Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1938-06-03 · Heft 44-45 (3.6.1938) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 44-45 (3.6.1938)
Date
1938-06-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2651273-2653549-2653583--32246-2683957
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 44/45, 3, VI. 1938 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 7 Aus der Geschichte der Juden in Oesterreich In einigen Aufsätzen sollen an dieser Stelle Geschichtsbilder geboten werden, welche aus der Vergangen• heit der Juden in Oesterreich die Haupllinien des Ablaufs ihrer Historie zeigen. Dabei soll das Hauptgewicht auf die Kräfte und Gestalten gelegt werden, die Eigenart warm. Anfänge und erste Siedlungen im Frühmittelalter Von Dr. Ludwig F e 11 c 111 w a n g c r, München Als um 400 v. Chr. Keltenstämmc im Norden der Alpen in die Sudctenländcr und das Donautal eindrangen, hatte eben in dein kleinen von Esra unter persischer Oberhoheit wiedererrichteten unscheinbaren jüdischen Tempelstaat eine Volksgcmeindc zu wirken begonnen, die erst in den folgenden Jahrhunderten — in der Geschichte unter dem Namen ״Spütjudentum“ — ihre Weltweite und eigentliche Geschichtemächtißkcit erlangte. Vom östlichsten Rand des Mittelmeer- Raumes aus stieß ziemlich spät das ״Gcsctzcsvolk“ — nicht früher als seit den Zeiten des Pompcjus und Cäsar — seine ersten Volkssplitter nach Europa aus. Zweihundert Jahre später waren rings um das Weltmeer des Altertums jüdische Siedlungen entstanden, die sich bis an die Grenzen des römischen Reiches ansdehnten. Unter Atigusfus sind die österreichischen Länder in das Weltreich mit eingegrenzt worden; das Gebiet südlich der Donau war im Jahre 15 n. Chr. unterworfen. Von den Kaufleuten aus Aouilcja war die römische Durchdringurig des norischen Rdclies wesentlich gefördert worden, wofür ihr Weihgeschenk, eine Bronzcstatuc auf dem Helenenberg beim Zollfeld, eine beredte Sprache spricht. Auf itali- Sehern Gebiet, besonders in Oberitalicn und an den Grenzen des Limes, sind die Jude« zwar meist erst in der späteren Kaiserzeit nachweisbar. Doch fanden sich gerade in Acinilcia deutliche Zeugnisse von jüdischen Grabinschriften (z. B. Römische Inschrift hei Garrueci Ciiniterio p. 62), die für diesen Ausgangspunkt römischer Besiedlung und Durchdringung der österreichischen Länder auf eine Mitwirkung der Juden 11 indeuten. Mit Kaiser Claudius (41—54 n. Chr.) machte die Roinanisicrung südlich der Donau Fortschriife. Ohne der künftigen methodischen Auswertung der großen archäologischen Arbeiten über Rätien, Noricum, Pannonien vorzugreifcn, darf aus der Zugehörigkeit dieser Provinzen zu dem römischen Weltreich und zu der hochentwickelten Mitfclmecr-Kultur, und damit zu einer geordneten Verwaltung und einem erträglichen Steuersystem, auch aut die Erhaltung der einen oder anderen Jtidensiedhmg im Osten geschlossen werden, wenn sich auch an den bekannten österreichischcn Orten vorrömischen und römischen Ursprungs innerhalb des Imperiums bis jetzt keine unmittelbaren Spuren von Judenstatten irgendeiner Art fcststellcn ließen. In den Schieksalsjahrcn jüdischer Geschichte, unter Vespasian und Hadrian, erwachte das römische Städteleben aut Österreichs schem Boden: Brigantium (Bregenz) in Rätien, Juvavum (Salzburg), Carnuntum (Petronell), Vindobona (Wien), Cetium (St. Pölten), Ovilava (Wels) sind Beispiele dieser Kolonisation. Bis in die Zeiten Marc Aurels herrschte über 100 Jahre Frieden; die damalige allgemeine jüdische Situation in dem übrigen umfassenden Mittelmcergebiet erlaubt den Schluß, daß die überall verkommenden Juden dieses mächtigen geschlossenen Kulturkreises bis an den Bereich der äußersten römischen Kastelle, Verwaltungsbezirke und Städte mit vorgedrungen sind. Ihr kulturelles und verfassungsmäßiges Leben müssen wir uns so wie in der sonstigen römischen Mittelmccrvvelt verstellen. Das große Problem der Kontinuität röniischer Siedlung darf an und für sich nicht leicht genommen werden; auch größere Römerorte sind in den folgenden unsäglich turbulenten Jahrhunderten der Völkerschübe verschwunden. Namens- und Siedlungsforschungen haben hier das letzte Wort zu sagen; auf jüdische Spuren wird man dabei das Augenmerk neu .zu richten haben. Oft lebt nur der Name, oft nur der Grundriß der römischen Siedlungsanlage, nirgends in dem ganzen Gebiet eine unmittelbare Ucbcrnähme unzerstörter römischer Städte oder Dörfer. Von jüdisehen Grabstätten, Steinen jüdischer Herkunft ist bis jetzt noch kein Rest aufgetaucht, von zusammenhängenden Siedlungsspuren ganz zu schweigen. Die große Wendung kam durch Einwanderung und Landnähme in a rkoni a n!1 isch e r Nachkommen in die Donau-Täler und Alpenländer. Unter den Stürmen, die andauerten, bis sich der Schwerpunkt der Geschichte vom Mittehneer nach dem Norden verlegte und bis die Weiterentwickhmg nach Osten und Süden ging, wurde die Mittelmeer-Kullur unsichtbar. Ortsnamen-, Siedlungsplan- und Flurforechung haben erwiesen, wie kleinere, weilerförmige Niederlassungen mit zugeordneten Scharen von Freien und Unfreien sehr langsam zu größeren Siedlungen ztisanimenwuchsen. Es ist eine bloße Annahme, daß verkommende Einzelgänger und Familien aus jüdischem Stamm dabei bis zur Unkenntlichkeit eingeschmolzen wurden. Die spätere lose Oberhoheit der Franken ließ die östlicher! Stämme selbständig bestehen. Reiche Funde itt Niederösterreich und im Burgenland, aber auch in Ober- Österreich, Steiermark und Kärnten zeugen von der lieberflultmg der Awaren im 6. Jahrhundert. Es war ein Uralaltaiisches Reitervolk; und in seinem Gefolge waren slawische Hilfsvölker initeingebrochen. Orts-, Fluß- und Bergnamen lassen die Spuren dieser Slawcnsiedhmgen noch deutlieh erkennen. Missionierung und Kolonisierung, Ausbau und Erschließung des Landes durch geistliche und weltliche Grundherren, Magyaren-Stiirmc und ihre Abwehr formten am Ende des ersten nachchristlichen Jahrtausends die nun dauernd gesicherte Reichsmark, für die sich schon 096 der Ausdruck ״Ostarrichi“ findet. Tykocinski hat i!1 der ״Germania Judaica“ aus hebräischen Quellen und Urkunden die folgenden verschiedenen Schreib- und Ausdrucksweisen für Oesterreich zusammcngestellt: אוסטאריכא - אישטרייך - אושטריכא — אושטריך — אושטרייך — אושטריאה — אושטאריכא — שעיר החורי — Berühmt ist die erste urkundliche Erwähnung der Juden in der Ostmark in der Raffelstetter Zoiiurkundc aus dem Staatsarchiv in München. Es ist ein zwischen 903 und 906 verfaßtes Aktenstück, das unter König Ludwig dem Kind (900—011) auf einem Gerichtstag vor beeideten Zeugen zu Raffelstetten a. d. Donau (zwischen Linz und Enns) niedergeschrieben wurde. Nach Feststellung der Zollrechte (Iura thelonica) und der Zollübung (niodus thelonii) in früherer Zeit unter den Herrschern von 843—890 wird u. a. darin bestimmt, daß beglaubigte Kaufleute, das sind Juden und die übrigen Kaufleute, mögen sie aus Bayern oder anderen Provinzen des Reiches stammen, sowohl von Sklaven als auch von anderen Waren die alten Zollsätze wie unter dem ersten ostfränkischen König zu zahlen hätten. Ob diese Juden der Ostmark, deren Anwesenheit hier schon für die Zeit seit 843 vorausgesetzt wird, Nachkommen von Kaufleuten und Ansiedlern' jüdischen Stammes in der Römerzcit waren, läßt sich nicht sagen. Auf den Nachweis der Wahr- *cheinlichkeit eines solchen Zusammenhanges ist viel Scharfsinn verwendet worden. Mit Sicherheit geht aus der Heraushebung der Juden in der Raffelstetter Urkunde als privilegierbcispielsmäßig für jüdisches!Fesen und jüdische (Red.) 1er Händler mir hervor, daß sie als Fremde, im heutigen Sinne von Ausländern, bevorzugt und mit Achtung behandelt wurden, weil ihre Tätigkeit i!11 frühen Mittelalter wie überall in den neu erschlossenen weiten Ländern Europas damal* noch als lebenswichtige, unentbehrliche Wirtschaftsfunktion angesehen wurde. In der damaligen Wirtschaft und Gesellschaft der Donaulätider läßt sich die Rolle der Juden im frühen Mittelalter ziemlich deutlich itachzeiehnen. Als Zwischenschicht in einer festgefügten Ordnung, in welcher sie weder Herren noch Knechte, weder bäuerliche Hintersassen noch Handwerker sein konnten, waren die Juden im Warenhandel und Güterverkehr Vermittler mit reichen Erfahrungen und guten Verbindungen. Sie gehörten dem schon für das 9. Jahrhundert gut belegbaren Stand der ״Negotiatores“ (Katiflcute) über das ganze christliche Abendland hin an. Nachricht von Judenansicdlungen mit festen Einrichtungen haben wir für die österreichischen Gebiete erst vom 12. Jahrhundert ah. In den auf die Ostkolonisation bezüglichen Quellen (wir haben kein Domcsdaybook wie für England aus dem Ende des 11. Jahrhunderts) ist zwar nichts von Bevölkerungszunahme, die man als Hauptantrieb der Waldrodungen und sonstigen Ausdehnungen nach dem Osten annimmt, zu lesen, aber am Endeffekt, den neuen Niederlassungen, ist dieser Erweitcrungsdrang deutlich sichtbar. Um 1200 setzt in der Mark Oesterreich noch eine letzten Kolonisationsepoche ein: auch die schwerer zugänglichen Waldgebiete in! nördlichen Nieder- Österreich werden min in Kultur genommen, und das Land bedeckt sich allenthalben mit Städten, nachdem schon seit dem Ausgang der bayrischen Landannahmc, gefördert von dem Herzogshaus (in Regensburg) und der Kirche die Siedlungen donauabwärts und die Alpcntiiler nach Osten immer weiter vorgedrungen waren. Die grundherrlich-bäuerlichen Verhältnisse blieben lange vorherrschend. Der Hühner persönlich freien Standes, andere Besitzrechtsträger, Hörige, behauste Knechte und Eigcnleute, große und kleine Hcrrcngcschlechter, die Klöster: trotz der Buntheit der Stände und Schichten ein streng geordneter Gesellschaftsaufbaii, in welchem der Jude keinen Platz haben konnte. Derart waren jedenfalls die Bevölkerungstypen, mit denen seit dem!2. Jahrhundert in steigendem Maße der alte jüdische Stamm zusammentraf, geschichtet. Oesterreich lag an einer