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Jüdische Rundschau · 1938-04-15 · Heft 30-31 (15.4.1938) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 30-31 (15.4.1938)
Date
1938-04-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seife 14 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 30/31. 15. IV. 1938 Fahrt der Väter Künstlerisches Leben UsRiidikin sprkh» auf der l'alftstinareise Dampfer ..I* a 1 e s t i ri e“, Anfang April Es gibt Tatbestände, die auch ohne Zutun dessen, der *le erlebt, ihr Pathos in sieh tragen. Zu ihnen gehört eine erste, eine wirklich allererste 1׳ a h r t nach Erez 1• r a e 1. Sie hat ein, sozusagen, angestammtes und iirimanentes Pathos. Es steig־( — in Triest — mit aufs Schiff und begleitet, gleich den obligaten Möwen, die stille, sanfte Fahrt durch die Adria. Jedem der paar hundert Passagiere merkt man fast auf den ersten Blick an, ob er ein erstmaliger oder schon ein ״gelernter“ und routinierter Paiästina-I altrer ist. Die große Mehrzahl gehört der erstem! Gattung an. Ihr Blick gellt hungrig übers Meer bin, sie grüßen insgeheim jede Welle, jede Möwe, jedes Stückchen Strand und Land, das auftaucht, fast auch jede Bewegung des fast lautlos furchenden Dampfers. 111 allen kleinen Sensationen der l'ahrt nehmen *ie schon einen Verbissen des Ziels in sich auf — so leben pie sici! in das gelobte Land hinüber. Wenn sie drüben sein werden, wird bald Peßach sein. Aut dieses grölte, heilige Peßach der Ankunft ist die fahrt durch die stille, begegnungsarme Adria die Vorbereitung. Ein heimlicher Segen runt auf Fahrt und Schiff. Er stellt unter den jüdischen Passagieren von der ersten Stunde an ein brüderliches Einvernehmen her. Die Einwanderer sind auf dein Schiff in verschwindender Minderzahl. Es ist ein ״Tot1risten"־rahr/eug. Fast könnte man sagen: es ist das Fahrzeug der Eltern, die ihre Kinder drüben besuchen wollen. Das neue Blatt jüdischer Geschichte, das seit ein paar Jahrzehnten aufgeschlagen ist, die Väter suchen die 11<■iin.it für ihre Kinder, sondern diese sind die Schrittmacher geworden und )iahen ihre Jugend ins alte Land’ nett eiiigepiLm/t, haben es verjüngt und neu sind.' Die Vater und Mutter auf dein Schiff fahren voll Spannung: die Kinder' Indien .sich ihre jüdischen Häuser Wort der Litern. .- Jede Seefahrt hat einen I laiich von I biu irklichskeit. Wer «eiten oder nie zur See gefahren ist, erlebt es nun, da er wirklich fahrt, kaum anders, als er sichte vorgestellt hat. Er erlebt das 1 In a11>ge!H>beuseir1 aus dem Alltag, aus de״ Sorgen, aus der 1 lad und aus der Angst ries gewohnten Lebens. Alles ist anders, alles ist distanziert von ist. Man wohnt unter /eiten, obwohl sie festgebordete Kabineti sind, es Ist wenig Boden da, Wa-oer und Himmel rücken die Schöpfung nahe -- wie endlos das Wasser und wie hoch der Himmel! Mit der Schöpfung ist der Schöpfer rtah. Ihm hat man sich ganz an vertraut. Er wird auch am Ziel sein, wo an Meer um! Himmel sich das Land ansiiumt: Erez Israel, der neue Saum jüdischen Lehens! Das Pathos der Fahrt lockert sich bald in eine selbstsichere Fröhlichkeit. Man wird ankommen, sehen, erleben, man wird mit den Kindern auch Enkel in die Arme schließen, geboren schon auf dem neuen Boden und in eine neue Zukunft hinein — das ist der Weg eines Volkes, aut