Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 28 (8.4.1938)
- Date
- 1938-04-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2651273-2653549-2653568--32027-2683723- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JDDI5CHE RUNDSCHAU QJ7 R^NER RUNDSCHAU N־”'™ 8 28 ׳ Im Kulturbund-Theater t Molnars ״DELILA11 In einer Komödie von Shaw, ״Fannys erstes Stück", gibt es einen Theaterkritiker, der auf die Frage, ob das Stück gut oder schlecht sei, entgegnet, er könne sieh dazu erst äuHern, wenn, er den Namen des Autors wisse .... Das ist nicht nur witzig in jener einprägsamen Shawsehen Manier, innere Tatbestände blitzartig zu beleuchten, sondern es verbirgt sich hinter dieser ausweichend witzigen Antwort die etwas peinliche und anstöliige Wahrheit, erliegen. Denn das Erfolgreichste, was cs auf dieser nicht immer ganz _ verständlichen c gibt, heit und B derheit Deshalb, nicht nur deshalb] ist ein Stück von Molnarsieht man von seinem Oewicht und seiner Bedeutung zunächst einmal ab — als Stück weiten Umkreis Berny (Waith ) und llonka >dltin) f alle Fälle immer gut. Denn im reis europäischer Komödiendichtung gibt es nur sehr wenige, die, so virtuos wie er, die grolle Kunst der Szenenfiihrtmg so bis zur Vollendung mcisterlieh beherrschen; Regungen der Tiefe mit so leichter Hand an die Oberfläche zaubern und diese Oberfläche gleichzeitig so durchsichtig machen, daß der Ursprung von Trieb und Gefühl sich mühelos enthüllt. Warum wird alles, was diese begnadet dichterische Lenkerhand heriihrt, so leicht, so transparent? Warum hat man bei fa«t allen seinen Stücken das Gefühl, daß das Gesetz der Schwere hier keine Geltung hat? Sind denn diese Wesen, die da auf den Brettern agieren, Menschen von Fleisch und Blut mit Schicksalen, an welchen sie zu tragen haben wie an einer Last? Nein, Es sind K o m ö d i c n f i g u r c n, spielende und gespielte Geschöpfe eines Autors, der mit klugen, wissenden und dennoch lcichten Händen bestimmte menschliche Ziige an ihnen herausarbeitet, das andere aber, den Wirrwarr ihres sonstigen Lehens, weghißt und so, auf eine scheinbar mühelose Art, den Wesenskern ihrer Beziehungen enthüllt. Zeichnen ist weglassen, hat Max Liehcnnnnn einmal in seiner groß• artig lapidaren Art gesagt, und deshalb darf man, in An- Ichming an dieses Apercu, von Molnar sagen: er ist ein virtuoser Zeichner ganz großen Stils. ״Feines kleines Gartenrestaurant nach französischem Vorbild an der Autostraße zum Plattensee“ — das ist das Milieu, in welchem dieses ״I)eliln“-Stiick spielt. Der Mann, die Frau, eine Kellnerin und ihr Verlobter — munter webt das Schiffchen die Fäden durcheinander. Denn der Mann, der Besitzer dieses exquisiten Hauses, hat einen dicken Lo 11 e r i eg e w i 11 11 gemacht, und da wird er ein bißchen wild, sanft Verdrängtes rumort in seinem Blut, er ist verrückt nach dieser Kellnerin, die ein L.uder ist von oben bis unten. Mull man noch Imi/ut'üge», daß sie nach dein ״Zaster“ giert und den Johannistriebbesitzer bis zum Wahnsinn treibt? Aber dieser ergrauende Mann hat eine Frau, die noch klüger ist, als die goldclfenbeincrne Pallas Athene, und das will etwas heißen. Und diese 1 ran hat außer ihrer Klugheit auch noch ein sehr wissendes Herz, sie ist ein Engel an Güte, also etwas so Vollkommenes, wie es das eigentlich mir in einem Märchen gibt. Fr aber, der wilde Löwe, der Don Juan aus ״bei״ Budapest will die andere mH den seidenen Beinen und dem wippenden Gang. Niemals ging das Schermesser über Simsons Haar, und djs war das Geheimnis seiner Kraft. Da Oclila es ihm abschor, wich alle Kraft von ihm. Bei Frau Marianne und Herrn Virag vollzog sich dieser