Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 51 (28.6.1938)
- Date
- 1938-06-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51, 28. VI. 1938 JODISCHE RUNDSCHAU Seife 7 Wichtig für Hausfrauen Wir erhalten folgende Zuschrift, die gewiß manche ihre Uebcrsicdlnng vorbereitende Hausfrau in verschiedenen Ländem Europas, aber auch Palästinenserinnen interessieren wird. (Red.) Eine der wichtigsten Fragen für die nach Erez Jisrael übersiedelnde Familie ist diese: Weichen Herd nehme ich mir für meine Küche mit? Ich fasse im nachstehenden ganz kurz zusammen, was mir das für Ncneinsvandercr Wich■ tigste zu sein scheint: 1. Der vorläufig immer noch am meisten verbreitete Brennstoff im Lande ist das Petroleum (״Nett"), weil es das billigste ist; aber nur dann ist dies Neft billig im Verbrauch, wenn man den ,,Primus'* benutzt, jenes Gerät aller kohlenarmen Länder, dessen Nachteil oft eine verrußende Küche, schwarze Töpfe, entsprechende Hände und Küehentüchcr ist, ganz zu schweigen von der in der Küche entstehenden H i t z c. Wer sich nun aber mit dem Gedanken trägt, einen Pet ro I e 11 m - G a s k o c h e r irgendwelcher Art anzuschaffen, der sei gewarnt aus folgenden Gründen: a) weil sämtliche mit irgendeiner Art von Düse konstruierten Kocher nach spätestens 1 Jahr kaputt sind, alle mit Docht konstruierten aber schon nach viel kürzerer Zeit zu rußen beginnen; b) weil sämtliche Pctrolcumhcrde teuer im Verbrauch gegenüber dem Primus sind, so daß die Billigkeit des Neft annulliert wird durch die große Menge, die man davon verbraucht. 2. Einen Gasherd mitzubringen hat keinen Zweck, weil wir hier in absehbarer Zeit und vielleicht überhaupt nie eine Gasart haben werden, mit der ein europäischer Gasherd beheizt werden kann. 3. Der elektrische Herd erfüllt alle Forderungen, die wir hier im Sinne einer Arbeitscntlastung zu stellen haben. Mit ihm vermeiden wir jede zusätzliche Hitze in der Kiiche, können beim offenen Fenster kochen, da der Zugwind, der uns so nötig ist, ihn nicht stört. Die Bedienungsarbeit ist auf ein Minimum beschränkt und man kann halbe und ganze Stunden aus der Küche herausgehen. Was die Kosten des elektrischen Kochens betrifft, so sind sie zwar höher als die für den Primus, aber niedriger als andere Kochmethoden mit offener Flamme (s. Ziffer 1 b), da die Tarife für Kochen schon seit einem Jahr gesenkt wurden (6 Mils die kW-Stunde fürs Kochen, aber 10 Mils für sonslige Kraftbenutzung) lind soeben wieder neue Erleichferungen geschaffen wurden. Ls ist anzunehmen, daß mit der Inbetriebnahme der großen Werke am Varkon (bei Tel Awiw) und im Norden des Landes noch weitere Tariferinäfiigimgen kommen, so daß es immer rationeller wird, elektrisch zu arbeiten. Man beachte nur folgendes: die hiesigen Küchen sind außerordentlich klein, so daß man gut tut, einen möglichst wenig Raum beanspruchenden Herd zu wählen; drei Platten mit Backrohr (letzteres ist unentbehrlich) genügen auch für eine große Familie, und wenn eine der drei Platten 18 cm Durchmesser fiat, reicht das aus; cs ist billiger, meist aut einer 14 cm (oder 1(1 cm) großen Platte zu kochen. Das Backrohr spart mehr Zeit, wenn es mehr als 1200 Watt hat. Unbedingt nötig ist es, sich die passenden Töpfe mit abgeschliffenem Boden mitzubringen, wobei es zweckmäßig ist, nicht viele große, Heber einige für die kleinen Platten zu wählen und nicht so hohe, lieber breite und flache Töpfe (ob Aluminium oder Email mit Stahl Ix >d c 11 ist Geschmackssache; am besten, man hat beides). Das Kochen in diesen Töpfen garantiert ein Minimum an Stromverbrauch. 