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Jüdische Rundschau · 1938-03-18 · Heft 22 (18.3.1938) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
43 (1938)
Issue
Heft 22 (18.3.1938)
Date
1938-03-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 22, 18. III. 1938 Auf dem Wege zum Beruf Jüdische Jugend beriditei über ihr Arbeitsleben Ein Jahrgang der jüdischen Jugend steht jetzt wieder vor der Berufswahl. Es ist eine verantwortungsvolle Entscheidung für die jungen Menschen seihst und für ihre Eltern and Erzielter. Das jüdische Volk als Ganzes steht heute im Prozeß einer sozialen Umschichtung, die durch den Aufhau Erez Israels ihren besonderen nationalen Sinn erhält. Große Scharen der jüdischen Jugend haben ihre Berufsvorbereitung im Hinblick auf ihre spätere Arbeit in Erez Israel vollzogen, in dem Bewußtsein, daß ein neu zu erschließendes Land beson• ders solcher Menschen bedarf, die zum Pflug und zum Handwerkszeug greifen. Das jüdische Volk in der Diaspora, und besonders in den westlichen Ländern, hat Jahrzehnte• lang vorwiegend gcisligc Arbeiter hervorgebracht, aus vielen Gründen, auch aas dem, weil die Gelegenheit zu körperlicher Arbeit nur in sehr geringem Ausmaß bestand. In Erez Israel liegt es anders. Aber auch in anderen Ländern, in die Juden einwandern sollen, ist technische Geschicklichkeit und Fähigkeit zu oft schwerer körperlicher Arbeit erforderlich, wenn man seinen IVcg machen will. Dies alles bedeutet eine innere Revolution für das jüdische Volk. Nicht nur die soziale Struktur, auch die Mentalität ändert sich. Es ist für die jüdische Ocffentlichkeit von großem Interesse zu beobachten, wie sich dieser Prozeß der Umwandlung in den jungen Menschen vollzieht. Wir veröffentlichen nachstehend eine Anzahl von Berichten junger Menschen, die den IVcg der körperlichen Arbeit bereits beschritten haben und von ihrer Ausbildung erzählen. Diese Berichte sind gewiß von besonderein Interesse für diejenigen, die jetzt vor der Berufswahl stehen. (Red.) Ernstes und Heiteres aus der Mittleren - Hachscharah ... Heute bestand unsere ganze Arbeit im Himbeerpflücken, vor- und nachmittags. Dazu bat es den ganzen Tag geregnet, Das Pflücken wachst uns allmählich zum Halse heraus, obwohl man dabei viel Beeren essen kann. Wir machen es schon über einen Monat jeden zweiten Tag lind haben über 35 Zentner Erdbeeren geerntet, Himbeeren bis jetzt 15 Zentner. Sonst aber ist die Arbeit sehr abwcchslungsreich und schiin. Man sagt mir nach, daß ich kein gcborener Landwirt bin. Das kam so: wir kauften eine triiehtige Kuh, und eines Morgens war es so weit, daß das Kalb jeden Augenblick komme״ mußte. Ich war dabei im Stall überflüssig. Weil ich aber nichts 1״ tun hatte und darauf wartete, zur Bahn 711 gehen, lief ich immer einmal hin, um ja im entscheidenden Augenblick dabei zu sein. weg, kam nach wenigen Minuten wieder — und da war das Kaib schon geboren. Wer Pech hat, braucht aber für den nichts schließen dinfte,’ zwc׳ifcln''seitctcm'di^Lcutc^an mcinen Fälligkeiten, ... Toll geht es bei uns immer zu am späten Freitag- Nachmittag und -Abend, je nachdem wir mit der Arbeit fertiggeworden sind. Da wäscht sich alles so gründlich, daß man deutlich etwas schlechtes (־״wissen herausmerkt wegen des Wasche ns wahrend der Woche. Das geht ja manchmal sehr schnell. Wir haben zwei Waschraume, aber nur in dem der Mädchen ist ein