Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 60 (29.7.1938)
- Date
- 1938-07-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU BERLINER RUNDSCHAU — Nationale Wanderungspolitik Dr. Arthur Prinz zum Problem Hilfsverein: Im Berliner Zionistischen Ortsverb and hielt Dr. Arthur Prinz am 25. Juli einen beachtlichen Vortrag über die Arbeit des Hilfsvereins. Er legte die wirtschaftlichen Gründe dar, die dazu führten, daß neben die Auswanderung nach Palästina und in europäische Länder bald in erhebliebem Umfange die Ue ber s e e w and er un g trat. Diese wird in den nächsten Jahrzehnten wahrscheinlich für die Aus- Wanderung aus Mittel- und Osteuropa überragend bleiben, und die zionistische Bewegung muß deshalb folgerichtig ihre Stellung zur Ueberseewanderung einer Revision unterziehen. Dies würde um so notwendiger sein, als der projektierte Judenstaat nach Meinung des Referenten kaum mehr als 30 000 Einwanderer pro Jahr würde aufnehmen können. Aber genügen die bestehenden Organisafionen ihren wanderungspolitischen Aufgaben? Dr. Prinz übte in diesem Zusammenhang scharfe Kritik an der Hicem und fea, die dringend reformbedürftig sind, wenn sie das leisten sollen, was in immer stärkerem Maße von ihnen verlangt wird. Der Hilfsverein selbst hat seit über 35 Jahren eine ruhmreiche Tradition, aber er litt angesichts der seit 1933 veränderten Aufgaben unter der Tatsache, daß er ein Wohltäiigkeitsverein war, dessen organisatorische Gliederung nicht mehr ausreiclite. So entstand 1933 ein Widerspruch zwischen der Funktion des Hilfsvereins und seinem Vereinscharakter. Die Idee einer nationaljüdischen Formung und Lenkung des Auswandererstroms hatte sich gegen starke Widerstände durchzusetzen, und sie ist um so wichtiger, als gerade die Auswanderung nach Südamerika schwere Assimilationsgefahren mit sich bringt. Erst in der letzten Zeit begann man ganz bewußt, durch Förderung der Gemeindebildung in Uebersee, durch Stärkung der Frauenauswanderung und andere Mittel dem drohenden Verlust an jüdischer Volkssubstanz entgegenzuwirken. Zum Schluß schilderte der Redner die praktische Arbeit des Hilfsvereins, wobei er insbesondere darauf hinwies, daß trotz der aufopferndsten, ja fast unmenschlichen Arbeit der Berater bei dem Anschwellen der Beratungen von 150 im vorigen Dezember auf etwa 800 bis 1000 pro Sprcch-Tag die Organisation nicht mehr schnell genug nachkommen konnte, so daß begreiflicherweise Sch wierigkeiten entstehen mußten. N. ״Weizmann und Jabotinsky“. Bei dem zweiten Abend der aktuellen Vortragsreihe der BZV ״Jüdisches Zeitgeschehen“ sprach Dr. Hans C a p e 11 über ״W eizmattn und Jabotinsky“. Dr. Caj>el!I erklärte, es sei ein Bedürfnis, sich angesichts der politischen Verwirrung, die jetzt um das Palästinaproblem herrsche, ein klares Bild zu machen. Am besten könne dies geschehen, wenn man die Wege der beiden Männer gcgenüberstelile, die heute die wichtigsten Gegensätze innerhalb des zionistischen Lagers verkörpern. Der Referent zeichnete die Linie Jabotinskys, die stets davon ausginge, die Politik in den Vordergrund zu stellen und kolonisatorisehe und wirtschaftliche Arbeit demgegenüber gering zu achten, und arbeitete dagegen scharf die Auffassung Weizmanns heraus, die in dem bekannten Satz: ״Dunam um Dunam, Haus um Haus, Mann um Mann, das ist die Aufgabe unserer Generation“ zum Ausdruck kommt. Besonderes Lnteresse fanden die Ausführungen des Redners