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Jüdische Rundschau · 1938-04-05 · Heft 27 (5.4.1938) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 27 (5.4.1938)
Date
1938-04-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Wr. 27 ✓ Jahrgang 43 Preis 25 Rpf. JÜDISCHE RUNDSCHAU 8»d«ktlo11,VarUg and Ancelganverwiiltiingi BerllnW IS, Meinakaitr. 10 Farnraft 919031, Telegramm-Adreue 1 Orghlp. - In Fällen Fö'nerer Gewalt biateht kein An.pn.ch auf Nachlieferung oder Entattungr etwa .־hon gezahlter Bezugs gebühren. Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,—, je Vierteljahr RM 5,75; bei Abholung RM 1,8S bzw. RM 5,39 (einschließlich Postzeitung., gebühr von 10,72 Rpf je Monat). — Postscheck - Konten der Vertriebs - Abteilung für Groß-Berlin; Berlin 71573, für das übrige Reich; Berlin 17392 BERLIN ד׳ ניסן תרצ״ח DIENSTAG, 5. APRIL 1938 Erscheint jeden Dienstag and Freitag. Gültig ist die Anaelganprelsllsta Kr. S vom 1. April 1936. Die zwölfgespaltene mm-Zeile 20 Rpf, für Familien■ Nachrichten IS Xpf. Keine Gewähr für Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Plätzen. F.inzelanzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck . Konto Berlin 71618 oder bar Montag bi, Freitag 9-18 Uhn Annahmeschluß für di. Dien.tag.Ausg.be; Montag »Uhr, für die Freitag-Ausg.be, Mittwoch 15 Uhr. Familien ■Aussigen am Tag vor Erscheinen 16 Uhr Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Judendebatte in Ungarn Der ״Judenausschußu gewählt Von unserem Berichterstatter Budapest, 2. April Nach den Vertretern (jer Unabhängigen Landwirte und dem keiner Partei angehörigen ehemaligen Ministerpräsidenten, Grafen Stefan Bet h len, haben nun auch die übrigen Parfeien des Parlaments ihre Meinung zur Judenfrage gesagt. — Ludwig Mezcv von der Regierungspartei betonte, die Judenfrage dürfe nicht weiter die öffentliche Meinung irritieren; deshalb tue eine rasche, gesetzliche Regelung not. Es gebe keinen Faktor im Lande, der in dieser Beziehung Ungerechtigkeiten begehen wolle, lind die Lösung müsse im Einklang mit der christlichen und nationalen Ethik erfolgen. — Gral Georg Szechcnyi (der Vereinigten Christliehen Partei angehörig) meinte, weder die Einwandcrungsfrage, noch die Wirfsehaftsschwierigkcitcn seien politischjüdische Probleme, es bliebe also nur die Rassenfrage übrig. Demgegenüber richtete sein Parteiführer, Dr. Andreas Csiilery, heftige Angriffe gegen das jiidische Bankkapital und die Kartelle, aber auch gegen die jüdischen Pächter der Großgrundbesitze. Zum Schluß verlangte er die Einsetzung eines Rcgierungskommissars, der die Aufgabe hätte, die Staatsbürgerschaft der Juden zu überprüfen und ihre Vorherrschaft auf wirtschaftlichem Gebiete einzudämmen. —- Dr. Karl Rassay (liberal) fragte, warum der Ministerpräsident sich die Vorwürfe gefallen lasse, in den letzten Jahren sei zur Lösung der Judenfrage nichts geschehen, wo er doch auf die ungezählten Existenzen hinweisen könnte, die aus den lizenzpflichtigen Gewerben, aus dem reglementierten Außenhandel, sogar aus den privaten Erklärung Ormsby-Gores Auf eine Anfrage im Britischen Unterhaus antwortete der britische Kolonialminister Ormsby-Gore, daß kein Raum für eine ununterschiedliche Zulassung von Immigranten in den britischen Kolonien im Hinblick auf die klimatischen und ökonomischen Bedingungen sowie die Existenz der großen eingeborenen Bevölkerung vorhanden sei. Es gäbe kein Territorium im britischen Kolonialreich, wo eine großzügige Siedlung durchführbar sei. In bezug auf