Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 56 (15.7.1938)
- Date
- 1938-07-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 56, 15. VII. 1938 jüdischen Vertretern darüber informiert, daß auch in in* dern europäischen Ländern ein brennendes jüdisches Wanderungshvdürfnis besteht, das bis 1922 von Amerika befriedigt wurde und heute ausweglos ist. Das Komitee behält sich vor» später auch dieses Gebiet cinzubeziehen. Einzelwanderung oder Mauensiedluag? In cin/elne Streitfragen, über die auch innerhalb des jüdischen Lagers keine einheitliche Meinung besteht, ist die Konferenz gar nicht eingetreten, etwa die Frage, ob eine Lösung des Wandertmgsproblcms in der heutigen Form der Zulassung individueller Einwanderer in einzelne Länder möglich ist oder ob es nicht notwendig wäre, ein dünn besiedeltes koloniales Territorium für geschlossene Massen- Aiisiedlung zur Verfügung zu stellen. Ein/eine Vertreter von Regierungen bekannten sich deutlich zum System der Einzel• ein Wanderung; z. b. der Vertreter Argentiniens sprach in einer sehr scharfen Form den Wunsch aus, daß die Ein- Wanderer, die nach Argentinien kommen, mit allen Traditionen ihr<es Ursprungslandes brechen und sich einzeln ganz dern argentinischen Leben duftigen (״wer das nicht will, soll lieber erst den argentinischen Boden gar nicht betreten“). Die Mög- Iichkcit einer geschlossenen Siedlung wurde in der Plenar- Sitzung überhaupt nicht erörtert, obwohl eine ganze Reihe von jüdischen Komitees vertreten waren, die solche Gedan* ken propagieren (allerlei Territorialsten), ohne freilich ein konkretes Territorium vor/uschlagcn. Die einzige jüdische Ein- Wanderung, die nicht in der Form individueller Infiltration .vor sich geht, ist die nach Palästina. Es hat in jiidisehen Kmsi.11 eini״cs IKtrnmkm erregt, daß der Vertreter Herrenkleidung Knabenkfeidung LUDWIG U־ Englands, das ziigicirh Maml.1tarm.1d1t Palästinas ist, in seiner «rstei'1 Rede nur von den Britischen Inseln und den afrikani- •chen Kolonien sprach, Palästina dagegen mit keinem Wort erwähnte. Mag sei״, daß Lord Winter!״״ mit Rücksicht auf die liberal״ delikate läge in Palästina Instruktionen hatte, darüber zu schweigen, um alles zu vermeiden, was da oder dort zu Mißverständnissen Anlaß gehen oder aber die Widerstände in Palästina verschärfen könnte; immerhin wäre es naheliegend gevesen. hei einer Würdigung der Auswanderung legen, welche Fähigkeit zur Arbeit und zum ökonomischen Aufbau die au«£rcw änderten Juden bewiesen haben. Die J-ewish Agcncv hielt cs für nötig, in einer speziellen Pressekonteren/ in Fvm!1 auf dieses Versäumnis des Vertreters der Mandatarmaclit hin/uweisen und 7.11 unterstreichen, daß Palästina einen gewaltigen Beitrag zur Auswandertingsfragc bereits geleistet habe und auch in Zukunft feisten wird. Neuer Beginn Wenn die Konferenz mit der öffentlichen Sitzung am Freitag beendet «ein wird, beginnt erst die eigentliche Arbeit. Diese Arbeit muß, wenn sic Nutzen bringen soil, In Stille und ohne viel Aufsehen und Publizität vor sich gehen. Es ist eine Arbeit von Tag zu Tag, denn täglich drängt der Auswnndcrcrstrnm. Alle werdet! mit/uhclfcn haben: die großen freiwilligen Hilfsorganisationen, deren bisherige Leistungen immer wieder anerkannt wurden, in öffentlicher Sitzung vor allem von Sir Neill Malcolm, aber auch die ausvvandernden Men-rheu seihst, die durch Verständnis für die läge, durch Anpassung und guten Willen, durch cliaraklerfeste Haltung, auch durch richtige Vorbereitung, zu erdcrimg-land Nut/i;! bmuwn und dein jüdischen Volk Ehre Wie immer!!