zu den Ereignissett der letzten Wochen. Dr. Capell zeigte an Hand zahlreicher Beispiele, wie verderblich sieh eine Politik auswirken müsse, die das Prinzip der Hawlaga aufgebe. Er wandte sich unter spontanem Beifall der überfüllten Ver- Sammlung dagegen, daß von revisionistischer Seite der beidennüitig ausdauernde Widerstand des Jisohuw gegen den arabischen Terror während der letzten zwei Jahre als ״System von Feigheit“ bezeichnet wurde. Der Referent schloß mit einem Gedanken Weizmarins, den sein Schüler Arlosoroff einmal weitergedac-lit hat: ״Die Juden müssen die Fähigkeit erhalten, die Wochentage der Wirklichkeit zu ertragen, und an die Sonne auch dann glauben, wenn der Himmel verhängt ist.“ Herzl-Andacht Im Beth Hamidrasch ״Moria“. Am Sonnabend, dem 23. Juli, gedachte Herr David Kolm vor dem Mussaf-Gebet in würdigen Worten des 34. Todestages Herzls. Wäre das jüdische Volk vor vierzig Jahren dem Rufe Herzls gefolgt, so wäre die geschichtliche Entwicklung der Judenfrage anders verlaufen. Dennoch ist es nicht zu spät. Wenn das jüdische Volk nur will, so ist es kein Märchen. F. Schächter sprach das Gebet El mole rachamim. Studienverhältnisse in Palästina. Professor Toeplitz (Bonn) hat seine im Auftrag der Reichsvertretung angcstellten Erkundungen über die Studienverhältnisse in Palästina beendet und ist von dort zurückgekehrt. Er hat insbesondere von der Administration der Universität Jerusalem die nötigen Instruktionen über die in Ausnahmefällen zu gewährenden Aufnahmeerleichterungen erhalten. Herr Professor Toeplitz wird über die hiermit zusammenhängenden Studienfragen am 1. und 2. August, 10—12 Uhr, in Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158, 3. Stock, Sprechstunden abhalten. Letzte Ferientage Eindrücke aus einer Tageskolonie Etwa 1600 Kinder hat das Wohlfahrts- und Jugendamt der Berliner Jüdischen Gemeinde während der großen Ferien in Tageskolotiien unterbringen können, Kinder, deren Eltern nicht in der Lage sind, eine Somrnerreise zu bezahlen. Für einen sehr geringen Betrag wurde es ihnen nunmehr möglich gemacht, Ln der Umgebung Berlins Erholung zu finden. In wenigen Tagen sind die großen Ferien vorüber; deshalb benutzen wir die Gelegenheit, noch kurz vor Toresschluß einen Blick auf den Jüdischen Sportplatz in! Grünewähl zu tun, wo etwa 300 Kinder zusammengekommen sind. Es liegt schon so etwas wie Abschiedsstimmung in der Luft. Als wir hineinkommen, ist gerade ein ״Sportfest“ im Gange, 100-Meter-Läufe werden abgewickelt, und die Kinder sind mit Feuereifer bei der Sache, sie kämpfen 11m die Palme, denn jeder möchte bei der Siegerehrung sich gern in der Reihe der Glücklichen sehen. Die Kinder machen einen frischen und erholten Eindruck, und von maßgebender Seite wurde uns berichtet, daß die meisten an Gewicht ztigenommcii haben. Was sofort angenehm auffällt, ist die Disziplin und Ruhe, mit der sich dieser ganze Betrieb abspielt, der nette Umgangston zwischen den Kindern und den Leitern der einzelnen Gruppen. Bei den besonderen Platzverhältnisscn des Sportgeländes ist cs nicht einfach, die Gruppen so ztt verteilen, daß jede ge-!lügend Bewegungsfreiheit hat; auch diese Aufgabe scheint recht gut gelöst worden zu sein. Während einzelne Gruppen — nach einer gründlichen Dusche — schon :1111 Mittagstisch sitzen und mit Behagen Rotkohl mit Kartoffeln verzehren (nicht zu vergessen einen leckeren Nachtisch), verbringen die anderen ihre Zeit bis zur Mahlzeit mit Musizieren oder U11terhaltungen. Nach dem Imsen schlafen d;e Kinder im nahen Wald, bis wieder die Glocke zum Kaffee (oder richtiger Kakao) ruft. Dann bleibt nur noch wenig Zeit bis zum Abtransport der Gruppen, denen nach und nach die übrigen folgen. So verging Tag um Tag dieser Ferien, und der Erfolg sind jetzt frohe Gesichter, erfrischte Menschen und Erinnerungen an glückliche Tage. Wir!