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Jüdische Rundschau · 1938-07-22 · Heft 58 (22.7.1938) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 58 (22.7.1938)
Date
1938-07-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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jüdische Rundschau PALÄSTINA-BLATT Nr. 58 22. JULI 1938 ״Verhältnismäßige Ruhe“ Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Haifa, 15. Juli Haifa als Unruheherd Seit einer Woche bildet die Sicherheit in der gemischten jüdisch-arabischen Stadt Haifa das dornigste Problem des Landes, in den zweieinhalb Jahren, die seit dem Beginn der Unruhen verflossen sind, hat Haifa relativ weniger gelitten als die anderen großen Städte des Landes. Der arabische Streik im Jahre 1936 drang liier nicht durch, die Sicherheit war relativ befriedigend, und auch die anliegenden Stadtrand- Siedlungen, die durch Auto und Eisenbahn mit dem Zentrum verbunden sind, hatten bis auf wenige Zwischenfälle wenig unter dem Terror zu leiden. Man hat diesen Zustand auf verschiedene Weise zu erklären versucht. Man wies aut den internationalen Charakter der Stadt hin, in der sich die vielscitigsten Interessen begegnen, auf den Hafen, aut das gute Zusammenarbeiten der Juden und Araber in der Stadtvcrwaltung unter einem gemüßigten arabischen Bürgermeister, auf die Stärke der jüdischen Arbeiterschaft, der es gelungen war, auch mit arabischen Arbeitern in Kontakt zu kommen und diesen Kontakt bis jetzt aufrecht zu halten. Alle diese Momente mögen zusammengewirkt haben, um Haifa den guten Namen während der Unruhen zti erhalten. Und jetzt plötzlich hat sich alles von Omnd auf geändert. Haifa war vor einer Woche Zeuge der wildesten und blutigsten Schießerei, die wir überhatipt in den Unruhen zu verzeichnen hatten. Und seit jenem bösen Tage ist es nicht mehr ganz ruhig geworden. Tage stärkerer Spannung wechseln mit Zeiten von Beruhigung, aber jeder Tag bringt neue Ausbrüche, und wir sind noch immer nicht bei jener ,,verhältnismäßigen Ruhe“ angelangt, die in dem vielgeprüften Palästina heute als das nächste Ziel erscheint. Der gesamte Charakter der Stadt, ihre Anlage, das Verfloehtensein der jüdischen und arabischen Viertel macht sie für Terrorakte zum geeigneten Feld. Die stellen Bergwege, die sich den Karmel liinaufzichen, bieten an vielen Punkten gute Angriffsmögüchkciten für Kugeln und Bomben aus dem Hinterhalt. An Stellen, wo Juden und Araber gemischt wohnen oder Geschäfte treiben, ist immer Möglichkeit für Reibereien, die oft genug in diesen erregten Zeiten einen blutigen Ausgang nehmen, in Jerusalem ist in den letzten Jahren eine schärfere Trennung zwischen Juden und Arabern durchgeführt worden, gemischte Wohnviertel sind weniger geworden, an verschiedenen Punkten ist es geradezu verblüffend, wie genau die Wohngrenzen zwischen den beiden Völkern verlaufen. In Haifa hat ebenfalls nach 1929 eine bestimmte Segregation stattgefunden, insbesondere durch das Anwachsen des Viertels Hadar Hacarmcl, das mehr und mehr jüdische Einwohner arabischer Gegenden an sich zog, aber es ist sowohl, was Wohnen als auch Arbeiten anbetrifft, viel gemischtes Gebiet übriggcblieben. Zudem bieten besonders die alten Stadtteile mit ihren unübersichtlichen Gassen ideale Schlupfwinkel und gefährliche Ecken, die von Terroristen gut ausgemitzt werden können. Es will fast scheinen, als wollte man in Haifa ein Excmpcl dafür aufzeigen, daß Juden und Araber nur zwei Wege vor sich haben: entweder sich zu vertragen oder sich gegeneinander abzuschlicßen.,.. ״Wo bleibt die Regierung?