Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 56 (15.7.1938)
- Date
- 1938-07-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit® 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 56, 15. VII. 1938 Familiennamen Daß sich Länder- und Ürtsbezekhnungen als Familiennamen bei keinem Volk so häufig finden wie beim jiidisehen, ist eine unmittelbare Folge seines Oaluth-Schieksals. Die unsteten äußeren Lebcnsbedingimgen mußten die Entstehung von Beinamen nach der Herkunft fördern. Dazu kommt, daß neben starkem Familiensinn eine große Anhänglichkeit an die Stätten der Kindheit von )eher eine charakteristische Eigenschaft der Juden war, so daß die Erinnerung an die Länder und Orte, in denen man sich einst zu Hause fühlte, noch Jahrhunderte in den Beinamen wachgehalten wird. HcrkunHsbezaiclm trogen Bereits zu Beginn des 2. Jahrtausends tauchen solche Herkunftsbezeichnungcn als feste Nach- und Familiennamen auf. Dabei werden die Länder und Orte gern ins Flebräische übersetzt oder im Sinne bestimmter Bibelstellen aus gedeutet. So Z. B. wurde Frankreich als das in der Bibel (Owadja 20) erwähnte!.and Zarefat gedeutet, das ursprünglich die Grenze bezeichnet(!, wie weit die Zerstreuter, Jisraels. einmal kommen würden. Der älteste zu ermittelnde Angehörige der Gelehrten-Familie ״Zarfati“ dürfte wohl Rabbi Mcir ha-Kohen Zarfati sein (gest, 1263 zu Toledo). Fleute kommt der Name noch als ״Sarfati“, ״Szarvas", ״Scrvos“ vor. In Frankreich selbst wurden als Beinamen hebraisiert die damals bedeutenden Gemeinden Luncl zu ״Jarchi“ (jareach =־* Mond), Argentiire zu ״Kaspi“ (kessef Silber), Montpellier zu ״Hari“ Briefmarken Fritz Lewin LUtzawstr, 91A (har Berr), Florenz,ו zu ״Parchi“, ״Farchi“ (perach ־־־ Blume), in Rom l1״־!c Leone zu ..Schnrarji׳• (schaar Tor, arie ־. l.dwc). Mit dmi an der gleiche״ Bi boisteile und im gleichen Zusammenhang vermerkten Lande Ssefarad wurde Spanien identifiziert. Die aus Deutschland und den angrcnz.cnden Gegenden Osteuropas gekommenen Juden wurden von den sefardischcn (ans Spanien und Portugal vertriebenen) und orientalischen Juden ״Aschkcnasi“ genannt, weil der in der als Geschichtsquclfc «so bedeutsamen Volker-Genealogie von 1. Buch Mos. 10, .3 erwähnte ״Aschkctias" (hohn des Gomer, d. i. Enkel des Japhct oder Urenkel des Noach) von der jüdischen Ucberlieferung .seit den! frühen Mittelalter als Germanien“ gedeutet wurde (wahrend der Talmud hinter ״Gomer“ Germanien vermutet)! In Italien wurden die Juden ans Deutschland ״Eskenezi" (Aschkcnasi) und ״Tedeschi“, ״Tcdcsco“ (Deutsch) genannt im deutschsprachigen Donauratim ״Deutsch״ ,״Dnitschmann“, ״Deutsclilaitder“, ״Tcutsch“, in den slawischen!..andern ״Nemez“ ,,Nemitz״ (slaw. ״Nicmzi" -- ״die Stummen“ die nicht mit den ״Slawen“, den ״Redenden“ von slowo Tort' sprechen können. In dem Brief des Chasdai ihn Scbaprut an den König der Cliasaren heißt Deutschland ״erez nemez“. Die Juden in Deutschland ihrerseits gaben den aus den romanischen (welschen) Landern stammenden Personen und Familien den Beinamen ,,Wallach“, ״Waliich“, ״Wahl“, ״Wall“. ״Weltsch“ (״Welsch“ auch von Weiish, Ort in Weißrußlana). nicht aber ״Spanier“; dieser Name, der in Frankfurt a. M. um 1600 auftaucht, geht der Ucberlieferung nach auf eine Deputation