Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 57 (19.7.1938)
- Date
- 1938-07-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr 57 19 VII. 1938 Die Schlußsitzung in Evian Von unserem Berichterstatter haben. Es war nicht möglich, vor der ohnedies mit Sorgen überlasteten Welt das Problem in seiner ganzen Tragweite aufzurollen, man hat sich nur mit einer akuten Teilfrage beschäftigt, die sogar, wie immer betont wurde, zwar hauptsächlich Juden, aber nicht ausschließlich Juden betrifft. Diese Konferenz, über deren Abschluß wir an anderer Stelle berichlen, hat trotz der Skepsis, mit der man ihren unter einer nicht ganz glücklichen Regie leidenden Anfang betrachten mußte, einen Ausgang gehabt, der zu Hoffnungen berechtigt. Die auf Auswanderung angewiesenen Juden, die bisher häufig den Problemen mit völliger Ratlosigkeit gegenüberstanden, haben jetzt das Gefühl, daß cs eine autoritative Körperschaft gibt, die hinter ihnen stellt und ihr Sachwalter werden kann. Die Juden Deutschlands sind gegenüber allen, die diesem Versuch zum Erfolg verhülfen haben und bei der nun beginnenden praktischen Arbeit zum Erfolg beitragen werden, von tiefer D ankbarkeit erfüllt. Wenn die Resolution der Konferenz die Befürchtung ausspricht, eine ungeregelte Massenauswanderung könnte internationale Unruhe stiften, so kann darauf verwiesen werden, daß die Juden Deutschlands es immer als oberstes Ziel ihrer organisierten Anstrengungen betrachtet haben, jede Unordnung dieser Art zu vermeiden, politische Momente ausziischalten und die notwendig gewordene Wänderang geordnet und nach sorgfältig erwogenen Plä- ת e n so zti vollziehen, daß weder Ursprungsland noch Einwanderung sbnd Schaden erleiden. Dieses Ziel kann aber, wie die Konferenz von Evian eingesehen hat, nicht von den Juden allein erreicht werden, sondern nur durch die Mitwirkung der beteiligten Regierungen. So wie es gelungen ist, das vor fünfzehn Jahren akute!hohlem des griechisch-türkischen Bevölkerungsaustnusches mit internationaler Hilfe zu lösen, so besteht die Hoffnung, daß dank dem jetzt geschaffenen Apparat auch das Problem der Umsiedlung der Juden aus Deutschland gelöst werden kann. * Obwohl Palästina im gegenwärtigen Moment nicht als Aufnahmeland für die Gesamtheit der Aus- Wanderung suchenden Menschen in Betracht kommt, besteht doch ein innerer Zusammenhang zwischen dem hinter der Konferenz von Evian stehenden Problem und Palästina. Wer das nicht einsieht, möge Herz! lesen. Leider bot Palästina gerade während der Tage von Evian kein erfreuliches Bild. Die Verwirrung im Lande ist äußerst gesteigert worden durch die verwertliehe Handlungsweise einer numerisch kleinen, aber gefährlich mißgeieiteten Gruppe jüdischer junger Mensehen, die die bisher musterhaft gehaltene Disziplin des jüdischen Volkes gebrochen und sich zu Unmensch* liehen Taten haben hinreißen lassen, die von der Gesamtheit des jüdischen Volkes verabscheut werden und überdies die politische Lage in Palästina ebenso wie die Sicherheitsverhaltnisse nur verschlechtern können. Kleine Gruppen wie diese sind zwar nicht imstande, aufzubauen, aber zum Zerstören genügen sie. Wenn wir heute Theodor Her/ls gedenken, so müssen wir aussprechen, daß sein Wille und Werk mit solchen beschämenden Taten nichts gemein hat. Seihst wenn leider das Verhältnis zwischen Juden und Arabern in Palästina ein kriegsähnliches geworden ist, dann muß es, zumindest auf jüdischer Seite, ein Krieg mit ehrlichen Waffen bleiben. * Die Bewegung der jüdischen Renaissance, der wir dienen, muß dem Geiste des Judentums treu bleiben, oder sie wird in bedeutungsloses Nichts zerrissen. Vor vier Jahren, am 21. TamrmiSj haben wir den Mann verloren, der in unserer Zeit der