Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 51 (28.6.1938)
- Date
- 1938-06-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdische Rundschau R«d«kfcionfVcrlaK und Anr.olganverwaltun^i BarllnWlS, Mainakeitr.lO Ftnmfi 9190 31, Teltgraram •Adrci■«: Orghlp• — In Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung 0<ier Erstattung־ etwa schon gezahlter Bezugsgebuhren. Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,־־־־, je Vierteljahr RM 5,75; bei Abholung RM 1,88 bzw. RM 5,39 (einschließlich Postzeitungsgebühr von 10,% Rpf je Monat). — Postscheck Konten der Vertriebs * Abteilung für Groß - Berlin: B*rUn 71573, für das ü b r i ן e Re i ch! Berlin 17392 BERLIN ב"ט כיון תרצ״ח DIENSTAG, 28. JUNI 1938 Erscheint Jeden Dienstag and Freitag. Gültig■ |.;t die Anzelgenpreiellate Nr. 5 vom!.April 1936. Die zwöifgespahene mm-Zeile 20 Rpf, für Familien- Nachrichten 15 Rpf. Keine Gewähr für Aufnahme von Anzeigen In bestimmten auf Postscheck - Konto Berlin 716 18 oder bar Montag bis Freitag 9 — 18 Uhr. Mittwoch 15 Uhr. Familien «Anzeigen ein Tag vor Erscheinen 16 Ultr Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schäftung einer Öffentlich ־ rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. (Baseler Programm) Vor der Konferenz in Evian Lord WinterUm vertritt England Wie dieser Tage im englischen Unterhaus bekanntgegeben wurde, werden Lord Winter ton und Charles M. Patairet die engtisclie Regierung auf der Konferenz, in Evian vertreten. Es wurde ferner mitgeteilt, daß die Regierung den Vor• schlag, die Dominien zur Vorlage eines (iesamiplans für das Empire hinsichtlich ihrer Aufnahuiclähigkeit für Emigranten tu veranlassen, als nicht ausführbar betrachte. Die Zulassung von Einwanderern, so führte Lord Stauley als Vertreter der Re'- giermig aus, und ihre wirfsdiaftliche Eingliederung sind Fragen, die die ein- /einen Regierungen auf Grund der in ihren Ländern herrschenden Bedingungen zu entscheiden haben. Die Regierungen der Dominien sind eingeladen worden, sich bei der Konferenz in Evian vertreten zu lassen, und die englische Delegation, so erklärte Lord Stauley, werde mit den Vertretern der Dominien in engem Kontakt bleiben. Mr. Butler, der Ver* treter des Außenministers, stellte fest, daß eine der Hauptschwierigkeiten einer solchen Konferenz in der Geldfrage liege. Obwohl das Memorandum der Vereinigten Staaten an die Konferenz noch nicht zur Veröffeittlichung übergeben worden sei, sei es bekannt, daß man die Finanzierung der Emigration durch private Qrganlsationen innerhalb der verschiedenen Länder vorschlage, und es werde von keinem Lande verlangt Werden, eine größere Zahl von Einwanderern auf/unehmen, als nach seiner jetzigen Gesetzgebung zugelassen sind. Dies seien die allgemeinen Richtlinien, die auf dieser Konferenz zu erörtern wären. Die Vertreter Englands würden rechtzeitig volle Instruktionen erhalten; der Hauptzweck der Konferenz sei zweifellos, die Zulassung von Einwanderern sowohl in Europa wie in anderen Teilen der Welt zu erleichtern und zu erweitern. Vertreter der dänischen, norwegischen, schwedischen und finnischen Regierungen hielten in Kopenhagen und in 1 redensborg eine Konferenz ab, um die Fragen zu erörtern, die mit dem Emigranten-Problcm Zusammenhängen. Es ist anzunehmen, daß die skandinavischen Vertreter bei der Konferenz in E v i a n eine gemeinsame Aktion unternehmen Auswanderungaus Oesterreich Von unserem Berichterstatter J. R., W i e n, 22. Juni Der Leiter der Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Josef Löwen herz, und der Leiter des Palästina-Amts, l)r. Alois Rothenberg, weilten vom 6. bis 15. Juni in London und