“ Unter den Juden, auch unter den besonnenen Elementen, beklagt man sich wieder bitter, daß die Regierung im Laufe einer ganzen Woche unfähig war, der Lage Her■• zu werden und daß sie auch heute volle Sicherheit keineswegs garantieren kann. Es wird darauf hingewiesen, daß Ucberfälle immer an denselben Stellen Vorkommen, daß die Wachen ungenügend seien, von der Ergreifung der Schuldigen gar nicht zu reden. Wie ist es möglich, so argumentiert man, daß die Regierung mit allen ihren Machtmitteln nicht einmal in den Städten Ruhe schaffen kann? Wie ist es möglich, daß die Ladenbesitzer an bestimmten Stellen in Jerusalem seihst auf der Straße Wache halten, uni vor Angriffen geschützt zu sein und sich nicht auf Polizei und Militär verlassen? Wie ist es möglich, daß sich die Juden aus den arabischen Gegenden in Haifa nicht anders helfen können, als einfach ihre Wohnungen und Läden zu verlassen und daß diese nachher noch manchmal in Flammen aufgehen? Warum duldet die Regierung, daß die Moslems und Christen ihre Laden aus Säherheitsgründen mit dem Halbmond oder Kreuz versehen, um sie vom jüdischen Nachbarladcn zu unterscheiden? Die Reihe der Beschwerden gellt in dieser Form weiter in heliebigen Nuancen und Variationen. Zu ihnen gesellt sich eine Flut von Ratschlägen, <1 ie man dem Militär und den Zivilbehörden erteilt, und die vor allem verschiedenste SicherheitsVorkehrungen betreffen. Vieles von der Erbitterung und Aufregung ist den von den letzten Wochen schwer mitgenommenen Nerven zuzuschreihen. Anderes sind berechtigte Beschwerden, die mit etwas Einsicht abgestellt werden können. Und dazu kommt eine Unter- Schätzung der Schwierigkeiten, die sich der Polizei und dem Militär in diesem Guerillakrieg bieten. Bei einer Verstärkung der Schutztruppen in der Stadt fehlen sie auf dem Land, wo heute so gut wie alle weiter wcgliegenden Punkte gefährdet sind. Die Erhöhung der zwei Brigaden aut drei, die angekündigt ist, also die Verstärkung der heute im Lande befindliehen 6000 Mann auf 9000, geht nicht auf einen _ Schlag vor sich, und obwohl man bereits auf in Aegypten stationierte Truppen zurückgegriffen hat, hat die Regierung kein Ucbcrrnaß an Kräften zur Verfügung. Sie hat genug, um einem Angr iff vorz.ubeugen, sie hat vielleicht nicht genug, um Städte und Siedlungen mit einem so dichten Schutznetz zu überziehen, daß es alle Angriffe abfängt. Dazu kommt vermutlich die Psychologie der arabischen Polizei, deren Loyalität in der letzten Woche auf eine übermenschliche Probe gestellt worden ist und die allgemeine Nervosität, die rasches und sicheres Zugreifen schwieriger macht als je. Juden und Engländer Es ist eine sonderbare psychologische Erscheinung, daß sich die Juden vielfach über ihr Verhältnis zu den Engländern nicht im klaren sind oder es in einer schiefen Perspektive sehen. Bisher haben die Engländer mehr und mehr den jüdischen Forderungen nachgcgeben, immer mehr Juden mit Waffen versehen, cs besteht enge Kooperation zwischen Militär, englischer Polizei und jüdischen Siedlern und Hilfs- Polizisten. Das war nur natürlich, denn die arabischen Angriffe wandten sich gegen Juden und Engländer gleichermaßen, die Juden verlangten d as Recht, sich zu verteidigen, und Neue Siedlung bei Kirjath Anawim Jerusalem, 19. Juli, (Paleor.) Heute, hu!11 nach Morgengnuien, wurde mit der Gründung der neuen Siedlung bei Kirjath Anawim in den Bergen Judäas begonnen. Die Kwuza B a in a a 1 c 11 nahm von den ISO() Dtinam Besitz, die ihr der Keren Kajemcth zur Verfügung gestellt hafte. 