Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 56 (15.7.1938)
- Date
- 1938-07-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 56, 15. VII. 1938 Assimilation an Schatten Auch eine Seite jüdischen Lebens in USA Von Dr. A. Mukdoiiti Das New Yorker Viertel, in dem ich wohne, ist ein jüdisches Viertel. Hier und da sieht man einen Italiener, ein paar Chinesen und einige andere Nichtjuden. Die Gegend ist still, bürgerlich, man sieht keine kostbaren Autos vor den Hausern, keine aufgenutzten und geschnürten Dienstmädchen, die Kinderwagen führen. Man begegnet wenig Müßiggängern, alle in dieser Gegend sind beschäftigt und haben Sorgen, Arbeit!st eine sehr ernste und körnplizierte Sache in dem Viertel, wo ich wohne. Die Leute sind ernst, etwas sorgenbeiaden, verantwortungsvoll. Frühmorgens stürzen die Männer in furchtbarer Eile davon, sie eilen ins Geschäft, ins Büro, in die Fabrik. Dann ist die Gegend acht Stunden lang ein Frauen- und Kindcrvicrtel. Mein Viertel ist eine stille, solide Gegend. Nur die Kinder sind zu hören, wenn sie aus der Schule kommen. Fs sind laufe Kinder, sic sind hitzig, sie tollen ausgelassen herum. Eine jüdische (irgend. Aus meinem Viertel ist keiner mit der ,,Mayfimvrr“ nach Amerika gekommen. Die meisten sind Einwanderer oder Kinder von Einwanderern. Meine Gegend hat zwei arme jüdische Schulen für Kinder, es gibt da auch eine Talimul-Tora oder eine Jeschiwa, die stehen verschämt in der Nachbarschaft der großen, hellen städtischen Schulen. Und die paar jüdischen Lehrer, die alles aufbieten, um ein jüdisches Kind in eine jüdische Schule 7.11 locken! Sic agitieren bei den .Müttern, die Angst haben, das gute Englisch der Kinder kinntc Schaden nehmen, sic heizen den Vätern cm, die doch ständig erlöschen wie die Zigarren, die sie rauchen, und •sie binden das Kind an die jüdische Schule mit seltenen, mit genialen Einfällen. Fs gibt ein jüdisches Zentrum in meiner Gegend, ein schönes, solide', breites Gebäude. Aber das schöne Haus ist ständig verhangen und verklebt mit häßlichen, wilden Plakaten für Wohltatigkeitsha/arc, Bankette und Gcldsammhingen. Das schöne Haus ist ständig bis übers Dach verschuldet, alwr inan bemüht sich, man kämpft, nt an rettet es ständig. Fs gibt einige Kethatiser in meiner Gegend, ein paar altuiod 'cne, ein paar halbneumodisehe, halb Rcth hamidrasch und halb Svn.igogc. Stumm und einsam stehen sie die ganze Woche, bekümmert und beleidigt, nur am Schabbath und Feiertag leben sie ein wenig auf, altere und mittelalte Juden kommen und vertreiben das Eiend und die Leere aus den War,den. So sieht das bißchen Judisclikeit in meiner Gegend aus, V e untergeschoben sicht cs aus. Etwas kümmerlich und imghn'ksciig nimmt sich das bi flehen Judisclikeit in Immer feiertäglich, immer festlich lieht und immer full• kclml fröhlich, net bunten Lichtreklamen und immer voll t h e ,11 e r in meiner Gegend. Da siedet ständig, da kocht und braust ständig das Leben. Ls gibt Tage, an denen man in den sieben Kiiios keinen Platz bekommen kann, zum Beisp;cl an! Öchabbatli und Sonntag, da werden diese sieben Theater förmlich gestürmt von Menschen!nassen, von Großvatern und (irolimurtern, von Muttern, Vätern und Kindern, die hmcinstromeii. Dazu hat jedes Theater noch zwei Wochentage, an denen cs noch stürmischer zugeht. Da wird jedes Filmtheater ein kleines Monte Carlo, es sind die Tage von Scnno, Bingo und anderen Lotterien. Die dunklen Säle werden