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Jüdische Rundschau · 1938-07-15 · Heft 56 (15.7.1938) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 56 (15.7.1938)
Date
1938-07-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU PALÄS TI NA־־ BLATT Nr. 56,15. JULI 193« Nach blutigen Tagen Von unserem palästinensischen Korrespondenten Der folgende Bericht wurde nach dem furchtbaren Zu• sammenstoß in Haifa am Mittwoch der vergangenen Wache abgesandt. (Red.) gl. Tel Awi w, 7. Juli 1938 Di« Prophezeiungen, die vor einigen Monaten in einem großer» Teil der palästinensischen Presse zu lesen waren und die ein beträchtlicher Teil des Publikums nur zu gern glaubte, haben sich als falsch erwiesen. Mit der Unter- Zeichnung des anglo-italienischen Abkommens, der besseren Bewachung der Nordgrenze, der Aufstellung des Tegart- Walles und der Arbeit der ״technischen Kommission“, glaubten wir das Abschwellen des Terrors Voraussagen zu können. Und wenn auch niemand annahm, daß die Rückkehr zu einem ruhigen Leben einfach und rasch vor sicli gehen würde, wenn auch jeder auf kleinere und größere Rückfälle gefaßt war, so war die Perspektive einer s 111 f e!1 w e i s e n P a z i f i - zicrungdes Landes nicht nur ein frommer Wunsch, sondern schien auf solide Tatsachen gegründet. Heute müssen B. NEUMANN P I A N O S I KÜHLSCHRÄNKE־ BOSCH RADIO I FRIGIDAIRE ״. «. Barlin W 15, KurtOritandamm &0S / Ruf: 9137 1a alle zureben, daß wir uns gründlich getäuscht haben. Die letzte Woche gehört zu den schwersten, die das Land überhaupt durchgemacht hat. Die Zahl der jüdischen und arabischen Opfer ist groß, das Gefühl der Unsicherheit wieder gewachsen. Man würde trotz allem diese Welle ebenso vcrzcich• nrn, wie man die früheren verzeichnet hat, und sicli weiter ruft Umsicht und Geduld wappnen, für die eigene Verleidigung sorgen und die Regierung z.u erneuter Energie aufstacheln, wenn sich nicht im jüdischen Lager selbst etwas geändert hätte. Und das Lntscheidende dieser Julitage ist, daß sich unter den Juden der innere Feine! erhebt und seit langer Zeit wieder die Notwendigkeit bestellt, nicht nur nach außen, sondern nach innen strengste Wache zu halten. Die Ereignisse der letzten Tage, die Ermordung von Arabem in Jerusalem und an der Jaffa—Tel Awiwcr Grenze, hat dem jüdischen Jischuw einen so starken Stoß versetzt, wie kaum eines der anderen Schrecknisse der 1׳ t/ten Jahre. Bisher behielten die Juden durchweg die Nerven, heßen sich nicht gehen, bewahrten Disziplin. Sie konnten mit Ruhe und Stolz darauf hinweisen, daß sie anders als ihre Angeber um ihre Sache kämpften, daß sie Provokationen standhulten, daß sie ihres eigenen Lagers sicher waren, so sicher, dal die klare Reaktion dieses Lagers nach einem der wenigen Disziplinbrüche, die vorkainen, genügte, um die eigene Position stärker als bisher zu zementieren. Heute — und diese Er- Kenntnis geht in den letzten Tagen durch die gesamte Presse — ist diese Sicherheit zum ersten Male ersehnttert. Und die wichtigste Pflicht der jüdischen 1 uhrung und der öffentlichen Meinung ist, sie wieder in vollem Maße herzustellcn. : Es wird heute bereits in weiten Kreisen anerkannt, daß das Versagen der Leitung gegenüber den revisionistischen. Hetzereien am Tage der Hinrichtung des Verurteilten von Rosch-Pina, die Herrschaft der Straße in jenen wenigen, aber schicksalsschweren Stunden mit den Morden, die (In paar Tage später das Land erschütterten, in ursächlichem Zusammenhänge steht. Hätte man es an jenin Miltwoch verhindert, daß sich eine kleine unverantwortliche Minorität der Massen bemächtigt, die Anschläge des Waa| Lennu von den Wänden reißt, den