einzelne Fälle seien die Gouverneure in einer Anzahl von Kolonien angefragt worden, weiche Möglichkeiten für Einwanderer mit einem kleinen Kapital bestünden. Die bisher eingegangenen Antworten zeigen, daß leider nur wenig Aus- *ichten vorhanden sind. In bezug auf die Einladung der amerikanigehen Regierung zur Teilnahme an einer Kommission zwecks Erleichterung der Emigration äußerte sich der Unter- Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Butler, dahingehend, daß die Einladung einer wohlwollenden Erwägung unterzogen werde und in kurzer Zeit eine Antwort erteilt werden würde. Diese Mitteilung wirft ein charakteristisches Licht auf die tatsächliche Situation in der Auswanderungs- und Siedlungsfrage. Gewiß besteht bei einer ganzen Reihe von Staaten die Bereitschaft, auch jüdische Einwanderer in gewisser Zahl aufzunehmen, sofern sie sich in das Wirt- *chaftsleben ein ordnen können. Dagegen muß vor der Illusion gewarnt werden, die annimmt, daß in größerem Umfange eine geschlossene Ansiedlung jüdischer Gruppen in Aussicht steht oder zu erwarten ist. Gewiß wäre es vom jüdischen Standpunkt aus zu begrüßen, wenn derartige Siedlungsmöglichkeiten vorhanden wären, sie scheitern aber zumeist schon an dem Willen der in Frage kommenden Regierungen, die derartigen Projekten mit mehr oder weniger großer Zurückhaltung oder gar Ablehnung gegenüberstehen. Wenn trotzdem immer wieder derartige Projekte erörtert werden, so ist das gewiß zu verstehen, ist doch der Druck der judenfrage und der Wunsch, zu neuen Das vierte Mitglied der neuen Palästina - Kommission Zum vierten Mitglied der neuen Palästina-Kommission wurde Thomas R e i d ernannt, wie im Unterhaus von Ko- Ioniaiminister Ormsby-Gore mitgeteilt wurde. Mr. Reid trat in den Zivildienst von Ceylon im Jahre 1905 ein. Er wurde zum Bürgermeister und Vorsitzenden des Stadtrates von Co- Icmbo im Jahre 1919 und zum Kontrolleur der Arbeits- Verhältnisse im Jahre 1925 ernannt. Im Jahre 1931 trat er zurück und war seitdem als spezieller Finanzkommissar auf der Seychellen und als Vorsitzender einer Kommission des Völkerbundes tätig, die sich mit der Organisation und Ueberwachung der Wahlen im Satidschak von Alexandrette befaßte. Unternehmungen entfernt wurden, während im öffentlichen Dienst schon längst der numerus nulltis für Juden herrsche. Nach den Rassenschützlern Dr. Franz. R a j a i s s (Reformpartei) und Dr. M. Matolcsay (Nationale Vereinigung der Landwirte) sowie detn Bauernvertreter Em. Läzär nahm noch der Kossuthianer Dr. Rudolf Rupert das Wort. Rupert, der schon bei der ersten Erwähnung des Judenaus- Schusses in einem Zwischenruf gegen ihn protestierte, erklärte auch jetzt, dieser Plan stehe in1 Gegensatz zur Verfassung. Dr. Johann Väzsonyi beklagte die Unmöglichkeit, die jüdische Jugend unterzubringen; im übrigen wiederholte er seinen Standpunkt, zwischen den armen und den reichen Juden gebe es keine Interessengemeinschaft. Wohl als Abschluß der Judendebatte, die auch außerhalb des Parlaments alle öffentlichen Versammlungen beherrscht, hat die Regierungspartei der Nationalen Einheit in ihrer gestrigen Sitzung jene Studienkommission gewählt, die das Problem der Judenfrage studieren und in Kürze praktische Vorschläge vorlegen soll. Zum Vorsitzenden des ״Judenausschusses“ wurde der frühere Staatssekretär im Unterrichtsministerium, derzeit Landespräsident der Einheitspartei, Dr. Georg Nagy de T asnäd; bestellt, dessen Persönlichkeit — wie Ministerpräsident Daran yi bemerkte, — infolge seiner