Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 33 (26.4.1938)
- Date
- 1938-04-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 33, 26. IV. 1938!gjgßPJMiidier ^VERGANGENHEIT XXI. Raschi Anfänge der aschkenasischen Kultur. Während im arabischen Mittelincergcbiet das jüdische Geistesleben durch die Verbindung religiöser Tradition mit wissenschaftlich-phiiosopbischer Forschung bestimmt war, schlug die Entwicklung des Judentums im christlichen Europa einen ganz arideren Weg. ein: hier entfaltete sich eine in sich geschlossene, von der Philosophie und weltlichen Bildung unberührte, allein in der Gesetzesüberlieferung wurzelnde mittelalterlich-religiöse Kultur. So bildete sich der geschichtlich bedeutsame Gegensatz zwischen den aus Spanien stammenden, die Mittelmeerländer bewohnenden Sefardim (nach der im Mittelalter üblichen hebräischen Bezeichnung Spaniens — Seferad) und den aus Nordfrankreich und Deutschland stammenden, Mittel- und Osteuropa bewohnenden A s c 11 k e 11 a s i m (nach der hebräischen Benennung Deutschlands — Aschkenas). Die aschkenasische Volkskultur wuchs allmählich seit dem 8., Jahrhundert in den jüdischen Siedlungen um die Hauptverkehrsader Europas — im tJchiet des Rheins und seiner Nebenflüsse. Anfang des 11. Jahrhunderts, als das Licht des babylonischen Gaonats bereits im Erloschen war, wurde der Leiter der Talmudhochschule in Main/, Gerschom ben Jcltuda (960—1040), der später den Ehrentitel ...\1aor Jta-üola“ (= Leuchte des Exils) erhielt, der unbestrittene geistige Führer der aschkenasischen Jttdenlteit: durch seine religiösrechtlichen Verordnungen ״ - 'insbesondere durch das Verbot der Polygamie —- iuaugmierfe er ihren Eintritt in die Epoche national-kultureller Selbständigkeit. Raschis Leben. Aus der Schule des Rabbeim Ger- Bcltom ging der Tulmmigelehrte Rabbi Salomo ben Isaak (1040— 11 Ob) hervor, dessen Name . in der abgekürzten Form ״Rasch 1״ -- einer der bekanntesten und volkstumliebsten des puluchctt Mittelalters wurde. Er stammte aus einer armen, wegen ihrer 1 nmnnigkeit und Gelehrsamkeit angesehenen l aimlie. In Tr0ye>, der alten Bisehofstadt in der Champagne, geboren, e! hielt K’a^־h1 den ersten Unterricht von seinem Vater, verheil als bereit•, verheirateter Mann um 1060 seine Heimat, tun an den Hochschulen in Worms und Mainz die Lebt weise des Rabbenu Gerschom kennen- 7t1lernen und sein T ahnudwis-en zu vertiefen. Wahrend seiner Studienzeit lebte' er 111 sehr duiitigen Veihältuissen und hatte — wie er selbst be/ettgf -- ״Mangel an Brot und ordentlicher Kleidung“. AN däjabriger kehrte er — mit großem Wissen ausgestattet -- in seine Vaterstadt zurück und wurde hier zum Rabbiner gewaltig nahm aber — nach dem damals allgemeinen Brauch kein Gehalt für sein Amt und erwarb seinen Unterhalt durch I.and Wirtschaft, Viehzucht und Weinbau. Das von ihm begründete Lebt haus, das erste in der Provence, wurde schnell berühmt. Sämtliche Gemeinden und Rabbiner Frankreichs wandten sich an ihn um Entscheidung religionsgcset/licher Fragen. Persönlichkeit. Die hervorragenden Eigenschaften Raschis sind Bescheidenheit und äußerste Anspruchslosigkeit, innige Frömmigkeit und Reinheit der Lebensführung, michferner Verstand, erstaunliche gei-tige Produktivität verbunden mit einem ungeheuren Fleiß. Er ist der klassische Vertreter des mittelalterlichen aschkenasischen Rabbinismus der.in einer einheitlich geschlossenen und in einem unerschütterlichen Glauben fcstgegründcteu Gedankenwelt lebte. Das