Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1938-03-29 · Heft 25 (29.3.1938) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 25 (29.3.1938)
Date
1938-03-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2653549-2653565--31981-2683674
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

JÜDISCHE RUNDSCHAU AUS DEM REICH Nr. 25 29. MÄRZ 1938 Leipzig: Ein ״Mischpat Iwri‘• Der glückliche Gedanke der Zionistischen Vereinigung, Diskussionen über wichtige jüdische Fragen nach palästinensischem Muster in die lebendige Form einer (ierichtsvcrhandlung zu kleiden, erwies sich als außerordentlich anziehend. Im eng gefüllten Saal des Jugendheims herrschte die Atmosphäre eines ״Sensationsprozesses“, und das Publikum nahm an dem Verlaut der Verhandlung leidenschaftlich Anteil. Delikt: Vcrnachlässigurig der hebräischen Sprache; Angeklagter: Kaufmann Silberstein (f)r. Mentichin) als Fxponent jener Gruppe Jude״, die zur hebräischen Sprache keinen Zugang sucficn und sich damit eines zumindest fahrlässigen Verrats an der jüdischen Sache schuldig machen. Die fadenscheinigen ,Ausreden des AngcschuUiigten zeigten die Lauheit jener noch breiten Kreise in gelungener Typisierung. Der Vertreter der Anklage (Dr. Jehuda Rosen t h a I) ging mit bohrender Schärfe dem Angeklagten zu Leibe, zerpflückte die Entschuldigungsgründe mit zorniger Ironie und dehnte die Anklage auf die ganze Schicht der jüdischen Gesellschaft in ihren privaten und kollektiven Erscheinungen aus, die der Angeklagte personifizierte. Aus dem Restrehen nach völliger Objektivitat ließ das Gericht (Vorsitz Kühr. A 11 c r t h u m) das Problem von Sachverständigen von allen Seiten her beleuchten; sie behandelten in vorzüglichen Formulierungen die Bedeutung des Hebräischen als I ,Indessprache in Erez Israel (Schani Kalai), als Grundlage des Judcscins (Svmche Friedman 11) und als Instrument der jüdisch-nationalen Idee (Berger). Dem Antiag des Anklägers folgte das Plädoyer des Verteidigers ',Dr. I ippmann), der geistreich und humorvoll alle mildernden Umstande ins!'reffen führte, die dem in Unkenntnis der Bedeutung befangenen, aber geständigen und reuigen Sünder strafmildernd angerechnct werden sollten. Das Urteil fiel denn auch gnädig aus, und die Urteilsbegründung faßt nochmals die Kernpunkte knapp und klar zusammen. Die vorzügliche Besetzung der Rollen, die Lebendigkeit der auf hohem Niveau stehenden Diskussion und die Echtheit des Bildes schufen höchst eindringliche Eindrücke, und man hatte das Gefühl, daß auch mancher der Hörer im Herzen Besserung gelobte. Jedenfalls durfte der Zweck des Abends, der ausgezeichneten, unter Schau! Kalais Leitung stehenden hebräischen Sprachschule viele neue Schüler zuztiführen, voll erreicht sein. Künstlerisches Leben. Die zweite Hälfte der Winter- Saison erhielt eine besondere Note durch mehrere Gastspiele der Berliner Kulturbund-Ensembles. Das Orchester erschien unter Führung von Rudolf Schwarz und spielte die Serenade für Streichorchester von Tschaikowskt und die Italienische Symphonie (A-Dur) von Mendelssohn. Als Solist stellte sich in Leo Rostal ein ausgezeichneter Cellist vor, der das H-Moll-Kon/ert von Dvorak mit schönem Ton und ausschöpfender Musikalität vertrug und vom Orchester sehr fein begleitet wurde. — Kurz darauf gastierte die Oper unter Berthold Sander mit Adams hübschem Werk ״Wenn ich König war’“. Die durchweg gute Solistenbesetzung, aus der Siegfried U r i a s’ Baß mächtig hervortrat, die