Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 41 (24.5.1938)
- Date
- 1938-05-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU AUS DEM REICH Nr. 41, 24. MAI 1983 Kulturelles Leben in Leipzig Im Kulturbund rezitierte Edith H er r n st ad t-O etfingen mit tiefer Wirkung Werke von Martha Wertheimer, Sturmann, Zimet und eine eigene humorvolle Erzählung ,,Jaschck Schepse!״. Die feierlichen Wortquadern von Ezechiels Vision aus Kapitel 37 in Bubers Ueberset/ung standen grandios im Raum, und Rahels Ringen mit Gott in Stefan Zweigs Legende war von höchster Spannung getragen. — In heitere Gefilde führte der Arien- und Duett e-Abcrid, den Rita Atlasz (Koloratursopran) und Ernö Garay (Tenor) bestritten. Von Erna Klein begleitet, sangen sie ein buntes Programm aus Oper und Operette, das die schönen Stimmittel des Sängers und die kunstfertige Koloratur der Sängerin in hellstes Licht setzte. — In einem Kammerorchester-Konzert, das Barnet Licht mit seinem Collegium musicum im Kulturbund-Theater veranstaltete, erschien als stürmisch begrüßte Solistin Tanja Ury-Z unser mit Klaviersoli von Chopin und Ravel, die sie mit dem ganzen Zauber ihrer pastellweichen Anschlagfarben spielte, während die virtuos dargestellte einsätzige Klaviersonate in dls-rnoll von Skriabin nicht mehr als einen Achtungserfolg errang. Die Konzertmeisterin des Orchesters, Mirjam Zunser, erfreute, vom Orehester delikat begleitet, durch eine erfrischend unsentimentale Aufführung eines der Violinkonzerte von Vivaldi. In zwei Concerti grossi von Händel und zwei kleinen ״Sinfonien“ für Streicher und Cembalo von Vivaldi zeigte des Orchester rhythmische und klangliche Dis/inlin. — Julius Bah sprach über den .. Wi d <• r I ר. י! I der Bibel in der enrrmäischen Literatur“. — In einem stark besu hten Gemeinde-Abend lief der Film der Reu lisvei trvttiug ״Schadender Wille — Juden werden Bauern und I larulwerker", den Rabb. Dr. Leo Baeck mit einem gedankentiefen Vortrag einleitete. Mit Ansprachen von LGDir. A 1 1 e r t h 11 m und Dr. Franz Mover wurde dann die diesjährige Aktion für Hilfe und Aufbau eröffnet. Dr. R a b i n o w i t z Brief aus Nürnberg Die” winterliche Tätigkeit des Kiilttirhmidcs fand auf musikalischem Gebiet ihren Ansklang mit einem Lieder- und Arienabend von Paula S a 1 o m o n - L i n d b e r g (am Mtige!: Erich E i s!ו c r - München). Die Sängerin brachte Oratoricriaricn sowie hebräische und jüdische!.Jeder zum Vortrag. Mit Franz Molnars ״Delila“ wurde zum ersten Male eine Komödie »»[geführt. Der geschickte Aufbau des Stückes sowie die flotte und geschlossene Aufführung der Hamburger ließen alle äußeren .Mängel zurücktreten; sie verhalten Dr. Hans Buxba 11 in und seiner Truppe zu einem vollen Erfolg und uns zu einem amüsanten Abend. — Für die Schuljugend gab es ein wirkungsvolles Puppcnspiel. — Am 28. 3. fand der Film ״Schaffender Wille“ des Zentralaus- Schusses für Hilfe und Auffrau Anerkennung und Rewunderting. In Anwesenheit von Dr. Moser (Berlin) vorgeführt, illustrierte er in ausgezeichneter Weise die Angaben, die Komm,-Rat Rosen zweig und R.