Werk. Raschis Ruhm begründeten seine Kommentarwerke zu Bibel und Talmud: er ist der Erklärer par excellencc, der Nachschaffende, dessen eigene Persönlichkeit canz hinter den zu erläuternden Gedanken zurücktritt, und dessen Ehrgeiz nur darin bestellt, den Sinn des behandelten Textes ganz aufzuhellen. Beide Kommentarwerke zeichnen sich durch die Einfachheit, Klarheit und Natürlichkeit der Auffassung und der Darstellung aus. Der Bibelkommentar. Der Raschi-Kommentar zur Bibel spiegelt die Einheitlichkeit des religiösen Lebensbildes des Autors wider: er verbindet die auf feinem Sprachgefühl beruhende Erklärung des schlichten Wortsinnes (des ״Peschat“) mit den im Talmud und Midrasch enthaltenen erbauliehen und halachischcn Deutungen (Derasch). Dadurch erhielt das Werk einen eigentümlichen Reiz und wurde — insbesondere in seinem auf den Pentateuch sich beziehenden Teil —- zu einem der beliebtesten Volks- und Schulbücher: der Thcrakornmentar ist 1475 als erstes hebräisches Buch gedruckt, später fast allen Bibelausgaben beigegeben und selbst über hundertmal kommentiert worden. Andererseits wurde die Methode der Beiordnung so verschiedenartiger Elemente wie die einfache Wortsinnerläuterung und die gemütvolle agadische Deutung von manchen als Mangel empfunden. Der alte Raschi selbst soll, nach dem Zeugnis seines berühmten Enkels Samuel ben Meir, gestanden haben, daß er, wenn die Jahre es ihm noch erlaubten, den ganzen Bibelkommentar umwerfen und neu bearbeiten würde. Der Talmudkommentar. Uneingeschränkte Anerkennung fand das Riesenwerk des Talmudkommentars. Die stilistisch meisterhaften, knapp formulierten Erklärungen streben höchste Deutlichkeit des Ausdrucks und des Begriffs an, zeugen vom pädagogischen Geschick des Lehrers als auch vom Scharfsinn und umlassenden Wissen des Gelehrten und machen das Buch zu einem unentbehrlichen und unübertroffenen Hilfsmittel des Talmudstudiums. Die Volkssage. Viele Volkssagen haben das Leben Raschis ausgeschmiickt: sie verherrlichen seine Geburt, schreiben ihm weite Reisen zu, kabbalistische Wunderkünste, Bekanntschaft mit christlichen Mönchen und mit dem Führer des ersten Kreuzzuges, Gottfried von Bouillon. Viele Erm&rm Sr3» *-׳» «זר Die Raschi-Kapelle!זז Worms Ans: Jüdisches Lexikon, Band 4, Jüd. Verlag innenmgen an Raschi sind in der Ueberüeferung der Genieinde Worms erhalten (Raschi-Nische an der Mauer der Wormser Synagoge, Raschi-Kapelle, Raschi-Stuhl, Raschi-Tor u. a. m.). Literatur. Ueber Raschi: A. Geiger, Das Judentum und seine Geschichte; G. Karpeies, Geschichte der jüdischen Literatur, I (1909); N. Kronberg, Raschi als Exeget (1882); Beermann-Doktor, Raschis Leben und Wirken (1906); — Uebersetzungen von Raschis Pentateuchkommentar ins Deutsche: von L. Dukes, J. Dessauer und S. Baniberger. _ Dr. J. H. Ehe Sopranistin Eva Leonti Lefson konzertierte Ende März mit großem Erfolg in Meran mit einem Liederabend. Patä s4ina-Am4 Berlin. KL 3KWISM AhSNCV FOA PALSSTINfc,, Berlin W 15, Meinekestraße 10. Telefon: Sammel-Nummer 91 90 31. Die Hebräische Universität Jerusalem ist in der Lage, die Einwanderungserlaubnis für Studenten zu erwirken, die seit 1934 das Zeugnis der Hochschulreife erworben haben. Bisher auf ausländischen Universitäten verbrachte Semester werden bei der Zulassung zu den Prüfungen angerechnet. Für Studenten, deren hebräische Kenntnisse nicht ausrcichen, um dem l/niversitätsbetrich sogleich folgen zu können, hestehen besondere hebräische Vorbercitungsktirse. Auskünfte im Palästina-Amt Berlin, Abt. Allgemeine Beratung, in V'crbindung mit der Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität und Bibliothek E. V., Berlin W 15, Meinekcstr. 