4. Andere elektrische Geräte, die vor allem wichtig sind (alles für 220 Volt): der E i s s c 11 r a!1 k, dessen Stromverbrauch, wenn man die richtige Konstruktion wählt, billiger ist, als wenn man festes Eis kauft (der echte ״Frigidaire“ ist überall das sicherste; jedenfalls berücksichtige man bei der Auswahl das hiesige Klima und den bei verschiedenen Konstruktienen unterschiedlichen Stromverbrauch); das Bügeleisen, der elektrische Teekessel und der Tauch sieder {am besten mit 1000 Watt, aber nicht weniger als 750 Watt, da er nur so rasch genug arbeitet). Das sogen. ״Küchenwunder“ ist nicht geeignet für die elektrische Platte. Jedoch ist die elektrische ״Stromküche“ (Heizelement im Deckel) für alle diejenigen zweckmäßig, die nur elektrische Kochplatten ohne Backofen besitzen. Feuerfestes Glas zum Backen im Ofen, aber auch zum Kochen auf der elektrischen Platte des Herdes (also die Durchmesser entsprechend wählen!) ist eine große Annehmlichkeit, da man dadurch die Arbeit des IJmlecrcns und unnötiges Geschirrwaschrn spart. Zum Eisschrank sollte man sich viereckige Glas-Behälter mitnehmen, damit man den Schrankraum möglichst aiisnutzt. Wer noch Zeit hat, sich im elektrischen Kochen anweisen zu lassen, der nutze das aus; wenn nicht, braucht er keim׳ Furcht zu haben; die Rutlicnberg-Gesellschaft hat seit einem halben Jahr in Tel Awiw eine kostenlose Beratungsstelle eingerichtet, in der ständig gründliche Kochkursc staftfinden (geleitet von der Unterzeichneten, der Herausgeberin der ״Neuen Hauswirtschaft“ von einst), sowohl in hebräischer wie auch in deutscher Sprache; auch in Haifa wird etwas ähnliches geschaffen werden. (Sogar gedruckte Kochrezepte gibt cs kostenlos,) Zu weiteren Auskünften ist gern bereit: l)r. Erna Meyer, Tel Awiw, P. O. R. 1648 Vor der Teiltingskommission Ein Kuriosum Der zweite Zeuge, der öffentlich vor der Tcilungskommission vernommen wurde, war Mr. James A s h < o!1 aus Leeds, der im Namen der Organisation ״Weltstaatsfrciwillige“ aussagte. Er erklärte, diese Organisation habe 20(4 Mitglieder und strebe danach, einen Weitst aat zu gründen, der von einer Weltpolizei bewacht werden solle, die internationale Uniform tragen würde, wodurch dann alle Wcltproblcmc und somit auch das Palästina-Problem gelöst würden. Mr. Ashtons Aussage bestand hauptsächlich aus Propaganda für seine Organisation. Bezüglich des Palästina-Problems benutzte er die arabischen Argumente gegen eine Teilung und erklärte, Palästina könne das Judcn-Problcin nicht lösen. Daher sei arabische Oberhoheit über ganz Palägtina und Transjordanien mit einer jüdischen M i n de 1heit notwendig. Die Mitglieder der Teiltingskommission hörten Mr. Ashton eine halbe Stunde zu, worauf der Vorsitzende, Sir John Woodhcad, erklärte, es sei ihre Pflicht, der britischen Regierung einen detaillierten 1 eilungsplan vorzulegen und sich nur mit der Teihwgsfrage und nicht mit irgendwelchen Alternativen zu beschäftigen. Der Waad Lcumi hat der Teilungs-Kommission ein *Memorandum überreicht. Seine Vertreter erschienen am Monlag vor der Kommission. Die Kommission verhörte vorher den Leiter der palästinensischen Post Webster. Bar