Vorzüglichkeit der Chöre und des orchestralen Partes, und vor allem die Inszenierung Kurt Singers, die durch ihre Farbenpracht und ihre überaus blutvollc minutiöse Regie Bewunderung erregte, verhalten der Aufführung zu dankbar jubelndem Erfolg. — •Endlich sandte uns Berlin sein Kleinkmistcnsemble mit ״Von Romeo bis Streichquartett“ unter Max Ehrlich, der es mit seiner prächtigen Schar fertigbrachte, ein fast vierstündiges, von Witz und Laune prall gefülltes Programm herunterzuspieleii, ohne daß eine leere Stelle sich gezeigt hätte, sehr zum Dank des überfüllten Hauses. _ Einem glänzend verlaufenen f est des Kulturbundes zugrinsten der Jüdischen Winterhilfe gab Susanne l.oewen- Steins kostbarer Alt den würdigen Auftakt und Herbert ZernikS Humor die notigen heiteren luchter. - Der Bariton Hans A s s e 11 11 e i in gab, von Leo S c h 0 n h a c h begleitet, einen Arientnui I jedem hem! mit Werken von Schu- Im Jüdischen 1 eh'rfiaus' ipraohen •Dr. Robert W e 1 t s c h über den ,.Perl-Bericht״ und Pro!. Dr. Kisch (Köln) über ״Das Verhältnis des Judentums zur Natur“. Ankündigungen Düssr!dnrf: 7. c. Vcm•-,■;31 .׳. M!v, ' 20.30 M. He- Mannheim: 7V. D! 'Dr. Ik Oberhausen: 30. M: Wuppertal: Ruppin in Wie bereits kurz in der vorigen Ausgabe berichtet, veranstaitete am 21 März der Jüdische Religionsverband Hambürg gemeinsam mit dem Ortskomitee der Jcwish Agency einen üemcindeabend anläßlich des Besuches von Dr. Arthur Ruppin. Viele Hunderte strömten in das Jüdische Gemeinschaftshaus, um an dem Abend teilzunehmen. Der große Saal konnte die Besucher nicht fassen, cs mußte eine P a r a I I c I v c r a n s t a 1111 n g mit laulsprechcr-Uebertragung in einem zweiten Saal des Hauses abgehalten werden. Aber auch dann gelang es noch nicht, alle aufzunehmen, die zum Gcmeindeabciid gekommen waren. Viele mußten zurückgewiesen werden. Die hündische Jugend hatte auf der großen Bühne Platz, gefunden. Im Kamen des Vorstandes des Jüdischen Religjonsverhandes begrüßte Dr. Ernst Loewcnherg Dr. Ruppin. Er würdigte seine Arbeit und Leistung und dankte ihm für die großen und erfolgreichen Bemühungen, speziell um die Ansiedlung der Juden aus Deutschland in Palästina. Er be.- grüßte dann Dr. Trauh, der in Hamburg auf Grund seiner Arbeit und seiner Verdienste für Palästina weitesten Kreisen bekannt ist. Von der Versammlung sehr herzlich empfangen, nahm Dr. Ruppin zu einem ausführlichen Referat das Wort. Seine Ausführungen über die Vergangenheit und Gegenwart Hamburg des Jüdischen Aufbauwerks machten durch ihre Klarheit und Sachlichkeit einen tiefen Eindruck. Anschließend erstattete Dr. T r a 11 b einen Bericht über die Tagung der Jcwish Agency und des Administrative Committee in London. Im Namen des Ortskomitecs der Jcwish Agency for Palestinc dankte Max War bürg und versicherte, daß, solange Männer wie Ruppin in der Leitung des Aufbauwerks stehen, die Juden in der Welt ihre Mitarbeit und ihre Unter- Stützung für Erez Israel nicht versagen werden. Gerade in dieser Stunde größter Not wird jeder Jude dieses Werk auch als das Seine empfinden und in dem Ausmaße seiner Möglichkeiten mithelfen, es fortz.uführcn. Mit der Hatikwah wurde dieser Palästina-Abend geschlossen. Anschließend gab der Jüdische Religionsverband im Gemeindehaus einen Empfang für Dr. Ruppin. Im Namen der Gemeinde sprach Dr. Fritz W a r b u r g, im Namen der Hamburger Zionistischen Vereinigung Dr. Perez Zadik und für das Repräsentanten-Kollegium Dr. U r i a s. Der