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Jüdische Rundschau · 1938-05-06 · Heft 36 (6.5.1938) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 36 (6.5.1938)
Date
1938-05-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU PALÄSTINA-BLATT Nr. 36, 6. MAI 1938 Eine Million Pfund Mehrertrag Die Universität und das Leben Ansprache von Rektor Hugo Bergmann bei der Diplomverteilung am 19. Apri' Die Frage, ob sich die Hoffnungen erfüllt haben, welche das jüdische Volk an diesen Ort geknüpft hat, als hier mit großem Gepränge‘ die Universität eröffnet wurde, wird nicht dadurch entschieden werden, daß wir Jahr um Jahr eine größere oder kleinere Zahl von Absolventen ins Leben hinausschicken; sie wird entschieden werden durch die Bcdetitung, die I h r für das soziale und geistige Leben unseres Volkes in Palästina und in der Diaspora haben werdet. Wenn die Hebräische Universität ihres Namens würdig ist, wenn sie ein einheitliches Gebilde ist und nicht nur ein Nebeneinander verschiedener Institute, wenn sie eine einheitlichc Aufgabe hat in all der Mannigfaltigkeit ihrer Institute und Abteilungen, dann kann diese Aufgabe mir darin bestehen, für das Volk Männer und Frauen von Bildung n 1 erziehen, die bereit und befähigt sind, jeder nach seinen Kräften das geistige Erbe des Volkes zu verwalten und cs zu beschirmen gegen alle Stürme der Zeit. Wenn wir uns fragen, welche Eigenschaften den Gebildeten als Gebildeten aus/eichnen, so haben wir zu antworten: Treue und Kritik. Treue aus Kritik, und Kritik aus Treue. Der Gebildete ist der treue Bewahrer der Schätze des Volkes, und er weiß gleichzeitig — und die Universität hat ihn das gelehrt -daß der geistige Besitz, des Volkes ein Baum des!.eben s ist für alle, die an ihm fcsthaltcn, ein Baum, dessen Wurzeln fern in der Vergangenheit verankert sind, und der nicht aufhört zu wachsen und zu blühen bis auf den heutigen Tag. Diese T reue verlangen wir von!:!ich für alle Tage Eures Lebens. Treue dem Institute gegenüber, an welchem Ihr Eure akademischen Titel erlangt habt und dessen Erhaltung vielleicht einmal Euch in erster Linie anferlegt sein wird. Treue zur Wissenschaft: Zwar wissen wir, daß nicht jeder Einzelne von Euch ein wissenschaftlicher forscher sein kann; aber nicht darin bewährt sich Eure Treue zur Wi-scnschaft, und nicht dies habe ich im Auge. Die Aufgabe des Jüngers der Wissenschaft ist, selbst an dem Glauben fcst/uhaltcn und diesen Glauben beim Volke zu stärken, daß der Geist die mächtigste Kraft in der Geschichte ist. Vielleicht ist er nicht die einzige Kraft — auch der Hunger und die anderen Instinkte sind geschichtsbildende Kräfte —; aber er ist eine mächtige Kraft. Der Gedanke ist kein blasser Schatten: die großen historischen Entscheidungen sind Entscheidungen des Gedankens. Gerade wir, die wir das Glück haben, in einem Lande zu leben, in dem wir sehen, wie der Traum unu der Gedanke Einzelner leibhaftige Wirklichkeit wird, gerade wir sind in besonderer Weise beauftragt, an die wirkliche Kraft des Geistes zu glauben. Unser Volk kämpft in diesen Tagen einen Kampf um sein Daseinsrecht im einfachsten Sinne des Wortes. Suchen wir den Sinn unseres Daseins, suchen wir die Bestimmung unserer Geschichte und formen wir aus dieser Bestimmung heraus selbst mit unserer Kraft aktiv unser Schicksal! Dieses Suchen ist Eure Aufgabe, Eure Pflicht und Euer Vorrecht. ״Aufriehtet das Volk, erhöht das Geschlecht, enthüllet, enthüllet das Licht!