״ ciu/elnen die Formulierung der Reso- 1111 1 n ״ >:hl,du ich;«nsschen wird, die g r o ß e Bedeut״ n g der K ׳!\ ׳ ־׳ יי > , -tu ־׳\ 711 יחיrk, •inen.^ Sie besteht wamlltingspro/eli, der in Europa eingesetzt hat und vor allem die luden Iwtndi, von der Welt als eines der großen öffentliehen Problem־• unserer Zeit anerkannt^ worden ist, - ein bereits 'ein Parin!, «!11 g e w 3 11 i g e r S c h 1 i 11 v 0 r w ä r t s. Der Bericht der Subkommission Das Dntciknniitee, chm sich mit den Vorschlägen der privaten ()rganmatümrn beschäftigt, stand unter Vorsitz, des australi-dum! 1 .׳mdcBminmters T. W. W h i t e und umfaßte Vertreter folgender Regierungen: Australien, Belgien, Costarica, (.11 ha, 1 r,1־!!ku ich, Großbritannien, Mexiko, Nicaragua, vertraten tau; k’cilic von Organisationen. In dem offiziellen Bericht des Koimiees werden u. a. folgende Personen genannt, die vor der Unter-Kommission berichteten: Sir Neill Maicnlm, Prof. Norman Bentwich, l.ord Morley, Edoitrd Oungre, Miß Ornorod, Rev. Father Odo, Walter Adams, Dr, N. Goldmann, f)r. Ruppin, Dr. Steinberg, Raoul Everad, Rahbi Jona Wise, Mr. Eppstein, Mr. Goodman, Mr. Brotman, Leo Lambert, Mr. Ciourvitch, Mr. Marcovici, Benjamin Akzin, Dr. Brurzku», Pr. Oskar Grün. Unter der! von diesen vertretencn Organisationen werden u. a. folgende genannt: Internationales christliches Komitccc für Nichtarier (London); Zentralhuro für Ansiedlung von Juden aus Deutschland in Die Liste der Delegierten Republik Argentinien: Dr. Tomas A. I e Breton, Botichafter in Frankreich; Carlos A. Pardo, Sekretär der Permanenten argentinischen Delegation beim Völkerbund. Belgien: de Foy, Direktor des öffentlichen Sicherheit*- aintes; J. Schneider, Direktor der Verwaltungs-Abteihing des Auswärtigen Amtes. Bolivien: Simon Patino, Gesandter in Frankreich. Vereinigtes Königreich: Earl Winterton M. P., Kanzler des Herzogtums Lancaster; Sir Michael Palairct, Bevollmächtigter Minister. — Berater: Sir John Slmckburgli, Unterstaatssekretär im Kolonialamt; J. O. Hihbert. Direktor im Kolonialamt; E. N. Cooper, O. B. E, Dircktor im Innenministerium; R. M. Makins, Berater im Ausw. Amt für Völkerbund!ragen (Sekretär der Delegation); Privatsekretäre von Lord Winterton: Captain Victor Ca/alct, M. P., T. B, Williamson, vom. Innenministcrium. Brasilien: Helio Lobo, Gesandter Erster Klasse; Jorge Olinto de Oliveira, Erster Sekretär der Brasilianischen Gesandtschaft. Canada: Flume Wrong, Permanenter Delegierter beim Völkerbmul. Experte: W. R. Kittle, Beauftragter für den Auswandcrungsdienst in 1-oudon. Chile: Fernando Garcia Oldini, Gesandter in der Schweiz und Vertreter beim Internationalen Arbeitsamt. Columbien; Luis Cano, Delegierter beim Völkerbund; Jesus Maria Ycpcs, Generalkonsul in der Schweiz, und Juristischer Berater der Delegation von Columbien beim Völkerbund. Costa Rica: Prof. Luis Doblcs Segrcda, Geschäftsträger in Cuba: Juan Antiga Escobar, Gesandter in der Schweiz, Dänemark: Gustav Rasmusseri, vom Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten; Troels Hoff, vom Justiz• ministeriuni. Dominikanische Republik: Virgilio Trujillo Molina, Gesandter in Frank-reich und Belgien. Ecuador: Akjandro Oastelu Concha, Geschäftsträger. Vereinigte Staaten von Amerika: Hon. Myron C. Taylor, Botschafter in besonderer Mission; James G. MacDcmald, Vorsitzender des Roosevelt-Komitees für Politische Flüchtlinge: Robert T. Pell, Technischer Beirat, von der Abteilung für Europäische Angelegenheiten im Staatsdepartement; George L. Brandt, Technischer Beirat; Hayvard G. Füll, Sekretär des Amerikanischen Konsulats in Genf; George