politischen Vergangenheit Gewähr dafür biete, daß der Ausschuß frei von den Tagesstimniungcn an die Lösung des Problems herantreten werde. Unter den 14 Mitgliedern des Ausschusses befinden sich einige exponierte Vertreter des Rasseschutzgedankens, in der Mehrzahl aber bisher unbekannte Persönlichkeiten. Ob die übrigen parlamentarischen Parteien zur Teilnahme an den Arbeiten des Komitees aufgefordert werden sollen, ist noch ungewiß. Dr. A. F. Arbeitsmöglichkeiten zu gelangen, so groß, daß unablässig auf Wege gesonnen werden muß, um ihn zu erleichtern. Dabei ist es aber notwendig, vor Illusionen zu warnen, die im jüdischen Bezirk nur verwirrend wirken könnten. Es gilt heute, die zur Auswanderung drängenden Kräfte planvoll zu leiten und sie wirklich realisierbaren Aufgaben zuzuführen, nicht aber Projekte zu machen, die den Keim der Undurchführbarkeit von vornherein in sich tragen. Roosevelts Hilfsaktion Zu der Anregung der amerikanischen Regierung auf Ein- Setzung eines Ausschusses zur Erleichterung der Aufnahme von Emigranten hat auch die holländische Regierung zustimmend geantwortet und erklärt, sich in dem Ausschuß vertreten zu lassen. Ferner hat die schwedische Regierun g ihre Bereitschaft zur Mitarbeit erklärt. Weiterhin haben auch Columbien, Nicaragua, Chile, Panama und Venezuela die Einladung angenommen. Wie aus Paris gemeldet wird, beabsichtigt der Sekretär des Parlamcntskomitees für die Kolonien, Adolph Vincent, demnächst bei der französischen Regierung eine Interpellation einzureichen, die sich mit den Berichten über die Frage der Massenkolonisation polnischer und rumänischer Bürger in Madagaskar befaßt. Holland und die Emigrationsfrage Von unserem Berichterstatter RL, Den Haag, 2. April Die Maßnahmen bezüglich der Zuwanderung aus Oesterreich haben zu einer Interpellation in der Zweiten Kammer geführt, die auf das althergebrachte Asylrecht Hollands hinweist und um Milderung der Bestimmungen bis zum Zustandekommen einer internationalen Regelung ersucht. In dem vorläufigen Bericht der Ersten Kammer zum Justizetat war von verschiedenen Mitgliedern auf eine baldige Aenderung des Frcmdcnrcchts gedrungen worden, das eine Rechtsgrundlage für die zugewanderten Fremden schaffen soll. Der Minister machte darauf aufmerksam, daß er die zuständigen Organe in Genf wiederholt auf die Notwendigkeit hingewiesen habe, die Auswanderung von Emigranten aus Deutschland aus den Nachbarländern Deutschlands In weiter abgelegene Gebiete, in die eine Einwanderung noch möglich sei, zu fördern. Es sei für Länder wie Holland untunlich, die Rechtslage der Auswanderer hier zu verbessern, wenn dies mit einem ständigen Anwachsen des Emigrantenstroms, der sich in Holland niederläßt, verbunden ist. ln einer am 27. März. 1938 in Amsterdam unter Vorsitz, von Prof. Dr. D. Cohen abgehaltenen yersammlung wurde die Gründung einer holländischen Gruppe der ״Weltvereinigung Allgemeiner Zionisten“ beschlossen. Das Programm der Selbsthilfe Aufgaben für die Juden Oesterreichs Der große Umbildungsprozeß der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Grundlagen des Lebens, der weite Teile Europas erfaßt hat, ist durch den Umstand, daß die große Masse der europäischen Juden in dem davon betroffenen Raum lebt, auch zu einem Problem der jüdischen Geschichte geworden. Gewiß ist dies, wenn man so sagen darf, ein historischer .,Zufall“, dennoch aber von entscheidendem Gewicht für unser jüdisches Schicksal. Die Ereignisse der letzten Wochen, die wiederum eine zahlenmäßig bedeutende