“ Die Tellungskommission Jerusalem, 2, Mai. (Paleor.) Die Mitglieder der Teilungskommission, die bereits das Tote Meer besuchten, begannen gestern mit einer 1!tägigen Tour durch das Land, um sich mit den Verhältnissen bekanntzumachen. Die Kommission besuchte den Hafen von Tel Aviv und das Rcading Elektriz.itätswerk. Die Mitglieder fuhren dann durch die Straßen, besichtigten die Stadt und hatten im Anschluß daran Unterredungen mit Bürgermeister Rokach und dem stellvertretenden Bürgermeister Dov Mos, die sie über die Grenzen von Jaffa und Tel Aviv genau befragten. Ferner stellten sie Tragen über die Tätigkeit der beiden Häfen, die jüdischen Vororte in Jaffa und die Entwicklung der Stadt Tel Aviv. Bilanz der Zitrussaison 1937/38 Nachdem der Zitrusexport Mitte April nahezu zum Ab- Schluß gekommen ist und nur noch unbeträchtliche Mengen zum Export zur Verfügung stehen, lassen sich die Ergehnissc der Saison nunmehr übersehen. Die Saison hat in zweifacher Beziehung einen über Erwarten günstigen Verlauf genommen: einmal übersteigt der Export mengenmäßig die Erwartungen, nach denen nur mit einem Export von 10 Millionen Kisten zu rechnen war, während bis Mitte April bereits 11,3 Millionen Kisten zur Verschiffung gelangt sind und damit der Vorjahresexport von 10,S Millinnen Kisten sogar überschritten wurde. Auch in Beziehung auf die [,reise hat die Saison eine günstige Entwicklung genommen. Nachdem die Preise sich bis Mitte Januar auf dem vorjährigen Tiefstand bewegten, setzte in der zweiten Jamiarhälfte infolge der gestörten spanischen Verschiffungen eine nachhaltige Prcishessmmg ein, von der der größte Teil des Exportes noch profitieren konnte, im einzelnen haben die Verschiffungen und Preise folgende Entwicklung genoinmcn (in Kisten): Verachiffungen Orangen Grapefruit Zitronen u. a. samt Ri* hndr November on m 22־.' 453 40 996 1 405 9?0 rWmhff 2 AIR 55י׳ 198 872 17 128 2 4M 534 Januar 1 7-10 018 143.384 10 496 2 89,3 89« relmiar 2132 S70 470 916 7 508 2511 294 Mär? 2 OM 3-19 153 111 1 322 2 238 787 Bis P. April 476 .12 973 ׳ 18 3 387 643 ׳־66 Insgesamt (his 19. April) 9 5S3 756 1 602 47« 80 837 11 267 07 1 Nachdem die Verschiffungen im 1 )e/ember auf rund 21.> Millionen Kisten stiegen und sich im Januar etwas abgeschwächt hatten, erreichten sic im Februar den Höhepunkt, auch im Marz wurden noch 2! t Millionen Kisten verschifft. Wie sich im Zusammenhang hiermit aus der nachfolgenden l’msiihersicht ergibt, kamen die ab Januar verschifften Mengen, also etwa zwei Drittel der gesamten Verschiffungen, Tagung der Assefath Haniwcharim Jerusalem, 2. Mai. (Paleor.) Heute fand in Jerusalem eine Tagung der Assefath Haniwcharim (indische Nationalversammlung) statt. Die Tagung befaßte sich hauptsächlich mit Pinaiiz- und Steucrfragen. Ben Z v i, Vorsitzender des Waad Lcunti, erüffnete die Sitzung und gedachte der lb!