Wannwasserkessel, und wir müssen uns am Freitag immer warmes Wasser schüsselweise bei den Mädchen holen. Das bedarf immer langer Verbandhingen bei jeder Schussel, bis uns jemand Wasser herausgibt. Aus solchen ״Schwierigkeiten“ hat sich schon einmal eine Wasserschlacht entwickelt, die noch jetzt unvergessen ist. Sie war anfangs nur die Angelegenheit von vier Leuten und bestand im Schütten mit Schüsseln, griff aber bald auf das ganze Haus über und auf den Hof und zog alle Einwohttcr restlos in sich hinein. Oartensehläuche wurden angebracht mit Spritzen, immer neue Wasserquellen wurden entdeckt, verteidigt und gestürmt, auch am Brunnenbecken tobte der Kampf, und Unerbittliche holten sogar mühsam Schüssel um Schüssel, Eimer um Eimer weither vom Bach und aus den! (inrten, nur um sie nach einem weiten und gefahrvollen Weg mit wilder Begeisterung über den Kopf des ״Feindes“ von hinten her zu schütten. Dazu gehört Fanatismtts. Unernste Elemente brachten Verwirrung in die Sache, indem sie die Zugehörigkeit zu den beiden ״feindlichen“ Gruppen grundlos wechselten und dadurch bald niemand mehr ״Freund und Feind“ unterscheiden konnte. Das Ergebnis der Schlacht waren nasse Haare und Leiber, Wäschewechseln und allgemeines Niesen und eine Ueberschweinmung allerorts, wie sie die Dorfteuerwehr nicht schöner hätte fertiggebracht. Aeltnliche Katastrophen sind nicht wieder vorgekommen. Aber ein ganz gewöhnlicher Freitag ist höchst merkwürdig. Alle Leute sind •guter Laune, weil mal wieder eine Arbcits- Woche vorüber ist und wieder ein Schabbat winkt, an dem man etwa-; Spazierengehen, lesen, spielen und schlafen kann. Unser Junuenwaschratmi dröhnt von herrlich-schrecklichem Gesang. Fs n ilit einen zurück, wenn man eintritt, Untnöglieh, nicht .,mit/iismgeii״, unmöglich, zu sprechen, ohne sich die Kehle luraii-zusclireicn. Im ersten Moment macht der Lärm einen un״eordne!e11 Eindruck, Der Kenner aber merkt immer bald, was hier los ist. Es kann sich zum Beispiel um einen edlen Wettloimpl handeln, wer sein Lied am lautesten singt und sich den anderen gegenüber durchsetzt. Nackte Leiber, _Scifn1spritzer, Wasserciampf, verzweifeltes Klopfen an der Türe - einer will rein, und niemand bemerkt es — und dazu aus voller Brust ein musikalisches Durrheinander. Manchmal wiederum äußert sich unser musikalischer Drang umgekehrt: wir singen alle zusammen unaufhörlich einen Kanon; das beginnt um vier und dauert bis acht — und wir sind sehr stolz darauf. Fs kommen immer neue Chawerim in den Wasehraum, und die alten gehen, aber einer gibt seine Stimme an den anderen weiter. Diese Art von Konzert tötet die Nerven mindestens so schnell ab wie die vorher besch riebene. Ich hätte gern auch noch über andere Gebiete unseres ״Kulturlebens“ geschrieben und über unsere Wettkampfwut: wer am frühesten aufsteht, wer am längsten ununterbrochen dasselbe pfeift usw. Vielleicht ein andermal. Ludwig (Jessen) Mit einem Klempner auf Arbeit Das gefällt dir so, wie ich im blauen Anzug vor dir Stehe, mit Ocl und Gips beschmutzt. Du siehst mit einer gewissen Achtung aut meinen Zollstock, der in einer eigens da? 1 eingerichteten Tasche steckt. Dein Blick fällt auf meine We kz.eugkistc, die ich unter den Arm geklemmt habe und Jra; end schaust du auf den breiten Gürtel und auf das sch vere Seil, das wie das Lasso eines Indianers aussieht. Ich sehe dir an, du hast vor mir ein