strahlend hell, auf der Bühne erscheint ein Mensch 1m Frack, er ist zu Hause und gut Freund mit jedermann, schüttelt ein halbes Dutzend Witze aus dem Acrinel, holt einen Packen Dollarnoten aus der Tasche, und die Verlosung beginnt, das Spielchen, das Scrino, Bingo oder sonstwie beißt. Das Publikum ist maßlos gespannt, ein Feuer blitzt in jedem Auge, die Pulse klopfen rascher, man spielt. Die Jugend, die immer in der Mehrzahl ist, wird hitzig, man kommt in Rage, schreit, klatscht Beifall. Jeder Gewinner steigt mit seiner Gliicksnunirner auf die Bühne und holt sich das gewonnene Geld unter dem wilden Lärm der aufgeregten Menge. Jedes Theater hat jede Woche zwei Spieltage, die sieben Kinos haben jede Woche vierzehn Spieltage, die Jugend in meinem Viertel fiat die ganze Woche ihr Monte Carlo. Diese Kinos sind die heimischsten Instituuoneu in meiner Gegend, in i 11 ne!ז leben sich die Leute ganz aus. 1:111 paar Wochen vor dem Thanks giving Day verlost man in allen Kinos Puten, große, schwere Puten, die vorher in den Schaukasten ausgestellt sind, und unter dem fürchterlichen Beifall des Auditoriums empfängt der Gewinnrr in großer Parade auf der Buhne seine riesige Pute. Dann verlernt man Geschirr, Hausschuhe, Wasche, Parfüms und alles mögliche. Das Kino ist der wirkliche geistige Mittelpunkt■, das Yer.viininlungshau' und der eigentliche Ort der (!eselhgkeit in meiner .stillen, bürgerlichen Gegend. Und das noch außer der Hauptsache, außer den Filmen. Jede' Kino zeigt täglich zwei Filme, einen besseren mit zwe oder sogar drei gewaltig beruh inten Stars und einen schäbigeren mit K riiiuna laffaren, Schießereien, Auto/usainmrnsioßcu. cm er Menge anderer Katastrophen und zwei oder drei Stars, die kein Mensch kennt. Dazu geben etliche Kinos noch cm Stuck aus einer Fihnseric, das schon besonders grausig ist, alle Kinos einen Micky-Maus-Fihn, einen gutartigen und heiteien Kurzfilm, dann die!׳euer, Blitze und Lava speienden Mitteilungen über die kommenden Löhne und ihre Stars, die ״wir selber gekrönt und berühmt ge- Max Weissler Berlin W,S“iKieiststr. 12 das Haus f. geschmackv, macht haben vom Atlantic bis zum Pazific“. Man stopft sielt mit Filmstoff voll. Im Kino verbringt man vier Stunden, das ist ein Viertel des menschlichen Arbeitstages, der Zeit für geistige und familiäre Interessen. Der größte Teil der Kinobesucher sind Kinder zwischen zehn und fünfzehn tähren, sie sitzen meist sechs, manche sichen Stunden im iino, sie sehen jeden Film zwei oder gar drei Male, das Kino wird zum eigentlichen Heim der Jugend. Man frage irgendein Kind in meiner Gegend, wie der Star in diesem oder jenem Film heißt, es wird immer die richtige Antwort geben. Das Kind ist bei allen reizenden Filmschönen, bei jedem Komiker zu Hause und kennt alle zchntklassigen Schauspieler. Am beliebtesten bei der Jugend sind aber die Komiker, Groteskkomiker und Clowns des Films. Fast jeder Junge kann einen Komiker nachahmen, fast jedes Mädchen hat ein halb Dutzend Filmstars auf seinem Imitations- ,,Repertoire‘‘. Die Eltern stehen den Kindern, bewahre, nicht nach, aber sie haben doch weniger Zeit und den Kopf voller Sorgen. Jedenfalls blüht in meiner Gegend die Kino- Wissenschaft. Wa' s i c h t meine Gegend im Film? Vor einiger Zeit haben bekanntlich fromme Geistliche und sonst wohlgesinnte Amerikaner es unternommen, das Filmwesen zu reinigen. Und sie haben Erfolg damit gehabt, man sieht jetzt viel weniger Frauen-Nacktheit im Film als vor Jahren. Aber anstatt der körperlichen Blößen sieht man die geistigen. Die meisten Filme zeigen reiche Müßiggänger beiderlei Gc- «chlechfs, die viel Arbeit haben, sich schön zu putzen, in Jüdisches Leben in Danzig Eine Betrachtung über die Judenheit Danzigs zeigt uns, wie eigenartig die Zusammensetzung in dieser Gcmeinde ist. Schon im Anfang des 15. Jahrhunderts finden wir jüdische Kaufleute in Danzig, die Handel mit Polen und Litauen trieben. 