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Jüdische Rundschau · 1938-06-10 · Heft 46 (10.6.1938) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 46 (10.6.1938)
Date
1938-06-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU ALÄSTINA-BIATT Nr. 46, 10. VI. 1938 Warburgfeld (״S'de Warburg“) Eine neue Mittelstandssiedluns von Einwanderern aus Deutschland Von unserem pa I i 8 i i nen8i8chen Korrespondenten gl. Tel Awi w, 2. Juni Die Gesellschaft ,,Rasseo“ (Rural and Suhurhan Settlement Company) hat im letzten Jahre mit ihren Siedlern mehrere Marksteine auf dem Wege der neuen Kolonisation von Einwanderern aus Deutschland gesetzt. In Kfar Sch mar ja hu bei Herzlia wurden die jungen Bäume in dem Park gepflanzt, der zum Andenken Schmarjahu Levins auf der das Dorf beherrschenden Höhe angepflanzt wird. In der Haifa,er Bucht wurde ein neuer Häuserkomplex im Anschluß an die schon längcr bestehende Vorstadtsiedlung Kirjath Bialik beendet. Im Norden bei Naharia besetzten die Juden aus Rcxin gen ihren neuen Wohnsitz, Schawe Zion genannt. Und gestern feierte man in der Scharon- Ebene die Vollendung der ersten 30 Häuser, eines neuen Punktes, S’d e Warburg, so genannt nach Professor Otto Warburg, dern verstorbenen Vorsitzenden der Zionistischen Organisation und bekannten Botaniker. In diesen Siedlungsarbciten kommen die Bemühungen zur Reife, die die Gesellschaft ״Rassco“ seit Jahren macht, um für den Mittelstand Ansicdlungstnöglichkeitcn zu schaffen. Am Anfang ging die Arbeit nur langsam vorwärts. Obwohl man sich auf die jahrzehntelangen Erfahrungen der Arbcitcrkolonisation in den verschiedensten Gegenden Palästinas stützen konnte, zeigt*! sich doch Probleme, die von neuen Gesichtspunkten angepackt werden mußten. Es mußte entsprechender Boden gefunden werden, Flächen, die günstig lagen, mit guten Verbindungen zur Stadt. M■■ mußte den zukünftigen Ansiedlern, die aus städtischen Berufen kamen und oft nicht mehr ganz jung waren, den schweren Uebergang in ein neues Land, ein neues Klima, in neue Arbeitsbedingungen einigermaßen erleichtern. Man mußte eine bestimmte Organisatiorisform finden, die die nötige Instruktion für die ersten Jahre sicherstellte und den Absatz und Einkauf von Produkten kooperativ gestaltete. Jeder Ort verlangte entsprechend den verschiedenen Bodcnbcdinungen einen geeigneten Wirtschaftsplan. Die Auswahl und usammenstellung der Siedler stellte besondere Aufgaben. Nach und nach sammelten die für die Ausführung verantwörtlichen Männer eine Reihe von wichtigen Erfahrungen, und jeder neue Platz, der von den Siedlern aus Deutschland besetzt wird, zeigt in diesem lind jenem Detail Vervollkornmnungen und Verbesserungen, sei cs im Bau der Häuser und in ihrem Preis, sei es in der Einrichtung der Ställe, der Art der Anpflanzung und ähnlichem. Neues Landschaftsbild S׳de Warburg liegt in der Scharonebene, in einem Block von Plantagen und Arbeitersiedlungen. Das Stück Boden, das man hier erwerben konnte, umfaßt etwas über 450 Dunam und ist lang und schmal, so daß es schwierig war, die Parzellen •herauszuschneiden, ohne daß die Bcarbcttung Schwierigkeiten macht. Man I1at das Problem so gelöst, daß man die dem einzelnen Siedler zur Verfügung stehende Fläche möglichst zusammenhängend gestaltet und dadurch die Bearbeitung der einzelnen Zweige erleichtert hat. Die Häuser der Siedlung aber sind durch diese Anordnung stark auseinandergezogen, und während sonst an solchen Punkten die Nachbarn dicht beisammen sitzen, ist hier die Entfernung von einem Ende des Dorfes bis zum anderen eine lange. Dieser Schwierigkeit wird man vermutlich mit dem Ausbau innerer Straßen begegnen. Eine andere Komplikation ist die relativ geringe Bodenfläche, die zur Verfügung stellt, wodurch die Gesamtzahl der Siedler beschränkt ist. Die Erfahrung hat uns gelehrt, daß ein gewisses Minimum an Wirtschaften für die gedeihliche Entwicklung eines Ortes notwendig ist, damit die Teile der