bißchen Achtung und bist auch etwas neugierig. Warum auch nicht? Du bist sicher schon manchmal an einem Neubau stehengebiieben, um zuzuschauen, wie ein Haus langsam emporvvächst. Du hast auch öfter mit ehrlicher Bewunderung die Arbeiter betrachtet, wenn sie neue Straßenbahnschienen zusammenschweißen. Jetzt möchtest du gern wissen, was ich als Klempner zu tun habe. Ich will dir einen Vorschlag machen. Du kannst mich begleiten... So, nun kannst du mir helfen. Erst schneiden wir Blech in Streifen von •10 cm. Wir Klempner nennen diesen Zuschnitt den fünfteiligen, weil man aus einer Tafel Blech -fünt Streifen schneiden kann. Nun haben wir die Streifen fertig. Jetzt müssen sie gerundet werden. Du wunderst dich, wie schnell das geht. Das macht die Uebung. Es muß alles ordentlich gemacht werden. Mir macht nur schöne und saubere Arbeit Spaß. Jetzt kommt an die eine Kante der!Wasserfalz und an die andere der Wulst. Du staunst, wie der Hammer so gleichmäßig auf und ab geht und die Kante kerzengerade umlegt. Jetzt arbeiten wir die Regenrinnen im Rohbau fertig. Nun werden sie zusammengclötct. Es muß eine schöne, glatte und dichte Lötnaht geben! Dabei muß man genau aufpassen, und ich kann jetzt weniger mit dir reden. Mit diesem Lappen kannst du a!1 den fertig gelöteten Rinnen die Salzsäure abwischen. — Das wäre auch geschafft! Jetzt stehen die Rinnen sauber und blank vor uns. Der Rest der Arbeit muß am Dach selbst geleistet werden. Komm, ich steige jetzt hinaus, und du gibst mir das Werkzeug, das ich brauche. Das Seil, das an meinem sogenannten Rettungsgürtel befestigt ist, kannst du vom Dachfenster aus halten. Du siehst, wie ich herunterklettere, man muß acht gehen, daß man nicht abrutscht. Siehst du hier die neuen Rinnen-Eisen, die die Rinne halten, die habe ich heute morgeil schon angeschlagen. Ich brauche jetzt nur die Rinne einzusetzen und nochmals die Stücke miteinander zu verlöten. Die Rinnen-Eisen müssen auch ganz genau nach Gefälle sitzen, damit das Regenwasser ablaufen kann. Man muß dazu jedes Eisen nach genauer Berechnung abbiegen. Aber das muß ich dir später einmal erklären... Eck, Makkabi Hazair (Frankfurt a. M.) Mähzeit Sonntag abend steigt die große Sache, die wir noch von vorigem Jahr kennen und auf die wir uns schon lange freuen: Mäh-Appell. In der Ecke stehen die Sensen und Harken, neu gedengelt und repariert. Alle, die auf die Wiese zu kommen hoffen, streiten sich heftig, welche Sense sie nehmen wollen. Einer glaubt, daß die größte die beste sei. ״Vorläufig kommt ihr ja noch gar nicht zum Mähen“, unterbricht sie der ״Chef“. ״Wieviel Harken und Sensen haben wir? Einer wird mit der Forke arbeiten. Sind alle Fahrräder in Ordnung? Habt ihr alle wasserdichte Stiefel? Für diese Woche wollen wir zwei Kolonnen zu je acht Mann bestimmen. Und den Neuen werden wir mal die Wiese von Wendisch selbst überlassen!!“ Einige sehen sich unsicher an. Montag morgen, — halb drei Uhr, Hemd und Hosen an, schnell gewaschen, schnell gefrühstückt, Sensen und Harken über den Buckel, aufs Rad und los geht’s. Wir sind da. Der ״Chef“ steigt ab und zeigt auf ein Wiesengrundstück von acht Morgen. ״Jetzt in die Hände gespuckt und zeigt, was ihr könnt! Seht ihr — das Stück In der Erntezeit hinter der Dahme (״Strom“ von Halbe) bis zu den Pfählen gehört auch noch dazu.