dessen Spur dieses verläßliche Schiff fährt. Wo sollte da ein Irrweg sein? Nein, die Eltern und Großeltern — auch sie geben keiner Ermattung Raum, keinem Kleinmut und Zweifel. Das Schiff sucht das Land der Väter, die Eltern aut dem Schiff suchen den Staat der Kinder und Enkel. Der Staat wird sein, so denken und sagen alle. Er wird sein, weil er sein muß! Die schönste Fracht des Schiffes ist das Vertrauen der Eitern in das Unternehmen der Kinder, in dem sich ein Schicksal wendet, an dem noch die Eltern müde geworden sind. So oder so ähnlich sagt es der Mann aus Leipzig, d!e Frau aus Kowno, die Mutter aus Cincinnati und der Vater aus Berlin. Auf der Gesellschaft des Schiffes liegt der .Widerschein des jüdischen Staates. Volk und Staat entstehen nicht aus Programmen und Proklamationen, obwohl auch diese seilt müssen, sie entstehen vielmehr aus dem Erlebnis des E i 11 z e 1 11 e n, das eine (ieniein.schaft sucht ttnd erzwingt. Volk 11:111 Staat werden nicht geschaffen, sie schaffen sich selbst, wenn die Gesinnung und somit die Zeit dazu reiM't. Davon hat fast jeder auf dem^ Schiff das einer bestärkt <!:11111 •den andern. Dies ist die Wandlung, dlo der Zionismus über die Juden der Welt vermocht hat, daß er aus kopfsrhiiUelrmrn Zweiflern vertrauensvolle Mensehen gemacht hat, die gelernt und ejngesehei! haben, daß die Verfassung des 1!11/1 Inen so wie^die Verfassung des und ' gerüstet, als wichtigstes Reisegepäck, als schönstes Präsent, den Kindern im I and der Väter init/uhringril. nicht nur eine von der" Art, wie es viele inner den Juden der Welt gibt, .sondern bereits eine S 1 a a t s gemeinde, die jüdische;Meinungen und I l.iitiuigen ans aller Welt, wirklich: aus allen Weltteilen, 7t! einer einheitlichen Gesinnung und Haltung vereinigt und erhöht. Dies ist das neue aus dem Zionismus geborene Judentum, das 711 einem zugleich nahen, praktischen und zu eiiicni fernen, idealistischen Ziele drängt. Dies ist der Geist der Fahrt, der über dem Schliff und dein Meer schwebt. Was wäre diese fahrt ohne diesen Geist? Eine Ferienreise, So alter ist sie eine verpflichtende, im tiefsten Sinn ziel volle Reise. Ls gibt keinen Juden auf dem Schiff, der sich dessen nicht bewußt wäre. Alle wissen: wir fahren nicht in eine I renule, sondern in die Heimat, wir fahren nicht zu andern, sondern zu uns. Eitier aber ist auf dem Schiff, in dessen Person sich dies alles sichtbar verkörpert: Ussischkin. Er kommt von der Londoner Tagung des Aktions-Comites. Auf diesem Schiff der Väter und Mütter vertritt er eine noch ältere Generation, man möchte sagen: er vertritt die Großvater- *teile. Aber welch ein ״Großvater“ ist er! Immer wieder bewundert man an diesem Bild und Vorbild eines asclikenasischen Juden die lugenden seiner scltieksalvollen Herkunft und Entwicklung: die gesammelte, in sich beruhende Kraft, die sich auf dem weiten Weg vom vereinzelten Pioniertum bis zum I iilirertum eines verstreuten Volkes erprobt und beglaubigt hat. Es ist für uns alle schon fast ein Symbol, daß dieser Mann mit uns fährt; er ist unser heimlicher Kapitän, und wenn er auf Deck, die Baskenmütze auf dem Kopf, spazieren geht, heben sich viele Augen und viele Hoffnungen zu ihm, der einen so beispielhaft langen und steilen Weg hinter sich hat. Eine südafrikanische Gruppe, die