treueste Hüter des jüdischen Geistes war. Chain! Nachman Bialik hat nach dem Baseler Zionistenkongreß von 1931, bei dem die Revi-irmisten geistig die Oberhand hatten, jenes packende Gedicht des Zornes gedichtet, das mit den Worten beginnt ״Und wieder sah ich euch mit ohnmächtigen 1 Linden, und mein Herz, ist ein Tränenmeer“. Ein Lied der Klage über den Verfall einer Generation, die mit leerem Herzen reden und tun will, statt zu lernen und zu lauschen. ״Wer hat“ — so ruft Bialik aus — ״aufgelöst eure Gemeinschaft und sie aufgeteilt unter Kinder und Toren?“ Ein Führer seines Volkes vermochte zur rechten Stunde strafende und warnende Worte zu sagen. Seine Stimme fehlt uns heute in der Zeit der Verwirrung. Und aus dem Grabe klingt die Stimme seines (und unseres) Lehrers Achad H a a in, der neben ihm auf dein Friedhof von Tel Awiw begraben ist. Nach den ersten Racheakten im Jahre 1922 hat Achad Haatn das bittere Wort gesprochen: ״Wenn die.s der Messias ist, dann mag er kommen, aber ich will ihn nicht sehen.“ Drei große Tote, Führer der jüdischen Wiedergeburt, sprechen und mahnen. Es ist Zeit, ihre Stimme zu vernehmen. Wir durchleben vielleicht die kritischste Stunde in der Geschichte des palästinensischen Jischuw, eine Stunde, in der das jüdisclie Aufbauwerk und das jüdische Heiligtum durch Juden gefährdet ist. Möge der wahre Geist des Judentu ms sich als mächtiger erweisen als diese Versucher. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Robert Wcltsch, Bcrlin-CharL 8 (auch verantwortlich für die Aut nähme von Bildern), Stellvertreter: Katt Loewcnslein. Berlin W 15. Anzeigenleiter und verantwort• lieh frir den Inhalt der Anzeigen: Erich L i e p rn a n n, Berlin W 15. Gültig Anzeigen-Prcisüste 5 vom 1. April 1930. Verlag und Anreigenvcrwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Mcinckcstr. 10. D.A. 11/1938 : 26 045. — Druck: Siegfried Sehoiem, lierün-Schoneberg, y. Evian-les-Bains, 15. Juli Die Schlußsitzung des zwischenstaatlichen Aus• schusscs, der zu einer weiteren Tagung am 3. August in London zusammentreten wird, bekräftigte die gegen Ende der Evianer Beratungen wachsenden optimistischen Er- Wartungen aller unmittelbaren und mittelbaren Teilnehmer der Konferenz. Die einstimmig angenommene Entschließung läßt einerseits keinen Zweifel darüber, daß die in Evian vertretenen Regierungen von 32 europäischen und außereuropäischen Staaten die Auswanderung von größeren Menschenmassen aus verschiedenen Staaten als ein wirtschaftliches und soziales Problem von großer praktischer Wichtigkeit betrachten, dessen geordnete Lösung nicht nur im Interesse der schwer betroffenen, als ״Refugies“ bezeichnten Menschengruppen, sondern auch im Interesse der beteiligten Länder liegt. Andererseits enthält die Entschließung ein scharf umrissenes Ar be i ts pro g r am m für den noch zu ernennenden (amerikanischen) Direktor des ständigen Amtes, das seinen Silz in London haben wird. Mehr konnte man von der Evianer Konferenz vernünftigerweise nicht erwarten, da es sich doch nur um einen ersten Schritt handeln konnte. Die Schlußsitzung gab dem britischen Delegierten, Lord Winterton, Gelegenheit, die in seiner Eröffnungsrede stark vermißte Erklärung über Palästina iiaclizuholen. Es war vielleicht kein Zufall, daß die englische Regierung ihrem Vertreter in Evian die Weisung gegeben hatte, über Palästina nicht in der Eröffnungs-, sondern erst in der Schlußsitzung der Konferenz zu sprechen; sie wollte offensichtlich eine öffentliche Aussprache über das Palästina-Problem im Rahmen der hierfür nicht zuständigen Evian-Konferenz vermeiden. Lord Winterton hat zweifellos recht, wenn er der Anschauung entgegentritt, daß Palästina allein alle jetzigen und