“ O weh, denken die, die schon im vorigen Jahr das Heu über die Dahme tragen mußten. Der ״Alte“ mäht als erster, hinter ihm bemüht sicli Gustav. So, nun kann es mit dem ״Aniernen“ losgehen. Alle stehen gespannt hinter dem ״Chef“ und seinem Opfer. ״Vorsicht da hinten! Richtig durchziehen! Niedriger! Alles mitnehmen! Stell dich doch nicht so dämlich an!“ Aber Ernst hat es schnell begriffen. Das Kopftuch hängt ihm ins Gesicht, das schadet aber nichts. Jetzt geht’s schon. Bald fängt der Aerrnste an grausam zu schwitzen. Beim ersten Versuch, ״fachgerecht“ zu mähen, landet er mit der Sensenspitze im Boden. ״Gib mir mal den Wetzstein“, stöhnt er. Die Sense ist zwar noch nicht stumpf, aber er ״muß“ jetzt unbedingt ein wenig wetzen. Eine halbe Stunde hat er schon hintereinander gemäht, sein Gesicht ist schweißbedeckt, alle haben natürlich gesehen, wie er in den Boden hackte — das war unbedingt zuviel, — So, jetzt ist sie wieder scharf, schnell noch den Schweiß abgevvischt, und weiter gehfs. Sch-sch! das Gras fällt. SjgUhr — Frühstück. Ganz geknickt setzen sich die Mäher in den Schatten, nach dem Nassen lechzend. ״Ihr trinkt nicht mehr als eine Tasse!“ Gierig werden die Stullen verschlungen. Noch ein Viertelstündchen ausruhen und wieder an die Arbeit. 1 Uhr — Feierabend, um 1/22 Uhr fahren wfr los. ״Setzt euch noch ein wenig hin.“ 2 Uhr Mittagessen, um 3 Uhr in den See, von 4 Uhr an wird geschlafen. So vergeht ein gewöhnlicher Mähtag. Es gibt aber auch außergewöhnliche. Donnerstag 7. B. war ein außergewöhnlicher. Mähtag. Wir mußten jenseits der Dahme mähen. Wir ziehen die Strümpfe aus und waten in Schaftstiefeln durch die Dahme. Die Wiese steht unter Wasser. Das Wasser läuft in die Stiefel. Und dann das Gras rübertragen. Wenn der ״Alte“ wüßte, wieviel dabei in der Dahme ein glückliches Ende findet . ... 1/212 Uhr. Es ist ein schönes Bild, wie unsere Kolonne im Takt das hohe Gras schneidet. Das Gras fällt glatt unter unseren kräftigen Hieben. Wir können schon mähen und der Takt bringt Stimmung mit sich ... — Da, ein Rad, ein grünes Hemd: Der ״Alte“ kommt Schern sinkt unsere Stimmung um einige Grade. Ernst hackt vor Aufregung in den Boden. Er scheint schon Böses zu ahnen. — ״Da vorn, das Stück (das wir die ersten beiden Tage gemäht haben) sieht Schauderhaft aus! Es wird wohl nichts übrig bleiben, als daß die zwei Aeltesten von euch, die schon voriges Jahr gemäht haben, das Stück morgen nachmähen. Ganz sauber muß es aussehen. Uebrigens können die Sensen heute abend nicht gedengelt werden, der Stellmacher ist verreist.“ Wir stehen wie vom Schlag gerührt. Schöne Aussichten. Und wir sind blamiert. Ob sie es schaffen? Drei Morgen!! Sie haben es geschafft. Seitdem gibt es in Halbe vfer Heuschnitte: Den ersten Schnitt mit Nachmahd und den Grummetschnitt mit Nachmahd. — Trotzdem. Frage einen ״Halbenscr“, welches die schönste Zeit in Halbe ist: Die Mähzeit, wird es dir antworten. Chanoch (Halbe) Seefahrts - Hachscharah Ich bin 16 Jahre alt. Mein Arbeitsplatz ist auf einem Schlepper. Die Besatzung besteht aus vier Leuten, und zwar einem Kapitän, einem Maschinisten, einem Heizer und einem Matrosen. Ich fahre auf einem größeren Schlepper als Junge. Wir schleppen nur größere Schiffe. Die rein körperliche Arbeit ist an und für sich nicht so schwer, aber die Arbeitszeit stellt hohe Anforderungen. Man muß auch scharf aufpassen. Ein Fehler ist schwer wieder gutzumachen. Wenn wir beispielsweise ein großes 