10. Das hebräische Technikum in Haifa nimmt Studierende vom 17. Lebensjahre ah auf. Das Abitur ist Voraussetzung für die Aufnahme. Der Lehrgang der Hochschule dauert vier Jahre bis zur Diplom-Jngcnieur-Prüfung. Die Schulgeldkoslen des Technion sind pro Jahr ca. LP 18, wozu ein Depot von LP 15, Lebenshaltungskosten von etwa LP 60 im Jahr und kleinere Ausgaben hin/ukommen. Auskünfte im Palästina-Amt Berlin, Abt. Allgemeine Beratung. Wizo-Zertifikate. Durch die Institutionen der Wi/o ist Mädchen von 17 bis 23 Jahren Gelegenheit gegeben, in Palästina eine zweijährige Ausbildung zu erhalten. Der Unterrieht in den land- und haiiswirtschaftlichcn Schulen der Wizo, sowie den Lehrfarmen umfaßt: Hauswirtschaft, Landwirtschaft und Gartenbau. Die Schulgelder sind bei den einzelnen Schulen verschieden hoch. Anfragen und Anträge sind an die ״Wizo“, Berlin W 15, Meinekcstr. 10, oder an die örtliehen Wizo-Oruppen zu richten. Schülerzertifikate. Im Rahmen der laufenden Zertifikats- . ,, Zertifikate zu erhalten, wenn die von den einzelnen Anstalten gestellten Bedingungen erfüllt werden. Der Transfer der für die Aufnahme und den Aufenthalt in Palästina notwendigen Beträge kann nach Abschluß eines Transfervertrages reibungslos diirchgcfiihrt werden. Anfragen an das Palästina- Amt, Berlin W 15, Meinekcstr. 10. Siedlungsmöglichkeiten. — Besprechungen in Hamburg. Das Palästina-Amt, Berlin, veranstaltet in verschiedenen Gegeaden Deutschlands Besprechungen über die Möglichkeiten der Ansiedlung von Familien, die über eigene Mittel verfügen. Die nächsten Besprechungen finden am 3. Mai in Hamburg statt. Am Abend schließt sich ein Vortrag von Dr. Alcxander Besser, Berlin, über Siedlungsfragen an. Einladungen durch die Zweigstelle Hamburg des Palästina-Amtes Berlin, in Hamburg 13, Isestraße 17. Arbeitstagung des Palästina-Amtes in Düsseldorf. Am Sonntag, dem 8. Mai, findet eine Tagung des Palästina-Amtes Berlin in Düsseldorf statt. Der Vormittag ist Zertifikatsfragen und Siedlungsangclegenheiten gewidmet, der Nachmittag Fragen der palästinensischen Wirtschaft und des Kapitaltransfers. Referenten sind Dr. Ernst Marcus (Palästina- Treuhand-Stelle) und Dr. Alexander Besser (Palästina-Amt Berlin). Näheres beim Palästina-Amt Berlin oder seiner Zweigstelle in Düsseldorf. Rexingen-Schawe Zion. Neue Gruppensiedlungen. In Ergätming aer Berichte über die neue Siedlung wird mitgeteilt, daß bereits die zweite Gruppe der Rcxinger zusammengestellt wird, die im Laufe der kommenden Monate ins Land geht. Die Siedlung wird alsdann rund 100 Seelen umfassen. — Gleichzeitig laufen Bestrebungen, die auf die Ansiedlung auch anderer geschlossener Gruppen hinzielen. Die Arbeiten leitet die Abteilung Siedlung des Palästina-Amtes Berlin im Zusammenwirken mit Dr. Franz Meyer von der Reichs- Vertretung der Juden in Deutschland, der auch bei der Vorbereitung der Auswanderung und Ansiedlung der Gruppe von Schawe Zion maßgebend beteiligt war. Altpapier Adolf Naftaniel N •9, Am Nordhafen 5 / 46 26 OS kauft mit Elnatampf-Garantie Asphaltierungen Pflasterungen Robert Wolters, Berlin W 15, Kurföfstendamm 4849־, Ruf 92 4756 H|[[j| Auto^Oaraflen - Tankst, j Dl• ällttte Cr«D9arage mm Phhrhell Iner Platt MannNtimKr Straße 34 / Ruf 86 68 01 Inh,: J. 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