künftigen jüdischen Auswanderer atifnebmen und somit das ganze ״Flüchtlingsproblem“, soweit es sich um jüdische Menselten handelt, lösen kann. Aber eine solche Anschauung wurde (außer etwa von den Revisionisten) von keiner vera n t w o r 11 i c 11 c n jüdischen Körperschaft weder in Evian noch anderswo zum Ausdruck gcbracht. Die anderen Teile seiner Erklärung über Palästina, die an anderer Steile im Wortlaut zu lesen sind, verdienen gewiß größte Beachtung. Die Bedeutung Palästinas als eines der Faktoren in der Lösung des von der Evianer Konferenz behandelten Problems hat Lord Winterton schon dadurch zugegeben, daß er das von Palästina als Aufnahmeland der jüdischen Einwanderung bisher Getane — wenn auch sehr kurz — der Konferenz darlegte. Es wird für die konkreten Ergebnisse der Evianer Konferenz von lebenswichtiger Bedeutung sein, daß Palästina so schnell als möglich die ihm durch internationales Recht und durch alle historischen und natürlichen Gegebenheiten zufallcnde Rolle des größten Abnahmelandes für jüdische Einwanderung unter den jetzigen Wcltbedingungen wieder gewinnt. Taylors hoffnungsvolle Würdigung Der Verlauf der Schlußsitzung war folgender: Nachdem am Donnerstag in einer geschlossenen Sitzung das Komitee den R cs o 1111 i o 11 s e 111 w u r f der drei Großmächte, dessen Inhalt wir bereits in der ״Jüdischen Rundschau“ vom 15. Juli mitgdeilt hab׳n, beraten und mit kleinen Acnderungcn ihm zugestimmt hatte, wurde am Freitag die öffentliche Schlußsitzung von dem Vorsitzenden Myron Taylor eröffnet, der in einer kurzen Rede einen Ueberblick über die geleistete Arbeit gab und erklärte, es werde nun ■eine Maschinerie geschaffen, die für das Leben und die Aussichten von vielen tausenden Menschen eine fühlbare Verbesserung Die Reichsvertretung in Evian Ein Communlquc über die Tätigkeit der zur Konferenz entsandten Abordnung Die Rcichsvertrctung der Juden in Deutschland teilt mit: Wie bereits bekanntgegebcn worden ist, waren wahrend der Auswanderungs-Konferenz Vertreter der jüdischen Wänderungs-Organisationen in Deutschland unter Führung der Reichs- Vertretung mehrere Tage in Evian anwesend, nämlich das geschäftsführende Vorstandsmitglied der Reiehsvertretung, Dr. Otto Hirsch, der Leiter ihrer Wanderungsabteilung, Dr. Paul Eppstein, das Vorstandsmitglied des Hilfsvereins der Juden in Deutschland, Dr. Werner Rosenberg, und für das Palästina-Atnt der Jewish Agency for Palestine das geschäftsführende Vorstandsmitglied des Keren Hajeßod in Deutschland, Dr. Michael Traub. Die jüdische Oeffentlichkeit in Deutschland hat einen Anspruch darauf, zu erfahren, wie die Delegation ihre Aufgabe auffaßte und wie sie diese Aufgabe erfüllte. Es kam darauf an darzutun, in welchem Umfang bei den Juden in Deutschland neben der Auswanderuitgs bereitschaft die Fähigkeit zur Aus- Wanderung und zur Einordnung in den Ländern der Lin- Wanderung gegeben ist. Dabei wurde bedeutsames Zahlenmaterial über die Alters- und Berufsgliederung der Juden in Deutschland verwertet. Baß das Problem der Unterbringung von noch rund 200 000 Juden aus Deutschland (und '100000 Juden aus Oesterreich) bei aktiver Mitwirkung der Einwanderungsländer auf längere Sicht nicht unlösbar sei, konnte aus der rund 150 000 Menschen umfassenden jüdischen Aus- Wanderung aus Deutschland seit 1933 bewiesen werden, einer Auswanderung, die zwar zum Teil mit finanziellen Mitteln der ausländischen jüdischen Hilfsorganisationen, aber (mit Ausnahme von Palästina) ohne organisierte Bemühung der Einwanderungsländer selbst durchgeführt worden ist. Daran mußte sich der Hinweis auf die Notwendigkeit des Aushaus der Einrichtungen zur Vorbereitung der Auswandernden im Inland und Ausland durch verstärkte