> Juden, die seit Ausbruch der Unruhen (lern arabischen Terror zum Opfer fielen, Er gab PALÄSTINA TRINKT ״ATARA"-KAFFEE dann einen Bericht über die Tätigkeit der Assefath Ilnniwcharim seit der letzten Sitzung. Bezüglich der $ i c 11 1נ r 11 e i t s - frage wies er auf die Haltung des Jischmv hin, der die Forderungen der Jcwish Agency für eine Stärkung der Ver- 1cidigungs!n«1eht des Jisdtuw unterstützt habe mul betonte die Notwendigkeit der Bildung von jüdischen Abtei- 1 u n g e n, tun den arabischen Terror zu bekämpfen. Rabb. O s t r o w s k y und Eliahtt B c r I i g n e erstatteten weitere Berichte. Rabb. Ostrowsky stellte in seinem Bericht fest, daß in den städtischen und ländlichen Gebieten des Landes insgesamt 200 Kchilloth bestanden. Mr. Bcrlignc legte e i!1 Budget für den Waad Leumi in Höhe von L IM) OOO für das Jahr vor. Von dieser Summe sollen £ 135(HX) für Er- Ziehung bestimmt werden, £ 65(X) für Gesundheit, £ 10 000 für Sozialarheit, £ 2100 für das Oberrabhinaf und C 000(1 für Vcrwaltungskosten. Die Regierung steuerte für das jüdische Erziehungswesen und den Gesundheitsdienst eine Summe sott £ 52 000 hei, während die Jcwish Agency £ 25 000 für jüdische Erziehung und £ 3800 für Wohifaitrts,arbeiten galt. in die Periode der steigenden Pieise (Durchschnittspreise für Früchte mittlerer Große in sh d per Kiste): Orangen Grapefruit Deiember 1. Woche .׳10 9 9 2. 8 10 8 9 3. 9 - 8 3 4. 7 4 7 6 Januar 1, ,, 8 1 7 9 2. 8/9 8 1 3, 9 3 9 . 4. 9 6 3׳ 11 Februar 1. ״ 10 3 13 6 2. 10 9 14 - 3• 11 7 13 6 4. 11 3 12 6 MSr» 1. ״ •/וו -׳11 2. 11 5 11 1 3. 10 8 106 4. 10 3 8,-9 Die tatsächlichen Preise schwanken um den ohigefl Mittelpreis nach oben und unten in Grenzen von 1—2 sh« Anfang April haben sich die Preise weiter erheblich verbessrrt, so daß die spaten Marz- und Aprilverschiffungen noch günstiger ahgesdinitten haben. Man kann annchmen, daß etwa 7': Millionen Kisten um mindestens 2—3 sh höhere Preise als im Vorjahr erzielt haben (die Yorjahrspreisc entsprachen während der ganzen Saison ungefähr dein uiigiin* stigen Preisniveau von Mitte Dezember ms Mitte Januar)* Venn man weiter in Rechnung stellt, daß der Expmf mengen• mäßig um etwa 6 ׳׳'׳. gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist, so läßt sich aime Innen, daß der 71U u-expoit in die-er Saison einen M c 11 1־ e r I ii s v ס n r d, CP 1 '41111 n n erbracht hat (zumal im Vorjahr größere Guantitatni 111 schlechtem Zustand in Europa ankamen und weit unter Pi eis verwertet werden mußten), I )iese M! liremnahnie tiagt nach dem nicht günstigen finanziellen Ergebnis der vorj.dirgen Saison sehr zur Entlastung' der Zilriwpliaii/er und her mit ihnen in Verbindung sti hianlen \V1rt*1 haft'-k:e׳-c be! und wirkt »ich auf die gesamte pn'astinenGw he Wirtschaft in einer entspreeheuden Kaufk 1 aft'-teiger.ing aus. Erfreulich ist, daß über den Tel Avivcr Hafen 1 ,Million Kisten \er-ehifft werden konnten. M. Aerztliche Betätigung in Palästina Eine wichtige Gerichtsentscheidung Auf Grund der Medical Practinnrrs Otdinnnec war die ärztliche Betatigimg in Palästina lediglich davon abhängig, daß