Gesamtkosten an Verwaltung üsw.) die auf den Einzelnen fallen, nicht zu groß werden. Hier wird man versuchen, noch mehr Boden zu beschaffen und hat es sich zum Ziel gesetzt, nach und nach bis zu 60—SO Familien anzusiedeln, was die Anfänge von heute gut abrunden würde. Die heutige relative Beschränkung an Fläche und Mensehen von S’de Warburg wird stark ausgeglichen durch die Umgebung und die neue Straße, die jetzt gerade fertig eworden ist. Kommt man nach einem längeren Zeitraum in iese Gegend, so ist der erste und stärkste Eindruck die starke Veränderung der Landschaft durch die Besiedlung. Hierher kam man früher nur auf sehr unbequemen Feldwegen und man fuhr lange durch Steppe oder primitiv bebautes Land. Heute reiht sich hier Punkt an Punkt, überall ziehen sich die Plantagen mit ihren Zypresseneinfriedigurigen oder spielen die Beregner auf den Gemüsefeldern. Alte, schon von früher her vertraute Punkte wie die große Wirtschaft von Kalmaniah sehen ganz anders aus, weil sie nicht mehr im ״Leeren“ stehen, und andere, wie Ramath Hakowesch, haben ihre kümmerlichen Baracken in imposante Steinhäuser verwancfelt. Von dem benachbarten Zofith, einem Moschaw Owdim aus, übersieht man S’de Warburg mit den eben fertig gestellten, von roten Dächern überspannten Häuschen und die sich dicht aneinander schließenden Punkte der Umgebung, die großen Gebäude der Kollektivgruppen, die Ein-Fami'lien-Häuser der individuellen Siedlungen. Auf der einen Seite sieht man hinüber bis zu den gelben Meeresstillen, auf der anderen in die judäisdien Berge. Und wie heute unvermeidlich bei solchem Ueberblick folgt das Auge der projektierten Grenze des Juden- Staates, die hier ungefähr der Eisenbahnlinie folgt und den — leider ach so schmalen! — Streifen der Küstenlinie umfaßt. Die Feier der 30 ersten Häuser — die Wirtschaften umfassen je 15 Dunam, Hilfswirtschaften 21', Dunam — findet in dem Lagerhaus statt, das gerade fcrtiggestcllt worden ist und die Produkte der Siedler aufnehmen soll. Es trifft sich bei dieser Feier mit den Siedlern der Kreis, der den Marsch des mittelständischen Siedlers aus Deutschland in den letzten Jahren Schritt für Schrjtt verfolgt hat! Dr. Ru pp in von der Exekutive, Dr. Foerde! und Dr. Lands he rg von der ״Rassco“, Dr. Ludwig Pinn er, der an den landwirtschaftlichen Plänen für alle Punkte aktiv mitgearbeitet hat, Vertreter des Keren Hajcßod, des Keren Kajemeth, der den Boden bereitgesteilt hat, eine ganze Reihe von Experten, die in verschiedenen Zweigen mitarbeiten. Dazu kommen Siedler aus den anderen älteren Punkten, Arbeiter aus der Umgegend, eine bunte Menge, Männer, Frauen und Kinder, die den einleitenden Klängen eines Quartetts und den Begrüßungsreden lauschen, den Würdigungen Prof. Otto Warburgs. Was die neuen Siedler erleben Besonderes Interesse erweckt die Ansprache Rosenthals, eines der neuen Siedler, der davon erzählt, vvte sie in Deutschland geglaubt haben, alles fertig vor/ufinden, Häuser und Wirtschaften, wie sie zuerst beim Anblick des unbebauten Landes erschraken, wie sie arbeiten lernten, beim Bau der Häuser und der Straße, bei der Vorbereitung der Felder, und wie sie heute zu verstehen beginnen, daß dieser schwere Weg der richtige war, daß sie von Anfang a 11 dabei sein mußten und daß sie in diesem halben Jahr der Siedlungsvorbereitung viel gelernt haben. Es ist ein Drama, das hier in ein paar Sätzen wiedergegeben wird, das Drama der völligen Entwurzelung draußen und des Versuchs der Wicdcrvenvurzclung hier im Lande, jenes Drama, das sich seit dem Beginn der jüdischen Kolonisation im Lande immer wieder abgespielt hat und das jeder neue Siedler vom Hören kennt und wieder an sich einmalig und neu erlebt. Und immer wieder ist es anders und immer wieder ist es schwer und immer wieder halten die Siedler an einer Biegung des Weges inne und sehen, das sie ein Stück vorwärts gekommen sind und mit ihnen das Gesamtwerk. Befriedigung und Ungeduld Nach