Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 24 (25.3.1938)
- Date
- 1938-03-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 24, 25. III. 1938 Wann gilt ein Betrieb als jüdisch? Der R e i c h s \v i r t s c I! ,1 f t s ni i n i s t e r hat in einem kürzlich ergangenen Erlaß die Merkmale /usammengcstellt, bei deren Vorlieben ein 15 e t 1 i c b als jüdischer (j e Werbebetrieb nMzisclH n ist. I>,11׳!;[.h ist hei der Ertcilung von Auskünften, die /. B. die Indusineum! Handelskammern gehen, voi hdtaithch einer geset/lichen l:estk׳11;!׳-,g des Begriffes des jüdischen Gewerbebetriebes, einstweilen nach folgenden Grundsätzen 711 verfahren: 1. Der Gewerbebetrieb einer F i 11 / e 1 f i r m a gilt als jüdisch, wenn der Inhalur Jude 1:4. 2. Der Gewerbebetrieb eimr offenen I! ,1 11 .1 e 1 s g e s e! 1 - *Chaft oder Kommanditgesellschaft gilt als jüdisclt, wenn cm persönlich haftender < iosellsehafter Jude ist. 3. Der Ciewerbebeti mb e.ncr juristischen Person (also /. B. (i. in. b, I!,, Akt.-( 11■ -.. usw.) gilt als jüdisch, a) wenn sndi inner den gesel/lieh zur Vertretung berufeb) wenn von den Mitgliedern des A11f.del1t.Mats mehr als ein Viertel Juden sind, oder C) wenn luden nach Ivan!; 11 oder .1!!;<־!;m׳'.1׳'ht enN.■'!leidend, d. h, in solchem '.lade luteihgt sind, da!) ohne ihre 711v'o!1'J 11 de' 11 v! ' י,־.י1’'' Zweifelst.!!!0 v■'1 ׳ d d. e: i-tve icheidung voi /uh;;; Rassenschande Ausland Nach eenen \ e! frühere Verlobte 1 zusammen. Falle der Rassen-.! besondere kein in Nürnberger < icset/ mt nach dem Inkrafttreten als X'nrausset/i für alle 7,uku!■ aufs ätiBerste : bestände, unte Verbrechen gw ׳ des deutschen Blutes Vor der Berufswahl Die Reichs Vertretung der Juden in Deutsch- 1 a n d hat in Zusammenarbeit mit der Berliner Jüdischen tienieimlc und dem Zentrale er band indischer Handwerker Deutschlands eine Broschüre unter dem Titel ״Vor der Berufswahl, ein Wegweiser für jüdische Eltern und Kinder" (Verlag: Zeiitraiwohlfahrtsstelie der Juden in Deutschland), heransgegeben. die da/11 bestimmt ist, der jetzt wieder aktuell werdenden Frage der Berufswahl eine sachliche Unterlage 711 geben. Da- Buch, das von Dr. (ienrg Flatow /usammengcstellt wtrde, enthält einen cin'eitcnden grundsätzlichen Beitrag von Dr. Georg L u b i n s k i über die Probleme, die mit der Berufswahl der jüdischen Jugend 111 Deutschland in unserer Zeit verbunden sind. Fs folgen eine Reibe von Berufsbilder״, die von Faeb'en'e״ ges hrieheil sind und jeweils eine CharakteHs'ik der in den betreffentien Berufen /u leis‘enden Arb ■i׳ •n׳J der Voraussetzungen, krön, 11rieh Sa'i iger und ' otte Fand u behandeln d e bandverkb-hen Rem!!, Dip . I a m ., f! 1:1 G! sie d e hndwirtschaftlichen Berufe, Ha״« I*:•utsehkron mul Fot.c kanda 11 die kaufmännischen Berufe, Hans I) •tit ehki on die Berufe der Technik, Prof. Otto Toeplitz d e akademischen Berufe und Lotte Landau die besonde eil Fraucnbcrufe. Weiterhin schreiben Hans I)eiit-ehkron und l'rich Salingcr über die Frage, wie der Jugendliche zu einer A 11 s!ו i I - düng ss teile gelangt, während Dr. Georg Flatow und Dr. Frieda Heilberg die Fragen der Jugend-Alijah und der Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in den Vereinigten Staaten und Australien behandeln. Schließlich schreibt Dipl.