Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 40 (20.5.1938)
- Date
- 1938-05-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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2: 5. CT i? Nt. 40 / Jaln-gang 43 Preis 25 Rpf. JÜDISCHE RUNDSCHAU RtdtkHoD, Verlag: and AnzelgenvenraUuagt Berlin W15, Melnebeatr. 10 Fernruf t 919031, Telegramm-Adresaet Orghlp. — In Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugagehühren. Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,—, 1« Viertel* jahr RM 5,75; hei Abholung RM 1,88 bzw. RM 5,39 (einschließlich Postzeitungs* gebühr von 10,72 Rpf je Monat). — Postscheck - Konten der Vertriebs ־ Abteilung •ür Groß-Berlin Berlin?1573, für da■ übrige Reich: Berlin 17392 BERLIN י״ט א"ד תרצ״ח FREITAG, 20. MAI 1938 Erscheint!*den Dienstaff and Freitaff. Gültig ist die Anzelgenprelsllste Nr. 3 vom 1. April 1936. Die zwölfgespaltene mm - Zeile 20 Rpf, für Familien- Nachrichten 15 Rpf. Keine Gewähr für Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Plätzen. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck - Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 9 — 18 Uhr, Annahmeachluß für die Dienstag - Ausgabe Montag10 ־ Uhr, für die Freitag - Ausgabe? Mittwoch 15 Uhr. Familien - Anzeigen am Tag vor Erscheinen 16 Uhr Der Zionismus erstrebt fdr das iOdische Volk die Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Der neue Kolonialminister Malcolm MacDoxtald ernannt Die Umbildung des britischen Kabinetts hat u. a. auch die nach dein Einzug Ormsby-Goros ins Oberhaus als Lord Harlcch erforderlich gewordene Neubesetzung des Kolonialamtes mit sich gebracht. Dieses Amt ist dem jungen Malcolm Mac Donald, der mit 37 Jahren bereits auf außerordentliche politisehe Erfolge zurückblicken ' '׳־־ י' r:~\ •ר—״ kann, zugefaüen. Malcolm MacDonald vertauscht seinen bisherigen Regierungsposten, das Ministerium fiir die Dominien, in dem er durch das Abkommen mit Irland eine politisch hervorragende Leistung vollbracht hat, mit dem Kolonialamt. Er übernimmt dort keine geringen Aufgaben, unter denen besonders das P a - lästlnaprohlcm durch seine Aktualität hervorragt. Allerdings ist Malcolm Mac Donald mit diesem Problem vertraut; er war bereits Malcolm MacDonald Archi» im Jahre 1035 einmal eine kurze Zeit Leiter des Kolonialministeriums, bevor er das Ministerium für die Dominien übernahm. Der Name Malcolm Mac Donalds ist ebenso wie der seines Vaters, des verstorbenen Ramsay MacDonald, mit der Geschichte Palästinas verknüpft. Im Jahre 1930 trat nach dem Erscheinen des sogenannten ״PafSfield-Weißbuclics“, das von jüdischer Seite als ein scharfer Angriff auf die jiidische Position in Palästina aufgefaßt wurde, ein Kabinetts- Komitee unter dem Vorsitz Arthur Hendersons, der damals Außenminister war, zusammen, um den Konflikt beizulegen, der zwischen der Regierung und der Jewish Agency ausgebrochen war. Malcolm MacDonald fungierte als Sekretär dieses Komitees, und er hat zum Zustandekommen der Verständigung hervorragende Dienste geleistet. Das Resultat der Verhandlungen war der bekannte MacDonald- Brief an Dr. Weizmann vom 14. Februar 1931, der auch vom englischen Parlament gebilligt wurde und insbesondere die Probleme der Einwanderung und des Bodenerwerbs regelte. Malcolm MacDonald hat aus seinen Sympathien für die jüdische Arbeit in Palästina kein Hehl gemacht. Am 21. Oktoher 1935 während seiner ersten Amtszeit als Kolonialminister sprach er auf einem Bankett, das zu seinen Ehren vom Anglo Palcstinian Club in London veranstaltet wurde. Er