Mizwa in Kfar Schmarjahu Zum Kulturproblem der Jugend aus Deutschland Von Kurt W i! 11 e 1 tu, Jerusalem Schon die äußere Form des Gottesdienste-, in dem die erste Bar Mizwa-Feicr in der jungen Siedhing Kfar Schmarja hu stattfand, verdient Beachtung. Die jetzt ein Jahr alte Siedlung hat cs noch zu keiner Synagoge gebracht. Die Siedler, die sicli zum größten Teil aus Einwanderern zusammensefze», die man in L>n1t-ebl:1m! als religiös-liberale Juden bezcidinefe, haben ihren regelmii lügen Schabbatli- Gottesdienst geschaffen, den sie aus eigenen Kräften he-treitcn. Als Betraum dient eine Garage, eine gewaltige Verbesscrung gegenüber der noch \׳or kurzem benützten ״Svnagoge“, dein Hiihncrfuttcr-Scluippen. Ungekünstelt und anspruclislos wird gebetet, die Gemeinde bildet den Chor, einige stim in begabte und kundige Siedler wechseln im Vorbeteramt und als Tora Vorleser ab. Fs ist ein Gottesdienst ohne falsches Pathos, der auch den niispricht, der in Deutschland nicht zu den ständigen Svnagogenbesiidicni zählte. Man hält an der traditionellen Gchetfolge fest, nur an den Festtagen gestattet man sich eine Bereicherung aus der europäische» Reform: ein Damensolo zur Seelenfeier oder im Abendgebet. In diesem Gottesdienst trat vor kurzem ein Sicdlerkmd zum ersten Male vor die Tora, um nach altem Brauch Bar Mizwa zu werden. Der Junge ist seit etwa im Jahre» in Palästina. Seine Tora- und Haftaravorlesung verrieten, daß er ״gut vorbereitet“ war. Dieser frische junge Mensch ist mit seinen 13 Jahren ״Poel“, er arbeitet von morgens früh bis abends spät in der Wirtschaft seines Vaters wie ein Erwachsciicr, die Arbeit hat seinen Körper g(•kräftigt, und er selbst empfindet die Freude, schon mit seinen jungen Jahren etwas leisten zu׳ können. Ist die Gelegenheit gegeben, verdient er auch in Atilienaibeit einen bescheidenen Tagelolm und ist stolz darauf, mit seinem Verdienst dem I laiishalt der Litern helfen zu können. Fr kam nach Lrcz Jisrael von der Schul• bank, nachdem er in Deutschland vier oder fünf Jahre Schulbildnng genossen hatte, ln Palästina, das keinen Schulzwang kennt, hat er nie eine Schule besucht. Er muß arbeiten, seine Arbeitskraft ist in der väterlichen Wirtschaft nicht zu entbehren. Wollte er noch zur Schule gehen, bedeutete das für die Elfern eine doppelte Belastung: Ersatz für die Arbeitskraft des Kindes und das nicht unerhebliche Schulgeld. Der erste Rar Mizwa von Kfar Schmarjnliu ist ein typisches Beispiel für die Lage, in der sich eine bestimmte Altersstufe von Kindern niittelständischcr Siedler befinden. Die klcincren Geschwister besuchen die Schule und werden dort mühelos mit der hebräischen Sprache vertraut. Die Jugend im Alter über 13 oder 16 Jahre hat zwar in diesen Siedlungen die gleichen Schwierigkeiten der licbniisclien Sprache und Kultur gCgemiher, diese jungen Menschen sind aber alt genug, ihre kulturelle Not wenigstens empfinden zu können. Die Jugend des B.ir Mizwa-Alters in diesen naturgemäß deutschsprachigen Siedlungen aber ist dazu verurteilt, langsam deutsclispreebende Analphabeten zu werden. Die Schulbildung in Deutschland war zu kurz, die dort erworbeneu Kenntnisse verblassen. Der Zugang zum Hebräischen ist nicht vorhanden, man hört im Dorf kaum ein hebräisches Wort, man lernt — von wenigen besonders Eifrigen abgesehen — nicht hebräisch, man ist milde nach der schweren körperlichen