Hauptstraße des damaligen Das Schicksal hat mich nach Cambridge verschlagen. Katalogisierarbcit auf dem Gebiete der Geschichte und Erdkünde ist mir hier zuteil geworden. Das ehrwürdige Queens’ College, von Margarete von Anjou, der Gemahlin Heinrieh VI. von England,!446 gegründet, besitzt eine Bibliothek von ca. 50 000 Bänden. Sie sind ihr größtenteils aus Privatbesitz zu Lebzeiten der Eigentümer geschenkt, zum Tei! auch testamentarisch vermacht worden. Daneben bestand ein Fonds zu ihrer Anschaffung. Von altershcr die Stätte für hebräische und orientalische Studien, hat ״Queens’“ auch eine stattliche Sammlung Judaica und Orientalia, die näher zu betrachten ich Gelegenheit habe. Vor kurzem fand sieh bei der Umgruppierung von Büchern ein hebräisches A 111 i tl o f a r i 11 in (Gegengifthand- oder Lehrbuch), über dessen Geschichte ich folgendes in Erfahrung bringen konnte: Diese Handschrift entdeckte man im Einbanddeckel einer Sammlung hebräischer philosophischcr Broschüren, Als Folge der Erfindung der Buchdruckerkunst wurden viele Manuskripte vernichtet oder aber zu Bucheinbänden weiterbenutzt. Zuweilen gelingt cs, sie zu ermitteln und vor dem Untergang zu bewahren. So hier; dies hebräische Manuskript ist ein Fragment aus einem frühen, sehr gu'en medizinischen Wörtcrhu 11. Jedoch scheint das auf uns gekommene Bist: kein Beispiel für das tnediz.inische Können des Schreibers zu sein, denn es befaßt sich mit dem Theriak und dem Mithradatc (Gegengifte). Man hat nachgewiesen, daß der Theriak aus dem I ondoner Arzneibuch von 1746 ausgestrichen war, und dies auf Grund von Untersuchungen durch William Heberden, Moses z ii r וו t Von Max Spanier Nodi Ist kein Wort dem Mund entfallen. Die Hönde hoch und stell, den Blitz zu hemmen, Der aus der offnen Wolke bricht, zu richten. Die Lippen zucken, ein verschlobner Schlund Voll Grimm und Aufruhr, Fluch ren lene, Des Haders und des Lästerns teige Brüder. Der Blick ein Bündel Klage und Ermahnen, Der Wunder größtes hat sie nicht erhoben, Muß erst des Himmels Stratgeridit sie süchtigen? Der Wolken Flügel gibt dem Haupte Gröfte, Der Körper, schwer, bedrängt das Erdenrund ln seiner ungeheuren Flucht zu eilen. Nodt ist kein Wort dem Mund entfallen, Die Frauen in den Zelten weinend hlngesfreckt; Das Heilig 1 Heilig 1 wird zum klagenden Gestöhn. Gib Raum dem Fludte — Quelle neuen Glaubens, Der Strafe Sdiwere — wir tragen dein Gebot, Des Fehlgangs Sturz wirft höher unseren Blick Zu Dir, zu Ihm, Gib uns Dein Reich, MHi1u11H11ßf1H1n1H1u11i)111nH)t1m1111mmmwi1ß1Hnm1i1mmim1m1111m1mm11!11ui11f111w!tH»1HiiH1111ßu1H1mm11in11 einem Schüler von Vlgani. Letzterer war der erste Chemie- Professor in Cambridge und lehrte in den Jahren 1703 bis 1712. Er war ein Gegner der Alchimisten, ״Feind aller Theorie, dem die Erfahrung als Führer diente“. Queens’ College besitzt noch heute Prof. Viganis Schränkchen der materia medica, und cs liegt eine leise Ironie darin, daß man das Manuskript, das sich mit dem Theriak befaßt, in Reichweite des Kastens auffand; denn während er sich Oppenheim Das bekannte Spezialhaus für Kleiderstoffe Charlottenburg, Wilmersdorter Str. 115-116 Wollstoffe — Samt — Seidenstoffe Weltverkehrs vom Rhein nach den Donaulamlen. Dabei spielte am Alpcnrami der Sal/hamlel eine besondere Rolle. Die jüdi* sehen