•ernten bei unserem Besuch die reiche Liehe kenneu, mit der die Kinder betreut werden, und nicht zum wenigsten auch die aufopferungsvolle Arbeit des Küchen- Personals, das unter sehr schwierigen Bedingungen liier täglieh grolle Quantitäten von Nahrungsmitteln bereiten und kochen muß, abgesehen von der riesigen Nebenaiheit, die sich aus dem Abwaschen um! anderen Dingen ergibt. Auch für die Gesundheit ist gesorgt: es ist ständig ein Sanitäter anwesend, der die kleinen Unfälle des Tages zu heilen hat. Man geht wieder fort mit dem Gefühl, daß die Kinder hier etwas von ihren Ferien gehallt haben. Sie brauchten nicht mit Neid auf ilue glücklicheren Altersgenossen zu blicken, die etwas weiter aus Berlin hermiskamcii: hatten sie Gemeinschaft von Altersgcmwscm 'י ' N. ״Hört Ihr Leut" Unter dem Titel ״Vom Lehen und Wirken jüdischer Spielleute und Wanderbuchhändler“ hörten wir im Kulturbund von Leo Rein ein wichtiges Kapitel Volkskunde und jüdischer Volksliteratur, Der wandernde Jahrmarktserzähler der jüdischen Gasse des Mittelalters und später der wandernde jüdische Buchhändler haben wichtiges jüdisches Volksgut zum Teil mitgeschaffen, zum Teil durch mündliche lieberlieferung und schließlich in den Sammlungen jener frühesten Drucke aufbewahrt. Denn die ersten Buchdrucker waren zugleich ihre eigenen Buchhändler. Die populäre Bildung des Mittelalters bediente sich der Umgangssprache, und da ja die Frauen besonders nur wenig Heoräisch verstanden, wurden Lieder und Erzählungen mündlich weitergegeben oder in der Umgangssprache geschrieben. ״Sänger“ bezw. ״Schreiber aller frommen Weiber“ nannten sieh die jüdisehen Spielleute. Der Inhalt lehnte sich an die Mythen und Märchen der Haggada und der Bibel an, aber auch zeitgenössische Literatur, die dem jüdischen Empfinden gemäß ״bearbeitet“ wurde, findet sich in den gereimten Langversen jener Volkssänger. Der Vortrag selbst erfolgte im Sprechgesang. Das Samuel buch, das im 14. oder 15. Jahrhundert entstand, ist eine solche Handschrift, deren Verfasser anonym blieb. Einer der ersten berühmt gewordenen Dichter ist Elic Leviata, der sich Bachur nennt. Er ist Gelehrter, Verfasser von hebräischen Glossarien, aber auch berühmter Novellist. Von ihm stammt das berühmte Bowubuch, ein Abenteuerroman, der bis ins 19. Jahrhundert hinein in Polen wieder gedruckt wurde. Auch die ersten Buchdrucker nennen sich wie die Kopisten ״die Schreiber aller frommen Weiber“. Das ״Buch des •ewigen Lebens“ (1583 gedruckt) und das große ״Maassa-Biicii“ (Basel 1602) gehören zu diesen frühen Drucken der Volksliteratur. Als Quellenbücher des jüdischen Lebens und Treibens von den frühesten Zeiten des Mittelalters her und als Qucllenmaterial für das jüdische Empfinden der unbekannten jüdischen Massen sind die Maasse- Bücher wichtig. _ R. M. Ankündigungen Frauen-Arbeitsßemeinschaft für Palästina. Chug iwri, Mittwoch, den 3. August, 16.15 Uhr, Wizo-Heim, Regensburger Str. 26. Nächster Wüo-Nachmittag 9. August. Hebräische Lehranstalt der Jüd. Gemeinde. Nach den Sommerferien beginnt der Unterricht in der Schule Klopstockstr. 