Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 43 (1938)
- Issue
- Heft 18 (4.3.1938)
- Date
- 1938-03-04
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 18, 4. III. 193b Zionistische Großkundgebung Eine Palästinakundgebung der Jcwish Agency und der Zionistischen Vereinigung für Deutschland fand «inen so lebhaften Widerhall, daß zahlreiche Menschen keinen Einlaß mehr finden konnten. Die Versammlung wurde von Dr. Leo Bacck geleitet, der eingangs des Heimgangs Otto Warburgs cdachte. Dr. Hans Friedenthal betonte in seiner Rede, aß unsere erste Forderung sein muß: das Offenbleiben der Tore. Das jüdische Volk müsse endlich dazu kommen, eine einheitliche Antwort auf die Palästinafrage zu geben, und die Kräfte der zionistischen Bewegung durften deshalb nicht länger zersplittert werden. Und unsere Antwort auf die Frage, ob wir einen jüdischen Staat wollen, kann nur lauten: wir sind bereit, wenn drei Voraussetzungen erfüllt sind: Einwanderung, Bodenkaut und Siedlung. Aber ebenso sind die Juden auch heute noch bereit, mit den Arabern zusammen an der friedlichen Entwicklung des Landes zu arbeiten. Der zweite Redner des Abends, Dr, Michael T r a u b, entwarf ein eindrucksvolles Bild von der jüdischen Krise in der Welt, unter deren Aspekt wir den Kampf um Palästina führen. Er kennzeicluiete die neue Unsicherheit und Beimruhigung, die durch das Weißbuch entstanden sind und sprach von dem einmütigen Protest des jüdischen Volkes gegen eine nochmalige Verengung der bereits zu engen Grenzen des Peel-Platis. Es handelt sich bei der Palästinafrage nicht in erster Linie um Rechtsfragen, sondern um politische Ent- Scheidungen, und es muß darum eine Synthese?.wischen unseren und den englischen Interessen in bezug auf Palästina gefunden werden. Wir fordern den jüdischen Staat mit Lebensraum gewährenden Grenzen oder eine Nationale Heim- Stätte mit den durch Balfour-Deklaration und Mandat garantierten Rechten. Vor allem aber fordern wir die Wiederher- Stellung des Prinzips der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit bei der Festsetzung der Einwandeningsquore. Die Lage der Juden in der Welt'und ihre Leistung in Palästina geben uns das Recht auf diesen Anspruch. Mit einer eindruck-.vollen Rede von Dr. Max Grünewald, der insbesondere die -Sehnsucht der heutige״ jüdischen Welt nach einer starken und einheitlichen Führung hervorhob, schloß die Versammlung die allen Rednern mit stürmischer Zustimmung dankte. —nn. C.-V.-Kundgebung Am 16. Februar t.uml eine außerordentlich stark besuchte Kundgebung des Jüdischen Central-Vereins statt, die von Dr. Herzfelit (Fv-en) eröffnet wurde. Rabbiner Dr. M. Swarsenskv wies in seinen! Referat ״Unser Anteil an der jüdischen Arbeit׳* darauf hin, daß kein Jugendlicher für die Jugeiul-Alijali oder die Mittleren-Hachscharah zu schade sei; er forderte andererseits, daß auch für die wirklichen besonderen Begabungen etwas getan werden müsse. — Das zweite Referat über ״Palästina und die Welf‘ wurde von Dr. Eva R e i e h m ״ ה n - j u 11 g m a n n gehalten. Sie fand begeisterte Worte für die Schönheit des Landes und für die kolonisatorischen Großtaten, forderte aber, daß die jüdische Wirklichkeit in Palästina ihre Ergänzung in einer jüdischen Wanderung nach Uebers.ee finde. Das Orchester des Kulturbundes unter der Leitung von Kapellmeister Rudolf S c 11 w a r z gab 1׳ein Abend seine künstlerische Ausgestaltung. M. Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände teilt mit: Neue Lehrbriefe. Nr. 9, Josef Burg: ״Von der Volkswerdung bis zum Untergang des jüdischen Staates“; Nr. 10, Hanns Winter: ,,Semitin״“. Von den alten Lehrbriefen sind nur noch Nr. 1, Sportbroschüre, Nr. 4, Freizeitgestaltung, Nr. 8, Wie kann inan PaJäsfin.ikunde treiben? in geringen Mengen vorrätig. Mitglieder der Bünde bestellen die Lehrbriefe bei ihren Bimdesleitungen. — Jüdisches Lehrhaus. Genieinschaftsveranstalttingen für die jüdische Jugend ״Du und das Leben“ (Einführung in die Biologie), Leitung: Hellmut Silberstein, Dienstags IS Uhr, Kaiserdanun 7S. Einführung in die Kunstbetrachtung, Leitung: Erwin ScÜginann, Dienstags, 20.15 Uhr, Marburger Str. 5. Singegemeinschaft, Leitung: Erwin Jospe, Mittwochs, 20 Uhr, Oranienburger Str. 31. Arno Nadel Sein Werk In Bild und Wort Arno Nadels schöpferische Vielseitigkeit suchte eine Veranstaltung der ״Künstlerhilfe“ im Hause Weil durch die Gleichzeitigkeit eines Vortragsabends mit der Eröffnung einer Gemäldeausstellung zu beweisen. Die Erschließung der kiinst- Icrischen Weiten des unermüdlichen Gestalters durch einige Dichtungen und zahlreiche Bilder blieb leider unvollständig, da uns der Dichter und Maler, überdies Sammler jiddischer Volkslieder, seine Kompositionen vorenthiell. Der Dichter Arno Nadel verfügt über reizvolle Formenvielfalt und überzeugt durch eine stets das Wesentliche hervorhebende Ausdruckskunst. Als Lyriker ein gedankenreicher, im ״Ewigen Gesang“ machtvoller Lobsinger göttlicher Allmacht und oft faustischer Sucher unserer Ursprungswurzeln und unseres Daseinssinns, zuweilen, wie im ״Vorfrühling“, ein Verliebter in die Jahreszeiten, in den Strophen: ״Kindheit‘‘ und ״Häuser“ ein Schwelger in Erinnerungen, enthüllt er in dem Gedicht ״Vollkommenheit“ sein Ideal: ״Ganz Auge, ganz Sinn“. Nadels Verse erfreuen nicht zuletzt durch die innige Einfachheit ihres auf jeden Spraehprunk und auf jede. künstliche Wortbildung gern Verzicht leistenden Aussagewillens. Otto Bernstein bewährte sich als einfühlsamer Mittler aller Dichtungen und fand besonders in der Elegie: ״Totenfeier“ die vibrierende Inbrunst tiefer Bewegtheit. Seinen rezitatorischen Höhepunkt erreichte er in der stark dramatischen Szene: ״Jonas“; im titanischen Zusatnnienpral! aller atmosphärischen und seelischen Elemente entfaltete Bernstein alle Kräfte seiner Klangwucht und Charakterisierungsstärke. Die Gemäldeausstellung zeigt aus einem in 15jähriger Arbeit entstandenen Zyklus religiöser Malerei von 40 Bildern 14 biblische Gestalten, die aus Geheimnisscliatten rembrand- Haft dunkler Hintergründe aufgeistern, in ihren gespannten Zügen seelische oder geistige Kämpfe offenbaren und durch einprägsame Gebärden sowie Mienenspielc, vor allem aber durch die stumme Beredsamkeit ihrer Augensprache wirken. Arno Nadel ist kein ״Schönmaler“ voll schmeichlerischem Farbenschmclz; seine Ausdruckskunst in maßvollem, expressionistischcm Stil sucht unter Verzicht auf jedes Requisit die biblischen Figuren lediglich durch seelische Inschriften zu kennzeichnen. Neben diesen geistigen und seelischen!.andschaffen aus der Vergangenheit begrüßt man u. a. mit Freude das Bildnis eines Rabbiners sowie einige Natnrausschnitte von einer zarten Gelöstheit durch fließende Formen, gewiß Andeutungen neuer Entwicklungswege. —t. Kinder tanzen. In der Turnhalle des Bar Kochba-Hakoah fand am 26. Februar ein Tanzabend von Irmingard Will-!1 e r mit ihren Schülerinnen statt. Die Erwartung der anwesenden Eltern, Geschwister und Freunde der Kinder wurde durch den guten Verlauf des Abends vollauf belohnt. Aus der Fülle des Gebotenen fielen besonders die Tänze