Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1938-06-24 · Heft 50 (24.6.1938) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 50 (24.6.1938)
Date
1938-06-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653549-2653588--32331-2684047
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JÜDISCHE RUNDSCHAU PALÄSTINA-BLATT Nr. 50, 24. JUNI 1938 Palästina und Alexandrette Uebersicht der palästinenslschenWirtschaft Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel Awiw, im Juni Das Wirtschaftsinstitut der Jewish Agency unter dem Vorsitz von Dr. Ruppin, das seit mehreren Jahren mit seinem Stab von Experten Untersuchungen über die ökonomischen Bedingungen in Palästina anstellt, sammelt jetzt die Früchte etlicher Untersuchungen in seinen ersten gröberen Publikationen. Ein kürzlich erschienenes Buch über Wohnungsverhältnisse in Palästina behandelt ein wichtiges Gebiet des palästinensischen Wirtschaftslebens (siche ״J. R.“ Nr. 40). Unmittelbar darauf erschien eine Uebersicht über die palästinensische Wirtschaft (Economic Survtv o f P a 1 e s t i n c) von David Horowitz und Rita Minden, die mit Recht die Aufmerksamkeit aller an der wirtschaftlichen Ent- Wicklung Palästinas Interessierten auf sich zieht. In der äußeren Erscheinung, was Drucklegung, Sprache und sorgfältige Edition anbetrifft, erfüllt der Band alle An- Sprüche. Das ist besonders wichtig, weil wir es hier mit einer Arbeit zu tun haben, die vielfach im Ausland und unter Nichtjuden Beachtung finden wird. Die englische Beamten- Schaft im Lande interessiert sich für den Band und die Mitglieder der ״Technischen Kommission“ beziehen daraus etliche Materialien, die sie nötig haben. Der Gebrauch der ״Uebcrsicht“ durch Außenstehende wird erleichtert durch die Bcmühung um objektive Darstellung der jüdischen Wirtschaft in Palästina, die überall aus der Arbeit spricht. Sie ist glücklicherweise frei von jeder billigen Propaganda und stützt sich in ihren Materialien vielfach — neben eigenen — auch auf Rcgieruiigsqucllen. In unserer von propagandistischem Material überfütterten jüdischen Welt ist eine derartige objektiv gerichtete Untersuchung besonders zu begrüßen. Die ״ökonomische Uebersicht“ macht durchweg den Vorsuch, die Palästinawirtschaft in Zusammenhang mit den allgemeinen Tendenzen der Weltwirtschaft zu setzen, und die Darstellung gewinnt dadurch sehr viel an Interesse, Mannigfaltigkcit und Lebendigkeit. Palästina ist immer für seinen Ueberfluß an Problemen berühmt gewesen, zugleich jedoch hat dieser Ueberfluß in einem etwas sonderbaren Gegen- Satz zu der Kleinheit des Territoriums gestanden. Horowitz und Hindeu stellen jetzt dieses kleine Land mitten in den Zur Frage der arabischen Einheit In der Londoner Zeitschrift ״Great Britain and the East“ schreibt ein Araber (?), der sich unter dem Pseudonvm AI Kliatib (der Schreiber) verbirgt, über die Frage, ob sich die Araber jemals vereinigen werden. Nach seiner Meinnng ist die arabische Nationalbewegung schon hundert Jahre alt, aber erst etwa zehn Jahre vor dem Weltkriege habe die große Welt von dieser Bewegung Kenntnis genommen. Heute, nach dem Weltkrieg, ist praktisch die ganze arabische Halbinsel bereits unabhängig oder wird in kurzer Zeit unabhängig sein, mit der einzigen Ausnahme von Palästina und Transjordanien. Daher gibt es heute zwei lebenswichtige Fragen für die Araber: I. wie wirkt das Problem Palästina auf die arabischen Völker und 2. können diese Völker jemals sich einigen? Nach der Meinung des Schreibers hat das Palästina-Problem mehr als irgendeine andere Sache dazu beigetragen, die arabischen Völker zu einigen, sogar mehr als die neuen Verbindungswege durch die Wüste. Es gebe kaum einen Araber in irgendeinem arabischen Land, der nicht die Situation in Palästina bedauert. Der Verfasser schreibt: ״Es ist eine offene Wunde. Es sind Dinge geschehen, die von den Arabern, die ein langes Gedächtnis haben, nicht so bald vergossen werden.