Paris, um mit den jüdischen Hilfsorganisationen des Auslandes, so dem Council of German Jewrv, dem Joint Distribution Committee und Hicem, Besprechungen zu führcn. Uebcr das Ergebnis dieser Besprechungen liegt folgender Bericht vor: Bei den ausländischen Hilfsorganisationen bestellt vollstes Verständnis für die Notwendigkeit materieller Hilfe für die Juden in Oesterreich, sowie die grundsätzliche Bereit- Schaft, der Auswanderung von Juden aus Oesterreich Unter- Stützung zuteil werden zu lassen. Daher wurde zunächst die Finanzierung aller Bestrebungen auf Umschichtung sichergestellt, sowohl der Umschichtung für die überseeische Auswanderung als auch der fiir die Vorbereitung der Auswajtdcrung nach Palästina. Die finanzielle Unterstützung des Auslandes wird es ermöglichen, eine ansehnliche Zahl von Jugendlichen in der IJinschichtungsarbeit in Deutsch- Oesterreich nnterztibritigen, Audi für die Jugeudalsja nach Palästina sind durch Bereitstellung von Mitteln seitens der genannten Organisationen Möglichkeiten geschaffen worden. Die ausländischen Hilfsorganisationen_ erwarten allerdings, daß die Juden Wiens und des übrigen Oesterreich die größten Anstrengungen mache!!, tun die Mittel für lokale Fürsorge- und charitative Zwecke selbst aufzubringen, damit die ausländischen Fonds sich völlig in den Dienst der Auswanderung stellen können. Eine in Paris abgehaltene Besprechung mit Dr. Weizmann war den Einwandeningsinöglichkeiten nach Palästina, mit besonderer Beriicksiclttigu׳ng der Jugendlichen, gewidmet. Mit Hilfe der Auswanileruiigsabteilung der Kultnsgemeiiule sind in der Zeit vom 2. Mai bis 9. Juni 1148 Pertonen a us ge w a nd e rt. Die Hilfe der jüdischen Wanderungsstelle erstreckte sich auf die Beschaffung der nötigen Dokumente sowie auf die Gewährung von Reisezuschüssen. Die Atiswanderiingsabtcilung kann derzeit nur jenen Personen bei der Auswanderung behilflich sein, die bereits im Besitze einer gültigen Einreisebewilligung ihres Ziellandes sind. werden. Die französische Delegation in Evian wird von Senator B er enger, Vorsitzenden des Ausw, Aus- Schusses des Senats, geführt. JR. Die Tatsache, daß England einen aktiven Kabi- 11 e 11 - M i 11 i s t e r mit der Führung der britischen Delcgation in Evian betraut, ist ein Zeichen dafür, daß die Regierung der Konferenz eine große Bedeutung beilegt. Daß die Wahl auf Lord Winterton fiel, hat wahrscheinlich keinen anderen Grund als den, daß er das einzige Mitglied des Kabinetts o 11 n e sachliches R e s s o r t ist (sein Portefeuille ist das bloß nominelle eines ״Kanzlers des Herzogtums Laucaster"); daher ist er leichter abkömmlich und steht für hesondere Aufgaben zur Verfügung. Der größeren jüdischen Oeffentlichkeit ist Lord Winterten vor allem ans seiner Stellungnähme zu p a 1 ä st j n e n s i s c 11 e n Frage 11 bekannt. Er hat häufig in Palästina-Diskussionen den Standpunkt der Araber vertreten und dabei gegen die jüdischen Palästina-Ansprüche Stellung genommen. Seine Haltung kann aber nicht schlechthin als ״antijüdisch•‘ bezeichnet werden, vielmehr ist er m der Spezialfrage Palästinas ein Anhänger jener Riehtuug, die eine weitgehende Unabhängigkeit aller arabischen Gebiete befürwortet. Logischerweise mußte ein solcher Mann, gerade wenn er die Chancen der jüdischen F.iiiwamlerung nach Palästina geringer veranschlagt, um so energischer für die Oeffnung anderer Einwanderungsmöglicfikeiten eintreten. Der Vertreter des englischen Außenministers hat ja klar genug gesagt, daß die Erleichterung der Zulassung von Einwanderern in allen Teilen der Welt der Hauptzweck der Konferenz ist; man darf also annelunen, daß die englische Regierung