der grazilen, kleinen Lucie Hirschberg auf, die mit wirklicher Tanzbegahung und entzückender Grazie u. a. einen Walzer von Chopin tanzte, der besonders gut gelang. Dieses Kind verspricht viel und besitzt jetzt schon erhebliebes Können. Auch bei Therese Silber mann konnte mau Begabung und Anmut konstatieren. Besonder״ gut gelang der ״Z eitun gsjungentan z“, der von Irmingard W i I 1 n e r selbst, Reni Silbermann und der niedlichen fünfjährigen Marion Marwiiski getanzt wurde, die neben tänzerischer Eignung eine ausgesprochen schauspielerische Begabung besitzt. Wenn auch nicht alles gleichmäßig befriedigen konnte, so war es alles in allem ein erfreuliches Resultat für die viele Mühe und Arbeit, die Irmingard Willner mit ihren Schülerinnen bei der Vorbereitung des Abends gehabt hat. _ C11.F. Mazzothlieferung an Bedürftige. Anträge auf Zuteilung von verbilligten Mazzoth und für Alleinstehende auf Gcnehmigung zur Teilnahme an den Sedcr-Abenden müssen bis zum 13. März bei den zuständigen Bezirksstellen des Jitdisehen Wohlfahrtsamts eingereicht werden. Reifeprüfung an der Adass-Schule. Am 23. Februar fand die Reifeprüfung für 18 Primaner statt, die von allen Prüflingett bestanden wurde. Orchesterkonzert im Kulturbund Die naheliegende Befürchtung, die Qualität dieser uns allen am Herzen liegenden Orchestervereinigung könnte, durch mancherlei Abgänge, in Frage gestellt sein, erwies sich glücklicherweise als völlig unbegründet. Um es gleich hier vorwegzunehmen : es wurde an diesem Abend so ausgezeichnet und nobel musiziert, daß selbst der anspruchsvolle Hörer seine Freude daran haben konnte. Es gab im ersten Teil — nach einer reichlich verstaubten Ouvertüre (״Strueiisee“) von Meyerbeer — zwei Urauffülirungen: ein ״Feierliches Vorspiel“ von Walther Hirschberg, ein kurzes Stück, das mit einem Gesangsthema anhebt, (lein dann aber eigentlich die Entwicklung fehlt, denn es hört dort auf, wo es eigentlich beginnen müßte sich auszubreiten. Es hat mancherlei harmonische Reize, ist aber doch im ganzen ein bißchen bläßlich und dünn. Musikalischer und fesselnder war die zweite Urattffülirung dieses Abends, eine ״Horra“ in Fugenform von Jakob Schön borg. Diese Horra bildet den Schlußteil einer dreisätzigen Suite; da sie aber ohne die vorangehenden Teile gespielt wurde, stand sic, ״so ohne was herum“, ein bißchen einsam und verlassen da. Das musikalische Thema ist einem palästinensischen Tanz entnommen, es wird instrumental ausgeweitet und in einer dynamisch und rhythmisch rei/vollen Fuge durchgeführt. Vielleicht bekommen wir einmal das Ganze zu hören. Im Anschluß daran spielte der Konzertmeister des Orchesters Leo Rostal das Cellokonzert von Anton Dvorak, das vielleicht schönste Konzert der gesamten Cellolitcratur. Hier strömt es aus den Urquellen dieser musikdurchtränktcn böhmischen Landschaft, man braucht nur die Augen zu schließen, um sich auf diesem dunkelglühenden Strom dorthin forttragen zu lassen... Rostal ist ein ausgezeichneter und leidenschaftlicher Musiker und dazu ein hochbegabter Cellist. Er hat einen schönen und warmen samtenen Ton, und seine Kanlilenc hat den weiten Atem strömenden Gesangs. Wenn er sein Passagenspiel weiterhin so vervollkommnet wie bisher, dann braucht man um die Entwicklung dieses jungen Musikers nicht besorgt zu sein. — Rudolf Schwarz leitete das begleitende Orchester ganz aus dem Geist dieser Musik, so daß eine untadelige Aufführung des schönen Werks zustande kam. (Ein besonderes Lob für den Bläser, der die wundervolle Hornstcllc in der Introduktion