L. Warren, Sekretär im Roosevelt-Koinitee für Politische Flüchtlinge. Frankreich: Henri Börenger, französischer Botschafter; Experte und Sekretäre: M. Brcssy, Bevollmächtigter Minister, Direktor im Auswärtigen Amt; M. Combe•, CH* rektor im Auswärtigen Amt; Georges Coulon; M. Four* cade, Bürochef im Innenministerium; Francois Seydoux, Abteilung Europa im Auswärtigen Amt; Baron Bincard, Abteilung Völkerbund im Auswärtigen Amt. Guatemala: Jos£ Gregorio Diaz, Gesandter in Frank* reich. Haiti: Leon R. Thebatid, Handelsattache in Paris, mit Ministerrang. Honduras: Mauricio Rosal, Konsul in Paris. Irland: Francis Thomas Cremitrs, Permanenter Delegier* ter beim Völkerbund; John Duff, Sekretär im Justiz- Ministerium; William Mnguirc, 2. Assistent im Ministerium für Industrie und Handel. Mexiko: Villa Michel, früherer Gesandter in Großbritannien. Nicaragua: Constantine Herdocia, Gesandter in Großbritannien und Frankreich. Norwegen: Michael Hansson, Richter. Neu-Seeland: W. B. Burdckin. Panama: Dr. Erncsto Hoffman, Generalkonsul in Genf und Delegierter beim Völkerbund. Paraguay: Gustave Wiengreen, Gesandter in Ungarn. Niederlande: Andreas Beuckcr, Chef der Juristischen Abteilung des Auswärtigen Amtes; R. A. Verwey, vom Ministerium für Soziale Angelegenheiteil; I. P. Hooykaas, vom Justizministerium. Peru: Francisco Garcia Caldcron, Gesandter in Frankreich. Sc 11 weden: 0. Endzcll, vom Auswärtigen Amt; C. d. Hailenborg, vom Auswärtigen Amt. Schweiz: Dr. Heinrich Rothmund, Direktor der Polizei- Abteilung im eidgenössischen Justiz-Ministerium; Rechtsanwalt Henri Werner, Rechtsberater im Justiz- und Polizei-Ministerium. Uruguay: M. Carhoncll-Dchali. Venezuela: C. Parra-Pcrez, Gesandter in der Schweiz. Australien: Oberstleutnant Hon. T. W. White, Minister für Handel und Zölle; Alfred Stirling; A. W. Stuart- Smith. Palästina (London); Ica (Paris); Hilfskomitee für Juden aus Deutschland (London); Gesellschaft für die Unterstützung von Wissenschaft und Studium (London); Hilfsconiitc für Flüchtlinge {Paris); Komitee für besondere jüdische Aufgaben (Amsterdam); Schweizerische Zentrale für Flüchtlingshilfe (Basel); Tschechoslowakisches Zentralkomitee für Fluchtiingc aus Deutschland (Prag); Internationaler Wanderung«״ Hilfsdienst (Genf); Internationaler Studcntendienst (Genf); Internationales Komitee für die Unterbringung intellektueller Flüchtlinge (Genf); Joint Foreign Committee des Board of Dcputics und der Anglo Jcwish Association (London); Agttdas D(en.«at, 19. Ju!t/20,T«mmu. *0,1* Uhr, JOd. Brflderrer.lnihiim, Kt1rfUrMtn.tr, 115 116 Trauer des Volkes Wir gedenken Theodor Herzls Et 1pr«rh.n: R.Sbinrr Dr. MbX GrÜneWald Dr. Alfred Klee ZIONISTISCHE VEREINIGUNG FÜR DEUTSCHLAND JEWISH AGENCY FOR PALESTINE JisrocI (London): American Joint Distribution Committee (Paris); Council for German Jewrv (London); Hicem (Paris); Hilfskomitee der Quaker (London); Jüdischer Weltkongreß (Paris); Neue Zionistische Organisation (London); Auswanderungsberatungskomitee (London); Alliance Israclite Universeile (Paris); Komitee für die Entwicklung jüdischer Groß- Kolonisation (Zürich); Gesellschaft Freiland (London); Ort (Paris); Zentrum zur Untersuchung der Lösung des Juden- Problems (Paris); Union der Völkerbundsligcn in London; Jewish Agency for Palestine (London); Gesellschaft Ose (Paris); Ito-vaf Institute for International Affairs (London). Der Bericht des Unterkomitees, der dem Plenum der Konferenz erstattet wurde, endet mit folgendem Satz: ״Die erstatteten Berichte umschließen eine große menschliehe Tragödie, die nach baldiger Abstellung verlangt, und sollten die Konferenz zu einer baldigen gemeinsamen Aktion veranlassen, um sie zu beenden.