1415 kamen die ersten Juden aus Polen nach Danzig und begannen den Holzexport aus Polen über Danzig zu organisieren. 1476 gewährt tiie älteste sich aut Juden Danziger Synagoge Archiv beziehende, vom König Kasimir Unterzeichnete Urkunde zwei uden, Zub und Michael, das Recht, in. Polnisch-Preußen landel zu treiben. Anfang des 16. Jahrhunderts gab es 400 bis 500 Juden, die in der Niederstadt (Langgarten, Milchkannengasse und Mattenbuden) wohnten. Die Judengassc, jetzt in Speichergasse umbenannt, liegt auch nahe der großen Speicher an der Mottlau, jenem Arm des Weichseldcltas, der durch Danzig fliellt. Von der Bildung einer Gemeinde konnte allerdings im 17. Jahrhundert noch keine Rede sein, da Aufenthaltsverbote und -erlatibnisse dauernd wechselten. Im 18. bis 10. Jahrhundert bildeten sich dann in den damaligen Vorstädten vier jüdische Gemeinden mit besonderen Synagogen. Es waren: Altschottland, Weinberg, Mattenbuden und Langfuhr. In einer derselben wirkte der berühmte jüdische Gelehrte T i f e r e t h J i s r a e I, an einer anderen Dr. G r o n e - mann, der spätere Landrabhincr von Hannover und Vater von Samitiy Groneniann. Erst als in den preußischen Freiheitskriegen die Vororte Langfuhr und Altschattiancl zerstört wurden, durften die dort ansässigen Juden in die Stadt ziehen, aber behielten die Sondergemeinden und Synagogen bei. Erst 1818 wurde die erste Synagoge in der Stadt selbst erbaut, und zwar von der Altschottländer Gemeinde. Eine andere Synagoge, die später auf Mattenbuden gebaut wurde, wird bald ihr fOOjähriges Bestehen feiern können. Diese Synagoge ist heute die konservative Gemeinde-Synagoge. Eine traditionelle Gemeinde ist Danzig niemals gewesen, vor allem deshalb, weil sie erst zu spät eine Gemeinde konstituierte und diese auch dann noch in verschiedene Sonäergemcinden zersplittert war. Als 1SS7 endlich die Einheitsgemeinde geschaffen wurde, war es eine typisch liberale Gemeinde, ein echtes Kind ihrer Zeit. Im selben Jdire wurde auch die große Orgelsynagoge erbaut. — Das religiöstraditionelle Element ist vor allem bei den ostjüdischen Oemeindcmitgliedern bedeutsam, deren Zahl allerdings erheblich ist. Nach der Volkszählung vom 18. August 1929 gab es in Danzig 7737 Juden, davon 2333 Danzlgcr Staatsangehörige. In Danzig Stadt waren es 5765, in Zoppot 1717, der Rest verteilte sich auf den Freistaat, in dem jetzt so gut wie kein« Juden mehr leben. Im Herbst 1037 schätzte man die Zahl der Juden In Danzig auf zirka 10 000. Aber auch in Danzig ist die Zahl der Juden in stetiger Abnahme begriffen und Ausvaiiderungs- und Umschichtungs-Probleme nehmen einen sehr großen Teil der Jüdischen Arbeit in Anspruch. Mail schätzt die Zahl der seit dem Herbst 1937 Ausgewanderten auf 1000 bis 1500 Personen. Von jeher hatte Danzig ein starkes zionistisches Leben. Im ücmeimlclebcn ist auch hier das Fifty-Fifty-Prinzip durchgesetzt. Von den zionistischen Bünden ist der ״Habonim“ der bedeutendste. Auch der Danziger