auffallend, schön spielte.) Zum Schluß: Mozart, die Jupitersinfonie. Was läßt sich noch über diese Musik, die ein Genius vom Himmel auf diese dunkle Erde hinuntertrug, sagen? Nichts. Das Instrument der Sprache reicht da nicht aus. Schwarz musizierte sie mit seinem Orchester mozartisch, und das ist wohl das höchste Loh, das man aussprechen kann. Vielleicht war der Menuett salz ein bißchen zu schwer, zu gravitätisch und im Tempo um eine Spur zu langsam; aber das Andante war vollkommen schön und ohne Erdenschwere musiziert, und ebenso das kristallklar aufgebaute Presto-Einale. Der übervolle Saal dankte für diese schönen Gaben mit großem Beifall. _ — Io— Oie Jüdische Winterhilfe teilt mit: Musikalische Matinee. Als letzte repräsentative Veranstaltung zugunsten der Jüdischen Winterhilfe findet am 20.März, 11.30 Uhr, im Brüdervereinshaus, eine Matinee des Mayer- Mahr-Trios unter Mitwirkung von Susanne Loewenstein, Hermann Scliey, Maximilian Hüttner und Josef Glaß statt. Ansprache: Dr. Kurt Singer. Eintrittskarten bei: Philo-Buchhandlung, Pariser Str. 44; M. Poppelauer, C 2, Neue Friedrich- Straße 50, und der Jüdischen Winterhilfe, Heidereutergasse 5/6 (Fernruf: 4167 11). Verkaufsmesse zugunsten der Jüdischen Winterhilfe. Am 20. März, 12 Uhr, im Brüdervereinshaus Verkaufsmesse samtlieber von den jüdischen Schulen Berlins hergestellten Gegenstände zugunsten der Jüdischen Winterhilfe. Am Nachmittag spielt das Kinder-Orchester des Waisenhauses Pankow'. Ausgabe für Betreute im März. Die Einzelheiten über die Ausgabe von Pfundspendenpaketen sowie von Lebensmittel- und Kohlengutscheinen im März sind aus dem Gemeindcblatt zu ersehen. im NEUMANN ScSrSnk E frbgsdabre BOSCH / SIEMENS BITTER POLAR / AEG. Berlin W, KurfOrstencSamm 305 / Ruf 913716 — PIANOS P APiO | f Anzeigen- Amiahme- Schla^n firetfe 3m'tug-ßt<jg.a6e für eb'e Dlensbg CUijgede. j~ י ^l/ifidocL 13146? 1IttfrvlagriOUftr Die Anzeigen-Verwaltung STELLEN MARKT Nur für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die jüdisch oder jüdischer Abstammung sind Hausgehilfin ר. Frau M. Trautmann, S Kontoristin I. Veis Sühne,Bretten i. Baden. Jiid. Laborantin sofort gesucht. Sanatorium Dr. Rosenberg Tüchtige Hausangestellte jüdisch, sucht Israelitisches Krankenhaus Eitingon - Stiftung, Leipzig C 1. ZuueriHausangesleilie Z0rat™fSormaK^ Soldstein, Berlin, Passaucr Straße 26,1 Schneidermeister H. Löwinger Berlin W SO Ansbacher Straße 40 / Tel6854 24 ״ Fräulein (Jüd.).gate Kitchln, IchtrJt. Haush. gesucht. Frank* furt 8. M.( Paimstr. 14 Stenotypistin Anfängerin (jüdisch), für Vormittag sucht Dr. Aschner Devisenberater f. jüdische Auswanderer Berlin W15, Meinekeslraße 9 (91 28 56) Vorführdame sucht Julius Loewenstein, Berlin W8 Ausschreibung der *teile eines rel.-Ub» ItabbinerN. In unserer Gemeinde ist die Stelle eines Rabbiners an der neuen Synagoge alsbald zu besetzen. Bewerber, die auf dem Gebiete des Unterrichts und der Jugend- —jüfl. Hausangestellte— l-Zirntne:r*KomB>rt-Haushalt 1 תו r- Damenmäntel ך־ ertretcr für NorddcntsdsUnd n eingeführter Breslauer Damenmäntelibrik gesucht. Jüd. Herren, die vorihendes Gebiet mit Erfolg bereist ben, wollen Angeb. richten unt. II 390 die Amce-Abteilungder J.R, Bln.WlS I. Verkäuferin -■ Jüd., nur in besten Hnusero tätig gewesen, per sofort evtl, später gesucht Nur gute Erscheinung bis 45 Jahre. Vorzustellen: Wochentags ah 19 Uhr. Berichter & Co., Berlin Ul, Kurt0rstendamm233 Handelsvertreter Daznankndpfe, Anateckaachen gesucht. 2 enahr. 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