-Ing. Werner Roscnthal über die handwerkliche Ausbildung in Lehrwerkstätten und Friedrich Perlstcm über die Praxis des landwirtschaftlichen Ausbilduiigsbetriebes. Ein Verzeichnis der Ausbildungsstätten ist dem Buch beigelegt. Die Reiehsvertrctung und die mit ihr kooperierenden StelU'n haben sieh mit der Herausgabe dieser Schrift ein außerordentliches Verdienst erworben, denn es kommt heute ja nicht nur darauf an, grundsätzlich darauf hinzuwirken, daß die Berufswahl des jüdischen Jugendlichen so vorgetioniincn wird, daß er auswanderungsfähig wird und daß er neben seinen eigenen Interessen auch diejenigen der jüdischen Gesamtheit berücksichtigt, sondern darauf, in konk r e t e 11 Hinweisen die so schwierigen Entscheidungen für dir Jugendlichen selbst und ihre Eltern und Augehö'igiii zu erleichtern. Durch die Zusammenstellung der Berufsbilder und die sich daran anschließenden Hinweise über die verschiedenen Formen der Ausbildung wird diese Ent■■ Scheidung gew iß e. Ieich‘c׳t, so daß man nur die Hoffnung ausspreihen kann, daß dieses Heft in dc:1 nächsten Wochen in die Hände möglichst zahlreicher jüdischer Eltern, Lehrer und Jugendlicher gelangt. IN ALLER KURZE Ankündigungen aus dem Reich Advokat Ren/o R a v e 11 n a, der Bruder des früheren Präsidenten des italienisch-jüdischen (iemeimlei ci bande« und de« bekannten Zionisten Fel'cc Ravenna, trat von seinem Amt 1111 ksiehten zurück. An einem A hsebiedscmnfaug. <’e von de׳■ Stadt Ferrara grg. b en wurde, irdim Marseball B 1 In ״ teil, der im Aufträge Mussolinis die Anerkennung de־׳ I eistungeii Ravennas für die Siadt Ferrara zum Ausdruck Breslau: Wl/.o. 28. M.uz. 20,30 Flu, In■! v. v.!■;,■!■,g". Dresden: Am 27. M!u/. e. Auf- Köln! I. 18 22.!״ Warschau kam es zu aiitijiidischcn Ausschreitungen, besonders seitens polnischer Studenten. Einige jüdische Restaurationen wurden beschädigt, eine An zahl von Juden wurde verletzt. 5(! Evzcdenten wurden von der Polizei verhaftet. U. a. wurde auch Oberrabhincr Prof. Scliurr auf der Straße attackiert. Der Attentate! wurde verhaftet. An 11 c W a w 0! b e 1 g s c h e 11 T e e 11 11 i s c h e 11 H o c h s c h 11 1 e kam cs ebenfalls zu antljüdischeu Ausschreitungen, bei denen vier jüdische Studenten verwundet wurden. Der Semit der Universität Kowno hat sechs litauische 'Dudcntcn wegen Teilnahme an den antiiüdischen Ausschre׳- timgen vor das Disziplinargericht gestellt. Weitere 20 litanische Studenten wurden im Verwaltungsverfahren bestraft. Anläßlich des 25. Amtsjubiläums des britischen Oberrabbiiiers Dr. Hertz fand in London unter Vorsitz von Sir Robert Walcy Cohen ein Empfang statt, an dem auch l.ioiicl de Rothschild 10 i 1 na 11!11. Dem Jubilar wurde sein Porträt, gemalt von Joseph Oppenheim, überreicht. Prof Alexander Seippel von der Osloer Universität hat die erste moderne 11ebersetziing des J esa ja ins Norwegische vollendet. Das neue deutsche W a f f e 11 g e s e t z bestimmt u. a., daß Juden die Erlaubnis zur Ausübung des Waffenherstellungs- und Waffenliaiidelsgeweibes nicht erteilt werden darf. Bei den Lederwerken R o t 11 e AG, Bad Kreuzn a c h sind Fabrikdirektor Otto M a r 11 111 aus dem Vorstand und aus dem AR. der stellvertretende Vorsitzer, Dr. Max M 11 11 z e 11 11 e i m e r, Frankfurt a. M., ausgeseliieden. - Das Retten- und Rettfedernversandgeschäft |osef Christi Nachfolger in Cham ist 111 arischen Besitz übergegangen. — Die Segeltuchwebei ei I r u h I i c 11 N Wolf, I loss.