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Jüdische Rundschau · 1938-05-03 · Heft 35 (3.5.1938) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 35 (3.5.1938)
Date
1938-05-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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־;x 5 1838 י•׳-" Nr. 35 / Jahrgang 43 Pr•!« 25 Rph JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion, Verlag und A nieljnnvtn»*Hang1 BarUnWtS, Malnak«1tr. 10 Fararaft 919031« Tcl«p>«mm•Adrti■• 1 Orghlp. - In Fallen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung: oder Eratattunjr etwa schon gezahlter Betuyngebühren. Beiugspreia einschlieBlich Beatellgeld je Monat RM 2,—, je Viertel« jahr RM 5,75; bei Abholung RM 1,88 bzw. RM 5,39 (ein*chli*6Uch Postreitungagebühr von 10,72 Rpf je Monat). — Poatichedt - Konten der Vertriebs «Abteilung für Groß-Berlin; Berlin 715 73. für das übrige Reich: Berlin 17392 BERLIN ב׳ אייר תרצ״ח DIENSTAG, 3. MAI 1938 Erichalnt j*dUn Dian•(•; and Fraltag. Gültig i»t die Anzeiganpralailsta Nr. 5 vom 1. April 1936. Die zwölfgespaltene mm-Zeil* 20 Rpf, fiir Familien• Nachrichten 1$ Rpf. Keine Gewahr für Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Platzen. Einzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck Konto Berlin 71618 oder har Montag bis Freitag 9—18 Uhr, AnnahmeschluS für di« Dienstag Ausgabe: Montag 10 Uhr, für die Freilag Ausgabe: Mittwoch 15 Uhr. Familien - Anseigen am Tag vor Erscheinen 16 Uhr Der Zionismus erstrebt tUr das indische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Helmstitte In Palästina. (Baseler Programm^ Beteuerungen? Die Reaktion der Juden Nach der Beratung des ungarischen Judengesetzes In der jüdischen Welt gibt es seit vier Jahrzehnten, seitdem nämlich Theodor Herzl seinen Ruf zur Selbstbesinnung hören ließ, einen Streit darüber, wie die Juden ihrer Umwelt gegenüber auf treten sollen. Die beiden vorgeschlagenen Methoden unterscheiden sich dadurch voneinander, daß die eine — nationale — nichts verschieiern will. Sie erkennt die Judenfrage als ein Problem a n, das die Juden selbst wie die Völker der Umweit angeht. Sie glaubt, daß beide Teile zur Lösung dieser Frage Zusammenarbeiten sollen, um ein Problem zu mildern, das die Welt beunruhigt, und um dem jüdischen Volke die Möglichkeit zu einem normalen, materiell wie moralisch fundierten Leben zu geben. Die andere Ansicht dagegen versucht, das Bestehen der Judenfrage mehr oder weniger zu leugnen bzw., soweit sie nicht mehr fortgedacht werden kann, durch Beteuerungen über den Charakter und die Absichten des Judentums die jüdische Position zu stärken. An diesen Streit wird man erinnert, wenn man die Berichte über die Vorgänge in Ungarn liest, wo bekanntlich ein Gesetz zur Regelung der Judenfrage vor 1• seiüer endgültigen Annahme im Parlament steht. Dieses Land war von jeher eine Hochburg der jüdischen Assimilation, und es ist nicht zu verwundern, daß diese auch jetzt ihre Blüten treibt, die in einem Augenblick seltsam anmuten, in dem jene Periode zu Ende zu gehen scheint, die ihr günstig gesinnt war. Im ungarisehen Parlament hat der jüdische Abgeordnete Brody selbst das bezeichnende Geständnis gemacht, ״die ungarischen Juden wären bisher schlechte Juden, aber desto bessere Ungarn gewesen“. In der Tat, so ist es. Wobei man immer wieder feststellen muß, daß der ungarische Patriotismus bei einem großen Teil der dortigen Juden subjektiv durchaus echt ist und nur leider dazu geführt hat, daß die Juden sich ihrer Würde entäußerten und der Prozeß der inneren Auflösung dieser jüdischen Gruppe rapide Fortschritte machte. Auch jetzt können sich die Führer des ungarischen Judentums in ihren Erklärungen, in denen sie gegen das Judengesetz protestieren und die Juden des Landes zum Zusammenschluß auffordern, nicht jener Lo valitätsbeteu er ungen enthalten, von denen wir sprachen. So heißt es in einem Aufrufe des Oberrabbiners und des Präsidenten der Pester Gemeinde u. a.: ״Wir waren, sind und werden Ungarn sein, Ungarn jüdischen Glaubens, die rnit ihrer Arbeit zu allen Zeiten dem Vaterlande zum Wohle gereichen.