Verkehr in Tel Awiw mit: Gewalt zum Stehen bringt, so hätte diese Minorität unmißvjtrständlieh gelernt, daß sie mit ihren Methoden allein steht und sich niemand finden wird, der sie weiter auf ihren» Wege stützt. Aber der Verlauf der Dinge war anders. Die Opposition gegen jene Gruppe, die Kritik an den Ereignissen, die sowohl in der Stadtratssitzung von Tel Awiw, wie auch in der Presse Widerhall fand, kam zögernd und zu spät.;111 den wenigen Tagen, die seit der Hinrichtung vergingen, hätte der große verantwortliche Block des Jischuw keinen Moment verlieren müssen, um zu zeigen, daß er gewillt ist, gegen wilde Angriffe, wie wir sie vorgestern erleben mußten, mit aller Kraft Stellung zu nehmen, daß er nach wie vor a!1 der Methode der vorbedachten legalen Verteidigung fest hält und Rache an Unschuldigen aufs schwerste verurteilt. Die Aufrufe der Exekutive und des W a a d Leu m i, die sich langsam entfaltende Pressekampagne in dieser Richtung haben jedoch nicht genügt, um das große Unglück der letzten l äge zu verhindern. Jetzt, wo die Tatsachen für sich sprechen, wo auch die durchaus eindeutige Haltung des revisionistischen Blattes in Tel Awiw keinen Zweifel mehr darüber läßt, daß die Revisionisten nicht geneigt sind, sich der nationalen Disziplin zu unterwerfen, wird die Stellungnahme ries Jischuw׳ wieder geschlossener und schärfer in der Ablehnung. D;c hebräische Tagespresse nach dem Mordtagc ist absolut «inhcitlich in ihrer Stellung, und ohne Zweifel ist auch heute die überwältigende Majorität des Publikums mit ihr einig. Man darf sich jedoch keinem Zweifel darüber hingeben, daß heute, nach den Ereignissen der letzten Tage die An!• rechterlialtmig der Disziplin schwerer geworden ist als früher. Smilanski hat in seinem letzten Artikel im ״Haarez“ mit Recht darauf hingewiesen, daß alles darauf ankomme, die Juden nicht zuletzt noch kopfscheu zu machen, so daß sie die Nerven verlieren und den klaren Blick. Sicherheit der Stellung und Ruhe der Auffassung wird uns in der nächsten Zeit mehr nottun als je. Die einzige Antwort des arabischen Terrors auf die unsinnigen Taten von vorgestern kann nur eine Verschärfung seiner Aktionen sein, und der Tod der vier Arbeiter gestern bei Ejn Vercd hat diese düstere Auffassung leider bereits bestätigt. In dem ohnedies anarchisch anmutenden Lande kommt heute alles darauf an, den Ausbruch der Anarchie im jüdischen Lager z.u verhindern. Auch in den letzten 24 Stunden haben sich die Dinge über alle Erwartungen verschärft. Ein Bombenattentat vom fahrenden Zuge aus in das Zentrum von Tel A w i w wurde wenige Stunden später in H a i f a von dem schlimmsten Ausbruch gefolgt, den wir überhaupt in den Jahren der Utiruhen zu verzeichnen haben. Eine Bombe, die im arabischen Markt losging und eine nachfolgende wilde Panik und Schießerei forcierte an Toten und Verwundeten 102 Opfer, wobei bisher niemand feststellen kann, wie sich di« Ereignisse im einzelnen abwickeltcn. Der von der Sperrstunde beendigte Kampf in Haifa mutet wie ein wildes Durcheinander an, eine Art hysterischen Ausbruchs, bei dem Masseninstinkte nicht mehr zu zügeln waren und Unschuldige den Gewehren und Steinen zum Opfer fielen. Heute werden bereits von mehreren Stellen weitere Unglücksfälle gemeldet und di# Unveränderter Terror Die letzten Tage brachten in Palästina wiederum eine große Reihe von Terrorakten; besonders in Haifa kam es zu einer Reihe von schweren Zwischenfällen. Die Zahl der jüdischen Toten und Verwundeten war erheblich. Militärverstärkungen trafen im Lunde ein. Angriff auf Giwath Ada Jerusalem, 10. Juli (Palcor). Der 23jäl1rigc Aron Uzkowitz und Simon Margolith (27 