-A. Dr. Landenberg er (Nürnberg) über die Arbeit der Reichs- Vertretung, insbesondere auf dem Gebiet der Berufsausbildung und der Umschichtung, machten. A ~n. Künstlerisches und geistiges Leben Dortmund. Im März rezitierte Koninski in verschiedenen Städten Westfalens, so in Dortmund, Recklinghausen, Bielefeld und Gelsenkirchen. Er hatte ein wirkungsvolles Programm aus Werken von Scholern Alcchem, Perez u. a. unter dem Motto ״Der jüdische Humor“ zusammengestellt. Der Erfolg war groß. Freiburg 1. B. Im Jüdischen 1.ehrhaus las im Sommer 1937 der Dichter Dr. J. Picard aus seinen Werken. Hie Winterarbeit wurde mit einem aus vier Abenden bestehenden Vortragszyklus cingeleitet. bei denen folgende Redner spracheti: Dr. Arnold Beniev (Berlin) über ,,Die Geschichte Israels“; Rabb. Dr. Grünewald (Mannheim) über ״Land und Volk Israel“; Rabh. Dr. Dienemann (Offenhach) über ״Gallith Dortmund *v?'*{vvoc?1■ 25.Mai,20.30Uhr,Gemeindehaus Rabb. Dr. Kronheim — Bielefeld Maurice Hirschteld — Berlin Palästina - die ZuKuntt des jild. Volkes Ortskomitee Dortmund der Jewieh Agency Zionistischer Ortsverband Dortmund Israel“; Rabb. Dr. Schiff (Karlsruhe) über ״Seele Israels“. Ueber die aktuelle Araber- und Palästinafrage unterrichtete ein Vortrag von S. Schachnowitz (Frankfurt a. M.) ״Israel und Ismael“; Prof. Dr. Billigheimcr (Mannheim) sprach über .,Der Stand der jüdischen Gebetsauffassung im letzten Jahrnundert“. Frau Dr, Frankenau (Freihurg i. Br.) sprach an einem Abend über das aktuelle Thema ״Medizinische Probleme zur Auswanderung“. An einem weiteren Abend rez.i- Kundgebungen der Jewieh Agency u. des Keren Hejessod Dr. Michael Traub Auf dem Wege zur Staatlichkeit Zur gegenwBrtlgen politischen und wirtschaftlichen Lage ln Palästina Augsburg: Mittwoch, 25. Mal, 20.30 Uhr in der Synagoge Karlsruhe: Montag, 30. Mal, 20.30 Uhr In der Synagoge tierte Altred Auerbach (Frankfurt a. M.) aus seinen Werken. Die Vortragsreihe wurde im Laufe des März mit einem Vortrag von Rabb. Dr. Dienemann (Offenbach) über ״Die Bibel in ihrer Bedeutung für den heutigen Menschen“ geschlossen. — Besonders gedacht sei der ״Religiösen Feierstunde“, die am 28. Januar anläßlich des 75jährigen Bestehens der Synagogengemeinde Freiburg veranstaltet wurde und in der Rabb. Dr. S. Scheuermann eine Schilderung ihrer Gründüng und weiteren Entwicklung gab. Die Feier war umrahmt von Solo-Vorträgen von Oberkantor Ziegler unter Mitwirkung des Synagogenchors. — Eines besonderen Interesses erfreuten sich die Sprachkurse. Es fanden statt: 6 englische Kurse, geleitet von Leliraintsassessorin Dr. Ilse Hamburger; 1 Iwrith- Kurs, geleitet von Kantor Kuflik, die auch im Sommersemester ihre Fortsetzung finden werden, wie die Musikalische Arbeitsgemeinschaft von Dr. Katz. Der von Kantor Kuflik geleitete Raschikurs fand im Februar seinen Ahsehluß. Der von dem Lehrhaus eingerichtete Lesesaal war an den Sonntagen gut besucht. Hannover. Rita A11 a s z und Ernö Garay sangen mit großem Erfolg im Jüdischen Kulturbund Hannover. Landau. Am 3. April gab der Karlsruher Synagogenchor unter Leitung von Kapellmeister Curt Stern ein Synagogenkonzert. Als Solisten wirkten mit: Dr. Karl Mayer (Ban), Oberkantor Julius Kraemer (Tenor) und Fräulein Oppenheim (Mannheim) (Sopran). An der Orgel saß Ruth Poritzki (Karlsruhe). Im Kulturbund gaben Camilla Spira-Eisner und Erna Klein (Klavier) einen Bunten Abend. Als letzte Veranstaltung gab das Streichquartett des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Main ein Konzert, bei dem Annie Steiger-Betzak, Rubin Rabinowicz, Theo R a t n e r und Godfried Zeelander mitwirkten. — Dr. Leo Scherek sprach in einer Palästina-Kundgebung der Jewish Agency und des Keren Hajessod über das Thema: ״Erez Isral und das Jüdische Volk“ und in einem Vortragsabend des Makkabi Hazair über die Gottesanschauung des Judentums. — Paul Steeg behandelte in einem Vortrag des Hilfsvereins der Juden in Deutschland Fragen der Ueberseewanderung, sowie die Aufgaben und die Arbeit des Hilfst- Vereins. Offenbach a. M. Im Verein für jüdische Geschichte und Literalur gaben Ludwig Oungenhcim, Frankfurt (Gesang) und Willi Salomon, Frankfurt (Klavier) einen Lieder- und Arienahend. Ankündigungen Bremen! 