Arbeit des Tages, zu imule, um von bestehenden Kursen Gebrauch zu machen, zu müde, als daß ein Zwang auf diese Jugend ausgeübt werden darf. Es mag im Lande in allen mitfelständischen Siedlungen von Juden aus Deutschland etwa 30 bis 40 Kinder dieses Alters und dieser Problematik gebe». Die Kinder sind von jeder ,.Schuld" freiztisprechen. Sie tragen durch ihre Mitarbeit ein großes Maß von Verantwortung für die elterliche Wirtschaft. Audi die Litern trifft keine Schuld. Sie sind auf die Arbeitskraft der Kinder angewiesen, die Wirtschaft erfordert die Mitarbeit aller Familienmitglieder, und die Eltern empfinden selbst oft die Tragik, daß sie sich mit ihrer Alija den Wunsch jüdischer Litern zu allen Zeiten versagen müssen, dem Kinde eine Bildung zu vermitteln, für die der Jude der Diaspora zu den größten Opfern bereit war. Wenn von einer .,Schuld״ die Ri de sein kann, so trifft sie die jüdische Ocffentlichkeit. Sie sorgt durch die Jtigendalija dafür, daß junge Menschen in ihren entscheidenden Jahren nach Lrez jisrael komme!!, um hier ihre korperliehe und geistige Ausbildung zu erhalten, und sie übersieht, daß cs eine Jugend im I.;111 d e gibt, ihr noch nach der Alija die ״Alija"' vollziehen muß, der von nullen her geholfen werden muß, in Lrez Jisrael Jude und Burger 711 werden, rin Jahr hebräische Umgebung, ein Jahr Kibbuz. wesentliche Bereicherung in kultureller Hinsicht. Darüber hinaus wurde ein solches Jahr den Kindern auch eine arheitsrnäßige Forderung rintragen und käme deshalb auch der elterliche!! Wirt-cliaft zugute. Vor allem aber wurde es die Kinder davor bewahn n, ׳ in Proz Jisrael Analphabeten zu gangcnheit m'id" Degen wart 1erwbl'ieüt! Jemenitisches Theater in Tel Awiw Das Leben der orientalischen Juden bildlich darzustelleii, diese Aufgabe stellte sich vor drei Jahren der aus Bagdad eingewanderte Jude Schlomo ben Mcnaschc. Der Erfolg dos ersten Auftretens des Studio Sclitilamith war einzigartig. Minutenlang andauernder Applaus dankte den Amateurscbau- Spielern für ihre Leistungen, die alle Erwartungen der K1׳itiker und des Publikums übertrafen. Schlomo ben Mosche war mit beispielloser Energie an die Aufgabe herangetreten, die er sieh selbst gestellt hatte: ein jemenitisches Theater zu gründen und er suchte im ganzen Laude nneli fälligen jemenitischen Amateuren. Anfangs!neideten sich viele, bald aber fielen viele wieder ab. Aber 25 .Mitarbeiter blieben und diese 25 waren die Besten. Tage- 1111(1 nächtelang in einem kleinen, von der Kulturabtcilung der Histadruth ihnen geschenkten Holzhäuscben lernten und probten sie. Vor einigen Monaten gingen sie daran, die erste Atifführimg 711 besprechen. 25 Chawerim saßen um einen Tisch und berieten. Das Stück sollte das Loben der Jemeniten irn Jemen und in Palästina, im Haus, in der Schule und bei der Arbeit zeigen, es sollte belehrend und humoristisch, originell und vor allem so echt wie möglich sein. Und noch einen Zweck sollte die Aufführung des noch zu dichlenden Stückes haben: Die richtige hebräische Aussprache demonstrieren. Alle diese Vorsätze wurden eingehaltcn. Die Vorstellung bestand aus fünf Teilen. Kulissen usw. wurden von den Spielern seihst, unter größten Mühen, angefertigt. •— Die erste Szene war der Erziehung gewidmet: ״Talinudschtllc im Jemen". Sie zeigt den Lehrer, der die kindliche Psyche nicht verstellt. Die Kinder sind