58 am 2. August, in der Schule Gr. Hamburger Str. 27 am 3. August. In den hewerden, deren Vorkenntni.sse dem Stand der Klassen entsprechen. Nette Anfängerklassen werden noch angekiindigt. Uraufführung einer jüdischen Oper ln Berlin. Chemjo Winawrt Chaluzim“ von”Jacob Weinberg, New York,'vor. Das Werk erhielt heim Internationalen MusikAVeübewerb in Philadelphia den ersten Preis. Dil deutsche Bearbeitung besorgte Mascha K a UH: o - Jüdisches Museum. Wie alljährlich bleibt das Jüdische Museum wegen Reinigungsarbeiten im August geschlossen, und zwar vom 3. August bis 3• September. Jüdischer Brüderverein. 30. Juli, 20.30 Uhr, Gr. Saal. Kurfürsten- Straße 115/116: Gesellschaftsabend — Abschiedsabend Hellmuth Gottesdienst-Nachrichten Synagogen mit altem Ritus Synagogen mit neuem Ritus! Faaftnenitraße t Fr 19 Pr Brns.h / SchH 10 / M 20.25 / ׳ 1910 »׳״Wm 7.30 r VZm 7.30 Schmargendorf: Fr '19 Pr f Vereins-Synagogen Ada.» Jakob, Holzmarkt.t. Ahawai Scbolaum und Mog SchH 8.30 / Wb 19.30 / י SchH '1( L Levy / Wa SchH SchH 9 JUd. Religfic 130 / Wr SchH 10 Jüd. R׳.U*lc Syn. G« Kanforenze'tschrift unter neuer Leitung. Wenn das Or* gan der Vereinigung Jüdischer Kantoren in Deutschland, ״Der lüdisclie Kantor“, erhebliche Beachtung hei den jüdischwissenschaftlichen Instituten fast der ganzen Welt gefunden hat, so ist dies nicht /uni wenigsten dem nunmehr ausschei- (lenden Vorsitzenden und Redakteur Leon K 0 rn i tl er, beredten” Ausdruck. Auch 'in der vorliegenden Nummer sind interessierende wissenschaftliche Beitrage. Barmiz Bezirks-Veranstaltungen der BZV ד. י. בורג שטין: זז■ נ• ביאליק 2eii und Unkosten wenn Sie sich bei Aufgabe von Gelegenheits-Anzeigen wl• Personal-Gesuche, Verlobungs- und Mittwoch, 3. August, 20.J5 Uhr, Aula der Schule, Kaiserstr. 29/30 Dr. Paul Ewslaln Dl• Folgen der Konferenz von Evlen / AuewenderungemBgilohkelten / Transferproblene / Wirt• •chattllch• Selbeterheltung / FUreor,• «Sr dl« Hilfsbedürftigen ,׳ Wee wird aue den Gemeinden? / UOdleoh-kulturelle Aufgaben berliner zionistischer ortsverband I PEK JÜDISCHE SPORT HILFT l>EM JÜDISCHER KHWPI Sonntag, den 31, Juli 1938 f dem Sportplatz am Bahnhof Grunewald it'tTkune de* Deutschen Mahkn rtdzrft.s« * und SfiortbuncE itJrfW GROSSE SPORTVERANSTALTUNG des Jädiechen Sportklubs (J. S. K.) im Deutschen Makkabikrela Fu Aball■ Auswahlmannschaften und best« Handball •Mannschalte« des Deutschen Makkabi - Kreises und des Sport•nmdes Schild ScbSlerstatfeln Jugendstaifcln Jugend-Sehaubo*en Beginn der Vorkimple 13.30, Hauptkämpfe 13.30 Eintrittspreise! Vorverkauf Stehplatz ab RM 0,50 Tageskasse RM 0.75. Tribüne ab RM 1.25, Tageskasse 1,50 Schüler freit :irebpkt; Vermählungsanzeigen, Traueranzeigen unseres Schnelldienstes bedienen. Bitte rufen Sie an: 91 90 31, Apparat 89. Sie werden kostenlos und unverbindlich beraten. Einung Lelbnlzttr. / Ruf3118 flBHB DUtekoHhU TjxhkIkm I FESTDICHTUNGEN aktuell Individuell E. Sandak, Bln.-Chariottbg. 4 W.itutr.fie 50 Ruf: 96 23 18 l| Restaurant 1 Gorodecki כשר Katlee-Resiauram Witieisbacti Inh.; Oskar Aberbach, M. d. J. (3״ Bayerischer Platz 2 Reichhaltig*. Mittag- und Ahenrfmenu von RM T10 ך / Gut- ..— ■ Ausrichtung von Festlichkeiten < ..- Nach wia vor im alten Besitz ■II *#1וז», rriadrichatrasa iss ■ I| geginüb. CetS Imperator * Ruf :11 3420 Klavierstimmer ■»ERES / Ruf: 7219 20 1