Jahre alt), Söhne von Siedlern, sowie ein jüdischer Hilfspolizist wurden heute anläßlich eines Angriffs auf G i w a t h Ada, der von 300 Terroristen verübt wurde, s c liw er verwunde t. (Giwath Ada ist die Siedlung im Scharon, aus der vor einer Woche drei Jugendliche verschleppt wurden.) Der Uebcrfall, dem das Abschneider! von Telephondrähten voranging, war überaus heftig. Die Terroristen waren bereits in die Siedlung gedrungen. Ghaffirim eilten herbei, die mit beispiellosem Mut. die Angreifer vertrieben. Die 40jährige Naomi Goldberg und der Hilfspolizist Izchak Komarnik (24 Jahre alt) wurden getötet. Simon Margolith ist später seinen Verletzungen erlegen. . Jugendlicher in Tiberias erschossen Mordcchai Alizrachi (18 Jahre alt) wurde in Ti her i a s, als er von der Arbeit nach Hause ging, durch, einen Rückenschuß getötet. Im Zusammenhang mit dem Uebcrfall auf zwei jüdische Knaben zwischen Tel Awiw und Mikwe Israel wurden 22 Personen aus dem Dorfe Salamc bei Jaffa in Haft genommen. Auf das Papierlagerliaus Sil herstein, das in der Nähe des Postamtes im Zentrum von Jerusalem liegt, wurde heute eine Bombe geschleudert, bei der Meir Silberstein (30 Jahre) und Gedaliah Friedmaiin (28 Jahre alt) schwer verwundet wurden. Der Attentäter, ein Araber, ergriff die Flucht. Der vor einigen Tagen verwundete Uri Krume (4S Jahre alt) erlag seinen Wunden. Die orthodoxen jüdischen Körperschaften Palästinas, einschließlich der Aggudath Jisrael, des Synagogenvrrbaiiclcs und der (lerer Chassidim, veröffentlichten eine Erklärung, in der Vcrgcltungsakte aufs schärfste verurteilt werden. Das Manifest preist den Mut, den der Jischuw während der Unruhen bewiesen hat und ruft zur Einheit und Zusammenarbeit im Interesse der Verteidigung des Jischuw auf. Das Kleine A k t i o 11 s - K o in i t e e versammelte sieh heilte zu einer Sitzung, in der Fragen der Sicherheit und der Aussagen vor der Teilungs-Kommission besprochen wurden. Es gab seine Zustimmung zu Ussischkins Aussage vor der Palastina-Teilungskommission. Mitbegründer des Schomer ermordet Jerusalem, 11. Juli (Palcor). Alexander Zaid (31 Jahre alt), ein Mitbegründer der Schontrim-(Wächter-) Organisation, wurde gestern nacht in der Nähe von Scheikh Abrek aus dem Hinterhalt erschossen.. Seine Leiche wurde erst heute morgen von einer Polizcipatröuillc gefunden. Der Tod ereilte ihn, während er im Kercn-Kajemeth-Wald Waehtdicnst tat. Zaid, der aus Sibirien stammte, wanderte 1904 nach Palästina ein. Die Beisetzung fand heute nachmittag in der Nähe des einsamen Hauses statt, das Zaid inmitten des Ocdlamles unweit Scheikh Abrek im I :111 k Jcsrccl bewohnte. Samtliehe noch lebenden Mitglieder der ursprünglichen liaschomer- Gruppe sowie Vertreter der verschiedensten Körperschaften aus dem ganzen Lande hatten sicli ciiigefundeu. Grabreden wurden gehalten von David Bcii-Ciuriort im Namen der Exekutive der Jcwish Agency, l/chak Ren-Zwi namens des Waad Leumi, Bcrl Katznclson, Mania Schoehat, sowie von Zipora Zaid, der Witwe des Verstorbenen, die ihren Mann stets bei seiner Arbeit unterstützt hatte. Neue Ueberfälie in Haifa Auf einen jüdischen Autobus, der sich auf der Fahrt nach dem Emek Zebulun befand und jüdische Arbeiter transportierte, wurde ein Bombenanschlag verübt, bei dem der 27jährige Eliahu Sch o c 11 an ni getötet und zehn andere Fahrgäste, meistens Arbeiter der Schemen-Fabrik, verwundet wurden. Unter den Schwerverletzten befinden sich Mosche Gill er (30 Jahre), Josef Groß har dt (27 Jahre), Mosche Osser (28 Jahre), Samuel Wolff (42 Jahre alt). Fast zur gleichen Zeit wurde der aus Cardiff in England stammende 50jährige I’. V. T 0 b i a s, Besitzer einer Glasfabrik in Haifa und Mann der Schriftstellerin LiIy Tobias, ermordet. Tobias, der vor einem Jahr nach Palästina gekommen war, fuhr im eigenen Wagen in Begleitung eines umringte. Beide Insassen wurden durch Schlisse verwundet, glcitcr konnte1'entkomm'1''".!