-Fichtenau, ist in arischen Besitz iibergegangen. Die ״Polonia“, das Schiff der polnisch-amerikanisch.11׳ Schifffahrtslinie, das einen regelmäßigen Dienst von Konsta:1 za nach Palästina durchführt, begibt sieh diese Woche auf seine hundertste Fahrt. Große Mengen von Juden, besonders aus Polen, hat die Linie seit ihrem Bestehen nach Palästina bebildert. Die hundertste Reise wird als Jubiläumsfahrt festlich durchgeführt, und die Gesellschaft hat eine Reihe bekannter jüdischer Persönlichkeiten eingeladen, an die-or Fahrt teilzunehmen. Auch der Chefredakteur der ״Jüdischen Rundschau“, Dr. Robert Weltsch, nimmt an dieser Reise (Abfahrt des Schiffes am 25. März) nach Palästina teil. ANTWORTEN OER REDAKTION Einer fiir viele: Wir bitten um Angabe Ihrer Adresse, da wir anonyme Zuschriften nicht beantworten können. Familien ־ Nachrichten 29. Ma —MAGISTER KIASCH—•. her aute Likör | Magister-Likörfabrik, München Vil | Hilfe für Auswanderer 11! New York fand die lahrcsversammlung der H i a s (Jüdische Auswaiiderungs-I lilfsgeseflschaft) statt, an der 1500 Delegierte teilnahineii. Es wurde beschlossen, 250 000 Dollars für die Uehei fuhniiig von jüdischen Emigranten aus Europa aufzubniigcn. In einer Resolution wird die britische Regierung gebeten, die palästinensischen Fimvandcningsheschrniikungeii zu erleichtern. Ferner beschloß die Tagung, eine Petition an den Völkerbund einziimchen mit der Bitte, das Oberkommissariat für Flüchtlinge aufrechtzuerhalten. _ Juden und Jüdisches im Rundfunk. X Montag, 28. Mürz: Bo Aus der ״JÜDISCHEN RUNDSCHAU‘ 3. 1913 *me. Dir vnlhshewußte Jugend aus unseren jüdischen Turn- und Sportvereinen feierte Mnntug ihr erstes Krristurnfest. Ein frischer froher Geist durchzog die böige Schar. Ihrem munteren '!'reihen schulden l.V'O (iäs’e :11. Ihmtlerten mußte der Eintritt in die Turnhalle verwehrt das zerzauste Revier, als srl!n!>'l/׳■ im Nu der Schnee; heimkehren. Als er am inUh-ieii Morgen iia'li ihm׳ 'ergeheimnisvollen Pachter, und ohne den Spot( der ( hassidiin zu beachten, stellt er sich י 11:;״ ergebli. her Müh mitten in den Hof und seUri-it: ,,Baalselu׳m-׳S o\v, weise ihn mir!" des Wirfcs. DeMDKö'eryn.i'f' 'sie 'umlj-״lt Jel”^״cduA-ticli nacht sähest, war .Spuk, was du hörleM, war ■Spuk, oder spricht: was du gestern nacht sahe־>t, war Wahrheit, was Der geheimnisreiche Mann erwidert mit einem Lächeln. des*Rabbis befreit: ״Wartot‘‘hiV " im* Ausxmng des S< luibbat!“ Kaum die Stunde heran war, drängten die ('hassidiin mit Macht zur Weitorlahrl, denn sie wollten wenigstens noch rechtzeitig zur Hawdalah des Baalsehem eintreffen. Der Rabbi, gedachte er nicht für Tage zurückzubleiben, mußte sieb den [,eilten unselii ic ßcn. Jedoch kaum schien der Schlitten hundert Schritt um der Wirtschaft entfernt, *1s der klare Frostabend in einen sausenden Windflug umsehlug, und das gestrige Wetlerschnuspiel sieh wiederhohe. Die (’hassidim, nunmehr überzeugt, es mjt einem Meister zu tun zu haben, verloren ihre Eile und harrten im \ erein mit Rabbi Leib gespannt auf das Ersehciaen des Pächters. Es dauerte auch nicht lange, du trat der seltsame Mann unter sie und winkte den Jünger des Baalsehem zu sich, und wie zwei Brüder schritten sie aus der Schänke. •— Sie gingen den Weg zur Mühle. Und vor dem halbverfallenen Bauwerk zwischen dein kahlen (teilst, vernahm der Rabbi die Stimme des Pächters, als käme sie von weither: ein rollendes Echo aus tiefem Schnellt. Die Stimme rief: ,,Nimm den Spruch hin: die .sechsunddreißig verborgenen Zaddikim haben dich zu meinem Nachfolger ausersehen!