ihre Defegafion instruieren wird, für diese Erleichterung einzutreten. Vielleicht will man durch die Ent- Sendung Wintertons verhindern, daß die Konferenz zu große Forderungen in bezug auf Palästina-Einwanderung stellt. Die englische Delegation Wird jedenfalls so wie alle anderen Delegationen in Evian vor der Frage stellen, was angesichts der Umstände, mit denen die Konferenz konfrontiert ist, lind angesichts der unbedingten Notwendigkeit der Beschaffung von Einwanderungsplätzen für die immer attsdnvellende Masse von Auswanderungs-Bewerbern zu t u n ist, und da wird der Anteil Palästinas an der Aufnahme von Juden (besonders junger und arbeitsfähiger) nicht außer acht bleiben können. Der zweite englische Delegierte, Mr. Palairet, war bis vor kurzem britischer Gesandter in Wien. Nach der Veröffentlichung des von Mr. Butler erwähnten amerikaiiisehen Memorandums wird man ein Urteil bilden können, wie die Initiatoren der Konferenz sich deren Arbeit im einzelnen denken. Die ״Times“ teilt mit, daß die Konferenz für zwei Tage angesetzt ist, aber wahrscheinlich länger dauern wird. Die Israelitische Kultusgemeinde hat gemeinsam mit dem Palästina-Amt 711m Zwecke der Beratung der Auswanderer in Devisenangelcgcnheiten in den Räumen der Gemeinde eine eigene De Visen Beratungsstelle errichtet, lieber bchördlichen Auftrag sollen diesbezügliche Anfragen jüdischer Auswanderer ,1׳ u s s c 111 i e ß I i c 11 von der Beratungsstelle der Kultusgemeinde erledigt werden. In einer Verlautbarung warnt die Aimvauderungsabteihing der Kultusgemeinde neuerdings auf das nachdrücklichste vor einer Auswanderung ins Altreicli. Audi unnötige vorübergehende Reisen sollen möglichst unterbleiben. Fenier wird in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam gemacht, daß keine Aussicht besteht, durch Reisen ins Altreich die Einwandcrtmgsmöjrüclikeit in westeuropäische Länder zu erhalten. In der B e r a t u n g s s t e 1 1 e für Berufsausbildüng und Umschichtung werden seit Tagen die Anincldungen zur Teilnahme an Umschichtungskursen eiligegengenomineti. Insgesamt wurden von der Gemeinde bis jetzt 50 Kurse, die etwa 1000 Personen ansbilden sollen, errichtet, und zwar: 4 Schlosser-, 4 Mechaniker-, 4 Installateure-, 6 Tischler-, 4 Anstreicher*, 4 Ziinmermaler-Kurse, ferner 2 Kurse ftir Vt'äschezuselmeider, 4 Gärtner-, 3 Stricker- 4 Schneiderinnen-, 4 Weißnäherinnen-, 1 Modistinnen-, zwei Köchinnen- und 2 Kimstgewerbe-Kurse. Schließlich wurden im Spita'l der Kulttisgemeiude 5 Kurse für Krankenpflegerinnen, Diätschwestern, Heilmasseure und Kosmetik mit insgesamt 123 Teilnehmern eröffnet. Gegenwärtig werden von der Jugendfürsorge der Kultusgemeinde 42SS Kinder dauernd betreut. Das Amt hat 20 jüdischen Kindern aus Wien einen Sotnmeraufenthalt in Oslo ermöglicht. In nächster Zeit können '20!! schulentlassene jüdische Jugendliche aus Oesterreich der Berufsausbildung im Altreicli (140 in der Landwirtschaft und (>•! im Handwerk) zugefiilirt werden. In einem Appell an die Gemeindcmitgliedcr, den außer* ordentliche« K u 1111 ss t e 11 e r b e i t r a g zu zahlen, wird darauf hingewiesen, daß in den letzten zwei Monaten in elf Speisungsstellen der Kultusgemeinde 250000 Portionen verabreicht wenden. Rund 1000 Personen nehmen die geschlosserte Fürsorge der Gemeinde in Anspruch. Mehr als 7500 Personen wurden in der letzten Zeit mit Bargclduntcr* Stützungen und Lebensmittelpaketen bedacht. Frankreich in Palästina Von C. Z. Kioetzei, Jerusalem Von Charlemago* bis George Picot Wenn die Mönche und Nonnen, die an den zahlreichen französischen Klostcrschlikil in Palästina den Unterricht erteilen, ihren Schülern von den frühesten