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Jüdische Rundschau · 1938-07-15 · Heft 56 (15.7.1938) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 56 (15.7.1938)
Date
1938-07-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 54 / Jahrgang 43 Preis 25 Rpf. JÜDISCHE RUNDSCHAU BERLIN ט״ז תמוז תרצ״ח FREITAG, 15, JULI 1938 Redaktion, Vnl«2 and AnxaSgenvarwaUangi Berlin W15, Melnekutr. 10 F.rnref 1 9190S1, Tel.gr.mm-Adr®«»•! Orghlp. -־ I« Fällen höherer Gtwall hflstehl kein Anspruch suf Nschlieferung oder Er»*»ltunjf e(w» schon pershlter Bsiugsrehiihren. Bezugspreis einschlirBlirh Bestellgeld je Monnt RM 2,—, je Viertel, jehr RM 5,75! bei Abholung RM 1,88 bzw. RM 5,39 (einschließlich Postzeitungsgebühr von 10,96 Rpf je Monnt), — Postscheck . Konten der Vertriebs. Abteilung für GroB-Bsrlin : Berlin 71S7S, für des übrige Reich. Barlln 17392 Der Zionismus erstrebt für das Jüdisch® Volk die Schaffung einer Öffentlich ־ rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Erscheint jeden Dienstag and Freitag. Gültig ist die Anreigenprelsllste Nr. 5 vom 1. April 1936. Di« nwölfgespaltcn« mm-Zrilc 20 Rpf, für Familien■ Nachrichten 15 Rpf. Keine Gewähr für Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Plätzen. Einzelanzeigen nur ge^en Vorauszahlung Mittwoch 15 Uhr. Familien * Anzeigen am Tag vor Erscheinen 16 Uhr Heute Schluß in Evian Der Resolutionsentwurf — Ständiges Büro in London Fortsetzung am 3. August Von unserem zur Konferenz en tsandte n׳ So nd er b e rieht e r s t a 11 e r Evian ]es Bai ns, 13. Juli Während diese Zeilen geschrieben werden, zeigt sich das Resultat von Evian schon in seinen großen Umrissen an. Ais wichtigstes Ergebnis kann festgcstcllt werden, daß das Problem der ״u!1 f r e i w i 11 i g c n Auswandcrun g“ (wie man cs hier nennt) von den Vertretern der v c rsammelten 32 Staaten als ein internationales Problem, das nur mit Regierungshilfe zu m c i - s t e r 11 ist, anerkannt wurde. Man ist sich darüber einig, daß eine permanente, aus Vertretern der Regierungen bestehende Körperschaft sich ständig mit dieser Sache befassen muß. Ebenso einig ist man sich darüber, daß es sich um ein überaus schwieriges und delikates Problem handelt, dessen Einzelheiten sehr kompliziert sind und daher bei der ersten Zusammenkunft, die diesem Thema gewidmet war, nicht behandelt werden können. Aber nach Ablauf der ersten Woche hat man doch den Eindruck, daß das Gefühl für die Dringlichkeit der Sache sich verstärkt hat und daß ein fester W i i I e vorhanden ist, etwas Konkretes zu tun. Dieser Wille ging vor allem von der Delegation der Vereinigten Staaten aus, und die anderen Teilnchmer der Konferenz konnten sich der Einsicht nicht entziehen. Die Einrichtungen, die in Evian getroffen werden, sind dazu bestimmt, die Auswanderung zu erleichtern und damit — wie es in Roosevelts Telegramm hieß — ״einer großen Zahl unglücklicher Menschen" wieder eine Hoffnung zu geben. Diese Hoffnung, die vor allem in allen jüdischen Herzen schlägt, darf am Ende der Konferenz sich wieder zuversichtlicher erheben. Evian hat zwar manche Er- Wartungen unerfüllt gelassen, aber war doch kein Fehlschlag. Der weitere Fortgang Die Konferenz, wie sie fälschlich genannt wird, ist in Wahrheit gar keine ״Konferen z“. ihre Teilnehmer wenden sich gegen diese von der Presse gebrauchte Bezeichnung und betonen, daß es sich nicht um eine Konferenz handle, sondern um ein ״Komitee von Regierungen" (״Comite intergouvernemental“). Damit ist auch der allem Demonstrativen abholde A r b e i t s Charakter der Veranstaltung gekennzeichnet, ferner