verängstigt. Sic lernen nicht das, was der Lehrer will, da sie sich nicht konzentrieren können. Die Szene ironisiert mit primitiven Mitteln diese Zustände. Und daun schleift der Lehrer ein, während die Knaben beten. Jetzt sind sie frei. Schließlich schleichen sich zwei aus dem Zimmer, dann folgt noch einer nach. Nur ein Knabe, der sich am meisten vor dem Lehrer fürchtet, bleibt im Zimmer. Plötzlich wacht der Lehrer auf. Fr sieht nur ein Kind. Fs betet. Wo sind die anderen, herrscht er es an. Und das Kind staunt, daß es geschlagen wird. Was hat es verbrochen? Zweite Szene: ״Scliabbath-Abend im Jemen“. Schabbath- Abend ist der einzige Ruhetag der Frau. Ihr Leben ist ein verstecktes, verachtetes Dasein. Doch Mozc Schabbath ist sie allein in dem Raum, den sie die ganze Woche hindurch nur dann verläßt, wenn sie die schweren Wasserkrüge von der Quelle holen muß. Besuch kommt. Frauen, in langen Kleidern, mit Ketten und bunten Scherben bedeckt, schwatzend und freudig gestimmt. Alle setzen sieh auf eine Rank. Der einzige Abend, an dem das Innenleben ruht und das Gesellschaft^- leben erwacht. Jetzt beginnen sie zu singen. Schwermütig, dann wieder lustig, ja geradezu cxtaiisch schwanken sie hin und her, von Händeklatschen begleitet. Doch plötzlich hallen Schritte durch den Raum, Männerstimmen. Zn Ende ist der Schabbath, der einzige Lichtblick im Lehen dieser Frau. Drittes Bild: ״Bei der Quelle“. Im jüngsten Alter beginnen die Mädchen zu arbeiten, die kein Jugeiußeben kennen lind deren Mann bestimmt wird, wenn sie noch kleine Kinder sind. Nachtarbeit: Barken, bis spät in den Tag hinein, damf schlafen, schnell schlafen, dem! die Männer wollen frisches Wasser, mm eilt euch, zur Quelle zu gehen und zerbrecht die Krüge nicht. Die kleinen Körperchen mit den fliegenden zarten Beinclien eilen über die Steppe und der große Krug drückt die Schulter. Auf der S/cne ist die Quelle. Ein kleines Mädchen tritt aus dein Wald und stellt den Krug vor sich hin. Sonnenuntergang. Die Vögei zwitschern leise und die Quelle plätschert silbern. Dann ein helles, melodisch klingendes Lachen. Von allen Seiten kommen kleine Mädchen und hier werden alle für Minuten zu Kindern und vergessen ihr Schicksal. Sie tanzen, spielen Blindekuh, Doch plötzlich schleicht sich ein Junge heran. Er sieht seine zukünftige Frau, so sagte ihm der Vater. Er ist mitten unter den Mädchen, Kreischen, entsetzte Ausrufe, der Krug zerbricht. Vierte Szene: 1״ eben in Palästina“. Der lernen He!st sehr anspruchslos. Fr ist glücklich, in Palästina zu sein. Mit diesem Glück hält er sich für sehr reich. So sitzt er in Tel Awiw und verkauft Gemüsckotelcttvs. Seine Kinder verkaufen Zeitungen, seine Frau ist Wäscherin. Ist das nicht Glück? Die Szene ist nicht sehr inhaltsreidi, Dann kommt die schönste Szene: Jemen,ti-dier Jude au- Pal.-tma besucht seine frühere Heimat. Hier ist eine Szene, die sehr natu!’,ich anmutet. Der Jude kommt. Der Gastgeber umarmt ihn an der Tür, nimmt ihn auf den Arm und trägt ihn zu dem Platz, wo die Polster für den Ga-t amgestapelt sind. Fr küßt ihm die Füße, beschenkt ihn und daun muß der Gast erzählen, und er .spricht vor einer gespannt lauschenden Zuliörerzahi, von Palästina und seinen Pionieren, von den großen Häusern, die in den Himmel wachsen, von Geld und Essen, von Musik und Kultur..., Zum Schluß zieht er aus der Tasche ein Säckchen