Zuführung zu den haitdarbeitenden Berufen anschließen. Von besonderer Wichtigkeit war das finanzielle Problem. Zu seiner Lösung ist infolge der rapide fortschreitenden Verarmung der Juden in Deutschland, aber auch wegen der Beschaffung der für Einwanderung und Einordnung erforderlichen Devisenbetrage die Hilfe des Auslands in noch stärkerem Maße als seither notwendig. Am Beispiel des Palästina- und des Altrcu-Transfcrs konnte gezeigt werden, wie durch den Transfer van Eigenmitteln vermögender Auswanderer auch die Auswanderung minder- und unbemitteiter Familien ermöglicht und gefördert werden kann. Schließlieh wurde die Notwendigkeit sofortiger Ausarbeitung eines Auswandertingsplans und der beschleunigten Durchführung aller einzelnen Maßnahmen zur Verstärkung der Auswanderung mit besonderem Nachdruck betont. Die Delegation der Reichsvertretung hat diese Grundlagen für den erforderlichen Auswanderungsplan in einem mit bringen werde. Taylor betonte, daß die Konferenz In Evian nur ein Anfang war. Die vertraulichen Erklärungen, die von verschiedenen Regierungen in der Konferenz (d. h. vor dem unter dem Vorsitz von Hansson stehendem ,,Tech-!tischen Subkomitee“) abgegeben wurden, eröffnen die Aussicht auf eine ver m ehrte Zulassung von Einwanderern. Das Sekretariat werde auch die Vorschläge der privaten Organisationen in Betracht ziehen. Die geordnete Durchführung der Emigration, so sagte Mr. Taylor, sei ein Gebot des Weltfriedens, denn ein ungeordneter Auszug könnte zu internationalen Wirren führen. Taylor schloß mit folgenden Worten: ״Unsere Arbeit wird unermüdlich und ohne Unterbrechung weltergehen, damit die Hoffnungen von Männern, Frauen und Kindern, die ihr Vertrauen auf unsere Bemühungen setzen, nicht in Enttäuschung und Bitterkeit enden.“ Nach der Eröffnungsrede Taylors ergriff Lord Winterton das W'ort zu seiner Ansprache, die die einzige größere und vorbereitete Kundgebung in dieser Schlußsitzung bildete. Die Rede Lord Wintertons geben wir an anderer Stelle hauptsächlich wegen ihrer Bemerkungen über Palästina im Wortlaut wieder. Nach Lord Wjnterton sprach der Vertreter Frankreichs, Bfrcngcr, der die volle Mitarbeit der französischen Regierung in Aussicht stellte und besonders den Umstand unterstrich, daß zum ersten Male die Vereinigten Staaten von Amerika sich an einer permanenten Institution beteiligen, die nicht amerikanische Angelegenheiten zum Gegenstand hat. Ausblicke Nach der Annahme der Resolutionen und den Schlußreden wurde die öffentliche Sitzung ohne weitere Tagesordnung geschlossen, und damit ist die Konferenz in Evian offiziell beendig t. Die meisten Delegationen sind bereits am Freitag abgereist. Es verlautet, daß die Arbeit des Komitees unter dem Präsidium von Taylor bis zum 24. Juli in Paris weitergeführt werden und dann von dort nach London übertragen werden wird. Die Konferenz schloß in einer Atmosphäre voller Harmonie, und der allgemeine Eindruck war, daß für das Problem, dem die Konferenz galt, ein wesentlicher Beitrag geleistet worden ist. Die wichtigste Aenderiuig, die im ursprünglichen Text der Resolution vorgenommen wurde, betrifft die Einschränkung der Arbeit auf Auswandercr, die aus Deutschland (einschließlich Oesterreich) kommen. In der ursprüngliche n Fassung war der Begriff der Auswanderer allgemeiner gehalten, aber mehrere Delegierle befürchteten, daß eine solche Fassung zu übertriebenen Auslegungen führen könnte und einen zu großen Auswandererstrom ermutigen würde, für den gegenwärtig gar keine Aufnahmemöglichkeiten bestehen. Dagegen war (wie auch der Leitartikel der ״Times“ vom 16. Juli hervorhebt - Anm. d. Red.) zum Schluß das Gefühl all- S“ " *־־*•״־־ —י * ׳ ־.. Menschen berechnet wird, auf Grund