gleichnishafte Vorgang in einer viel zivileren Form: sie schmeichelte ihm sanft und klug das Sparkassenbuch ab — und damit hörte er auf, für das süße Herzchen noch eine Attraktion ru sein. Um diesen schon beinahe tragikomischen Witz dreht sich das Stück und bildet seinen Kern. Und um diesen Kern legt sich, vielschichtig wie eine saftige Orange, ein Dialog, der so schmackhaft und aromatisch ist, daß man, wenn man ihn hört, gleichsam mit der geistigen Zunge schnalzt. Nun muß allerdings gesagt werden, daß die Aufführung dieses Stücks, der Cond eil den schönen und angemessenen Rahmen schuf, von vollendeter Feinheit und Ausgewogenheit war, so daß es keine Ucbcrtrcibung ist, wenn man von einer absoluten Gipfelleistung spricht. Das Realistische wie das Märchenhafte dieser Komödie waren so delikat ineinandergefügt, daß man manchmal nicht mehr wußte, wo der Scherz aufhörte und der Ernst begann. Zweifellos ist das das Verdienst des Regisseurs — Haus Buxbaum (Hamburg) — aber was standen ihm da auch für Schauspieler zur Verftigung! Daß die Bernstein eine große Schauspielerin ist, wußte man. Aber wie sie hier der Rolle entgegenkam und die Rolle ihr, wie sie alle Möglichkeiten dieser Rolle ansscliöpffe bis auf den Grund mit aller Weisheit und Ritterkeit mul Heiterkeit des Herzens, mit allen Glanzliclitern und der stillen Musik der Venus mater, mit allen kräftigen Tönen und allen pasfellzartcn Zwischentöncn — das war, mit ihrem persönlichen Charme, den sic noch dazu tat, ein wirkliches Wunder großer Schauspielkunst, Ihre Gcgenspiclcrin, das kleine Luder, das immer nur auf den ״Rui des Lebens“ hört, und das in einer Sprache ausdrückt, wie mau sie auf Broinsiiherpostkartcii findet, die in den Schaufenstern verwitterter Papiergeschäfte hängen, dieses Mädchen llonka war Elfriede Borodkin. Sic hatte sich in der Figur, die sie darzustellen hatte, aufgelöst, ganz und ohne Rest,und so kam eine so vollkommene Darstellung zustande, wie man sie noch nie bei dieser charmanten und begabten Schauspielerin gesehen hat. Der Mann in der Mitte, der arme vvildgewordene Trittbahn, war Fritz W i s t e n. Was er spielte, war eine ausgezeichnete klinische Studie, ein aufgestörtcr alternder Mann mit allen Merkmalen manisch-depressiven Irreseins. Vielleicht gab er von diesen Symptomen manchmal einen Hauch zuviel; aber wenn er dann schauerlich ernüchtert und beschämt und wie ein kleiner Junge den Kopf senkte und ihn in seiner Krawatte vergrub, so daß seiner zauberhaften Frau nichts weiter übrigblieb, als ihm das Haar zu streicheln, w׳ar er nicht nur echt, sondern auch wirklich überzeugend. Dem kleinen hin- und hergeworfenen Ilonkabräutigam, der relativ unergiebigsten Figur des Stücks, gab Walther Von links nach rechts: Frau Virag (Jenny Bernstein-Schaffer) — Herr Virag (Fritz ]Visten) — Schankbursch (Sigmund Nunberg) r10 ־.: j. Abr.h.m Herz alles, was er Ihm von sich aus geben konnte. — Aber da gibt es dann noch eine Figur, einen Schankburschen, ein zerzaustes altes Möbel mit der Seele eines schützenden Engels, ein pointengespicktcr deus ex machina in Permanenz, una wie der Scliauspicler Sigmund Nunberg dieses erheiternde Faktotum auf zwei nicht mehr ganz in Frage kommende Beine stellte — das war wieder einmal ersten Ranges. Dem Kulturbund aber kann man zu dieser Aufführung nur von Herzen gratulieren; und nicht weniger dem Fhtbhkirnt, das etwas so unendlich Wohltuendes votgesetzt bekommt. _M icha Michalowit* Fröhlicher Semesterschluß Max Ehrlich als Gast In dar Jugendbühne Die Schulferien haben begonnen; da hielt es die Jugendbühne für angebracht, ihrem Publikum etwas ganz Unbe- Schwertes und Heiteres vorzusetzen, und