ist schon.in diesem Namen angcdcutet, daß es sich um eine ständige Einrichtung handeln soll. Diese Feststellung ist der Kernpunkt der Resolution, die für Freitag vorbereitet wird und deren von den Delegierten von USA., England und Frankreich ausgearbeiteter Entwurf bereits bekannt wurde. Dieser Entwurf wird jetzt von den einzelnen Delegationen beraten. Wie man hört, sind einige Acnderungsvorschlägc gemacht worden; die siidamerikanischen Staaten haben sich telegraphisch oder telephonisch mit ihren Regierungen in Verbindung gesetzt. Der endgültige Text, der Freitag angenommen werden wird, stellt also noch nicht fest. Man kann auch annehmen, daß gewisse bei solchen Gelegenheiten auftauchende Gefühlsmomente eine Rolle spielen, so z. B. die Abneigung der kleineren Staaten, das, was die drei großen untereinander vereinbaren, einfach unverändert hinzunehmen. Donnerstag ist französischer Nationalfeiertag; er wird zu einer internen Ausspräche über die etwaigen Abänderungsvorschläge benutzt werden, und es besteht kein Zweifel, daß am Freitag in der öffentlichen Sitzung die Resolution in solenner Form angenommen werden wird. Was steht In der Resolution? Der E n t w u r f, der, wie gesagt, noch nicht endgültig ist, charakterisiert in einer Präambel die durch die Auswanderungswelle erzeugten Probleme, vor allem die Gcfahren einer Störung der Wirtschaft; eine chaotische Emigration, die nicht geordnet und finanziell fundiert ist, könne für die aufnehmenden Länder schwere Spannungen mit sich bringen. Es ist dann die Rede davon, daß ein Programm auf lauge Sicht ins Auge gefaßt werden muß, und zwar sowohl für die bereits vor sich gegangene als auch für die noch zu erwartende Wanderung, und daß hei dem Bestreben, eine Lösung hierfür zu finden, alle daran interessierten L.äit* der Zusammenarbeiten sollen. Nach dieser Präambel, in der auch eine dankbare Anerkennung der Initiative des Präsidenten Roosevelt enthalten ist, kommen eine Reihe von Empfehlungen. Zunächst wird gesagt, daß in den Bereicli der Tätigkeit des Komitees die Personen fallen, die ihr Ursprungsland bereits verlassen haben und die in Zukunft aus zwingenden Gründen auszuwandern wünschen, wohingegen die teilnehmenden Regierungen das Komitee ständig zu informieren haben über die Details ihrer Immigrationsgesetze sowie über die Zahl und den Typ der Einwanderer, die jedes einzelne Land aufnehmen kann. Die Einwanderungs-!ander mußten — so heißt es weiter — die Möglichkeiten Ökonomischer und sozialer Eingliederung berücksichtigen; und cs wird nochmals betont, daß die Regierungen der Eimvandcrungsländer keine finanziellen Lasten für die wirtschaftliche Eingliederung der Einwanderer übernehmen können. Eine Versammlung von Vertretern aller in Evian anwesenden Regierungen wird zu einer Fortsetzung des Werkes von Evian in London zusammentreten. Diese Körperschaft wird einen Präsidenten und vier Vizepräsidenten haben; der Präsiden! wird ein Engländer sein, die Stelle der Vizepräsidenten wird besetzt von USA., Frankreich, einem Sudamcrikaner und einem Skandinavier (möglicherweise :11.1111־ an dessen Stelle ein zweiter Sudamcrikaner, mit Rücksicht aut die große praktische Bedeutung der sinlamerikanischen Funder als Einwanderungs/entren), Ob die in den C.oui:!1 w :nitgetauchte .