zurück, die die Frankfurter Juden zur Wahrung ihrer Rechte an Kaiser Karl V. nach Spanien gesandt hatten. Die im FF Jahrhundert vor den JiKicnverfolgungen jener Zeit in das Polen Kasimirs des Großen üefluchteten wurden von den dort bereits ansässigen Juden mit ״Bloch“ bezeichnet; so lautet die jüdische Sprechweise des slawischen ״Wlwh", d. i. ,.Welscher“ im Sinne von Testländer, Westjude. Auch als ״Biogg", ״Block“ ״Blach“ ״Wlacb“ kam der Zuname dann nach dem Westen, als im 17. lahrhundert infolge der Pogrome des ukrainischen Kosakcn-Hetmartes Chmielnizki (1648—165$), eine rückläufige Wanderbewegung einsetzte, die auch die Beinamen ״Polak“, ״Pollack“; ״Bollag“, ״Pohl" ״Poiiakof" in Böhmen ״Polatschek“, ״Plac'zek“, in Italien ״Polacco“, in Ungarn ״Lengvel“ (־־ magyar. Pole) sich noch weiter ausbreiten ließ. Die polnischen Juden wiederum benannten die litauischen ״Litwak", ״Litwin", die böhmischen wurden als ״Boehm" ״Behm", ״Böheun“. ״Beheim“, tschechisch als ״Behmak" bezeichnet, die märischcn als ״Merländcr“ ..Mrbriandcr", ...Morawcz“, ״Morawski“, ״Morawczyk“ (tschechisch Monro a ■• Mahren). Und so tauchen mit den Wanderungen und Vertreibungen überall inmitten fremder Gemeinden' ״Landsinannschafler“ auf: ״Mal“, ״Schweitzer“, ״Elsas", ״Schwab“, .,Schwöb“ ־=־ tschechisch ״Swoboda“, . ״Hes“, ״Sch ״Moldauer", ״Podolski“ Südliche"'). 'Der Name Ries-Gau zunick, in 1“, ״ließ“,!Flandern), ״Dehn“ ettingen Gabriel c Jakob Katzen- :, ״Luzatto“, die fiel ein teil und AHBPSweps0pnung.i1;::):,::-״.,::;־s-ä;.s:■: Philipp Ucko, »«l'ln-Wilmrr.dor(, H״na»״hurfi.rh. StrsB, 22 / Huf DB 7' hebräische Abbreviatur, nämlich die Zusammenziehung der Anlaute von ״sera kodesch schcmo“ ־= Nachkomme des Heiligen ist sein Name“ (der Urahn der Familie Sachs starb den Märtyrertodj. Die Namen ״Aal“, ״Hecht", ״Lachs“, ״Lax“, ״Karpf“, ״Forel“, ״Forell“ weisen familierigeschiehtlicli nach dem Ort Rybrtik in Polnisch-Oberschlesien, der zu Deutsch ״Fischort“ heißt (polnisch ryba Fisch). Die Namen ״Wandermann“, ״Galutmann“, ״fntrator“ (lateinisch Einwanderer), ״Chitz“ (hebräisch chuz le-arez außer Landes) künden von echtem Judenschicksal. Ortsnamen Wie die Länderso entwickelten sich auch die Ortsnamen in der Regel dadurch, daß ihre ursprünglichen Träger den Namen ihres Wohnortes oder der Geburtsstadt mit dem Vorzeichen ״ מ׳aus“, ״von“, lat. ״de“, span, und portug. ״da“, ital. ״di“ ln Verbindung mit ihre!» hebräischen Rufnamen brachten. Bei Wechsel des Aufenthaltes benannte sich die gleiche Person oder Familie nacheinander wohl auch nach verschiedenen Orten. Obligatorisch wurden die regulären, festen Familiennamen bekanntlich erst im Verfolg der Namensedikte der Emanzipationszeit. Bleibt man für diese Befrachtung bei den Juden des deutschen Sprachkreises, so ist noch heute aus ihren Familiennamen deutlich zu erkennen, in welchen weltlichen und geistlichen Staaten sie bis gegen Ende des IS, Jahrhunderts als Schutzjuden lebten. Danei ergibt sich, daß das Hauptsiedlungsgebiet der Juden in Deutschland seit Ihrem frühesten Vorkommen das gleiche und Wanderung blieb: der Stromkreis des Ober- und Mittelrheins, also die Gebiete von Hessen, Franken, Schwaben, Pfalz-Neuburg, Kurpfalz, Elsaß und Vorarlberg bzw. die Erzbistümer