Niederlassungen in der Ostmark sind vor ,allem von R c g e!1 s b u r g, wo siel: schon im 12. Jahrhundert eine berühmte jüdische Gemeinde befand, ansgegangen. Regensbürg beherrschte damals den Handel der Donau entlang; der Regensburger Denar (Silberpfennig) gewann den weitesten Umlauf. Die Krruz/üge schreckten die Juden aus ihren alten westlichen Wohnsitzen auf: die österreichischen Markherzöge seit Leopold V. (1177 1 UM) beriefen sie ״der ließen sie als Förderer des noch dünn besetzten Handels in den Ostgebieten zu. Hier bildeten sich nun nach westlichem Vorgang Minjan und Kulfusgenossenschaft, Synagoge und Schule, die alle mittelalterliche oft beschriebene autonome Kehilla, zunächst in Wien später in Krems und Wiener-Neustadt, in Tulln, Steycr und Klosterneuburg. Für Krankenpflege und Bestattung bestand in Wien schon 1320 eine Chcwra knilischa. Die jüdische Gemeinde mit Zwangsheit rügen und Bannrecht ist auch in Oesterreich uralt, allerdings erst in dem Mandat Kaiser Friedrichs III. (11. August 1477) bezeugt: Darin wird dein Juden Mosche in Radkerspurg, Meister der Judenschaft daselbst, befohlen, in dem Streit der Jüdischheit in Marburg mit David Ara ins Sohn zu Marburg diesem den Beitrag von 12 Gulden zum Bau der jüdischen Set!Ule in Marburg zu erlaßen, ,,nachdem er daselbs zu Marchbürg nicht mer wonen wil" und darob /u sein, daß die Mar- Bürger Jüdischheit ihn uuhehclligt lasse ״umi in dcshalbcn mit keinem pan noch anderen jüdischen zwaugg nicht dringen“. Dieses spate Zeugnis steht bereits am Ausgang des Spätmittclalters, am Ende einer Entwicklung, die fa-t-lno Jahre vorher begonnen hatte. Ab 1101־. im Zeitalter der Kmi/'/üge, hatten Verkehr und Handel I.ing der Donau ,111:1 Morgenlande zu immer mehr zugenonunen. Wien war ein!• Stadt im Rcchtssinn geworden: seine Handclsbodcutmig wuchs, war doch die Lage der Stadt hegun-iigt am I ).uiniilor, wo die Donaustraße mit der von Venedig kommenden St 1 alle!!her den Semtneringpall zusaminenstieh, Nahe der Reiihsgrcnze waren hier Warenumschlag und Stapel notwendig g»'uorrion, außerdem beichte der nahe Weinbau Yeikehr und Lebenshaltung. Die Wirt.schnftsfiinktion, die liier den Juden /uliel, ermöglichte eine aufsteigemle Kehilla mit einem I .igenieben, das Epoche in der allgemeinen judi-chen Geschichte gemacht hat. gegen den Theriak aussprach, befand sieh eine der .ältesten Formeln dafür in Cambridge geradezu an seiner Seite. Das Manuskript ist mit hebräischen Buchstaben gcsehricben, in rabbinischer Schreibweise, von einer spaitiseh-nord* afrikanischen Hand des 13. Jahrhunderts. Fs wird nngenotnmen, daß der Autor ein jüdischer Arzt war, der an der spanischen medizinischen Schule studierte. Dies läßt sich aus einigen Fachausdrücken nachwciseit, die aus romanischen Sprachen übernommen wurden. Einer von ihnen, Lavendel, genannt Esticados, ist spanisch; ein anderer, Pcgamim harmala, rite, Ritda, desgleichen. Das Alter des Manuskripts läßt sich ans folgendett Angaben bestimmen: Zeile 16 der Rückseite gibt den F.zra-Tneriak an. In dem sieh im Britischen Museum befindlichen Manuskript, welches das Antidotarium des Nicholas aus Montpellier in der hebräischen Ucbersel/ung von Jacob d. Kleineren enthalt, ist dieselbe Formel angegeben. Jedoch wird sie int Titel dem ,.verstorbenen Propheten Ezra“ zugesehricben. Die seltsame Bezeichnung Prophet oder l'rof,•!eins, Prordv'de, Pmfiat. Ha-na bi, hat man noch nicht genügend erklären können. Der Titel ,,Prophet“ wurde von einer Anzahl von Männern getragen, deien bekanntester Jacob h. Makhjr war. Fs gab auch einen ״Propheten“ Ezra in Moucnu'our, von dem mau jedoch weih, daß er nicht Arzt war. Rah hi Meir von Rothenburg (1215 -!261) spricht von ihm als von ,,meinem Lehrer''. Fr war (Rotator zu Ra sc bis Tnlmud-Komineuta r, Fs ist nicht sicher, daß dic-er l'zra der Autor des Thcn'nk, bekannt als ״F/ras The nak", war; andererseits ist es ebeiwo iiiiwmh: schwidirh,!iah man diesen an sieh seltenen Ti!el ״Prophet“ zwei M,im:c!1׳! namens Ezra gegeben haben sollte. Wenn man!11111 die I leik inlt des Mammkripts als nachpfwiesen annimmt, so!null da- Manuskript zu Ezras Lebzeiten geschlichen worden sein, denn die gebräuchliche Forirel .,«!•׳hrono liwracha“ wird nicht angewandt, wie dies im ,Manuskript des Britischen Mmrums der Fall ist. Sind alle diese Angaben korrekt, daun stammt die I iamPchrift aus dem 13. Jahrhundert. Die medizinischen Fachausdrücke des Manuskripts siammen ans den verschiedensten Sprachen: i lehr,tisch, Syrisch, Arabisch, Türkisch, Persisch, Indisch und aus einigen romaniselten. Ihre Auslegung und Deutung hat sieh allenthalben als schwierig erwiesen. Es gibt eine Menge Manuskripte -. die schon genannten und andere —, z. R. in der liniversitv Library, Cambridge, in der Ribliothcquc Na'ioualc usw., mit denen das Antidotarium verglichen werden käme_ Ilse Coitnen Heb ä'sche Literatur in Zahlen. In Palästina leben 285 hebräische Schriftsteller, das sind 75 ״׳<׳ der hebräischen Schriftsteller überhaupt. Von ihnen sind 47 Lyriker und Dramatiker, IS Romanciers und Novellisten, 23 Kritiker und Essayisten, 49 Journalisten, 10 Historiker, 20 Verfasser von pädagogischen Arbeiten 1!11d lugcndlektüre, 5 Archäologen und Kunsthistoriker, 10 Philologen, 14 Wissenschaftler auf verschiedenen Gebieten, 24 Judaisten, 7 Bibliographen, 7 Agrikultur-Wissenschaftler, 5 Philosophen, 8 Folkloristen, 4 Juristen, 4 sonstige. Von diesen 285 Autoren lebt nur ein kleiner Feil vom Ertrag seiner schriftstellerischen Arbeit, nämlich die 49 für Zeitungen tätigen und als Journalisten; bezeiclmcten. 70 sind im Hauptberuf Lehrer (oder leben hauptsächlich davon), 31 Beamte, 12 Angestellte der Universität, 10 Verleger, 10 Angestellte von Organisationen, 5 Aerzte, 5 Agronomen, 4 Juristen, 3 Regicrungsbeamte, 2 Kolonisten, 1 Schauspieler. Die ״Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland“ (Philo-Verlag, Berlin W 15) enthält in ihrem neuesten Heft eine Arbeit von Dr. Siegfried Stein über die erste jüdische Zeitschrift in deutscher Sprache, ״Sulamith“, die von 1806 bis 1848 in Dessau und Kassel erschien. Ferner wird das vorläufige Personenregister zu den! in Bearbeitung befindliehen 2. Band (1238—1350) der ״Germania Judaica“ veroff entlieht, lieber die Spcyercr judcnprivilegicn von 1084 und 1090 schreibt Dr. Raphael Str aus, und Dr. Felix Lazarus behandelt ״Die Judcnbcfchlshaher im Münsterland“. Die Zeitschrift beschließt mit diesem Heft ihren VII. Jahrgang. ..........111111 iinm ...... ..!,:i. .״m. iiniimüiHimiiiilliii Jüdische Schätze in Cambridge

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.