“ Palästina sei heute der vereinigende Ge- Strom des ökonomischen Weltgeschehens hinein, beleuchten sein Werden und Wachsen im Lichte der modernen Wirtschaffstheorien und kennzeichnen es zugleich in gewissem Sinne als ein Laboratorium für ökonomische Experimente und Untersuchungen. ״Gerade die Kleinheit der Einheit, mit der wir es zu tun haben“, heißt es im ersten Kapitel, ״erleichtert die Aufgabe, die Kette der Ereignisse hcraus/uschälen und die gegenseitige Beeinflussung der agierenden Kräflc zu erkennen. Das Problem der Zyklen; des Ein- Busses der modernen Industrialisierung auf ein primitives Agrarvolk; des Ueberganges von einer sich selbst erhaltenden in eine Austauschwirtschaft; der Einwirkung verschicdcncn Lebensstandards auf die Konkurrenzfähigkeit; der Industrialisierung als solcher; all das finden wir hier vor, und zwar in betonter Weise wie in einem Yersuchslaboratorium.“ Die Autoren versuchen es — und nicht ohne Erfolg — danke für die Araber. Trotz aller Schwierigkeiten, die der arabischen Einheit enfgegenstchcn, bleibe der große Traum bestehen und wird nicht verschwinden, auch wenn er in unserer Zeit nicht verwirklicht werden sollte. Wie schwach die arabische Einheitsfront jedoch Ln Wirklichkeit ist, geht aus der Art und Weise 11er\or, wie in den arabischen Ländern die bevorstehende Abtrennung des Gebietes von Alexandrette hingenommen wird. Es kann wohl kaum ein Zweifel bestehen, daß dieses Gebiet, das vorwiegend arabisch ist und das einen wichtigen Hafen umschließt, der arabischen Herrschaft dauernd entzogen werden wird. Trotzdem haben auch jene souveränen Staaten, die Zentrum des Pan-Arabisimis sind, z. B. Irak, ganz zu schweigen von Aegypten und Sandten, kein Wort des Protestes gegen die türkische Besetzung (und vermutlieh spätere Annexion) hören lassen. Es ist klar, daß hier politische Gründe maßgebend sind, da keiner der genannten Staaten sich in einen Gegensatz zur Türkei manövrieren will, die einen mächtigen Schlusseipunkt der ganzen heutigen Orientpolitik innehat. Ls liegt aber der Schluß nahe, daß die Proteste in bezug auf Palästina nur darum so üppig wuchern, weil in diesen! l alle kein Gegner da ist, der sich energisch gegen solche Acußerungen zur Wehr setzen wurde. im Laufe einer Ökonomisten Uehersichr über die bestehenden Wirtschaftsverhältnisse in Palästina auf alle diese aktuellen *Das Buch enthält eine. Darstellung uml Analvse samtlaufigkeit, die durch sie hervorgebrachten ökonomischen Strukturämlerungen und das Bevölkcrungsproblem im Lande hehandeln, werden Kolonisation und /itnisktiltur, Industrie und Baubewegung, Handel und Verkehr, öffentliche Finanzen, Kapitalimport und Kreditwesen einer eingehenden Prüfung unterworfen. Die beiden letzten Kapitel beschäftigen sich mit der Bildung eines Arbeiterstandes in Palästina und seinem Lebensstandard und mit der arabischen Wirtschaft. Das Bild, das sich von der modernen palästinensischen Wirtschaft entrollt, wird klarer und bunter zugleich durch Vom Bau des ״Tegart-Walles“ an der Nordgrenze SliflCIft Ausmarsch der jüdischen Arbeiter zur Arbeit Lager dt jüdische Stachcldraht Jüdische 1‘uliz geben Licht Signale Jüdische Arbeiter und Wächter bei der Arbeit am Zaun - £

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.