Abend wurde beschlossen von Dr. Unna mit der Bekanntmachung, daß der Jüdische Religionsverband Hamburg Dr. Ruppin anläßlich seines Besuches in Hamburg in das Goldene Buch des Keren Kajemeth als Ausdruck seiner Dankbarkeit und seiner Verehrung habe eintragen lassen. Künstlerisches und geistiges Leben Mannheim. Der Jüdische Kulturbund (I iederkranz) hatte für sein letztes Konzert dieses Winters das Orchester der Jüdischen Kulturbünde Frankfurt a. M. unter der Leitung von Prof. Priiwer gewonnen. Als Solist des Abends bot Erich Länderer am Flügel mit Chopin den Höhepunkt seiner Gaben. Dem Konzerte folgte ein geselliges Beisammensein, hei dem der Vorsitzende des Kulturbundes, Rechtsanwalt Dr. Hecht, Rabbiner Dr. Griinewald dankte, der als von hier scheidendes Vorstandsmitglied des Kulturbundes diesem stets mit Rat und Tat zur Seite stand. In dem Dank, den hierauf Rabbiner Dr. Griinewald dem Kulturbtind für die schönen, in ihm verlebten Stunden aussprach, wünschte er diesem, daß der Kulturbund noch so lange leben und wirken möge wie jüdische Menschen hier leben. Rathenow, Im Kulturbund gab Fritz Tac Hauer einen Unterhaltungsabend. Mannheim. Ein Werbeabend zeigte das Können des hiesigen Bar Kochba. Vor allen Dingen sind die hervorragenden Leistungen von Klingen holz zu nennen. An diesem Abend verabschiedete sich der verdienstvolle Vorskzcmle L ö w e n b a u m, dessen Wirken von Rabb. Richter gewürdigt wurde. Dr. O. S. Recklinghausen. Am 5. März sprach Dr. Werner Alexander (Dortniund-liördc) über: ״Palästina und seine Wirtschaft im Lebergange“. Regensburg. Die ZV', veranstaltete am 20. .März eine Kinderpurirnfeicr. Stuttgart. Im Jüdischen Lehrhaus sprach Dr. Werner C a h n - mann (München) über; ״Geistige Grundlagen des Palästina-Auf- Witten. Am 14. März sprach Dr. Werner Alexander (Dortmund-1 lördc) über: ״Palästina und seine Wirtschaft im Ucbergangc“. Worms. Die jüdische Schule veranstaltete eine Purimfeier, deren Reichhaltigkeit einen Einblick in die vorbildliche erzieherische Arbeit der Schule gab. Zionistisches und Gemeindelehen Aurich. Die ZV. entfaltet unter dem Vorsitz von Julius Wolff ThrUervorfültrnugen und ein Vortrag des Lehrers Moses fanden. Bielefeld. Am 16. März sprach Erich Frank (Dortmund) über: ״Berlin 1799 — Paii, 1806 — Damaskus 1840“. Breslau. der J. Chemnitz. Die ZV Die Gedenkrede 1־ Dortmund. einer Kun 9. Mit 1 15. M Dresden. der 7.י .der der Gründer Bestell Israel rlilz. Am 12. März sprach Fritz T;1 u (Beuthen) über die ״־mlmngen ttnd Erfolge auf dem Gebiet der Mittelstand,- Hamm. Am 14. Mürz hielt Erich Frank (Dortmund) einen Vortrag über: ״Berlin 1799 — Parts 1806 — Damaskus 1840“, historische Bilder aus der beginnenden Emanzipation. Hannover. Die Generalversammlung ries Vereins polnischer Juden, Hannover, fand am 5. März statt. Der alle Vorstand wurde wiedergewählt und bc-!rht aus den Herren: Benjamin Fischei. Wolf Rudolcr. L. Zirgm.mn, X. Enger. I. Tagcr, N. Glauhart, J. M. Karfiol N. Schwinger und X. Enis. Magdeburg. Am 19. März veranstaltete die Zion. Vereinigung mit dem Brit-Hanoar eine Purimfeier. Es wirkten mit: Chor und Orchester dos Brit-Hanoar; am Flügel: Paul I s a y, Gesang Lotte B i u mann sowie Dr. Julias Händler. Familien-Nachrichten Herr Ludwig• Koch III, Alzey, Wilhelms(r. 8, begeht am 4. April den 70. Geburtstag. Herr Samuel Lauter, Oranienburg, begeht am 4. April den 70. Ge־ Grai-Adolf-Sl-r. 86, begehen am 5. April die silberne lloch/eii. l>egeht am 2. April