sagte damals u. a. folgendes: ״Wir freuen uns, mit diesem Werk verknüpft zu sein. Vt'ir wollen, daß die Arbeit gut getan wird. Wir wollen kein unsolid gebautes Jüdisches Nationalheim. Wir wollen sicher sein, daß es auf festen Grundlagen sieht. Und wenn der Ran wächst, dann wollen wir das Gefühl haben, daß wir um seine Sicherheit wissen, daß er s t a n d h ii 11, w c 11 n ihn ein m a I ein Stoß trifft, bis er eines Tages vollendet da steht. Es ist gut, daß es Juden sind, die an dem Bau arbeiten. Man kann nicht erstaunt sein über das, was sic in Palästina geleistet haben, denn darin liegt der jüdische Genius. Das jüdische Genie in der Sorge um die moralische Wohliahrt der Menschen hat ebenso hohen Ruf wie das britische Genie in der Sorge um die materielle Wohlfahrt. Der Impuls, der hinter dern Jüdischen Nationalheim stellt, ist ein großer geistiger Impuls. Sorget dafür, daß er fortdauere,“ inzwischen hat sich in Palästina viel verändert, und der Stoß, von dem Malcolm MacDonald in seiner damaligen Rede sprach, ist gegen das Jüdische Nationalheim gerichtet worden. Es hat sich gezeigt, daß trotz allen Schwierigkeiten das jüdische Werk standgehalten hat. Unter den Aufgaben, die der neue Kolonialminister vorfindet, steht die Lösung der Palästinafrage in vorderster Reihe. Es besieht kein Grund zur Annahme, daß er von der Linie abgelien wird, die sein Vorgänger Ormsby-Gore einhiclt und die den Gedanken der Schaffung eines jüdischen Staates auf einem Teilgebiet Palästinas als Prinzip der Lösung des Problems vorsieht. Malcohn MacDonald dürfte diesen Standpunkt mit der gleichen Intensität wie sein Vorgänger im britischen Kabinett vertreten. Der Rücktritt Ormsby- Gores bedeutet den Rückzug eines Mannes aus der vordersten Reihe der britischen Politik, der seit dem Kriege ein warmer Freund unserer Sache gewesen ist. Wenn er jetzt ins britische Oberhaus «•inzieht, darin wird er sicher auch dort Gelegenheit haben, zu den Fragen Stellung zu nehmen, die Palästina betreffen, zumal man nicht annchmen kann, daß seine politische Laufbahn mit der Erlangung der Peers würde ahgecchlos-en ist. Unter den übrigen Veränderungen im britischen Kabinett interessiert uns besonders der Rücktritt Lord Wintertoris als stellvertretender Inftfahrtminister. Lord Winterton bie-'bt als Kanzler der G־afschaft Lancaster Mitglied des Kabinetts. Er gehört bekanntlich zu derjenigen Gruppe englischer Parlamentarier, die für die arabische Sache vielfach Sympathie gezeigt haben. Das Emigrantenproblem in Genf Der Völkerbundsrat hat den Bericht des Studienausschusses zur Frage der Emigranten a ״ g e ח o in tu e n und beschlossen, eine einheitliche Organisation zu schaffen, die sich mit allen Emigrantenprohlenicn hcschattigen soll. Der Generalsekretär des Völkerbundes, Avenol, wurde vom Rat beauftragt, Beratungen mit dem Priisideuten des Nansenamtes und dem High Commissioncr für Emigranten aus Deutschland, Sir Neil! Malcolm, zu führen. Diese Beratungen sollen die Ausarbeitung eines detaillierten Planes für die Zusammenfassung der beiden Organisationen bezwecken. Der Plan soll der nächsten Sitzung der Vöikerbundsversammlmig unterbreitet werden. Der Völkerbundsrat hat weiter den Vorschlag der Ausdehnung der Kompetenz des High Commissioners für Emigrauten aus Deutschland auf Emigranten aus Oesterreich erwogen. Der Rat nahm den Bericht an und heauftragte Sir Neiil Malcolm, in der nächsten Sitzung der Vöikerbundsversammlmig einen Bericht über die Lage der Emigranten aus Oesterreich und über die Resultate seiner Beratungen rnit