Köln, Mainz, Trier. Schon im 15. Jahrhundert bczeichnetcn im Rhein-Main- Oau (Frankfurt) die Wörter ,,Auerbach“, ״Bacharach“, ״Bing“ (Bingen), ״Bonn“, ״Epstein", ״Fuid“ (Fulda), ״Gugenheiin“ (i. Hessen-Darmstadt bzw. Kurpfalz), ״Landau“, ״Mainz“, ״Oppenheim“, ״Speyer“, ״Wcrtheim“, ״Worms“, ״Zuriz“, ״Zuntz“ (Zons a. Rh.) nicht mehr die unmittelbare Herkunft der Träger dieser Namen, sondern hatten sich bereits zu festen, erblichen Geschlechtcrnamcn mitgliedcrrcichcr Sippen entwickelt, und es ist recht bemerkenswert, daß manche süddeutschen Ortsnamen nicht viel später auch unter den luden Osteuropas feststellbar sind und hier die regulären Nachnamen weitverzweigter Familien wurden. So z. B. bezeichnet der Name ״Auerbach“ (vom Ort A. an der Bergstraße), russisch-jüdisch ״Awerbach“, ״A verbuch“, polnisch-jüdisch ״Orbach“, ״Urbach“, eine durch die Lückenlosigkeit ihrer 17 Generationen enthaltenden Ahnentafel und hervorragende Vertreter bekannte Familie. Der Name der Lewiten-Familie ״Epstein“ (״Ebstein“, ״Eppstein“, ״Eppcnstein“, ״Ebenstem“), der auf den Ort im Taunus z.urückgcnt und z. B. in Frankfurt urkundlich 1392 belegt ist, gehört zu den ältesten jüdisehen Familiennamen auch in (len slawischen Ländern, wo er seit der Mitte des 15. Jahrhunderts vorkommt und u. a. durdh die Prager Druckerfamilic Epstein vertreten ist (1522). — Der Name ״Landau“ gelangte durch Jchuda Löw Landau nach der Judenausweisung gegen Ende des 15. Jahrhunderts nach Italien. Die Ahnenfolge dieser wcitverästclten Lcvvitcn- Familie läßt sich bis auf Mosche ben Jckutiel ha-Lcwi Landau nachweisen, der um 1540 in Prag lebte und 1561 in Krakau starb. — Der sehr häufige Name ״Ofinzbttrg“ geht auf die ehemalige freie Reichsstadt an der Donau zurück, wo ein Teil der LKW aus Ulm vertriebenen Juden Aufnahme fand und sich dann ״Ulmo-Günzburg“ nannte. Der nachwcisbarc Stammvater der Familien ״Oünzburg“, ״Ginsburj{“, ״Ginzburk“, ״Ginzbcrg“, ״Ulmo“, ״Ulmann“, ״Ullmann“ ist Schimcon Giinzbiirg (1506—1586). Und weil ein nach dem Osten versprengter Zweig cs zu hohem Ansehen in der jüdischen und nichtjüdischen Welt brachte (1872 durch den Großherzog von Hessen geadelt) und jüdisclte Volksverbundenheit bewies, nahmen anläßlich der Namensfcstlegung in Rußland (1804) viele russische Juden den Natjjen ״Günzburg“ (oder eine Nebenform) an. Sein häufiges Vorkommen mag auch daher rühren, daß die Stadt Königsberg i. Pr. von den russischen Juden, die zu ihr lebhafte Handelsbeziehungen unterhielten, ״Kinzbcrgen“, ״Ginzberg“ gesprochen wurde. — ״Heilbronn“, ״Heilbrunn“ wird in Frankfurt 1508 als ״Heilpern“ erwähnt und ist als ״Heilfronn“ (hebräisch ״p“ =״ ־f“), ״Heilbronncr“, ״Bronncr“, ״Heilprin“, ״Halpern“, ״Halpert“, ״Haiprin“ unter den Juden Mittel- und Osteuropas ein weit verbreiteter Name. Da die Russen und die im Innern Rußlands aufgewacbscneti Juden — gleich den Franzosen — den Buchstaben 11״" nicht aussprechen können (das russische Alphabet besitzt ihn überhaupt nicht), so nennen sich die russischen Namensträger auch ״Galpcrn“, 0,1״!perin“, ״Alpern“, ״Alpar“, ״Alperowitz“ (slawisch ״ -wice“ - ״—sohlt“). Viele russische Juden rühmen sich, die Nachkommen des Minskcr Rabbiners und Historikers Jechic! Hcilprin zu sein (1666—1746). In der jüdischen Form ״Halpern“ hat sich die ursprüngliche altdeutsche lautgetrcu erhalten: Hallbronn Salzbrunnen. eine Verbindung mit einer dortigen Familie erfolgt und so der Name ״Rape-Porto“ entstanden sein, der als ,,Kapoport“, ״Rappaport“ unter den mittel- und osteuropäischen Juden weit verbreitet ist. Der nachweisbare Stammvater ist Menachem ben Jaakow ha-Kohcn in Porto, der als Arzt (hebräisch rofe) seinem Namenszug hinzufügte: ״rofe Porto“ (Arzt in Porto); er starb am 30. 