25. Mal, Dr. Daniel Brorhes im Gemeindehaus, Gartenstraße: ״raliistinaAVanderung — Probleme und Möglichkeiten“. — Frankfurt a. M.s Gesellschaft für jüdische Volksbildung. 29. Mai, 20.15 Uhr, Unterlindau 21: Religiöse Weihestundc. Rabb. Dr. Iforovitz: ״Die Thora im Lichte der Mischne Thora des Moses Maimonides“. Familien - Nachrichten Frl. Eva Lev i, Koblenz, beging am 20. Mai den 90. Geburtstag. Herr Julius L ץ c h e n h •c i m, Unna, Jiid. Altersheim, begeht am 5. Juni den 98. Geburtstag. Barmirwah-Termln. Am 28. Mai (27. Ijar): Benno Schnitzer! Sohn von Hermann Schnitzer, Wattenscheid. Briefe an die Redaktion Nochmals: Klima in Palästina Jerusalem, 17. 5. 1938 Sehr geehrte Redaktion! In Nr. 37 der ״Jüdischen Rundschau“ äußern sich I.):. Ru* dolf Fiehstättcr und Pr. H. Schachtel zu Gabriele Tcrgits Auba*z ״Klima“ aus Nr. 33. Wer Frau Tergits Aufsatz gelesen hnt, konnte sehen, daß darin eine Journah'stin ihre Auffassung, durch ihre Brille gesehen, wiedergibt. Die ״Tatsachen‘* werden um der launigen Pointen willen darge-Uellt. Pie beiden Fntgegner holvcn mit Recht sieh veranlaßt gesehen, zu korrigieren, aber sie ii.dven ihrerseits über das Ziel hir1:!U"ge-chossen. Ihre Frwiderung ist air’h nicht sine ira et ־audio gc»chriehen, ihre Idehe zn:n Lande hat fine Zurürkwci- Ging von Frau Tergits Parstel-!!in g, aber keine Bericht!• g ס h g diktier?. Gerade wenn der An-nmch erhoben wird. Vor• w.mil'en im Ansland und Neu* elmvanderem ein richtiges Hi'd zu verschaffen, sollte man d e Wahrheit, die auch in diesem F;u! in der Mitte liegt, schildem. Fs gibt hier Landregen, der tagelang anhalfen kann. Pie Re* genperioden sind aber oft von schonen Tagen unterbrochen. Wer er 5—4 .4׳ Winfer hier erlebt hat. hat nicht genug Material, um zu sagen, daß das Klima europäischer geworden ist. Pie einzelnen Winfer sind verschie* den voneinander, bald müder, bald Schürfer, der Regen setzt bald frühzeitiger ein. bald spater, die Regenfälle kommen bald mehr hintereinander, bald mehr verteilt über die Regenmonate. Auf dem Land sinkt man oft in die ״Botz“ ein, die Städte sind größtenteils gut gepflastert. Ein großer Teil der Obergeschoß* Wohnungen laßt zur Zeit der stärksten Niederschläge Regen durch, die Westwände vieler Jerusalemer Häuser sind jeden Winter durchfeuchtet, in vielen Mietshäusern dringt Wasser durch Tür- und FensterschwcUen. Aber es gibt auch viele gutgebaute Häuser, wo das nicht mehr der Fall ist. Meine Freunde, die sehr lange im Lande sind, erzählen, daß man früher mit dem Regen* schirm im Bet? gelegen habe. So romantisch ist es in den fünf Jahren, die ich übersehe, nicht mehr. Pies mir um der Richtigkeit wiMen, •— unangenehm ist das Durchregnen nur für den Hauswirt, der die Repara* turen zu tragen hat. Für die Allgemeinheit wichtiger sind die C h a m s i n e. Ich kenne niemanden, der wegen Charmin nicht au^geht, seinen Verabredungen und Geschäften nicht genau so nachgeht wie immer, viele aber, denen diese Tage sehr schwer fallen. Hier ist nicht der Ort. auf die klimato ־ physiologischen Besonderheiten der