jüdis-he Gruppe vor die Frage ihrer zukünftigen Existenz gestellt haben, erweckten erneut das Interesse der Öffentlichkeit für dieses Problem, das ja jnsofern auch die Völker und Regierungen angeht, als die Zuwanderung von [tidcn ihre Interessen berührt. Die Aktion Roosevelts zur Erleichterung dieses Problems hat bisher eine große Zahl /!!stimmender Erklärungen seitens amerikanischer und europäischer Regierungen ausgelöst, und es kann nur die Hoffnung ausgesprochen werden, daß in einer Atmosphäre such- Hoher, ruhiger Betrachtung aus dieser Anregung eine nennenswerte Erleichterung der jüdischen Emigration aus Mitteleuropa hervorgehen möge. Indessen blickt die jüdische Welt weiter mit großem Interesse auf die Judenheit in Oesterreich, die durch die Entwicklung der Dinge in den gleichen Raum des Geschehens wie die Juden Deutschlands gestellt worden ist. Es ist gewiß für große Teile der Juden in Oesterreich nicht einfach, die Veränderung der Verhältnisse, die über Nacht gekommen ist, so zu begreifen, daß sich daraus ein tiefgreifender Wandel ihres Bewußtseins ergibt. Dennoch kommt alles darauf an, gerade in der Zeit schwerer und tief eingreifender Erlebnisse die Ruhe zu bewahren, um sich nicht selbst zu verlieren, und um den Weg in eine neue, wenn auch andersartige Zukunft zu finden. Aus zahlreichen Briefen von Juden aus Oesterreich, die in den letzten Wochen und Tagen an uns ge״ langten, spricht die Sorge um die Zukunft, und es ist gewiß verständlich, wenn man sich über die Wirtschaftliehe Situation, über die Erziehung der Kinder und über viele andere Probleme, die mit dem Umbruch irt Oesterreich für die dort lebenden Juden Aktualität gewonnen haben, Gedanken macht, ln dieser Lage kommt es darauf an, daß die Juden Oesterreichs Haltung bewahren und den Weg finden, der ihrer Situation angemessen ist und ihnen und ihren Kindern die Hoffnung gibt, ihr Dasein in eine neue Zukunft hinübertragen zu können. Die Voraussetzung hierfür ist die Erkenntnis, daß Juden i h r L e b e n als Glieder des jüdischen Volkes führen, und daß sie sich nie und nirgends, wie immer ihre äußere Lage sein mag, dem jüdischen Volksschicksal entziehen können. Unsere jüdischen Brüder in Oesterreich mögen erkennen und empfinden lernen, daß sie in Freude und Leid, in vergangenen glücklichen und in sorgenvollen Tagen Kinder des jüdischen Volkes sind, dessen Gang durch die Geschichte schon oft von Wetter« wölken umzogen war, und daß sie als Nachfahren einer ebenso großen wie schweren Vergangenheit mit Stolz und Würde auch die Gegenwart ertragen müssen. Theodor Herz], durch dessen Leben in Wien gerade diese jüdisehe Gemeinschaft einen besonderen Glanz erhielt, hat zu seiner Zeit, als er als Wecker und Mahner der Judenheit auch in seiner Heimatstadt auftrat, nur einen geringen Widerhall gefunden, ja er mußte bis in seine persönlichste berufliche Sphäre hinein einen zermürbenden Kampf mit den Kräften der Auflösung führen, die im Judentum seiner Zeit und Umwelt dominierten. Dennoch ist er wie vielleicht kein Zweiter ein Repräsentant der Ju* den dieses Landes — er, der mit der Eigenart &sie* Ue6e*6UtU■ Durch eine Verfügung von Sir Charles Tegart wurde in Tel Aviv eine rein jüdische P olizeif orma• t i o n geschaffen. Der U eher fall auf ein Auto hei Safed hat zwei we 1• tere jüdische Todesopfer gefordert; außerdem wurde ein jüdischer H ilf s Polizist auf dem Karmel getötet. Die Britischen Kolonien Kein Raum für Immigranten

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