nach Erez Israel fährt — junge, feste, entschlossene Gesichter, die viel Bereit- •chaft und viel Kraft zutn Helfen mithringen und zeigen —, Tel - Aviver Kunstbericht Die junge 'Tänzerin Paula P a d a n i, deren außerordentliehe Begabung bereits anläßlich ihres Auftretens in der Gertrud Krans-Gruppc zu konstatieren war, gab ihren ersten eigenen Abend. Sie fesselt nicht mir durch ihr Aeußcres, sondern vor allem auch durch die freudige Hingegebenheit, mit der sie ihre Kunst pflegt. Heber die selbstverständliche Beherrschung des Technischen hinaus verfügt sie über einen sicheren Geschmack, besondere Bcschwingtheit und Leichtigkeit und über ein starkes — niemals unecht wirkendes — mimisches Ausdrucksvermögen. Bei so starken Qualitäten blieb es bedauerlich, daß in der Wahl des Thematischen sich ein gewisser Mangel an Originalität bemerkbar machte. Höhepunkte des Abends waren zwei ruhige, fast feierliche Tänze ״Sehnsucht“ und ״Ritual“ sowie die bereits früher gezeigte, graziöse und anmutige ,,Horra“. Am Klavier begleitete Sima Gingburg-Dymont. Der Jerusalemer Sender brachte das Hörspiel ״L 303“, das schon von 15 europäischen Sendern aufgeführt wurde. Der Autor Martin Rost ist uns als Verfasser zweier satirischer Matate-Revuen bekannt. Diesmal kommt er uns ernst, ja tragisch: während vom Bord eines in Fahrt befindlichen Luftschifles eine Radio-Reportage gesendet wird, gerät das Fahrzeug in Sturm, droht ins Meer zu stürzen. Der ״programmäßige“ Bericht verwandelt sich in SOS.*Rufe, die Insassen des Flugzeuges nehmen ״drahtlos“ Abschied von ihren Angehörigen. Im letzten Moment werden jedoch alle gerettet. Wie das ״Theaterspiel auf dem Theater“ sich fast immer als wirkungsvoll erwies, so gewinnt auch dieses über* zeugend gestaltete Stück besonderen Reiz durch die Verwetuhtng einer Radio-Sendung im Rahmen eines Radio-Spieles, i'lieser L t! b r a n i betreute ausgezeichnet den Sprecn-Part des Reporters und zeichnet auch für die Einrichtung der Aufführung verantwortlich, die sehr wirksam war. Weitere Mitwirkende waren Rose Lichten stein, Rachel Marc tt s und die Herren C h t! r g & 1, L e b i u 8 c h und S a r no w. ln mehreren Radio-Programmen hörte man die junge jemenitische Sängerin Esther Gamlielith, die seit kurzem dem M:sfat£-Ense!nble angehört. Sie hat ausgesprochene Begabttng für foikloristisehe Gesänge. Der tiefe modulationsfähige Alt der Gamlielith, ihre ״jemenitische Akzentuierung“ sichern ihr besondere ״funkische“ Wirkungen. Aber — von der Folklore zum modernen Chanson oder zum Kunstgesatig ist ein weiter Weg und es ist nicht einzusehen, warum diese originelle und aparte Erscheinung in eine Riehtung gedrängt werden soll, für die ihr Können heute noch nicht ausreiclit. So war man sehr enttäuscht von einem Programm, das sie mit dem Matatt;-Schauspieler Tim an gemeinsam bestritt, zumal Timan an diesem Abend ebenfalls erstaunlich farblos blieb. Die Neutexticning der bekannten Musik von Nardi zum Bialikschen ״Seliir Awodah“ wirkte verfehlt. Manfred Geis Ausstellung im Museum Tel Aviv Im Museum Tel Aviv stellt eine Gruppe von 8 T el - Aviver Maiern aus. Es sind bekannte Namen, die alter durch kein gemeinsames Programm verbunden sind. Ihr Zusammenschlttß erfolgte als eine Art Protest gegen den allgemeinen Künstlerverband, dem es ln den