Blauweiß spielte seinerzeit eine sehr wichtige Rolle im zionistischen Leben Deutschlands. Einige Jahre bestand auch eine HachschaTa im Freistaat (Sclioneberg). Die Hauptarbeit der Zionistisehen Organisation ist jetzt neben der Seminartätigkeit der Jugendalija gewidmet. Nachdem in früheren Jahren einzelne Jugendliche nach Erez Jisrael gingen, ist im Frühjahr 1938 zum erstenmal eine geschlossene Gruppe von Jugendalija nach Tel Chaj gegangen. Im Herbst dieses Jahr« hofft man eine zweite Gruppe ins Land zu bringen. Auch das allgemeine jüdische Leben ist bedeutsam. Die hebräische Arbeit ist auf eine größere Basis gestellt worden. Neben einer allerdings kleinen Sprachschule für die Jugend, die noch nicht von den jüdischen Schulen erfaßt ist, gibt es für Erwachsene eine Hebräische Gesellschaft, die zur Zeit in vier Kursen lernt. Auch die jiddische Sprache wird gepflegt. Es erscheint eine Woehenzeitung in jiddischer Sprache, und jeden Winter besucht Danzig ein jiddisches Theater ans Polen. Weiter ist die Arbeit des Jüdischen Clubs zu erwähnen, der mit seiner Vortragstätigkeit und seinen Arbeitsgemeinschaften eine rege jüdisch-kulturelle Tätigkeit entfaltet. L>as wesentlichste sind aber wohl die beiden jildisehen Schulen, eine Volksschule mit zirka 450 Schülern und eine höhere Schule, die im kommenden Frühjahr das erste Abiturientenexamen abzuhalten hofft, mit zirka 200Scl1ülern. Hier wird den Kindern neben den allgemeinen Lehrplanen der betreffenden Schulen die Kenntnis des Hebräischen vermittelt, ferner jüdische Geschichte, Judentums- und Palästinakunde u. a. ni. Kein jüdisches; Fest vergeht, das nicht in der Arbeit der Schulen seinen Niederschlag findet, und das nicht mit einem Oneg oder einem Neschef ausklingt. Auch Gartenbau und Werkunterricht nehmen einen gebührenden Platz ein. Dr. M. Litten l'rivalß höhere jüdische Schule Zeichnung Hans Wallenberg kostbaren Automobilen zu fahren, in Palästen zu leben, in teuren Betten zu schlafen, in teuersten Restaurants zu essen und sieh von Butlers, Zofen, Chauffeuren und Dienern hedienen zu lassen. Da wird leicht geheiratet und noch leichter geschieden. Es gibt keine schwer arbeitenden Menschen in diesen Filmen, es ist eine leichte, glückliche Weit voll schöner Frauen, reicher Erbschaften, Millionenonkeln und tausend Vergnügungen, von denen eine immer pikanter als die andre ist. Der junge Mann mit gesundem Bizeps, sorglosem Lächeln und unerschöpflichem Bankkonto ist der Held, die junge Dame, die fünfzehn oder zwanzig Mal am Tage sich umzieht, übermütig flirtet, übermütig heiratet und übermiitig sich scheiden läßt, ist die Heldin. So ists in den guten Filmen. In den schäbigeren ist die Welt ganz anders, ln den schlechten Filmen ist die Welt voll von Gangsters, schreckliehen Erpressern, wunderbaren Detektiven oder flinken Reportern. Manchmal ist ein Mädchen das grandiose Wesen, das eine Verbrecherbande entlarvt oder einen maskierten Erpresser zu packen kriegt. Und damit stopft man tagein, tagaus die guten Leute meiner Gegend. Und versäumt einer aus meiner Gegend einmal, das Kino zu besuchen, so hat er zu Hause sein Radio, das ihm die löhne ersetzt. Im Radio genießt er dieselben Ko■ miker und Spaßmacher und fast die gleichen Stars. Alles in der gleichen Qualität, für den Durchschnittsgeschmack zugeschnitten. Das Radio hat noch den Vorzug, daß man seine Waten frei wählen kann, wie im Warenhaus; man kann die intellektuellen