dem Fest, als sich die Gäste zerstreuen, sagt einer der alten Pioniere der Kolonisation: ״Wenn man jeden Tag so etwas feiern könnte“. Befriedigung liegt darin, daß wieder ein paar Dutzend Familien Boden unter die Füße bekommen, daß ein neues Wahrzeichen iri der Landschaft steht und ein neuer Punkt auf der Landkarte. Und Ungeduld darüber, daß das alles für unsere Bcdürfnisse viel zu wenig ist, viel zu klein, das Tempo zu langsam, die Mittel zu gering. Dieselbe Befriedigung und dieselbe Ungeduld spürt jeder Teilnehmer des Festes, spürt jeder, dem der Fortschritt des Siedlungswerkes am Herzen liegt. Ein Schnappschuß Marlin II uh er erholt sich in einer Pause mich seiner \'orlesung an der Universität Jerusalem im l'nrhofe der Universität an einer Portion Eis. Diese Erfrischung ist bei Lehrern und Hörern der Universität sehr belicht. Neben Buher seine Tochter Eva und deren Mann Ludwig Strauß. Im Hintergrund der Eisverkäujer, Foto: n. Wriurh Bedenkliche Philanthropie In der Wirtschaftsbeilagc des ״Haarez“ nimmt, wie wir aus Tel Awiw hören, D r. Bc 11-Nathan gegen die Prinzipien Stellung, die zur Erteilung von < iewcrbcschcinen an Hausierer in Tel Awiw fuhren: Wir stehen vor der merkwürdigen Erscheinung, daß die Wohlfahrtspflege auf Fragen einwirkt, die der wirtschaftlichen Betrachtung unterliegen sollten, und daß sie ein Hindernis für die Verbreitung der Landesprodukte bildet. Immer wenn in der Stadtverwaltung über die Versorgung vor! Invaliden gesprochen wird, werden Vorschläge cingebracht, ihnen Kioske in praktisch unbegrenzfer Zahl zu übertragen, und die Verwaltung kämpft einen harten Kampf gegen die Tendenz, gescheiterten Existenzen auf Kosten des regulären Handels beizustehen. Die Land- Wirtschaft kämpft verzweifelt gegen die Konkurrenz der eingeführten Produkte, die zum großen Teile durch Hausierer vertrieben w׳erden. Die Hausierer leben nun größten Teil von der Preisdifferenz zwischen in- und ausländischer Ware t!!1d der wichtigste Schritt für den verstärkten Umsatz der Landes- Produktion wäre die Einschränkung des Hausierwesens. Niemand bestreitet, daß für die Armen, die sich jetzt mit Hausierhandel abgeben, gesorgt werden muß. Aber wir sind nicht berechtigt, dies auf Kosten unserer Wirtschaft zu tun. Achnliehe Ueberlcgungen drohen auch die einheitliche Tracht der Schulkinder zu Fall zu bringen. Die Frage der Kosten dieser Tracht für die armen Kindqr war eigentlich eine Frage der Armenunterstützung. Aber man verteilte diese Kosten auf diejenigen Eltern, die keine soziale Hilfe in Anspruch nelimen. Das Resultat ist, daß die einheitliche 'Fracht sehr teuer ist und daß viele Eltern nicht gewillt sind, sie zu kaufen und daß diese Einrichtung, die zur Sicherung des Absatzes unserer Industrie getroffen wurde, sich schwer durchsetzen wird. Kurse palästinensischer Wertpapiere. Am 3. Juni hatten die wichtigsten palästinensischen Wertpapiere in Tel Awiw folgende Kurse: Allgemeine Hypothekenbank Swiige Pfandbriefe 19'IS 55, 1930 56, 194156, 1942 57 0S! 2 (bisher: 98V1); 6n״ige Pfandbriefe 1931 54 l()|יי , (bisher: 101r׳ V); 6 "״ige kiini. Vorzugsaktien 10S! , (bisher: 107"!); Keren Kajemeth Ecjisrael 2'2״״igc Pfandbriefe 76 (bisher: 75); Bizur 6 “ oige Pfandbriefe 1938 '43 QS:׳ ׳, (unverändert); Nir Ltd. 4 ",feige Pfandbriefe 1937 51 83■' , (bisher: Si1 j). (Mitgeteilt von der Ellern’s Bank Ltd., Tel Awiw.) Die neue Siedlung S’de Warburg Links: Blick auf die neuangclcgte Rassco-Siedlung S’de Warburg (auf dem Boden des KKL) am Tage der feierlichen Einweihung der ersten 30 Häuser. Die Leier wurde mit einem Quartett von Mozart, vorgetragen vom Gallimir-Quarlelt aus Tel Awiw, eröffnet. Rechts: Blick in die Festhalte bei der Eröffnungsfeier. Im Hintergrund über den Musikern ein Bild von Prof. Otto Warburg, am Tisch in der Mitte Dr. Ruppin zwischen Dr. Foerder und Dr. Landsberg. Folo|1 R w I 2^־305 a* '&U- ׳ w: 58s

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