12. 1596 in Porto. Alle Rappaports sind Kohanim. — Ebensolche Verbreitung als Familienname bcsonders im Osten weist als eine der ältesten Judengemeinden in Deutschland ״Speyer“, ״Speicr“ auf, meist in der alten deutschen Form ״Spira“, ״Spiro“, ״Spiero“, ״Spier“ gebrauchlieh oder — infolge Umschrift mit hebräischen Lettern — als ״Schapira“, ״Schapiro“, ״Sapira“, ״Sapiro“. In Rußland läßt sich der Name bis auf den Grodnoer Rabbiner Natan Spiro verfolgen (gest. 1577), der ein Nachkomme Raschi's war. Die Formen ״Schapira“, ״Schapiro“ werden auch vom talmudischen Adjektiv שפר bzw. vom biblischen ״ =) שפלschön“, I. Mos. 40, 21) abgeleitet und mit den Namen ״Schefcr“, ״Schäfer“ in Zusammenhang gebracht. Zu den ältesten Beinamen der aschkcnasischen Juden gehört auch ״Treves“, ״Trewes“, die französische Form für ״Trier“ (als Römergründung ״Augusta Trevcrorum“), seit dem 12. Jahrhundert in Frankreich, Italien, Deutschland und Türkei vorkommend und von bedeutenden Vertretern getragen. Der russische Zweig schreibt sich ״Triwusch“, ״Triwasch“, ״Tribas“. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts wird im Elsaß die Form ״Dreifus“, ״Drcyfus“ gebräuchlich. Zu Sulzmatt, dort ist 1694 die Form ״Tryfus“ urkundlich belegt, um dann in Frankreich in ״Trcfouss“ überzugehen. Als 1555 unter Kurfürst Johannes IV., Grafen von Isenburg, die Juden aus Trier ausgewiesen wurden und meist in das benachbarte Elsaß wanderten, wurde auch hier — wie überall — auf den Einwohncrlistcn, da keine Familiennamen angegeben werden konnten, zum hebräischen Rufnamen der Herkunftsort Trhves oder (als Kürzung für ״Treveranus“) Trev’us hinzugeschrieben. Da aber die Sprechweise ״ei“ statt ״e“ eines der wesentlichsten Kennzeichen der jiidischdcutschcn Mundart Ist, so konnte Trcves-Trevus von den Juden kaum anders als ״Drcifus“ gesprochen werden, wobei wohl auch die Volksetymologie mitwirkte. — Ein typisch süddeutscher Name — da nördlich des Mains erst im 19. Jahrhundert vorkommend — ist ״Weil“ (״Weil!“, ״Weyl“, ״Weiler“, Wyler“, ״Wieler“ u. ä.L Die meisten Familien dieser Namen entstammen dem gleichen Geschlecht, dessen Ahnenfolge im Mannesstamme ununterbrochen durch 17 Generationen nachweisbar ist bis auf den Stammvater ״Jchuda“ in ״Weil der Stadt“ in Ober- Schwaben, der um 1360 geboren sein dürfte. Dessen Sohn . (1380—1456), legte sich als Erster den Namen seines Stammortes als Sippennamen zu, und alle Abkömmlinge führten ihn weiter. ,,Berühmte“ Namen Nicht alle Träger der aufgeführten Namen dürfen behaupten, daß ihre Vorfahren einst in jenen Orten heimisch waren. Im Zuge der Namensgesetze der Emanzipationszeit war das Motiv für die Annahme eines bestimmten Ortsnamens bisweilen ein rein willkürliches. In Süddeutschland z. B. wurde um 1800 vielerorts der ״berühmte“ Name ״Oppenheim“, ״Oppenheimer“ angenommen. In Rußland nannten sich viele Familien ״Gtinzburg“, Das veranlaßte das Haupt des Grodnoer Zweiges der ״echten“ Oünzburg, Dow Bär Gi'mzburg, beim russischen Staatsgericht eine Beschwerde einzureiehen, daß nur solche Hausväter berechtigt sein sollten!