den interessierten Regierungen über diese Frage zu unterbreiten. Iin britischen Un t e r 11 a 11 s antwortete auf eine Anfrage von Sir Arnold Wilson der Unterstaatssekretär des Auswärtigen Amtes, R. A. Butler, daß die britische Regierung die vom Völkerhundsrat angenommenen Vorschläge unterstützen werde. Der Roosevelt-Plan Präsident Roosevelt unterbreitete dem amerikanischen Kongreß einen Antrag auf Bewilligung von 72 500 Dollar für Ausgaben, die im Zusammenhang mit dem amerikanisehen Plan für die Emigrantenhilfe entstehen werden. Die Regierung in Washington hat die Ernennung ihrer Vertreter für die Konferenz in Evian bekanntgegeben. Neben Myron Tailor wird USA. durch Robert Pell und George Brandt bei der Konferenz vertreten sein. Das von Präsident Roosevelt eingesetzte Komitee für die Emigrantenfrage hielt seine erste Sitzung ab und erörterte das Problem der Niederlassung von Emigranten in den Ländern, die Präsident Rooseveits Vorschlag zur Teilnahme an der internationalen Konferenz, in Evian am 6. Juli angenommen haben. James MacDonald, der frühere High Commissioner für Emigranten in Deutschland, wurde zum Vorsitzenden des Komitees ernannt Das holländische Fremdenrecht Von unserem Berichterstatter Den Haag, 17. Mai 1938 In Ergänzung des letzten Rundschreibens des holländisehen Justizministcrs, das die weitere Zuwanderung von Emigrauten mit rückwirkender Kraft ab 1. März sperrt, wurde jetzt den Polizeibehörden mitgeteilt, daß in ganz besonderen Ausnahnicfällen, in denen diese Rückwirkung eine besondere Härte darstellcn würde, der 7. Mai als Stichtag angesehen werden kann. In weiterer Ausführung des Gesetzes über die Genehmigungspficht für selbständige Gewerbeausübung durch Ercinde ist nunmehr auch das B e k I e i d 11 n g s g e w erbe im weitesteil Sinne dieser Regelung unterstellt worden. Jeder Ausliinder, der selbständig das Bekleidungsgewerbe ausübt, bcdarf daher in Zukunft einer schriftlichen Genehmigung. Neue militärische Expedition nach Palästina Nach einer Reuter-Meldung plant die britische Regierung scharfe Maßnahmen zur Unterdrückung des arabischen Terrorismus in Palästina. Der Londoner ״Daily Heraid“ kündigt an, daß eine zusätzliche Infanteriebrigade in Stärke von etwa 3000 Mann zur Durchführung des ins Auge gefaßten britischen Feldzuges nach Palästina entsandt werden würde. Die Folge dieser Maßnahme werde die militärische Besitzergreifung eines großen Teiles des Landes sein, und MHitärkommandeure würden die tatsächlichen Gouverneure des besetzten Gebietes werden. Dr. Weizmann vor der Kommission Jerusalem, 16. Mai. Dr. Weizmann, David Ben Gurion, Mosche Schertok und Bcrnard Joseph erschienen heute vor der Teilungskommission, die in einer geschlossenen Sitzung mit ihnen verhandelte. In dieser Sitzung wurden Fragen des Verfahrens erörtert. Am Nachmittag besuchten die Mitglieder der Teilung^- kotnmission die Hehräische Universität, in der sie sich ungcfahr zwei Stunden aufhielten und mit den Verwaltungsinitgliedern Tee tranken. Die neue Epoche Besinnung: auf die zionistischen Ideale Von ZIONI Der nachstehende Artikel behandelt Fragen von aktuellern Interesse und erörtert zugleich ihre Bedeutung für den kommenden jüdischen Staat in Palästina. (Red.) Die zionistische Bewegung und das jüdische Volk spüren, daß wir vor dem Beginn einer neuen Epoche der jüdischen Arbeit in Palästina stehen. Die Verwirk- Hebung der großen, so lange Zeit aus Gründen, die außerhalb unserer eigenen Einflußsphäre lagen, in den Hintergrund getretenen Idee des _J tt d e n s t a a t e s ist das