letzten Monaten nicht gelungen war, eine Oesamtausstellung der palästin-enstechen Künstler ztisammermtbringen. Die 40 ausgestellten Bilder sind daher auch nicht unter einem besonderen Gesichtspunkt zu betrachten, sondern jeder haben ein Meeting cinbentfen, bei dem Ussischkin sprach. Die ganze jüdische ״Bemannung“ des Schiffes versammelte sich um den Alten, und er sprach zu ihr in jiddischen Lauten, in denen auch der Leiter die Ver- Sammlung eröffnete, während, nach Ussischkin zwei junge Südafrikaner ,,Tachlis“ redeten, nämlich von ihrer Pflicht und Entschlossenheit, dem Jischttvv zu helfen. Noch sind mir Ussischkins Züricher Kongreßreden, voll von Kampfgeist und Opposition gegen den Teilungsplan, in frischer Erinnerung. Wie anders wirkte das Zeichen auf mich ein, in dem er diesmal sprach: voll Milde und Oelassenheit. Er ist, wie bekannt, ein schmuckloser, unrheto rischer Sprecher, der sieh von nichts anderem als von der Sache, über die er spricht, aus einem Satz in den anderen geleiten läßt, von einem Argument zum anderen. IJeberreden oder Apoiogisieren ist nicht seine Stärke und nicht seine Tendenz. Er ist kein Diplomat oder Prediger, er ist der zionistische Volksmann, aus dem, ohne sein Zutun, die fünfzigjährige Erfahrung und Erhebung des jüdischen Volkes spricht, die er!niterlebt und mitgestaltet hat. Ihn hat schon die palästinensische Luft und Erde geformt. Die Atmosphäre von Erez Israel hat ihn, den Ingenieur und Praktiker, sparsam in Wort und Bewegung gemacht. Er steht und spricht für sich, aber in seinen Worten stellt und spricht: ein Volk! Das melancholische Glück, daß er an seinem Lebensabend einen neuen Morgen des Volkes sehen darf, wirkt sich unpathetisch in seinen Worten ans. Und von diesem Glück und dieser Melancholie überträgt sich etwas auf die Zuhörer. Jiddisch sprechend, widmet er seine ersten Sätze dem Iwrith, der Sprache, die ein Bindemittel für alle Juden der Welt sein kann und sein soll. Dann spendet er den Südafrikanischen Juden hohes Lob für ihre zionistische Opferbereitschaft und versteht es, von ihrer Situation und Haltung aus Lichter auf verschiedene Schattierungen der Judenheit in der Welt fallen zu lassen. Er spricht von ihren jüdischen Herzen und ihren nicht-,,jüdischen“ Köpfen, die die geraden, praktischen Wege den krummen und langwierigen vorziehen. Und endlich spricht er von Erez Israel und seinen Nöten. Es war knapp vor der Teestunde, als man die Hatikwah über die Adria hin sang, es war kurz vor der Wende, da das Schiff seinen Kie! ostwärts drehte und nun — letzte, wenn auch längste Etappe der Fahrt — in der Richtung auf das f and der Hoffnung lag, es war auch kurz vor Schabbat- Beginn. Es ist, wie gesagt, eine pathetische Fahrt, und Ihr Pathos, das sich nicht in großen Worten äußert, sondern still hinter den Dingen ttnd Gefühlen steht, wertet das fünftägige Lebert an Bord in eine kleine seelische H ach sch a rah um. Der Boden der Söhne wächst langsam unter die Füße der V'äter. Nette Erde, netter Geist, nettes Volk leuchtet heran und verdrängt alle Schatten der schweren Zeit... Hermann Sinsheimer Famltlen-Nachricliten. Frau Ida Wiesengrund .geb, Thallieiiner (früher Detielb.nh), Haifa c./o. Internationale Apotheke, begeht am 24. April den 80. Geburtstag. Künstler bedarf eigentlich einer