׳ sich künftig ״Oünzburg“ zu nennen, die den Nachweis zu führen vermochten, daß sie auch wirklich dieser Familie entstammten. Der Beschwerdeführer wurde alter abgewiesen. Allgemein jedoch ist das Festhalten am Herkunftsnamcn eine Erscheinung, die sich auf alle Teile der Judenheit erstreckt. Wie die Sprachen der Heimatländer bei den Wanderungen mitgenommen ttnd oft Jahrhunderte lang bewahrt wurden, so auch die Familiennamen der Voreltern, die vielfach den Stammorten entlehnt waren. In Saloniki z. B., dessen etwa 70000 sefardisdte Juden mehr als 40 Gemeinden bilden, haben diese ihre Namen Bekannte Familien Auf die nassauische Grafschaft ״Katzenelnbogen“ (in latelnischen Urkunden ״Cattimelibocus“, d. i. ״Melibokus der Chatten oder Karten“), als Beiname einer Judenfamilie in Frankfurt 1393 vermerkt, geht die Familie gleichen Namens zurück. Ihre Glieder schreiben sich auch ״Bogen“, ״Bogner", ״Bochncr“; ״Kaznelson“ bedeutet Katzenelnbogen-Sohn. Der polnische Eintagskönig Saul Wahl Katzenelnbogen (15. August 1587), zu dessen Abkömmlingen in sechster Generation u. a. Moses Mendelssohn gehört, entstammt dieser Sippe. Der Name ״Wahl“ wird übrigens auch mit der Wahl zum Polenkönig in Verbindung gebracht, — Nach Mainz weisen die Namen ״Mcnz“, ״Minz“, ״Mintz“, ״Münz“, und zwar aut den Stammvater dieser Familien Rabbi Elicscr, der gegen Ende des 14. Jahrhunderts in Mainz lebte ((מענץ im rheinischen Volksmund noch heute ״Mähnz“). Dessen Sohn Jehuda ben Elieser Menz oder Minz (1408—1509) floh bei der am 29. Oktoher 1462 erfolgten Austreibung der Juden aus Mainz nach Padua in Italien, von wo aus sich dann die Familie weit verästclte. Am gleichen Tage flüchtete die Mainzer Priester- Familie ״Rappe“, ״Rape“ oder ״Rabe“, deren erster bekannter Namensträger Meschullan Jckutiel Rape ha־Kohen Zedek war, nach Porto bei Mantua in Oberitalien. Hier soll durch Heirat Derelegi BERLIN KurfUr.t«nd». Elng.Grolm« e F)omcn., der vornehme Herrei ־״E ILa Florida G.HORENCZYK nach jenen spanisch-portugiesischen Städten erhalten, aus denen die jüdischen Oriinder-Familieii einst vertrieben worden waren. So gibt es Kchi 110t mit den Namen Aragon, Catalan, Sarazona, Lisbona 11. a. Die gleiche Erscheinung bei den Fantiliennamen: was bei den Aschkenasim die Spcycr-Spira-Schapira, die Günzburg-Giitsberg, die Hci'pe n-Galpern-Alpar, die Auerhach, Landau, Epstein, Oppenheim usw., das sind bei den Scfardim die ״Aguilar", ״Rcltnonle“, ״Catalano“, ״da Costa“ («־־ von der Küste), ״Cordovcro“, ״Delmonte“, ״d’Espinoza“, ״Ferro“, ״da Fonscca“, ״Gattcgno“, ״Geroncli“ (uerona), ״Labado“, ״de Lcmos“, ״de Lima“, ,,Lisbona“, ״Magreso“, ״Mesquita“, ״Modiano“, ״de Palma“, ״Percira“, ״Pesaro“, ״Rosanes“, ״da Silveira“, ״Texcira“, ״Toledano“, um nur die wichtigsten zu nennen. An der flandrischen Küste wurden die Namen der Flüchtlinge aus Spanien und Portugal bisweilen verdeutscht: Delmonte in ״van den Bergli", Belmonte in ״Sehonenberg“, da Silveira in ״van der Walde“. Gustav Samuel Offene Auslandsstellen (genehmigt durch das Landesarbeitsamt Brandenburg). Es werden gesucht. 