18 000-Tonnen-Schiff in ein Dock schleppen, so arbeitet die Maschine des großen Dampfers gar nicht, da sie sonst durch ihre große Kraft Schaden anrichten könnte. Das Schiff ist also vollkommen auf uns angewiesen. Wenn nun unsere Maschine aussetzt oder wir nicht richtig manövrieren, so kann das Schiff leicht gegen die Dockwände anstoßen und Unheil anrichten, da es dort nur ganz geringen Spielraum hat. Es liegt nun an jedem Einzelnen auf unserem Schlepper, daß alles glatt geht. Dabei ist es nebensächlich, ob man auf Deck oder an der Maschine arbeitet. Ich arbeite auf Deck. Wenn wir gerade nicht schleppen, muß ich malen, Rost klopfen, Messing putzen, Taue spleißen (d. h. zwei Taue miteinander verbinden, ohne einen Knoten zu machen) u. ä. Beim Schleppen arbeite ich mit dem Steuermann zusammen. Es ist gut, wenn man vorher in der Schlosserei oder in einer Werkzeugfabrik gearbeitet hat. Auf dem Schlepper lernt man dann gleich, wie man mit der Maschine umgehen muß und auch heizen; auf großen Schiffen ist es nicht möglich, weil dort Heiz- und Maschinenraum getrennt sind. Der Maschinenjungc muß die Maschine sauber halten, häufig abschmieren, die Messingteile putzen, später lernt er auch, die Befehle, die durch den Telegraphen kommen, auszuführen und Reparaturen sachgemäß zu besorgen. Nach einem halben Jahr auf einem solchen Schlepper hat man schon verhältnismäßig viel gelernt, da man ja an allen Arbeiten teilgenommen hat. So besitzt man schon eine gute Grundlage, wenn man auf ״große Fahrt“ geht. Dann ist man oft 2—3 Monate fort, kommt in fremde Länder und lernt viel Neues kennen, Peter R. (Hamburg) Vorbereitung auf der Jeschiwa Es ist nicht nur die Tatsache, daß ich in eine ganz andere Umgebung gekommen bin, die so viele neue Eindrücke vermittelt und mich nicht zum Schreiben kommen läßt. Ich bin zwar kein Musterknabe geworden, vielleicht habe ich überhaupt keine Anlage dazu, aber ich bin in das Lernen hincingekotnmen, und es gefällt mir. Oft frage ich mich, woher diese Einstellung zum Lernen kommt. Ihr wißt, daß ich Angst hatte, zur Jeschiwa zu gehen, und daß wir alle eigentlich glaubten, hier würde ein neuer Schulbetrieb an den Eingang der Jugendhachscharah gestellt So ist es aber nicht. Die Gemeinschaft ist sehr gut. In meiner Lerngruppe sind, Iris auf zwei, lauter Jungen, die nach Pcßach zur jugend-Hachscharah gehen. Wir sind jetzt ein Jahr lang hiergewesen und währenddessen von unseren bescheidenen Chumasch-Kemitnisser! zu den Anfangsgründen der Gemara vorgedrungen, haben dabei auch Hebräisch nicht vernachlässigt. Wenn wir lernen — und mit Freude lernen — so bewegt uns nicht zuletzt auch das Gefühl, daß diese Thora eine Grundlage für unsere spätere Arbeit sein wird und wir in unserer Arbeit in der Hachscharah und nach der Alijah im Lande eine feste Beziehung zu den Werten unserer jüdischen Vergangenheit brauchen und auf der Jeschiwa bekommen, die uns wissensmäßig und gefühlsmäßig Kraft gibt, um über die Hemmnisse hinwcgzukoinmcn, die sich unserem Aufbauwerk entgegcnstellcn. Aber ich will gar nicht so weit gehen. Wenn ich mir vorstellc, daß wir in zwei Monaten auf nachscharah sein werden und auf uns allein gestellt das kulturelle Leben der Gruppe gestalten müssen, so möchte ich den Jeschiwa-Aufenthait nicht missen. W. J., Hoffmannschc Jeschiwa Frankfurt am Main

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