Sonderbeurteilung. Man sieht an dieser Ausstellung nur zu deutlich, woran es unseren Künstlern noch fehlt. Sie alle schleppen noch zu viel Reminiszenzen mit sich, können sich nicht von den europäischen Einflüssen frei machen, die bei ihnen in allerhand Variationen wiederkehren. Diesem Zuviel an Fremdgut sieht noch ein Zuwertig an Eigenem gegenüber. G u t m a n, Rubin und zun» Teil auch Ol) a d j a!111 streben zwar nach einem palästinensischeri Ausdruck, aber es fehlt ihnen doch vielfach noch das rechte Mittel, tim ihrem Willen Ausdruck zu geben. Was man immer mit Bedauern feststeilen muß, ist, daß man irt der Kunst unserer Maler so wenig von dem Geschehen In Palästina spürt.! j Die Gruppe der acht besteht nur aus Tel-Aviver Malern! ist also kein absoluter Mallstab für die Leistungen der palastlnensischen Maler im allgemeinen. Viele der besten Namen fehlen hier. A 11 w e i i ist mehr bunt als farbig. Das Bildchen eine• Harlekin ist die beste Leistung, während ein großes ciekorafives Gemälde noch recht unbefriedigend wirkt, Avni ist Renten- Altersversorgung u. and. Versicherungen Victor Sand, Berlin CI, Naue Promenade 4. Tel. 4*60*1, immer dezent und erreicht einen feinen Gesamtton, der aber im Charakter pariserisch ist, während Gliksbergim Minlaturhaften gefangen bleibt, größere Formate aber, wie z. B. in dem Selbstbildnis, nicht bewältigt. Gutman ist der paläsflnensischeste Künstler. Er strebt von allem Herkömmlichen weg und hat seine eigene Note. Holz in ans jugendliche* Temperament bedarf noch der Disziplin. Er macht es sich zu leicht mit der Pinseiarbeit, während sich Obadjahu* malerische Qualitäten in den letzten Jahren wesentlich gesteigert und ausgeglichen haben. Er zählt bestimmt zu den beachtenswerten Künstlern, den nur gar zu große Zurückhal* tung nicht zur vollen Entfaltung kommen läßt. Der reprlsentativste Maler bleibt Rubin, der hier wieder dekorativ# Blumenstücke zeigt. Rubin ist auch dort, wo man seine Malweise ablehnt, immer interessant. Er hat Witz ttnd Verstand und weil! seine Qualitäten ins rechte Licht zu setzen. Zuletzt die einzige Malerin der Gruppe, Ziona Tagger, die nach vielen Stilwandlungen zu einer noch unausgeglichenen starken Farbenfchttng gekommen ist. * Ausstellung Robert David. Robert David veranstaltet im Kunstsalon Masskit seine zweite Ausstellung. Was wir im Vorjahre von ihm sagten, findet seine Bestätigung und Ergänzttng. Der Künstler hat in der Zwischenzeit merkliche Fortschritte gemacht und sich, neben einigen experimentell nicht ganz geglückten Reitensprüngen, zu einer farbig ausgeglicheneren Einheitlichkeit entwickelt. Die kleinen zarten Aquarelle sind die erfreulichsten. Dort, wo David ganz anspruchslos die Farbe sprechen läßt, gelingen ilun Feinheiten von Intimer Schönheit. Seine erste Ausstellung nannte er ״das schöne Tel Aviv“; diese dürfte ״das schöne!.and“ heißen. Wir bekommen zwar auch eine Tel-Aviver Ansicht, einen nicht ttninteressanten Ausschnitt auf Häuser ttnd Dächer zu sehen, aber diesmal führt uns der Künstler nach Rarnoth Haschawitn und Nnharia und man merkt ihm überall die Begeisterung an, mit der er das Land befrachtet, und die Freude, mit der er sich in seine Schönheiten vertieft. Bei Nahansichten verirrt er sich noch manchmal tn Kleinlichkeiten und Spielereien und versucht