1. Für Indien: a) ein jüdischer Chemiker mit praktischen Kenntnissen von Analysen über Rohstoffe; b) ein jüdischer Werkiehrer für eine neu zu gründende Knabenschule, der auch Unterricht in Basteln, Tonarbeiten geben kann und ein guter Pädagoge ist; c) ein jüdischer Psychotcchnikcr für dieselbe Scmile, der die Kinder vor ihrer Schulentlassung auf ihre Berufscigming prüft; d) eine jüdisclte Montcssori-Kindergärtnerin zur Erziehung eines zweijährigen Kindes. Sie muß über 35 Jahre alt sein und über gute englische Sprachkenntiiisse verfügen (zweijähriger Kontrakt), — 2. Für die Philippinen: a) jüdische Automechaniker; b) jüdische Zigarren- und Tabakfachleute; c) jüdisclte Damenschneiderinnen für Stilkielder; d) jüdische Bücherrevisoren. — 3. Für eine Familie in Belgien eine erfahrene jüdische Hausangestellte, die auch die rituelle Küche beherrscht und alle im Haushalt vorkommenden Arbeiten verrichtet. Die Betreffende muß absolut selbständig sein. Der Haushalt bestellt aus einem jungen Ehepaar ohne Kinder. Gutes Gehalt wird geboten. — Ausführliche Bewerbungen nur auf Luftpostdünnpapier, Lebenslauf, Zeugnisabschriften und Paßphoto werden ausschließlich durch die Jüdische Gemeinde, Berlin SW68, Lindenstr. 48—50, weitergcleitct, Die Staatsangehörigkeit ist wegen der Verschiedenartigkeit der Einreisebestimmungen in jedem Fall anzugeben. Bitte um Bücher. Der Hilfsverein bittet um Lieberlassung von Bücherspenden, die zum Teil nach Bogota (Co-!umbien) und zum andern Teil an die Ica-Kolonien in Entre Rios (Argentinien) weitergcleitct werden sollen. Da diese Bücher dazu bestimmt sind, unseren Auswanderern in Uebersee Freude und Belehrung zu schaffen, muß es sich hauptsächlich um Bücher gediegenen Inhalts aus der jüdischen oder der allgemeinen Literatur handeln. Die Spenden sind zu richten an den Hilfsvcrcin der Juden in Deutschland, Informationsabteilung. Berlin W 35, Lmlcndorffstr. 20. Todesfall. Mit Heinrich Koplowitz, der am 20. Juni in Chorzow (früher Königshütte, O.-Schl.) starb, ist die hervorragendste Persönlichkeit des Zionismus in Ost-Ober- Schlesien dahingegangen. Iler Verstorbene hat noch die Frühzeit der zionistischen Bewegung gesehen, stand Herzl persönlich nahe und nahm an den ersten Kongressen teil. Nach der Abtretung Ost-Obcrschlesicns blieb er an der Spitze der zionistischen Ortsgruppe Chorzow. Vor drei Jahren wurde, er als Delegierter für die Wojwodschaft Schlesien zum XIX. Kongreß gewählt. Auch im allgemeinen jüdischen Leben spielte er eine Rolle, er war jahrelang 1. Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Chorzow lind Präsident anderer jüdischer Vereinigungen. Ilse Münzer 9,^cfafke Aus der ״JÜDISCHEN RUNDSCHAU" v. 18. 7.1913! England: Durch die Wahl Mr. Samuels zum Abge■ ordneten von Wandsworth beträgt die Zahl der jüdischen Abgeordneten im englischen Unterhause nunmehr 17, Aus der Kolonie Gliederet, Von seiten des Jü■ dischcn Nationalfonds wurden hier für die Jemeniten 20 Häuschen aus Zement st einen, außerdem drei solide Holzbaracken, enthaltend 24 Zimmer, nebst einem Zu• hau von sichen Zimmern zum Ledigenheim für asch■ kenasische Landarbeiter gebaut.