der in Evian geschaffenen Maschinerie lösen könne, wenn es gelingt, die Mitarbei.t aller an einer derartigen geordneten Ucberführung interessierten Stellen zu erreichen. Wie mitgeteilt wird, wird sich in den nächsten Tagen George Branl, der Einwanderimgsexperte _ der Evian- Delegation der Vereinigten Staaten, auf eine Reise durch Europa begeben, um die Lage der Auswanderer aus Deutschland und Oesterreich und insbesondere der noch zur Aus- Wanderung bereitstellenden Massen zu studieren. Der Name des prominenten Amerikaners, der als Direktor des in Evian geschaffenen permanenten Amis vorgeschlagen wird, soll, wie verlautet, bereits in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden. statistischen Beilagen versehenen M e m orandu m zusammengefaßt, das der Konferenzleitung, einer Reihe von Regierungsdclegationcn, sowie den großen jüdischen Hilfsorganisationen des Auslands (Council for German Jewry, Ica, Joint und Jewish Agency for Palestine) überreicht und dessen Inhalt in eingehenden mündlichen Darlegungen ergänzt wurde. Mit den Vertretern der Israelitischen Kultusgemeindc Wien konnte zuvor testgestellt werden, daß man in der Beurteilung der Aufgabe vollständig übercinstimmc und daß diese Uebereinstimmung auch bei den Besprechungen zum Ausdruck gebracht werden solle. Besonders förderlich waren die Unterredungen mit den Vertretern der nordamerikanischen, der britischen und der französischen Regierung, den Herren Myron Taylor, Lord Winterton und Senator B e r e 11 g e r, sowie mit den Regierungsvertretern südainerikaniseher Staaten. Dabei wurde die — inzwischen mit dem Sitz in London erfolgte -- Ciritndüng eines ständigen Ausschusses mit einem eigenen Büro in Aussicht gestellt, dessen Leiter mit den Regierungen der Ein- und Ausvvandertingsländer in Verbindung ztt treten haben würde, um die praktisch^ Arbeit, die auf der Konferenz selbst nicht zu leisten war, zu sichern. Von Nordamerika wurde die Gewährleistung der vollständigen Ausnützung der Ein- Wanderungsquote von über '27000 Menschen im Jahr in Aussicht gestellt, Weitere konkrete Einwanderungs-Möglichkeiten wurden mit den Regierungsvertretern von England, Frankreich und verschiedenen südamerikaniseben Staaten erörtert. Von fast allen Seiten wurde darauf hingewiesen, wie wertvoll für Einwanderung und Einordnung landwirtschattlichc Berufstätigkeit sei, wobei das englische Kabinettsmitglied, Lord Winterton, die Leistungen der jüdischen Landwirte in Palästina warm anerkannte. Die gegenwärtigen Einschränkungen der Einwanderung nach Palästina seien auf die politische Lage zurückztiführen. Im Herbst, nach Vorlicgen des Berichts der Teilungskommission, werde man sich über die Aufhebung dieser Einschränkungen schlüssig machen können. Jedenfalls halte England an der Balfour-Dekiaration fest. Zur Erörterung von Massertsiedlungsprojekten kam es nicht. Die Schwierigkeiten, die allgemein in der starken Arbeitslosigkeit in aller Welt und in dem Problem des Verhältnisses zwischen der Eingeborenen-Bevölkerung und der weißen Einwanderung in den Kolonien liegen, wurden nicht verhehlt. Es war aber nicht zu verkennen, daß die Aussichten, bald zu praktischen Ergebnissen zu kommen, im Laufe (der Konferenz immer günstiger beurteilt wurden. Die Reichsvertretung und die Wanderungsorganisationen gewannen den Eindruck, daß sie mit dem bisherigen System der Förderung der Auswanderung und Auswandcrungsvorbereitung aut dem richtigen Wege sind. Sie dürfen hoffen, daß die Tätigkeit des aus der Konferenz von Evian hervorgegangenen Ausschusses eine Intensivierung dieser Arbeit ermöglichen und zur Verstärkung und Beschleunigung des Aus- Wanderungs-Prozesses führen wird. (Resolutionen der Konferenz siehe Seite 9}