“ Diese Beteuerung wird in mehrfachen Variationen wiederholt. Ihre Wirkung erscheint uns sein׳ zweifelhaft, da sie bei denen nichts fruchten wird, die gegen die Juden gestimmt sind, und bei den anderen die Sache der Juden nur suspekt machen kann. Uns scheint vielmehr, daß eine ernste Stunde, wie sie die Juden Ungarns jetzt erleben, dazu angetan wäre, in sachlicher Weise Stellung zu nehmen, nichts zu verbergen, was den Tatsachen entspricht, die Konse- Budapest, 29. April Genau vor einem Monat, am 29. März, erschienen die ersten Nachrichten über ein Judengesetz in Ungarn, und heute ist ein solches Gesetz von den vereinigten Ausschüssen — mit insgesamt 7 Stimmen dagegen — bereits angenommen und dürfte in nächster Zeit auch vom Plenum zum Gesetz erhoben werden. Wahrscheinlich soll der Gesetzentwurf noch vor Beginn der Festlichkeiten des Eucharistischen Kongresses und des Sankt-Stefan-Jubiläumsjahres unter Dach und Fach gebracht werden. Wie reagiert mm das ungarische Judentum auf die neuen, es in seinen geistigen und materiellen Interessen tief berührenden Maßnahmen? Schon die Minister erkannten und anerkannten die Bestürzung, mit der die Judenheit die Vorlage aufnahm. Fs war aber mehr: es war eine Apathie, eine Ratlosigkeit solchen Tatsachen gegenüber, vor denen sie konsequent die Augen verschlossen hatte und die sie jetzt desto unerwarteter trafen. Die Unorganisierthcit und Füllrerlosigkeit des ungarischen Judentums haben noch das ihrige getan, um in den ersten Wochen jede seelische Sammlung illusorisch zu machen. Erst nach und nach erwacht das Judentum aus seiner Betäubung. Das umfangreiche, 17 gedruckte Seiten umfassende Memorandum der drei jüdischen Landesorganisationen, das sämtlichen Parlamentariern überreicht wurde, durfte trotz allem seine Wirkung nicht ganz verfehlen. Nach der von der Presse veröffentlichten Verwahrung der Israelitischen Landeskanzlei und der Pester Gemeinde hat letztere nun einen von Oberrabbiner Dr. S. Hevesi und Hofrat S. Stern unterschriebenen Aufruf herausgegeben, der die Stimmung der jüdischen Bevölkerung beeinflussen, sie in ihrem Glauben stärken und von jeder pessimistiqttenzen aus dem Willen der Mehrheitsnation zu ziehen, der jungen jüdischen Generation neue Wege des Erwerbes zu erschließen und ihr eine neue seelische Haltung zu geben. Bei dieser Diskussion über die Judenfrage in Ungarn traten in den letzten Wochen mancherlei interessante Gesichtspunkte hervor. Die Juden Ungarns — und nicht nur diese, sondern das jüdische Volk in weiten Teilen der Welt — werden nach rein quantitativen M a ß s t ä - ben beurteilt. Es ist kein leichtes Schicksal für ein Volk, mir n a c 11 d e r Zahl gemessen zu werden, nach der quantitativen Höhe seines Einflusses und seiner Beteiligütig am Leben. So alt wie solche Zählungen ist auch die Sehnsucht unseres Volkes, nach der Qualität seiner L e i s t ti ng e n beurteilt zu werden — eine Sehnsucht, die sich in früherer Zeit an den großen Schöpfungen unserer klassischen Vergangenheit orientierte, und die heute wiederum in Ercz Israel um neuen Ausdruck ringt. Dabei wissen wir nur zu