Chamsine (die sehr interessant, aber keinesfalls geklärt sind) einzugehen. Aber es mag betont werden, daß die Chanisine sich sicher von europä* ischen heißen Tagen unterscheiden. seihst wenn der Temperaturunterschied manchmal gar nicht so groß ist. Die Wirkung der Chamdne Ist durchaus nicht mir eine Hitzewirkung, sondern u. a. auch in großem Maße eine Strahlungswirkung. Die Sförun* gen, die der Chamsin hervorruft, kommen eher bei großen elekfrischen Ladungen der Atrno- Sphäre — Gewittcrtngen — als bei heißen Tagen in Mitteleuropa vor. Die Kinderärzte sehen in Chnmsintagen bei Säuglingen schwere Toxioosen, und sie haben hier gelernt, ihnen zu begegnen. Bei Erwachsenen gibt es vielfältige Störungen, von Ma* gen-, Darmbeschwerden, Schwelhingen. und Reizungen der Schleimhäute bis zu schweren Oollapkcn. — Als ich vor kur• rem von einer Patientin, die einwandern möchte, nach dem Klima gefragt wurde, konnte ich — bevor ich auf sie persönlich einning — nur sagen: Es gibt Menschen, die gar keinen Unterschied merken, Menschen, die sich hier besser fühlen als in Europa (das habe ich z. B. bei Klimakterischen und Patienten mit erhöhtem Blutdruck gesehen) und andere, besonders solche mit labilem vegetativen Nerven* systetn, die gegen das Klima empfindlich sind. Bei diesen hängt die endgültige Stellungnähme aber auch von ihrer inneren Einstellung ab. Wer dauernd klagt:, was er hier nicht hat, hat auch beim Klima ein beliebtes Thema für seine Negativismen. Wer Land und Aufbau bejaht, findet zu seinen gelegentlichen Beschwer* den genau so eine Stellung wie etwa zu der Tatsache, daß man keine europäischen Gemälde* galcricn hier hat, oder daß man dauernd wieder denselben Ge* siebtem begegnet. Die Natur- Schönheiten, die Dr. Schachtel mit Recht betont, haben nicht unmittelbar mit den klimatischen Einflüssen zu tun. Schönheit und biologische Wirkung sind etwas Verschiedenes. Wirkliche Gefahren bringt das Klima kaum für jemanden, auch der Sen* sihle kann sich anerziehen, es sub specie aeterni zu betrachten. Hochachtungsvoll Dr. Käthe Hess« Im Jüdischen Kulturbund für Ostwestfalen u. angr. Gebiete, Herford (Bielefeld, Bochum, Detmold, Herford, Eschwege, Göttingen, Iserlohn, Hamm, Minden, Münster, Osnabrück, Paderborn, Soest), gastierte Frau Edith Herrnstadt-Oettingen, Berlin, mit neuem Programm jüdisdier Autoren und fand wieder überall ein aufmerksames und dankbares Publikum. — Alfred Auerbach, Frankfurt a. M., vermittelte durch seinen Vortragsabend ״Humorgaben jüdischer Literatur“ besinnliche und beschauliche Heiterkeit. Die Zuhörer dankten für den schönen Abend sehr herzlich. W. H. Der Bariton Hans Assenhefm (Frankfurt am Main) gastierte in den letzten Monaten in den Kulturbünden der Städte Düsseldorf, Essen, Leipzig, Mannheim, Stuttgart, Wiesbaden, Heidelberg, Erfurt, Halle, Braunschweig, Hildesheim, Saarbrücken, Pirmasens, Kaiserslautern, Landau, Bruchsal, Offenburg sowie im Bereich des Kulturbundes der ostwestfälischen Städte. Der Maler Siegfried Gillis (früher Essen) stellt in der Kunsthandlung Aalderink, Amsterdam, Spiegelgracht 15, seine Arbeiten vom 23. Mai bis 15. Juni aus. VERMIETUNGEN || FABRIKATION u. GROSSHANDEL ANGEBOTE Hamavlartel S L««r - Komfort - Zimmer, evtl, teilmöbliert, Teil- oder Vollpension. Dr. Kaufmann. Ruf: 39 02 72 3 Vorderzimmer m. Balkon kor •vtl. teilmobliert, aller Komfort, Küchenbonutzuof, «b 1. jaul xu vermieten. 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