״' Josef Mizraeln wurde von Arabern in Haifa mit Steineu beworfen und erlitt schwere Verletzungen, Ein weiterer Jude, namens (iedaha! s r a e I, wurde m! ö.-dliehen Bezirk Seitenstraße׳ geschleppt und dort getötet. fugte einem arabischen Passameu leichte Verlet/ungen zu. Gleichzeitig gab ein (iliaffir, der im Autobus fuhr, einen Schuß ah, der den arabische״ Attentäter traf. Eine Menge rottete sich zusammen und begann den Autobus mit Steinen zu hnnibardieren. woraufhin Polizei erschien und in die Luft feuerte. Der Attentäter und tler Ghaffir wurden in Haft genommen. Die Mehrzahl der arabischen Läden in Haifa blieb auch heute geschlossen. Die Lage in Jaffa dagegen ist normal. Jüdischer Polizist getötet Ein 31jührigcr jüdischer Polizist fiel in einem Kampfe gegen arabische Terroristen im Emek, hei dem englische Soldaten und jiid sehc Hilfspolizisten zusammenwirkten. Elin Soldat erlitt ernste Verletzungen, während zwei Terroristen ums l eben kamen. Ein arabischer Beamter des Aufforstungs-Amtes lind sechs bewaffnete Wachleute wurden in der Nahe von Tu!- kerem von Terroristen v e r s c!1 l e p p t. H a I i m Battat, ein arabischer Polizei-Inspektor, wurde heute in Tulkerem von vier bewaffneten Arabern in einem Eriscurladen e r m o r d e t. Angesichts des Sdilicßens von arabischen Geschäften und einer Reihe von Aus-chreituiigen ist •über die Städte Safcd, Akko, Tulkerem und Nazareth der A 11 s 11 a 11 111 e / u s t a 11 d für 21 Stunden verhängt worden. Luft schwirrt von Gerüchten. Niemand weiß, wie sich die Dinge entwickeln können, und die Besorgnis ist aufs äußerste gestiegen. Eines jedoch ist gerade durch die Schrecknisse der letzten Tage über jeden Zweifel klar geworden: es m u ß •ei 11 A u s - weg aus dieser fürchterlichen E 111 \v i c k I 11!1 g gefunden werden, und zwar sofort. Die Masse der Araber hat mit den terroristischen Akten nichts zu tun, sie hat bereits seit langem gezeigt, daß sie von den Terroristen in Schach gehalten und zu Taten gezwungen wird, gegen die sie sich sträubt. Daß die Juden l'rieden wollen, weiß jeder, und' die kleinen Gruppen, die die Disziplin in letzter Zeit gebrochen haben, werden verurteilt, man ruckt mit aller Entschiedenheit von ihnen ab. Bisher hat man sich verteidigt und die Regierung zu scharfen Maßnahmen 7.1t veranlassen gesucht. Jetzt dämmert hier und da die Erkenntnis, daß heute neue Wege zur Befriedung des Landes gesucht werden müssen, daß es nicht angeht, sich von Terrorwelle zu Terrorwelle hinzusclilcppen und aut die strategische oder politische Lösung zu warten, die einmal kommen!miß. Die Anarchie, die man befürchtet hat, ist am Ausbrechcti, die Haifaer Vorgänge geben ein schauerliches Beispiel, wohin siefi ihren kann. ״Vielleicht“, so schreibt der .,Haare/,‘1 stand aiif/urufeii'/ Vielleicht 'finden sieh jetzt' auch im ara- Palästina mehr als zur Genüge cru ie'i n, daß bei dem inand mehr der blutigen Gewalt Herr wird mul du: Vernunft braucht’Riiiug und /war'bald,'!venu'möglich "g!"eich. Die Regierung, die Juden, die Araber tniissen gleichmäßig heweisen, daß sie einen Atisw'cg mm der Situation zu finden wissen, einen ,Ausweg, der mehr verspiidit, als das blinde Schießen und Morden. Altes und neues Jagur Links: Neubauten in Jagur neben den Baracken den Anfängen der Siedlung. — Rechts: Der neue Lßsaai , r

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