350 Mitglieder der Kwuza und freiwillige Mitarbeiter ans anderen Siedlungen sowie SO Hilfspolizisten beteiligten sich an den (iriiiultmgs,arbeiten. Die Errichtung des Zaunes, des Wachtturmes lind der ersten Gebäude ging mit bemerkenswerter Schnelligkeit und Genauigkeit vor sich und war bereits um die Mittagsstunde beendet. Die Siedlung, die den Namen G i w a t!1 I I a c h a 111 i s e 11 a erhielt (nach den fünf an jener Stelle im November 1937 getöteten Arbeitern), ist durch eine Straße mit Kirjath Anawim verbunden. Wasser ist bereits vorhanden. Vor Beginn der Arbeiten besuchten die neuen Siedler die Gräber der Fünf, nach denen die Kolonie benannt ist. Die junge Witwe von Izchnk Migdal, einem der Opfer, legte zum ersten Male die Tratierkleidcr ab; sie ist Mitglied der Kwuza Baamaleh. Von der Teilungs-Kommission Vor der Palästina-Tcilungskonunissioii sagten der stellvertretende CheL-ckretär der Palästina-Regierung, Mr. Sydney Moodv, und der stellvertretende I)istriktskomnussar, Mr. R. D. 'Badeoclv aus. Ferner waren die Mitglieder der Teiltingskomrnission beim polnischen Konsul Hulanicki zu Gast. Vor der T e i 111 n g s k 0 m m i s s i 0 n sagten als Vertreter des Misraclii Rabbi Mcir Berlin, Rabbi Amid und Rabbi U/.!cl, sowie Vertreter der Poale Misraclii aus. sic v c r z i c 111 e t e 11 zugleich a u f R a c 11 c a k t c, so daß die Engländer ihnen mit vieler Ruhe Waffen anvertrauen konnten, da diese nur zur Abwehr benutzt wurden. An manchen aufSenliegcnden Stellen, besonders i!11 Norden oder am Grenzzatin, wurde diese englisch-jüdische strategische Kooperation durchaus deutlich. Sie stieß oft aut Schwierigkeitcn, insbesondere verlangten die Juden stets ein schnelleres Tempo und eine Vergrößerung der Zahl der eigenen Ililfspolizjsten, jedoch hatten wir es mit einigermaßen klaren Fronten zu tun. Die Ereignisse der letzten Wochen jedoch, die sich nach der Hinrichtung von Ben Josef abspielten, die einzelnen Racheakte, die von Juden an Arabern verübt wurden, haben nicht nur die arabische Front geeinigt und gestärkt, sondern auch die englisch-jüdischen Beziehungen B. NEUHANN PIANOS RADIO KÜHLSCHRÄNKE! BOSCH FRIGIDA1RE ״. .. BarllnWIS, K u rf Q r •tan da m m 205 ✓ Ruf: 9137 16 schwieriger gemacht. I’ro-arabischen Elementen im englischen Lager wurde eine neue und scharfe Waffe in die Hand gegeben; die vielfach spürbare Zurückhaltung der Eng- Länder gegenüber der Bewaffnung der Juden wurde verstärkt. Es setzte auch in den englisch-jüdischen Beziehungen die Verwirrung ein, die überhaupt die letzten Wochen in Palästina charakterisiert hat. Es ist zu hoffen, daß sieh diese Verwirrung bald lösen wird. Die Leitung des Jisehuw wird nicht niiidc, ihre prinzipielle Stellung zu den Ereignissen in unmißverständlicher Weise nach innen und außen zti verkünden. Die Regierung weiß heute ebenso genau wie das jüdische Publikum, daß alle vernünftig e n E I e m e 111 c i m J i s c 11 u w gegen Racheakte an Unschuldigen sind. Mit allen Mitteln müht man sieh, die jüdische Front einheitlich zu machen, in der richtigen Erkenntnis, daß sowohl unsere Beziehung zu den Arabern als z1|,_ den Engländern damit zusammenhängt. Bilanz de$ Terrors Anfang August Heimreise der Teilungskommission Koloniahnirnster ,Malcolm Mac Donald gab im U11terhaus eine Uchcrsicht über die Terrorakte, die sich in der jüngsten Zeit in Palästina ereignet haben. Danach sind im Laufe der letzten 14 Tage bis zum 19. Juli 77 Personen getötet und 217 verwundet worden. 32 Fälle von Terrorakten einschließlich Bombenwürfen waren zu verzcichncn. 