gut, ein wie schmaler Pfad die Quantität des Besitzes oder Einflusses allein ist, und wie sehr es nottut, daß ein Volk ein Vermögen besitzt, das sich nicht allein in Zahlen ausdrückt, sondern in der Qualität dessen, was diese Zahlen darstellen, in der unzersehen Haltung zurückhalten soll. Die jüdische Presse, die anfangs bloß ״trauern" konnte, findet ihr Selbstvertrauen wieder und ruft zur Selbstbesinnung, Selbsthilfe und Beiseite- Stellung aller inneren Gegensätze und Parteischattierungen auf. Doch auch in praktischer Hinsicht scheinen manche Entschlüsse zu reifen. Die Repräsentanz der Pester Israelitischen Gemeinde hat in ihrer jüngsten Sitzung — auf Grund eines Vorschlages von Generalsekretär Alexander Eppler — ein außerordentliches Arbeits- Programm angenommen, das in zwei Richtungen den Zeit- Verhältnissen angepaßt werden soll. In erster Reihe sei die soziale Fürsorge in weiterem Maßstabe zu organisieren; Sprach- und Uinschiclitungsktirsc sollen den erwerbslos gewordenen Erwacnsenen ebenso wie der vor der Berufswahl stehenden Jugend zur Verfügung stehen; in dem Knaben- und M ä d c h c n g y m n a s i u m der Gemeinde aber soll vom nächsten Schuljahr an parallel mit den oberen Klassen eine höhere G e \v erbose h u I e ins Leben gerufen werden. Der zweite Aufgabenkreis umfaßt die charitntive Arbeit, die sich auf Familien- und Kinderschutz, auf produktive und Arbeitslosenunterstützung erstrecken soll. Die Lösung des ebenfalls aktuell werdenden Auswanderungs-Problcms der Jugend soll — dein Vernehmen nach — im Rahmen und mit Hilfe der Zionistischen Organisation erfolgen. Dem Zwecke der Studenteninformation wird auch der Besuch Ihn Sah a bs von der Hebräischen Universität dienen, der dieser Tage hier erwartet wird. Die Lehrkörper der Budapester orthodoxen Gemeinde, die infolge des Schachtverbotes durch Wegfall der bedeutenden Gebühren in ihren Grundlagen bedroht ist, haben beschlossen, — solange die jetzige Lage andauert—, auf 10 °0 ihrer Einkünfte zugunsten der Gemeinde freiwillig zu verzichten. Dr. A. F. störbaren Verbindung von Mensch und Besitz. Das jüdische Volk hat im Laufe des 19. Jahrhunderts und zum Teil auch noch im beginnenden 20. in manchen Teilen der Welt Besitz und Reichtiimer erworben, aber cs hat auch erleben müssen, wie ihm der Besitz von einem Tage zum anderen zerrann. Denken wir nur an die Katastrophe des russischen Judentums, das dieses einst blühende und zum Teil auch materiell gut fundierte Glied des jüdischen Volkes vor das Nichts stellte, denken wir auch an die Reihe der ״schwarzen Tage“ an der New-Yorker Börse, die dem jüdischen Volke Dutzende von Millionen kosteten. Wir kennen alle die Gründe für diese Labilität unserer materiellen Existenz. Seihst dort, wo Juden za Wohlhabenheit gelangt sind, ist ihr Anteil an den grtindlegenden Gütern der Erde ein geringer — am Boden, an seinen Schätzen und ihrer Verarbeitung. Es sind die abgeleiteten Zweige der Wirtschaft, in denen sie zu Hause sind, der Handel und Verkehr, und es ist klar, daß sie aus solchen Gebieten verhältnismäßig leicht entfernt werden können, wenn der Zug der Zeit es mit sich bringt. Die Juden Ungarns stellen ohne Zweifel eine jüdische Gemeinschaft dar, der es verhältnismäßig gut ging und die heute vor die mahnende ............. * *• 1 •*9**<r ׳*%•**< f iPIg Toscanini Tage in Palästina (Siehe auch den Bericht auf Seite 6) Toscanini dirigiert in Tel zluio toto•: Dr, G1d»l; Charlotte und Gerd« Mejer, Haifa Toscam.ti und Hans Wilhelm Sleinberg, der an das New-Yorher Radio-Orchester berufen wurde

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