eindrucksvolle Svmbol dieses neuen Abschnittes. Die Diskussionen, die im jüdischen Kreis über die Problcmc des Judenstaates geführt werden, bewegen sich in der Hauptsache auf dem Gebiete der Politik, was verständlich ist, geht es doch heute um die Frage der Entstehung dieses Staates und seiner politischen Ermöglichung. Daneben gibt es auch Erörterungen üher die organisatorische Seite der Stantsgründung, die verwaltungsmäßigen Aufgaben, die sich daraus ergeben, usf. So wichtig diese Fragen sind, so wenig genügt ihre Behandlung allein. Es ist gewiß erforderlieh, ׳zunächst die politischen Voraussetzungen unserer zukünftigen Arbeit zu klären und sich auch ein Bild über die praktischen Aufgaben zu machen, die unter den neuen Bedingungen zu leisten sein werden. Zugleich aber ist etwas anderes notwendig; Das ist der Versuch, die ideellen Ziele in unser Bewußtsein zurückzurufen, die wir mit der staatlichen Organisierung eines Kernes des jüdischen Volkes verfolgen. Diese Klarstellung der ideellen Faktoren ist heute auf alle Fälle erforderlich, wie immer die Lösung des Palästinaproblems beschaffen sein wird. Wir stehen unter allen Umständen vor dem Beginn eines neuen Ab- Schnittes unserer Arbeit, und nichts tut daher so not, als das zu einem lebendigen Inhalt unseres Bewußtseins und damit zu einem bestimmenden Faktor unseres Handelns zu machen, was die jüdische Renaissancebewegung an tieferen Kräften enthält. Wir glauben und hoffen, daß die jüdische Arbeit in Palästina einen neuen, großen, alles Bisherige weit übertreffenden Aufschwung in quantitativer Hinsicht nehmen wird. Der Judenstaat soll dem notleidenden Volke draußen in der Welt Hilfe leisten, indem er insbesondere seine Jugend aufniimnt und ihr die Möglichkcit produktiven Schaffens gibt. Durch diesen Aufschwung soll aber echter Zionismus verwirklicht werden, es soll eine Gemeinschaft wachsen, die ein wahres Volk ist, ein ,,Kibbuz Galujoth“, die Saturnhing der Zerstreuten nicht nur im geographischen Sinne, sondern im Geiste der nationalen Einung. In dieser Zeit brauchen wir mehr denn je, wenn unser Werk gelingen soll, die Rückkehr zu den alten Idealen des Zionismus, die er in jenen Tagen auf seine Fahne schrieb, als die Verwirklichung in großem Maßstabe in weiter Ferne zu liegen schien und er selbst den Juden und der Welt wie eine Utopie anmutete. Gewiß hat sich die zionistische Auffassung durch die Wirklichkeit Palästinas manche Korrektur gefallen lassen müssen, die nicht immer zuungunsten des Wesens der Idee verlaufen ist. Dennoch ist es nicht zu leugnen, daß im Laufe der Jahre und Jahrzehnte der Arbeit im Lande die sögenannten ״realistischen" Tendenzen auf vielen Gebieten des Lebens so sehr die Oberhand gewonnen haben, daß der Betrachter nur schwer zu erkennen vermag, was dahinter an ideellen Motiven wirksam ist; die Wirklichkeit hat alles Utopische überdeckt, und nicht nur das, was vielleicht in der Tat auf dem Boden des Landes nicht auszuführen ist, sondern auch manches andere ist t\3ieA■Ue&etMUk Der Sitzstreik im Gebäude der Tel Aviver Stadlverwaltung wurde abgebrochen. Die Stadtverwaltung hat mit Hilfe der Jewish Agency und der Anglo Palesiinc Bank die Inangriffnahme von öffentlichen Arbeiten beschlossen. Die Arbeitcrvertreler im Tel Aviver Stadtrat haben infolge des dort ausgebrochenen Schulkonfliktes ihre Aemter als Kommissions-Vorsitzende niedergelegt■ Bei einem Gefecht an der Straße Akko—Safcd wurden 2 3 Araber getötet. Die belgische Regier un g hat scharfe Maßnahmen gegen die Zuwanderung von Emigranten• ergriffen. t