Beziehungen /wischen Frankreich und dem Heiligen lande erzählen, beschwören stalten herauf: ,,C 11 a r 1 e tu a g!1 e“ und ״H aroiin-el» R a c 11 i d". Zwischen dein großen Kaiser des Franken• 13ndes und dem weisen Khalitcn in Bagdad wurde im Jahre ~97 ein Vertrag abgeschlossen, der die (IhriMen in Palästina unter den Schutz des Kasers stellte. Von diesem Zeitpunkt ■itliche!i der ln I’ a I ä s ז i 11a allerdings endete das inoffizielle .,Pro- Vertrages) im " ('!einige des < ü-nerals A I I 0 n b v in ' das ('iebiirtskirelu• ^111 Bethlehem besondere fhiungen durch den 'oben I »v kt 1 hui 1 1 1 1t 1 1 d ׳•uhn den Weltkrieg erfolgte, nicht mehr entsprach. In dieser Entwicklung war das Erscheinen Napoleons in Palästina nur eine Augenbiickepcriode gewesen, die nichts Bleibendes hinterließ als zwei Pläne, die auch für uns noch aktuelle Bedeutung haben: der /um Ran des Suez Kanals und ein zweiter, der die Errichtung eines jüdischer! Staates in Palästina vorsah. WirtschRftUcbc Vormacht Hingegen haben die ,,Napoleons d'Or‘־ im letzten 'Jalftf hundert eine ausschlaggebende Rolle int türkisdien Reich gespielt, In den letzten Jahrzehnten stand das gesamte Wirf* schaftsleben der Türkei im Zeichen der französischen Anleihen und französischer industrieller Initiative. Die ״Dette Ottomane Publique“ und die Tabakregie standen unter französischer Verwaltung(, die ״Baiiqne Ottomane׳•' sali ihre Aktienmehrheit in französischen Händen. In Aegypten zeugt — abgesehen von der französischen Verwaltung des Sue/kanals — die starke Position des französischen Kapitals in Kairo und Alexandrien noch heute von der ehemaligen wirtschaftlichen Vormachtstellung Frankreichs in der Levante. Auf Palästina fiel immer mir ein schwacher Ab» glanz des französischen Goldes, und bei allem politischen Interesse an den heiligen Statten betätigte sich!1er Wirtschaft« liehe Unternehmungsgeist der Franzosen lieber in Anatoliern, Immerhin: da sie- (bis zum B,!u der Bagdad-Bahn) fast das gesamte Eisenbahnnetz der Türkei konstruiert haben, verdankt Palästina ihnen seine erste und bis zum Kriege einzige MotiüJ de Palesiitnin '1 la'ifa *und''dm ' Wcinkcllereicti" Risehon le Zion. Seltsamerweise haben die wirtschaftlichen Be/irhungei! /wischen Frankreich um! P.)!.i,-t!113 auch nach dem Kriege Produzenten nach ilem palästinensischen Markt stnitgofunclen was 71111! Teil wohl daran liegt, daß es in i'iankreich an gelt, die als Vermittler zwischen den französischen ttml palästinensischen kominerziellen Interessen wirken könnte. Das einzige jüdisch-französische Unternehmen, das in letzter Zeit gegründet worden ist, ist die Brauerei ,,Nescher‘‘ in Risehon le Zion, —- erfreulicherweise ein Erfolg. Ohne jedes politische Privilegium gegenüber den anderen europäischen Staaten und mit schwachen wirtschaftlichen Beziehungen würde Frankreich im heutigen Palästina eine &■sie*■ UebvMUk In den Grenzbezirken von Tel . 1 ׳״ i tu und Jaffa lebte der I error wieder auf. Drei Juden wurden gelötet,!,eher die betroffenen Stadtbezirke t vtirde ein zwölf siiindiges Ausgeheerhot verhängt. ln ]losch Pinn wurde e i n J n 11 e v r in o r d e t. hin jüdischer Arbeiter, der ein Grenzzuun arbeitete, wurde von lerroristen getötet. Auch eine größere Zahl Ara• ber wurden getötet. Bei Giwath Ada wurden drei junge Juden von arabischen lerroristen verschleppt und bisher noch nicht mifgefnnden. Das Todesurteil gegen einen Juden aus Rusch Pirm U'tirdc bestätigt, das zweite Todesurteil in lehenslängliebes Gefängnis umgeivandclt. Der Solei Rone erhielt von den Militärbehörden den Auftrag zur Errichtung von Militärgebänden im Werte von £ 250 000. Lord Winterten '*־. ״ '־