“ Henri Nathan«en. Am 17, Juli begeht der dänisch-jüdisehe Schriftsteller Henri Nathansen seinen 70. Geburtstag. Henri Nathansen, der einem ganz assimilierten Milieu entstammt, zeigte sich in seinen ersten literarischen Arbeiten als feiner Lyriker, jedoch ohne besondere jüdische Einschlage. Er entdeckt aber schnell das Jüdische als Motiv und findet darin, was ihm eigentümlich und _ bekannt ist. Seine jüdischen Bücher und Schauspiele sind in Dänemark von Juden und Nichtjuden sehr noch geschätzt, ja sein Schauspiel ,,Inden for Murene“ (״Hinter Mauern“) gehört zu dem festen Repertoire des Königlichen Theaters und wird in jeder Saison mit großem Erfolg gespielt. Kleine Nachrichten Präsident Roose vclt und eine große Zahl prominenter Amerikaner haben anläßlich des Todes von Benjamin Nathan Cardozo ihr Beileid ausgedrückt. Rooscvelt erklärte, daß Cardozos Tod für ihn eine große persönliche Erschütterung bedeute. In London fand am 11. Juli eine Gedenkfeier für Dr. Fischei Rotte!!streich statt. Dr. Wcizmann, Prof. Brodetsky und Berl Locker hielten Ansprachen. Oberrabbiner Dr. Itertzog sandte ein Telegramm an die Konferenz in Evian, in dem er ausführte, daß das Problem der jüdischen Emigration die Oeffnnng der Tore Palästinas für eine Masscnimmigration einschließen müsse. Ein weiteres Telegramm sandte Dr. Hcrtzog an Präsident Rooscvelt. Der amerikanische Filmschauspicler Eddie Cantor traf-, in London ein. Er beabsichtigt, 20000 Pfund für Zwecke der Jiigend-Alija aufzubringeii. Bei der Bankfirma A. E. Wassermann, Bamberg, ist eine Veränderung in den Besitzverhältnissen eingetreten. Die Angehörigen der Familie Wassermann scheiden aus der Firma aus, die in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt wird. _ Frankreich und der palästinensische Terror. Unser Pariser K.-Berichtcrstatter schreibt: Das neue Aufflammen der Terrorwelle hat in Paris um so größeres Unbehagen hervorgerufen, als man nach der Beilegung des Sandscnakkonfliktes mit einer Periode der Beruhigung im Vorderen Orient rechnete. Die französische Presse berichtet ausführlich über die Vorgänge in Palästina. Der ״Temps“ fordert in einem Leitartikel über England und das palästinensische Problem energische Maßnahmen der Mandatarmaclit. Die jetzigen Unruhen werden von dem französischen Blatt als schwerwiegender als die bisherigen Zusammenstöße angesehen. Der Teilungsplan der englischen Royal Commission habe auf keiner Seite Freunde gefunden und auch die Genfer Mandatskommission habe gegen seine Durchführung schwere Bedenken geäußert. England habe jetzt eine neue Kommission nach Palästina gesandt, die die technische Organisation der Teilung vorbereiten soll. Angesichts der letzten Vorgänge im Lande stehe aber zu befürchten, daß auch die besten Pläne jetzt durch die Ereignisse überholt werden. England müsse sofort energische Maßnahmen ergreifen, wenn es den Zusammenbruch einer großzügigen Politik, die mit der Balfourerklärung eingesetzt hat, verhindern wolie. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Robert Weltsch, Betlin-Charl. 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewenstein, Berlin W15. Anzeigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Erich Liepmann, Berlin W 15. Gültig Anzeigen-Preisliste 5 vom 1. April 1938. Verlag und Anzeigenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W15, Meinekestr. 10. D.A. 11/1938: 26 045. — Druck: Siegfried Scfio'rm. lU-rün-Srhöneberg. 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