mit palästinensischer Erde. Die Freude ist groß. Jeder betastet es und dann wandert es in den Schrank, der die Kostbarkeiten des Gastgebers beinhaltet. Wann werdet ihr wieder spielen und was sind eure nachsten Pläne, frage ich Schlomo ben Menasehe und seine Mitarheiterin Sdtoschana Levi. Unsere Ziele? Wir wollen ein hebräisclies orientalisches Theater gründen. Nicht nur die Aufführungen müssen orientalisch, mit orientalischer Musik be• gleitet sein. Das Theater muß orientalisch gebaut werden. Wir wollen beweisen, daß wir nicht nur Künstler, sondern auch Schriftsteller, Komponisten haben, die am kulturellen Aufbau Palästinas mitwirken sollen. Victor Fried Sommerkonzert des Palästina - Orchesters Jascha H nrenstei 11, einer der Begabtesten und Eigenwilligsten der jüngeren Dirigenten, hat sich — auch in der Meisterung klassischer Mimik — zu einem großen und kraftvollen Stil hin entwickelt. Seine Auffassung Beethovens (Frnica) mag vielleicht für die Menge der Hörer auf den ersten Eindruck hin (ebenso wie die foscaniirs) etwas ungewohnt ersehe inen: sie ent.-prieht einer veränderten Ein- Stellung zu der Musik der Vergäll srenlv 11 überhaupt, durch, die sich das gewandelte Weltbild unserer (leneratioii aiiclt dritten Beetlinvcn-Svmplinme. Da-^ Scherzo. noch beinahe deren! Volumen ab das danach za 11 her 11 alt schön gespielte aus Mendelssohns Sommern,ichtsfraum. Die h nrcibemle Schwungkraft der Smetana-Oiiverture zur ״Verkauften Braut“ stellte mit überwältigender Macht den Kontakt zu ״dieser Welt“ wieder 11er. Alice Jacob - L ncwctison Das Maon l'Olim in Haifa (Achusa Sir Herbert Samuel) blickte im Mai 1638 auf das zweite Jahr seines Bestehens zurück. In einer Zeit, i:1 der es nicht mehr möglich war, neiicimvatidernde Familien sofort mich ihrer Ankunft in einem Arbeitsplatz einziiordncn, ist die Bedeutung dieses Heims als erste Aufenthaltsstätte der Neiieimvniiilerer noch gewachsen. Die Organisationen, die mit der Einordnung der einw,Indernden Familien und Einzelpersonen befaßt sind,!mißten diese oft für Wochen und Monate in dem Heim miterbringen. So befinden sich die Kinder der Siedler von Schawej Zion seit dem Tage«il1rer Ankunft im Februar dort und werden bis zum Oktober 1938 im Maon l'Olim bleiben, auch ein Teil der Siedler vor! Schawej Zion war vor der Besetzung des Bodens im Maon l’Olim. Darüber hinaus erfüllte das Heim in noch größerem Maße als früher die Aufgabe, für die l.ischkoth Esra So/inlith und andere soziale Institutionen bedürftige Einwohner des Landes vorübergehend aufzu* nehmen und in einer Anzahl von Fällen ihnen die Erholung nach schwerer Krankheit oder Verwundung zu ermöglichen. Das Maon l’Olim beherbergte in diesem Jahre (1. Mai 1937 bis 30. April 1938) 1110 Personen (irn Vorjahre 1302). Es wurden 17 087 Uebernachtungcn ausgegeben. Das Haus verfügt über 18 Zimmer mit 71 Betten, über ein verpachtetes Restaurant und eine besondere Küche mit Eßraum,‘ in dem die Olim kochen und essen können. Das Heim wird dadurch finanziert, daß jeder Be’wohncr 2—3 Piaster Gebühr pro Nacht: zahlt. In allen Fällen, in denen der Bewohner da« zu nicht in der Lage ist, zahlt die Lischkath Esra Sozialith des Waad Hakchilla in Haifa oder eine andere einweisende Institution für ihn. Darüber hinaus wurden zur Aufrechterhaltung des Heinis eine Reihe von Subventionen gegeben. (Schluß des Pakts(Inatefls)