Sendungen, die langweiligen Fein• schmcckcrcicn, die plaudernden Literaten ahstdlcn, du kannst deine Künstler, deine Lieblinge, deine Komiker anstelle!!, die so wunderbare Witze machen, die so pikante Geschichten erzählen. Und wenn ich durch meine stille, bürgerliche Gegend spaziere, höre ich aus jedem Fenster das froheste Lachen. Die Lautsprecher tönen, die beliebtesten Spaßmacher stellen mit ihrer gutnmibiegsamen Zunge die Welt auf den Kcpt, es ist fröhlich, sehr fröhlich am Abend in meiner Gegend, und aus den sieben Kinos schallt das Massengelächter der Tausende heraus. Dann meine ich, daß meine Gegend, meine stille Gegend, die glücklichste auf Gottes weiter Welt ist. Und wenn ich mich abends verirre und an einem der erloschenen Bethäuser mit den finstern, wie blinde Augen finstern Fenstern vorbeikomme, wenn ich auf die ärmlichen jüdischen Schulen stoße mit den bescheidenen Plakatchcn: ״Juden, schielst eure Kinder in eine jüdische Schule!“, und wenn ich das schöne Gebäude unseres jüdischen Zentrums mit den häßlichen Plakaten verklebt und behängt sehe, erwacht in mir ein nagendes Mitleid mit unserer armen, alten Jiidischkcit, die sich vermißt, mit Kino und Radin, mit den wunderbarsten und neuesten Erfindungen zu kämpfen. Es ist doch die alte Geschichte von David und Goliath. Aber selbst David würde nicht auf einen heutigen Goliath losgehen, Und Jahr für Jahr höre ich immer weniger die jiddisehe Sprache in meiner stillen jüdischen Gegend. Meine Gegend assimiliert sich. An wen? Mein Viertel ist keine amerikanische, cs ist eine jüdische Gegend. Aber Juden zeigen, daß es Wunder gibt, sie assimilieren sich an sich seihst. Eine merkwürdige Assimilation, Assimilation an sich selber. Es ist doch Tatsache, meine stille Gegend assimiliert sich mächtig und wuchtig, aber das Objekt, das Volk, dem sie sich assimiliert, ist nicht da, es gibt keinen Amerikaner in meiner Gegend. Also assimiliert sich meine (legend an Film und Radio, an die Schatten von Amerikanern auf der Leinwand und ihre Stimmen im Lautsprecher. (Aus dem Jiddischen: L. H.) Richter Cardozo Aus Amerika kommt die Nachricht, daß der Richter am Obersten Bundesgericht Benjamin! Nathan Cardozo am 9. Juli im Alter von 68 Jahren gestorben ist. Er war neben Brandeis als Mitglied des höchsten amerikanischen Gerichts eine der hervorragendsten Figuren des amerikanischen Judentiuns. In der Zeit, als das Bnndesgericht sich mehrfach mH den New Deal-Gesetzen zu befassen hatte, gehörte gt zu denjenigen, die unerschütterlieh auf der Seite Rooseveits standen. Er war zuerst im Koilegiusn mit seiner Ansicht ziemlieh allein; während der letzten Jahre gelang es ihm jedoch, die .Mehrheit der Mitglieder auf seine Seit« zu ziehen. Cardozo war '20 Jahre hindurch im Obersten Gerichtshof des Staates New York tätig und hat verschiedene Bücher und Essays gcschrieben, 1932 wurde er von Roosevelt zum Richter am Obersten Ai-ch!« Bundesgericht ernannt. Cardozo wurde am 24. Mai 1870 in New York geboren. Er lebte zurückgezogen und nur seiner Arbeit. Im Januar 1938 wurde bekannt, daß er schwer erkrankt war; nach seiner Genesung bot er Roosevelt aus Gesundheitsrücksichten seinen Rücktritt an, doch lehnte der Präsident damals ab. Jetzt hat es sich leider erwiesen, daß diese Genesung nur vorübergehender Natur war, und daß sein geschwächter Körper der Fülle der Arbeit nicht mehr standhalten konnte. Im jüdischen Leben ist Cardozo nicht aktiv hervorgetreten.