sie holte den Schwank ״Das Extemporale“ von Hans Sturm und Moritz Färber hervor. Das Stück selbst — darüber dürfte Fon links nach rechts: Prof. Fjulcrlc (Simon Sainshy) —- Gymnasialdirektor (Max Ehrlich) - Lotte (Steffi RosenbäumJ — Oberprimaner (Werner Uinzclmann) Einmütigkeit bestehen — enthält keinen Charakter, der irgendwie interessieren könnte, und steht der Wirklichkeit völlig fern. Die Verfasser arbeiten mit den gröbsten Mitteln, um zu ihrem Ziele: dem Lacherfolg, zu kommen. Die Zuhörerschaft der Jugendbühne aber fand ihren Spaß daran, und so kam es, daß dieses Stück einer der stärksten Erfolge wurde, die wir in der Jugendbühne erlebt haben. Die ursprüngliche, primitive Freude des Jugendlichen an Verwechslungs-, Situations- und Wortkotnik kam hier zu einem elementaren Ausbruch, der oft die Spieler am Weiterspielen verhinderte. Zwei Mittelpunkte hatte die Aufführung: Max Ehr» lieh als junggesellig-schrulliger üymnasialdirektor und Steffi Rosen bäum als der Kobold, der die heillose Verwirrung anstiftet, aber doch schließlich alles zu einem guten Ende führt. Beide Darsteller waren hier im rechten Fahrwasser und konnten ihrem Ueberntut die Zügel schießen lassen. Immer neue Beifallsstürme an den Aktschlüssen und auch während der Szene brausten ihnen entgegen. Der Beifall galt aber nicht minder dem Oberlehrer von Simon S a i n s k der eine sehr geschlossene Leistung aufwies, und dem stotternden, schüchternen Primaner Werner H i n z e 1 m a n n, der seine gute Laune freigebig ausschiittctc. Auch die übrigen Mitwirkenden: Jenny Borde, Fredi G o 1 d s c 11 m i d t, Hans Liip schütz und Rosa Cohn, fügten sich dem Ensemble gut ein und taten ihr Bestes, die Wirkung zu verstärken. Die Regie von Ernst Rosenbaum gab dem Ganzen ein wirbelndes Tempo, das über die Inhaltlosigkeit des Stuckes hinwegti ostete. _ N. Die ״Ort“-Schule in Berlin hat mit einer Zwischenprüfung das erste Lehrjahr abgeschlossen. Für die Prüflinge beginnt nun die Ausbildung in den einzelnen Fach/.weigen: der Gas-, Wasser- und sanitären AulagcnTnstaliation, der Spezialmechanik und der Elektrotechnik. — Am 1. April traten 80 neue Schüler für drei Lehrjahre in die Schule ein. Die Schule hat eine räumliche Erweiterung erfahren. Fine große Anzahl von Aufnahmegesuchen mußte jedoch auf den Herbst zurückgestellt werden. Neue Aufnahmen können daher frühestens wieder zu Ostern IQ'30 in Frage kommen. im Nuittiniund-tiii, *omnunssntenstreia sa-at ׳:!■ Warum lügst Du, Chärie... 7 Donnerstag, 14. April, 20.15 Uhr, Joachimathaler Strafio 13 (Aula) von Hans Lengsfelder und Siegfried Tisch Musik von Leonhard A. Märker Inszenierung: Max Ehrlich Bühnenbild: Heinz Condeil / Techn. Leitung: Hans Sondheimer Max Ehrlich, Steffl Rosenbaum, Alfred Berliner, Hans K. Rosenbera, Irma Infeld, Wolfg. Bernstein, Berth. Segall An zwei Flügeln: Werner Baer und Dr. Richard Hirsch!Mini Ullttelsbach Inh.: Oskar Aberbach, M.d.j.Q., Bayerischer Platz 2 nationaljüdische Aufgabe BERLINER Z'ONISTISCHE VEREINIGUNG Privatmittagsfisch Restaurant r Gorodecki י»■ Hillsverein iflr die iiidlschen Taubsiummen in Deutschland E.V. Ruf: 7t fl tO Eingang Laibnlislr. / Ruf 311636 Dl• bekannte Tanzbar Mitgliederversammlung | HarvarrapaBdentii Bezirks-Veranstaltungen der BZV Öneg Peßach Neu eröffnet/ Privat-Mittags- und Abendtisch Ernst Heischthai Berlin W SO Marburgcr Straße 9 Tet.1 24 ST St Ecke Augsburger Straße J Minuten von der Tauentricmtrafic Oederker RM—,SO, RMi,—, RM t,10 Tageszeitungen Jüdischer 7 ennis-Club Bar Kochba E. V. Jetzt auf der neuen Anlage Bin.- Wilmersdorf, Kaiserallee 49/50 Auskunft und Prospekt im Sekretariat * Ruf ST SS S4 Liegewit