mehr als 200 Hilfspolizisten sind bei uns. Das Lager wird ganz nach militärischer Art geleitet. Es ist iibersät mit Zelten (ungefahr 180 an Zahl). In jedem Zelte wohnen sechs Mann. Alle ohne Ausnahme schlafen auf der Erde. Der Zeltboden ist etwa 30 cm unter die Bodenfläche eingegraben und ringsum werden noch etwa •10 cm hohe Sandsäcke gelegt. Außer den Zelten gibt es noch eine Küche, ein Büro, eine Ambulanz und eine Baracke für die Aerzte. Das ganze Lager ist nach außen hin beleuchtet. Die Entwicklung der Geflügelzucht 1m Jahre 1937 gab cs in Palästina etwa 2' ן Millionen Stück Geflügel, davon fast 2 Millionen in arabischem und mehr als eine halbe Million in jüdischem Besitz. Im Jahre 1934 hatte es nur etwa 1 -10000(1 Stück gegeben, davon etwa 1 200 000 In arabischem und etwa 200000 in jüdischem Besitz. Die Brutapparate, die im Jahre 1935 für 375 000 Eier genügten, können jetzt 630 000 Eier ausbrüten. Der Eierverbraueh erreichte im Jahre 1937 etwa 200 Millionen, wovon fast die Hälfte auf eingeführte Eier entfiel. Die 10S Millionen Eier palästinensischer Produktion verteilten sich in folgender Weise: Von der reichlichen halben Million Stück Geflügel in jüdischem Besitz waren 400 000 Legehennen, die 48 Millionen Eier legten (120 Eier pro Huhn), und von den 2 Millionen Stück Geflügel in arabischem Besitz waren 1,2 Millionen Legehennen, die 60 Millionen Eier legten nur 50 Eier pro Henne). Der Verbrauch im JaliTe 1937 war 53 Eier auf den Kopf der Bevölkerung. Man glaubt, daß auf den jüdischen Teil der Bevölkerung 200 Eier pro Jahr und Kopf entfallen, während die Araber nur 100 Eier pro Jahr und Kopf verbrauchen. Dieser Verbrauch ist sehr hoch, beipalie so hoch wie in England (ISS Eier pro Kopf). — 3(2 Millionen Stück Geflügel wurden im Jahre 1937 verbraucht. Davon waren 2(4 Millionen Stück Landeserzeugnisse (wovon 400 000 Stück auf die jüdische Wirtschaft entfielen), der Rest war eingeführt. Der Jahresverbrauch an Geflügel ist 2,8 kg pro Person. Er ist somit höher als in England (2,5 kg). Die Gründe dafür sind vielartig:!. klimatische Bedingungen; 2. das Verbot des Genusses von Schweinefleisch (das ja auch für die Mohammedaner gilt); 3. die große Rolle, die hier die Hotels als Verbraucher spielen. Der Erlös der palästinensischen Gcflügclwirtschaft wird für das Jahr 1937 mit £ 850 000 veranschlagt. Die Kooperativen verkauften im Jahre 1937 32 Millionen Fier gegenüber 19,5 Millionen im fahre 1936, und mir 9 Millionen im Jahre 1035. Sie verkauften im Jahre 1937 500 000 kg Geflügelfleisch gegenüber -100 000 im Jahre 1936 und 200 000 im Jahre 1936. Autarkie in der Literatur? Der hebräische Lyriker Schlonski äußerte sich im Anlasse einer Diskussion über die Frage der Uebersetzungen ausländischer Literatur ins Hebräische u. a. wie folgt: Das Problem Original oder Uebersetzung, das dem Augenschein nach ein rein literarisches ist, nimmt bei uns die extreme Gestait der Forderung an: ,,Kauft ausschließlich Landesprodukte!“ Ich hin kein Sachverständiger für Wirtschaftsfragen und so weiß ich nicht, ob das protektionistische System der nationalen Wirtschaft nützt, oder oh ihm nicht viele Schäden innewohnen. So hindert dies System ohne Zweifel den Wettbewerb und bringt Teuerung und Minderung der Warenqualität mit sich. Aber hierüber sind sich die Sachverständigen uneinig. Ueber die Verwerflichkeit eines Protcktionismus auf geistigem Gebiete kann es jedoch keine Uneinigkeit geben. Nirgendwo außer in Palästina könnte dieses Problem überhaupt aufgeworfen werden. Und das ist sicher kein Zufall. Es gibt hier wirklich besorgniserregendc Erscheinungen, eine Art ״Dumping“ in Uebersctzungsliteratur auf Rechnung der Origirialliteratur. Aber von der Verneinung solcher Auswüchse bis zur prinzipieüen Ablehnung der literarischen Produktion ander«׳ Völker ist noch ein weiter Weg. Das Verhältnis vieler Völker zur jüdischen Bibel zeigt, daß nicht alle Nationen so über das geistige Gut anderer Völker dachten. Die hochmutige Ablehnung der fremden T.iteratur scheint mir gerade auf fehlendem Selbstbewußtscin zu beruhen und auf geringen geistigen Ansprüchen. Die Abreise der Teilungs-Kommission von Palästina wurde auf den 3. August festgelegt. Nach einem Bericht der ״New York Times“ aus Jeru- Salem hat die Regierung von Irak zugleich im Namen der Regierungen von Saudi-Arabien und Jemen England den Vorschlag gemacht, einen Staat in Palästina mit Einschluß von Transjordanien zu errichten. Der Vorschlag vertritt weiter die Ansicht, Palästina solle in den nächsten zehn Jahren von England regiert werden, Raglteb Bei Naxhaschibi habe diesem Vorschlag seine Zustimmung gegeben. (Schluß des Palästfnate'ls)