mit nicht ganz tauglichen Mitteln kleine Effekte. Am schönsten sind die Blätter, wo er eine tonige Gesamtwirkung anstrebt oder ein Aperfu schnell hinschreibt. Dr. Karl Schwan Der Ueberfall auf Tirath Zwl Wir berichteten in Nr. 18 über den lleberfail auf die minrachistische Siedlung Tirath Zivi im Jordantal. ]Vir erhalten über diesen Vorfall, der in Palästina durch die energische Abwehr seitens der jungen, mis Deutschland stammenden Siedler besonderes Aufsehen erregte, von einem Leser folgenden Bericht. (Red.) Das Land (und die Zeitungen) ist voll von der Verteidigung von Tirath Zwi, denn es Ist wirklich etwas gewesen, was man diesen Leuten (man bedenke: trotz Kasihruth, Tefiilin und Getnara) in sol* eher vorbildlichen Weise nicht zugetraut hat. Fs war der schwerste Angriff auf eine isolierte Siedlungsgruppe, der seit Anfang lQjfi gewesen ist. Man spricht von 60—70 Angreifern, die mit Gewehren, z. T. neuen englischen, und Handgranaten (zum Glück alten türkischen) ausgerüstet und zu allem entschlossen waren. Die Abwehr hat in aller Ruhe, in vollster Disziplin, stattgefmiderj. Wie hei einem Manöver nahm jeder seinen, ihm vorher bestimmten Platz ein und hielt durch bis zutn Ende. Hilfe konnte nicht kommen, denn dadurch, daß gleich zu Anfang des Angriffs der Projektor zerschossen war, konnte man sich nicht mit Ejn Charod in Verbindung setzen. Erst als aus dieser Gegend überhaupt kein Lichtschein des Projektors mehr kam und man von weither in den nächstgelcgenen Kibbuzim dauernd Schüsse hörte, wurde man darauf aufmerksam. Auch dann konnte man keine Hilfe bringen, denn es war nach einer längeren Regenperiode, so daß ein Auto, das am nächsten Tage hinunter wollte, um zu seiten, was cs gegeben hatte, stecken blieb. Auch dem Auto, das am anderen Tage den, glücklicherweise nicht gefährlich, verwundeten Gafir nach Afule brachte, passierte dasselbe, so daß erst der Traktor das Auto herauszog. Drei Stunden war das Auto so unterwegs. So hat dieser neue Punkt allein eine Schlacht geschlagen und gesiegt. Wer die Gegend und ihre Verlassenheit nicht kennt, kann nicht ermessen, was die ganze Sache bedeutet. Die Menschen wußten, als sie angegriffen wurden, daß sie völlig aut sich allein gestellt waren. Es war Grund zu einer Panik und man hätte sich vielleicht nach der freien Seite zurückziehen können. Sie aber traten in aller Ruhe zur Verteidigung an, und niemand dachte daran, den Platz zu verlassen. Der Berichterstatter einer Zeitung war kurz nach der Bodenbesitznahme mit dem Muchtar von Tirath Zwi, einem etwa 25jährigen Chawer, dem die Verteidigung untersteht, bei einem Beduinen im Zelt in der Nachbarschaft. Dieser bemerkte: ״Wenn man versucht, euch vorn Jordan her anzugreifen und niit einer größeren Anzahl von Leuten kommt, werdet ihr euch nicht halten können. Wir können euch keine Hille geben.“ Der junge Muchtar antwortete ganz ruhig: ״Wenn «8 soweit Ist, werden wir das sehen.“ — Jetzt ruft man in den Zeitungen nach Regierungshilfe für eine Chaussee. Solch eine Straße wird mindestens £P 10 000 kosten. (Schluß de* Palästina-Teils) JUWELIER Ankauf von Brillanten, Gal 4 und Silber Aak.G, 11/4• 94s BERLIN W 8, FRIEDRICHSTRASSE 193a (ECKE LEIPZIGER STRASSE) FERNSPRECHER IS 4• 3t LIPOWETZKI

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