<;011, richtig ist,^ lalit^ sich schwer beurteilen; von manchen dein mit den vier Vizepräsidenten werden cim׳ Art ..Ixeder im Einvernehmen mit Präsident Roosevelt ernannt wird. Wie schon in der vorigen Nummer berichtet, denkt man an einen Mann ersten Ranges. Die Beiniihungeii, Taylor zur Uebcrnahmc dieses ,Amtes zu bewegen, hatten bisher keinen Erfolg; man hört nun au erster Stelle den Namen des früheren amerikanischen Außenministers S t i m s o 11 nennen, doch mahnen Erfahrungen bei früheren Anlassen zur Vorsicht in bezug auf solche Gerüchte, die häufig ohne Wissen des Betroffenen entstehen. Der Direktor wird die Aufgabe haben, die Bedingungen, unter denen die Wanderung vor sich geht, zu verbessern und alle hierfür notwendigen Verhandlungen zu führen. Zum Schluß wird -- um die noch vorhandenen Anhänger der Völkerhundsmaschinerie zu befriedigen noch erwähnt, daß der Direktor eine Methode der Zusammenarbeit mit der Refugic-Abtcilung des Völkerbundes, des unter Leitung von Sir Neill Malcolm stehenden Amtes, finden soll. Die nächste Sitzung in London ist f u r 11 e n 3. August in Aussicht genommen. Diese Sitzung soll auch, wie cs in der Resolution heißt, die Verteilung der Kosten des Ständigen Sekretariats beschließen. Optimismus greift Platz Nachdem man einmal verstanden hat, daß es unmög• lieh ist, in Evian einen endgültigen Plan der Aus- Wanderung und Wiedereinwamlerung auf/tMellen oder von den Regierungen etwaiger Einwanderung;!,wider öffentliche Erklärungen über ihre Bereitwilligkeit zur Zulassung einer ziffernmäßig bestimmten ziis;i1/|iehen Anzahl von Immigranten zu erhalten, darf man das Resultat von Evian zunächst als befriedigend bezeichnen. In der Tat ha! auch nach der ersten Welle der Entt;msclm!1g eine optii!n;tis c h e r e Stimmung Platz gegriffen. Alles wird nun davon ahhatigen, was der mit großen Vollmachten «ungestaltete Direktor, der mit dem ganzen Prestige seiner Persönlichkeit und der hinter der Sache stehenden 32 Regierungen auftreteu kann, erreichen kann. Bisher gißt es, wie gesagt, keine Zusicherungen. Auch die von Lord Wintert 011 am er ,-den Tag in seiner Rede die noch kein endgültiges A 11 f e n 11 ן a 11 s r c c 11 t und Arnicht atiigegriffen. Auch dies bleibt also mm Aufgabe für den Direktor, nachdem der nuel1tlmgsko11״ni;mir des Völkerblindes in dieser Hinsicht nicht viel erreichen konnte (gewisse Erleichterungen sieht die diesbezügliche Genfer Conven* iion vom 10. Febr. 1938 vor). Die Regelung dieser Sache ist für Tausende von Menschen eine Grundbedingung ihrer Existenz im buchstäblichen Sinne. Einige Länder betonten freilieh, daß sie sich nur als D 11 r c 11 g a n g s 1 ä n d e r für die Wanderung betrachten, d. h. also keine Erlaubnis für ständigen Aufenthalt zu geben gedenken (z. B. die Schweiz); andere wieder erklärten sich bereit, als: Asyl zur Unischichtung und Ausbildung zu dienen, nicht aber für endgültige Funwanderung. Alle diese Fragen hangen zusammen, da ja eine ״D u r c h Wanderung■‘ in irgendeiner Form nur möglieh ist־, wenn ein Land vorhanden ist, das als endgültiges Ziel in Betracht kommt. Die Konferenz betrachtet als dringendste Aufgabe die Fürsorge für die Juden aus Deutschland (einschließlich Oesterreichs); sie wurde aber von den Ue&ei&Uek Der Terror in Palästina hielt auch in den letzten Tagen an. Bei verschiedenen Uehcrfällcn in den Städten und auf dem Land wurden elf Juden getötet und ei”(’ große Zahl von Leicht■ und Selnvcrvevlcizlen ge• Drei zum Tode verurteilte Araber ivurden hinge• r i c h lei. Benjamin Car dazu, Mitglied des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten, ist gestorben. Die Haupt-Delegierten der drei Großmächte int Garten des Holet von links nach rechts: Henri Börcngcr (Frankreich), der Präsident der Konferenz Myron Taylor (fjSA.), Lord WinteHah (England)

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