den 80. Geburtstag. Barmizwah-Termin. Am a April j8. Hans Guggen־ Palästina-Arbeit in Holland. Unser Haager Berichterstatter schreibt uns: Gelegentlich der Huleh-Aktion des Keren Kajemeth war Ussischkin für einige Tage nach Holland .gekommen. Ussischkin wurde bei seiner Ankunft in Amsterdam auf dem Zentralhahnhof, aul dem ein besonderer Bahnsteig zur Verfügung gestellt worden war, und dessen Chef als erster den Gast begrüßte, von den zionistischen Führern und von der Jugend willkommen geheißen. In einer Massen- Versammlung in •Amsterdam, hei der Tausende anwesend waren und viele Hunderte abgewicseii werden mußten, sprach Ussischkin über den Charakter des Kampfes um das jüdische Palästina. Ferner sprachen A. H e r 7. h e r g, der Vorsitzende des Niederländischen Zionistenhundes, der Amsterdamer Stadtrat E. Bookman und M. M. Bolle, der Vertreter des Keren Kajemeth im Bundesvorstand des Niederländischen Zionistenhundes. In einer Pressekonferenz im Haag, zu der die Vertreter der holländischen Presse geladen waren, gab Ussischkin Erklärungen über aktuelle Fragen des Palästina-Aufbaus, Alle großen holländischen Blätter brachten ausführliche Artikel über die Bedeutung Ussisehkins mul seinen Aufenthalt in Holland. Empfänge in Amsterdam und im Haag (hier unter Leitung von Jacobus Kann) gaben Ussischkin Gelegenheit, auf die besondere Bedeutung der KKI.-.Arbeit hitizitwetsen. — Zur Einleitung der Keren Hajessod-Aktion war Professor Brodetskv nach Rotterdam gekommen und hatte dort vor einem geladenen Publikum über das Judentum und seine Zukunft gesprochen. Ihre besondere Note bekam die Keren Hajessod-Arbeit durch die Anwesenheit von Kurt B 111 nt c 11 - f e I d. Nicht nur in überfüllten Versammlungen in Amsterdam und im Haag sprach Blumenfeld zu den holländischen Juden, auch in vielen Städten der Provinz warb er für Mitarbeit am Aufbau Palästinas. Besondere Erwähnung verdient ein von den Juden aus Deutschland organisierter Abend, auf dem Blumenfeld über die Ergebnisse der Arbeit der Juden aus Deutschland in der Landwirtschaft, insbesondere in den Mittelstandskolonien in Palästina, eingehend berichtete, — Vor der Ge- Seilschaft für die Jüdische Wissenschaft in Holland sprach Prof. Dr. H. Torc/yner von der Hebräischen Universität Jerusalem. FlT1n^TVtt₪₪₪B₪K₪₪n₪B₪₪₪l | HAMBURG j Hrnnn Jenaer UMMMjy Duraxalas Geschwister Gnlmann Zell 99 Llebtranenberg 39 DamenhOte Kaffee —־ Tee — Kakao Weine — Lebensmittel ln bekannter Gute Wlttwe Hassan jgjjy Frankfurt- M., K«1«r,tr. 4 und Backen. Billiges weißes Direkt vom Feuer Anz.-Ann. Hamüurs: Manfred Edgars Gebrauchsporzellan auf den Tisch ■ Radio - Photo ■ Schallplatten EHRENFELDl Frankfurt a. M., Zell 104 Hl Ankündigungen In der Jüdischen Rundschau bringen sicher Erfolg Anzelgen-Annahme Frankfurt a.M. Groß« Bockesshetmer Straße 29, i Fernruf! 23977 Eppendorter LenbetreBe M / Ruf Uesto ■H STETTIN ■■ REICHENBACH M. BLUMENREICH Möbel- und Waran - Kaufhaus Gagan bar und auf Teilzahlung —׳— Große Wotlweberetraße M/M — — . | MAGDEBURG | Schuhwaren Berthold Wolff SchwertfegeretreBe 14/18 Magd•bürg weyi * Kassau Reichenbach (Eulengebirge) Biumwollipinnerel / Buntweberei *usrUstungsenetilt / Kleiber-, mm Vorhang - und Bumm ierungsetotts mm ALTENBURG I Kaufhaus IVI. 8 S. Cohn Altenhurg in Thüringen MÜNCHEN Maiersche Papierhandlung MÜNCHEN Karlstraß• 8, Eck• Barerstraß« Spielkarten Füllhalter Praktische Geschenkartlkel ♦

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.