“ Die Stimme rief: ״Sieben Jahre sollst du über die Erde wandern als ein Unbekannter ... Als ein Unbekannter sollst du Israel erlösen. ... Dann rücke deinen Stuhl au den Tisch der Seclisunddreißig, um deren Tugend willen die Welt nicht zerbirst!“ ... Wenig später langte der Rabbi mit den zwölf Cliassidim in Micdzyborz an, just zur Sekunde, als der Baalsehem mit der Ihiudidah begann. Nach einer Weile, beim Verklingen des letzten herzerquickenden Gesanges, fragte der Meister unvermittelt seinen Schiller Rabbi l.eib: ״Niehl wahr, der Scluibbut beim Sehankpiichter gefiel dir besser als bei mir?“ Die umstehenden Jünger glaubten ihren Freund nicht bei Sinnen, als dieser, wenn auch zage, ein klares ״Ja“ gestand. Der Baalsrliem-Tovv indes beglückwünschte seinen Schüler zu der Antwort und forderte ihn aut, nachdem er seiner verblüfften Gesellschaft zugelächclt hatte, ihm zu folgen. Im Gelaß des Meisters empfing Rabbi Teil) die letzte Weisheit der Kabbala. Zum Schluß sprach der Baalsehem: ״Merke dir, drei Dinge sind nötig zum Gedeih deiner Aufgabe: Daß du dein Werk unerkannt tuest. Dich nur der Gefahr zeigst. Und längstens sechs Monate dich die Mauern einer Stadt umschließen. Verstößt du dagegen, dann stößt du auch die Erlösung unseres Volkes wieder ins Lngemessene zurück und dich in Unruhe zeit deines Lebens!“ Noch in selber Nacht nahm Rabbi i.eib von seinem Meister Abschied und zog heimwärts. Dort Erstellte er sein Hutis und verschwand nach kurzer Frist aus dem Ort, niemand wußte wohin, - Die!,egende will wissen, daß seine Wanderschaft ihn über die ganze Erde führte, nach allen Orten, wo Juden ihre Wohnsitze aufgesehlagen hatten. So wird übereinstimmend überliefert, er habe die vveitosten Entfernungen mit einer Schnelligkeit clurclnnessen können, wie nur einer, dessen Wagen die Räume geflügelt durclismiso. Kr soll immer dort zur Stelle gewesen sein, wo Juden die Gefahren des Todes und der Zerstörung ihrer Häuser gedroht hätten. So will man den geheimnisreichen Mann zu verschiedenen Malen in Venedig, Rom und Palermo gesehen haben. Der gleichen Gestalt begegneten •luden in den Städten und Dörfern Ungarns, Polens und Rußlands, und bald tauchte hier ihr Name als der eines ungewöhnlichen Wundertäters auf: Wo nur ein schreckhaftes Ereignis durch eine wundersame Stärke gebannt wurde, hieß es, Leib Sara« hätte es getan. Von ihm wird auch berichtet, daß Kaiser Josef fl. oft seinen Rat verlangte. Namentlich um die Zeit des Toleranzpatenles. So wurde der Name Leib Sarns den Menschen bekannt: und der Jünger des Baltischem dadurch um die Erfülhmg seiner Aufgabe gebracht. Zu verschwenderisch hatte er mit dem ihm anvertrauten Pfunde gewuchert. Aber das jüdische Volk im Osten weiß noch heute von seiner wunderbringenden Gegenwart zu erzählen. Noch heute rufen die Juden drunten in Galizien und Podolicn — trifft mc arge Not — den Namen des Wundernmrmes Leib W ahr aber ist: er zog ruhelos, voller Geheimnis, voller Wunder durch die Länder. Doch der Weg nach Micdzyborz war ihm für immer versperrt.