der Arzt dem Direktor des (leMiudheitsdeparteinents, bei dem die Lizenz beantragt wurde, den Nachweis eines geordneten Studiums liehst Approbation sowie der Unbe* schölten heit erbrachte. Linie 1(H5 wurden die Voraus- Setzungen der Z 11 I a s s u 11 g g e a n d c r t. Es wurde bestimmt, daß Personen, die von Gehurt Palästinenser waren oder bis zum 1. Dezember 1035 die Naturalisation erlangt hatten, nach den bisherigen Grundsätzen /!!gelassen werden sollten. Alle anderen Personen, also fremde Staatsangehörige oder solche, die erst später naturalisiert würden, sollten nur bis zu einer jeweils für ein Jahr vom High C.ominissioner fcstziisctzendcn L lochst zahl die Lizenz für die Arztpraxis bekomm eti. Infolge dieser Novelle wurde einer Aerztin, die durch Heirat nach dem angegebenen Stichtag Palästinenserin geworden war, die 711iassung mit der Begründung v e r vv e i - g e r t, daß die Höchst/nhl erschöpft sei. Sie wandte sich an den High Court, der dahin entschied (Urteil HC 15 38), daß der durch die Novelle zur Mcdieal Praetioncrs Ordirmnce eingefultrtc l bitersehicd zwischen Personen, die vor oder nach dem 1. Dezember 1035 die palästinensische Staats* angehörigkeit erworben hatten, unzulässig sei, insbesondere der Gitizcnship Order in Council (dem Staatsangehörigkeits* gcsct/)wi1lcrspro 11c. Die (uii/en-iup ()!־der kenne diese Ver• schiedenheit nicht, gewahre vielmehr allen palästinensischen Burgern gleiche Rechte, AUo habe auch die Aerztin, obwohl sic erst nach dem I. Dezember PM5 durch Heirat Palästinenscrin geworden sei, da• gleiche Recht wie jeder andere Palästinenser. J, Jerusalemer Schüler legen einen Park an •' .;.־.... Z.Tjttiva 0* j* JS Vor kurzem wurden die Vorbereilungsarbeitcn für die Anlage eines Parks zu Ehren des verstorbenen Leiters des hebräischen Schulwesens in Erez Israel, l)r. Josef l.uric, getroffen. Der Park wird auf einer Fläche von 8 Dunam auf dem höchsten Punkt des neuanzulegcnden Jerusalemer Stadtviertels Givalh Elijahu an der Grenze zwischen Talpioth und Ramath Rachel angelegt. Es ist wohl einer der schönsten Punkte in der Umgegend Jerusalems mit einer prächtigen Aussicht auf Jerusalem, Bethlehem, Jericho, Totes Meer usiv. Die Initiative ging von den Mitgliedern des Waad Talpioth und des Kibbuz Ramath Rachel aus und wurde von der Lehrerschaft und anderen Freunden des Verstorbenen aufgemmnten. Am 7. April begannen in dem bereits umzäunten Park 300 Schüler der Schulen Jerusalems ihren freiwilligen Arbeitstag; sic reinigten den Platz von Steinen und legten '!'erfassen an. Einige tausend Bäumchen wurden bereits vorher gepflanzt. — Nach Schluß des Arbeitstages fand eine Feier zur Einweihung des Parks statt. Es sprachen vor den .Jugendlichen und Gästen sowie den Bewohnern der anliegenden Viertel: E. Berlin im Kamen des Waad l.eumi, David Ycllin int Kamen der Lehrerschaft, l)r. J. Umn im Kamen der PU)('., die den Boden für den Park zur Verfügung gestellt hat, Dr, Ülsvanger im Samen des Keren Hajcssod, Herr Asrajahu für das Erzichungsdcparlment und M. Caspi für den \Vaad Talpioth. Foto!; KH und KKL

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