52 mal ist aus dem Hinterhalt geschossen worden. Siebenmal sind bewaffnete Rauhüberfälle verübt worden. Eine Entführung ist vorgekoimnen. In Haifa wurden 26 Brandstiftungen fcstgestellt. Gegen jüdisches, arabisches und Regierungseigentuin sind außerdem eine Reihe von Sahntagealdcn verübt worden. Weiter gab MacDonald bekannt, daß die Kommission, die die Tcilungsmögliehkcit m Palästina prüft, ihre Erhebungen nahezu abgeschlossen hat und Palästina Anfang nächsten Monats verlassen w i r d. _ Im südlichen Teil des Libanon wird eine starke jiidisclte Agitation durchgeführt; auch die Lage in Beirut ist gespannt, besondere Polizeiposten sind am Eingang zum jüdisehen Viertel aufgestellt worden, Ueberfall bei Beth Joseph Jerusalem, 18. Juli, (Paleor.) Am IS. Juli verübten Terroristen, die aus Transjordanien cingcdrunpen waren, einen. Ueberfall auf Siedler von Beth Joseph int Rcisnn-Tale, die auf dem Feld arbeiteten. Der Hilfspolizist Pessach Tkacz kam dabei ums!.eben, wahrem! seine Kameraden Mordcchai Tzejoni, Israel Meirson und lehochjn Bester verletzt wurden. Ein Terrorist wurde getötet und mehrere lolgtc die Angreifer und stellte sw. Nach ein ein Gefecht flohen sie nach '1 ransjordanien /muck. Ihre Verluste betrugen, fünf Tote, mehrere Yeiwmulete um! ein (iefanguter. tion *und Verstärkung rier ^hu1e!dig1?ngskralu־ bewilligt. Bei einer polizeilichen Durchsuchung in revisio- 11 i s t i s e 11 e n Lokalen in Tel Awiw wurde eine Anzahl von Personen in Haft genommen. Der Verband jüdischer Landwirte veröffeirtlichte einen Aufruf an die jungen Bauern, weh für die Vertcidigting der kleineren Siedlungen in Samaria und Galiläa zur Verfügung zu stellen. Der bei der Konferenz des Waad L 1■ 11 in i vom 10. Juli gewählte Ausschuß, in dem sämtliche Körperschaften des Jisehuw vertreten sind, hielt am 17. Juli seine erste Sitzung ab, in der über die Frage der Sicherheit beraten wurde. Fin Exckutiv-Komitcc wurde gewählt. Der Stadtrat von Tel Awiw nahm in seiner Sitzung vom 17. Juli einstimmig einen Beschluß an, in dem der gesamte Jisehuw aufgefordert wird, Einheit und Disz.iplin zu wahren und die Weisungen seiner leitenden Instanzen streng zu befolgen, damit die Bemühungen um Selbst- Verteidigung wirksamer gestaltet werden. Der Aufruf verurteilt in scharfen Worten jeden Versuch, Unschuldige anzugreifen. Die jüdischen Einwohner von Kirjath Eliahu, eines Vorortes von Flaifa, die in ihrer Mehrzahl französische Untertanen sind, haben infolge einer Intervention seitens des französischen Generalkonsuls von den Behörden Waffen erhalten. Fünf Juden vor dem Militärgericht Jerusalem, 19. Juli. (Paleor.) Im Zusammenhang mit verschiedenen Anschlägen in Jerusalem werden demnächst fünf Juden vor das Militärgericht gestellt werden. Zion Marjuk, der bereits dem Gericht zur Aburteilung übergeben worden ist, wurde verhaftet, nachdem eine Bombe auf einen arabischen Autobus im Maehnch Jelmda-Viertel in Jerusalem am 5. Juli geschleudert worden war. Hilfspolizist ermordet Der Hilfspolizist Mendel 1 i e 111 e 11 s t e i 11 (23 Jahre alt), wurde auf dem Wege zur Arbeit in K a I 111 a 11 i a h bei Klar Saba aus dem Hinterhalt erschossen. I.ichtenstein stammte aus Rypin (Polen) und wanderte 1935 nach Pa- Ein Lastwagen, in dem Militär nach einem Gefecht mit Terroristen ins Lager zuruekfuhr, stieß auf eme Mine, durch deren Explosion ein Soldat getötet und drei verletzt wurden. Es verlaufet, daß der Hohe Priester der Samarita* 11er durch Drohungen gezwungen worden ist, heim Bezirkskommissar von Nablus Protest gegen jüdische Bombenanschliige auf Araber cin/ulegen. 11111111l!M11111111l1111111!111111mm11m!111m11!11!m11111111!11!HM11111m1m1!m1111!1m111Mm)[111!1111111!!111111!111111111111111111111H1 Tel Awiw bei Nacht Diese gelungene Aufnahme der Allenhpstraße hei Nacht mit erleuchteten Kaffeehäusern rings um die Mugrahi stammt von einem jugendlichen Leser der ״J. IL", Raphael Moses (Tel Awiw). Geöffnet tägl. 11—20 Privat« Sonn- und Feiertag* Mittag• Und AbendtllCll 11 — 16 Uhr T«|. 24 87 51 und 24 65 44 Die gepflegte Küche im Westen Ernst Hersdithal Berlin W SO, Marburgcr Str. 9 a. d. Augsburger Str. Privat« Mittag, und Abandtii Tag«»z0itung«n 80־0 k: RM; 1.50 RM

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